ANBAU AUF DEM ACKERLAND
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- Claus Walter
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1 ANBAU AUF DEM ACKERLAND Österreichische Beschreibende Sortenliste 2014 Die Kartogramme, denen die Agrarstrukturdaten des Jahres 2008 zugrunde liegen, erlauben eine rasche Information über Bedeutung und regionale Anbauschwerpunkte wichtiger Pflanzenarten. Die Hauptursachen der rückläufigen Ackerfläche seit 1959 um ungefähr ha sind die etwa bis zum Jahr 1970 anhaltende Umwandlung in Dauergrünland (insbesondere im Berggebiet) sowie der Verlust infolge von Straßenbau und Siedlungstätigkeit (in den Niederungen). Hauptsächlich befindet sich das Ackerland im Nord- und Südöstlichen Flach- und Hügelland, im Alpenvorland, im Mühl- und Waldviertel sowie im Kärntner Becken, weiters im Drau-, Mur-, Inn- und Rheintal. Auf etwa einem Fünftel der Ackerfläche wird Weichweizen erzeugt, zu mehr als 98 % handelt es sich um die Winterform. Sandige Lehm- bis lehmige Tonböden sind typische Weizenböden, für hohe Erträge ist eine kontinuierliche Wasserversorgung wesentlich. Saure nährstoff- und basenarme lehmige Sande sind hingegen nicht geeignet. Das pannonische Trockengebiet hat eine besondere Bedeutung für die Produktion von Qualitätsweizen, in den übrigen Regionen sind Mahlweizensorten zumeist wesentlicher. Beginnend mit der Ernte 2008 wird Weizen zur großtechnischen Produktion von Ethanol und seit 2013 auch zur Erzeugung von Stärke benötigt. Infolge geänderter Verzehrgewohnheiten, der beschränkten Absatzmöglichkeiten von Roggen sowie der Konkurrenz durch Triticale als Futtergetreide ist die Anbaufläche von ha im Jahr 1959 auf bis ha zurückgegangen. Roggen übersteht Sommertrockenheit besser als Winterweizen, hat ein gutes Aneignungsvermögen für Nährstoffe und kann auf weniger leistungsfähigen Standorten und sauren Böden noch mit Erfolg kultiviert werden. Der Hauptanbau findet sich demnach auf Böden geringerer Bonität in Ostösterreich sowie im Mühl- und Waldviertel. In der Saison 2005/06 winterte mehr als ein Drittel des Roggens infolge von Schneeschimmel aus. Wintertriticale ist in der landwirtschaftlichen Praxis Österreichs seit Mitte der 1980er Jahre bekannt, der Anbauschwerpunkt liegt im Mühl- und Waldviertel, im Alpenvorland, am Alpenostrand und im Kärntner Becken. Gegen lang anhaltende Schneebedeckung ist Triticale ebenso empfindlich wie Roggen. Manche Sorten werden auch von Kahlfrösten geschädigt. Durch Züchtung standfester Sorten wurde der Anbau auf tiefgründige Böden des Alpenvorlandes und der Steiermark ausgeweitet und ersetzt teilweise den Futterweizen. Zusätzlichen Stellenwert erhält diese Getreideart durch die Nutzung als Ethanoltriticale. Sommertriticale nimmt nur kleine Flächen ein. Dank verbesserter Sorten (Standfestigkeit, Ertragspotenzial, Kornqualität) hat sich der Anbau von Wintergerste von knapp ha im Jahre 1959 auf etwa ha in den Jahren 1993 und 1994 verfünffacht. Aufgrund von außerhalb der Tierhaltungsregionen teils zu geringer Erlöse (der Futtergerste) wurde die Fläche in den letzten Jahren etwas eingeschränkt. Der Anbauschwerpunkt liegt im Alpenvorland. Winterbraugerste wird neuerdings im Pannonikum produziert. Verglichen mit Sommergetreide und Winterweizen ist die Wintergerste in Ostösterreich weniger von der Niederschlagsverteilung abhängig, hier nimmt sie zumeist die schwächeren Böden ein. Für stark saure Böden und höhere bzw. schneereiche Lagen scheidet die Wintergerste aus. Bereits seit 1959 und verstärkt ab 1963 wird Sommerdurum (Hartweizen) kultiviert. Ideal sind Gebiete mit frühzeitiger Anbaumöglichkeit, einer sicheren Wasserversorgung während der vegetativen Entwicklung sowie Wärme und Trockenheit in der Abreifephase. Diese Bedingungen sind am ehesten auf fruchtbaren Weizenböden des Pannonikums erfüllt. Winterdurum ist weniger frosthart als die meisten Winterweizensorten. Dennoch hat er seit dem Jahr 1999 eine gewisse Bedeutung erlangt. Sommergerste hat eine kurze Vegetationszeit, die Ertrags- und Qualitätsbildung ist daher stärker witterungsabhängig. Sommergerste wird im gesamten Ackerbaugebiet gesät, den Höchststand von knapp ha gab es im Jahr Die Braugerstenerzeugung beschränkt sich im Wesentlichen auf das pannonische Klimagebiet, das Waldviertel und Kärnten. Die zuletzt stark rückläufige Gerstenfläche ist teilweise in höheren Erlösen bei Konkurrenzfrüchten wie Winterweizen oder Mais begründet. An bindige und sich nur langsam erwärmende Böden im Alpenvorland ist die Sommergerste im Gegensatz zur Winterform nicht ausreichend adaptiert. Der Bedarf an Futterhafer hat im Zuge der Mechanisierung der Landwirtschaft stetig abgenommen. Im Jahr 1959 wurden noch ha Sommerhafer angebaut. Weiters wurde Hafer teilweise durch das leistungsfähigere Triticale ersetzt. Hafer stellt nur geringe Ansprüche an den Boden. Reichliche Niederschläge während der Vegetationszeit und kühlere Temperaturen in der Einkörnungsphase wirken sich günstig auf die Ertragsbildung aus. Im Mühl- und Waldviertel, in den Randlagen des Alpenvorlandes, am Alpenostrand, im Mittel- und Südburgenland sowie in Kärnten treffen diese Bedingungen am ehesten zu. Winterhafer nimmt nur kleine Flächen ein. Der Anbau von Getreidegemengen trägt zur Verringerung des Anbaurisikos bei. Bei Sommermenggetreide handelt es sich zumeist um Gerste-Hafer-Gemenge, seltener um Gemenge aus Gerste und Sommerweichweizen. Wintermenggetreide hat eine geringere Bedeutung, zumeist ist es ein Weizen- Roggen-Gemenge, seltener ein Weizen-Triticale- oder Roggen-Triticale-Gemenge. Durch die Verdrängung der Kartoffel aus der Schweinemast und den geringeren Speisekartoffelverbrauch wurden die Flächen vor allem in den 1960er und 1970er Jahren stark eingeschränkt. Für den Anbau sind gut
2 siebbare sandige Lehm- und lehmige Sandböden am besten geeignet; schwere Lehm- und Tonböden sowie steinige Standorte scheiden aus. Der Frühkartoffelanbau ist in der Nähe größerer Städte (Umgebung von Wien, Grazer Feld, Eferdinger Becken usw.) konzentriert. Speise-, Verarbeitungs- und Stärkekartoffel werden im Wiener Becken, Marchfeld, im Weinviertel sowie im Mühl- und Waldviertel erzeugt. Der Anbau der Zuckerrübe erfolgt in Kontrakten und ist durch ein Quotensystem geregelt. Die Zuckerrübe stellt hohe Ansprüche an die Bodengüte, vorteilhaft sind rasch erwärmbare, tiefgründige Böden mit guter Wasserspeicherkapazität und schwach saurer bis neutraler Reaktion. Die Hauptanbaugebiete befinden sich im Nordöstlichen Flach- und Hügelland und in Teilen des Alpenvorlandes. In Ostösterreich wird Zuckerrübe auf Böden geringerer Bonität auch beregnet. Begrenzende Faktoren im Maisanbau sind eine zu geringe Temperatursumme und knappe Niederschläge in den Sommermonaten. Mit den Fortschritten der Hybridzüchtung (z.b. Frühreife, Ertragspotenzial) stieg die Fläche von insgesamt ha (1959) auf ha (1986), derzeit sind es ha Körnermais (einschließlich Mais für Corn-Cob-Mix) und ha Silomais (einschließlich Grünmais). Körnermais dominiert in Gebieten mit großen Schweinebeständen. Die höchste Anbaukonzentration gibt es in der Oststeiermark und im Alpenvorland. In Oberösterreich stieg der Körnermaisanbau (einschließlich CCM-Mais) von 42 ha (1959) auf ha (2013) an. Im Pannonikum nimmt Körnermais hauptsächlich die tiefgründigen Standorte ein. Silomais (einschließlich Grünmais) benötigt wegen der frühzeitigeren Ernte eine geringere Temperatursumme und gedeiht auch noch in kühleren Regionen (z.b. Mühl- und Waldviertel, inneralpine Tallagen). Silomais wird von rinderhaltenden Betrieben angebaut, insbesondere die Stiermast erfolgt vorwiegend auf Basis von Maissilage. Eine zentrale Rolle hat Mais in Biogasfruchtfolgen. Infolge des höheren Wasserbedarfs bevorzugt die Ackerbohne mittelschwere und tiefgründige Böden in kühleren und klimafeuchten Regionen. Solche Standorte sind hauptsächlich im Alpenvorland, im Südburgenland und im Oststeirischen Hügelland zu finden. Wegen des Krankheitsbefalls und erheblicher Ertragsschwankungen konnte sich die Ackerbohne nicht in dem Maße etablieren. In den Jahren 1991 und 1992 wurden noch ha angebaut. Die Körnererbse hat eine kürzere Vegetationsdauer als die Acker- und Sojabohne, stellt weniger Ansprüche an die Bodenfeuchte und ist in Ostösterreich, im Alpenvorland, im Waldviertel und im Kärntner Becken verbreitet. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Anbau stark reduziert. Am besten gedeiht die Sojabohne in warmen Gebieten mit reichlicher Wasserversorgung vor allem während der Kornbildung. Der Anbau stieg von ha (1990) auf ha (1993) und liegt nun bei ha. Die Ursache des Rückgangs nach 1993 ist im Wegfall der nationalen Förderung nach dem EU-Beitritt Österreichs zu sehen. Sojabohne wird hauptsächlich im oberösterreichischen Zentralraum und Innviertel, im Mittel- und Südburgenland, in der Oststeiermark und im Kärntner Becken kultiviert. In Ostösterreich ist die Sojabohne ohne Möglichkeit zur Beregnung ertragsunsicher. Günstig für den Körnerrapsanbau sind mittelschwere, mittel- bis tiefgründige Böden mit ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung. Die Anbauregion erstreckt sich über das gesamte Alpenvorland, Teile des Waldviertels, das Nordöstliche Flach- und Hügelland und reicht bis ins Südburgenland. Durch Züchtungserfolge (z.b. 00-Qualität, Ertragspotenzial) und agrarpolitische Maßnahmen hat sich der Rapsanbau seit 1985 (6.000 ha) vervielfacht. Der wichtigste Standortfaktor bei Sonnenblume ist eine hohe Temperatursumme während der Vegetationszeit. Eine sonnige und nebelfreie Witterung insbesondere zur Reife ist in Hinblick auf einen geringen Krankheitsbefall (Botrytis) vorteilhaft. Daher konzentriert sich der Anbau auf das pannonisch geprägte Klimagebiet, etwa 500 ha standen 2013 in Oberösterreich. Der Ölkürbis stellt im Spätsommer und Herbst hohe Temperaturansprüche zur Kernausreife. Der Anbau hat von etwa ha im Jahr 1959 auf derzeit etwa ha zugenommen. Der Schwerpunkt liegt traditionell in der Oststeiermark und im Südburgenland. Seit Anfang der 1980er Jahre wird auch in Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten Ölkürbis kultiviert. Luzerne wünscht eine warme, mäßig trockene bis mäßig feuchte Witterung und kalkhaltige Böden, diese günstigen Bedingungen finden sich in Ostösterreich. Rotklee ist eine wichtige Kleeart feuchter Klimate, mittlere bis mittelschwere Böden werden bevorzugt. Hauptsächlich wird Rotklee von rinderhaltenden Betrieben im Alpenvorland, Mühl- und Waldviertel und Burgenland genutzt. Die Bedeutung des Reinanbaus hat zugunsten des Kleegrases stark abgenommen. Neben Rotkleegras werden auch Luzerne- und Weißklee-Grasmischungen sowie einsömmerige Kleegrasgemenge verwendet. Der Umfang der Grünbracheflächen (einschließlich Sonstiges Ackerland) ist seit 1990 ( ha) infolge von nationalen Fördermaßnahmen und der Leitlinien der Gemeinsamen Agrarpolitik stark angestiegen (1995: ha), wurde in der Folge jedoch wieder eingeschränkt
3 ANBAU AUF DEM ACKERLAND 2013 Feldfrüchte Hektar Feldfrüchte Hektar Winterweichweizen Futterrübe, Kohlrübe und Futtermöhre 168 Dinkel Winterraps zur Ölgewinnung Sommerweichweizen Sommerraps und Rübsen 153 Winterdurumweizen Sonnenblume Sommerdurumweizen Mohn Roggen (Körnerroggen) Ölkürbis Triticale Öllein 601 Wintergerste Hanf 566 Sommergerste Sonstige Ölfrüchte (Saflor, Senf usw.) Hafer Rotklee und sonstige Kleearten Wintermenggetreide Luzerne Sommermenggetreide Kleegras Sorghum Sonstiges Feldfutter (Mischling, Sonstiges Getreide (Einkorn, Emmer, Futtergräser, Grünroggen usw.) Rispenhirse, Buchweizen usw.) Wechselgrünland (Ackerwiese, Egart) Körnermais (inkl. Corn-Cob-Mix) Hopfen 249 Silomais und Grünmais Energiegräser (Miscanthus, Sudangras) Körnererbse Flachs (Faserlein) 2 Ackerbohne Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen Süßlupinen 91 (Mariendistel, Kümmel und andere) Linsen, Kichererbsen und Wicken Erdbeere Andere Hülsenfrüchte (Platterbse, Gemüse im Freiland: Feldanbau Erbsen-Getreide-Gemenge usw.) (exkl. Folientunnel) Sojabohne Gemüse im Freiland: Gartenbau 265 Frühe und mittelfrühe Speisekartoffel Gemüse unter Glas bzw. Folie 427 Spätkartoffel Bracheflächen Zuckerrübe (ohne Saatgutproduktion) Sonstige Kulturen auf dem Ackerland Ackerland insgesamt Quelle: Statistik Austria 2003: ha 2004: ha 2005: ha 2006: ha 2007: ha 2008: ha 2009: ha 2010: ha 2011: ha 2012: ha 2013: ha
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