Newsletter Nr.: 6 vom

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1 Newsletter Nr.: 6 vom In eigener Sache: Da wir verschiedene Behörden und ihre jeweiligen, häufig wechselnden Mitarbeiter, in unserem Verteiler haben, bitten wir alle angeschriebenen Verwaltungen herzlich darum, zukünftig den Newsletter oder andere Informationen intern an die interessierten Mitarbeiter weiterzuleiten, d.h. - bei den Gerichten an alle Straf- und Familienrichter - bei den Staatsanwaltschaften an die zuständigen Staats- und Amtsanwälte - bei den JVAs an die Sozialdienstmitarbeiter - bei den Jugendämtern an alle Sachbearbeiter - usw. Sollten wir jemanden vergessen haben, oder Sie noch weitere Mailanschriften von interessierten Personen oder Institutionen kennen, so informieren Sie uns bitte, wir werden diese dann in unseren Verteiler aufnehmen. Bitte informieren Sie uns ebenfalls kurz, wenn Sie kein Interesse am weiteren Erhalt unseres Newsletters haben. Herzlichen Dank! Aktuell: o AGT Nr. 23 wurde am abgeschlossen. Erneut konnten wir neun Gewalttätern einen Weg aufzeigen, zukünftig gewaltfrei zu leben. o Das 24. AGT findet in Blockform statt und beginnt am Nach 8 aufeinanderfolgenden Trainingstagen endet es am mit einem letzten Wochenende. o Auch die dritte durchgeführte Fortbildung zum Anti-Gewalt-Trainer konnte am erfolgreich beendet werden, 7 neue Trainer erhielten ihre Zertifikate. o Verschiedene Infoveranstaltungen in Schulen und Vereinen führten zu verstärktem Bekanntwerden des Vereins und einer erfolgversprechenden Vernetzung. Thema: Konfrontationspädagogik In unseren Trainings arbeiten wir mit dem Mittel der Konfrontationspädagogik. Immer wieder taucht bei Außenstehenden die Frage auf, was das eigentlich ist. Was ist Konfrontative Pädagogik? Konfrontative Pädagogik (KP) ist keine in sich geschlossene pädagogische Theorie, sondern der Oberbegriff für Handlungsstrategien im Umgang mit abweichendem und

2 aggressivem Verhalten. Konfrontation wird hierbei als eine von zahlreichen Interventionsformen eingesetzt. klare Linie mit Herz (Prof. Dr. Jens Weidner) Aus diesem kurzen Satz ergeben sich schon die wichtigsten Grundsätze der KP: Es soll sich dementsprechend um ein transparentes und konsequentes Erziehungskonzept handeln, das von Akzeptanz und Wertschätzung der Personen - aber nicht deren Taten - geprägt ist. Richtungsweisend war die Glenn Mills School (USA, ab 1975), eine vollstationäre Alternative zum Jugendstrafvollzug. Es handelte sich hierbei um ein gruppendynamisch ausgerichtetes Konzept zur Resozialisierung jugendlicher Straftäter, mit streng reguliertem und vorstrukturiertem Tagesablauf. Durch Umsetzung dieses Konzeptes konnte eine geringe Rückfallquote erreicht werden. Dieser Ansatz wurde letztendlich Ende der 80er Jahre, in Form des Anti-Aggressions-Trainings durch Prof. Dr. Jens Weidner, in der Jugendstrafanstalt Hameln übernommen. Woher kam der Bedarf nach einem alternativen Konzept? Gängige Erziehungskonzepte sind von Akzeptanz, Empathie, Emanzipation und Kompetenzförderungen geprägt. Regel- und Normverletzungen werden oft nicht sanktioniert, da solche Verhaltensweisen oft durch Schwierigkeiten in der Sozialisation entschuldigt werden. Somit werden durch fehlende Interventionen dissoziale Muster toleriert, dadurch gefestigt und letztendlich Opfer produziert.

3 Leitmotive der Konfrontativen Pädagogik (Weidner) - delinquentes und deviantes Verhalten verstehen, den Regelverletzer als Mensch mögen, aber nicht mit seinem abweichenden Verhalten einverstanden sein - auf deviant-delinquente Kleinigkeiten schnell und konsequent pädagogisch reagieren, damit Großes erst gar nicht geschieht - Grenzen ziehen heißt nicht pädagogisch versagt zu haben - ( ) erst wenn die Beziehung steht Verstehen, aber nicht einverstanden sein Konsequentes unverzügliches Einschreiten, keine dissozialen Muster tolerieren Grenzen ziehen - wo Gefahren drohen, - wo Menschen geplagt werden, - die das gesellschaftliche Leben erfordert Grundlage jeder Konfrontation ist eine von Sympathie und Respekt geprägte Beziehung - pädagogische Professionalität Konflikt- und Grenzziehungsbereitschaft, hohe Anforderung an intervenierenden Pädagogen - Opferperspektive Täter sollen handlungskompetenter werden und keine Opfer mehr produzieren, Beratung und Support von Opfern - detaillierte Tatauseinandersetzung in konfrontativen Feedbackrunden sich der Tat stellen müssen, Ausreden werden nicht akzeptiert - Positiv-Peer-Culture stärkste Sozialisationsinstanz zu Nutze machen!, andere Akzeptanz der Gruppe - klar formulierte Erziehungsziele transparent, nachvollziehbar, Aufzeigen von Handlungsalternativen - soziale Gerechtigkeit Kritik an der Winner-Loser-Kultur, Unterstützung von Modernisierungsverlierern, gegen Migrationsbenachteiligung KP wird hier lediglich als eine Ergänzung verstanden. Sie steht in der Tradition der geisteswissenschaftlichen Pädagogik und wird als letztes Mittel (Ultima Ratio) im Umgang mit stark abweichenden jungen Menschen aktiviert (Weidner, 2013).

4 Zielgruppe sind somit u. a. Mehrfachauffällige, die Freundlichkeit und Milde als Schwäche werten, die Jugendkriminalitätselite, diejenigen die massenhaft Ärger machen (vgl. Weidner, Kilb, Kreft, 2004). Ziele der KP sind somit die Förderung prosozialer Verhaltensweisen, Schaffen eines moralischen Bewusstseins und Förderung der Handlungskompetenz. KP ist nicht strafend, sondern soll vielmehr verhaltensbedingte Exklusion verhindern (z. B. Ausschluss von der Schule, rechtliche Sanktionen, pp.). Sie begründet diverse Maßnahmen wie Anti-Aggressivitäts-Training (AAT), Coolness- Training (CT), Anti-Gewalt-Training (AGT), Social-Confrontation-Training u. a. Eingesetzt wird sie bspw. im Strafvollzug, in der Sozialen Arbeit und der Schulpädagogik. Konfrontative Pädagogik ist nicht unumstritten Ihr wird der Vorwurf gemacht, autoritativ und veraltet zu sein. Des Weiteren ziele sie auf eine Persönlichkeitsveränderung des Probanden hin; somit solle es sich um eine Form der Therapie handeln, die weiterhin einen Verstoß gegen die Menschenwürde, also einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die Grundrechte, darstellt. Aber was macht man dann mit dem jugendlichen Schläger, der irgendwann nur noch weggesperrt und verwahrt wird, weil sich keiner mehr kümmern kann oder will? Oder mit den zuhauf produzierten Opfern? Sind diese wohl auch der Meinung, dass die Freiheit ihrer Peiniger, andere zusammen zu schlagen, über ihren eigenen Grundrechten steht? Es ist wohl unstrittig, dass KP strengstens demokratische Grundsätze zu wahren und die handelnden Personen mit absoluter Wertschätzung zu behandeln hat. Dann kann sie eine sinnvolle Alternative zu einer falsch verstandenen Kuschelpädagogik sein. Quellen: Kilb, R., Weidner, J., Gall, R. (2013): Konfrontative Pädagogik in der Schule. Weinheim und Basel. Juventa Verlag. Weidner, J.: Konfrontative Pädagogik. Vortrag der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Hamburg. Weidner, J., Kilb, R. (2011): Handbuch Konfrontative Pädagogik. Weinheim und München. Juventa Grafik mit freundlicher Genehmigung des Karikaturisten Klaus Stuttmann Joachim Wiegold Planung: Anmeldungen werden weiterhin entgegen genommen für: o Anti-Gewalt-Trainings (AGT) o Soziale Kompetenztrainings (STARK) o Selbstsicherheitstrainings für Menschen mit Gewalt- und Opfererfahrung (SeSiT)

5 o Fortbildungen zum Anti-Gewalt-Trainer (Start: Ende 2015/Anfang 2016) o Infoveranstaltungen und Themenvorträge Am bieten wir einen ersten Workshop zum Thema: Konfrontationspädagogik was ist das und wie kann ich das in meiner beruflichen Praxis einsetzen an, weitere Informationen und Anmeldeformular finden Sie auf der Homepage: Wir weisen erneut darauf hin, dass wir gerne bereit sind, interessierten Gruppen unsere Angebote und Ziele in einem persönlichen Gespräch vorzustellen. Ebenfalls sind wir weiterhin darauf angewiesen, Zuweisungen von Trainingsteilnehmern, aber auch Geldbußen von den Gerichten und Staatsanwaltschaften zu erhalten. Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte, Flyer und Anmeldeformulare können von der Homepage heruntergeladen oder bei uns angefordert werden. Leben ohne Gewalt e.v. wünscht allen einen erholsamen, sonnigen und gewaltfreien Sommer!

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