Methodische, softwaregestützte Risikobeurteilung

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1 Methodische, softwaregestützte Risikobeurteilung Ziel der Risikobeurteilung ist es, die von einem Produkt ausgehenden Gefährdungspotenziale möglichst vollständig zu erfassen und Schutzmaßnahmen gegen sie zu treffen. In den folgenden Abschnitten stellen wir Ihnen eine Methode vor, wie Sie mit Hilfe einer Software, dem WEKA Manager CE, eine rechtskonforme Risikobeurteilung durchführen. Schritt 1: Gefährdungen identifizieren Die Risikobeurteilung beginnt damit, so genannte Gefährdungen bzw. Gefährdungsfolgen zu identifizieren. Liste der Gefährdungsgruppen und -folgen nach EN ISO Die Risikobeurteilung im WEKA Manager CE basiert auf der Liste der Gefährdungsgruppen und - folgen nach EN ISO Zusätzlich bietet das Programm weitere Gefährdungen als Checkliste an. Diese dienen als zusätzliche Hilfe, um Gefährdungen durch Ihr Produkt möglichst vollständig zu erfassen. Abb. 1: Gefährdung identifizieren

2 Die Liste nach EN ISO ist allerdings nicht erschöpfend. Wenn Gefährdungen von Ihren Produkten ausgehen, die nicht in der Liste enthalten sind, müssen Sie diese zusätzlich betrachten. Zu diesem Zweck bietet der WEKA Manager CE die Möglichkeit, eigene Gefährdungsgruppen und folgen anzulegen. Wenn Sie auf eine Gefährdungsfolge klicken, erscheinen im rechten Bereich weitere Eingabefelder. Der WEKA Manager CE fragt also die erforderlichen Angaben zu der aktiven Gefährdungsfolge in aufeinander folgenden Schritten ab. Abb. 2: Bearbeitung der Gefährdungsfolgen Gefährdungsfolgen bearbeiten oder Nicht Relevant setzen Im ersten Schritt entscheiden Sie, welche Gefährdungen, d.h. eine ganze Gefährdungsgruppe oder eine einzelne Gefährdungsfolge, von Ihrem Produkt ausgehen. Wenn eine Gefährdungsgruppe oder Gefährdungsfolge nicht zutrifft, kennzeichnen Sie sie als Nicht relevant. Wenn eine Gefährdung, d.h. eine Gefährdungsgruppe oder -folge, auf Ihr Produkt zutrifft, bearbeiten Sie diese in mehreren Schritten. Die weiteren Bearbeitungsschritte für die als relevant erkannten Gefährdungen beschreiben die folgenden Abschnitte.

3 Schritt 2: Gefährdungsursprung bestimmen Im ersten Schritt der Risikobeurteilung haben Sie eine Gefährdung(sfolge) identifiziert. Nach EN ISO resultiert eine Gefährdungsfolge aus einem Gefährdungsursprung. Das heißt im zweiten Schritt geben Sie den Gefährdungsursprung für eine Gefährdung(sfolge) an. Die Norm gibt dabei für jede Gefährdungsgruppe, z.b. mechanische Gefährdungen, eine Liste üblicher Gefährdungsursprünge vor. Davon können Sie eine oder auch mehrere zutreffende Gefährdungsursprünge für die aktive Gefährdungsfolge auswählen. Abb. 3: Eingabefeld für den Ursprung Abb. 4: Gefährdungsursprung bestimmen

4 Eigener Ursprung Auch die Liste der Gefährdungsursprünge nach EN ISO ist nicht vollständig. Wenn Sie andere Gefährdungsursprünge als die von der Norm vorgegebenen für Ihre Gefährdungsfolge identifizieren, geben Sie einen eigenen Ursprung ein. Schritt 3: Gefährdungsort identifizieren Nach der Gefährdungsfolge und dem Ursprung der Gefährdung benennen Sie den Gefährdungsort bzw. den Bereich, in dem die Gefährdung auftritt. Abb. 5: Gefährdungsort identifizieren Schritt 4: Lebensphase identifizieren Nach der Bestimmung des Gefährdungsorts legen Sie fest, in welchen Lebensphasen die Gefährdung auftritt. Dabei müssen Sie beispielsweise nicht nur den Betrieb berücksichtigen, sondern auch andere Lebensphasen, z.b. Inbetriebnahme, Wartung usw. Um Ihnen das Anlegen der Lebensphase zu erleichtern, ist im WEKA Manager CE eine Auswahl häufiger Lebensphasen vorgegeben. Darüber hinaus können Sie aber auch eigene Lebensphasen definieren. Abb. 6: Lebensphase identifizieren Schritt 5: Gefährdung beschreiben

5 Im nächsten Schritt ist es erforderlich, die von Ihrem Produkt ausgehende Gefährdung genauer zu beschreiben. Formulieren Sie dazu im Dialog Beschreibung einen Text, der angibt, worin die Gefährdung an dem angegebenen Gefährdungsort zur jeweiligen Lebensphase besteht. Benennen Sie darüber hinaus den Personenkreis, der dieser Gefährdung ausgesetzt ist. Abb. 7: Gefährdung beschreiben Schritt 6: Risikoeinschätzung Wenn Sie eine Gefährdung identifiziert und beschrieben haben, folgt die Einschätzung des Risikos. Bei der Risikoeinschätzung werden in mehreren Schritten das Ausmaß einer Gefährdung und ein Risikoindex von 1 (geringes Risiko) bis 6 (hohes Risiko) ermittelt. Die Risikoeinschätzung im WEKA Manager CE basiert auf der Norm ISO/TR Abb. 8: Risikoeinschätzung

6 Der Risikoindex geht von 1 (geringes Risiko) bis 6 (hohes Risiko). Der Risikoindex für sich besitzt wenig Aussagekraft. Um die Aussage nachvollziehbar zu machen, wird in den Nachweisdokumenten zur Risikobeurteilung zusätzlich zum Risikoindex die von Ihnen in jedem Register getroffene Auswahl dargestellt. Der Risikoindex kann Ihnen aber einen Anhaltspunkt dafür geben, wie Sie das Risiko einschätzen müssen. Erscheint Ihnen das Risiko zu groß, müssen Sie dagegen Schutzmaßnahmen treffen. Wenn Sie anschließend erneut eine Risikoeinschätzung treffen, bei der Sie die Schutzmaßnahme mit einbeziehen, erhalten Sie eine Einschätzung, wie sich das Risiko durch Ihre Maßnahme vermindert. Der Risikoindex mit den zugrunde liegenden qualitativen Aussagen hilft Ihnen also einzuschätzen, ob eine Schutzmaßnahme das Risiko auf ein akzeptables Maß vermindert. Abb. 9: Graph Risikoindex

7 Risikoindex und qualitative Aussagen Der Risikoindex ohne die zugrunde liegenden qualitativen Aussagen verhilft Ihnen zu keiner sicheren Einschätzung des Risikos. Verlassen Sie sich nicht auf den reinen Zahlenwert ohne zu berücksichtigen, welche Aussagen zu diesem Wert geführt haben. Beziehen Sie immer eine qualitative Betrachtung, was der Wert bedeutet, mit ein. Schritt 7: Schutzmaßnahmen und Restrisiken Wenn Sie eine Gefährdung identifiziert haben, die Sie für nicht tolerierbar halten, ergreifen Sie dagegen geeignete Schutzmaßnahmen. Zunächst definieren Sie, welches Schutzziel Sie erreichen möchten. Abb. 10: Schutzziel definieren Wenn Sie das Schutzziel definiert haben, geben Sie die Art der Schutzmaßnahme an, die Sie gegen die Gefährdung ergreifen. Dabei haben

8 konstruktive Maßnahmen Vorrang vor technischen Schutzmaßnahmen. Nur wenn weder konstruktive noch technische Schutzmaßnahmen möglich oder sinnvoll sind, bleibt Ihnen der Hinweis auf Restgefahren. Aus diesem Grund erfolgt die Abfrage nach der Schutzmaßnahme in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten. Der WEKA Manager CE leitet Sie dazu an, diese Reihenfolge einzuhalten, wenn Sie Schutzmaßnahmen ergreifen! Schritt 1: Konstruktive Lösung Im ersten Schritt fragt das Programm Sie, ob Sie eine konstruktive Lösung wählen. Beantworten Sie diese Frage mit Ja oder Nein! Wenn Sie mit Ja antworten, beschreiben Sie die konstruktive Lösung im Feld Beschreibung der Schutzmaßnahme mit eigenen Worten. Wenn Sie mit Nein antworten, folgt direkt die nächste Abfrage.

9 Abb. 11: Konstruktive Lösung Schritt 2: Technische Schutzmaßnahme Im zweiten Schritt fragt das Programm ab, ob Sie eine technische Schutzmaßnahme ergreifen möchten, also z.b. eine Schutzvorrichtung. Wenn Sie mit Ja antworten, beschreiben Sie die technische Schutzmaßnahme im Feld Beschreibung der Schutzmaßnahme mit eigenen Worten. Wenn Sie mit Nein antworten, geht es weiter mit dem Restrisiko.

10 Abb. 12: Technische Schutzmaßnahme Im Zusammenhang mit der technischen Schutzmaßnahme fragt das Programm ab, ob Ihre Schutzmaßnahme eine steuerungstechnische Maßnahme ist. Denn in diesem Fall folgt eine Bewertung nach EN ISO Sicherheit von Steuerungen. Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, öffnet sich ein Dialog zur Ermittlung des erforderlichen Performance Levels (PLr) nach EN ISO Wenn Sie mit Nein antworten, geht es weiter mit dem Restrisiko.

11 Abb. 13: Ermittlung erforderlicher Performance Level nach EN ISO Beispiel: Quetschgefahr durch eine schwenkbare Beschickungseinrichtung (Schwenkband) Zwischen dem zuführenden Schwenkband und der Aufnahmeeinrichtung (z.b. einem Kalanderständer) kann eine Person gequetscht werden. Der Aufenthalt des Personals an der Gefahrenstelle kann nicht verhindert werden, da sich in unmittelbarer Nähe ein Bedienpult befindet. Der Konstrukteur begegnet der Quetschgefahr steuerungstechnisch durch eine mechanische (z.b. druckempfindliche) oder nicht mechanische (z.b. fotoelektrische) Schutzeinrichtung mit Annäherungsreaktion. Deshalb ermitteln Sie für diese steuerungstechnische Schutzmaßnahme das erforderliche Performance Level (PLr) nach EN ISO Dazu wählen Sie in dem entsprechenden Dialog in jedem Register die zutreffende Option aus. Daraus errechnet das Programm das erforderliche Performance Level. Die Gefährdung, die Sie mit der steuerungstechnischen Maßnahme beseitigen möchten, wird im Gefährdungskatalog automatisch in die Gefährdungsgruppe Risikominderung durch Steuerung kopiert. Denn sollte dieser sicherheitsrelevante Teil der Steuerung einmal ausfallen, wäre damit eine erhebliche Quetschgefahr verbunden. Außerdem kann die steuerungstechnische Maßnahme weitere Gefährdungen nach sich ziehen. Aus diesem Grund muss das Risiko auch für diese neue Situation beurteilt werden.

12 Schritt 3: Restrisiko Abb. 14: Restrisiko Falls Sie keine konstruktive Lösung und auch keine technische Schutzmaßnahme ergreifen können, müssen Sie auf verbleibende Restgefahren hinweisen. Es kann beispielsweise wirtschaftlich im Verhältnis zur verbleibenden Restgefahr nicht vertretbar sein, eine Maßnahme durchzuführen. Eine mögliche Schutzmaßnahme kann aber auch technisch nicht sinnvoll sein. Definieren Sie Restrisiken, wenn Gefährdungen existieren, die Sie anders nicht sinnvoll beseitigen konnten. Verbleibende Restgefahren tragen Sie in das Feld Restrisiko ein. Diese Restrisiken sind relevant für die Betriebsanleitung und ggf. auch für Warnhinweise an Ihrem Produkt. Kein Restrisiko Wenn bei der aktiven Gefährdung kein Restrisiko vorhanden ist, haken Sie das Kästchen Es gibt kein Restrisiko an. In diesem Fall sind keine weiteren Angaben im Feld Restrisiko erforderlich.

13 Symbole-Datenbank Um für Ihre Restrisiken Gebots-, Verbots- und Hinweissymbole zu hinterlegen, steht Ihnen eine Symbole-Datenbank zur Verfügung. Abb. 15: Symbolliste Maßnahmenkontrolle Um die Durchführung der von Ihnen getroffenen Maßnahmen sicherzustellen und die interne Abwicklung zu kontrollieren, bietet Ihnen das Programm Eingabefelder, in die Sie Verantwortliche und Termine für die Erledigung eintragen können. Abb. 16: Maßnahmenkontrolle Tragen Sie in die Eingabefelder den Verantwortlichen und den Termin ein, bis zu dem die Maßnahme erledigt sein soll!

14 Das dient zur Maßnahmenkontrolle, um zu sehen, ob Maßnahmen wie vorgesehen durchgeführt worden sind. Mithilfe dieser Angaben können Sie jederzeit überprüfen, ob Sie bei der Umsetzung der Maßnahmen im Soll sind. Hinweis Wenn Sie im Dialog Schutzmaßnahmen alle erforderlichen Angaben vorgenommen haben, erscheint im Kontrollkästchen rechts neben der Schaltfläche Schutzmaßnahmen ein grüner Haken. Er zeigt an, dass der Dialog fertig bearbeitet ist. Fazit Die EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG verpflichtet die Hersteller, sichere Maschinen zu konstruieren. Das Mittel hierfür ist die Risikobeurteilung. Sie dient dazu alle Gefährdungen vollständig zu erfassen und geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Für die Risikobeurteilung gibt es verschiedene Methoden, die zum Ziel führen. Wenn Sie die Risikobeurteilung softwaregestützt vornehmen, bietet Ihnen das Programm einen festgelegten, systematischen Ablauf. Dadurch müssen Sie sich keine eigene Methode erarbeiten und machen Schritt für Schritt alle erforderlichen Angaben. Wie Sie erreichen, dass Ihre Maschine sicher ist, und die Methode der Risikobeurteilung, ist letztlich Ihre Angelegenheit. Sie müssen sich nur für einen Weg entscheiden.

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