Muslime 97,4% Religionslose 2% Christen 0,3% Sonstige 0,3% Fläche km². Binnenflüchtlinge Einwohner

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1 RELIGIONEN Muslime 97,4% Religionslose 2% Christen 0,3% Sonstige 0,3% Fläche km² Einwohner Flüchtlinge Binnenflüchtlinge Die türkischen Behörden haben ihrer Absicht, den Status eines Teils der religiösen Minderheiten zu verbessern, mehrfach Ausdruck verliehen auch infolge des Drucks internationaler Organisationen. So wurde die beispielsweise in der Resolution der Europarats-Kommission für Religionsfreiheit, die im März 2010 in Venedig verabschiedet wurde, aufgefordert, bisher noch nicht anerkannte religiöse Minderheiten, wie die Lateinische Kirche, rechtlich anzuerkennen und konsequent gegen jegliche Diskriminierung vorzugehen. 1 Am 27. August kündigte Premierminister Recep Tayyip Erdogan die Rückgabe von Eigentum religiöser Minderheiten an, das zur Zeit der Entstehung der modernen türkischen Republik (1923) und nach 1936 und nach 1960 konfisziert wurde. Diese Bekanntmachung wurde von einem Dekret bestätigt, das im Amtsblatt der türkischen Regierung veröffentlicht wurde, und richtete sich an die Vertreter von 161 religiösen Stiftungen, die von dem Problem betroffen waren. Die Stiftungen gehören den drei nichtislamischen Minderheiten, die im Vertrag von Lausanne (1923) anerkannt werden: die Griechisch-Orthodoxe Minderheit (die dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel untersteht), die Armenisch- Apostolische Kirche und die Juden. Im November entschied die Generaldirektion der Stiftungen (eine Regierungsstelle), diesen Stiftungen eine reguläre Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen. 2 Der Premierminister hat ihnen ein Jahr Zeit gegeben, um einen Antrag auf Rückgabe oder Entschädigung zu stellen, unabhängig davon, ob diese Besitztümer, bestehend aus Kirchen, Klöstern, Friedhöfen, Krankenhäusern, Schulen, Wohnhäusern, Brunnen oder Land, zu Staatseigentum wurden oder an Privatpersonen verkauft wurden. Über tausend dieser konfiszierten Besitztümer gehörten der Griechisch-Orthodoxen Kirche (repräsentiert vom 1 The Tablet, 27. März Agenzia Fides, 19. November 2011

2 Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel) und etwa dreißig der Armenisch-Apostolischen Kirche. Die jüdische Gemeinschaft hofft ihrerseits, alle Friedhöfe zurückzuerhalten, die vor 1930 in ihrem Besitz waren. Msgr. François Yakan, Patriarchalvikar der Chaldäisch-Katholischen Kirche mit Sitz in Istanbul, protestierte dagegen, dass die von ihm geleitete Kirche von den Vorteilen, die mit dem Dekret einhergehen, ausgenommen ist. Da die Chaldäisch-Katholische Kirche im Vertrag von Lausanne nicht erwähnt wird, ist sie in der nicht rechtlich anerkannt. Dennoch tat Msgr. Yakan seine Absicht kund, er wolle einen Antrag auf Rückgabe des gesamten vom Staat konfiszierten Besitzes seiner Kirche stellen. Dasselbe gilt auch für die Syrisch-Katholische Kirche, die ebenfalls nicht im Vertrag von Lausanne erwähnt wird und vorhat, die Rückgabe ihres Eigentums zu beantragen, darunter die Herz-Jesu-Kirche in Istanbul, das Kloster St. Ephräm und einigen Grundbesitz in Mardine. Die Regierung entschied, diverse Kirchen, Synagogen und Klöster in der zu restaurieren. Es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, erklärte die türkische Bischofskonferenz anlässlich der Veröffentlichung des Dekrets zur Rückgabe des Besitzes religiöser Minderheiten. Die Gebetsstätten, die nach Beschluss der Regierungsbehörden zurückgegeben werden sollen, sind unter anderem die armenisch-katholische Kirche in der Provinz Diyarbakir, die größte Synagoge in der Provinz Edirne, die griechische Kirche von Taksiyarhis auf der Insel Cunda, zahlreiche griechische Kirchen und Klöster auf der Insel Imbro, die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien und die griechisch-katholische Kirche in Iskenderum. Weiterhin soll entsprechend einer Übereinkunft, die vom Bürgermeister von Bodrum (eines bekannten touristischen Zentrums im Südwesten der ) und Mitgliedern der Ratsversammlung unterzeichnet wurde, die dortige griechisch-orthodoxe Kirche St. Nikolaus, die 1960 zerstört worden war, wieder aufgebaut werden. 3 Die von der Regierung vorgeschlagene Rückgabe berücksichtigt jedoch nicht die Besitztümer, die den Armeniern zur Zeit des Genozids von 1915 genommen wurden. Aus diesem Grund richtete Aram I., Patriarch der Armenisch-Apostolischen Kirche deren Hauptsitz früher in Zilizien in der Südtürkei lag, jedoch infolge der Massaker in den Libanon verlegt wurde einen offenen Brief an Ministerpräsident Erdogan, in dem er hervorhob, dass dessen Entscheidung unangemessen sei. Unter anderem schrieb er: In meiner Eigenschaft als geistliches und juristisches Oberhaupt des Armenisch-Apostolischen Patriarchats, das von seinem historischen Sitz vertrieben, entwurzelt und in den Libanon verlegt wurde, und als Vertreter der Kinder der armenischen Kirche, die aus der ausgestoßen und über die ganze Welt verstreut wurden, betrachte ich Ihr Dekret vom 27. August 2011 als parteiisch und ungerecht. 3 Agenzia Fides, 22. Oktober 2011

3 Am 21. Februar 2012 wurde Patriarch Bartholomäus I. eingeladen, hinter verschlossenen Türen vor einer Parlamentskommission auszusagen, die damit betraut worden war, den Entwurf einer neuen Verfassung vorzubereiten. Es war das erste Mal seit Bestehen der Republik, dass der türkische Staat eine solche Initiative in die Wege geleitet hatte. Der Patriarch reichte ein achtzehnseitiges Schriftstück ein, das die Forderungen aller nichtmuslimischen Gemeinschaften insgesamt also von etwa hunderttausend Menschen zusammenfasst: nämlich der Mitglieder der Griechisch-Orthodoxen Kirche, der Armenischen, Chaldäischen, Syrischen und Lateinischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft. Unterstützt von mehreren Juristen, hatten sich die Vertreter all dieser Gemeinschaften an der Abfassung des Dokuments beteiligt. 4 Am selben Tag wurde auch Kuryakos Ergün, Vorsitzender der syrisch-orthodoxen Stiftung Mor Gabriel, von der Parlamentskommission angehört. Obwohl erwartet wird, dass noch einige Führungspersönlichkeiten der armenischen und jüdischen Gemeinschaft angehört werden, gibt es bislang noch keine Ankündigungen über eventuelle Anhörungen von Vertretern der Chaldäischen und Lateinischen Kirche oder der protestantischen Gemeinden der. Die Anliegen, die in dem an die Parlamentskommission übergebenen Dokument formuliert wurden, beinhalten auch den Wunsch nach Gleichbehandlung aller türkischen Bürger und nach einer gerechten Verteilung öffentlicher Mittel, die für religiöse und erzieherische Angebote und Dienstleistungen bereitgestellt werden. Das Schriftstück dringt auch auf eine Wiedereröffnung des Seminars der Armenier in Istanbul und des Griechisch-Orthodoxen Priesterseminars von Halki, die von den Behörden jeweils 1970 und 1971 geschlossen wurden, als die Hochschulausbildung zum Monopol des Staates wurde. Es ist gesetzlich festgelegt, dass der Griechische Patriarch dem die Regierung den Titel ökumenisch verweigert türkischer Staatsbürger und in der geboren und ausgebildet sein muss, und diese Voraussetzung stellt im Fall einer Nachfolge ein gravierendes Problem dar. Eine Verbesserung der Lage trat jedoch ein, als 2010 für Metropoliten, die im Ausland ansässig waren, die Möglichkeit geschaffen wurde, die türkische Nationalität zu erwerben. Am Ende der Anhörung sagte Bartholomäus I.: Wir wollen, dass dies die Verfassung aller wird. Wir wollen keine Bürger zweiter Klasse sein. Wir wollen keine Ungleichbehandlung, sondern Gleichheit. Wir wollen, dass theologische Schulen wiedereröffnet werden, wir wollen Gewissens- und Religionsfreiheit. In der Vergangenheit habe ich zwar viele Minister und sogar den Ministerpräsidenten besucht und wurde stets mit guten Absichten empfangen, doch wurden Versprechen nicht immer gehalten. 5 4 Agenzia Fides, 6. Februar La Croix, 21. Februar 2012

4 Der Staat hat mehrere spezielle Genehmigungen zugunsten der Kirchen erteilt: Im September 2010 wurde der Armenisch-Apostolischen Kirche die Erlaubnis erteilt, eine Messe in der Kirche zum Heiligen Kreuz auf der Insel Akdamar (Vansee, Osttürkei) abzuhalten. Die Behörden untersagten jedoch das Aufrichten eines Kreuzes auf der Kuppel dieses Heiligtums, das 1915 zur Zeit des Genozids geschlossen und 2007 restauriert und in ein Museum verwandelt wurde. Im Juni und Juli 2011 erhielten die Syrer (vom Vertrag von Lausanne nicht anerkannt) die Erlaubnis, in zwei ihrer Kirchen, die seit den Tagen des Genozids geschlossen waren, wieder Gottesdienste abzuhalten: eine in Alexandrette (türkisch Iskanderun), der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, und die andere in Adiyaman, ebenfalls eine Provinzhauptstadt und Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten. Dies war das erste Mal seit der Zeit des Osmanischen Reichs, dass die syrischen Christen ihre Kirchen wieder öffnen konnten. Diese wurden sofort wieder geweiht. Trotz alledem ist in Bezug auf das Schicksal des syrisch-orthodoxen Mar-Gabriel-Klosters (4. Jahrhundert) in der Region von Tour-Abdine (Westtürkei) noch nichts entschieden. In diesem Kloster leben vierzehn Nonnen, drei Mönche und etwa vierzig christliche Studenten. Seit 2008 kämpfen sie in Gerichtsprozessen um das Eigentumsrecht der Syrisch-Orthodoxen Kirche über ihren Besitz entschieden die Katastergerichte zu Ungunsten der Mar-Gabriel-Stiftung, und am 26. Januar 2011 urteilte der Kassationshof in Ankara, das Land des Klosters müsse auf den Namen der türkischen Staatskasse registriert werden. Weiterhin wurde die Kirche Hagia Sophia in Nizäa (türkisch Iznik) wo 325 und 787 n. Chr. zwei ökumenische Konzilien stattfanden und die 1331 in eine Moschee und 2007 in ein Museum umgewandelt wurde im November 2011 erneut in eine Moschee umgewandelt. Die Lateinische Kirche ist von diesen Bestimmungen und Versprechungen nicht betroffen, da sie vom Vertrag von Lausanne nicht anerkannt wird und somit absolut keinen Rechtsstatus besitzt. Ferner wurden ihr mitunter willkürlich einige ihrer Besitztümer entzogen, die von Laien betrieben wurden: Waisenhäuser wurden konfisziert und Gemeindegebäude dem Erdboden gleichgemacht, um Platz für Hotels zu schaffen. Msgr. Louis Pelâtre, Apostolischer Vikar von Istanbul, stellte fest: Unser wahres Problem ist nach wie vor unser Grundbesitz. Wir haben keine Eigentumspapiere und hatten noch nie welche. Das ist keine leichte Situation. Ich bin als Bischof nicht anerkannt, kann nur auf meinen Namen ein Bankkonto eröffnen, nicht auf den Namen meiner Diözese. 6 Schließlich ist erwähnenswert, dass zum ersten Mal seit den letzten fünfzig Jahren ein 6 Interview mit L Œuvre de l Orient [[wahrscheinl. L Œuvre d Orient; s. 1. Juli 2011

5 Christ einen Sitz im türkischen Parlament erhalten hat. Es handelt sich um einen evangelikalen Pastor namens Erol Dora, der im Wahlbezirk von Mardine (im Südosten der ) gewählt wurde, als im Juni 2011 Parlamentswahlen stattfanden. 7 7 Agenzia Fides, 14. Juli 2011

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