Quality Function Deployment 1 Fallbeispiel 2 2 Was ist Quality Function Deployment 2 3 Ziele 2 4 Vorgehen 2 5 Vorteile 7 6 Chancen und Risiken 7 7 Fazit 8 8 Literaturverzeichnis 9
1 Fallbeispiel Die Firma Schmidt entwickelt und fertigt Farbspritzanlagen. Die Kernkompetenzen liegen in der kundenspezifischen Entwicklung und Produktion selbiger. Bei jedem neuen Auftrag besteht die Problematik herauszufinden, worin genau die Kundenanforderungen bestehen, wie die Anforderungen quantifiziert und wie sie in Beziehung zur firmenspezifischen Technologie zu setzen sind. Häufig kennt die Firma Schmidt die spezifischen Wünsche der Kunden nicht, weil der Kunde sich hierzu nicht äußert, oder seine Wünsche nur unzureichend beschreiben kann. 2 Was ist Quality Function Deployment? Das Konzept gründet auf den Überlegungen des Japaners Akao, der die Zielsetzung verfolgte, die positive und negative Qualitätswahrnehmung von Kunden bei der Entwicklung neuer Produkte zu nutzen. 1 Hierbei unterstützt das Quality Function Deployment (QFD) die gesamte Produktentwicklung in dem die Kundenanforderungen identifiziert, gewichtet und gemessen werden. Die Wünsche und Anforderungen der Kunden werden hierzu zunächst ermittelt und in die Sprache des Ingenieurs übersetzt. Es handelt sich um eine den Entwicklungsprozess begleitende, teamorientierte Methode zur Umsetzung von Kundenanforderungen. 2 3 Ziele Das Ziel einer Anwendung von QFD ist die konsequente Ausrichtung des Produktentstehungsprozesses an die Kundenanforderungen. Hieraus folgt, dass Zielvorgaben für den jeweils nächsten Entwicklungsschritt für alle Abteilungen vorgegeben werden. Ein systematischer und nachvollziehbarer Ablauf zur gemeinsamen, funktionsübergreifenden Aufgabenbewältigung soll geschaffen werden. Durch die möglichst frühzeitige Festlegung der Parameter, sollen Kosten für spätere Änderungen im Entwicklungsprozess vermieden werden. Entwicklungskosten, Serienlaufkosten und Entwicklungszeit werden somit reduziert. 3 4 Vorgehen Die Vorgehensweise bei der Anwendung von QFD erfolgt im Allgemeinen in sieben Schritten: 1. Kundenanforderungen Mit der Hilfe von Marktforschungsmethoden (beispielsweise Kundenbefragungen) werden die relevanten Kundenanforderungen ermittelt. Die Zielgruppe für das betrachtete Produkt muss zuvor identifiziert werden. 2. Bedeutung für den Kunden Die ermittelten Anforderungen sind aus der Sicht der Kunden nicht alle gleich wichtig. Vorrangiges Ziel bei der Durchführung der Marktforschungsuntersuchungen ist es, Hin weise zur Wertung der identifizierten Anforderungen zu bekommen. 1 Vgl.: Curtius, B.: Quality Function Deployment in der westdeutschen Automobil- und Zulieferindustrie: Versuch einer Darstellung hemmender und fördernder Faktoren, Aachen 1994, S. 22. 2 Vgl.: Schmidt, R.: Verbesserungspotentiale des Quality Function Deployment durch Einbeziehung marktorientierter und technischer Produktkonzepte, Arbeitsbericht Nr. 98/13, Aachen 1998, S. 1. 3 Vgl.: Weigand, A.: Integrierte Qualitäts- und Kostenplanung am Beispiel der Konzeptphase in der Automobilindustrie, Aachen 1998, S. 78. 2
3. Wettbewerbsvergleich In diesem Schritt werden das eigene vorhandene Produkt, das eigene zukünftige Produkt und Produkte etwaiger Mitbewerber bewertet und miteinander verglichen. Ziel ist es, möglichen Nachholbedarf gegenüber Produkten der Mitbewerber, sowie Ansatzpunkte hinsichtlich der Kunden anforderungen zu identifizieren. 4. Technische Merkmale Hierbei werden die zur Erfüllung der relevanten Anforderungen benötigten technischen Merkmale der einzelnen Produktkomponenten identifiziert. Die technischen Merkmale können mit Hilfe einer Funktionsanalyse ermittelt werden. 5. Beziehungen der technischen Merkmale Im so genannten Dach des House of Quality werden die Synergien sowie Widersprüche und Probleme einzelner technischer Merkmalskombinationen herausgearbeitet. Die Beziehungen der technischen Merkmale können einfach mit + bzw. bewertet werden. Während das Pluszeichen starke Syner gien einzelner technischer Merkmale abbildet, werden durch die Verwendung von Minuszeichen widersprüchliche, technische Anforderungen identifiziert, die entweder nicht erfüllt werden können oder aber in das Lösungskonzept als Anforderung integriert werden. Hierbei kann der Nutzer einen beliebigen (wenn auch einheitlichen) Detaillierungsgrad verwenden (++;+;0;-;--). 6. Beziehungen der Kundenanforderungen zu den technischen Merkmalen In diesem Schritt müssen Beziehungen zwischen den Kundenanforderungen und den technischen Merkmalen gefunden werden. Die Bewertungen sollten nicht durch Einzelpersonen vorgenommen werden, da sie als Basis für alle weiteren Schritte immer wieder herangezogen werden. Etwaige Bewertungsfehler, die durch einseitige Einschätzung entstehen könnten, würden das Gesamtergebnis verfälschen. 7. Fachliche Bewertung der technischen Merkmale Im letzten Schritt erfolgt nun der Abgleich der Bewertung der Merkmale des eigenen Produktes mit den Bewertungen der Konkurrenz. 4 Diese Beurteilung wird durch den Kunden wahrgenommen und ist nicht notwendiger Bestandteil eines House of Quality. 4 Vgl.: Teufelsdorfer, H.; Conrad, A.: Kreatives Entwickeln und innovatives Problemlösen mit TRIZ/TIPS, Einführung in die Methodik und Verknüpfung mit QFD, Erlangen München 1998, S. 39ff. 3
Mithilfe dieser Vorgehensweise kann die QFD Tabelle erstellt werden. Die Tabellen werden auch als House of Quality bezeichnet, da die QFD Struktur dem Aufbau eines Hauses gleicht. In Abhängigkeit des erwünschten Detaillierungsgrades können nach dem Aufbau des ersten Hauses noch weitere Houses of Quality angefertigt werden. 4
Es könnte aber auch der Fokus auf einzelne bestimmte Produktkomponenten und Kundenanforderungen und ihre Beziehung zueinander gelegt werden. Die Wahl der zu vertiefenden Elemente des House of Quality in einer weiteren QFD Tabelle ist von allen Teammitgliedern oder einer Expertengruppe gemeinsam zu treffen. Farbspritzanlage Abb. 1: Grundprinzip der QFD Tabellen 5
Konkret bezogen auf das Fallbeispiel würde sich folgendes House of Quality ergeben: Im Fall der Firma Schmidt wären die Qualitäts- und Kaufkriterien z.b. eine gute Bedienbarkeit der Farbspritzanlage, ein gleichmäßiger Sprühstrom, ein geringes Gewicht, ein ansprechendes Design, ein hoher Arbeitsradius und eine hohe Mobilität der Anlage. Die Qualitätskriterien werden durch Befragungen der Kunden ermittelt. Zur Bewertung der Kundenanforderungen müssen geeignete Werte gefunden und in die Spalte Bedeutung für den Kunden (siehe Nr. 2) eingetragen werden. Im vorliegenden Fallbeispiel würde die Bewertung basierend auf den Ergebnissen einer abgeschlossenen Marktforschungsstudie erfolgen. Bedienbarkeit und gleichmäßiger Sprühstrom sind demzufolge im gewählten Beispiel jeweils dreimal wichtiger als geringes Gewicht, Design, Arbeitsradius, und Mobilität. Geringes Gewicht, Design, Arbeitsradius und Mobilität werden laut der Marktforschungsstudie als gleich wichtig bewertet. Produktkomponenten zur Erfüllung der Kundenanforderungen wären das Bedienmenü, die Beschaffenheit der Düse, das Gehäuse, der Farbförderschlauch, oder das Elektro-Kabel. Das House of Quality wird erstellt, indem die Marktsicht (Kundenanforderungen, Was? ; Nr. 1 in der Abbildung 1) mit der Techniksicht (technische Produktkomponente, Wie? ; Nr. 4 in der Abbildung 1) in Beziehung gesetzt wird. Mit Hilfe von Punkten wird bewertet, inwieweit die Produktkomponenten die kaufentscheidenden Kundenanforderungen befriedigen. Das Ausfüllen der Spalte in welcher die Beziehung zwischen den Produktkomponenten und der Bedienbarkeit der Maschine (Nr. 7) dargestellt wird, wird nun beispielhaft erläutert. Im vorliegenden Beispielsfall würde sich der Einbau eines geeigneten/angepassten Bedienmenüs stark positiv auf die geforderte Bedienbarkeit der Anlage auswirken. Die Wahl der Düse hat keinen positiven Einfluss auf die Bedienbarkeit. Das Gehäuse kann sich positiv auf die Bedienbarkeit auswirken. Wird beispielsweise ein übersichtliches Gehäuse mit gut erreichbaren Schaltern und Öffnungen eingebaut, wird die Bedienbarkeit positiv beeinflusst. Auch Merkmale des Farbförderschlauchs und das Elektrokabels können sich positiv auf die Bedienbarkeit auswirken. Der Hauptansatzpunkt zur Verbesserung der Kundenanforderung Bedienbarkeit liegt, gemäß den Ergebnissen des House of Quality, im Bedienmenü der Maschine. Hieraus könnte für die Firma Schmidt das Ziel abgeleitet werden, das Bedienmenü der Maschine zu Verbessern, um damit die Kundenanforderung gute Bedienbarkeit der Maschine zu erfüllen. Mögliche Ansätze zur Verbesserung der eigenen Anlage könnten durch einen Vergleich mit einem Konkurrenzprodukt ermittelt werden. 6
5 Vorteile Aus dem House of Quality können bestehende Stärkenpositionen und Ansatzpunkte zur Änderung von Produktkomponenten abgelesen werden. 5 Es ergibt sich für den QFD Anwender eine gute Übersicht über die Produktkomponenten, bei welchen sich eine Verbesserung besonders positiv auf die subjektive Qualitätswahrnehmung des Kunden auswirken würde. Das Produkt erhält ein hohes Maß an fitness for use. Es ist also gebrauchstauglich, da es die Kundenbedürfnisse erfüllt. Darüber hinaus wird die interne funktionsübergreifende Kommunikation durch die teamorientierte Anwendung von QFD verbessert. Die Teammitglieder einigen sich auf eine gemeinsame Sprache und müssen gemeinsam einen Konsens, über die Merkmale des zu entwickelnden Produktes, erarbeiten. Abteilungsübergreifende Projektziele werden durch diese Arbeitsweise für die Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen transparent. Die durch das QFD geforderte Strukturierung des Planungsablaufs gibt allen Mitarbeitern eine Orientierungshilfe. Dies trägt zur Effizienz der Prozesse bei, da hierdurch insbesondere Abstimmungs- und Änderungsaufwand reduziert wird. Es können deutliche Einsparungen bei den Fehler- und Anlaufkosten, während der Entwicklung eines Prototyps, der Vorserie, oder auch der Serie generiert werden. 6 6 Chancen und Risiken Die Potentiale von QFD, die bei richtiger, langfristig orientierter Anwendung genutzt werden können stehen einigen Schwächen gegenüber. Arbeiten beispielsweise zuvor isolierte Funktionsbereiche durch die Einführung von QFD erstmalig zusammen, kann es zunächst zu erhöhten Entwicklungszeiten kommen. Wegen des hohen zusätzlichen Aufwands, der bei der Implementierungsphase von QFD im Unternehmen entsteht, bedarf es bei der Einführung der Unterstützung durch die Unternehmensleitung. Da mit der Einführung von QFD häufig organisatorische Strukturen und bestehende Machtverhältnisse verändert werden, ist mit internen Widerständen der Mitarbeiter zu rechnen. Besonders gut kann QFD seine Wirkung entfalten, wenn die Prozesse bereits vorstrukturiert sind. Liegt bereits eine geeignete Ablauf- und Aufbauorganisation zugrunde, ist es umso schwieriger die Einsicht zur Implementierung eines QFD bei den Mit arbeitern zu schaffen. Weil die QFD Methodik bei realen Anwendungen schnell komplex wird, ist vor allem zu Beginn der Einführung Unterstützung durch qualifizierte Trainer nötig. 7 Außerdem ist zu bedenken, dass die Gefahr besteht, sich in der Entwicklungsphase zu stark auf die Kundenanforderungen zu fokussieren. Die Konzentration auf die Kundenanforderungen kann dazu führen, dass zwar inkrementelle Verbesserungen erzeugt werden, aber die Entwicklung von radikal neuen Produkten vernachlässigt wird. 5 Vgl.: Schneider, D.: Success Resource Deployment; Erfolgreiche Produkte und Geschäfte jenseits von Quality Function Deployment, in: io management, 5/2001, Seite 18f. 6 Vgl.: Saatweber, J.: Kundenorientierung durch Quality Function Deployment, Systematisches Entwickeln von Produkten und Dienstleistungen, München Wien 1997, S. 251. 7 Vgl.: Schmidt, R.: Verbesserungspotentiale des Quality Function Deployment durch Einbeziehung marktorientierter und technischer Produktkonzepte, Arbeitsbericht Nr. 98/13, Aachen 1998, S. 3ff. 7
7 Fazit Die Einführung des QFD ist mit erheblichem Aufwand während der Anlaufphase verbunden. Ist die Methode aber einmal implementiert, kann die Anwendung von QFD eine große Bereicherung für das betreffende Unternehmen darstellen. 8 Durch die Integration der Kundenwünsche und ihre Übersetzung in die Sprache der Entwickler, wird das Qualitätsmerkmal Gebrauchtauglichkeit (fitness for use) erhöht. Ob die aufgezählten Vorteile oder Nachteile des QFDs zustande kommen, hängt in hohem Maße von den Umständen im Unternehmen ab. Die Lernbereitschaft der Mitarbeiter, die Erfahrung der Mitarbeiter mit der Methode sowie das bisheriges Maß an Kooperation und Kommunikation wirken als Einflussgrößen auf den Erfolg von QFD. 8 Vgl.: Teufelsdorfer, H.; Conrad, A.: Kreatives Entwickeln und innovatives Problemlösen mit TRIZ/TIPS, Einführung in die Methodik und Verknüpfung mit QFD, Erlangen München 1998, S. 54. 8
Literaturverzeichnis Curtius, B.: Quality Function Deployment in der westdeutschen Automobil- und Zulieferindustrie, Versuch einer Darstellung hemmender und fördernder Faktoren, Aachen 1994. Saatweber, J.: Kundenorientierung durch Quality Function Deployment, Systematisches Entwickeln von Produkten und Dienstleistungen, München Wien 1997. Schmidt, R.: Verbesserungspotentiale des Quality Function Deployment durch Einbeziehung marktorientierter und technischer Produktkonzepte, Arbeitsbericht Nr. 98/13, Aachen 1998. Schneider, D.: Success Resource Deployment, Erfolgreiche Produkte und Geschäfte jenseits von Quality Function Deployment, in: io management, 5/2001. Weigand, A.: Integrierte Qualitäts- und Kostenplanung am Beispiel der Konzeptphase in der Automobilindustrie, Aachen 1998. Teufelsdorfer, H.; Conrad, A.: Kreatives Entwickeln und innovatives Problemlösen mit TRIZ/TIPS, Einführung in die Methodik und Verknüpfung mit QFD, Erlangen München 1998. 9