Rede von Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse anlässlich des Empfangs zum 90. Geburtstag von Alt-OB und Ehrenbürger Dr. Werner Ludwig

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1 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 1 von 6 Rede von Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse anlässlich des Empfangs zum 90. Geburtstag von Alt-OB und Ehrenbürger Dr. Werner Ludwig, im Pfalzbau. Es gilt das gesprochene Wort. [Anrede] Wir sind hier heute zusammengekommen, um den 90. Geburtstag von Werner Ludwig zu feiern. Der 90. Geburtstag das ist schon etwas ganz Besonderes. Und der 90. Geburtstag von Werner Ludwig das ist der besondere Geburtstag eines Menschen, der für uns in Ludwigshafen eine besondere Bedeutung hat als Ehrenbürger und als Oberbürgermeister, dessen Name für eine Ära unserer Stadtgeschichte steht. Sie, lieber Herr Ludwig, waren 28 Jahre lang Oberbürgermeister unserer Stadt. Davor waren Sie 7 Jahre lang Sozialdezernent. Das sind zusammen 35 Jahre, in denen Sie die Geschicke unserer Stadt maßgeblich mitbestimmt und ihre Entwicklung gestaltet haben. Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen: Es gibt kaum jemanden, der die Nachkriegsgeschichte unserer Stadt so stark geprägt hat, wie Sie. 35 Jahre das ist eine Generation. Ich kann das vielleicht aus meinem persönlichen Erleben heraus schildern: Als Werner Ludwig

2 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 2 von 6 Sozialdezernent wurde, war ich gerade einmal zwei Jahre alt. Als er zum ersten Mal zum Oberbürgermeister gewählt wurde, ging ich in die dritte Klasse der Grundschule. Natürlich war er noch im Amt, als ich aufs Gymnasium kam. Aber auch bei meinem Abitur hieß der Oberbürgermeister noch Werner Ludwig, und als ich nach dem Studium nach Ludwigshafen zurückkehrte, war er immer noch da. Und er blieb noch eine ganze Weile bis Und im Rückblick muss ich sagen: Es ist eigentlich schade, dass er nicht noch länger im Amt geblieben ist. Zumindest ein Jahr, denn dann, lieber Herr Ludwig, hätten sie mich als neugewählte Stadträtin verpflichten können. Was ich damit sagen will: Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen, und ich habe in dieser ganzen prägenden Zeit der Kindheit, der Jugend, des Erwachsenwerdens und des Aufbaus einer eigenen Existenz keinen anderen Oberbürgermeister erlebt als Werner Ludwig. Und wie ich, so hat das eigentlich eine ganze Generation erlebt: Werner Ludwig war Ludwigshafen. Das haben nicht nur wir in der Stadt so wahrgenommen, sondern das wurde auch von außen so gesehen. Von Manfred Rommel damals Oberbürgermeister von Stuttgart und Präsident des Deutschen Städtetages, ist der Satz überliefert: Der Name von Werner Ludwig war so sehr mit Ludwigshafen verbunden, dass man fast meinen konnte, die Stadt heiße wegen ihm so. Aber es ist nicht nur der Name von Werner Ludwig, der so eng mit unserer Stadt verbunden war, es ist der ganze Mensch.

3 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 3 von 6 Werner Ludwig ist ein Ludwigshafener mit Leib und Seele, und er hat seine ganze Kraft in den Dienst unserer Stadt gestellt. Das ist nicht selbstverständlich, denn geboren wurde er heute vor 90 Jahren in Pirmasens. Sein Vater war ein überzeugter und aktiver Gewerkschafter, was dazu führte, dass die Familie noch im Jahr der Machtergreifung vor den Nazis fliehen musste. Und so wurde aus Werner Ludwig am 27. August 1933, also an seinem 7. Geburtstag, ein minderjähriger Flüchtling. Ich denke, dass wir in der aktuellen politischen Situation gut daran tun, uns mit den historischen Erfahrungen der Generation von Werner Ludwig zu beschäftigen und den Geschichten von Flucht und Vertreibung in unseren jeweiligen Familien nachzuspüren, damit wir begreifen, was das bedeutet: ein Flüchtling zu sein. Die Zeit in Frankreich hat Werner Ludwig geprägt. Dort ging er zur Schule, dort wurde er vom Kind zum Mann, dort studierte er Jura. Vor allem erlebte er in Frankreich den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den Kampf der Résistance für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Werner Ludwig hat im französischen Exil gelernt, was es heißt, eine Haltung zu haben, und für diese Haltung auch unter widrigen Umständen einzustehen. Das hat ihn vielleicht mehr als alles andere geprägt. Er blieb bis Dann kehrte er in das Land seiner Geburt zurück, um genau wie sein Vater mitzuwirken am Wiederaufbau eines sozialen und demokratischen Deutschland.

4 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 4 von 6 Man muss sich das einmal bewusst machen: Werner Ludwig war zum Zeitpunkt seiner Rückkehr 21 Jahre alt. Von diesen 21 Jahren hatte er 14 im französischen Exil verbracht. Weil das französische Examen in Deutschland nicht anerkannt wurde, besuchte er in Mainz noch einmal die Universität. Er machte das erste und das zweite Staatsexamen und promovierte zum Dr. jur. Seine erste Anstellung fand er als Referent beim Bundesvorstand des DGB in Düsseldorf. Das zeigt noch einmal, wie sehr die Gewerkschaft ihn geprägt hat. Danach arbeitete er kurz bei der Landesversicherungsanstalt Rheinland-Pfalz in Speyer und kam schließlich 1956 als Leiter des Ausgleichsamts und Justiziar des Sozialdezernats zur Stadtverwaltung Ludwigshafen. Schon zwei Jahre später 1958 wurde er selbst Sozialdezernent und 1965 schließlich Oberbürgermeister der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Lieber Werner Ludwig, Sie haben dieses Amt 28 Jahre lang mit großer Leidenschaft und Sachverstand ausgefüllt. Sie waren ein Oberbürgermeister mit Überzeugungen und mit klaren eigenen Vorstellungen, für die Sie wenn nötig auch zu kämpfen bereit waren. Aber Sie waren auch jemand, der zugehört hat, der ein aufrichtiges Interesse an den Vorstellungen, Nöten und Wünschen seines Gegenübers hatte, der versucht hat Interessen zu verbinden und einen möglichst breiten Konsens zu finden.

5 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 5 von 6 Das macht einen großen Teil Ihres Erfolges, Ihrer Popularität und Ihres Ansehens aus. Die Stadt hat Ihr Wirken die Haltung, die Sie gezeigt haben; die Prägekraft, die Sie entwickelt haben; und den Erfolg, den Sie bei der Entwicklung unserer Stadt gehabt haben damals mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts gewürdigt. Das ehrt Sie und es ehrt die Stadt. Bei Ihrem Ausscheiden aus dem Amt haben Sie gesagt: Ich verabschiede mich aus dem Amt, nicht von den Menschen dieser Stadt. Ich werde ein Bürger unter den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt sein. Mir ist in meiner Amtszeit von breiten Schichten der Bevölkerung viel Sympathie entgegengebracht worden. Das ist eine gute Ausgangsposition, mich in dieser Stadt wohlzufühlen. So haben Sie es gemacht und Sie haben auch danach noch lebhaft Anteil an der Entwicklung der Stadt genommen, wenn auch nicht in der Öffentlichkeit. Ich erinnere mich an viele gute und intensive Gespräche, die ich vor und nach meinem Amtsantritt mit Ihnen und Ihrer Frau führen konnte darunter ist mir besonders unser letztes langes Gespräch über die Hochstraße Nord in Erinnerung. Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen, und jede Zeit muss ihre eigenen Antworten auf diese Herausforderungen finden. Aber die Zukunft kann man nur gestalten, wenn man weiß, warum die Gegenwart so geworden ist, wie sie ist. Deswegen empfand ich die Gespräche mit Ihnen immer sehr interessant und sehr bereichernd.

6 90. Geburtstag Dr. Werner Ludwig Seite 6 von 6 Lieber Werner Ludwig, Sie kamen vor 60 Jahren als Verwaltungsmitarbeiter in diese Stadt. Sie haben dann 35 Jahre lang Verantwortung getragen als Dezernent und Oberbürgermeister. Nun sind Sie seit 23 Jahren, wie Sie es gesagt haben, ein Bürger unter den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt aber eben doch ein ganz besonderer. Ich kann Ihnen versichern, dass die Sympathien für Sie nach wie vor groß sind. Und ich möchte Ihnen zu Ihrem 90. Geburtstag eigentlich nur eines wünschen: Dass Sie sich auch weiterhin in Ludwigshafen wohl fühlen. Dazu gehört natürlich Gesundheit, aber auch die notwendige Geduld und Gelassenheit im Umgang mit den Einschränkungen des Alters. Und vor allem gehört dazu ein wacher und ein froher Geist. 90 Jahre das ist ein Alter, vor dem man nur Respekt haben kann. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch und alles, alles Gute!

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