Das Netz im Visier. Seit dem letzten Test von Netzwerk-Monitoring-Software

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1 Das Netz im Visier Remote-Control-Monitoring-Software Sie erlaubt, Fehler und Störungen im Netzwerk und auf Netzwerkgeräten zu erkennen, bevor sie sich womöglich katastrophal auswirken. Network Computing testete vier Netzwerk-Monitoring-Produkte. 14 Seit dem letzten Test von Netzwerk-Monitoring-Software hat sich einiges getan. Network Computing sah gründlich überarbeitete Benutzerschnittstellen, viele neue Funktionen und Features, neue Preise... Unterm Strich sind die Produkte besser geworden, einige haben aber auch Schwächen offenbart. Die in dieser Runde getesteten Produkte waren»whatsup Gold 14.0«von Ipswitch,»OpManager 8.0«von Manage-Engine,»PRTG Network Monitor 7.2«von Paessler und» Orion Network Performance Monitor 9.5«von Solarwinds. Paessler PRTG Network Monitor 7.2 Netzwerküberwachung einfach und intuitiv. Im Fall von Paesslers PRTG-Network-Monitor ist diese Werbeaussage kein leeres Gerede. Net- work Computing konnte sich davon überzeugen, dass das Produkt hält, was sein Hersteller verspricht. PRTG-Network-Monitor liefert Live-Daten über den aktuellen Zustand des Netzwerks und dessen Geräte, aber auch langfristige Auslastungstrends. Tiefgründige Analysen helfen Netzwerkprofis, Datenleitungen, Router, Server und andere Netzwerkkomponenten optimal auszulegen. Das Produkt eignet sich hervorragend zur Überwachung von Bandbreiten, der Geräteverfügbarkeit und der Auslastung von Netzwerkressourcen. Dabei beschränkt sich das Monitoring nicht auf lokale Netzwerke oder gar Netzwerksegmente, sondern und dies ist ein besonderes Feature der Software es erstreckt sich über das komplette Enterprise-Netzwerk, selbst wenn dieses aus mehreren räumlich getrennten Segmenten besteht. Ermöglichen tun dies Remote-Probes, die wiederum nicht nur der Überwachung räumlich verteilter Netzwerke dienen. Sinnvoll einsetzen lassen sie sich beispielsweise auch zur Lastverteilung bei CPU-intensiven Prozessen wie Packet-Sniffing oder Netflow-Überwachung. Remote-Probes erschließen dem PRTG- Anwender vielfältige Einsatzgebiete. Denkbar ist ein Einsatz der Software zur Überwachung der Netzwerke von Kunden, zum Monitoring aller Niederlassungen einer Organisation oder zum Monitoring getrennter Netzwerke eines Unternehmens. Die zu überwachenden Netzwerke mögen komplex sein, das macht den Einsatz des PRTG-Network-Monitors aber nicht kompliziert, denn für all dieses Monitoring braucht es

2 REAL-WORLD LABS nicht mehr als einen einzigen PRTG-Core-Server. Das Produkt skaliert hinauf bis zu Sensoren pro Installation. Das ist eine gute Nachricht für Administratoren, die es leid sind, für unterschiedliche Aufgaben immer wieder neue Server, Gateways und andere Geräte konfigurieren zu müssen keine Rede davon, was das alles kostet. Da sich PRTG-Network-Monitor auf wenige Komponenten beschränkt, ist auch die Installation und Konfiguration des Produkts eine Kleinigkeit. Die»schwierigste«Entscheidung, die der Administrator im Laufe der Installation treffen muss, ist die Auswahl der Sprache (Deutsch oder Englisch). Ein Setup- Assistent führt durch den Setup- Prozess, der vermutlich nicht einmal zwei Minuten gedauert hat (wir haben die Zeit nicht gemessen). Danach startet ein Willkommen-Assistent, mit dessen Hilfe der Administrator die Registrierung/Lizenzierung erledigt und einen Web-Server auswählt. Das Produkt offeriert zwei grafische Schnittstellen: eine Web- und eine Windows-GUI. Den Schnittstellen (besonders der Web-Schnittstelle) einer früheren Version von PRTG-Network-Monitor konnte Network Computing nicht bescheinigen, so elegant und simple zu sein, wie der Hersteller behauptete. Spätestens mit der Version 7.2, die als Beta-Software getestet wurde, hat sich das geändert. Beide Oberflächen sind aufgeräumter, nun wirklich leicht zu benutzen und... ja, elegant. Besonders die Web-Schnittstelle sieht inzwischen wirklich klasse aus und, was viel wichtiger ist, sie macht es nun gleich offensichtlich, dass es eine Auto-Discovery für Netzwerke und Netzwerkgeräte gibt. Ein früherer Kritikpunkt war ja, dass einige Administratoren diese Funktion erst dann fanden, wenn sie einen großen Teil der Arbeit bereits erledigt hatten. Nun nimmt sie einen prominenten Platz gleich auf der ersten Seite der Web-Anwendung ein. Klar, dass wir sofort darauf klickten... und erneut sehr angenehm überrascht wurden: Die Discovery im lokalen Netz über einen IP-Adressbereich von 0 bis 255 ging blitzschnell und war fehlerfrei. Anzeige PRTG-Network-Monitor umfasst zwei Komponenten: der PRTG- Server zur Datenspeicherung und als Web-Server sowie Sonden beziehungsweise Probes (eine oder mehrere). Die Sonden führen die eigentliche Überwachung durch. Sie verbinden sich automatisch mit dem Server, laden die für sie bestimmte Sensorenkonfiguration herunter und beginnen mit der Überwachung. Daten senden sie unter Verwendung von SSL an den Server. Es sind die Sonden, welche die Verbindung initiieren. Selbst beim Ausfall des Servers oder der Verbindung zum Server fahren sie mit der Überwachung fort. Während der Instal-

3 lation erzeugt das Programm automatisch die erste»lokale«sonde, die auf demselben Rechner läuft wie der PRTG-Server und alle Sensoren dieses Systems überwacht. Diese einzelne Sonde genügt bereits für die LAN-Überwachung und wenn sich die Überwachung auf einen einzigen Ort beschränkt. Einige Konstellationen verlangen jedoch mehrfache oder externe Sonden: Überwachung mehr als einer Örtlichkeit, Unterteilung des Netzwerks durch Firewalls in mehrere LANs (wenn die lokale Sonde spezielle Dienste nicht über diese Firewalls hinweg überwachen kann), Überwachung von Systemen in VPNs über öffentliche Verbindungen, Packet-Sniffing auf einem anderen Computer, Überwachung von Netflow-Daten von einem anderen Computer aus, STECKBRIEF Referenz PRTG Network Monitor 7.2 Hersteller: Paessler Charakteristik: Monitoring-Software Preis: 100 Sensoren 250 Euro, Enterprise-Site-Lizenz (unbeschränkte Anzahl Sensoren) 5850 Euro Web: Plusminus: + Vollständiges Paket + Unkompliziertes Setup und einfache Konfiguration + Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis PRTG-Network-Monitor überwacht komplexe, verteilte Netzwerke mit nur einem PRTG- Core-Server. Eine Installation des Produkts unterstützt bis zu Sensoren. Ausführung CPU-intensiver Sensoren und damit verbundene Leistungseinschränkungen. Das ist kein Problem, denn externe Sonden zu erzeugen geht mit dem»sondenadministrator«schnell und einfach. Zuvor ist allerdings der PRTG-Server so vorzubereiten, dass er externen Sonden die Verbindung gestattet, denn in der Voreinstellung erlaubt er dies aus Sicherheitsgründen nur über den Local-Host. Aber auch diese Vorbereitung ist im Handumdrehen erledigt. Sonden, Gerätegruppen und Geräte strukturiert PRTG-Network-Monitor hierarchisch. Das erleichtert dem Administrator sich zurechtzufinden und vereinfacht die Konfiguration. So muss er beispielsweise Anmeldeinformationen nicht pro Gerät konfigurieren, sondern kann sie einfach von übergeordneten Objekten wie Gruppen oder dem Root-Objekt übernehmen. Was nützt ein Monitoring-Produkt, wenn niemand mitbekommt, wenn es was zu melden hat? Nun, PRTG-Network-Monitor gibt deutliche akustische und optische Hinweise auf neue Alarme, Warnungen und sonstige Nachrichten. Wer diese Hinweise nicht bemerkt, muss taub und blind sein. Beim Einstieg in eine Meldung beziehungsweise Auswahl des die Nachricht erzeugenden Sensors liefert das Programm sehr gute Erklärungen, worum es eigentlich geht und was die einzelnen Werte und einstellbaren Parameter eigentlich bedeuten. Hier bescheinigen wir dem Produkt Vorbildcharakter. Insgesamt hat Paessler in die Version 7.2 mehr als 500 Verbesserungen und Modifikationen eingearbeitet. Viele dieser Verbesserungen betreffen die Benutzerschnittstellen. Zu den GUI- Features zählen unter anderem: Einsatz auf mehrfachen Rechnern erlaubt, Verbindung zum PRTG-Core-Server via HTTP/HTTPS, Anzeige eines Device-Trees, einer Alarmliste, von Maps und Berichten,Vergleich von Live-Daten, Grafiken und historischen Datentabellen von zwei und mehr Sensoren. Die neue Windows- GUI ist beim Management der Sensoren schneller und komfortabler zu bedienen, was sich besonders in großen Installationen (500 Sensoren und mehr) bemerkbar macht. Das Produkt enthält auch mehr Sensortypen als zuvor. Neu hinzu gekommen sind QoS-, IP-SLA-, Amazon- Cloudwatch-, Radius-Server-, Syslog-, SNMP- Trap-, MS-Exchange-2007-Sensoren, Sensoren für Server, die MS-Hyper-V ausführen, Unterstützung für SFlow und Netflow 9 sowie detailliertes Monitoring von Exchange Netzwerküberwachung einfach und intuitiv. Fürwahr, Paesslers PRTG-Network-Monitor 7.2 erfüllt diesen Administratorwunsch. Das Produkt ist vollständig, kinderleicht zu installieren, flexibel einzusetzen, mitteilungs- und erklärungsfreudig sowie budgetfreundlich. Während des Tests leistete es sich zudem nicht einen einzigen Schnitzer. Ipswitch WhatsUp Gold 14.0 Whatsup-Gold ist ein weit verbreitetes Monitoring-Produkt für Windows- und TCP/IP- Netzwerke. Die Software führt eine Netzwerk- Discovery aus, überwacht Netzwerkgeräte in Echtzeit, führt automatisch Aktionen aus, wenn sich der Zustand eines beobachteten Geräts ändert oder ein Schwellenwert überschritten wird, generiert Berichte und alarmiert Administratoren. Das Produkt skaliert hoch und bietet eine enorme Funktionalität. Allerdings muss sich der Kunde, bevor er das Produkt kauft, gut überlegen, welche Funktionalität er benötigt und welche Geräte oder Netzwerke er eigentlich überwachen möchte, denn Whatsup- STECKBRIEF WhatsUp Gold 14.0 Hersteller: Ipswitch Charakteristik: Monitoring-Software Preis: von 1476 Euro (Standard-Edition, bis zu 100 Geräte) bis 9715 Euro (Distributed-Edition, bis zu 2500 Geräte). Preise jeweils ohne optionale Plug-ins. Preise für mehr als 2500 Geräte auf Anfrage. Web: Plusminus: + Skaliert hoch + große Funktionalität Editions- und Add-on-Vielfalt bietet Flexibilität, erschwert aber die Produktauswahl Erfordert in Remote-Standorten Remote-Site-Edition 18

4 REAL-WORLD LABS Gold ist in vier Editions erhältlich. Diese Editions unterscheiden sich in ihrer Leistungsfähigkeit, in ihrem Funktionsumfang und natürlich im Preis. Das macht die Auswahl nicht einfach. Wer ein Produkt sucht, dass beispielsweise dem PRTG-Network-Monitor ebenbürtig ist, kann mit dem Einstiegsprodukt Whatsup- Gold-Premium nicht viel anfangen, denn dieses unterstützt unter anderem kein verteiltes Monitoring. Wer diese Funktionalität benötigt, muss zur Whatsup-Gold-MSP- oder -Distributed-Edition greifen und dafür natürlich mehr Geld auf den Tisch legen. Bleiben wir einen Augenblick beim direkten Vergleich mit PRTG schließlich ist dies ein Vergleichstest. Das Setup von Whatsup-Gold erfordert deutlich mehr Zeit und Planung. Das liegt erstens daran, dass erst ein Microsoft-SQL- Server zu installieren ist, falls noch keiner vorhanden sein sollte. Immerhin installiert die Whatsup-Setup-Routine auf Wunsch Microsoft-SQL-Server-2005-Express-Edition, wenn sie keinen anderen SQL-Server findet. Zweitens installiert das Setup-Programm zunächst nur Whatsup-Gold-Central-Site-Edition und den Die Top-Ten- Ansicht von WhatsUp bietet dem Administrator eine gute Übersicht über den Zustand des Netzwerks und der Netzwerkgeräte. Dashboard-Screen-Manager. Um das Produkt vollständig nutzen zu können, ist auf Computern in Remote-Standorten noch Whatsup- Gold-Remote-Site-Edition zu installieren. Das ist alles sehr unangenehm, dabei könnte es so einfach sein Paessler zeigt, wie es geht. Sobald die Software läuft, geht es an die Entdeckung der Geräte im Netzwerk. Die Netzwerk-Discovery gab schon in früheren Versionen keinen Grund zu klagen, für die Version 14 wurde sie trotzdem noch einmal verbessert. Das Produkt kommt mit neuer Discovery-Console und Discovery-Web-Schnittstelle sowie verbesserter Discovery-Engine, die Netzwerkgeräte noch zutreffender identifiziert. Der Hersteller sagt, die neue Discovery-Engine sei bis zu vier Mal schneller als die alte. Das ließ sich nicht testen schnell war sie jedenfalls. Administra-

5 toren können übrigens Geräterollen vordefinieren. Damit gelangt man schneller zum Start des Monitorings. Das Programm bietet mehrere Discovery-Optionen, darunter IP-Address- Range-Scan, SNMP-Smart-Scan, Host-Datei- Import und Scan einzelner Geräte. Die im Test genutzten IP-Range- und SNMP-Scans funktionierten zuverlässig. Das Programm nutzt bereits während der Discovery aktive Monitore, um unter anderem DNS-, NNTP- und TCP- Echo-Server sowie Applikationen, die beispielsweise über HTTP, HTTPS oder POP3 kommunizieren, zu entdecken. Der Administrator kann auch sofort Performance-Monitore selektieren, die das Programm beim Scan- Prozess und später nutzt. Die Monitore verknüpft der Administrator mit Richtlinien, die eine Reihe an Aktionen beschreiben, die auszuführen sind, sobald es bei einem Gerät zu einem Fehler kommt. Whatsup-Gold sendet bei einem erkannten Fehler beispielsweise eine -Nachricht, spielt einen bestimmten Sound ab oder öffnet aus einem ausgewählten Computer eine Pop-up-Nachricht. Whatsup-Gold pollt Geräte im Netzwerk aktiv, um Statusänderungen zu erkennen. Dazu nutzt das Programm die erwähnten vorkonfigurierten oder vom Administrator erzeugten Monitore. Performance-Monitore beobachten die Ressourcen eines Geräts, beispielsweise Platten, Schnittstellen und Speicher. Abhängig von den beim Pollen erhaltenen Antworten führt Whatsup-Gold Aktionen aus, beispielsweise benachrichtigt es den Administrator oder startet einen Dienst neu. Prima ist das neue Alert-Center, das Alert-Informationen konsolidiert anzeigt und REPORTCARD Features und Funktionalität»out of the box«25% Fähigkeit zum Monitoring verteilter Netzwerke 25% Setup und Konfiguration 20% Bedienungsfreunlichkeit 20% Preis 10% Gesamtergebnis 100% 4,80 4,05 3,90 2,60 A 4,3; B 3,5; C 2.5; D 1,5; E < 1,5; Die Bewertungen A bis C enthalten in ihren Bereichen + oder -; Gesamtergebnisse und gewichtete Ergebnisse basieren auf einer Skala von 0 bis 5. MONITORING-SOFTWARE Die Web- Schnittstelle von Op-Manager nutzt Widgets und ist hoch anpassbar, arbeitet aber nicht mit jedem Browser einwandfrei zusammen. Am besten klappte es mit Mozilla- Firefox. Gewichtung Paessler PRTG Network Monitor 7.2 Ipswitch WhatsUp Gold 14.0 ManageEngine OpManager 8.0 SolarWinds Orion Network Performance Monitor 9.5 A+ B+ B C Referenz das Management der Benachrichtigungsrichtlinien vereinfacht. Administratoren sind damit immer darüber unterrichtet, was in ihrem Netzwerk vor sich geht. Allerdings liefert das Alert-Center nicht so gründliche Erklärungen, wie das vergleichbare Feature des PRTG-Network-Monitors. Ipswitch hat ihrem Produkt verschiedene neue aktive Monitor hinzugefügt, unter anderem für die Überwachung von APC-UPSs, Exchange-2007 und (Beta1), für Lüfter und Netzteile, Temperatur, FTP und HTTP-Inhalte. Whatsup-Gold unterstützt nun Cisco- und Juniper-Netscreen-CPU- sowie Memory-Performance-Monitore, Microsoft-SQL-Server-2008, Vmware-ESXi 3.0 und höher, Microsoft-Hyper- V-Server 2008 Sflow und J-Flow. Außerdem wurden viele Fixes eingearbeitet. Mehr Funktionalität, beispielsweise ein Monitoring der Bandbreitennutzung, VoIP-Monitoring oder Layer- 2/3-Mapping, ist nach wie vor in Form optionaler Plug-ins erhältlich. ManageEngine OpManager 8.0 Manage-Engine, der Firmenname lässt es ahnen, ist ein Spezialist für Managementapplikationen. Op-Manager, die Netzwerk-Monitoring-Software aus diesem Hause, ist laut Hersteller die erste Wahl von mehr als Netzwerkadministratoren in 93 Ländern. Nun, unsere erste Wahl ist es nicht. Das Produkt ist zwar insgesamt sehr leistungsfähig und durchaus in der Lage, Netzwerke, Netzwerkgeräte und Services zu überwachen, Performance-Engpässe aufzuspüren, Administratoren zu alarmieren und Berichte zu generieren, aber es ist sehr mühsam, die Software so einzurichten, dass sie leistet, was sich ein Administrator wünscht. Da gibt es einige Produkte, die es dem Anwender viel leichter machen. Schwierig ist bereits, sich für eine der offerierten Op-Manager-Editions zu entscheiden und unter den vielen Add-on und Plug-ins auszuwählen. Bei Manage-Engine ist es nicht leicht, zu bestimmen, welche Editions bereits welche Erweiterungen enthalten. Damit ist es kaum möglich, einen endgültigen Preis zu berechnen. Natürlich geht es sehr günstig los die einfachste Edition ist für das Monitoring von bis zu zehn Knoten kostenlos (aber bei maximal zehn Knoten vermutlich auch überflüssig). Mit reichlichen Features und für uneingeschränkten Einsatz im WAN beziehungsweise zur Durchführung eines Distributed-Monitorings sind hingegen mindestens 6495 Dollar auf den Tisch zu legen. Dieser Preis gilt für die Überwachung von bis zu 250 Knoten. Nach wie vor nicht ganz klar ist dabei, welche Add-ons und Plug-ins diese Enterprise- Edition bereits enthält und welche gegebenenfalls zusätzlich zu kaufen sind. Damit klar ist, wovon die Rede ist: Zu den Add-ons und Plug-ins gehören unter ande- 20

6 22 STECKBRIEF OpManager 8.0 Hersteller: ManageEngine Charakteristik: Monitoring-Software Preis: 1693 Euro für Professional-Edition (bis 100 Geräte), Euro für Enterprise- Edition (bis 5000 Geräte). Preise ohne optionale Add-ons und Plug-ins. Preise für mehr als 5000 Geräte auf Anfrage. Web: Plusminus: + Angenehme, hoch anpassbare Benutzerschnittstelle Viel manuelle Konfiguration notwendig Fehlerhafte Geräteklassifizierung rem ein Cisco-IPSCA-Monitor, ein WAN-Monitor (der sich auf den Cisco-IPSCA-Agenten stützt), ein Netflow-Analyzer- und NCM- Plug-in, ein Vmware-Monitor, ein Exchange- 200/2003/2007-, ein Active-Directory- und ein MS-SQL-Monitor. Das Setup des Programms dauerte im Test rund fünf Minuten und verlangte nur einige wenige, einfache Eingaben vom Administrator. Als Datenbank nutzt Op-Manager einen Microsoft- SQL-Server oder MySQL. Letzteres liefert Manage-Engine gleich mit, was gut ist. Nach dem ersten Start des Web-Clients möchte das Programm eine Auto-Discovery durchführen. Op-Manager unterstützt die automatische Discovery und Smart-Classifications mit Geräte- und Schnittstellenvorlagen, Massenimporte und Prozess-Templates. Für die erste Discovery ist ein wenig Handarbeit gefragt, der Administrator muss beispielsweise die zu entdeckenden Services, darunter DNS, Web, SQL, HTTP und POP auswählen und anschließend eine IP-Range spezifizieren. Die anschließende Discovery war sehr zeitraubend, und das bereits in einem einzelnen Subnetz über eine Range von 0 bis 255. Beim ersten Versuch hängte sich die Discovery aus unbekanntem Grunde auf. Im zweiten Anlauf schaffte es die Routine zwar bis ans Ende, entdeckte einige Geräte aber gar nicht und klassifizierte andere Geräte falsch. So fand die Software beispielsweise einen WLAN-Access-Point nicht, klassifizierte einen Router irrtümlich als Server und einen Switch als Desktop. Diese Fehler ließen sich beheben, aber andere Testkandidaten zeigten, dass es zu solchen Fehlern gar nicht erst kommen muss. Die an sich angenehm anzuschauende und leicht zu benutzende Client-Web-Applikation nutzt standardmäßig Internet-Explorer (auf der Testmaschine Version 8). In Verbindung mit diesem Browser funktionierte sie nicht gerade schnell. Das war aber das geringste Problem. Die Applikation macht reichlich Gebrauch von Widgets, was an und für sich okay ist und dem Administrator unter anderem erlaubt, sich die Schnittstelle so zu gestalten, wie er sie gern hätte. Blöd nur, dass nach Klicken auf ein solches Widget, um beispielsweise die Ansicht des Infrastruktur-Snapshots zu öffnen, diese Ansicht gerade einmal ein bis zwei Sekunden lang geöffnet blieb, bis sie sich wieder schloss. Wie soll man da arbeiten? Ein Versuch mit Google-Chrome schien zunächst Erfolg versprechender, bis etwas später festzustellen war, Orion-NPM ist ein sehr teures Produkt, dessen volle Funktionalität sich dem Administrator erst durch Zukauf von Zusatzprodukten und Optionen erschließt. STECKBRIEF Orion Network Performance Monitor 9.5 Hersteller: SolarWinds Charakteristik: Monitoring-Software Preis: 100 Elemente 2015 Euro, unlimitierte Elemente Euro, Preise ohne Optionen wie Enterprise-Operations- Console oder Scalability-Engines. Web: Plusminus: + Flexibles Alert-System Langwieriges Setup Preise In großen, verteilten Netzwerken ggf. zusätzliche Scalability- Engines notwendig dass sich einige Fenster am Rand des Browsers öffneten. Der vollständige Inhalt der Fenster war so nicht zu sehen. Bei manchen Fenstern war dadurch die Schaltfläche zum Schließen des Fensters nicht mehr erreichbar. Da ein Verschieben der Fenster oder ein Scrollen darin nicht funktionierte, schied auch Google-Chrome aus. Zufrieden stellende Resultate ließen sich lediglich mit Firefox erzielen. Ohne Administratoreingriff überwacht Op- Manager erst einmal so gut wie nichts. Nahezu alle Monitore sind zunächst zu konfigurieren und Geräten zuzuweisen. Zum Glück vereinfachen Templates diesen Prozess. Wer die Mühe auf sich nimmt, erhält schließlich ein System mit gutem Fault-Management, Performance- und Geräte-Monitoring. Das Programm erzeugt ansehnliche Echtzeit-Grafiken, historische Berichte über Verfügbarkeit, Utilization, Antwortzeiten und Inventar. Das WAN-Monitoring beschränkt sich auf die Überwachung der Verfügbarkeit von WAN-Links, Berichte über Performance-Analysen und Kapazitätsplanung. Eine vollständige Funktionalität erhält der Administrator nur mit dem optionalen WAN- Monitor-Add-on. Das Alarmsystem ist okay, wenn auch etwas träge. Allerdings liefert das Programm kaum Erklärungen zu Alarmen, einstellbaren Parametern etc. Administratoren müssen sich schon sehr gut auskennen, um großen Nutzen aus dem Produkt zu ziehen. Beim Setup wurde die Sprache Deutsch gewählt. Das Resultat war ein Mischmasch aus deutschen und englischen Begriffen in der Benutzerschnittstelle. SolarWinds Orion Network Performance Monitor 9.5 Orion-Network-Performance-Monitor, kurz Orion-NPM, ist ein mächtiges Paket, für das ein mächtiger Preis zu zahlen ist. Das ist nicht ausschließlich monetär gemeint, sondern bezieht

7 sich ebenso auf die Komplexität des Produkts und die Geduld, die bereits beim Setup nötig ist. Wie schon die Produktbezeichnung vermuten lässt, konzentriert sich Orion-NPM auf die Überwachung der Netzwerkperformance. Möchte ein Administrator außerdem die Performance seiner Netzwerkapplikationen im Auge behalten oder die Netzwerkkonfiguration verwalten, muss er auf separate Produkte beziehungsweise Module zurückgreifen, die natürlich auch separat zu bezahlen sind. Nur mit optionalen Erweiterungen ist darüber hinaus eine Netflow-Traffic-Analyse, ein IP-Address-Management und ein IP-SLA-Management möglich. Eine Standardinstallation ist okay, um bis zu rund 1000 Knoten zu überwachen. Grundsätzlich skaliert das Produkt sehr hoch auch darüber hinaus. Das heißt, es wächst gemeinsam mit dem Netzwerk. Allerdings ist auch für diese Skalierbarkeit ein Preis zu zahlen, in diesem Fall in Form von zusätzlich zu installierenden Standby-Engines, mehrfachen Polling-Engines und/oder zusätzlichen Web-Servern. Für verteilte Netzwerke mit mehrfachen Instanzen von Orion-NPM stellt die Orion-Enterprise-Operations-Console (EOC) ein zentrales Befehlszentrum dar. Wie kaum anders zu erwarten, ist die EOC eine optionale Komponente, die für rund 4000 Euro ihren Weg zum Administrator findet. Eine so genannte Scalability-Engine, die Orion das Wachsen mit dem Netzwerk erlaubt, ist dagegen mit rund 400 Euro vergleichsweise billig. Das Setup der Software dauerte im Test extrem lange. Der Hersteller sagt, sein Produkt sei in weniger als einer Stunde»up and running«. Gut, eine Stunde hat es nicht gedauert, aber selbst das zunächst als träge empfundene Whatsup verhielt sich im Vergleich mit Orion-NPM wie ein Sportwagen. Wie Whatsup-Gold erfordert auch Orion-NPM einen Microsoft-SQL-Server und installiert gegebenenfalls Microsoft-SQL-Server-2005-Express-Edition. Außerdem erwartet Orion funktionierende Internet-Information-Services vorzufinden. Installationsvoraussetzungen überprüfen und zusätzlich notwendige Software installieren ist nichts neues und meistens auch kein Problem, aber PRTG-Network-Monitor und Op- Manager zeigten im Test eindrucksvoll, dass es auch anders geht. Und bei keinem dieser beiden Produkte mussten wir bis zum ersten Start der Applikation länger als fünf Minuten warten. Orion-NPM offeriert zwei Benutzerschnittstellen, eine Windows-GUI und eine Web-Konsole. Die meisten Administratoren werden wohl zur Web-Konsole greifen, die ansprechend gestaltet, zügig zu bedienen und damit auch leicht zu beherrschen ist. Allerdings ist diese Schnittstelle nicht ganz so hoch anpassbar, wie beispielsweise die von Manage-Engine, die dafür aber andere Probleme offenbarte. Neben den beiden 23

8 TESTVERFAHREN Benutzerschnittstellen tauchen nach der Installation im Windows-Startmenü noch zahlreiche andere Applikationen auf, die beispielsweise zur Anpassung der Orion-NPM-Installation oder Pflege der Datenbank dienen. Das Alert-System ist flexibel, funktionierte im Test einwandfrei und ist relativ leicht zu nutzen. Wie die anderen Produkte generiert Orion- NPM Alerts, wenn ein Ereignis eintritt oder ein Schwellenwert überschritten wird. Für die Reaktion auf Alerts bietet das Programm viele Optionen, darunter die üblichen Benachrichtigungsoptionen, eine automatische Script- oder Programmausführung und eine Eskalationssequenz. Netzwerk-Alerts zu konfigurieren ist nicht weiter schwer. Das Produkt erlaubt dem Administrator, Geräteabhängigkeiten zu definieren und Alerts für zusammenhängende Ereignisse und/oder für über eine bestimmte Zeit andauernde Zustände zu konfigurieren. Damit lässt sich das System beispielsweise so einstellen, dass es nicht sofort einen Alert erzeugt, wenn vielleicht eine CPU-Utilization 90 Prozent überschreitet, sondern nur dann, wenn diese Utilization fünf Minuten lang anhält. Version 9.5 von Orion-NPM enthält (kostenlos, wie der Hersteller betont) einen Wireless- Poller zur Überwachung autonomer Access- Points und deren Clients. So unterstützt das Produkt Wireless-Geräte im Alert-System, in Berichten und in Top-10-Listen. Außerdem unterstützt das Produkt Cisco-Energywise-Monitoring um zum Energy-Management zu gelangen, muss der Administrator aber ein paar zusätzliche Schritte ausführen: einen Readiness- Report ausführen, möglicherweise das IOS einiger Geräte aktualisieren und Energy-Richtlinieneinstellungen selektieren. MONITORING-SOFTWARE Die Produkte wurden in einem Netzwerk installiert, in dem mehrere Windows-Server-2008-Maschinen, ein Exchange-Server und ein SQL-Server ihren Dienst verrichteten. Die Maschinen im Netzwerk waren über Fast-Ethernet-Switches und WLAN- Router miteinander verbunden, eine Anbindung ans Internet erfolgte über einen ADSL- Router. Die Client-Maschinen arbeiteten mit unterschiedlichen Betriebssystemen, darunter Windows-XP, Windows-Vista und Linux. Zu den im Netzwerk ausgeführten Diensten und Protokollen gehörten neben anderen TCP/IP, DNS, POP3, SMTP, IMAP, SNMP, HTTP, HTTPS und FTP. Nach einer ersten Installation und Konfiguration der Monitoring-Programme ließen wir sie das Netzwerk erforschen und eine Weile Informationen über die installierten Dienste und Protokolle sammeln. Anschließend wurden Schwellenwerte eingestellt und auszuführende Aktionen definiert. Untersucht wurde, ob die Programme Schwellenwertüberschreitungen, sich ändernde Systemzustände und Performance-Einbrüche erkennen und wie vorgesehen reagieren. Bewertet wurde unter anderem das Preis- Leistungsverhältnis, die Bedienerfreundlichkeit sowie die Art und Weise, in der die Produkte ein Monitoring räumlich verteilter Netzwerke unterstützen. Fazit Ein für Enterprise-Netzwerke taugliches Monitoring muss weder extrem teuer noch kompliziert sein. Paessler bietet mit ihrem PRTG-Network-Monitor 7.2 ein vollständiges, hoch skalierendes und benutzerfreundliches Produkt zu einem Preis, der eher an Entry-Level-Software denken lässt. Doch unser Test hat gezeigt, dass dieser Schein trügt. Tatsächlich war PRTG-Network-Monitor 7.2 unter den getesteten Produkten das am reichsten ausgestattete und am einfachsten zu benutzende Monitoring-Paket. Ein einfaches, klares Preisschema lässt nichts im Verborgenen und erleichtert die Produktauswahl. Ja, auch mit den anderen drei Produkten lässt sich die von PRTG gebotene Funktionalität erreichen, doch nur mit Hilfe separater Produkte, Add-ons oder Plug-ins. Das macht bestenfalls vielleicht nur die Installation, Konfiguration und Bedienung komplizierter. Schlimmer ist es, wenn nach der großangelegten Produkteinführung festgestellt wird, dass die ausgewählte Edition eine kritische Aufgabe gar nicht erledigen kann.»kein Problem«, mag da mancher Hersteller sagen.»dafür gibt es ja unser Daskann-ich-auch-Plug-in.«Okay, was die Funktionalität betrifft ist das vielleicht wirklich kein Problem. Aber solche Plug-ins kosten fast immer Geld. Und nachträglich eine mehr oder weniger große zusätzliche Ausgabe rechtfertigen zu müssen, ist für viele ITler ganz sicher schon problematisch. Unter all diesen Gesichtspunkten können wir jedem, der auf der Suche nach einem guten Monitoring-Produkt ist, nur empfehlen, sich PRTG-Network-Monitor ganz oben auf die Liste der zu untersuchenden Produkte zu schreiben. Für Network Computing ist es nach wie vor die»referenz«. Bis auf Op-Manager liefen alle vier getesteten Produkte, nachdem sie erst einmal installiert und konfiguriert waren, rund. Das Browser-Problem von Op-Manager lässt sich lösen, und ob ein gelegentlich falsch klassifiziertes Gerät ein schwerwiegender Fehler ist, muss jeder Administrator für sich entscheiden. Whatsup-Gold ist mit Optionen und Add-ons dem PRTG-Network-Monitor ebenbürtig, ihm in der letzten Ausbaustufe wahrscheinlich sogar überlegen. Dann wird das Produkt aber sehr komplex und teuer. Im direkten Vergleich mit PRTG stimmt also das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Das trifft auch für SolarWinds' Orion zu. Für den Preis, den SolarWinds aufruft, hätten wir einiges mehr erwartet. 24

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