Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen mit Landwirtschaftsschule Fachzentrum Rinderhaltung Pfarrkirchen Trendreport 1. Schnitt 2016 Aufwuchsmonitoring Ndby. 11.04. 2016 Erster Schnitttermin im Rottal, Aufwuchsproben 11.04. 2016 www.aelf-pk.bayern.de Seite 1 von 10
Inhaltsverzeichnis 1. Trendreport erster Schnitt 2016 Wiesen schon weit!... 3 2. Frühe erste Schnitte silieren oft nicht gut Warum?... 7 3. Was gilt s beim Silieren zu beachten? - Einige Silierhinweise... 7 4. Beim Einsilieren ans Verfüttern denken!... 8 5. Wildrettung = Futterhygiene... 9 Seite 2 von 10
1. Trendreport erster Schnitt 2016 Wiesen schon weit! Das Aufwuchsmonitoring 2016 hat am Montag, 11. April 2016, begonnen. Neben dem bereits seit mehreren Jahren beprobten Standort im Rottal wurde zusätzlich ein 2. Standort im Landkreis Straubing aufgenommen. Bild 1: Aufwuchshöhen am 11.04. 2016 Im PAN (links) bereits gut 30 cm in SR (rechts) 20 25 cm! Es wurden sowohl im Rottal als auch in Straubing bereits rund 21 dt TM / ha ermittelt! Abbildung 1: Ertragsverlauf Aufwuchsmonitoring im Rottal Seite 3 von 10
Die Bestände waren bereits etwas weiter massenmäßig als im Vorjahr! Eigentlich könnte man sagen, man hätte bereits früher mit dem Beproben anfangen müssen. Aber auch am Standort Straubing wurden bereits ähnlich hohe Werte erreicht (hier liegen aber noch keine Vergleichswerte der Vorjahre vor). In Frischmasse ausgedrückt standen im Rottal gut 140 dt und im Straubinger Bereich knapp 130 dt Frischmasse / ha. Wagt man eine Vorhersage auf Basis der Zuwachsraten der letzten Jahre, würden im Rottal am 24.04. 2016 ca. 40 dt TM / ha erreicht werden und somit wäre der Bestand ertragsmäßig nächste Woche zum Silieren! Inhaltsstoffe im Aufwuchs am Standort im Lkr. Straubing: Tabelle 1: die wichtigsten Inhaltsstoffe am Straubinger Standort Inhaltsstoffe in g / kg TM Datum MJ NEL g XP g nxp g XF g ADF g Zucker 11.04. 16 6,85 266 164 184 242 46 Der Eiweißgehalt ist mit knapp 27 % sehr hoch! Die Ergebnisse der Nitratuntersuchung der Verdacht liegt ja oft sehr nahe, dass solch hohe Eiweißgehalte mit Nitrat verbunden sind sind aktuell noch nicht verfügbar. Der Energiegehalt ist mit 6,85 MJ NEL / kg TM sehr gut, aber man hätte sicher bei einer solch frühen Probe mit etwas mehr gerechnet. Anscheinend ist das Gras schon nicht mehr ganz so jung, der ADF Gehalt mit 242 g / kg TM würde schon etwas darauf hindeuten. Der Zuckergehalt ist mit 46 g eigentlich rel. niedrig! Zur Unterstützung eines guten Silierprozesses sollten mind. 80 g Zucker im Siliergut enthalten sein. Anscheinend hat das Wetter (v.a. Sonnenscheindauer aber auch die Nachttemperaturen) nicht ganz gepasst oder es kam kurz zuvor zu einem Wachstumsschub. Wie sieht es nun im Rottal aus? Abbildung 2: Verlauf der Energiegehalte im Aufwuchs am Standort Rottal Seite 4 von 10
Wie in Abbildung 2 zu sehen, ist die 2016 Probe im Vergleich zu den Vorjahren eigentlich die Schlechteste! Sonst wurde eigentlich immer die 7 geknackt! Vom Datum her wäre man ja auch nicht wirklich spät dran! Betrachtet man den ADF Gehalt als Maß für das Alter (Siehe Abbildung 3) muss man eigentlich zum Schluss kommen, dass der Aufwuchs anscheinend schon älter ist als in den Vorjahren um die Zeit! Abbildung 3: Verlauf der ADF-Gehalte im Aufwuchs am Standort Rottal Betrachtet man die Rohfaser ergibt sich ein ähnliches Bild (Abbildung 4). Abbildung 4: Verlauf der Rohfasergehalte im Aufwuchs am Standort Rottal Seite 5 von 10
Etwas erfreulicher sieht es dagegen beim Eiweiß aus (Abbildung 5). Hier starten wir wieder mit einem ähnlich hohen Wert wie 2015, mit knapp 250 g Eiweiß / kg TM. Abbildung 5: Verlauf der Rohproteingehalte im Aufwuchs am Standort Rottal Der Zuckergehalt ist mit gut 80 g / kg TM fast doppelt so hoch wie in Straubing. Abbildung 6: Verlauf des Zuckergehaltes im Aufwuchs am Standort Rottal Seite 6 von 10
Aber im Vergleich zu den Vorjahren doch deutlich geringer. Fazit: Vom Ertrag her sind die Bestände bereits rel. weit, eigentlich bereits weiter wie man oft dachte! Der leider meist etwas geringe Regenfall der letzten Tage könnte bei wüchsiger Witterung dazu führen, dass man bald mähen könnte oder besser sollte! Im Rottal-Inn könnte es auf den guten Standorten nächste Woche soweit sein. Die ersten haben sogar schon siliert! Vom Energiegehalt her muss man diese leider auch unterstreichen. Hier fehlen zu den letztjährigen Anfangswerten doch einige Zentel! ADF Werte von 230 g / kg TM weißen auch schon auf etwas ältere Bestände hin. Entscheidend ist, dass Sie IHRE Bestände kontrollieren und eine passende Witterung frühzeitig nutzen! Richten Sie Ihre Silo s und Maschinen schon mal her, es könnte schnell gehen! 2. Frühe erste Schnitte silieren oft nicht gut Warum? Wie unter Punkt 1 bereits beschrieben könnte bzw. wird der erste Schnitt 2016 schon bald vor der Tür stehen. Erste Bestände wurden bereits siliert! Immer wieder mal wird von solchen sehr frühen 1. Schnitten berichtet, dass der Siliererfolg zu wünschen übrig lässt. Sprich, es wird von höheren Buttersäuregehalten (Geruch) u.ä. berichtet. Was ist die Ursache hierfür? Hierzu kurz das Grundprinzip der Silierung: Beim Silieren wird Zucker (welcher in den Futterpflanzen ist) unter Luftabschluss von Milchsäurebakterien zu Milchsäure umgebaut. Durch diese Milchsäure wird der ph Wert im Siliergut abgesenkt und damit werden Gärschädlinge (z.b. Buttersäurebakterien) ausgeschaltet. Aber bei sehr frühen ersten Schnitten kann es dazu kommen, dass der natürliche Milchsäurebakterienbesatz auf den Futterpflanzen sehr gering bzw. zu gering ist um eine ausreichende und schnelle ph-absenkung zu gewährleisten. So kann u.u. aus bestem Futter (jung, nährstoffreich) eine mäßige bis schlechte Silage werden! Dies meist trotz sauberer Ernte und eigentlich ausreichend angewelktem Futter. Was kann man dagegen machen? Neben der Einhaltung der allg. üblichen Silierregeln, kann dieser Mangel durch den Einsatz von Siliermitteln, in diesem Fall Milchsäurebakterien (DLG Wirkrichtung 1) ausgeglichen werden. Aber Achtung: Bei Problemen mit Nacherwärmung kann der Einsatz dieser Mittel diese Problematik verschärfen! Es ist auf beste Verdichtung, ausreichend langer Gärdauer und hohen Vorschub zu achten. Wann auf den Futterpflanzen ein ausreichend hoher Bakterienbesatz vorherrscht, kann man leider nicht vorhersagen! Dieser kann sich u.u. von einem Tag zum anderen soweit entwickeln, dass es reicht. Die aktuelle DLG Siliermittelliste finden Sie im Anhang. 3. Was gilt s beim Silieren zu beachten? - Einige Silierhinweise Ein frühzeitiger Schnitt ist eine Grundvorraussetzung um nährstoffreiche Silagen zu erhalten. Daneben darf aber die Gärqualität neben dem Futterwert, sprich Energiegehalt, Eiweißgehalt als zweiten Punkt der Silagequalität nicht vergessen werden. Darunter versteht man den Gehalt an Gärsäuren, ph-wert, Alkohol und den Ammoniakgehalt. Diese beeinflussen maßgeblich die Futteraufnahme (Zielwerte sind in Tabelle 2 zu sehen). Bei der Buttersäure als die Gärsäure, die unbedingt vermieden werden sollte, gilt die Faustzahl: Seite 7 von 10
1 g Buttersäure reduziert die Futteraufnahme um 0,4 kg TM / Kuh und Tag Tabelle 2: Gärqualität Zielwerte Parameter Milchsäure Essigsäure Buttersäure Zielwert Soviel wie möglich, > 50 g kg TM Max. 20 30 g kg / TM Max. 3 g / kg TM ph Wert (abh. vom TM Gehalt): 20. 45 % TM 4,0. 5,0 DLG Punktzahl Ammoniak N Mind. 90 (= Gärqualität 1 = sehr gut) Max. 8 % vom Gesamt N Eine saubere, schmutzarme Ernte von angewelkter Silage (Ziel ca. 35 40 % TM) ist der nächste Schritt für eine erfolgreiche Silage. Der Einsatz von geeigneten Siliermitteln kann die Silierung unterstützen. Zur Verbesserung des Silierverlaufs sind Mittel der DLG Wirkrichtung 1 zu verwenden. Beachtet werden sollte aber, dass diese die Gefahr einer etwaigen Nacherwärmung erhöhen! Ein zügiges Einsilieren ist anzustreben, aber auf eine ausreichende hohe Verdichtung muss geachtet werden! Nur so kann das Nachsickern von Sauerstoff bei der Entnahme verhindert werden. Um dies zu erreichen sind folgende Punkte zu beachten: 1 Walzfahrzeug max. 15 20 t TM Ernte / Stunde Walzgewicht = Bergeleistung in t je Stunde / 3 4 Silage in dünnen Schichten einbringen (max. 30 cm) Langsam fahren max. 3(4) km/h, bei mind. 3 Überfahrten 2 bis 3 min Verdichtungsaufwand / t Erntegut, Hohen Reifendruck ( 2 bar), keine Zwillingsreifen Häcksellänge: < 40 mm Gras, 4 7 mm Mais Daneben ist auf einen Mindestvorschub von 2 m / Woche im Sommer zu achten! Dies ist bei der einsilierten Silohöhe unbedingt zu beachten! Nach dem Einfahren ist die Silage sofort luftdicht abzudecken! Erst unter Luftabschluss kommt es zum eigentlichen Silierprozess, wo die Milchsäurebakterien Zucker in Milchsäure umwandeln und so den ph-wert senken. Als nächstes muss die Silage dann ausreichend lange verschlossen bleiben (Gärdauer). Es werden mind. 6 Wochen gefordert, je länger desto besser. Bei der Entnahme ist darauf zu achten, dass der Silostock nicht bzw. kaum aufgelockert wird! 4. Beim Einsilieren ans Verfüttern denken! In den reinen Grünlandbetrieben gang und gäbe, es werden mehrere Schnitte übereinander im Silo siliert, um zum einen über einen längeren Zeitraum konstante Futterqualitäten zu haben und um Probleme in den einzelnen Schnitte auszugleichen: z.b. hohe Zuckergehalte in einem Schnitt oder ein älter gewordener 1. Schnitt Dies sollte auch in Betrieben mit Silomais durchaus überdacht werden! Gerade letztes Jahr kam es leider öfter vor, dass der 1. Schnitt zu alt wurde und alleine im Silo war. Wenn dieses Grassilo dann an die Kuh verfüttert wird, führt dies oft zu Milchleistungseinbußen. Oder aber Seite 8 von 10
im ersten Schnitt kommt es zu extrem hohen Zuckergehalten, was zu Durchfällen führen kann! In solchen Situationen wäre es immer gut, wenn man das Grassilo verschneiden könnte! Aber ein 2. Grassilo aufmachen? Was hat man dann noch für einen Vorschub? Wenn man mit solchen Situationen rechnen kann oder muss, sollte so siliert werden, dass ein weiterer Grassiloschnitt drübersiliert werden kann. Unabhängig von solchen Problemen wie zuviel Zucker oder zu alten Silagen, hätten solche Mischsilagen den Vorteil, dass über einen längeren Zeitraum gleiche Rationen gefüttert werden könnten, was sich sehr positiv auf die Pansengesundheit auswirkt und vielleicht sogar zu höheren Milchleistungen führen kann. Weil jeder weiß Futterumstellungen sind immer ein Problem für Wiederkäuer! Einziger Nachteil, Sandwichsilo heißt natürlich mehr Abdeckarbeit, was sicher jedem gefällt 5. Wildrettung = Futterhygiene Zu einer sauberen Erzeugung von hochwertigen Grassilagen gehört auch das Thema Wildrettung dazu. Aktuell dürfte es sicher noch kein Problem sein, da noch keine Kitze gesetzt sein dürften und so sicher sind. Aber man sollte trotz allem am Besten mit dem zuständigen Jäger reden, um etwaige ermähte Tiere zu verhindern. Sollte beim 1. Schnitt noch kein Kitz drinnen sein, dann ist aber meist im 2. Schnitt damit zu rechnen, ganz wird man der Problematik selten auskommen! Tote Wildtiere sind nicht nur keine schöne Sache, sondern sie stellen auch ein gewisses Imageproblem für die Landwirtschaft dar. Jeder kann sich vorstellen, wie Spaziergänger, die tote oder angemähte noch lebende Kitze finden reagieren! Dies sind unsere Verbraucher! Daneben muss aber auch immer die Futterhygiene im Hinterkopf behalten werden. Man rechnet mit gut 500.000 toten Wildtieren jedes Jahr. Ein totes Tier im Futter stellt immer eine Gefahr hinsichtlich Botulismus dar! Wie geht man aber dagegen vor? Bild 2: Wildvergrämung mittels Flattertüte Als erstes empfiehlt es sich immer mit dem örtlich zuständigen Jäger Kontakt aufzunehmen, damit dieser gefährdete Wiesen vor der Mahd z.b. abgeht und z.b. Knistertüten als Vergrämungsmittel aufstellt. Dies wäre ein erster Schritt. Der zweite wäre beim Mähen nicht wie üblich von außen nach innen sondern umgekehrt zu mähen (Siehe Abbildung 7). Seite 9 von 10
Abbildung 7: Zum Schutz der Tiere mähen von innen nach außen, (Quelle: Landesjägerschaft Niedersachsen) Diese Vorgehensweise ermöglicht den Tieren quasi die Flucht in letzter Minute. Über bereits gemähte Schwade flüchten sie leider nicht so gut. Mittlerweile wird auch immer öfter nach technischen Möglichkeiten der Wildrettung beim Mähen geforscht und ausprobiert. Es wird sich was tun in den nächsten Jahren. Nichts desto trotz, kommt es trotz alledem immer wieder vor, dass es ein Tier erwischt. Dann muss aber unbedingt der örtlich zuständige Jäger darüber informiert werden! Ihr Fachzentrum Rinderhaltung in Pfarrkirchen Angela Dunst, Johannes Mautner und Florian Scharf Impressum: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen Fachzentrum für Rinderhaltung Lärchenweg 12, 84347 Pfarrkirchen Tel.: 08561 3004-141 Fax.: 08561 3004-139 E-Mail: Angela.Dunst@aelf-pk.bayern.de Seite 10 von 10