Agression und Selbstkontrolle -Ausarbeitung- Seminarsitzung von Viola Gissibl und Jana Kurzrock 08-Januar-2013
Seminar: Thema: Seminarleiterin: Sitzungsleitung: Referent: Allgemeine Psychologie II Selbstkontrolle Dr. Lisa Schubert Viola Gissibl und Jana Kurzrock Bernd Mergler Ausarbeitung zur Seminarsitzung zum Thema Aggression und Selbstkontrolle von Viola Gissibl und Jana Kurzrock 08.Januar 2013 Zur Methode unserer Stundengestaltung: Unsere Lehrveranstaltung sollte sich Rahmen eines Gastvortrags durch einen Experten zu diesem Thema gestalten. Wir konnten den Anti-Gewalt-Trainer Bernd Mergler hierzu ausfindig machen und für einen Gastvortrag über seine Arbeit in der ambulanten Jugend- und Straffälligen-Hilfe gewinnen. Herr Mergler arbeitet bei der Aktionsgemeinschaft Sozialisation Würzburg und hat dort die pädagogische Leitung inne. Zur Vorbereitung haben wir einige Male mit Herrn Mergler telefonisch Ablauf und Inhalt besprochen, wobei er schon einen sehr genauen Plan hatte, da er seiner Auskunft nach schon öfter Vorträge dieser Art gehalten hat. Zum Inhalt des Gastvortrags: Herr Mergler begann mit einer Einleitung über die AGS. Sein Team besteht momentan aus zehn Personen. Die Einrichtung ist vor allem auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet, außerdem handelt es sich dabei fast ausschließlich um männliche Gewalttäter. Bei der AGS wird vor allem ambulant gehandelt, allerdings gibt es auch zwei stationäre Notfallzimmer, in denen Jugendliche vorüber gehend in Notfallsituationen übernachten können. Herr Mergler selbst ist Diplom- Pädagoge und hat sich in der seiner Arbeit auf Anti-Gewalttrainings, Einzelbetreuung und erlebnispädagogische Ansätze spezialisiert. Zu seiner Zielgruppe gehören hauptsächlich gewalttätige Kinder und Jugendliche, die wiederholt auffällig geworden sind. Bei einer Sitzung wird mit einem Einstiegsinterview begonnen. Dazu zeigte er den Seminarteilnehmern einige Fallbeispiele aus seinen Interviewbögen. Bei diesen liegt der Schwerpunkt vor allem darin, die schlimmste Gewalttat und Gründe wiederzugeben. Auch das eigene Selbstbild, die wahrgenommene Kontrollfähigkeit und mögliche Gewaltfantasien werden hinterfragt. Bei diesen Fragen kommt es häufig zur sogenannten Rechtsfertigungsstrategie, bei
der Gründe und Ursachen für das Verhalten von den Tätern gesucht werden. Ein Beispiel wäre das Verteidigen der Ehre der Mutter bei der Beleidigung Hurensohn. Bei anderen Sitzungen wird eher darauf eingegangen, welche Rolle Gewalt im Leben der männlichen Kinder und Jugendlichen spielt. Dies wird erreicht, in dem man nach sonstigen Erfahrungen und Leistungen frägt, die Stolz hervorrufen- ausgenommen Gewalttaten. Dann wird sich der Täter oft bewusst, welch großen Teil die Gewalt einnimmt. Mergler beschreibt Gewalt ähnlich zu einer Sucht: durch die Tat wird ein positives Gefühl hervorgehoben, die Jugendlichen bekommen das Gefühl, dass jemand stolz auf sie ist und dies führt dann zu einer Sucht, dieses Gefühl wieder zu erleben. Nimmt man nun Gewalt komplett aus ihrem Leben, entsteht die Gefahr in eine Depression zu fallen, da es keinen Ersatz gibt. Deshalb ist es umso wichtiger für die Wiederholungstäter ein Ziel vor Augen zu haben. Erst wenn sie wissen, dass es sich lohnt für etwas, ein besserer Mensch ohne Gewalt zu werden, erst dann wirken auch die verhaltenstherapeutischen Maßnahmen richtig. Dabei kann es unterschiedlich sein, was das Ziel eines Jugendlichen ist: Sport, Musik, die Freundin oder ein guter Freund- dies gilt es in den Sitzungen herauszuarbeiten. Nun folgte ein teilweise interaktiver Teil. Ein Kommilitone unseres Kurses wurde gebeten mit Herrn Mergler ein Erstgespräch zwischen Betreuer (Mergler) und Gewalttäter (Steffen) nachzustellen bzw. sich in dieses Szenario mit ihm hinein zu versetzen. Das Szenario: Steffen hat eine ausgeprägte Gewaltkarriere bereits hinter sich und ist auf Bewährung verurteilt, soll aber ein Anti-Aggressions-Training absolvieren. Die einzige Motivation dieses auch wirklich zu tun ist die Angst davor, ins Gefängnis zu müssen. Nun sitzt er seinem Anti-Gewalt-Coach zum ersten Mal gegenüber: Warum schlägerst du dich? Was sind Auslöser? Wenn mich jemand beleidigt. Z.B. Hurensohn sagt. Du verteidigst also die Ehre deiner Mutter? Ja. Ist sie stolz auf dich, wenn du so ihre Ehre verteidigst? Davon erzähle ich ihr nichts. Sie würde das nicht gut finden, wenn ich mich schlage. Also ist dir die Ehre deiner Mutter im Grunde egal, wenn du dich schlägerst. Usw. Erreicht werden soll, dass die Jugendlichen/Erwachsenen den wahren Grund für ihre Gewalttaten erkennen, einsehen und artikulieren können. Man versucht hier einen Paradigmenwechsel von Gewalt bedeutet Stärke und ist wertvoll zu Gewalt bedeutet Schwäche und ist wertlos zu erarbeiten und zu verankern.
Der erste Einstieg ist nicht Verständnis für die Jugendlichen sondern Konfrontation, sowie ein Beziehungsangebot. Besonders häufig betont wurde die Tatsache, dass Menschen sich erst dann ändern, wenn sie von sich aus etwas wirklich wollen. Ein Training mit Gewalttätern dauert 6 Monate. Hierzu muss eine intrinsische Motivation allerdings schon vorhanden sein, um effektiv arbeiten zu können. In den ersten 3 Monaten wird wöchentlich ein Einzelgespräch geführt. Dieses findet unter anderem mit Eltern, Lehrern, Partnerin oder auch mit dem Gewalttäter selbst und seinen Peers statt. In der zweiten Hälfte finden Gruppengespräche statt, an denen die Gewalttäter, sowie Gleichgesinnte teilnehmen. Zur Gruppenentwicklung werden Aktivitäten, wie Klettern oder Mountainbiking vorgenommen, bei denen die Gruppe zusammen Problemlösungen finden muss. Bei den Gruppenwochenenden geht es vor allem um die Zusammenarbeit, sei es beim Dienstplan, beim Essensplan oder bei sonstigen Organisationen. Betont wird dabei das erlebnispädagogische Arbeiten: das heißt, die Kinder und Jugendlichen werden ernst genommen, müssen für ihre Fehler geradestehen und lernen so Verantwortung zu tragen. Bei solchen Wochenenden gibt es allerdings strikte Regeln: keine Gewalt oder Gewaltandrohung, der Vertrag muss akzeptiert werden, was meistens kein Problem ist, da das Gericht im Hintergrund steht und es darf zu keiner Demütigung kommen. Eine weitere Möglichkeit bei Therapiesitzungen ist den Täter in die Rolle des Opfers zu versetzen. Zuerst soll der Täter von der Tat aus seiner Sichtweise erzählen, anschließend aus der Sicht des Opfers. Dann wird oftmals die Szene noch nachgespielt, der Täter liegt beispielsweise also am Boden und es wird ihm ein Schuh vor das Gesicht gehalten, um in die Lage des Opfers zu versetzen. Erst dann kommen oft die Ursachen für solche Taten zum Vorschein: traumatische Behandlungen in Kindheit durch Eltern oder ähnliche traumatisierende Erlebnisse. Zum Schluss hat der gesamte Kurs noch eine Übung zur systematischen Desensibilisierung gemacht, welche die Kontrolle über das Selbst trainieren soll, während man durch einen Gang von Leuten läuft, die einen beschimpfen und provozieren. Reflexion: Im Allgemeinen sind wir durchaus zufrieden mit der Seminarsitzung Aggression und Selbstkontrolle. Wichtig war uns vor allem, den Seminarteilnehmern einen Einblick in die Praxis zu vermitteln und eine Abwechslung zu den letzten Vorträgen bieten.
Wir brachten uns vor allem am Anfang bei einer kurzen Einleitung und zum Schluss bei Übergabe eines Präsents und zur Verabschiedung ein. Ursprünglich hatten wir gehofft, während der Sitzung eine Diskussion zu führen, die wir gerne moderiert hätten. Auch bei der eigentlichen Planung hatten wir uns ein wenig mehr Strukturierung und Eingehen auf Selbstkontrolle von Herrn Mergler gewünscht, so wie er uns eigentlich auch am Telefon zugesagt hatte. Zukünftig wäre wohl zu empfehlen, vor der geplanten Sitzung ein Treffen mit dem Referenten zu arrangieren und solche Punkte genauer zu klären. Auch könnte man dementsprechend auf Schwerpunkte eingehen und so beispielsweise auch ein strukturiertes Interview durchführen. Ansonsten sind würden wir in Zukunft solche Vorträge auch durchaus wieder miteinplanen, wenn sich die Möglichkeit bieten sollte, da ein solcher Experte oft Einblicke in die Realität und die Anwendung mitbringen kann.