Euterhygiene Guidebook
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- Victor Busch
- vor 9 Jahren
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Transkript
1 Euterhygiene Guidebook Wegweisend in der Euterhygiene GEA Service & Hygiene GEA Farm Technologies Immer meine Wahl.
2 Inhalt Herausforderung Milchproduktion Ertragskiller Mastitis Kompetenz in der Euterhygiene Melken mit GEA Farm Technologies: Effizient Tierschonend Erfolgreich Mastitis Definition und Prophylaxe Definition Diagnose durch Zellzahlbestimmung Diagnose durch Erregernachweis Faktoren der Mastitisentstehung Hygienische Maßnahmen: Gründe für Reinigung und Desinfektion Verursacher der Mastitis Mastitiserreger im Wandel Saubere Euter garantieren hygienisch einwandfreie Milch Beurteilung der Eutersauberkeit Maßnahmen am Euter Vorbeugung ist besser als Säubern: Haltung und Liegeboxen 2 GEA Farm Technologies
3 Melkvorbereitung: Die Bedeutung der Melkroutine Tierverkehr Anforderungen an das Melkpersonal Vormelken: Wichtige Voraussetzung und gesetzlich vorgeschrieben Reinigung des Euters Verfahren der Euterreinigung Nach dem Melken Bedeutung des Dippens Das Verfahren: Sprühen oder Dippen? Die Auswahl des geeigneten Mittels Auswahlverfahren Melkzeugzwischendesinfektion Gründe für die Melkzeugzwischendesinfektion Verfahren der Melkzeugzwischendesinfektion Melkroutine Zusammenfassung Immer meine Wahl. 3
4 Milchproduktion Herausforderung Milchproduktion Mit welcher Herdengröße kann ich meinen Erfolg erhöhen? Welche Maßnahmen fördern die Tier gesundheit und führen zu marktgerechter Milchqualität? In 10 Jahren hat sich die Anzahl der Betriebe mit Milchkühen fast halbiert, während die durchschnittlichen Herdengrößen von 20 auf 32 Tiere gestiegen ist. Wer heute profitabel Milch erzeugen möchte, muss sich den Anforderungen einer modernen Landwirtschaft stellen. Eine sich immer schneller entwickelnde Technik geht mit den Trends zu größeren Herden und höherer Leistung einher: Für die gleiche Menge Milch waren in Europa 2003 bereits 18% weniger Tiere als 1994 erforderlich. Das Wachstum der Herden und die hohe Leistung stellen den Milchviehhalter vor neue Probleme und komplexe Managementaufgaben, die gelöst werden müssen. Gerade hinsichtlich grosser Herden gilt es, die Einnahmeausfälle konsequent auszuschließen, um die Bilanz dauerhaft zu optimieren. Betriebe (in 1000) Milchkühe (in 1000) Quelle: Maison Du Lait, EUROSTAT (EU-15) Betriebe Milchkühe 4 GEA Farm Technologies
5 Ertragskiller Mastitis Die Mastitis ist eine der verlustreichsten Krankheiten in der Milchproduktion. Das vorliegende Guidebook arbeitet deshalb die Gefahrenquellen in Betrieb und Melkroutine heraus und zeigt, wie sich die Mastitis durch den Einsatz gezielter Maßnahmen wirksam bekämpfen lässt. Das Guidebook ist somit ein unentbehrlicher Leitfaden zur Mastitisprävention und der Wegweiser zum Produktionserfolg. In Deutschland werden zurzeit Kühe für durchschnittlich 2,5 Laktationen lang gehalten. Die finanziellen Verluste aufgrund von Eutergesundheitsstörungen pro gehaltene Kuh und Jahr betragen 300 Euro (DVG, Leitlinien zur Bekämpfung der Mastitis des Rindes als Bestandsproblem, 2002). Ziel eines jeden Betriebes sollte es daher sein, auf eine Neuinfektionsrate von weniger als 5 pro 100 Viertel bzw. 25 Kühe pro Jahr zu kommen (DVG, s.o.). Diese Neuinfektionen beinhalten sowohl klinische als auch subklinische Mastitiden, die aufgrund von mindestens zwei abweichenden zytologischen (> Zellen /ml) und mikrobiologisch positiven Untersuchungen diagnostiziert werden. Um den Eutergesundheitsstatus einer Herde zu beurteilen, wird häufig die Gesamtzellzahl aus der Tanksammelmilch herangezogen, da sie regelmäßig und ohne großen Aufwand zur Verfügung steht. Die Aussagekraft dieses Parameters wird jedoch in dem Maße ungenauer, in dem die Betriebe wachsen. Unter Umständen wird die Tankzellzahl auch durch das Verwerfen der Milch der Millionärinnen geschönt. Ein Sanierungskonzept zeigt hier unmittelbar Erfolge: Verbesserte hygienische Maßnahmen reduzieren die Zellzahlen sowie die Anzahl der Neuinfektionen. Leider verleitet das schnelle Ergebnis allzu oft dazu, die begonnenen Maßnahmen wieder einzustellen. Nur die konsequente Fortsetzung einer professionellen Euterhygiene führt dauerhaft zum Ziel. Der mögliche Mehraufwand rechnet sich: Arbeitseinsatz oder Material werden schnell durch die optimierte Herdengesundheit ausgeglichen. Zugleich entfällt Arbeitsaufwand bei der Behandlung von Mastitiden und es gibt keine Abzüge beim Milchgeld. Kompetenz in der Euterhygiene Nutzen Sie das Guidebook als Wegweiser, der Ihnen hilft, die Herdenbilanz mit dem Einsatz geeigneter Produkte in der Praxis zu optimieren. Ob als PDF-Datei im Notebook oder gedruckt zur Hand das Guidebook führt Sie von der Analyse direkt zum Lösungsansatz und zur Handlungsempfehlung. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um starre Vorgaben, denn die Probleme ändern sich. Beispielsweise sollte die Vorgehensweise stets der Jahreszeit oder der Problematik im Betrieb angepasst werden. Als Quintessenz der langjährigen Erfahrung von GEA Farm Technologies nennt Ihnen das Guidebook immer die optimale Lösung. Somit stehen Sie als Spezialist dem Landwirt mit wertvoller Kompetenz zur Seite. Immer meine Wahl. 5
6 Melken Melken mit GEA Farm Technologies Effizient Tierschonend Erfolgreich GEA Farm Technologies steht als führenderanbieter und Hersteller weltweit für maximale Tierschonung und zugleich maximalen Profit in der Milcherzeugung. Im Focus steht bei uns höchster Komfort für Mensch und Tier am Melkplatz. Wir erstellen Ihnen das profitabelste Melksystem weltweit ermöglicht durch unsere einzigartige Systemwelt. Wir bieten die überzeugendsten, individuell zugeschnittenen Systemlösungen für jeden Milchviehbetrieb. 1 Tierschonendes Melken mit Niedrigvakuum zur Leistungsoptimierung fördert die Gesundheit der Kuh maximiert die Leistung und hält das Tier länger in der Produktion minimiert das Mastitisrisiko durch die schonende Behandlung der Zitzen = bewirkt einen schonenden Milchentzug und ist der Garant für ein vollständiges Melkergebnis! 2 Die effektive Melkpulsation verbindet zügiges mit schonendem Melken! Die auf die physiologischen Belange der Kuh ausgerichtete Pulsation beim Melken bedeutet exakt gesteuerte Wechseltakt-Pulsation für jederzeit kontrollierbare Vakuumbedingungen im Melksystem bewirkt eine einzigartige Stimulation, Routine unterstützend für die Melkperson verbindet zügiges mit schonendem Melken = die richtige Pulsation mit Routine unterstützender Stimulation maximiert das Gemelkergebnis und die Anzahl gemolkener Kühe pro Person/Stunde! 6 GEA Farm Technologies
7 3 Bewegung beim Melken Das Melkzeug von GEA Farm Technologies macht es möglich: Bewegungen beim Melken werden durch die spezielle Kopfgestaltung des Zitzengummis erreicht. eine Systemlösung für optimalen Milchentzug, die nicht nur aus Einzelkomponenten besteht auch für höchste Milchflüsse geeignet maximale Zitzenschonung durch besonders innovative Zitzengummigestaltung = optimiert das Melkergebnis in Zeit und Ertrag! 4 Das Melkmanagement-System Die intelligente und führende Lösung, entwickelt auf der Basis unseres langjährigen Know-hows beim Melken sichert eine tierindividuelle Behandlung bietet die schnelle und sichere Erfolgskontrolle ermöglicht eine rationelle Melkarbeit = sichert die Wirtschaftlichkeit bei minimiertem Aufwand! Tiergerecht melken und höchster Komfort für den Melker! Melksysteme mit der Philosophie von GEA Farm Technologies sichern für jeden Betrieb die profitabelste Lösung. Der hohe Melkstandkomfort für die Melkperson schafft die besten Voraussetzungen für profitables Melken und erhöht die Durchsatzleistung an gemolkenen Kühen pro Stunde! Ein optimierter Kuhkomfort, abgestimmt auf die Verhaltensweise der Herde, steigert das allgemeine Wohlbefinden, die Milchleistung sowie die Nutzungsdauer der Herde. Immer meine Wahl. 7
8 Mastitis Definition und Prophylaxe Definition Mastitis ist die Bezeichnung für eine Entzündung im Euter. Anhand veränderter Milch, klassischen Entzündungssymptomen wie Rötung, Schwellung, Schmerz, Hitze am Euter, zum Teil sogar durch Störung des Allgemeinbefindens, ist die klinische oder akute Mastitis einfach festzustellen. Ohne äußere Symptome weitaus schwieriger zu erkennen, aber enorm wichtig für das Bestandsmanagement, ist die Diagnostik der subklinischen Mastitiden. Denn eine Kuh, die bereits eine subklinische Mastitis besitzt, kann leicht, z.b. durch Schwächung ihres Immunsystems, eine klinische Mastitis bekommen. Hier hilft die gezielte Diagnostik, Veränderungen und Reaktionen der Milchdrüse nachzuweisen. Erhöhte Zellzahlen oder entdeck te Erreger weisen auf eine latente Infektion oder unspezifische Mastitis hin. Die Tabelle zeigt, wie sich aus der Diagnostik der Milch auf die Veränderungen des Euters schließen lässt: Mastitis-Diagnostik aufgrund von zytologischen und mikrobiologischen Befunden Zellgehalt der Milch nicht nachgewiesen Euterpathogene Erreger nachgewiesen < / ml normale Sekretion latente Infektion > / ml unspezifische Mastitis Mastitis 8 GEA Farm Technologies
9 Heilung Mastitis- Erreger Euterviertel Latente Infektion Subklinische Mastitis Klinische Mastitis Fortschreiten der Symptomatik Systematik der Mastitisentstehung und Heilung nach DVG 2002 Wird die Zellzahl analysiert und beurteilt, müssen sowohl das Laktationsstadium als auch das Alter des Tieres berücksichtigt werden. So kann ein Zellgehalt von /ml gegen Ende der Laktation bei einer älteren Kuh durchaus als normal angesehen werden. Wird derselbe Zellgehalt jedoch bei einer Färse zu Beginn der Laktation festgestellt, weist dieser auf eine unspezifische bzw. bei Erregernachweis auf eine offensichtliche Mastitis hin. Immer meine Wahl. 9
10 Mastitis Definition und Prophylaxe Diagnose durch Zellzahlbestimmung Eine Zellzahlbestimmung kann wertvolle Hinweise auf bestehende Störungen geben. Ein erster Anhaltspunkt ist die vom Milchkontrollverband ermittelte Gesamtzellzahl. Eine genauere Eingrenzung muss jedoch pro Euterviertel erfolgen. California-Mastitis-Test oder Schalm-Test Eine einfache, schnell durchführbare und sehr genaue Möglichkeit bietet der California-Mastitis-Test oder Schalm-Test. Bei der Anwendung von Reagent N lassen sich Zellzahlen ab /ml bereits durch leichte Schlierenbildung nachweisen. - < Zellen/ml Keine Schlieren, flüssiges Gemisch. Proben lassen sich leicht in kleinen Portionen ausgießen. + ca Zellen/ml Leichte Schlieren. Proben lassen sich in Portionen ausgießen. ++ ca Zellen/ml Schlieren mit leichter Gelbildung. Ausgießen in Portionen wird schwieriger ca ,5 Mio. Zellen/ml Starke Schlieren mit deutlicher Gelbildung. Ein portionsweises Ausgießen wird zunehmend schwieriger. über 1,5 Mio. Zellen/ml Starke Schlieren mit deutlicher Gelbildung. Ein portionsweises Ausgießen ist nicht mehr möglich. 10 GEA Farm Technologies
11 Diagnose durch Erregernachweis Wird die Eutergesundheit per Erregernachweis beurteilt, ist die viertelindividuell mikrobiologische Untersuchung sinnvoll. Für die sichere Analyse ist jedoch äußerste Sorgfalt nötig. Eine Kontamination der Probe durch Schmutz und Keime von der Euterhaut oder den Händen des Probennehmers muss unbedingt vermieden werden. Die mikrobiologische Diagnostik benötigt eine unter sterilen Bedingungen entnommene Milchprobe, die in ein steriles Röhrchen gemolken wird. Die DVG beschreibt den Vorgang für einen sicheren Analyseerfolg, wie unten beschrieben: Vormelken in einen Vormelkbecher Reinigung und Desinfektion jeder Zitze, jeweils ein Alkoholtupfer (70%) pro Zitze für ca.15 Sek. Abgewandte Zitzen zuerst reinigen Bei starker Verschmutzung Zitzen vorher reinigen und abtrocknen Probenehmer: Saubere Hände ohne Verletzungen, sonst Handschuhe tragen Die zugewandten Zitzen zuerst beproben Sterile Probenröhrchen erst unmittelbar vor der Probenahme öffnen und horizontal halten Röhrchen möglichst mit einem Druck füllen, Zitze darf Röhrchen nicht berühren Untersuchung so schnell wie möglich, u.u. Kühlung oder Konservierung notwendig Immer meine Wahl. 11
12 Mastitis Definition und Prophylaxe Faktoren der Mastitisentstehung Bei der Mastitis handelt es sich um eine Faktorenerkrankung. Das bedeutet, dass mehrere Faktoren an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind und diese sich im Zusammenspiel begünstigen. Je nachdem wie positiv oder negativ der Einfluss dieser Faktoren auf die Milchdrüse ist, kann dies eine Mastitis zur Folge haben. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Risikofaktoren auf Euterviertelebene Tierebene Bestandsebene Die einzelnen Faktoren lassen sich unterschiedlich gut beeinflussen: Kurzfristig: Hygienische Maßnahmen können schnell und leicht beeinflusst werden, Ergebnisse sind schnell und deutlich sichtbar. Mittel-, langfristig: Die genetische Disposition (Form sowie Stellung von Zitzen und Euter) lässt sich nur mittel- bis langfristig ändern. Infektionsdruck senken durch optimales Stallklima Immunstatus unterstützen mit optimalen Haltungsbedingungen Zitzenkondition verbessern 12 GEA Farm Technologies
13 Mastitis ist ein Wechselspiel von: Euterform Stallgestaltung Zitzenform und -stelllung Klima Einstellung der Melkanlage Hygiene Mastitiskranke Kühe Infektionsdruck Faktoren Zitzenkondition Zitzengummis Genetik Wetter, Klima Stress Geburt Körperabwehr Laktionsstadium, Leistungsniveau (Immunstatus) Genetik (Mastitisanfälligkeit) Fütterung Das Schaubild offenbart, wie wichtig es für das Bestandsmanagement ist, die Faktoren, die man im Stall beeinflussen kann, tatsächlich zu optimieren: Weitere Erkrankungen Infektionsdruck senken: Stallklima und -hygiene verbessern, Tiere nach dem Melken wenn möglich im Fressgitter stehen lassen, während des Melkens die Boxen reinigen, infizierte Tiere absondern oder ausmerzen Zitzenkondition verbessern: Pflegemittel benutzen, Einstellung der Melkanlage überprüfen und optimieren Immunstatus der Herde unterstützen: Stress vermeiden, Fütterung und Haltungsbedingungen optimieren, Gruppen zusammenstellen, Trockenstehzeit, Abkalbeboxen, Klima optimieren Mittel- bis langfristige Maßnahmen: Zuchtziel verbessern bei Defiziten in der Zitzenform, Anzahl (überzählige Zitzen) und Euterform (Hänge, Stufeneuter) sowie bei schwermelkenden Kühen Zuchtziel verbessern Immer meine Wahl. 13
14 Mastitis Definition und Prophylaxe Hygienische Maßnahmen: Gründe für Reinigung und Desinfektion Deutliches Keimwachstum Fingerabdruck auf Nährboden von einer normal sauberen Hand Geringeres Keimwachstum Fingerabdruck auf Nährboden von einer gewaschenen Hand Überall dort, wo Schmutz und Staub vorhanden sind, finden unterschiedlichste Keime ausgezeichnete Lebensbedingungen vor. Daher ist es wichtig, dass in der unmittelbaren Umgebung der Lebensmittelproduktion besondere Anforderungen für die Hygiene gelten. Schon auf vermeintlich sauberen Händen und Oberflächen lassen sich zum Teil beachtliche Keimzahlen nachweisen. Auch wenn eine sterile Haltung von Tieren unter Praxisbedingungen nicht möglich ist, muss es ein Ziel sein, die Schmutzbelastung im Lebensraum der Tiere so gering wie möglich zu halten. Die Sauberkeit ist bei der Melkarbeit von größter Bedeutung. Wenn der Strichkanal während des Melkens geöffnet ist, wird die natürliche Barriere des Euters außer Kraft gesetzt und Krankheitserregern buchstäblich Tor und Tür geöffnet. In diesem Moment ist der Melker selbst ein potentieller Überträger von Keimen aller Art: Verschmutzte oder durch kleine Wunden oder Risse verletzte Hände bilden ein gefährliches Reservoir für Erreger. Beim Melken übertragen sich diese schnell von einer Kuh auf die nächste. 14 GEA Farm Technologies
15 Das Tragen von Handschuhen ist aus diesem Grund sinnvoll und notwendig. Einerseits ist der Melker geschützt, andererseits können Keime und Schmutz an der glatten Oberfläche der Handschuhe nicht haften. Auf die regelmäßige Reinigung und Desinfektion während der Melkzeit sollte jedoch auch beim Tragen von Handschuhen nicht verzichtet werden! Vermehrung Hautrisse und Verletzungen erleichtern das Wachstum der Keime. Wenig Keimwachstum Fingerabdruck auf Nährboden einer durch Handschuh geschützten Hand Weitergabe Über die Hand des Melkers können Erreger von Kuh zu Kuh weitergegeben werden. Was für die Produktion von hygienisch einwandfreier Milch und für die Tiergesundheit bedeutend ist, gilt gleichermaßen für den Konsum und unsere eigene Gesundheit: Die Verschmutzung der gewonnenen Milch durch Kot ist die bedeutendste Ursache für Keime in der Rohmilch. Die Folgen wirken sich unmittelbar auf die weitere Verarbeitung sowie auf die Gesundheit der Verbraucher aus! Schutz Handschuhe schützen vor dem Keimwachstum auf der Hand des Melkers. Immer meine Wahl. 15
16 Mastitis Definition und Prophylaxe Verursacher der Mastitis Da jeder Erreger unterschiedliche Infektionswege nutzt und seine eigene Handschrift schreibt, werden Mastitiden in der Fachwelt anhand der Mikroorganismen unterschieden, die sie verursachen. Zunächst unterscheidet man die Erreger in so genannte kuhassoziierte bzw. kontagiöse sowie umweltassoziierte. Die folgende Tabelle zeigt die Hauptunterschiede der Infektionswege auf: Wann findet die Übertragung statt? Wodurch findet die Übertragung statt? Erkrankungszeitpunkt Symptome Dauer der Erkrankung Prophylaxe Häufigste Erreger 16 GEA Farm Technologies
17 Unterscheidung der Mastitiserreger Kuhassoziierte = kontagiöse Erreger Umweltassoziierte Erreger Während des Melkens Melker Unsaubere Eutertücher Melkzeug Während der gesamten Laktation Hohe Zellzahlen Reduzierte Milchleistung Periodisch wiederkehrende Mastitiden: Staphylococcus aureus Monate bis Jahre Oft Dauerausscheider (Staph. aureus) Melkzeugzwischendesinfektion Melkreihenfolge beachten Desinfizierende Dipps Ausmerzung von Ausscheidern Vitamin E/Selen, Mineralien Gesunde und intakte Euterhaut Staphylococcus aureus Streptococcus agalactiae Streptococcus dysgalactiae Mycoplasma bovis Corynebacterium bovis Zwischen den Melkzeiten Umwelt und Stallklima: Einstreu, Kot Laufflächen In der Trockenstehphase und Frühlaktation Oft klinische Mastitis Störung des Allgemeinbefindens besonders bei coliformen Keimen Meistens Heilung innerhalb eines Monats mit Therapie oder spontan Hygienemaßnahmen Stress vermeiden Fütterung der Laktation anpassen Sorgfältige Reinigung vor dem Melken Barrieredipps nach dem Melken Streptococcus uberis Coliforme Keime, z.b. Escherichia coli Klebsiella CNS/KNS Immer meine Wahl. 17
18 Mastitis Definition und Prophylaxe Mastitiserreger im Wandel 1 Kuhassoziierte Erreger Streptococcus agalactiae zählt zu den klassischen kuh - assoziierten, kontagiösen Erregern. Es sind, aufgrund der starken Ansteckung, immer mehrere Tiere in einem Betrieb betroffen. Eine Identifikation aller betroffenen Tiere und die Behandlung aller Euterviertel dieser Tiere ist ebenso notwendig wie das Einhalten der Melkreihenfolge (erkrankte Tiere am Ende oder mit eigenem Melkzeug melken). Das Vorhandensein von Hyperkeratosen begünstigt Infektionen mit Sc. agalactiae. Es sind wenige klinische Fälle mit Nachweis eines menschlichen Sc. agalactiae Stammes bekannt. Führen die Streptokokken menschlichen Ursprungs zu Mastitiden, sind die Zellzahlen nicht so stark erhöht, wie es bei der klassischen Galt-Infektion der Fall ist. Mastitiserreger besitzen die Fähigkeit, sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. Da sich die Haltungs- und Behandlungsformen in den letzten Jahren verändert haben, haben sich auch die Erreger verändert und akklimatisiert. Der Rückschluss vom vorhandenen Erkrankungsbild auf den Erreger ist im Gegensatz zu früher deshalb erschwert und nicht mehr so einfach möglich. Streptococcus dysgalactiae ist ein klassischer kuhassoziierter Erreger. Wenn eine Infektion mit Sc. dysgalactiae eine Mastitis hervorruft, ist diese in der Regel einfach zu behandeln. Zunehmend wird Sc. dysgalactiae auch in der Umwelt nachgewiesen, besonders in der Winter- und Stallhalteperiode. Staphylococcus aureus ist ein weiterer kuhassoziierter Erreger. Er war bekannt für chronische, subklinische Mastitiden mit erhöhtem SCC (somatic cell count = Gehalt somatischer Zellen) und gelegentlichen klinischen Ausbrüchen. Man ist jedoch zu der Erkenntnis gelangt, dass verschiedene Staph. aureus Stämme unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen. Einige Stämme verursachen subklinische, chronische Verläufe, andere Stämme führen zu akuten klinischen Verläufen, wie sie sonst für umweltassoziierte Erreger typisch sind (Symptome wie bei der Coli-Mastitis ). Streptococcus agalactiae Staphylococcus aureus 18 GEA Farm Technologies
19 2 Umweltassoziierte Erreger Escherichia coli ist der klassische Erreger der umweltassoziierten Mastitis ( Coli-Mastitis ). Sie tritt häufig bei Einzeltieren auf und wird durch Stress zum Geburtszeitpunkt sowie Mängel in der Boxen-, Futter- und Geburtshygiene begünstigt. Im Gegensatz dazu treten heute zum Teil auch chronische und rezidivierende (häufig wiederkehrende) Mastitiden auf, bei denen E. coli nachgewiesen wird. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei den Mastitiden nicht um Neuinfektionen handelt, da identische Erregerstämme gefunden werden. E. coli hat sich demzufolge an das Euter angepasst, wie es sonst nur von den kuhassoziierten Erregern bekannt war (Schukken et al. 2006). Escherichia coli Klebsiella Klebsiellen zählen zu den umweltassoziierten Erregern. Sie treten in letzter Zeit vermehrt auf. Ein Grund dafür kann in der vermehrten Nutzung von Einstreumaterialien wie Torf oder Sägespänen liegen. Hier finden die Klebsiellen optimale Bedingungen. Mit einer ausgeprägten Störung des Allgemeinbefindens und Fieber ähneln die Symptome einer durch Klebsiellen hervorgerufenen Mastitis sehr denen der Coli-Mastitis. Die Prognose für die an einer Mastitis erkrankten Kuh mit Nachweis von Klebsiellen ist günstig, wenn sie rechtzeitig erkannt wird und lange genug auch mit systemischen Antibiotika behandelt wird. Streptococcus uberis ist sehr weit verbreitet und trat in den vergangenen Jahren häufiger auf. Es handelt sich um einen umweltassoziierten Erreger, von dem viele verschiedene Stämme nachgewiesen werden können. Eine Häufung der Erkrankungen in der Weidesaison und bei Tieren mit schlechter Zitzenkondition wie ausgeprägten Hyperkeratosen ist zu erkennen. CNS/KNS, koagulase negative Staphylokokken werden zunehmend nachgewiesen. Sie zählten ursprünglich zu den umweltassoziierten Erregern. Da sie sehr unterschiedlich sind und verschiedene Erkrankungen hervorrufen, wird ihre Bedeutung und die Folgen noch weiter abgeklärt werden. Von einigen Fachleuten werden sie bereits zu den kuhassoziierten Erregern gerechnet. Streptococcus uberis Immer meine Wahl. 19
20 Saubere Euter Beurteilung der Eutersauberkeit Dass reines Wasser nur aus sauberer Quelle fließt, leuchtet ein. Die Sauberkeit der Euter und damit der Zitzen ist eine Voraussetzung zur Gewinnung von hygienisch einwandfreier Milch. Zudem dient sie als Prophylaxe gegen Mastitiden. Um die betriebliche Situation einschätzen zu können, bietet das Euterhygiene-Scoring eine sehr einfache und schnell durchzuführende Möglichkeit zur Beurteilung des Bestands. SCORE 1 Sauber, frei von Schmutz SCORE 2 Leicht verschmutzt, 2-10% der Oberfläche SCORE 3 Mittelgradig verschmutzt, % der Oberfläche SCORE 4 Stark verschmutzt, > 30% der Oberfläche Es sollten ca. 80% der Kühe die Bonitierung 1 erhalten. Haben mehr als 10% der Kühe Euter der Kategorie 4, sollten dringend Hygienemaßnahmen ergriffen werden. Die Kühe der Kategorien 3 und 4 besitzen ein erhöhtes Risiko an Mastitis zu erkranken. 20 GEA Farm Technologies
21 Maßnahmen am Euter Das Kürzen der Euterhaare ist eine wichtige Maßnahme zur Prophylaxe. Denn zum einen wird auf diese Weise das Anhaften des Schmutzes erschwert, zum anderen bleiben die gereinigten Euter länger sauber. Das Kürzen erfolgt durch Schneiden oder vorsichtiges Abflämmen und ist im Winter besonders wichtig. Saubere Euter verwehren Erregern den Eintritt! Die folgenden Bilder verdeutlichen die Keimbelastung auf der Zitze nach den verschiedenen Reinigungsmaßnahmen. Die effektive Vorreinigung reduziert deutlich die Besiedlung des Strichkanals und des Euters mit umweltassoziierten Erregern. Damit bleibt den Erregern der Zutritt verwehrt und sie gelangen während des Melkens nicht in das Euter! Keimwachstum einer Tupferprobe der Zitzenhaut... ohne Reinigung... nach Reinigung mit trockenem Eutertuch nach Reinigung mit feuchtem Eutertuch... nach nasser Reinigung Dreckige Zitze Trockene Reinigung Feuchte Reinigung Nasse Reinigung Immer meine Wahl. 21
22 Saubere Euter Vorbeugen ist besser als Säubern: Haltung und Liegeboxen Sauberkeit beginnt im Stall denn eine starke Verschmutzung der Euter ist eine Folge ungenügender Haltungsbedingungen. Deshalb ist es notwendig, die Situation im Stall zu überprüfen und hier mit sauberen Verhältnissen Krankheitserregern das Leben zu erschweren. Der Zustand und die Sauberkeit der Euter sind stark von folgenden Faktoren abhängig: Art des Stalls Art der Liegeboxen Einstreumaterial Anzahl der Liegeboxen Größe und Abmessungen der Liegeboxen Komfort der Liegeboxen Allgemein gilt, dass die Kühe so sauber und trocken wie möglich liegen sollen. Dies hängt natürlich stark von der Anzahl und dem Komfort der Liegeboxen ab. Wird ein Stall neu konstruiert oder umgebaut, ist die Größe der Liegeboxen dem Herdendurchschnitt unbedingt anzupassen. Die passende Größe der Liegeboxen ist die Voraussetzung für eine gute Akzeptanz. 22 GEA Farm Technologies
23 Für den Komfort in der Liegebox sind besonders die Unterlage, die weich und isolierend sein sollte, und die Art des Einstreumaterials bedeutend: Strohmatratzen bieten den Vorteil eines weichen Untergrundes. Ihre Reinigung ist jedoch schwierig und umständlich. Da es sich um organisches Material handelt, sind Strohmatratzen eher hygienisch kritisch zu beurteilen. Gummimatratzen sollen isolieren, während sie die exponierten Körperstellen und Gelenke vor Abrieb schützen. Die Länge ist so zu wählen, dass Exkrete und Exkremente hinter den Tieren landen und nicht die Liegefläche verschmutzen. Organische Einstreu ist sowohl in Liegeboxen als auch in Hochboxen mit Matratzen problematisch. Selbst wenn die Einstreu in hygienisch einwandfreiem Zustand hergestellt wird, können sich Umwelterreger darin explosionsartig vermehren. So soll es sein: Komfort in der Liegebox, weich und isolierend mit einer Einstreu, die das Tier (besonders die Euterhaut!) nicht reizt, wenig Staub entwickelt und viel Wasser bindet. Immer meine Wahl. 23
24 Melkvorbereitung Tierverkehr Da bereits der Eintritt der Tiere in den Melkstand Einfluss auf das Melkergebnis hat, soll er zügig und stressfrei geschehen. Dies setzt eine positive Akzeptanz der Kühe mit dem Melkstand voraus. Wenn sie dort gute und angenehme Erfahrungen machen, werden sie ihn wieder gerne aufsuchen. Wiederholte negative Erlebnisse führen dagegen zu einem verlangsamten Eintritt. Vermehrter Arbeitsaufwand oder weiterer Stress durch Treiben etc. können die Folgen sein. Ebenso wie die Liegeboxen im Stall muss die Standfläche im Melkstand der Durchschnittsgröße der Herde angepasst sein. Die Tiere sollen bequem und sicher stehen können. Um Verletzungsgefahren auszuschließen, dürfen weder scharfe Ecken noch Kanten hervorstehen. Ein schneller Austrieb kann durch eine Lichtquelle am Ausgang unterstützt werden, denn Kühe laufen lieber ins Helle. Anforderungen an das Melkpersonal Die Melkroutine ist abhängig von nationalen Vorschriften, vom Melkstandtyp und den beteiligten Personen. Da Kühe Gewohnheitstiere sind, ist es dringend erforderlich, dass die Routine vom gesamten Melkpersonal eingehalten wird. Dazu zählt der stressfreie Zutrieb der Tiere in den Melkstand. Stress ruft bekanntlich eine Ausschüttung von Adrenalin hervor, das als Gegenspieler des Oxytozins wirkt und ein optimales Einschießen der Milch verhindert. 24 GEA Farm Technologies
25 Vormelken: wichtige Voraussetzung und gesetzlich vorgeschrieben Zu Beginn des Melkens enthalten die ersten Strahlen besonders keimreiche Milch, die lt. Milchverordnung verworfen werden muss. Dieses Vormelken wird von manchen Landwirten als zusätzliche Arbeitsbelastung empfunden. Tatsächlich liegt darin jedoch ein doppelter Nutzen: 1 2 Erstens dient das Vormelken der Melkroutine, indem der Berührungsreiz den Milchfluss stimuliert. Zweitens dient es der Beurteilung und Diagnostik der Milch: Sinnlich veränderte Milch wird rechtzeitig erkannt und gelangt nicht in den Tank (keine Kontamination durch hohe Zell- und/oder Keimzahlen). Durch Untersuchung des Vorgemelks lassen sich Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren und umgehend behandeln. Vormelkbecher Der Einsatz des Vormelkbechers erleichtert die Beurteilung und verhindert Keimverbreitung. 3 Drittens das Verwenden des Vormelkbechers: Um ein Ausbreiten von Erregern innerhalb des Melkstandes durch sog. Erregeraerosole zu verhindern, ist das Verwenden eines Vormelkbechers dringend erforderlich. Ähnlich dem Niesen eines Menschen können die Bakterien durch Flüssigkeit (beim Ausspritzen und Reinigen des Standes) umhüllt und weit transportiert werden. Auf diese Weise verbreiten sich die Erreger im Melkraum und stecken weitere Tiere an. Ein Vormelkbecher ermöglicht durch seine Form und Funktion die optimale Beurteilung der Milchkonsistenz. Unkomplizierter Schnelltest zur Bestimmung des Zellgehaltes der Rohmilch Mit der ersten Berührung an der Zitze beginnt die Freisetzung von Oxytozin, dem Hormon, das für das Einschießen der Milch durch Kontraktion der Muskeln in den Alveolen verantwortlich ist. Auf der einen Seite muss ein ausreichend langer und starker Reiz vorhanden sein, auf der anderen Seite sollte das Ansetzen des Melkzeuges optimal Sekunden und spätestens zwei Minuten nach dem ersten Euterkontakt erfolgen. Da Oxytozin nur 4 8 Minuten wirkt, ist so ein schnelles und optimales Ausmelken gewährleistet. Gehirn zum Gehirn Milchausschüttungs- Hormon Herz Ocytocin Berührungsreiz Rückenmark Nervenreize Stimulation Regelkreis des Oxytozins, von der ersten Berührung bis zur Milchausschüttung Immer meine Wahl. 25
26 Melkvorbereitung Reinigung des Euters Laut EG-Verordnung ist die Milch von sauberen Eutern zu gewinnen. Die Reinigung muss die Sauberkeit erhöhen sowie den Infektionsdruck mindern. Nach der Reinigung muss das Euter trocken sein, um das Eindringen zuvor gelöster Erreger sowie das Klettern der Melkzeuge zu verhindern. Die Dauer der Vorreinigung ist hinsichtlich des Stimulationseffektes zeitlich zu berücksichtigen! Verfahren der Euterreinigung 1 Trockene Reinigung mit Tüchern Prinzipiell darf ein Tuch bei der trockenen Reinigung nur für eine Kuh verwendet werden, um die Übertragung von Eutererregern von einer Kuh auf die andere zu verhindern. Es stehen Papier- (z.b. Profilac Dermacel oder Sowotaan Euterpapier) und Textiltücher (Profilac Dermatex) zur Verfügung. Die Mehrfachverwendung der Textiltücher setzt zwischen den Melkzeiten eine sorgfältige Reinigung und Desinfektion voraus, damit Keime abgetötet werden. Als Waschmittel empfehlen wir DomoWash PE. 2 Feuchte Reinigung mit Tüchern Die feuchte Reinigung kann mit Papiertüchern erfolgen (Sowotaan wet oder Dermacel, getränkt im Spezialeimer). Der Zusatz von Alkohol bei feuchten Tüchern beschleunigt das Trocknen und das Abtrocknen der Zitzen. Wir empfehlen für die feuchte Reinigung ein Tränken der Tücher in Profilac DermaPré, LuxPré oder SensoPré. 26 GEA Farm Technologies
27 3 Nasse Reinigung der Euter Die nasse Reinigung ist bei stark verschmutzten Eutern und bei hohem Infektionsdruck erforderlich. Dadurch kann die Gefahr einer Infektion mit umweltassoziierten Erregern deutlich gesenkt werden, die sonst durch Rückspray während des Melkens in das Euter gelangen würden. Die Anwendung von Euterreinigern oder Pre-Dippmitteln erfordert ein Abtrocknen der Zitzen. Somit ist sicher gestellt, dass keine Rückstände von Reinigern oder Desinfektionsmitteln in die Milch gelangen. Pre-Dippen ist in einigen Ländern erlaubt. Nationale Vorschriften wirken zum Teil einschränkend. Empfehlung für Prozedur und Produkte im Einsatz vor dem Melken Auf Basis der Bonitierung des Euterhygiene-Status Ergebnis Prozedur Produkt Zeit (Sek.) des Euterscoring Keimbelastung vor der Reinigung nach der Reinigung > 80% der Herde Trockene Reinigung Sowotaan 1 Dermatex 17 Dermacel Dreckige Zitze Trockene Reinigung > 80% der Herde Feuchte Reinigung Sowotaan wet oder 1 und 2 Dermacel in LuxPré, 17 SensoPré oder DermaPré getränkt > 30% der Herde Nasse Reinigung DermaPré F und 2 und höher anschließendes 24 Abtrocknen Dreckige Zitze Feuchte Reinigung Dreckige Zitze Nasse Reinigung Wenn über 15% der Herde Scores im Bereich 3 und 4 haben, sollte eine Problemanalyse mit einer individuellen Lösungsstrategie erfolgen. Hierbei handelt es sich um ein Schema für die grundsätzliche Reinigung der Mehrzahl der Tiere einer Herde. Einzeltiere mit starker Verschmutzung müssen ihrem Verschmutzungsgrad entsprechend gereinigt werden! Immer meine Wahl. 27
28 Nach dem Melken Bedeutung des Dippens Direkt nach dem Melken beginnt ein Zeitraum mit besonders hohem Infektionsrisiko. Jetzt gilt es besonders, das bei der Milchentnahme stark beanspruchte Euter zu pflegen. Da der Strichkanal der Zitze sich erst nach Minuten schließt, ist die Milchdrüse durch den Wegfall der physikalischen Barriere nach der Melkphase hochgradig anfällig für Infektionen. Hier sind das Tränken und Füttern der Tiere geeignete Möglichkeiten, einen Kontakt mit Umweltkeimen nach dem Melken zu minimieren. Während des Melkens werden die Haut und die Zitze abhängig von der Anlage und deren Einstellungen strapaziert. Der Strichkanal wird während des Melkens zum Teil um über 30% gedehnt, die Ausweitung der Breite liegt zwischen 15 und 35%. Dieses geschieht mindestens zwei Mal täglich an rund 305 Tagen im Jahr! Aus diesem Grund sollte man auf folgende Punkte achten, die für den Erhalt einer guten Zitzenkondition entscheiden sind: 1 Die Belastung des Gewebes wird in Bezug auf die Melkkraft und die Melkdauer durch eine optimale Einstellung und Auslegung der Anlage minimiert. Dieses betrifft die Einstellung der Parameter: Vakuum Anrüsten Pulsation Maschinelles Nachmelken Form der Zitzengummis Der Zustand der Anlage muss regelmäßig kontrolliert werden. 2 Durch eine sorgfältige Auswahl und Anwendung von Dippmitteln wird die Zitzenhaut gepflegt und ein Schutz vor dem Eindringen von Erregern gewährleistet. Dieses geschieht durch die Förderung der hauteigenen Abwehr und den Gehalt an Desinfektionskomponenten. Geringere Gewebebelastung durch eine exakte Passform des Zitzengummis 28 GEA Farm Technologies
29 Das Verfahren: Sprühen oder Dippen? Viele Dippmittel sind sprüh- sowie dippfähig. Die Desinfektionskomponenten in den Mitteln sind grundsätzlich vergleichbar. Landwirte, die das Sprühen bevorzugen, müssen jedoch einige Einschränkungen hinnehmen: Ein entscheidender Nachteil des Sprühens besteht in der Gefahr von Sprühschatten. Erscheint die Anwendung einerseits einfacher, erfordert sie andererseits große Sorgfalt, um die ausreichende Benetzung aller Zitzen zu erreichen (laut National Mastitis Council sind sowohl Dippen als auch Sprühen akzeptabel, wenn gewährleistet ist, dass das Produkt sorgfältig aufgebracht wird). Eigenschaften wie tropffreie oder tropfarme Dippmittel, starke Pflegeeigenschaften oder eine Barriere-Funktion lassen sich nur in dippbaren Mitteln verwirklichen. Durch die höhere Viskosität ist ein Sprühen dieser Mittel nur schwer möglich. Sprühen oder Dippen? Die Anwendung sprühfähiger Dippmittel erfordert große Sorgfalt. Grundsätzliche Voraussetzungen für den Einsatz eines sprühfähigen Dippmittels sind: Eine sorgfältige Anwendung muss gewährleistet sein Gute Zitzenkondition Grundsätzliche Empfehlungen für den Einsatz eines dippfähigen Produktes sind: Trockene Zitzenhaut Deutliche Hyperkeratosen oder geringe Hyperkeratosen bei vielen Tieren (der Anteil und die Komposition der Pflegekomponenten kann sich positiv auf die Entstehung der Hyperkeratosen auswirken) Gezielte Pflege und Barrierefunktion: Sechs Pflegekomponenten (LuxDip 50B) sorgen für die Regeneration der beanspruchten Zitzenhaut. Immer meine Wahl. 29
30 Nach dem Melken Die Auswahl des geeigneten Mittels Unmittelbar nach der Abnahme des Melkzeuges ist der Zeitpunkt für das Dippen mit einem geeigneten Mittel. Der noch geöffnete Schließmuskel und die strapazierte Haut machen die Milchdrüse nach dem Melken sehr empfänglich für das Eindringen von Erregern. Es sind Dippmittel mit überwiegend pflegenden Komponenten von Dippmitteln mit zusätzlich desinfizierenden Eigenschaften zu unterscheiden. Pflegende Inhaltsstoffe helfen bei der Regeneration der strapazierten Zitzenhaut und unterstützen die Abwehrkraft (Infektionsabwehr, s. Faktoren der Mastitis-Entstehung). Jod und Chlorhexidin sind die am häufigsten verwendeten Desinfektionskomponenten. Vor- und Nachteile der am häufigsten eingesetzten Desinfektionsmittel Desinfektionskomponente Vorteile Nachteile Jod (Jodophore) Weites Wirkungsspektrum, Kann Allergien auslösen wird seit Jahren erfolgreich angewandt Kann die Haut austrocknen Chlorhexidin Peressigsäure Gute Hauttoleranz, Wirkung durch Anhaftung verlängert Breites Wirkungsspektrum, keine Rückstandsproblematik Wirkungsspektrum eingeschränkt (wirkt nicht gegen Pseudomonaden, Viren) Abhängig von Konzentration gesundheitsschädlich, Hautverträglichkeit und Stabilität eingeschränkt Milchsäure Wasserstoffperoxid Fettsäuren Chlordioxid Nisin DDBSA Dodecylbenzolsulfonsäure Keine Rückstandsproblematik, gute Hautverträglichkeit Breites Wirkungsspektrum, keine Rückstände Breites Wirkungsspektrum, keine Rückstände, gute Hautverträglichkeit Sehr breites Wirkungsspektrum, hohe und schnelle Desinfektionsleistung Gute Hautverträglichkeit, keine Rückstände Gute Hautverträglichkeit und Stabilität Wirkungsspektrum sehr stark eingeschränkt Kann Hautirritationen hervorrufen, Effektivität bei hohen ph-werten vermindert Nicht wasserlöslich, Effektivität im Vergleich zu oxidierenden Desinfektionsmitteln vermindert Kann Hautirritationen hervorrufen, muss aus zwei Komponenten gemischt werden, die Stabilität des Endproduktes ist eingeschränkt Schmales Wirkungssspektrum (nur auf grampositive Erreger), teuer Schmales Wirkungsspektrum, wirkt nur im sauren ph-bereich 30 GEA Farm Technologies
31 Statuserhebung Die Auswahl des geeigneten Mittels und der Einsatz eines sprühfähigen oder dippfähigen Mittels erfordert eine vorherige Statuserhebung im Betrieb: SCC Keimzahlen Anzahl klinischer Mastiden Identifikation der Erreger Zitzenkondition Sprühen oder Dippen? Die Anwendung sprühfähiger Dippmittel erfordert große Sorgfalt. Einsatzempfehlungen Bei kontagiösen Erregern: Einsatz von Dippmitteln mit effektiver Desinfektion Staphylococcus aureus Bei umweltassoziierten Erregern: Streptococcus agalactiae Coliforme Keime können durch den Einsatz von Barriere-Dipps durch eine länger andauernde Wirkung kontrolliert werden Eine sorgfältige Vorreinigung und evtl. Vordippen senkt den Infektionsdruck an der Zitze Was man zu Dippmitteln grundsätzlich wissen sollte: Bereits bestehende Infektionen können durch ein Dippmittel nicht beeinflusst werden! (keine Sanierung) Laut NMC können 50% der neuen Euterinfektionen (Diagnose durch Zellzahlnachweis > und bakteriologische Untersuchung positiv) durch den Einsatz eines geeigneten Dipp-Produktes vermieden werden! (effektive Prophylaxe) Auch wenn durch die Anwendung eines geeigneten Produktes die Anzahl an Neuinfektionen und/oder die Zellzahlen zurückgegangen sind, sollte das Dippen auf jeden Fall weiter Bestandteil der Melkroutine bleiben! (Kontinuität bringt Erfolg) Escherichia coli Streptococcus uberis Ein Stoppen der ergriffenen Management-Maßnahme wird die Situation im Bestand wieder auf den Ausgangszustand zurückführen! Bei hohem Infektionsdruck im Sommer: Empfehlung von fliegenabwehrenden Dipps Einsatz von Barriere-Dipps mit hoher Desinfektionswirkung Dipp-Mittel sollen den Herstellerangaben entsprechend sorgfältig und sauber gelagert werden! Dipp-Becher und Sprühanlagen müssen vor jeder Benutzung gründlich gereinigt werden! (Sauberkeit ist oberstes Gebot) Immer meine Wahl. 31
32 Nach dem Melken Auswahlverfahren Über die Ist-Situation zur Prävention: Mit der folgenden Tabelle gelangen Sie zu einer Produktempfehlung. Berücksichtigt werden die diagnostizierten Zellzahlen, der Herdenstatus in Bezug auf die Mastitis die nachgewiesenen Erreger, die Zitzenkondition und die Wetterbedingungen. Gefragte Kompetenz im Herden- und Hygienemanagement: Mit seinem Wissen ist der Farm Services-Spezialist ein wichtiger Berater für den Landwirt und echter Partner in Managementfragen. besonders für sonnige, trockene Perioden geeignet besonders für kalte, windige Perioden geeignet 32 GEA Farm Technologies
33 Wählen Sie das richtige Produkt Situation Klinische Mastitiden Mastitiserreger Zitzenkondition Produktempfehlung Zellzahlen in der Tankmilch unter weniger als 2% pro Monat Umwelt assoziierte Erreger Hautkondition (z. B. Trockene Haut, Hyperkeratosen) LuxDip 25 Hautpflege SensoDip 50 R LuxSpray 15, LuxSpray 30 Hautpflege mehr als 2% pro Monat Desinfektion (z.b. Infektiöse Wunden) LuxDip 50 B, SalvoDip B LuxDip 25 TwinDip Hautpflege Barriere, starke Hautpflege Zellzahlen in der Tankmilch über Kuh assoziierte Erreger Desinfizierend LuxSpray 50, LuxSpray 30 Desinfizierend mit Jod weniger als 2 % pro Monat Hautkondition (z. B. Trockene Haut, Hyperkeratosen) SensoDip 50 LuxSpray 15, LuxSpray 30 SensoSpray 50 Desinfizierend Desinfizierend mit Jod Immer meine Wahl. 33
34 Melkzeugzwischendesinfektion Gründe für die Melkzeugzwischendesinfektion Melkphase im BackFlush-System Kuhassoziierte Erreger werden während der Melkzeit übertragen (Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae). Dies lässt sich vermeiden, wenn das Personal Hygienemaßnahmen beim Melken einhält. Ein erster Schritt ist das Tragen von Handschuhen, die im Verlauf der Melkzeit gereinigt und ggf. desinfiziert werden sollten. In Beständen, die Probleme mit kuhassoziierten Erregern haben, empfiehlt es sich, eine Reihenfolge beim Melken einzuführen: Zuerst die Färsen und frischmelkenden Tiere, zum Schluss die infizierten Tiere. Alternativ können diese mit separatem Melkzeug gemolken werden. Je nach Herden- und Melkstandgröße wird ein und dasselbe Melkzeug pro Melkzeit 10 Mal und öfter verwendet. Daher ist die Keimübertragung von einer auf die anderen Kühe leicht möglich. Dieser Vorgang multipliziert sich dann während der folgenden Melkzeiten: von bereits infizierten Tieren wird der Erreger über das Melkzeug mehrfach im Bestand weitergereicht! Insbesondere in Betrieben, die Probleme mit z.b. Staphylococcus aureus haben, ist eine Melkzeugzwischendesinfektion besonders wichtig. Desinfektionsphase im BackFlush-System Da bei den chronisch infizierten Kühen immer wieder Keime ausgeschieden werden, ist eine wiederholte Übertragung auf andere Kühe möglich. Einer wiederholten Keimübertragung kann nur durch eine Melkzeugzwischendesinfektion erfolgreich begegnet werden. 34 GEA Farm Technologies
35 Verfahren der Melkzeugzwischendesinfektion Die Methoden sind vom Betrieb und der Melkstandform abhängig: Verfahren Vorteile Nachteile Tauchverfahren im Eimer Keine zusätzlichen Einbauten Erfordert sorgfältiges und langsames Tauchen; jeweils nur zwei Melkbecher gleichzeitig eintauchen, um eine voll ständige Benetzung zu gewährleisten. Wechseln der Lösung während einer Melkzeit u.u. erforderlich erfordert Arbeits- und Zeitaufwand Tauchwannen (Schleppverfahren) BackFlush-System Kein Arbeits- und Zeitaufwand Automatisches Spülen und Desinfizieren Vollständige Reinigung und Desinfektion wird gewährleistet Milch wird nicht kontaminiert Kein zusätzlicher Arbeits- und Zeitaufwand Vollständige Benetzung aller Melk becher ist zum Teil nicht gewährleistet Verschmutzung der Lösung Zusätzliche Einbauten in der Anlage notwendig Alle Methoden wenden das gleiche Mittel an: Peressigsäure in Produkten wie z. B. CircoFlush PE5 in 1,5 2%iger Anwendungskonzentration. CircoFlush PE 15N kommt in BackFlush- Systemen in 0,5 0,7%iger Konzentration zur Anwendung. Diese gewährleistet die schnelle und sorgfältige Desinfektion, wobei keine Rückstände des Desinfektionsmittels übrig bleiben. Neben der routinemäßig durchgeführten Reinigung und Desinfektion der Anlage sollten die Melkzeugaufnahmen auch in regelmäßigen Abständen gereinigt und desinfiziert werden, um eine Keimvermehrung und -verbreitung zu verhindern. Hierzu empfehlen wir unsere Produktpalette manueller Reiniger z. B. AgroClair. Reinigung und Desinfektion Gereinigte Melkzeugaufnahmen bieten Schutz vor Keimvermehrung. Immer meine Wahl. 35
36 Melkroutine Melkroutine 1 Visuelle Inspektion Kühe beim Eintrieb beobachten: Erkennen von Verletzung oder Euterinfektion zur anschließenden Behandlung. 2 Reinigen der Euter und Zitzen Schmutz muss entfernt werden. 3 Vormelken Prüfen der Verkehrsfähigkeit der Milch und Überwachen der Eutergesundheit. Starten des Stimulationsprozesses. Wir empfehlen die automatische Stimulation! 4 Abwischen / Trocknen der Zitzen 60 Sekunden Mindestzeit bis zum Ansetzen des Melkzeugs bei manueller Stimulation. 5 Melkzeug ansetzen und positionieren Lufteinbruch und Abrutschen des Melkbechers vermeiden (Rückspray). Wir empfehlen Positionierungshilfen! 36 GEA Farm Technologies
37 6 Kontrolle Ausmelkgrad Erst wenn der Milchfluss deutlich nachlässt, darf in den Melkablauf ein gegriffen werden (manuell oder automatisch). 7 Melkzeug entfernen Kein Blindmelken! Erst Vakuum abschalten, dann abnehmen. Wir empfehlen eine automatische Melkzeugabnahme! 8 Zitzen dippen Unmittelbar nach der Abnahme des Melkzeugs mindestens 2/3 jeder Zitze dippen. 9 Reinigung Melkplatz Standplätze der Kühe nach Verlassen des Melk platzes reinigen, Melkzeug desinfizieren. Wir empfehlen eine automatische Melkzeug-Zwischendesinfektion! 10 Stressfreier Tierwechsel Die Kühe sollen den Melkstand ruhig und stressfrei betreten. Immer meine Wahl. 37
38 Zusammenfassung GEA Farm Technologies bietet das Rundum-sorglos Paket Tiergerechte, stressfreie und arbeitsfreundlich gestaltete Melkstände Optimale Produkte für die Melkvor- und -nachbereitung Durchdachte Anlagenreinigung und -hygiene 38 GEA Farm Technologies
39 Ein gut gestaltetes Stallklima bei einwandfreier Hygiene optimiert die Zitzenkondition und verbessert das Immunsystem der Euter sowie die allgemeine Konstitution der Tiere. Das bedeutet eine bessere Abwehrlage des Tieres bei Kontakt mit Erregern. GEA Farm Technologies stellt eine breite Produktpalette für die wirksame Prophylaxe gegen die Verbreitung von Mastitis-Erregern bereit. Spezielle Dippmittel und Desinfektionsmittel für das Melkzeug schonen die Tiere und fördern deren Gesundheit, so dass eine lange und wirtschaftliche Nutzung der Tiere erfolgen kann. Tierschonende und ökonomische Verfahren von GEA Farm Technologies: Wir sorgen dafür, dass Landwirte optimal und in kürzester Zeit Qualitätsmilch gewinnen! Immer meine Wahl. 39
40 GEA Farm Technologies Immer meine Wahl. GEA Farm Technologies GmbH Siemensstraße 25-27, D Bönen Tel. +49 (0) , Fax +49 (0) / PSC / / / S+L:d&d / D:Stu / Änderungen in Konstruktion und Ausführung behalten wir uns in allen Fällen vor!
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