Thema: Simulation in der Luftfahrt: Kann man in einem Flugsimulator wirklich fliegen lernen? Vortrag von: Christian Korherr Lufthansa Flight Training GmbH Ort: Universitätsklinikum Köln Termin: Dienstag, 5. Februar 2013 Simulation in der Luftfahrt: Kann man in einem Flugsimulator wirklich Fliegen lernen? Seite 1 Korherr Februar 2013 Seite 1 von 8
Christian Korherr Vorstellung des Vortragenden 30 Jahre Pilot bei Austrian Airlines Seit 25 Jahren Fluglehrer Seit 20 Jahren Prüfer Seit 5 Jahren bei Lufthansa Flight Training (LFT) - Geschäftsführer des Simulatorzentrums der LFT in Wien - Geschäftsführer der LFT-Simulator-Flugschule in Berlin 12.500 Flugstunden 4.500 Stunden in Flugsimulatoren Seite 2 Meine Themen Themenübersicht 1. Was ist ein Flugsimulator? 2. Was muss ein Pilot können was muss er lernen? 3. Die Risiken beim Fliegen 4. Training im Simulator konkret 5. Wann und wie oft wird im Simulator trainiert? 6. Ihre Fragen! Seite 3 Was ist ein Flugsimulator? Original Cockpit Motion System Visual System Sound System Central Computer 1 Die Originalgetreue Nachbildung eines Cockpits. Typenspezifisch (z.b. Airbus A320 oder Boeing B747) Die 5 Hauptkomponenten eines Flugsimulators Lufthansa Flight Training (LFT) betreibt 40 Simulatoren an fünf Standorten für zwölf verschiedene Flugzeug-Typen. 150 Airlines sind LFT-Kunden. Seite 4 Korherr Februar 2013 Seite 2 von 8
Was ist ein Flugsimulator? Original Cockpit 1 Das Cockpit entspricht immer einer bestimmten Flugzeugtype Jeder Linienpilot darf maximal zwei unterschiedliche Typen bedienen Im Einzelfall sind einzelne Bauteile (z.b. Fire Handle) nachgebaut Hinter den Piloten sitzt der Fluglehrer oder Prüfer mit seinem Bedienpult Seite 5 Was ist ein Flugsimulator? Visual System 1 Die (virtuelle) Aussenwelt wird über das Sichtsystem (3 Beamer; 180 Leinwand) möglichst realistisch in Echtzeit dargestellt Beim Sichtsystem sind mit steigender Kapazität der Computer die größten Fortschritte erzielt worden 6 hochwertige Grafik-Karten arbeiten parallel Seite 6 Was ist ein Flugsimulator? Sound System Motion System Zentralcomputer 1 Über das Sound-System werden auch Vibrationen erzeugt Das Bewegungssystem simuliert die Beschleunigungskräfte Ein zentraler Computer (in gekühltem Raum außerhalb des Simulators) koordiniert alle Systeme Seite 7 Korherr Februar 2013 Seite 3 von 8
Was muss ein Pilot können und lernen? 2 Wie in allen komplexen Arbeitsbereichen bestimmt die Anforderung an den Job das Ausbildungsprogramm Seite 8 Was muss ein Pilot können und lernen? 2 Luftfahrt und Medizin haben sehr viele Parallelen Er muss die Risiken, die mit dem Fliegen verbunden sind richtig einschätzen Er muss das Verlassen des sicheren Betriebsbereichs verhindern Er muss Fehlabläufe rechtzeitig erkennen und korrigieren können DIAGNOSE PRÄVENTION THERAPIE RISK MANAGEMENT Seite 9 Die Risiken beim Fliegen TECHNIK UMWELT / WETTER wird nicht verstanden wird nicht richtig bedient funktioniert fehlerhaft wird nicht verstanden wird falsch eingeschätzt übersteigt Flugzeug-Kapazität TERRAIN / HINDERNIS wird übersehen 3 Die Ausfallssicherheit technischer Komponenten muss bei 10-7 oder besser sein Durch CFIT (Controlled Flight Into Terrain) Totalverluste in der Vergangenheit Der Mensch stellt das größte Risiko dar aber auch die größte Lösungskompetenz in Notfällen MENSCH verhält sich alleine falsch verhält sich im Team falsch Seite 10 Korherr Februar 2013 Seite 4 von 8
Die Risiken beim Fliegen TECHNIK UMWELT / WETTER TERRAIN / HINDERNIS BEIM MINIMIEREN ALLER DIESER RISIKEN HILFT DAS TRAINING AM SIMULATOR! 3 Im Simulator wird die aviatische Realität in unglaublicher Präzision nachgestellt Einzig die operationelle Komplexität (Slots, Verspätungen, denied Boardings, etc.) können nur mangelhaft simuliert werden MENSCH Seite 11 Training im Simulator - konkret TECHNIK Systemkenntnisse werden komplettiert Bedienung im Normalbetrieb wird erlernt Bedienung bei Systemausfällen wird erlernt Das 100% korrekte mathematische Modell der jeweiligen Flugzeugtype ist programmiert Original-Instrumente und -Schalter Ca. 250 verschiedene Malfunctions sind trainierbar 4 Ohne Simulatoren könnten kritische und schwierige Notfälle nicht trainiert werden Das gesamte mathematische Modell der Type ist programmiert bis an die Grenzen des fliegbaren Bereichs Die Lizenzgebühr an den Hersteller ist beachtlich hoch Seite 12 Training im Simulator - konkret 4 Totalausfall aller Triebwerke könnte im richtigen Flugzeug nicht trainiert werden Selbst bird strikes (Kollision mit einem Vogelschwarm) kann trainiert werden Triebwerksausfall ist Schwerpunkt-Thema bei den Malfunctions ENG DUAL FAILURE ENG MODE SEL...IGN THR LEVERS...IDLE OPT RELIGHT SPD...300kt Seite 13 Korherr Februar 2013 Seite 5 von 8
UMWELT WETTER Training im Simulator - konkret Alle möglichen ambient conditions darstellbar Temperatur / Temperaturverläufe über die Höhe Wind (Richtung, Stärke, Böen) / Turbulenzen Scherwinde Wolken (Art, Obergrenze, Untergrenze) Gewitter (Lage, Intensität, Blitze, Donner) Sichtweiten / Nebel Niederschlagsformen (Regen, Schneefall) Pistenzustände (trocken, nass, schneebedeckt) Tageszeiten / Licht (Tag, Nacht, Dämmerung) Luftdruck Vereisung 4 Wirklich alle Umgebungsparameter können auf Knopfdruck erzeugt werden Ganze Szenarien können in Auto-Lessons vorprogrammiert werden, um die Crews einer ganzen Flotte mit demselben Programm zu trainieren und so Gesamterkenntnisse zu gewinnen Seite 14 Training im Simulator - konkret 4 Sichtsystem (das,was der Pilot durch die Cockpitscheiben sieht) und Darstellung auf seinen Cockpitinstrumenten passen exakt zusammen Selbst das Grollen des Donners hört sich im Simulator wie im richtigen Flugzeug an Seite 15 Training im Simulator - konkret TERRAIN HINDERNIS Airport Qualification CFIT-Avoidance Kollisions-Vermeidungs-Training Weltweite Terrain-Datenbank programmiert Sichtsystem und Cockpit-Anzeigen korrelieren Real Airport -Darstellung / Generic Airport Darstellung GPWS / EGPWS 100% realitätstreu Verschiedene TCAS-Szenarien 4 Ein real airport bildet nicht nur das Pistensystem realitätsgetreu nach, sondern auch alle Rollwege und Gebäude CFIT= Controlled Flight Into Terrain TCAS= Traffic Collision Avoidance System (E)GPWS= (Enhanced) Ground Proximity Warning System Seite 16 Korherr Februar 2013 Seite 6 von 8
Training im Simulator - konkret 4 Das linke Bild zeigt, wie Terrain/Berge auf dem Navigation Display dargestellt werden Das rechte Bild zeigt, wie Ausweichmanöver im Primary Flight Display dargestellt werden, um Kollisionen mit einem anderen Flugzeug zu vermeiden Seite 17 Training im Simulator - konkret Individuelles Systemwissen + Anwendung Individuelles fliegerisches Können (Motorik) Scanning Standard Operating Procedures Pilot Flying / Pilot Monitoring Checklisten-Arbeit Leadership & Teamwork Decision Making Communication 4 Alle Human Factors werden im praktischen Training vorbesprochen, trainiert und kritisch analysiert Zur Beurteilung stehen den Ausbildern konkrete Behaviour Markers (konkrete Handlungen) als Referenz zur Verfügung MENSCH Seite 18 Wann und wie oft wird am Simulator trainiert? Aus der Sicht des Simulator-Betreibers 24 h am Tag 365 Tage im Jahr 5 Wirtschaftliches Training ist nur dann möglich, wenn die Trainingsgeräte hoch ausgelastet werden Seite 19 Korherr Februar 2013 Seite 7 von 8
Wann und wie oft wird am Simulator trainiert? Aus der Sicht des zu Trainierenden Type-Rating (Typenberechtigungskurs) Ca. 60 Stunden pro Crew (inkl. ZFTT) Recurrent-Training (Auffrischungstraining) 4 mal pro Jahr - 16 Stunden pro Crew davon: 2 x 4 h Training 2 x 4 h Prüfung Zusatztrainings - Ausbildung zum Kapitän Ca. 24 Stunden - Airport Qualification (Innsbruck, Funchal, ) - Requalifikation nach einem Krankenstand - Fluglehrerausbildung 5 Simulatoren werden doppelt so viel für das jährliche Auffrischungstraining benützt als für die Erstausbildung Training und Prüfungen finden in der Dienstzeit statt und sind international einheitlich geregelt Seite 20 Wann und wie oft wird am Simulator trainiert? Gemeinsames Training Cabin & Cockpit Jährliches Safety- & Emergengy Training 5 Gemeinsames Training von Piloten und Flugbegleitern ist vorgeschrieben und für die Sicherheit im Flugbetrieb essentiell Welche Parallelen zur Medizin sind erkennbar? Seite 21 Ich freue mich auf Ihre Fragen! 6 Kontaktdaten: Christian Korherr Tel. +49 69 696 90813 Mail: christian.korherr@lft.dlh.de Seite 22 Korherr Februar 2013 Seite 8 von 8