Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung in Deutschland

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1 Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung in Deutschland Was ist die Bonner Erklärung? Die Bonner Erklärung ist ein Brief. In dem Brief haben Menschen ihre Ziele aufgeschrieben. Und was jeder tun muss, damit alle zusammen diese Ziele erreichen. Die Ziele sind die Ergebnisse einer Veranstaltung. Die Veranstaltung hieß: Gipfel Inklusion Die Zukunft der Bildung. Im März 2014 trafen sich 350 Menschen zu dieser Veranstaltung in Bonn. Die Menschen haben über das Thema inklusive Bildung gesprochen. Und wie inklusive Bildung in Deutschland funktionieren kann. Inklusive Bildung bedeutet: Alle Menschen lernen gemeinsam. Egal, ob sie reich oder arm sind. Schnell oder langsam lernen. Schlecht sehen oder hören können. Warum gibt es die Bonner Erklärung? Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung. Das Recht auf Bildung gilt in der ganzen Welt. Dafür gibt es einen Plan. Der Plan heißt: Aktionsplan Bildung für Alle. Dieser Plan gilt für die ganze Welt. Jeder Mensch muss einen Zugang zu guter Bildung haben. Egal, woher der Mensch kommt, ob er arm ist, aus einem anderen Land kommt oder eine Behinderung hat. Seite 1 von 8

2 Dafür gibt es auch die UN-Behindertenrechts-Konvention. Die UN-Behindertenrechts-Konvention ist eine Vereinbarung, die für alle Länder der Welt gilt. In der Vereinbarung steht, Menschen mit und ohne Behinderung haben die gleichen Rechte. Dort steht, dass alle Menschen gemeinsam lernen können. Egal, wie schnell oder langsam der Mensch lernt. Jeder Mensch muss zum Lernen so viel Unterstützung bekommen, wie er braucht. Das ist bei jedem Menschen anders. Dafür muss es gute Bildungs-Angebote geben. Sehr viele und sehr unterschiedliche. So vielfältig wie die Menschen sind. In Kindergärten, Schulen oder in der Berufs-Ausbildung muss es gute Bildungs-Angebote für alle geben. In Deutschland lernen noch nicht alle Menschen gemeinsam. Obwohl es in der UN-Behindertenrechts-Konvention steht. Das muss sich ändern. Darum muss die Bundes-Regierung von Deutschland Pläne für gemeinsames Lernen machen. In den Plänen muss stehen: Welche Hindernisse gibt es in der Bildung? Wie sollen die Hindernisse abgebaut werden? Wer soll die Hindernisse abbauen? Die Bonner Erklärung fordert einen Plan für Deutschland. Dort steht, wer was tun muss, damit gemeinsames Lernen in Deutschland gelingt. Wichtig ist, dass alle Menschen gute Bildung wollen. Und sich dafür einsetzen. Seite 2 von 8

3 Das müssen alle Menschen überall tun: 1. Alle Menschen sollen über gemeinsames Lernen sprechen. Sie sollen wissen, wie gemeinsames Lernen funktioniert. Sie sollen über ihre Erfahrungen beim gemeinsamen Lernen sprechen. 2. Alle Menschen sollen sich für gute Bildung und für gemeinsames Lernen einsetzen. Für gute Bildung muss es mehr Geld geben. Geld für mehr Lehrer, Ausbilder und Erzieher. Geld für Material und für Räume. Die Räume müssen barriere frei sein. Barrierefrei bedeutet, dass es keine Hindernisse für Menschen mit Behinderungen gibt. Hindernisse sind zum Beispiel Treppen für Rollstuhl-Fahrer. Dafür muss es Rampen geben. Hindernisse sind auch lange Texte mit Fremd-Wörtern für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Dafür muss es Texte in Leichter Sprache geben. 3. Schüler, Lehrer, Eltern und Chefs von Firmen müssen beraten werden, was gemeinsames Lernen bedeutet. Die Beratung muss gut verständlich sein. 4. Alle Kindergärten, Schulen und Ausbildungs-Firmen müssen barrierefrei sein. Das muss der Deutsche Bundestag tun: Der Deutsche Bundestag bestimmt die Politik in Deutschland. Im Deutschen Bundestag arbeiten Abgeordnete. Die Abgeordneten gehören zu verschiedenen Parteien. Die Abgeordneten treffen Entscheidungen für Deutschland. Sie bestimmen die Gesetze in Deutschland. Seite 3 von 8

4 5. Der Bundestag muss eine Gruppe von Fachleuten beauftragen. Die Fachleute machen Pläne für gemeinsames Lernen in Deutschland. In den Plänen muss stehen: Was an den verschiedenen Orten gemacht werden muss Wie es gemacht wird Was die Ergebnisse sein sollen. Das muss die Bundes-Regierung von Deutschland tun: Zur Bundes-Regierung von Deutschland gehören die Bundes-Kanzlerin und 16 Ministerinnen und Minister. Die Bundes-Regierung von Deutschland macht Vorschläge für neue Gesetze. 6. Jeder Mensch hat das Recht auf gemeinsames Lernen. Das steht in der UN-Behindertenrechts-Konvention. Das ist eine Vereinbarung, die für alle Länder der Welt gilt. Das Recht auf gemeinsames Lernen steht aber nicht in den Gesetzen von Deutschland. Dafür muss die Bundes-Regierung ein neues Gesetz machen. 7. Die Bundes-Regierung und die Bundesländer von Deutschland müssen zusammen arbeiten. Gemeinsam müssen sie gemeinsames Lernen möglich machen. 8. Gemeinsames Lernen muss es in der Berufs-Ausbildung geben. Firmen müssen sich dafür einsetzen. Alle Menschensollen eine Ausbildung in einer Firma machen können. Und dafür soviel Unterstützung bekommen, wie sie brauchen. Dann sind weniger Menschen in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Seite 4 von 8

5 9. Fachleute müssen das Thema gemeinsames Lernen besser erforschen. Fachleute sollen prüfen, wie gemeinsames Lernen geht. Und welche Hindernisse es noch gibt. Sie sollen sagen, warum es woanders gut funktioniert. Oder warum nicht. Die Fachleute sollen Tipps für Lehrer, Erzieher oder Ausbilder aufschreiben. 10. Auch in ärmeren Ländern sollen alle Kinder gemeinsam lernen. Deutschland arbeitet mit ärmeren Ländern zusammen. Zusammen sollen die Länder gemeinsames Lernen möglich machen. Dafür gibt es schon einen Plan. Der Plan heißt: post-2015 Entwicklungs-Agenda. Der Plan gilt ab dem Jahr Der Plan sagt auch, dass alle Menschen Zugang zu guter Bildung haben müssen. Das müssen die Bundesländer von Deutschland tun: 11. Die Bundesländer von Deutschland müssen zusammen arbeiten mit der Bundes-Regierung von Deutschland den Städten den Firmen den Fachleuten und allen Menschen, die für Inklusion sind. Sie sollen gemeinsam gute Pläne machen. Die Pläne nennt man auch Aktionspläne. In den Plänen muss stehen, wie gemeinsames Lernen sein soll. Dort steht: Wie gemeinsames Lernen im Kindergarten sein soll. Oder wie gemeinsames Lernen für erwachsene Menschen sein soll. Seite 5 von 8

6 Dort steht auch, wie der Wechsel von der Schule in eine Berufs- Ausbildung sein soll. 12. Die Bundesländer müssen die Gesetze zur Bildung ändern. Die Gesetze sind alt. Die alten Gesetze verhindern gemeinsames Lernen. 13. Die Lern-Pläne und Bewertungen mit Schul-Noten sind alt. Sie müssen geändert werden. Nur dann ist gemeinsames Lernen für alle möglich. 14. Alle Lehrer müssen lernen, wie gemeinsames Lernen geht. Sie müssen die neuen Pläne für gemeinsames Lernen kennen. Sie müssen darüber sprechen. Und sich gemeinsam dafür einsetzen. 15. Heute gibt es 2 Schulformen: Sonderschulen und Regelschulen. Es soll nur noch eine Schule für alle geben. Alle Lehrer arbeiten dann gemeinsam an der neuen Schule für alle. Bis dahin sollen alle Lehrer der Sonderschulen und der Regelschulen eng zusammen arbeiten. 16. Grundschulen und Berufs-Schulen sollen barrierefreie Angebote haben. Denn die Bildung wird besser durch gemeinsame und barrierefreie Angebote. Barrierefreie Angebote sind zum Beispiel: Bücher in Leichter Sprache für Schüler mit Lernschwierigkeiten Computer mit einer Sprach-Ausgabe für blinde Schüler Sport mit Rollstuhl-Basketball für alle. Überall muss es gemeinsame Schulen geben. Seite 6 von 8

7 Das müssen alle Städte und Landkreise in Deutschland tun: 17. Die Städte und Landkreise müssen die Zusammenarbeit aller Bewohnerinnen, Bewohner und Einrichtungen fördern. Das sind zum Beispiel: soziale Dienste Jugendhilfe-Einrichtungen Schulen Ausbildungs-Stellen Stadtteil-Zentren Fachleute Vereine oder Eltern. 18. Die Städte und Landkreise müssen Pläne für gemeinsames Lernen in ihrem Ort gemeinsam aufschreiben. Und möglich machen. 19. Städte und Landkreise müssen gute Unterstützungs-Angebote machen. Dafür müssen sie mit Integrations-Fachdiensten oder Berufs-Bildungs-Einrichtungen zusammen arbeiten. Integrations-Fachdienste sind Beratungs-Stellen für Menschen mit Behinderungen, die in einem Beruf arbeiten. Das müssen die Chefs von Firmen tun: 20. Firmen müssen Berufs-Bildungs-Angebote für alle Menschen haben. Firmen müssen Hindernisse am Arbeits-Platz abbauen. 21. Firmen müssen mit Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation zusammen arbeiten. Das sind zum Beispiel: Werkstätten für behinderte Menschen oder Berufsbildungs-Werke. Sie müssen gemeinsam Pläne machen. Seite 7 von 8

8 Dort muss stehen, welche Unterstützung ein Mensch braucht, wenn er einen Beruf lernen möchte. Das müssen alle Bürgerinnen und Bürger von Deutschland tun: 22. Alle Menschen müssen prüfen, wie gemeinsames Lernen funktioniert. Dafür müssen sie zusammen mit Firmen, Fachleuten, der Kirche oder der Gewerkschaft arbeiten. Es muss Regeln geben, was und wie geprüft werden soll. Nur dann kann man etwas besser machen. Das müssen Fachleute aus den Universitäten und aus der Forschung tun: 23. Fachleute müssen gute Ideen haben. Sie sollen forschen, wie gemeinsames Lernen funktioniert. Sie sollen sagen, was wir dafür tun müssen. Das müssen alle Lehrer, Erzieher oder Ausbilder tun: 24. Alle müssen sich jeden Tag für gemeinsames Lernen einsetzen. Dort, wo sie arbeiten. Und sie sollen viel darüber mit anderen Menschen sprechen. Seite 8 von 8

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