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Transkript:

REGIONENCHECK VC Ravensburg Eine Untersuchung der Creditreform Ulm/Neu-Ulm Müller, Schott & Co. KG in Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG Informationstableau Bodenseekreis Ravensburg Sigmaringen Anzahl Unternehmen 32.750 Analysezeitraum 2012-2014

1. Einleitung Trotz leichtem Rückgang gute Ergebnisse Der vorliegende Regionencheck dient als Instrument zur Darstellung der Risikostruktur einer Region und zeigt Gefährdungspotenziale nach verschiedenen Strukturmerkmalen auf. So wird die Struktur einer Region aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um die spezifische Risikosituation darzustellen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Auf diese Weise kann herausgearbeitet werden, in welchen Branchen die untersuchte Region besonders insolvenzgefährdet ist und welche Rechtsformen oder Umsatzklassen mit einem hohen Ausfallrisiko behaftet sind. Datengrundlage für die vorliegende Analyse ist die Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit über 4,9 Mio. Unternehmensdatensätzen. Durch stichtagsbezogene Selektionen wird die Anzahl der Unternehmen, sowie die Anzahl der ausgefallenen Firmen je Region, ausgewiesen. Grundlage und Orientierungsgröße des Analyseverfahrens ist der Creditreform Risiko-Indikator (CRI in %), der die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Region misst. Das Vorliegen eines Ausfalls wird durch folgende Negativmerkmale angezeigt: - Unternehmerisches Insolvenzverfahren - Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen - Sonstige Insolvenzverfahren - Haftanordnung zur Abgabe der Vermögensauskunft (früher:eidesstattliche Versicherung) - Abgabe der Vermögensauskunft (früher:eidesstattliche Versicherung) Auf Basis der über den Creditreform Risiko-Indikator ermittelten Ausfallquoten erfolgt eine Einteilung nach sechs Risikoklassen, ähnlich dem Schulnotenprinzip. Je höher der Creditreform Risiko-Indikator, desto höher ist die Insolvenzgefahr. Ein geringes Ausfallrisiko wird durch eine grüne Ampelschaltung symbolisiert; ein hohes Ausfallrisiko durch eine rote Ampelschaltung. 2

Risikoklassen für alle Kreise in Deutschland über alle Branchen 3

2. Risikoklassen nach Regionen Das untersuchte Gebiet Bodensee-Oberschwaben umfasst insgesamt 32.750 Unternehmen. Die Anzahl der Unternehmen mit Negativmerkmalen, hochgerechnet auf das Halbjahr, beträgt 410. Dies entspricht einem aktuellen Creditreform Risiko-Indikator von 1,25%. Dieser liegt deutlich unter dem Durchschnittswert der Bundesrepublik Deutschland von 1,89%. Die Gefahr des Pleiterisikos ist im VC-Gebiet äußerst gering. Nachfolgend werden die untersuchten Kreise einzeln nach dem CRI u.a. mit dem Bundesland Baden-Württemberg und mit Westdeutschland verglichen. Im Vergleich zum Bundesland Baden-Württemberg (1,71%) weisen alle analysierten Kreise einen deutlich geringeren Creditreform Risiko-Indikator auf. Ebenso mit Westdeutschland als Maßstab ist die Region Bodensee-Oberschwaben weniger insolvenzgefährdet. Dem allgemeinen Trend in Deutschland mit einem sinkenden CRI folgt 2014 lediglich der Kreis Sigmaringen (1,54%). Allerdings liegen die Kreise Ravensburg (1,20%) und Bodenseekreis (1,16%) trotz steigendem CRI immer noch im Bereich sehr geringes Ausfallrisiko. Der Anstieg ist in den Gebieten also nicht so gravierend. Die Creditreform Risiko-Indikatoren der einzelnen Kreise entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle und dem Schaubild. 4

Risikoklassen für alle Kreise im Bundesland Baden-Württemberg 3. Zeitreihenanalyse Die aktuelle Hochrechnung für das laufende Jahr 2014 fällt für die Region Bodensee- Oberschwaben äußerst positiv aus. Trotz des Anstiegs in Ravensburg und dem Bodenseekreis ist die Entwicklung der Firmeninsolvenzzahlen deutlich weniger drastisch als in manch anderen Gebieten in Baden-Württemberg und der Bundesrepublik. Der Kreis Sigmaringen konnte als einziger Kreis in Bodensee-Oberschwaben seinen CRI seit 2012 kontinuierlich senken. Jedoch sollte erwähnt werden, dass alle untersuchten Regionen ihren CRI nach 2012 deutlich verbessert haben und selbst durch negative Veränderungen aktuell nicht mehr an den damaligen Wert herangekommen sind. 5

Laut Prognosen ist zumindest von einem kleinen Rücklauf bei den Kreisen zu sprechen, die in diesem Jahr eine schlechte Performance abgelegt haben. Die Vorhersage des Creditreform Risiko-Indikators für 2015 ergibt sich aus dem Creditreform Bonitätsindex. Dieser hat einen Prognosehorizont von 12 Monaten. Jedes Unternehmen hat am Jahresanfang einen Bonitätsindex, dem eine Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet werden kann. Durch die Gesamtbetrachtung aller Unternehmen einer Region ermittelt man den Prognosewert. 4. Creditreform Risiko-Indikator nach Hauptbranchen in der Region Die 32.750 Unternehmen der Region Bodensee-Oberschwaben sind in die vom Statistischen Bundesamt vorgegebenen Hauptbranchen aufgeteilt worden. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie die Risikoindikatoren nach Hauptbranchen für 2014 in der Region im Vergleich zur Gesamtwirtschaft dargestellt. Aufgeführt sind die Gesamtzahl der Unternehmen in der Region, die Anzahl der ausgefallenen Unternehmen und die Risikoverteilung über die Hauptbranchen, sowie der Bundesdurchschnitt für die jeweilige Branche. 6

Es ist festzuhalten, dass in Bodensee-Oberschwaben stückzahlmäßig die meisten Ausfälle (76 Stück) im Handel vorkommen. Allerdings bildet der Handel mit 6.296 Unternehmen auch die größte Hauptbranche in der Region. Nichtsdestotrotz sind mehr als die Hälfte aller Insolvenzen im Handel anzufinden. Der Creditreform Risiko-Indikator (CRI) liegt mit 1,21% unter dem Durchschnitt der Region und auch weit unter dem Durchschnitt der Handelsbranche in Gesamtdeutschland. Den höchsten CRI-Wert und somit auch das höchste Ausfallrisiko im Gebiet mit 3,48% besteht immer noch in der Branche Verkehr und Lagerei. 7

5. Risikoindikatoren nach Rechtsformen Betrachtet man die Risikoverteilung nach Rechtsformen gelangt man zu folgender Erkenntnis. Die meisten Ausfälle (270 Stück, CRI 1,76%) findet man bei den Gewerbetreibenden, die aber auch die größte Anzahl an Betrieben repräsentieren. Ein interessanter Faktor, wo doch die dahinter stehende Privatperson vollumfänglich für die Schulden des Unternehmens haftet. Die GmbH mit Ihrer beschränkten Haftung ist, vom Ausfallrisiko her betrachtet, dagegen wesentlich risikoärmer (CRI 0,89%). Die KG weist mit 4,12 % den größten CRI-Wert bei den Rechtsformen auf. Durch die geringe Anzahl an Kommanditgesellschaften im Gebiet schlagen wenige Ausfälle bereits viel deutlicher beim CRI aus. Knapp die Hälfte aller im Bodensee-Oberschwaben Gebiet erfassten Unternehmen werden als Gewerbe betrieben. 3 von 5 Ausfällen in der Region sind den Gewerbebetrieben zuzuordnen. 8

6. Risikoindikatoren nach Umsatzklassen Abschließend wurde das Ausfallrisiko in der Region noch nach Umsatzklassen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft untersucht. Unterteilt wurde hier in Kleinbetriebe unter 0,5 Mio. Jahresumsatz, die auch das Gros der Firmen im Bodensee-Oberschwaben Kreis ausmachen, Firmen mit 0,5-1,0 Mio. Umsatz im Wirtschaftsjahr, Unternehmen zwischen 1,0 bis 5 Mio. p.a. und mittelständischen und großen Unternehmen ab 5 Mio. Jahresumsatz. Die Creditreform Risiko-Indikatoren für die einzelnen Umsatzklassen finden Sie nachfolgend dargestellt. Betrachtet man die Negativmerkmale unterteilt nach Umsatzklassen, bestätigt sich der bereits durch die Rechtsformanalyse gewonnene Eindruck. Im Wesentlichen sind es kleine Betriebe, in der Regel Gewerbetreibende, die zahlungsunfähig werden (380 Insolvenzen). Die insgesamt 30 Insolvenzen bei Unternehmen mit mehr als 500.000 Euro Jahresumsatz spielen zahlenmäßig eher eine untergeordnete Rolle. Allerdings sind hierbei mehr Arbeitnehmer betroffen, als bei Kleinbetrieben. 9

7. Fazit Insgesamt ist die Entwicklung in der Region Bodensee-Oberschwaben, wie auch bundesweit, als erfreulich zu bezeichnen. Wer hier Kredite auch Lieferantenkredite vergibt, kann statistisch betrachtet am ruhigsten schlafen, wenn der gewerbliche Schuldner im untersuchten Gebiet zu Hause ist. Die Halbjahreszahlen prognostizieren, dass trotz einer Zunahme des CRI der Bodenseekreis erneut die Führungsposition übernehmen wird. Negativer Spitzenreiter im Sinne des Ausfallrisikos mit 3,48% ist die Branche Verkehr und Lagerei, gefolgt mit weitem Abstand- vom Grundstücks- und Wohnungswesen (1,77%). Diese Branche liegt in der Region sogar deutlich über dem Durchschnitt der Bundesrepublik (1,24%). Unter dem Aspekt der Unternehmensform betrachtet zeigt sich, dass auch in der Region die meisten Insolvenzen bei den Gewerbebetrieben vorkommen. Schlechte wirtschaftliche Verhältnisse, eine dünne Kapitaldecke und starke Abhängigkeiten von einigen wenigen Geschäftspartnern sind sicherlich die Hauptgründe für die zahlreichen Insolvenzen bei diesen Unternehmen. Betrachtet man den Creditreform Risiko-Indikator differenziert nach dem Umsatz so fällt auf, dass dieser im Bundesdurchschnitt sinkt, je umsatzstärker die Unternehmen sind. Im Bodensee-Oberschwaben Kreis liegt der höchste CRI, ebenso wie im Bundesgebiet, bei Firmen mit einem Umsatz unter 500.000,-. Dies bestätigt, dass insbesondere Kleinbetriebe insolvenzanfälliger sind, da diese wirtschaftliche Durststrecken oder Forderungsverluste oftmals deutlich schlechter kompensieren können. Die Region Bodensee-Oberschwaben wird aktuell mit einem Creditreform Risiko-Indikator von 1,25% in die Risikoklasse 1 eingestuft und mit einem sehr geringen Ausfallrisiko bewertet. Bezogen auf den CRI-Wert des Bundeslandes Baden-Württemberg liegt die Region deutlich darunter. Ein gutes Zeichen, den Baden-Württemberg beansprucht eine Ausnahmeposition im Ranking der Bundesländer allgemein wenn auch in diesem Jahr das Saarland die Position 2 hinter Bayern eingenommen hat. Im Vergleich mit den restlichen Bundesländern belegt die Region einen guten vorderen Platz auch dank der positiven Gebiete. Der prognostizierte Creditreform Risiko-Indikator liegt für 2015 bei 1,14% für den Bodenseekreis, 1,17% für Ravensburg und 1,57% für den Landkreis Sigmaringen. Insbesondere die weitere Entwicklung in den Hauptbranchen der Region wird zeigen, inwiefern diese Prognose zu halten ist. Prognose 2015: Region Bodensee- Oberschwaben Ravensburg, 7. November 2014 10