Émile Durkheim ( )

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1 Émile Durkheim ( )

2 Gliederung 1.) Lebenslauf 2.) Durkheims Denkweise 3.) Soziale Arbeitsteilung 4.) Soziologische Methoden 5.) Selbstmordstudie

3 Lebenslauf 15.April 1858 Geburt in Epinale (Frankreich) Studium an der Ècole Normale Superieure 1887 Professor an der Universität in Bordeaux Ab 1902 Professor an der Universität Sorbonne in Paris 1906 Durkheim erhält den ersten Lehrstuhl für Soziologie in Frankreich 15.November 1917 Tod Émile Durkheims in Paris

4 Denkweise Durkheims Interesse an der institutionellen Etablierung der Soziologie Soziologie als Wissenschaft zur Lösung gesellschaftlicher Probleme Konzentration auch auf die Entwicklung von Methoden und Techniken der soziologischen Forschung in seiner Studie: Die Regeln der soziologischen Methode (1895). Orientierung an einem naturwissenschaftlichen Modell der Soziologie Zentraler Begriff der Studie: Der soziale Tatbestand

5 Soziale Tatbestände sind eigenständige Gegenstände sind Dinge wie das Gesetz, das Währungssystem, die Sprache, sowie ein kollektives Bewusstsein sind Dinge, die außerhalb unserer Person existieren und sich uns aufgedrängt haben erstrecken sich weit über Raum und Zeit und sind allgemein sind somit eine Realität, sui generis müssen laut Durkheim als Ding mit einem objektiven Charakter untersucht werden

6 Soziale Arbeitsteilung 1893 erscheint Durkheims Studie über die Teilung der sozialen Arbeit darin beschäftigt er sich damit, dass wachsende Arbeitsteilung das Kennzeichen der Entwicklung einer primitiven zu einer modernen Gesellschaft ist

7 Gesellschaftstypen Segmentär differenzierte Gesellschaft Funktional differenzierte Gesellschaft starkes Kollektivbewusstsein schwaches Kollektivbewusstsein geringe Individualisierung ausgeprägte Individualisierung wenig ausgeprägte Arbeitsteilung stark ausgeprägte Arbeitsteilung mechanische Solidarität organische Solidarität repressives Recht restitutives Recht

8 Übergang zur funktional differenzierten Gesellschaft Bevölkerungswachstum als Ursache für Arbeitsteilung Mehr Menschen leben zusammen Ausübung von größerem Einfluss Konkurrenz der Menschen um ihren Lebensunterhalt nimmt zu Menschen können nicht mehr alle von denselben Dingen leben

9 Übergang zur funktional differenzierten Gesellschaft Menschen differenzieren sich voneinander, um sich auf Dinge zu spezialisieren von denen sie leben können wachsende Arbeitsteilung Umwandlung der Gesellschaft ( von der segmentär differenzierten zur funktional differenzierten Gesellschaft) wichtig: auch in modernen, funktionalen Gesellschaften gibt es Bereiche, die nach dem Prinzip segmentärer Differenzierung aufgebaut sind, z.b.: die Familie

10 Vertragliche Solidarität Zweite Argumentation im Werk Was garantiert die Einhaltung von Verträgen? Idee: Nicht alles ist vertraglich beim Vertrag. Reglementierung des Vertrags die sozialen Ursprungs ist Verträge haben nach Durkheim einen normativen Rahmen

11 Regeln der soziologischen Methode Darstellung von methodischen Regeln zum Forschungsprozess Ausschaltung von Vorurteilen Soziologie als Erfahrungswissenschaft Dreischritt : Funktionsanalyse, Kausalerklärung, Pathologieanalyse

12 Grundgedanken der Studie Untersuchung des Selbstmordes als pathologische Verhaltensweise Verwendung statistischer Materialien anhand eines Mehrebenenmodells Durkheim hält sich dabei strikt an die von sich selbst erstellten Regeln des soziologischen Forschens Es werden verschiedene Ursachen für Selbstmord erkannt 4 verschiedene Selbstmordtypen: Der egoistische, der altruistische, der anomische und der fatalistische Selbstmord

13 Typen des Selbstmordes Egoistischer Selbstmord: Individuelle Interessen überlagern das kollektive Gedankengut bzw. autoritäre Werte oder Normen verlieren an Bedeutung geringere Anbindung an eine Gesellschaft bzw. geringere Integration Suche nach Sinnhaftigkeit des eigenen Daseins Bsp.: religiöse Individualität der Protestanten

14 Der egoistische Selbstmord Verteilung der Selbstmorde in Europa Muss weiter differenziert werden auf Grund der unterschiedlichen Lebensverhältnisse der verschiedenen Länder Protestantische Staaten Katholische Staaten Gemischt Selbstmordhäufig keit auf 1Mill. Einwohner

15 Unter 50% Katholiken Selbstmorde / Mill. Einw % Katholiken Mehr als 90% Rheinpfalz 167 Unterfranken 157 Oberpfalz 64 Mittelfranken 207 Schwaben 118 Oberbayern 114 Oberfranken 204 Niederbayern 19 Durchschnitt 192 Durchschnitt 135 Durchschnitt 75

16 Der egoistische Selbstmord Erklärungsversuche: Geringere Selbstmordquote von Katholiken (und Juden) auf Grund ihres Minderheitenstatus? nicht ausschlaggebend Unterschiedliche Auffassung der Religionen bezüglich des Selbstmordes? nicht gewährleistet

17 Der egoistische Selbstmord Protestantismus Katholizismus Mehr Raum für Forschung Schöpfer seines eigenen Glaubens Blinde Unterwerfung von der Vernunft nicht offen für Veränderung Erschütterung überlieferter Dogmen Starkes gemeinsames Credo geringerer Zusammenhalt höheres Interesse an Bildung Größerer Zusammenhalt

18 Der egoistische Selbstmord Judentum Im Durchschnitt die geringste Wahrscheinlichkeit für Selbstmord obwohl sie meist in Verhältnissen leben, welche den Selbstmord fördern Aber: sehr hoher Bildungsstandard Aber anderer Grund für Wissensdrang als z.b. die Protestanten Minderheitenstatus

19 Der egoistische Selbstmord Auch am Beispiel politischer Krisen kann Durkheims Feststellung, dass die Häufigkeit von Selbstmorden mit einem Gefühl der Integrität in eine Gesellschaft zusammenhängt, veranschaulicht werden. Während politischer Krisen sinkt die Selbstmordrate

20 Typen des Selbstmordes Altruistischer Selbstmord: Gegenstück zum egoistischen Selbstmord Übermäßige Integration in eine Gesellschaft Übernahme aller Ideale ( also auch Suizidrituale)

21 Typen des Selbstmordes Anomischer Selbstmord: Mensch braucht autoritäre Macht, welche seine Bedürfnisse z.b. anhand von Moralvorstellungen einschränkt Schnell voranschreitender gesellschaftlicher Wandel, welchem die bereits bestehenden Normen und Regeln nicht folgen ( v.a. in ökonomischen Krisen) Der Mensch weiß nicht mehr, welche Normen/Regeln noch gültig sind führt zu Regel- bzw. Normlosigkeit fehlende normative Gesamtintegration der Gesellschaft, keine wegweisende Grenzsetzung für das Individuum Gegenstück dazu: der fatalistische Selbstmord

22 Fazit 1. Mangelnde gesellschaftliche Integration führt, genauso wie übermäßige Integration zu hohen Selbstmordraten 2. Regellosigkeit in einer Gesellschaft führt genauso zu einer höheren Selbstmordanfälligkeit wie zu viele Regeln. Stärkung der gesellschaftlichen Integration durch z.b. Verbände Angehöriger ähnlicher Berufsgruppen Stärkung des Solidaritätsgefühl

23 Quellen Heinz Abels, Einführung in die Soziologie, Band1: Der Blick auf die Gesellschaft, 3. Auflage Januar 2007, VS Verlag für Sozialwissenschaften, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007 Richard Münch, Soziologische Theorie, Band 1: Grundlegung durch die Klassiker, 2002 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main Durkheim, E. (1976): Der egoistische Selbstmord. In: Conrad/Streeck ( Hrsg.): Elementare Soziologie. Reinbek Junge, M. (2002): Emile Durkheim. In: Brock/Junge/Krähnke (Hrsg.): Soziologische Theorien von Auguste Comte bis Talcott Parsons. München Ajdacic-Gross, Vladeta (1999): Suizid, sozialer Wandel und die Gegenwart der Zukunft, Lang, Bern

80,8 65,8 64,3 60,8 46,5 38,0 19,9 16,8 12,6 11,2 10,9 10,5 10,4 9,9 9,6 8,5 8,1 7,2 5,6 5,5 5,4 5,1 4,6 4,5 4,2 2,9 2,1 2,0 1,8 1,7 1,3 1,3 1,2 1,1

80,8 65,8 64,3 60,8 46,5 38,0 19,9 16,8 12,6 11,2 10,9 10,5 10,4 9,9 9,6 8,5 8,1 7,2 5,6 5,5 5,4 5,1 4,6 4,5 4,2 2,9 2,1 2,0 1,8 1,7 1,3 1,3 1,2 1,1 Oberbayern Schwaben Mittelfranken Unterfranken Niederbayern Oberpfalz Oberfranken 19,9 16,8 12,6 11,2 10,9 10,5 10,4 9,9 9,6 8,5 8,1 7,2 5,6 5,5 5,4 5,1 4,6 4,5 4,2 2,9 2,1 2,0 1,8 1,7 1,3 1,3 1,2 1,1

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