Algebra Zusammenfassung
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- August Lange
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1 Algebra Zusammenfassung Dr. Urs Hartl WS 02/03 Einleitung: Auflösen von Polynomgleichungen Der Name Algebra ist arabischen Ursprungs und bedeutete Rechnen mit Gleichungen und Lösen derselben. In der Algebra interessiert man sich meist für polynomiale Gleichugen ( ) f(x) = a n X n a 1 X + a 0 = 0, a i K, a n 0. Problem: Wieviele Lösungen besitzt ( ), in welchem Zahlenbereich liegen diese und wie lassen sie sich explizit aus den Koeffizienten berechnen? Mit Vielfachheiten gezählt besitzt ( ) genau n Lösungen (Folgerung 3.5.2). Fundamentalsatz der Algebra: Jedes Polynom mit komplexen Koeffizienten besitzt eine Nullstelle in den komplexen Zahlen. Berechnung der Lösungen: n = 2: Quadratische Ergänzung (Ende des 3. Jahrtausends v. Ch.), n = 3: Cardano sche Formeln (1515), n = 4: Lösungsformel von Ferrari (1545). Fazit: Die allgemeine Gleichung vom Grad n 4 ist durch Radikale auflösbar. Auflösbarkeit für n 5: Galois (1832): Kriterium für die Auflösbarkeit einer Gleichung mit Hilfe ihrer Galois-Gruppe Galois-Theorie Sei L/K ein Zerfällungskörper von f über K (Satz 3.4.6), dann enthält L sämtliche Lösungen von ( ). Untersuchung der Struktur von L/K mit Hilfe der Galois-Gruppe Gal(L/K) := Aut K (L) Die Zwischenkörper von L/K entsprechen eins zu eins den Untergruppen von Gal(L/K) (Satz 4.3.1). Die Gleichung ( ) ist genau dann durch Radikale auflösbar, wenn die Gruppe Gal(L/K) auflösbar ist (Satz 4.7.4). Abel, Ruffini (1826): Die allgemeine Gleichung n-ten Grades ist für n 5 nicht durch Radikale auflösbar. (Satz 4.7.6) Beweis: Die Galois-Gruppe des allgemeinen Polynoms n-ten Grades ist die symmetrische Gruppe S n (Korollar ). Die Gruppe S n ist genau dann auflösbar, wenn n 4 ist (Satz 1.9.6). 1
2 1 Elementare Gruppentheorie 1.1 Gruppen 1.2 Gruppenmorphismen 1.3 Untergruppen Untergruppenkriterium, Links- und Rechtsnebenklassen, Satz (Satz von Lagrange) Sei G eine Gruppe und H < G eine Untergruppe. Dann gilt #G = [G : H] #H. 1.4 Normalteiler Definition, Rechnen mit Nebenklassen, Faktorgruppe 1.5 Isomorphiesätze Satz (Homomorphiesatz) Sei ϕ : G G ein Homomorphismus von Gruppen. Dann induziert ϕ einen Isomorphismus und ϕ faktorisiert als ϕ = i ϕ ρ G ϕ : G/ ker(ϕ) im(ϕ) ρ G/ ker ϕ ϕ im(ϕ) i G wobei ρ der kanonische Epimorphismus und i die Inklusionsabbildung der Untergruppe im(ϕ) von G ist. Erster und zweiter Isomorphiesatz 1.6 Zyklische Gruppen C n, C Satz (Klassifikation der zyklischen Gruppen) Sei G = g eine zyklische Gruppe. Dann ist G kommutativ. Genauer gilt mit n = #G 1. Ist n =, so ist ϕ : Z G, m g m ein Isomorphismus. 2. Ist n <, so ist ϕ : Z/nZ G, m g m wohldefiniert und ein Isomorphismus. Untergruppen von zyklischen Gruppen, Kriterium für zyklische Gruppen 1.7 Permutationsgruppen S n, A n Zyklen, Transpositionen, Signum 2
3 1.8 Endlich erzeugte, abelsche Gruppen Satz (Elementarteilersatz) Sei G eine endlich erzeugte, freie, abelsche Gruppe und G < G eine Untergruppe. Dann existiert eine Basis {x 1,..., x r } von G und Zahlen m 1,..., m r N 0 mit m 1 m 2,..., m r 1 m r, so dass G die von {m 1 x 1,..., m r x r } erzeugte freie, abelsche Gruppe ist. Satz (Hauptsatz über endlich erzeugte, abelsche Gruppen) Sei G eine endlich erzeugte, abelsche Gruppe und T (G) ihre Torsionsuntergruppe. Dann gilt 1. G = T (G) G/T (G), 2. G/T (G) = C r, 3. T (G) = C m1... C ms mit m i Z, m i 2 und m 1 m 2,..., m s 1 m s. Der Rang r und die Zahlen m 1,..., m s sind eindeutig bestimmt. 1.9 Auflösbare Gruppen Kommutatoruntergruppe, Normalreihe Satz Die symmetrische Gruppe S n und die alternierende Gruppe A n sind genau dann auflösbar, wenn n 4 ist. Übertragung von Auflösbarkeit auf (und von) Untergruppen und Faktorgruppen 1.10 Operationen von Gruppen auf Mengen Definition, Bahn, Stabilisatoruntergruppe, Fixpunkt Satz (Bahnengleichung) Sei G X X eine Operation der Gruppe G auf der endlichen Menge X und seien G.x 1,..., G.x r die Bahnen. Dann gilt r #X = [G : G xi ] i= Sylowsätze p-gruppe, p-sylowuntergruppe Satz (Erster Sylow scher Satz) Jede endliche Gruppe besitzt eine p-sylowuntergruppe. Satz (Zweiter Sylow scher Satz) Je zwei p-sylowuntergruppen einer endlichen Gruppe sind konjugiert. Satz (Dritter Sylow scher Satz) Die Anzahl der p-sylowuntergruppen einer endlichen Gruppe G teilt #G und ist kongruent zu 1 modulo p. 3
4 2 Ringe und Polynome 2.1 Grundbegriffe 2.2 Ringmorphismen und Ideale Ideale, Faktorring, Homomorphisatz, Satz (Chinesischer Restsatz) Seien R ein kommutativer Ring und a 1,..., a n Ideale mit a i + a j = R für alle i j. Dann gilt a 1... a n = a 1... a n und R/(a 1... a n ) = R/a 1... R/a n. 2.3 Integritätsbereich und Quotientenkörper Satz (Existenz des Quotientenkörpers) Sei R ein Integritätsbereich. Dann existiert ein Körper Q und ein injektiver Ringhomomorphismus i : R Q, so dass sich jedes x Q in der Form x = i(a)/i(b) mit a, b R, b 0 schreiben lässt. 2.4 Der Polynomring Satz (Existenz und universelle Eigenschaft des Polynomrings) Sei R ein kommutativer Ring. Dann existiert ein Polynomring über R in einer Unbestimmten X. Dieser besteht aus einem Oberring R[X] R und einem ausgezeichneten Element X R[X] und erfüllt die folgende universelle Eigenschaft: ϕ : R S Ringhomomorphismus mit S kommutativ, x S! Φ : R[X] S eindeutig bestimmter Ringhomomorphismus mit Φ R = ϕ und Φ(X) = x. R R[X] X ϕ S! Φ x Division mit Rest, euklidische Ringe Satz (Anzahl der Nullstellen) Sei R ein Integritätsbereich und f R[X]. Dann hat f höchstens deg(f) verschiedene Nullstellen in R. 2.5 Hauptideale, Primideale, maximale Ideale Satz Jeder euklidische Ring ist ein Hauptidealring. Satz Sei R ein kommutativer Ring. Genau dann ist R[X] ein Hauptidealring, wenn R ein Körper ist. 4
5 2.6 Teilbarkeit in Integritätsringen Größter gemeinsamer Teiler, faktorielle Ringe, Primelemente, irreduzible Elemente Satz (Euklidischer Algorithmus) Sei R ein euklidischer Ring mit Größenfunktion δ : R {0} N 0. Seien a 1, a 2 R mit δ(a 1 ) δ(a 2 ). Für i 3 sei a i R rekursiv definiert durch a i 2 = q i a i 1 + a i mit a i = 0 oder δ(a i ) < δ(a i 1 ). Dann existiert ein m N mit a m+1 = 0, a m 0. Es ist a m ein ggt von a 1 und a 2 in R. Setzt man b 1 = 1 = c 2, b 2 = 0 = c 1, b i = b i 2 q i b i 1 und c i = c i 2 q i c i 1, so gilt a m = b m a 1 +c m a 2. Satz Jeder Hauptidealring ist faktoriell. 2.7 Polynomringe über faktoriellen Ringen Satz (Gauß) Der Polynomring über einem faktoriellen Ring ist wieder faktoriell. 2.8 Irreduzibilität von Polynomen Eisenstein sches Irreduzibilitätskriterium, Reduktionskriterium 3 Algebraische Körpererweiterungen 3.1 Grundbegriffe Grad einer Körpererweiterung, Charakteristik eines Körpers Satz (Gradsatz) Ist M/L/K ein Körperturm, so gilt [M : K] = [M : L] [L : K]. 3.2 Endliche und algebraische Körpererweiterungen algebraische und transzendente Elemente einer Körpererweiterung, Minimalpolynom Satz Endlichkeit ist eine ausgezeichnete Eigenschaft von Körperweiterungen, d.h. ist L/K eine Körpererweiterung und sind E und F Zwischenkörper von L/K, so gilt: 1. Ist F E, so ist E/K endlich genau dann, wenn E/F und F/K endlich sind. 2. Ist E/K endlich, so ist auch EF/F endlich. 3. Sind E/K und F/K endlich, so ist auch EF/K endlich. Satz Algebraizität ist eine ausgezeichnete Eigenschaft von Körperweiterungen. 5
6 3.3 Der algebraische Abschluss Satz (Verfahren von Kronecker) Sei K ein Körper, f K[X], deg(f) 1. Dann gibt es eine algebraische Körpererweiterung L/K und eine Nullstelle α L von f. Satz Jeder Körper besitzt einen algebraischen Abschluss. 3.4 Zerfällungskörper, normale Erweiterungen Satz (Existenz von Zerfällungskörpern) Sei K ein Körper und F eine Familie von nicht-konstanten Polynomen aus K[X]. Dann existiert ein Zerfällungskörper von F über K. Satz (Charakterisierung normaler Erweiterungen) Sei L/K eine algebraische Körpererweiterung. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent: 1. L/K ist normal, 2. L/K ist Zerfällungskörper einer Familie von nicht-konstanten Polynomen aus K[X], 3. Jeder K-Homomorphismus ϕ : L L in einen algebraischen Abschluss L von L ist ein K-Automorphismus von L. Konstruktionsverfahren für Aut K (L) für eine endliche, normale Körpererweiterung L/K 3.5 Separable Körpererweiterungen Separabilitätsgrad einer Körperweiterung, Gradsatz für den Separabilitätsgrad Satz Separabilität ist eine ausgezeichnete Eigenschaft von Körperweiterungen. Satz (Satz vom primitiven Element) Jede endliche separable Körpererweiterung L/K ist einfach, d.h. es existiert ein primitives Element δ L mit L = K(δ). Formale Differentiation von Polynomen zur Charakterisierung mehrfacher Nullstellen Satz Jeder Körper der Charakteristik 0 ist perfekt, d.h. jede seiner algebraischen Körpererweiterungen ist separabel. Satz Jeder endliche Körper ist perfekt. 3.6 Endliche Körper Satz Ist K ein endlicher Körper, so ist q := #K eine Potenz der Charakteristik von K und die Elemente von K sind genau die Nullstellen des separablen Polynoms X q X. 6
7 Satz Zu jeder Primzahlpotenz q existiert ein endlicher Körper mit q Elementen. Je zwei solche sind isomorph. (Bezeichnung F q ) Satz Sei q eine Primzahlpotenz und d N. Dann ist Aut Fq (F q d) = { (Frob q ) ν : ν = 0,..., d 1} zyklisch von der Ordnung d mit kanonischem Erzeuger Frob q : α α q. 4 Galois-Theorie 4.1 Motivation 4.2 Galois-Erweiterungen Def Eine algebraische Körpererweiterung heißt galoissch, falls sie normal und separabel ist. Satz (Charakterisierung von galoisschen Erweiterungen) Sei L/K eine Körpererweiterung. Dann sind folgende Aussagen äquivalent: 1. L/K ist galoissch, 2. L ist Zerfällungskörper einer Familie separabler Polynome über K, 3. L Gal(L/K) = K. Ist L/K endlich, so sind zusätzlich äquivalent zu 4. # Gal(L/K) = [L : K]. 4.3 Der Hauptsatz der Galois-Theorie Satz (Hauptsatz der Galois-Theorie) Sei L/K eine endliche, galoissche Körpererweiterung mit G = Gal(L/K). Dann sind die Zuordnungen { E : Zwischenkörper von L/K } { H : Untergruppen von G } E Gal(L/E) L H H bijektiv und invers zueinander. L ist galoissch über L H mit Galois-Gruppe H. Es ist L H normal und damit galoissch über K genau dann, wenn H Normalteiler in G ist. In diesem Fall gilt Gal(L H /K) = G/H. Translationssatz, Galois-Gruppe des Kompositums 7
8 4.4 Die Galois-Gruppe einer Gleichung Beispiele Operation der Galois-Gruppe auf den Nullstellen der Gleichung Berechnung des Fixkörpers Die allgemeine Gleichung n-ten Grades, elementar-symmetrische Polynome Korollar Seien T 1,..., T n Unbestimmte über einem Körper K. Dann ist das allgemeine Polynom n-ten Grades p(x) := X n + T 1 X n T n 1 X + T n K[T 1,..., T n ][X] separabel und irreduzibel in K(T 1,..., T n )[X]. Ist L Zerfällungskörper von p über K(T 1,..., T n ), so ist Gal ( L/K(T 1,..., T n ) ) = S n. 4.5 Einheitswurzeln und Kreisteilungskörper Satz Sei K ein Körper und n N mit char(k) n. Sei ζ µ n (K) eine primitive n-te Einheitswurzel. Dann ist K(ζ) Zerfällungskörper des separablen Polynoms X n 1 über K. Es ist K(ζ)/K galoissch und es gibt einen injektiven Gruppenhomomorphismus Gal ( K(ζ)/K ) (Z/nZ), σ m(σ) mit σ(ζ) = ζ m(σ). Insbesondere ist K(ζ)/K endlich, abelsch und [K(ζ)/K] teilt ϕ(n). Kreisteilungspolynom, Irreduzibilität über Q 4.6 Zyklische Körpererweiterungen Norm- und Spurabbildung von Körpererweiterungen Unabhängigkeit von Charakteren Hilbert 90 Satz (Kummer-Erweiterungen) Sei K ein Körper, n N mit char(k) n. Es existiere eine primitive n-te Einheitswurzel ζ K. Dann gilt: 1. Ist L/K eine zyklische Körperweiterung vom Grad n, so existiert ein α L mit L = K(α) und a := α n K, sowie m α/k = X n a. 2. Ist a K und α K eine Nullstelle von X n a, so ist K(α)/K zyklisch vom Grad d mit d n. Es ist c := α d K und m α/k = X d c. Satz (Artin-Schreier-Erweiterungen) Sei K ein Körper mit char(k) = p > 0. Dann gilt: 1. Ist L/K zyklisch vom Grad p, so existiert ein α L mit L = K(α) und a := α p α K, sowie m α/k = X p X a. 2. Ist a K und f = X p X a, so gilt: Entweder f zerfällt in K[X] vollständig in Linearfaktoren, oder f ist irreduzibel in K[X] und für jede Nullstelle α K von f ist K(α)/K Zerfällungskörper von f und zyklische Galois-Erweiterung vom Grad p mit Gal ( K(α)/K ) = σ, wobei σ : α α + 1 ist. 8
9 4.7 Auflösbarkeit durch Radikale Satz (Galois) Für eine Körperweiterung L/K sind äquivalent: 1. L/K ist durch Radikale auflösbar, 2. L/K ist endlich, separabel und die normale Hülle N von L/K ist auflösbar über K, d.h. Gal(N/K) ist eine auflösbare Gruppe. Satz (Abel, Rufini) Die allgemeine Gleichung n-ten Grades ist für n 5 nicht durch Radikale auflösbar. 4.8 Konstruktionen mit Zirkel und Lineal Satz (Unlösbarkeit der Konstruktionsprobleme der Antike) Die drei Konstruktionsprobleme der Antike Quadratur des Kreises: Konstruiere zu einem gegebenen Kreis ein flächengleiches Quadrat Dreiteilung des Winkels: Zerlege einen Winkel in drei gleiche Teile Verdoppelung des Würfels: Konstruiere zu einem gegebenen Würfel einen Würfel des doppelten Volumens sind mit Zirkel und Lineal unlösbar. Satz (Konstruktion des regulären n-ecks, Gauß) Sei n N mit n 3. Das reguläre n-eck lässt sich genau dann mit Zirkel und Lineal konstruieren, wenn ϕ(n) (Euler sche ϕ-funktion) eine Potenz von 2 ist. 9
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