Risikomanagement im Bevölkerungsschutz

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1 Risikomanagement im Bevölkerungsschutz Grundlage für eine fähigkeitsbasierte Planung Workshop Grenzüberschreitende Unterstützungsleistung Bregenz, Vorarlberg BBK-II.1-1 -

2 Agenda Rahmenbedingungen und vorbereitende Tätigkeiten 2. Durchführung von Risikoanalysen: a) Auswahl Gefahr & Beschreibung Szenarien b) Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit der gewählten Szenarien c) Bestimmung Schadensausmaß d) Visualisierung Risiko 3. IST/SOLL-Vergleich der Fähigkeiten / Kapazitäten 4. Risikobewertung/-behandlung 10/2014 BBK-II.1-2 -

3 Risikomanagement Bevölkerungsschutz 3 3 Gesetzlicher Auftrag: Der Bund erstellt gemäß 18 (1) Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG) im Zusammenwirken mit den Ländern eine bundesweite Risikoanalyse für den Zivilschutz. Das Bundesministerium des Innern unterrichtet den Deutschen Bundestag über die Ergebnisse der Risikoanalyse nach Satz 1 ab 2010 jährlich. 10/2014 BBK-II.1-3 -

4 disastrous significant moderate minor insignificant negligible rare possible likely very likely disastrous significant moderate minor insignificant negligible rare possible likely very likely disastrous significant moderate minor insignificant negligible rare possible likely very likely Risikomanagement Bevölkerungsschutz 4 4 Risikoanalyse als Grundlage für alle Planungen und Maßnahmen im Bevölkerungsschutz auf allen administrativen Ebenen Ebene Bund PEOPLE + ENVIRONMENT + ECONOMY + SUPPLY + IMMATERIAL DAMAGE Bundesressorts & -behörden (koordiniert durch BBK/BMI, unterstützt durch Experten aus Netzwerken) LIKELIHOOD HAZARD (intensity, extent, duration etc.) Ebene Länder PEOPLE + ENVIRONMENT + ECONOMY + SUPPLY + DAMAGE Länder (unterstützt durch BBK) IMMATERIAL LIKELIHOOD HAZARD (intensity, extent, duration etc.) Ebene Gemeinden PEOPLE + ENVIRONMENT + ECONOMY + DAMAGE Landkreise SUPPLY + IMMATERIAL LIKELIHOOD HAZARD (intensity, extent, duration etc.) Gemeinden (unterstützt durch BBK) 10/2014 BBK-II.1-4 -

5 Risikomanagement Einführung 5 5 KERNFRAGEN: Was kann passieren? Risiken Sind wir darauf angemessen vorbereitet? Fähigkeiten Risikoanalyse als Bestandsaufnahme + Entscheidungsunterstützung Fotos: dpa Picture-Alliance GmbH 10/2014 BBK-II.1-5 -

6 Risikomanagement Organisation 6 6 Verschiedene fachliche Sichtweisen auf ein potenziell eintretendes Ereignis Umweltamt KatS/Ordnungsamt Trinkwasserversorger Bauamt Verkehrsbetriebe Stromversorger ZMZ-Verbindungsperson Polizei Verkehrsamt ergeben ein Gesamtbild der denkbaren Auswirkungen auf die Sicherheit der Bevölkerung (sowie weiterer Schutzgüter) und ermöglichen ein koordiniertes Vorgehen im Fall des Ereigniseintritts 10/2014 BBK-II.1-6 -

7 Risikomanagement Einführung 7 7 Der Unterschied zwischen dem treffenden Wort und dem beinahe treffenden Wort ist so groß wie der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen. (Mark Twain) Risiko Gefährdung Schutzgut Exposition Gefahr Vulnerabilität 10/2014 BBK-II.1-7 -

8 Risikomanagement Einführung /2014 BBK-II.1-8 -

9 Risikomanagement Methode Vorbereitende Beschreibung Tätigkeitendes Bezugsgebietes 2. Erstellung Szenario Von den identifizierten Beteiligten an der Risikoanalyse werden unter Federführung des Katastrophenschutzes (Ordnungsbehörde) die für die Analyse benötigten Daten zu Schutzgütern, Vulnerabilitäten und Bewältigungskapazitäten sowie die spezifischen Fachkenntnisse beigesteuert. 3. Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit 4. Bestimmung Schadensausmaß Ziel: Daten nach Möglichkeit nur durch die jeweiligen Fachexperten nutzen; keinen Datenfriedhof schaffen 5. Visualisierung Risiko 10/2014 BBK-II.1-9 -

10 Risikomanagement Methode 10 Risikomanagement: Risiken identifizieren Risikoanalyse Erstellung Szenario Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit SCHADENSAUSMASS Bestimmung Schadensausmaß Visualisierung Risiko Risikobewertung alle Ereignisse > sehr unwahrscheinlich 2 unwahrscheinlich 3 bedingt wahrscheinlich 4 wahrscheinlich EINTRITTSWAHRSCHEINLICHKEIT alle Ereignisse <10 5 sehr wahrscheinlich Risikobehandlung 10/2014 BBK-II

11 Risikomanagement Methode 11 Struktur Szenario: 1. Definition der Gefahr/Ereignisart 2. Beschreibung des Ereignisses Auftretensort/Räumliche Ausdehnung Zeitpunkt Auslösende Ereignisse Intensität, Dauer und Verlauf Vorhersagbarkeit/Vorwarnung/Kommunikation Behördliche Maßnahmen 3. Betroffene Schutzgüter 4. Referenzereignisse 5. Literatur/weiterführende Informationen 10/2014 BBK-II

12 Szenarien - Leitfragen 12 Beispiel: Stromausfall durch Wintersturm PARAMETER LEITFRAGEN (Teil 1) LEITFRAGEN (Teil 2) Gefahr Auftretensort Räumliche Ausdehnung Intensität Zeitpunkt Dauer Welches Ereignis wird betrachtet? Wintersturm Wo passiert das Ereignis? Schwerpunkt: Deutsche Nordseeküste Welches Gebiet ist durch das Ereignis betroffen? Der gesamte Kreis Wie stark ist das Ereignis? Vollständiger Stromausfall im gesamten Kreis Wann passiert das Ereignis? (Jahreszeit/ggf. Tageszeit) Das Ereignis findet im Spätwinter/Frühjahr statt Wie lange dauern das Ereignis und/oder seine direkten Auswirkungen an? Stromausfall über X Tage Welche Geschehnisse führen zum Ereignis? Beschädigung/Zerstörung der Zuleitung(en) Wie verläuft das Ereignis? War das Ereignis erwartet? Nein Konnte sich die Bevölkerung auf das Ereignis einstellen? Nein Konnten sich die Behörden auf das Ereignis einstellen? Nein Wer/was ist von dem Ereignis unmittelbar/mittelbar betroffen? (Menschen, Umwelt, Objekte usw.) Menschen, Tiere, Infrastrukturen, Versorgung Welche vergleichbaren Ereignisse gab es bereits? Münsterland /2014 BBK-II

13 Risikomanagement Methode 13 Wert Ablauf einer Risikoanalyse: Erstellung plausibel: Szenario Tritt durchschnittlich 5 Bestimmung ein Eintrittswahrscheinlichkeit Klassifizierung sehr wahrscheinlich / relativ mehrere Male pro Menschenleben SCHADENSAUSMASS Wahrscheinlich / eher unplausibel: Tritt im Durchschnitt einmal / wenige Male pro Menschenleben ein bedingt wahrscheinlich / sehr unplausibel: Hat sich bereits in Deutschland ereignet, liegt ggf. mehrere Generationen zurück Unwahrscheinlich / noch vorstellbar: Weltweit sind mehrere Ereignisse bekannt, sie sind auch in Deutschland denkbar sehr unwahrscheinlich / kaum vorstellbar: Ereignis gilt selbst weltweit als sehr selten, ist jedoch in Deutschland nicht völlig auszuschließen erwartete (relative) 5 Ereignisinten sität gering mäßig hoch sehr hoch alle Ereignisse > x in Jahren bedingt wahrscheinlich 1 sehr unwahrscheinlich 2 unwahrscheinlich 4 wahrscheinlich EINTRITTSWAHRSCHEINLICHKEIT extrem > alle Ereignisse <10 5 sehr wahrscheinlich 10/2014 BBK-II

14 Risikomanagement Methode 14 Ablauf einer Risikoanalyse: Erstellung Szenario Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit Bestimmung Schadensausmaß SCHADENSAUSMASS alle Ereignisse > sehr unwahrscheinlich 2 unwahrscheinlich 3 bedingt wahrscheinlich 4 wahrscheinlich alle Ereignisse <10 5 sehr wahrscheinlich EINTRITTSWAHRSCHEINLICHKEIT 10/2014 BBK-II

15 Risikomanagement Methode 15 AG-Auftrag Teil I! 10/2014 BBK-II

16 Schutzgutbereich Mensch 16 Ergebnisse AG-Auftrag Teil I: Schutzgutbereich Schadensparameter Schadensparameter Detail erwarteter Schaden auf Grund Ereignis (Szenario Stromausfall) Mensch Hilfebedürftige Hilfebedürftige Hilfebedürftige Hilfebedürftige Unterbringung: mittelfristig (2-7 Tage) Verpflegung: zentral in Notunterkünften Ausfall Trinkwasserversorgung > 3 Tage: Notstromversorgung in Altenund Pflegeheimen > 3 Tage AG 1: AG 2: AG 3: AG 1: AG 2: AG 3: AG 1: AG 2: AG 3: AG 1: AG 2: AG 3: 10/2014 BBK-II

17 Visualisierung Risiko 17 Beispielhaftes Ergebnis 10/2014 BBK-II

18 Visualisierung Risiko 18 Beispielhaftes Ergebnis 10/2014 BBK-II

19 Risikomanagement Methode 19 Ablauf einer Risikoanalyse: Erstellung Szenario Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit Bestimmung Schadens ausmaß Visualisierung Risiko: SCHADENSAUSMASS Fertigstellung von Matrizen für analysierte Schadensparameter alle Ereignisse > sehr unwahrscheinlich 2 unwahrscheinlich 3 bedingt wahrscheinlich 4 wahrscheinlich alle Ereignisse <10 5 sehr wahrscheinlich EINTRITTSWAHRSCHEINLICHKEIT 10/2014 BBK-II

20 20 5. Visualisierung Risiko Hier: Szenarienvergleich Schadensausmaße und Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiedener Gefahren/Ereignisse Schadensparameter Hilfebedürftige in vergleichender Matrix- Darstellung Visualisierung Risiko je Schadensparameter 10/2014 BBK-II

21 Risikomanagement Methode Beschreibung des Bezugsgebietes 2. Auswahl Gefahr & Beschreibung Szenario 3. Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit 4. Bestimmung Schadensausmaß 5. Visualisierung Risiko Risikobewertung - Risikobehandlung 10/2014 BBK-II

22 22 Risikobewertung Bewältigungskapazitäten Ziel: Prüfung der verfügbaren Fähigkeiten/Kapazitäten Auswirkungen von Schadensereignissen auf die Schutzgüter werden in der Analyse über Schadensparameter abgebildet Dem Katastrophenschutz stehen spezifische Fähigkeiten/Kapazitäten zur Verfügung, die in den Bereichen - Prävention Vorbeugende Maßnahmen (Beispiel: Hochwasserschutzeinrichtung) - Vorbereitung Vorbereitende Maßnahmen (Beispiel: Ausbildung, Planung) - Reaktion Bei Ereigniseintritt zu mobilisierende Kapazitäten ansetzen und die geeignet sind, Schäden an Schutzgütern zu verhindern bzw. zu verringern 10/2014 BBK-II

23 Risikomanagement Methode 23 AG-Auftrag Teil II! 10/2014 BBK-II

24 Schutzgutbereich Mensch 24 Ergebnisse AG-Auftrag Teil II: Schutzgutbereich Schadensparameter AG 1: betroffene Personen (Ergebnisse Teil I) benötigte Ressourcen (Einheiten, Personal, Material) AG 1: Unterbringung: mittelfristig (2-7 Tage) AG 2: AG 3: AG 2: AG 3: AG 1: AG 1: Verpflegung: zentral in Notunterkünften AG 2: AG 3: AG 2: AG 3: Mensch AG 1: AG 1: Ausfall Trinkwasserversorgung > 3 Tage AG 2: AG 3: AG 2: AG 3: AG 1: AG 1: Notstromversorgung in Alten- und Pflegeheimen > 3 Tage AG 2: AG 3: AG 2: AG 3: 10/2014 BBK-II

25 Schutzgutbereich Mensch 25 10/2014 BBK-II

26 26 5. Visualisierung Risiko Hier: Szenarienvergleich Schadensausmaße und Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiedener Gefahren/Ereignisse Schadensparameter Hilfebedürftige in vergleichender Matrix- Darstellung Visualisierung Risiko je Schadensparameter 10/2014 BBK-II

27 Risikobewertung 27 Risikoanalyse & fähigkeitsbasierte Planung: Hilfebedürftige (staatliche Unterstützung - Betreuung) - Personen Hochwasser HQ extrem Pandemie Wintersturm Stromausfall 5 Tage ICE-Unfall Gasfreisetzung aus Seveso II-Betrieb 10/2014 BBK-II

28 Risikobewertung /-behandlung 28 RISIKOKOMMUNIKATION RISIKOBEWERTUNG RISKOBEHANDLUNG sehr hoch sehr hoch KEINE Maßnahmen Bereitschaft, Risiko zu tragen Botschaften: hoch mittel niedrig Differenz hoch mittel niedrig Identifizierter Grad des Risikos oder Maßnahmen PRÄVENTION und/oder Maßnahmen VORBEREITUNG und/oder Maßnahmen REAKTION Risiken sind nicht komplett vermeidbar Es gibt keine absolute Sicherheit Sensibilisierung der Bevölkerung Stärkung der Selbsthilfefähigkeiten 10/2014 BBK-II

29 Zusammenfassung Methode und Verfahren 2. Vorbereitende Tätigkeiten: Festlegung von Parametern Beschreibung des Bezugsgebietes 3. Durchführung der Analysen: a) Auswahl Gefahr & Beschreibung Szenarien b) Bestimmung Eintrittswahrscheinlichkeit der gewählten Szenarien c) Bestimmung Schadensausmaß d) Visualisierung Risiko 4. Risikobewertung: Soll/Ist-Vergleich Bewältigungskapazitäten 5. Einbindung in Risikomanagement: Die Risikoanalyse ist kein Selbstzweck, sondern zentraler Teil eines umfassenden RISIKO- und KRISENMANAGEMENTS 10/2014 BBK-II

30 Vorteile 30 Arbeiten an / Ergebnisse der Risikoanalysen - bilden Entscheidungsgrundlagen für den Risikomanagementprozess Lücken und Schwächen erkennen, Priorisierung von Risiken Ideal: Gewinnung von Handlungsoptionen zur Risikobehandlung Beseitigung der Gefahr Risikovermeidung Abschirmung der Gefahr Risikoverminderung Verlagerung der Schäden Risikoüberwälzung Bereitschaft, ein Risiko selbst zu tragen Risikoübernahme - dienen als Planungsgrundlage für das Krisenmanagement Verbesserungspotenziale identifizieren 10/2014 BBK-II

31 Vorteile 31 Arbeiten an / Ergebnisse der Risikoanalysen - liefern die Basis für eine effiziente Notfallplanung und Ressourcensteuerung Zielgerichteter Mitteleinsatz für Fähigkeits- und Ressourcenbildung - vernetzen Experten im Umfeld der jeweiligen Zuständigkeiten KKK-Prinzip : In Krisen Köpfe kennen - dokumentieren nachvollziehbar und vergleichbar den Gesamtprozess der staatlichen Notfallvorsorge Grundlage für eine Risikokommunikation, die mit Handlungsempfehlungen z.b. an die Bürger unterfüttert werden muss 10/2014 BBK-II

32 Fazit 32 Gemeinsam, statt einsam!! 10/2014 BBK-II

33 Kontakt 33 Dr. Andre Walter Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Provinzialstraße 93 D Bonn Tel.: +49 (0) Fax: +49 (0) url.: 10/2014 BBK-II

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