Interkultureller Familientreff Kurzbeschreibung: Jeden Dienstag Vormittag trafen sich einige (isolierte) Mütter des FAMILIENemPOWERments, die aus unterschiedlichen Kultur- und Bildungskreisen stammen, gemeinsam mit ihren Kleinkindern zum Familientreff im Zentrum der Stadt Dornbirn. Bei allen Treffen wurde eine Kinderbetreuung angeboten, damit sich die Mütter auf eine exklusive Zeit mit anderen Frauen einlassen konnten, die sie sonst im Alltag kaum vorfinden. Projektbeschreibung: 1) Was war Ihre Motivation das Projekt/die Initiative zu starten? Im Rahmen des FAMILIENemPOWERments organisieren wir Nachbarschaftshilfe für Familien, die sich einen Kontakt zu einer anderen Familie bzw. eine kleine Entlastung im Alltag wünschen. Erfreulicherweise haben wir Familien und Ehrenamtliche aus rund 40 verschiedenen Ländern in unserem Programm. Diese erzählen uns täglich, dass es schwierig ist, in Vorarlberg Fuß zu fassen und v. a. Kontakte zu knüpfen. Sie bleiben daher oft alleine, obwohl in ihnen so viele Potentiale stecken, die sie gerne mit anderen Menschen teilen würden. Deshalb initiierten wir gemeinsam mit einigen Müttern des FAMILIENemPOWERments dieses Projekt und wählten als Symbol des Familientreffs ein Puzzleteil: Jede Frau ist wichtig und bringt unterschiedlichste Talente mit. Wir boten den Rahmen des Puzzles, die Inhalte gestalteten vorwiegend die Frauen.
2) Welche Ziele im Wissens-, Bildungs- und Erfahrungsaustausch verfolgen Sie? Isolierte Mütter locken wir aus ihren Wohnungen mit einem attraktiven Angebot, bei dem sie selber gefragt sind. Die Frauen lernen sich kennen, lernen voneinander und vernetzen sich. Diese Mütter entwickeln Interesse und Verständnis für unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten (z.b. bezüglich Sprache, Erziehung, Freizeit). Schließlich können nur durch interkulturelle Begegnungen auch interkulturelle Beziehungen wachsen. 3) Welche Wirkungen hatte es/sollte es haben? Die Mütter lernten durch den Familientreff ihre Fähigkeiten und Talente (neu) entdecken. Der Spaß in der Gruppe, die Freude am eigenen Können, das Schaffen von Zugängen zu bestehenden Kultur- und Freizeitangeboten sowie das Ermöglichen von breiter Bildung standen dabei im Vordergrund und stärkten die Mütter in ihrem stressigen Familienalltag. Sich als Fachperson zurücknehmen und den Frauen freien Gestaltungsraum und Möglichkeiten für Eigeninitiativen zu geben, war das Geheimrezept beim Leiten dieser Gruppe. Dadurch fühlten sich die Frauen wichtig und ernst genommen, entwickelten ein Zusammengehörigkeitsgefühl, Solidarität und wurden in ihrem Selbstwert gestärkt. Aktivitäten des Interkulturellen Familientreffs Das Programm der Treffen war so vielfältig wie die Frauen selbst: Nach einer ersten Kick-Off-Veranstaltung zum gegenseitigen Kennenlernen besichtigten wir auf Wunsch der Frauen das Kinderdorf Kronhalde. Daraufhin entstand ein wunderbares Projekt im Projekt :
Eine Frau aus Russland hat nach dieser Exkursion sogleich ihren russischen Kulturverein aktiviert: Sie veranstalteten zugunsten des Kinderdorfs, gemeinsam mit den Frauen des Familientreffs, einen Weihnachtsmarkt und haben sich mehrere Male zum Backen und Basteln von Selbstgemachtem, das zum Verkauf angeboten wurde, getroffen. Inhalte nachfolgender Treffen waren zum Beispiel: Spiele aus aller Welt, internationale Volkstänze, gemeinsames Kochen und Essen, Feste und Traditionen in unterschiedlichen Kulturen, Kennenlernen des Alltags einer Frau mit Sehbehinderung. Je nach Bedarf organisierten wir auch Veranstaltungen zum Thema Grenzen setzen in der Erziehung, Mobbing in der Schule oder Erste Hilfe bei Kindern. Neben den Themenvormittagen besuchten wir einige Einrichtungen, über welche die Frauen mehr erfahren wollten: Stadtbücherei, Spielothek, freies Radio Proton etc. Auch die bestehenden Dornbirner Freizeit- und Kulturangebote wie Eislaufen, Rodeln, Spielplätze, Theater und Museen nutzten wir und schafften dadurch einen niederschwelligen Zugang für Mütter und Kinder. Die Frauen wurden immer in die Organisation eingebunden, was der Schlüssel für ihre Anwesenheit und ihr Interesse war. Wenn für die Weiterführung des Familientreffs genügend Geldmittel zur Verfügung stehen, hoffen wir auf eine Fortsetzung dieses Projekts im Herbst 2013. Schließlich stehen noch viele Wünsche der Frauen auf dem Aktionsplan! 4) Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Ihrem Projekt? Beispielgebend für viele besondere Begebenheiten sei an dieser Stelle eine Geschichte, die wir im Rahmen des Familientreffs erleben durften, erwähnt: "Ich muss 42 Jahre alt werden, um Eislaufen zu lernen. Den Familientreff mag ich, da ich Dinge mache, die ich alleine nie tun würde!" Songül stand gemeinsam mit 6 anderen Frauen das erste Mal auf Schlittschuhen. Anfänglich wollte sie gar keine Schuhe ausleihen und traute sich nur sehr zögerlich auf das glatte Eis - mit ein wenig
Hilfe ging's dann doch. Nach einer Stunde wollte sie alleine fahren. Sogar die Pause ließ Songül aus und übte eifrig weiter. Zum Schluss führte sie uns freudestrahlend eine Drehung vor und war mächtig stolz auf ihre großen Fortschritte. Songül hatte sich aus eigener Kraft, gepaart mit einer ordentlichen Portion Mut und Willensstärke selber das schönste Geschenk gemacht. Das ist Empowerment und genau das ist das Besondere dieses Projekts: Die Mütter sind die ExpertInnen und nicht wir als Fachpersonen! FACTBOX: Interkultureller Familientreff, Oktober 2012 bis Mai 2013: 88 Mütter und 36 Kinder (0 3 Jahre) haben den Familientreff besucht.
Fotos:
Vorarlberger Kinderdorf, Familienempowerment Sandra Wohlgenannt Marktplatz 3 6850 Dornbirn s.wohlgenannt@voki.at