Arbeitszeitgestaltung
Arbeitszeitgestaltung Historisch eng mit Arbeitszeitschutz verbunden z.b. Forderung der 40 Stunden Woche (z.t. heute noch nicht erfüllt) B= f (I,T) d.h. Beanspruchung ist eine Funktion von Intensität und Dauer der Belastung Devise: Prävention statt Kompensation
Arbeitszeitgestaltung umfaßt grob drei Bereiche: Dauer (Arbeitszeiten) Verlauf (z.b. Verteilung von Arbeits- und Ruhezeiten) Lage (z.b. Schichtarbeit)
Dauer der Arbeitszeit lange gewerkschaftliche Forderung: 8 Stunden Arbeit 8 Stunden Erholung 8 Stunden Schlaf
Dauer der Arbeitszeit Arbeitszeitelemente: 1. Arbeitszeit 2. Ruhepausen 3. Zeiten für Umziehen, Waschen etc. 4. Wegezeiten Summe 1-4 = sozial wirksame Arbeitszeit Freie Zeiten: 1. echte Freizeit 2. Zeit zur Erledigung persönlicher Bedürfnisse Schlafzeit
d.h. Ergonomie endet nicht am Fabriktor!! (enge Verknüpfung der drei Bereiche)
Probleme und Felder der Arbeitsdauer: Arbeitszeit und Produktivität sind nicht linear verknüpft (vgl.handzeitbestimmtvs.maschinenzeitbestimmt); z.b. nach Dauer berechneter subjektiver Kräfteeinsatz und damit verbundene Motivationsprobleme bei Überstunden (Transparenz)
Probleme und Felder der Arbeitsdauer: Flexibilisierung positiv: Entscheidungsspielräume negativ: Massierung um Freizeit zu gewinnen (provoziert höheren Zeitbedarf zur Kompensation) vgl. MAK-Werte
Probleme und Felder der Arbeitsdauer: Lebensalter Arbeitsdauer anpassen an altersabhängige Unterschiede der Dauerleistungsgrenze Massierungen vermeiden
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Pausen sollen die durch Ermüdung aufgetretenen Symptome reversibler Funktionsänderungen beseitigen bzw. ihnen vorbeugen (Prinzip der Erholungals Antagonist der Ermüdung) sie gehören zur arbeitsgebundenen Freizeit
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Prinzip der Pausenwirkung: vorbeugen statt kompensieren durch Arbeit werden bestimmte Funktionen (z.b. Pulsfrequenz) gegenüber der Ruheleage ausgelenkt der Grad der Auslenkung hängt von Schwere (subjekt.) und Dauer der Arbeit ab (multiplikativ verknüpft in exponentieller Abhängigkeit) Gleichung
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Prinzip der Pausenwirkung: Die Rückkehr zum Ruhe- oder Ausgangswert beschreibt die Form geometrisch degressiver Funktionen
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Prinzip der Pausenwirkung: sinnvoll sind viele kurze Pausen (vgl. Ausgangslage) Prävention statt Kompensation
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Prinzip der Pausenwirkung: Prinzip gilt auch für mentale Beanspruchungen
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Argumente für Pausen: Lohnende Pausen (Graf 1922): setzen kurz nach Arbeitsbeginn ein, sind selbst dabei relativ kurz und werden im Verlauf der Arbeitszeit länger absehbare Pausen haben verhaltensregulierende Aspekte (Motivation)
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen weitere Pausenformen Gesetzliche Pausen(vgl. AZO/AZG): dienen Nahrungsaufnahme (zumeist nicht als Erholungspausen anzusehen da zu spät und zu lange) Wartezeiten: Problem des Kontrollverlustes damit kein Erholungswert
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen weitere Pausenformen frei gewählte Pausen (oft kaschierte Pausen geringen Erholungswertes) Bandpausen (z.b. organisierte Kurzpausen von 5 min/stunde), erscheinen eher als Notlösung Kurzpausen: unter 15 min (geltendes Recht)
ideal wäre: eine Unterweisung der Betroffenen im Umgang mit Pausen und Ihnen eigenverantwortlich deren sinnvolle Gestaltung zu überlassen, soweit die Arbeitsorganisation dies zuläßt
Verteilung der Arbeitszeit: Pausen Ermittlung des Pausenbedarfs Praxis: überwiegend Schätzungen exaktere Methoden: Gleichungen von Rohmert zu Halte- und dynamischer Arbeit, sowie Schmidtke zu psychisch beanspruchenden Tätigkeiten
Lage der Arbeitszeit Beanspruchungen sind nicht unabhängig von der Tageszeit z.b. herrschen unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen und unterschiedliche Möglichkeiten der Erholung bzw. Nutzung der Freizeit mit Gestaltung der Lage greift man in ein vernetztes System von Arbeitszeit, Reproduktionszeit und Freizeit ein
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit Sind alle Arbeitszeitformen die von der Normalarbeit (8 Stunden zwischen 6 und 19 Uhr an 5 Werktagen) abweichen d.h. konstant zu ungewöhnlichen Zeiten oder Wechselschichtsyteme Pole: Normalarbeitszeit vs. Konti-Arbeit
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Klassifikationsmerkmale Zahl der Schichten Rotationsrichtung (vorwärts vs. rückwärts) Rotationsgeschwindig keit (kurz vs. lang)
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: weitere Merkmale Immer eine Belegschaft mehr als Schichten erforderlich sind Dauer des Schichtzyklus sollte i.d.r. identisch (oder ein vielfaches) der Zahl der Schichtbelegschaften sein nach Schätzung arbeiten in den Industrienationen ca. 20-25 % der abhängig Erwerbstätigen in Schichtarbeit
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Grundproblem Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens (von Arbeit, Schlaf und Freizeit)
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens Viele Funktionen des Körpers zeigen eine Abhängigkeit von der Tageszeit bzgl. max. min. (Cirkadianperiodik) hierbei verläuft die Rhythmik verschiedener Funktionen in Form vermaschter Regelkreise zeitliche Abläufe biologischer Periodizitäten werden durch periodische Vorgänge der Umwelt beeinflußt (nicht verursacht), sog. Zeitgeber ( bei Tieren oft Hell/Dunkel-Wechsel; bei Menschen eher Zeitbewußtsein und Verhalten der sozialen Umwelt)
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens Der normale Rhythmus (vgl. Zeitgeber) scheint Tag=Arbeit und Nacht=Ruhe zu sein, diesen zu unterminieren kann zu Problemen führen dennoch sind Ergebnisse aus Studien zur Häufung von Unfällen zu bestimmten Zeiten nicht eindeutig (kann u.a. an der mangelnden Vergleichbarkeit der Bedingungen in den Schichten liegen oder ein Selektionseffekt sein)
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens In Laboruntersuchungen sind die Ergebnisse eindeutiger (deutliche Tagesschwankungen und Leistungstiefs in der Nacht) Vigilanzforschung (Nachreiner): Leistung nachts schlechter, stärkere Ausprägung des Vigilanzdekrements (schnelles absinken der Leistung) Folgerung: circadianperiodische Effekte sind beilängerdauernden zeit- und gütekritischen Anforderungen in Interaktion mit der Arbeitsdauer wirksam Folgerung: nachts andere Pausenregelungen notwendig
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens Soziale Desynchronisation: meint das ausgeschlossen sein von sozialen Tätigkeit aufgrund mangelnder Deckung des Zeitraumes eigener Freizeit mit den normalen Zeiten sozialer Institutionen (Vereinen, Familie etc.) aus der Deckung beider Zeitsysteme ergibt sich die Nutzbarkeit der Freizeit
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens Folgen: Schlafstörungen (Dauer und Qualität) z.b. durch Kinder- und Verkehrslärm Appetit und Verdauungsstörungen, Magen- Darmerkrankungen allgemein: dominant rhythmisch gesteuerte Körperfunktionen sind eher betroffen weitere Symptome: Reizbarkeit, Nervosität etc.
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Desynchronisation der Zeitstrukturen des Verhaltens Folgen: Psychosoziale Beeinträchtigungen ergeben sich auch schon bei Zweischichtarbeit (vgl. als weitere Folge Selbstwertprobleme aus negativer Bewertung auch der eigenen Schichtarbeit, sowie Nachteile für die Entwicklung/Rollen derfamilienmitglieder) Störeffekt: healthy shiftworker effect (selection bias) d.h. Schichtarbeiter äußern weniger gesundheitliche Beschwerden
Belastungs-Beanspruchungsmodell für Schichtarbeit
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Empfehlungen Desynchronisation minimieren d.h. nicht zu viele gleiche Schichten hintereinander (nicht mehr als drei Nachtschichten) ausreichend freie Zeit zwischen zwei Schichten Rückwärtswechsel mit kurzen Wechseln vermeiden ein Wechsel von Nacht auf Frühschicht sollte zwei freie Tage dazwischen enthalten frühe Anfangszeiten der Frühschicht vermeiden (Anfahrtszeiten etc. berücksichtigen
Lage der Arbeitszeit Schichtarbeit: Empfehlungen die Schichtdauer sollte von der Arbeitsschwere abhängen (Grenzwert AZO= 10 Stunden) Nachtschichten sollten auf 7 Stunden gekürzt sein möglichst viele frei Tage an den Wochenenden (Block) keine finanziellen Kompensationen Freizeit sollte planbar sein Massierungen vermeiden (auch nicht um größere Freizeitblöcke zu erreichen)
Schichtplanbeispiel
Schichtplanbeispiel
Schichtplanbeispiel
Eignung (Empfehlungen) nicht jünger als 25, nicht älter als 50 keine Neigung zu Magen- Darmerkrankungen keine Diabetiker/Epileptiker möglichst nicht sich selbst oder andere versorgend ausreichende Wohnverhältnisse und ruhige Schlafgelegenheit
Wichtig: erholsame gut genutzte echte Freizeit, deshalb: