Erasmus Bericht Riga Technical University WS 2014/15 Hochschule für Technik Stuttgart Infrastrukturmanagement Jonas Marwein Bei meiner Entscheidung ein Auslandssemester zu machen war mir sehr schnell klar, dass ich in Europa bleiben wollte, da es zum einen billiger und durch das Erasmus Programm relative unkompliziert zu organisieren ist. Ich wollte auf jeden Fall meine Englisch Kenntnisse verbessern und auf Englisch studieren, dadurch fallen viele südlichen Länder weg da dort die meisten Kurse nur in der Landessprache angeboten werden. Für mich war dies jedoch nicht weiter schlimm da ich sowieso in ein nördliches Land gehen wollte. Meine Entscheidung viel zunächst auf Aarhus, Dänemark. Leider bekam ich dort relative spät eine Absage und hatte dann nicht mehr all zu viele Möglichkeiten, doch glücklicherweise war Riga eine davon. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Mit diesem Bericht möchte ich gerne meine Erfahrungen an der Riga Technical University mit andern Studenten teilen. Vorbereitung Bewerbung Um eine passende Uni zu finden empfiehlt es sich auf der HFT Homepage alte Erfahrungsberichte durchzulesen und auf der jeweiligen Uni sich die verschieden Kursangebote anzuschauen. Mir war es recht wichtig, dass ich zumindest ein paar Kurse anerkannt bekomme, was in Deutschland im Vergleich zu andern Ländern leider nicht so einfach ist. Wenn man sich für eine Uni entschieden hat, ist die Anmeldung unkompliziert. Als erstes muss man sich (rechtzeitig!) beim Akademische Auslandsamt (AAA) der HFT bewerben. Das AAA bewirbt einen dann bei der jeweiligen Partneruni. Wenn diese einen akzeptiert, muss man sich (in meinem Fall) Online einschreiben und folgende Dokumente hochladen. - Learning Agreement (Kurswahl mit Bestätigung von Studiendekan und AAA) - Transcript of records (Notenspiegel in Englisch, selber übersetzten) Damit sollte die Bewerbung abgeschlossen sein. Das Bewerbungsverfahren kann natürlich von Uni zu Uni variieren. Kurswahl An der Riga Technical University (RTU) wird je Semester ein Kurskatalog erstellt aus diesem man im Prinzip jeden Kurs wählen kann sofern die HFT bzw. der Studiendekan mit der Kurswahl einverstanden ist. Es empfiehlt sich
selbstverständlich Kurse aus dem eigenen Fachbereich bzw. Studiengang zu wählen damit man sich Kurse an der HFT durch absolvierte im Ausland anrechnen lassen kann. Dies ist aber kein Muss. Unterkunft Der leichteste Weg eine Unterkunft in Riga zu finden ist sich für das Studentenwohnheim Kipsala der RTU anzumelden. Hier gilt natürlich je früher desto besser. Ein Zwei- Bett- Zimmer kostet ca. 150 und ein Privat Zimmer 300. Das Wohnheim liegt direkt am Hauptcampus der RTU und ist modern und sehr gut eingerichtet. In die Innenstadt ist es allerdings zu Fuß 20 min, darum nimmt man meistens ein Taxi (2-3 ) oder den Bus (0,30 ). In Kipsala gibt es nur ein paar Regeln wie keine Besucher ab 23 Uhr, keine Partys etc. Aber man lernt schnell damit umzugehen ;- ). Wenn die Entfernung zur Stadt und das Zimmerteilen einen nicht stört ist es eine gute Wahl. Wenn man, wie ich, eine WG bzw. ein privates Zimmer bevorzugt ist es besser und günstiger sich selber etwas in der Stadt zu suchen. In der Altstadt kostet ein Zimmer um die 250 300 und im Zentrum 200 250. Allerdings sind die Zimmer nicht selten 20 m2 groß. Ich habe glücklicherweise ein sehr günstiges Zimmer in der Altstadt gefunden, 5 min zu Fuß überall hin. Dennoch würde ich empfehlen sich eine Wohnung im Zentrum zu suchen. Von dort aus läuft man in die Altstadt auch nur 15 min oder fährt mit Bus/Bahn. Das positive am Zentrum sind die vielen alternativen Bars, Restaurants, Läden und Jugendstil Häuser. Zudem sind die Wohnungen meistens größer und billiger. In der Altstadt ist man ohnehin sehr oft auf dem Weg zu Uni oder zum ausgehen. Bestes Viertel ist meiner Meinung nach um die Straßen Skolas iela und Baznicas iela. Ein Wohnung findet man am besten über verschiedene Facebook Gruppen wie Riga Student's Appartment Market oder Erasmus Gruppen der vorhergegangenen Semesters (Geheimtipp). Oder man findet sich mit ein paar anderen Studenten zusammen und eröffnet eine neue WG. Die meisten Wohnungen sind möbliert, oft auch mit Küchenausstattung etc. Anreise Die Anreise nach Riga ist am besten mit dem Flugzeug, es gibt auch Fernbusse dies sind aber meistens nur minimal günstiger und brauchen aus Stuttgart 30 Stunden. Von Stuttgart fliegt man am besten von Frankfurt Main oder München mit Air Baltic. Bei früher Buchung kann man so für 80-100 anreisen. Ryanair fliegt ebenfalls nach Riga von Frankfurt Hahn, Köln, Berlin, Düsseldorf u.a. Alternativ ist es auch eine gute Idee in 2-3 Wochen nach Riga durch z.b. Tschechien und Polen zu reisen. Züge oder Fernbusse in Polen und Tschechien sind sehr günstig und beide Länder haben viel zu bieten.
Ich bin auf diese Weise von Riga zurück gereist, was eine sehr gute Erfahrung war und ich nur empfehlen kann. Allerdings war es Winter, weshalb sich die Hinreise noch mehr empfiehlt. Finanzen Um sich ein Erasmus zu finanzieren gibt es diverse Möglichkeiten. Die einfachste ist reiche Eltern zu haben. Wenn man darüber nicht verfügt gibt es u.a. folgende: - Bildungskredit des Bundes (ca. 1,5 % Zinsen, bis zu 300 pro Monat, Rückzahlung nach 4 Jahren mit 120 pro Monat) - KFW Studienkredit (ca. 3,5 % Zinsen, bis zu 600, Rückzahlung sehr flexible min. 25 pro Monat über bis zu 25 Jahren möglich) - Auslands Bafög (so früh wie möglich beantragen, vor allem wenn man darauf angewiesen ist! Bei mir ging es 5 Monate bis ich die Antwort hatte, da war mein Erasmus dann schon fertig). - Natürlich bekommt man auch etwas Erasmus Förderung (sehr Unterschiedlich je nach Land, um die 1000 für das komplette Semester). Angaben ohne Gewähr. Universität Riga Campus und Ausstattung Die RTU hat verschiedene Campus die in ganz Riga verteilt sind. Der größte ist wie bereits erwähnt im Stadtteil Kipsala. Dieser soll in den nächsten Jahren auch weiter ausgebaut werden und kleinere Campus dorthin verlegt werden. Durch die verschieden Campus kann es vorkommen das man an einem Tag mehre Male hin und her fahren muss, was etwas nervig sein kann, aber kein wirkliches Problem darstellt. Die Ausstattung der Universität ist gut und modern, vergleichbar wie die der HFT. Vor allem in den neueren Gebäuden des Campus Kipsala ist sie auf dem neuesten Stand der Technik. Lehre Die Vorlesungen waren durchweg lehrreich und gut strukturiert. Die Professoren waren ebenfalls kompetent und gingen gut auf die Studenten ein. Leider hatte ich nur Vorlesungen mit Erasmus Studenten wodurch ich nicht so viel mit lettischen Studenten in Kontakt gekommen bin. Im Gegensatz zu Deutschland gab es die Möglichkeit Prüfungen beim Nicht- Bestehen oder bei einer schlechten Note nochmal zu wiederholen. Man hatte genug Zeit und Lehrmaterial um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Lediglich in einem Fach gab es etwas Durcheinander was geforderte Prüfungsleistungen und Termine für Prüfungen anging.
Betreuung Internationaler Studierender Die Betreuung durch das Auslandsbüro in Riga war durchweg positiv. Fragen wurden immer sehr schnell und freundlich beantwortet, Änderungen wie z.b. des Learning Agreements waren kein Problem und man wurde immer über Neuerungen informiert. Besonders in den ersten Tagen hat man sich durch ein tolles Freizeit- und Informationsprogramm sehr willkommen gefühlt. Es wurden Partys, Sportangebote und Informationsveranstaltungen organisiert. Zudem wurde jedem Studenten ein Buddy zugeteilt. Dies ist ein lettischer Student der RTU der einem in den ersten Tagen unterstütz um bspw. das Semesterticket zu beantragen, Handy Vertrag abzuschließen, Gang zu Hochschule, Abholung am Flughafen etc. Riga Riga ist die größte Stadt im Baltikum mit ca. 800.000 Einwohnern. Es kommt aber kein Großstadt Gedränge auf. Durch die vielen Parks, Cafés, Bars, Restaurants und kleinen Läden hat die Stadt einen sehr entspannten Flair. Der Fluss Daugava der mitten durch Riga fliest hat daran natürlich seinen Anteil. In der Altstadt und im Zentrum ist das Bild geprägt durch die unzähligen Jugendstil Gebäude die den Charme der Stadt ausmachen. Freizeit- Sportangebot Die Universität Riga bietet verschiedene Sportangebote und auch ein Fitnessstudio das umsonst genutzt werden kann. Zudem gibt es immer wieder Partys oder Ausflüge. Ein Muss ist es sich sofort über das Programm des Erasmus Student Network (ESN) zu informieren und sich am besten gleich eine Mitgliedskarte für ein paar Euro zu holen. ESN bietet immer wieder sehr gute und günstige Reisen und Partys an, wie z.b. Welcome Party, Reise nach Lappland, Litauen, Estland, Russland, Paint Ball, Bowling etc. ESN ist hochschulübergreifend und so lernt man auch Studenten der anderen Unis kennen. Durch die Teilnahme an ESN Programmen habe ich sehr viele schöne Erfahrungen erlebt und gute Freundschaften geknüpft. Sehr zu empfehlen! Und wenn man sonst mal nicht weis was man abends tun soll einfach in eine der zahlreichen Kneipen in der Altstadt gehen und das sehr gute Nachtleben Rigas genießen. Reisen lassen sich auch leicht und günstig selber organisieren. Riga ist ein sehr guter Standpunkt um in die Nachbarländer oder per Flugzeug weiter weg zu reisen (Ryanair fliegt verschiedene Länder von Riga aus an). Am besten und billigsten reist man per Fernbus (Ecolines, Luxexpress u.a.). Zugverbindungen sind in Lettland leider nicht sehr gut und mehr oder weniger nur fürs Inland geeignet, dafür aber günstig.
Lebensunterhaltungskosten Allgemein ist Riga etwas günstiger als Deutschland aber nicht erheblich. Öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Straßenbahn) sind sehr günstig (0,30 pro Fahrt für Studenten), Taxi (z.b. 3 für 6 km mit Panda- Taxi ) aber Achtung nicht alle Taxen sind so günstig, es gibt verschiedene Firmen. Essen und trinken gehen ist ebenfalls etwas günstiger z.b. in der Ala- Bar (typische Lettische Kneipe) gibt es Hauptgerichte ab 6 und Bier ab 2. Ein Kaffee im Kuka- Café kostet 1,80. Clubs und Bars sind fast immer ohne Eintritt. Dafür ist der Supermarkt etwas teurer als in Deutschland, was aber wohl eher an den billigen Supermärkten in Deutschland liegt. Mieten bewegen sich zwischen 150-300, je nach Bezirk. Fazit, Kritik Mein Erasmus in Riga war eine meiner besten Erfahrungen die ich in meinem jungen Leben bis jetzt gemacht habe. Das Beste am Erasmus sind wohl die vielen verschieden Menschen die man kennen lernt und die Freundschaften die man mit manchen knüpft. So habe ich nun immer einen Platz in Italien, Spanien, Irland, Ungarn, Tschechien, Polen, Finnland, Lettland... Ebenfalls ist es interessant an einer andere Universität zu studieren und sich mit Studenten andere Länder über seine Fachrichtung auszutauschen. Kritik möchte ich daran üben, dass in Deutschland der Weg ins Ausland eigentlich gefördert und angepriesen wird, die Anerkennung von im Ausland erbrachten Prüfungsleistung allerdings teilweise sehr erschwert wird oder nicht möglich ist. Oftmals kann eine Vorlesung nur anerkannt werden wenn sie genau dem Vorlesungsplan der heimischen Universität entspricht. In andern Ländern wird dies, wie ich durch Gespräche mit Studenten erfahren habe etwas lockere gehandhabt. In Frankreich muss man bspw. nur Vorlesungen aus dem eigenen Fachbereich wählen, diese müssen dann nicht zu 100% den Vorlesungen der heimischen Uni entsprechen. Wegen meines Erasmus Semester muss ich so ein Semester länger studieren. Ich denke dies kann für viele Studenten ein Hindernis sein den Schritt ins Ausland zu wagen. Meiner Meinung nach sollte dies mehr geachtet werden und die Anerkennung von Prüfungen gelockert werden. Für mich war es dennoch Wert ein Semester länger zu studieren und die Erfahrung Erasmus Semester zu erleben. Ich kann nur jedem Studenten empfehlen es mir gleich zu tun. Es lohnt sich!
Eindrücke