Grundinformation Altes Testament



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UTB M (Medium-Format) 2745 Grundinformation Altes Testament Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments Bearbeitet von Jan Christian Gertz Unv. ND 4. durchges. Aufl. 2010 2013. Taschenbuch. 640 S. Paperback ISBN 978 3 8252 2745 6 Format (B x L): 15 x 21,5 cm Gewicht: 834 g Weitere Fachgebiete > Religion > Bibelwissenschaften > Altes Testament: Exegese, Geschichte Zu Inhaltsverzeichnis schnell und portofrei erhältlich bei Die Online-Fachbuchhandlung beck-shop.de ist spezialisiert auf Fachbücher, insbesondere Recht, Steuern und Wirtschaft. Im Sortiment finden Sie alle Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs, ebooks, etc.) aller Verlage. Ergänzt wird das Programm durch Services wie Neuerscheinungsdienst oder Zusammenstellungen von Büchern zu Sonderpreisen. Der Shop führt mehr als 8 Millionen Produkte.

UTB 2745 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Böhlau Verlag Köln Weimar Wien Verlag Barbara Budrich Opladen Farmington Hills facultas.wuv Wien Wilhelm Fink München A. Francke Verlag Tübingen und Basel Haupt Verlag Bern Stuttgart Wien Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung Bad Heilbrunn Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft Stuttgart Mohr Siebeck Tübingen C. F. Müller Verlag Heidelberg Orell Füssli Verlag Zürich Verlag Recht und Wirtschaft Frankfurt am Main Ernst Reinhardt Verlag München Basel Ferdinand Schöningh Paderborn München Wien Zürich Eugen Ulmer Verlag Stuttgart UVK Verlagsgesellschaft Konstanz Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich

Jan Christian Gertz (Hg.) Grundinformation Altes Testament Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments In Zusammenarbeit mit Angelika Berlejung, Konrad Schmid und Markus Witte 3., überarbeitete und erweiterte Auflage Vandenhoeck & Ruprecht

Mit 19 Abbildungen und zahlreichen Tabellen Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. 2009, 2006 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen / www.v-r.de ISBN 978-3-525-03613-6 Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu 52a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies gilt auch bei einer entsprechenden Nutzung für Lehr- und Unterrichtszwecke. Printed in Germany. Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart Satz: Satzspiegel, Nörten-Hardenberg Druck und Bindung: CPI Ebner & Spiegel, Ulm UTB Bestellnummer: ISBN 978-3-8252-2745-6

Inhalt Inhalt Inhalt Vorwort zur dritten Auflage............................ 17 Erster Hauptteil: Quellen und Methoden (Angelika Berlejung) 1 Quellen..................................... 21 1 Prolegomena................................. 21 2 Die Quellen und ihr Verhältnis zueinander................ 23 2.1 Die biblischen Quellen......................... 26 1 Der Text des Alten Testaments, Umfang und literarische Gestalt der Schriften....................... 26 2 Die Überlieferungen und Übersetzungen........... 27 3 Die Kanonisierung........................ 30 2.2 Die archäologischen Quellen aus Palästina.............. 35 2.3 Die außerbiblischen Textquellen aus Palästina und den Nachbarkulturen............................ 36 2.4 Die ikonographischen Quellen aus Palästina und den Nachbarkulturen............................ 38 2 Methoden.................................... 40 1 Exegetische Methoden............................ 40 1.1 Diachron orientierte Methoden: Die Arbeitsschritte der historisch-kritischen Methode..................... 41 1.2 Synchron orientierte Methoden: Canonical Approach, Strukturanalyse und new literary criticism............. 44 1.3 Anwendungsorientierte Methoden: Feministische, sozialgeschichtliche und befreiungstheologische Fragestellungen. 46 2 Methoden der Biblischen Archäologie/Archäologie Palästinas...... 47 3 Methoden der Arbeit der Hebräischen Epigraphik............ 53 4 Methoden der Biblischen Ikonographie/Ikonographie Palästinas.... 55

6 Inhalt Zweiter Hauptteil: Geschichte und Religionsgeschichte des antiken Israel (Angelika Berlejung) 3 Geschichte und Religionsgeschichte Israels : Grundlegungen.... 59 1 Voraussetzungen: Israel versus Kanaan, Jhwh versus Baal und der Alte Orient als Verstehenshorizont biblischer Schriften............ 59 2 Terminologische Grundlagen........................ 64 2.1 Die Begriffe Kanaan, Israel/Israelit, Juda/Judäer, Jehud, Judäa, Jude, Samaritaner und Palästina....................... 64 2.2 Geschichte, Geschichten, Geschichtsschreibung und Geschichtenerzählen.......................... 68 2.3 Die Begriffe Monotheismus, Polytheismus, Monolatrie, Henotheismus, Polyjahwismus..................... 69 3 Die Menschen und ihre Götter: Offizieller Kult, Lokaler Kult, Persönliche Frömmigkeit/Hauskult, Alltagskult und Festkult...... 70 Exkurs: (A.) Feste, (B.) Neumonde und Sabbat.............. 78 4 Die Menschen und ihre Toten/Ahnen: Grab, Begräbnis/Bestattung, Totenversorgung/Totenpflege, Nekromantie, Totenkult/Ahnenverehrung und Auferstehungshoffnungen....... 81 5 Der Raum: Geographische Charakteristika Palästinas.......... 83 6 Die Zeit: Kalender, Zeitrechnung und (nochmals) Chronologie..... 87 4 Geschichte und Religionsgeschichte Israels : Historischer Abriss... 89 1 Die (ausgehende) Spätbronzezeit (SBZ).................. 89 1.1 Wirtschaft und Gesellschaft: Das Ende der ägyptischen Herrschaft über die Provinz Kanaan und der Stadtstaatenkönigreiche..... 89 1.2 Religion und Kult: Die Internationalität der Götterwelt und Dominanz männlicher Gottheiten in den Stadtpanthea und Stadttempeln.............................. 91 2 Von der Eisenzeit I bis zur Eisenzeit IIC (ca. 1200/1150 587/6 v.chr.). 93 2.1 Wirtschaft und Gesellschaft: Die Zeit der Deurbanisierung, des Siedlungswachstums, der Entwicklung von Stämmen, Städten, Territorialstaaten und Provinzen................... 93 1. Eisenzeit I (1200/1150 1000 v.chr.).............. 93 Exkurs: Exodus und Landnahme................... 96 2. Eisenzeit IIA (1000 926/900 v.chr.).............. 99 3. Eisenzeit IIB (926/900 722/700 v.chr.)............. 104 4. Eisenzeit IIC (722/700 587/6 v.chr.).............. 117 2.2 Religion und Kult: Lokalpanthea, Freilichtheiligtümer, Nationalgötter und kaum Stadttempel................ 122 1. Eisenzeit I (1200/1150 1000 v.chr.).............. 122 2. Eisenzeit IIA (1000 926/900 v.chr.).............. 124 3. Eisenzeit IIB (926/900 722/700 v.chr.)............. 131

Inhalt 7 4. Eisenzeit IIC (722/700 587/6 v.chr.).............. 140 3 Die babylonisch-persische Zeit (587/586 333/2 v.chr.)......... 149 3.1 Wirtschaft und Gesellschaft: Die Zeit des Exils, der partiellen Rückkehr, des Neubeginns und der Konflikte mit den Landesbewohnern............................ 149 1. Überblick............................. 149 2. Palästina in babylonischer Zeit................. 154 3. Palästina in persischer Zeit................... 159 3.2 Religion und Kult: Tradition und Innovation............ 166 1. Küstengebiete, Galiläa und Samarien.............. 167 2. Ägypten/Elephantine....................... 170 3. Babylonien............................ 171 4. Juda/Jehud............................ 173 4 Die hellenistische Zeit (333/2 v.chr. 63 v.chr.).............. 178 4.1 Wirtschaft und Gesellschaft: Zwischen Assimilation und Revolution................................ 178 4.2 Religion und Kult: Griechische Götter und die interpretatio graeca autochthoner Gottheiten........................ 189 Dritter Hauptteil: Die Literatur des Alten Testaments I. Tora und Vordere Propheten (Jan Christian Gertz) 5 Der Gesamtzusammenhang der Bücher Genesis bis 2. Könige..... 193 A Bibelkundliche Erschließung........................ 193 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 201 C Entstehung der Bücher Genesis 2. Könige................ 214 D Theologie des Gesamtzusammenhangs.................. 217 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 219 6 Die Rechtstexte im Pentateuch........................ 221 A Bibelkundliche Erschließung........................ 221 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 223 Exkurs: Rechtswesen im antiken Israel und Juda............... 225 C Entstehung der Rechtstexte des Pentateuch................ 228 D Theologie der Rechtstexte im Pentateuch................. 233 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 235 7 Die Teilkompositionen............................. 236 1 Die Priesterschrift.............................. 236 A Bibelkundliche Erschließung...................... 237

8 Inhalt B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 239 C Entstehung der priesterschriftlichen Texte des Pentateuch..... 241 D Theologie der Priesterschrift...................... 244 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 245 2 Das Deuteronomium............................ 247 A Bibelkundliche Erschließung...................... 247 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 250 Exkurs: Deuteronomismus......................... 251 C Entstehung des Deuteronomiums................... 252 D Theologie des Deuteronomiums.................... 258 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 259 3 Die nichtpriesterschriftliche Urgeschichte................. 260 A Bibelkundliche Erschließung...................... 260 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 261 C Entstehung der nichtpriesterschriftlichen Urgeschichte....... 262 D Theologie der nichtpriesterschriftlichen Urgeschichte........ 265 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 267 4 Die nichtpriesterschriftliche Erzelterngeschichte............. 269 A Bibelkundliche Erschließung...................... 269 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 271 C Entstehung der nichtpriesterschriftlichen Erzelterngeschichte... 274 D Theologie der nichtpriesterschriftlichen Erzelterngeschichte.... 276 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 278 5 Die nichtpriesterschriftliche Josefsgeschichte............... 279 A Bibelkundliche Erschließung...................... 279 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 281 C Entstehung der nichtpriesterschriftlichen Josefsgeschichte..... 282 D Theologie der nichtpriesterschriftlichen Josefsgeschichte...... 284 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 285 6 Die deuteronomistische Komposition der Geschichte des Volkes Israel vom Auszug bis zum Exil.......................... 285 A Bibelkundliche Erschließung...................... 285 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 286 C Entstehung der deuteronomistischen Komposition der Geschichte des Volkes Israel vom Auszug bis zum Exil.............. 288 1. Das Gesamtwerk und seine Datierung............. 288 2. Mose-Exodus-Landnahmeerzählung (Ex Jos)........ 289 Exkurs: Mose.............................. 291 3. Richtererzählungen (Das Richterbuch)............. 293 4. Erzählungen von Saul, David, Salomo (1Sam 1Kön 11)... 297 Exkurs: David.............................. 299 5. Erzählungen von den Königen Judas und Israels (1Kön 12 2Kön 25)....................... 302

Inhalt 9 6. Erzählungen über den Propheten Elija (1Kön 17 19; 21; 2Kön 1).................... 304 D Theologie der deuteronomistischen Komposition der Geschichte des Volkes Israel vom Auszug bis zum Exil.............. 305 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 308 II. Hintere Propheten (Nebiim) (Konrad Schmid) 8 Die Schriftpropheten Jesaja bis Maleachi.................. 313 A Bibelkundliche Erschließung........................ 313 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 317 C Entstehung der Prophetenbücher..................... 320 D Theologie der Prophetenbücher...................... 322 9 Das Jesajabuch................................. 324 A Bibelkundliche Erschließung........................ 325 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 326 C Entstehung des Großjesajabuchs (Jes 1 66)................ 328 D Theologie des Jesajabuchs.......................... 329 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 330 1 Erster Jesaja (IJes: Jes 1 39)......................... 331 A Bibelkundliche Erschließung...................... 331 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 332 C Entstehung des Ersten Jesaja...................... 333 D Theologie des Ersten Jesaja....................... 336 2 Zweiter Jesaja (IIJes: Jes 40 66)....................... 338 A Bibelkundliche Erschließung...................... 339 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 339 C Entstehung des Zweiten Jesaja..................... 341 D Theologie des Zweiten Jesaja...................... 343 10 Das Jeremiabuch................................ 346 A Bibelkundliche Erschließung........................ 346 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 349 C Entstehung des Jeremiabuchs........................ 351 D Theologie des Jeremiabuchs........................ 359 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 360 11 Das Ezechielbuch................................ 361 A Bibelkundliche Erschließung........................ 361 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 364 C Entstehung des Ezechielbuchs....................... 365 D Theologie des Ezechielbuchs........................ 369 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 371

10 Inhalt 12 Das Zwölfprophetenbuch........................... 372 A Bibelkundliche Erschließung........................ 372 B Literarhistorische Beobachtungen zum Buch der zwölf Propheten insgesamt................................... 374 1 Das Hoseabuch................................ 375 A Bibelkundliche Erschließung...................... 376 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 376 C Entstehung des Hoseabuchs...................... 378 D Theologie des Hoseabuchs....................... 380 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 381 2 Das Joelbuch................................. 382 A Bibelkundliche Erschließung...................... 382 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 383 C Entstehung des Joelbuchs....................... 383 D Theologie des Joelbuchs........................ 384 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 384 3 Das Amosbuch................................ 385 A Bibelkundliche Erschließung...................... 385 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 386 C Entstehung des Amosbuchs...................... 388 D Theologie des Amosbuchs....................... 389 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 390 4 Das Obadjabuch............................... 391 A Bibelkundliche Erschließung...................... 391 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 391 C Entstehung des Obadjabuchs..................... 392 D Theologie des Obadjabuchs...................... 392 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 392 5 Das Jonabuch................................. 392 A Bibelkundliche Erschließung...................... 392 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 393 C Entstehung des Jonabuchs....................... 393 D Theologie des Jonabuchs........................ 394 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 394 6 Das Michabuch............................... 395 A Bibelkundliche Erschließung...................... 395 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 395 C Entstehung des Michabuchs...................... 396 D Theologie des Michabuchs....................... 397 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 397 7 Das Nahumbuch............................... 398 A Bibelkundliche Erschließung...................... 398 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 398

Inhalt 11 C Entstehung des Nahumbuchs..................... 399 D Theologie des Nahumbuchs...................... 399 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 399 8 Das Habakukbuch.............................. 399 A Bibelkundliche Erschließung...................... 400 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 400 C Entstehung des Habakukbuchs.................... 400 D Theologie des Habakukbuchs..................... 401 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 401 9 Das Zefanjabuch............................... 402 A Bibelkundliche Erschließung...................... 402 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 402 C Entstehung des Zefanjabuchs..................... 403 D Theologie des Zefanjabuchs...................... 403 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 404 10 Das Haggaibuch............................... 404 A Bibelkundliche Erschließung...................... 404 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 405 C Entstehung des Haggaibuchs...................... 405 D Theologie des Haggaibuchs...................... 406 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 406 11 Das Sacharjabuch.............................. 407 A Bibelkundliche Erschließung...................... 407 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 408 C Entstehung des Sacharjabuchs..................... 408 D Theologie des Sacharjabuchs...................... 409 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 410 12 Das Maleachibuch.............................. 410 A Bibelkundliche Erschließung...................... 410 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 411 C Entstehung des Maleachibuchs.................... 411 D Theologie des Maleachibuchs..................... 412 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 412 III. Schriften (Ketubim) (Markus Witte) 13 Der Psalter.................................... 414 A Bibelkundliche Erschließung........................ 415 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 418 C Entstehung der Psalmen und des Psalters................. 422 D Theologie der Psalmen und des Psalters.................. 430

12 Inhalt E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 432 14 Das Hiobbuch (Ijob).............................. 432 A Bibelkundliche Erschließung........................ 433 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 437 C Entstehung des Hiobbuchs......................... 439 D Theologie des Hiobbuchs.......................... 443 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 444 15 Das Sprüchebuch (Die Sprüche Salomos/Proverbien)........... 445 A Bibelkundliche Erschließung........................ 446 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 447 C Entstehung des Sprüchebuchs und der Einzelsprüche.......... 450 D Theologie des Sprüchebuchs........................ 456 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 457 16 Das Rutbuch.................................. 458 A Bibelkundliche Erschließung........................ 458 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 461 C Entstehung des Rutbuchs.......................... 461 D Theologie des Rutbuchs........................... 463 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 464 17 Das Hohelied (Canticum)........................... 464 A Bibelkundliche Erschließung........................ 465 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 466 C Entstehung des Hohen Lieds........................ 466 D Theologie des Hohen Lieds......................... 468 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 468 18 Das Koheletbuch (Der Prediger Salomo).................. 469 A Bibelkundliche Erschließung........................ 470 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 471 C Entstehung des Koheletbuchs........................ 473 D Theologie des Koheletbuchs........................ 474 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 476 19 Die Klagelieder Jeremias (Threni)...................... 477 A Bibelkundliche Erschließung........................ 477 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 478 C Entstehung der Klagelieder Jeremias.................... 479 D Theologie der Klagelieder Jeremias..................... 481 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 482 20 Das Esterbuch.................................. 482 1 Das Esterbuch (MT)............................. 482 A Bibelkundliche Erschließung...................... 483 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 485 C Entstehung des Esterbuchs....................... 485 D Theologie des Esterbuchs........................ 487

Inhalt 13 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 488 2 Die Zusätze zum Esterbuch........................ 489 A Bibelkundliche Erschließung...................... 490 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 492 C Entstehung der Zusätze zum Esterbuch.............. 493 D Theologie der Zusätze zum Esterbuch............... 494 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 495 21 Das Danielbuch................................. 495 1 Das Danielbuch (MT)............................ 495 A Bibelkundliche Erschließung...................... 496 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 499 C Entstehung des Danielbuchs...................... 500 D Theologie des Danielbuchs....................... 505 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 506 2 Die Zusätze zum Danielbuch....................... 507 2.1 Die Gebete Asarjas und der drei Männer im Feuerofen..... 508 A Bibelkundliche Erschließung.................... 508 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige..... 509 C Entstehung der Gebete Asarjas und der drei Männer im Feuerofen.............................. 509 D Theologie der Gebete Asarjas und der drei Männer im Feuerofen............................ 509 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................. 509 2.2 Die Susannaerzählung....................... 510 A Bibelkundliche Erschließung.................... 510 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige..... 510 C Entstehung der Susannaerzählung................. 511 D Theologie der Susannaerzählung................. 511 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................. 511 2.3 Die Erzählungen von Bel und dem Drachen........... 512 A Bibelkundliche Erschließung.................... 512 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige..... 512 C Entstehung der Erzählungen von Bel und dem Drachen.... 513 D Theologie der Erzählungen von Bel und dem Drachen..... 514 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................. 514 22 Das Esra-Nehemiabuch............................ 514 A Bibelkundliche Erschließung........................ 516 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 519 C Entstehung des Esra-Nehemiabuchs.................... 520 D Theologie des Esra-Nehemiabuchs..................... 523 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 524 23 Die Chronikbücher............................... 525 A Bibelkundliche Erschließung........................ 526

14 Inhalt B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 528 C Entstehung der Chronikbücher....................... 530 D Theologie der Chronikbücher....................... 533 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 533 IV. Die Apokryphen oder deuterokanonischen Bücher des Alten Testaments (Angelika Berlejung; Jan Christian Gertz; Konrad Schmid; Markus Witte) 24 Das Juditbuch.................................. 536 A Bibelkundliche Erschließung........................ 536 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 538 C Entstehung des Juditbuchs......................... 538 D Theologie des Juditbuchs.......................... 539 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 540 25 Die Weisheit Salomos (Sapientia Salomonis)................ 540 A Bibelkundliche Erschließung........................ 541 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 544 C Entstehung der Weisheit Salomos..................... 545 D Theologie der Weisheit Salomos...................... 548 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 549 26 Das Tobitbuch (Tobias)............................. 550 A Bibelkundliche Erschließung........................ 550 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 552 C Entstehung des Tobitbuchs......................... 553 D Theologie des Tobitbuchs.......................... 554 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 555 27 Jesus Sirach (Ben Sira)............................. 556 A Bibelkundliche Erschließung........................ 556 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 561 C Entstehung Jesus Sirachs.......................... 564 D Theologie Jesus Sirachs........................... 566 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 567 28 Das Baruchbuch und der Brief Jeremias.................. 567 A Bibelkundliche Erschließung........................ 567 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige......... 568 C Entstehung des Baruchbuchs und des Briefs Jeremias.......... 568 D Theologie des Baruchbuchs und des Briefs Jeremias........... 569 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte..................... 569

Inhalt 15 29 Die Makkabäerbücher............................. 569 1 1. Makkabäerbuch.............................. 570 A Bibelkundliche Erschließung...................... 570 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 571 C Entstehung des 1. Makkabäerbuchs.................. 573 D Theologie des 1. Makkabäerbuchs................... 574 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 575 2 2. Makkabäerbuch.............................. 576 A Bibelkundliche Erschließung...................... 577 B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige....... 578 C Entstehung des 2. Makkabäerbuchs.................. 580 D Theologie des 2. Makkabäerbuchs................... 581 E Hinweise zur Wirkungsgeschichte................... 583 30 Das Gebet Manasses (Oratio Manassae).................. 585 Vierter Hauptteil: Grundfragen einer Theologie des Alten Testaments (Jan Christian Gertz) 31 Forschungsgeschichtliche Perspektiven................... 588 32 Einheit und Vielfalt theologischer Aussagen im Alten Testament... 597 33 Religionsgeschichte und Theologie des Alten Testaments........ 599 34 Das Alte Testament als Teil der christlichen Bibel............. 601 Anhang Chronologische Tabellen............................... 605 1. Epocheneinteilung.............................. 605 2. Chronologie wichtiger Daten der Ereignisgeschichte Israels...... 606 3. Die Herrscher von Israel und Juda..................... 608 4. Babylonische, persische und griechische Könige............ 609 5. Die griechischen Könige und Jerusalemer Hohepriester........ 610 6. Literaturgeschichtliche Einordnung biblischer und außerbiblischer Quellen in die Geschichte Israels und Judas................ 611 Grundlegende Literatur zum Studium des Alten Testaments 1. Textausgaben................................ 613 2. Exegetische Hilfsmittel........................... 614 3. Methoden- und Arbeitsbücher...................... 616 4. Bibelkunden und Einführungen...................... 617 5. Bibellexika und exegetische Nachschlagewerke zum Alten Testament. 618 6. Wissenschaftliche Einleitungen und Literaturgeschichten....... 618

16 Inhalt 7. Außerbiblische Quellen.......................... 619 8. Darstellungen der Geschichte und Religion der Umwelt des Alten Testaments.............................. 620 9. Darstellungen der Geschichte Israels und Judas............. 621 10. Darstellungen der Religionsgeschichte Israels.............. 622 11. Theologie des Alten Testaments und Theologiegeschichte des antiken Israel................................ 622 12. Kommentarreihen............................. 623 13. Zur Auslegungs- und Wirkungsgeschichte................ 624 14. Internetseiten................................ 625 Glossar......................................... 627 Register......................................... 634 Abbildungsnachweis................................. 638 Mitarbeiterverzeichnis................................ 640

VorwortzurdrittenAuflage Vorwort zur dritten Auflage Vorwort zur dritten Auflage Die Bibel darf in unserem Kulturkreis fraglos als das bedeutendste Buch gelten. Insbesondere ihr erster und größerer, Christen und Juden gemeinsamer Teil, das Alte Testament, hat wie kein anderes Literaturwerk unsere Religion und Kultur beeinflusst. Das vorliegende Lehrbuch soll in die Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments einführen. Es stellt diejenigen Informationen bereit, die für ein vertieftes Verständnis des Alten Testaments im Studium, in der kirchlichen und schulischen Praxis und darüber hinaus für jeden sachlich angemessenen Umgang mit diesem Werk grundlegend sind. Das Ziel des Buches ist an sich schon alles andere als bescheiden, in der gegenwärtigen Forschungssituation gerät es zur Herausforderung: Die alttestamentliche Wissenschaft befindet sich derzeit mit all ihren Teilgebieten in einer Phase tiefgreifender Neuorientierungen. Das macht sie zu einer besonders spannenden, für Außenstehende freilich zuweilen ein wenig unübersichtlichen Disziplin. Eine Folge davon ist, dass die Fachdiskussion häufig kaum noch Einfluss auf das Bild nimmt, das sich eine größere Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb der Theologie vom Alten Testament macht. Entsprechend groß sind dann auch die Irritationen, wenn neuere Forschungserkenntnisse zum Alten Testament medienwirksam einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden. Daher ist es kaum angemessen, als Grundinformation Altes Testament den bisherigen Konsens im Fach unabhängig von seinen Bestreitungen und Weiterführungen in der Fachdiskussion zu präsentieren und den Abstand zwischen Fachdiskussion und Öffentlichkeit somit weiter zu vergrößern und fortzuschreiben. Im Interesse eines sachlich angemessenen Umgangs mit dem Alten Testament ist es vielmehr notwendig, die Leserinnen und Leser an die gegenwärtige Diskussion heranzuführen, und zwar auch dort, wo sich noch kein neuer Konsens abzeichnet. Der Aufbau des vorliegenden Buches entspricht der skizzierten Aufgabenstellung. Die Aufgabe des Heranführens setzt voraus, dass der Ausgangspunkt des gemeinsamen Weges beschrieben und dass sich Klarheit über das Vorgehen verschafft wird. Wie in allen anderen historisch und philologisch arbeitenden Disziplinen wird der Ausgangspunkt der Beschäftigung mit der Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments durch die zur Verfügung stehenden Quellen bestimmt: die Texte des Alten Testaments selbst, die archäologischen Quellen aus Palästina sowie die außerbiblischen Texte und ikonographischen Quellen aus Palästina und den Nachbarkulturen. In die Quellen und ihr Verhältnis zueinander führt 1 ein; über den wissenschaftlichen Umgang mit den verschiedenen Quellen informiert 2. Der folgende

18 Vorwort zur dritten Auflage Abriss der Geschichte und Religionsgeschichte des antiken Israel klärt in 3 zunächst die Grundlagen einer Geschichte Israels : Wie verhält sich das alttestamentliche Geschichtsbild zu den Ergebnissen der modernen Geschichtswissenschaft? Worin besteht der Unterschied zwischen erzählter Zeit und erzählender Zeit? Welche Unterschiede sind zu beachten, wenn von Israel und Kanaan die Rede ist? In welchem geographischen und kulturellen Raum findet die Geschichte Israels statt, und wie prägt dieser Raum die Geschichte Israels? Was bedeuten die wichtigsten Begriffe der Geschichte und Religionsgeschichte? Der eigentliche Abriss der Geschichte und Religionsgeschichte des antiken Israels in 4 setzt mit der Spätbronzezeit ein und reicht bis in die hellenistische Zeit. Er umfasst damit den Zeitraum der Geschichte Israels, von dem das Alte Testament erzählt und in dem seine Schriften entstanden sind. Die 5 30 widmen sich der Literatur des Alten Testaments und ihrer Entstehungsgeschichte, und zwar einschließlich der apokryphen bzw. deuterokanonischen Schriften. Die Paragraphen und Teilparagraphen sind sämtlich gleich aufgebaut und gehen den Weg vom (wissenschaftlich) Gesicherten zum weniger Gesicherten. Ausgangspunkt ist jeweils der vorliegende Textzusammenhang, dessen Inhalt und Aufbau vorgestellt werden (A Bibelkundliche Erschließung). Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die größeren, die buchübergreifenden Zusammenhänge gelegt. Hier sind die Leserinnen und Leser zu eigener Bibellektüre aufgefordert. Denn nur eine gute Textkenntnis ermöglicht einen sinnvollen und eigenständigen Umgang mit Forschungspositionen. Im nächsten Schritt werden die wichtigsten Textbeobachtungen zu den jeweiligen Literaturwerken mitgeteilt, die in der Auslegungsgeschichte immer wieder die Frage nach der Entstehung der biblischen Bücher hervorgerufen haben (B Literar- und forschungsgeschichtliche Problemanzeige). Da die Wahrnehmung von Auffälligkeiten im Text auch dadurch gesteuert wird, was bislang in der Forschung beobachtet und als Erklärung der Textbeobachtungen diskutiert worden ist, finden sich hier auch Hinweise zur Forschungsgeschichte. Insbesondere in diesem Teil war es notwendig, sich auf wenige zentrale Gesichtspunkte zu konzentrieren und exemplarische Fragestellungen herauszuarbeiten. Der folgende Schritt nimmt die zuvor genannten Beobachtungen auf und zeichnet die (mutmaßliche) Entstehungsgeschichte des jeweiligen alttestamentlichen Literaturwerkes nach (C Entstehungsgeschichte). Wie schon bei der Darstellung der grundlegenden Textbeobachtungen und der Forschungsgeschichte war es mit Blick auf die zum Teil ausufernde Fachdiskussion notwendig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das gilt nicht zuletzt für die Literaturangaben. Wo beinahe für jeden Satz der Darstellung eine ganze Bibliothek anzuführen wäre, wurde nach dem Motto verfahren, dass Fachleute auch so Bescheid wissen und alle Übrigen verschont bleiben und nur wenige Titel genannt bekommen, mit deren Hilfe sich unschwer weitere Literatur ermitteln lässt. Auf die entstehungsgeschichtliche Synthese folgt eine knappe Darstellung der theologischen Hauptlinien des besprochenen Werks (D Theologie). Zum Abschluss jedes Paragraphen finden sich Hinweise darauf, wie die besprochene Literatur innerhalb und außerhalb der Bibel und des Christentums gewirkt hat. Dass diese Hinweise weit mehr noch als die Ausführungen in den vorangehenden Teilab-

Vorwort zur dritten Auflage 19 schnitten nur exemplarisch sind, versteht sich von selbst (E Hinweise zur Wirkungsgeschichte). Neu gegenüber den beiden ersten Auflagen des Buches ist die Aufnahme der Apokryphen oder deuterokanonischen Bücher Judit, Weisheit Salomos (Sapientia Salomonis), Tobit, Jesus Sirach (Ben Sira), Baruch samt Brief Jeremias, 1. und 2. Makkabäerbuch sowie des Gebets des Manasse und der sog. Zusätze zu den Büchern Ester und Daniel. Ihre von verschiedener Seite angemahnte Aufnahme versteht sich für die katholische Bibelwissenschaft von selbst, sie spiegelt aber auch ein in der protestantischen Bibelwissenschaft zunehmendes Interesse an diesen Schriften. Um weiterhin dem Aufbauprinzip der hebräischen Bibel folgen zu können, bilden die apokryphen bzw. deuterokanonischen Bücher das Abschlusskapitel der Literatur des Alten Testaments. Lediglich die Zusätze zu den Büchern Ester und Daniel wurden in die Darstellung der Bücher Ester und Daniel integriert. Die Darstellung der Literatur des Alten Testaments geht jeweils auch auf die Theologie der besprochenen Literaturwerke ein. Diesem Verfahren liegt eine bestimmte Auffassung von einer Theologie des Alten Testaments zugrunde, die in den 31 34 mit Blick auf die Geschichte und Problemstellungen der Disziplin sowie konkurrierende Auffassungen über den Gegenstand einer Theologie des Alten Testaments entfaltet wird. Die Grundinformation Altes Testament hat eine so erfreulich gute Aufnahme gefunden, dass sie bereits drei Jahre nach dem Erscheinen der ersten Auflage in der dritten, gründlich überarbeiteten und erweiterten Auflage erscheinen kann. Neben der erwähnten Aufnahme der apokryphen bzw. deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments wurde der Text der beiden ersten Auflagen durchgesehen, verschiedentlich verbessert und ergänzt sowie an einigen Stellen neu formuliert. Auch wurden die Literaturangaben aktualisiert und (maßvoll) erweitert. Dass sich dadurch die Seitenzählung in den 1 23 gegenüber den beiden ersten Auflagen verschoben hat, ließ sich leider nicht vermeiden. Ich danke der Mitautorin und den Mitautoren für die anregende Zusammenarbeit und die Bereitschaft, ihre Texte abermals einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen. Bei der Endredaktion des Buches hat mich Frau stud. theol. Claudia Schneider fleißig und kundig unterstützt. Heidelberg, 30. Juni 2008 Jan Christian Gertz Technische Hinweise Den einzelnen Paragraphen und Teilparagraphen des Buches sind in der Regel einige Literaturangaben ( ) vorangestellt. Sie sollen die Möglichkeit zu einer weiterführenden Beschäftigung eröffnen. Zumeist handelt es sich um solche Titel, die allgemein verständlich sind. Sofern im abschließenden Verzeichnis Grundlegende Literatur zum Studium des Alten Testaments aufgelistet, werden die angegebenen Titel in den Literaturangaben nur mit Kurztiteln zitiert. Titel, die sich nicht in diesem Verzeichnis finden, werden in den Literaturangaben zu den einzelnen Paragraphen und Teilparagra-

20 Vorwort zur dritten Auflage phen vollständig angeführt und dann in den Anmerkungen nur mit Kurztitel zitiert. Wird ein Titel nur in einer Anmerkung zitiert, dann erfolgt eine vollständige Titelaufnahme, etwaige weitere Erwähnungen dieses Titels nennen einen Kurztitel und die Anmerkung der ersten Erwähnung. Bibliographische Abkürzungen folgen: S. Schwertner, Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete, Berlin New York 2 1992. Die übrigen Abkürzungen folgen, sofern nicht anders vermerkt, der RGG 4. Die biblischen Eigennamen richten sich nach den Loccumer Richtlinien. Weichen diese deutlich von den konventionellen Schreibweisen ab, so ist in Klammern eine weitere Schreibweise angegeben. Die Umschrift hebräischer Worte richtet sich nach den Regeln der ZAW, diejenige griechischer Worte nach denen der RGG 4. In allen anderen Fällen wurde ein vereinfachtes Umschriftsystem in Anlehnung an die ZAW gebraucht. Hinweise auf das Glossar sind durch und Kursivschrift markiert. Zusatzmaterialien zur Grundinformation Altes Testament werden demnächst unter www.utbmehr-wissen.de ins Internet gestellt.

QuellenundMethoden Quellen und Methoden Erster Hauptteil: Quellen und Methoden (Angelika Berlejung) 1 Quellen Literaturverzeichnis 7.1 Allgemeines und zur Methode (C. Hardmeier, Steine). Ferner: K. de Troyer, Die Septuaginta und die Endgestalt des Alten Testaments. Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte alttestamentlicher Texte, UTB.W 2599, Göttingen 2004. 1.1 Prolegomena Das Alte Testament ist ein durch und durch theologisches Buch und literarisches Kunstwerk. Es geht in dieser Schriftensammlung nicht darum, die Entstehung der Welt als Augenzeugenbericht vorzustellen oder die Ereignisse der Geschichte Israels und Judas als Kompendium der Palästinageschichte aneinander zu reihen, sondern darum, die eigene Vergangenheit auf dem Hintergrund von Gottes Gegenwart zu deuten, so die eigene Gegenwart zu verstehen, um die Zukunft zu gestalten. Aufgrund seiner literarischen Eigenart und theologischen Intention kann das AT nur unter Vorbehalt und nach sorgfältiger kritischer Einzelanalyse als zuverlässige Quelle für historische (z. B. gab es das Davidische Großreich?) oder religionsgeschichtliche (z. B. gab es in Israel die kultische Verehrung der Toten?) Fragestellungen gelten. Bei den Büchern der Hebräischen Bibel handelt es sich um eine Sammlung von Literaturen, die bestimmten Meinungen, Überzeugungen und Tendenzen verpflichtet sind und versuchen, ihren Adressaten diese Überzeugungen nahe zu bringen. Es handelt sich um Selbstinterpretationen der eigenen Geschichte und theologische Texte unterschiedlicher Zielrichtungen, denen das Bekenntnis des Glaubens an Jhwh ebenso gemein ist wie das Bestreben, in ihrem Zeugnis andere zu überzeugen 1. Das Alte Testament entwirft dabei die Geschichte des Gottesvolkes, eingebettet zwischen den Anbeginn der Schöpfung der Welt zu Anfang aller Zeit (Gen 1) und ihre Neuschöpfung am Ende der Zeiten (Jes 60,19), vom Auszug aus Ägypten über den Einzug ins Gelobte Land bis zu der Wiederherstellung des Jerusalemer Tempels nach dem Exil (Esra 1 6,18) und dem Aufstand der Makkabäer (1Makk 4,52 59; 2Makk 10,1 8). Die dargestellte 1 Dazu auch C. Levin, Das vorstaatliche Israel, ZThK 97 (2000), 385 403, hier 402; H. M. Niemann, Von Oberflächen, Schichten und Strukturen. Was leistet die Archäologie für die Erforschung der Geschichte Israels und Judas?, in: C. Hardmeier, Steine, 79 121, hier 115.

22 Quellen und Methoden Zeitspanne, die Geschichten vom Exodus mit dem Zeltheiligtum bis zu dem wieder eingeweihten Tempel zur Zeit der Makkabäer erzählt, ist im Wesentlichen mit dem identisch, was man in der Archäologie Palästinas als die Eisenzeit, die babylonischpersische und hellenistisch-römische Zeit beschreibt (vgl. dazu die Chronologie wichtiger Daten im Anhang). Der Raum, in dem sich diese Geschichte abspielt, hat seinen Fokus in der Levante. Diese gehörte damals nicht zum Zentrum der Welt, sondern zu ihrer Peripherie. Palästina und Syrien waren innerhalb der Mittelmeerwelt seit dem 3. Jt. v.chr. mehr und mehr zum Randgebiet geworden, während sich im Süden in Ägypten, im Norden in Anatolien, im Osten in Mesopotamien und im Westen mit den phönizischen Küstenstädten Zentren, Metropolen, Staaten und Reiche bildeten, die die Weltpolitik und Weltwirtschaft bestimmten und über die folgenden Jahrtausende bestimmen sollten. In den Folgejahrhunderten geriet Palästina wiederholt in die Einflusssphäre seiner expandierenden Nachbarn, die schließlich auch sein politisches und wirtschaftliches Geschick bestimmten. Viele der religiösen und politisch-sozialen Vorgänge innerhalb der Levante spielten für die Autoren und Redaktoren des Alten Testaments keine Rolle, da sie ihnen keine Relevanz für die Glaubensgeschichte mit Jhwh zuerkannten. Folgerichtig ließen sie sie weg oder erwähnten sie nur beiläufig. Um zu erkennen, was sie in ihrer Darstellung für wichtig und was für unwichtig erachteten, wo sie also ihre Akzente setzten, selektierten, (ver-)schwiegen, umdeuteten oder auch wo sie ihre eigene Wirklichkeitsinterpretation bestimmten Tendenzen ihrer Zeit entgegensetzten, ist es wichtig, die biblische Erzählung mit anderen Quellen zu konfrontieren, die aus derselben Lebenswelt stammen, wenn nicht gar dasselbe Ereignis oder dieselben Vorgänge zum Gegenstand haben. Nur so kann man profilieren, was genau es war, das den biblischen Autoren den nachfolgenden Generationen mitzuteilen am Herzen lag. Das war nur ganz selten die reine Information über das Stattfinden irgendeines Krieges in irgendeiner Stadt im Vorderen Orient, sondern der Erweis des göttlichen Heilsplans mit seinen Menschen. Die theologische Interpretationsleistung der biblischen Autoren kann auf dem Hintergrund der [Re-]Konstruktion der Ereignisse, wie sie sich unabhängig von ihrer theologischen Interpretation vielleicht tatsächlich abgespielt haben (was immer unter dem Vorbehalt der Hypothese bleibt), erst präzise erfasst werden (was ebenso immer hypothetisch bleibt). Das ist nicht immer möglich, da für die historische [Re-]Konstruktion mit den Methoden der modernen Geschichtswissenschaft häufig die außerbiblischen Quellen fehlen, die die Vorgänge der Vergangenheit erhellen könnten. Doch wurden in den letzten Jahrzehnten in dieser Hinsicht große Fortschritte erzielt. Zum einen sind aus Palästina selbst außerbiblische Schriftzeugnisse hinzugekommen, zum anderen wird aus den Nachbarkulturen unaufhörlich neues Textmaterial bekannt, aus dem sich neue Erkenntnisse gewinnen und alte verifizieren oder falsifizieren lassen. Zudem hat die Biblische Archäologie oder Palästinaarchäologie in den letzten Jahrzehnten weitere Fortschritte erzielt und auch ihre Methodik erweitert und verfeinert (z. B. Archäobotanik), so dass sich auch hier Informationen zusammentragen lassen, die ein vieldimensionales Gesamtbild Palästinas entwerfen. Last but not least sei auf die ikonographischen Quellen aus Palästina und

Quellen und Methoden 23 den Nachbarkulturen hingewiesen, die erst in den letzten Jahrzehnten durch die Pionierleistungen Othmar Keels, gefolgt von seinen Schülern und Schülerinnen, für die Bibelwissenschaft fruchtbar gemacht wurden. Generell gilt: Je mehr man bereit ist, verschiedene Quellenbereiche (archäologische Befunde, biblische und außerbiblische Texte, Bilder), Methoden und die daraus erarbeiteten Interpretationen miteinander ins Gespräch zu bringen, desto differenzierter, plastischer und dichter wird die vergangene Kultur und Gesellschaft Palästinas zu beschreiben sein. 1.2 Die Quellen und ihr Verhältnis zueinander Die Geschichte liegt nicht in den Quellen, aber sie braucht Quellen, um geschrieben werden zu können. 2 Der Historiker und die Historikerin sind es, die ein Objekt in den Status einer Quelle erheben und diese dann als solche besprechen bzw. interpretieren und zu anderen Quellen in Beziehung setzen. In der Forschung hat sich seit geraumer Zeit die Debatte um Primärquellen, Sekundär-, Tertiär- und Quartärquellen etabliert 3. Die Hierarchie der Quellen: Primärquellen sind mit archäologischen Methoden datierbare Quellen, die dem Ereignis, das sie beschreiben oder auf das sie sich beziehen, zeitlich nahe stehen. Die Urheber dieser Quellen waren Beteiligte, Zeitgenossen oder Zeitzeugen. Briefe, Verträge oder Urkunden gehören in diese Kategorie. Sekundärquellen stehen den Ereignissen demgegenüber ferner, sei es, dass es sich um Kopien, sei es, um Exzerpte von Primärquellen oder Kommentarwerke handelt. Die Urheber dieser Quellen beziehen sich auf indirekt vermittelte Information (z. B. Zugang zu einem Archiv), also ihrerseits auf Quellen, die sie nicht mehr überprüfen konnten. Bei Tertiärquellen ist der zeitliche Abstand und die Abhängigkeit von vorgegebenem, insbesondere sekundärem Quellenmaterial entsprechend größer. Quartärquellen verarbeiten hingegen Sekundär- und Tertiärquellen, ohne ihren Quellenwert noch kritisch nachprüfen zu können. Diese Hierarchisierung der Quellen ist m. E. verfahrenstechnisch notwendig und nicht zwangsläufig als Wertung ihrer historischen Zuverlässigkeit zu verstehen. Eine dem Ereignis zeitnahe Primärquelle ist nicht notwendigerweise eine historisch verlässliche Quelle, die faktengetreuere Informationen über ein Ereignis liefert als eine zeitfernere Sekundärquelle. So können dem Geschehen recht zeitnahe königliche Annalen durchaus aus der Rückschau interpretierend geschrieben sein und Ereignisse beschönigen. Der historische Informationsgehalt einer Quelle ist jeweils im Einzelfall abzuwägen und zu evaluieren, indem u. a. ihre Funktion, ihr pragmatisches Umfeld kritisch hinterfragt, berücksichtigt und sie mit anderen Quellen (und eventuell bereits gewonnenem empirischen Wissen über den thematisierten Sachverhalt) korreliert 2 C. Uehlinger, Bildquellen und Geschichte Israels. Grundsätzliche Überlegungen und Fallbeispiele, in: C. Hardmeier, Steine, 25 77, hier 31. 3 Kontrovers und häufig verkürzt diskutiert wurde der Impuls von E. A. Knauf, From History to Interpretation, in: D. V. Edelman (Hg.), The Fabric of History. Text, Artefact and Israel s Past, JSOT.S 127, Sheffield 1991, 26 64. Den besten Überblick über die aktuelle Debatte verschafft der Sammelband von C. Hardmeier, Steine.

24 Quellen und Methoden wird. Die kritische Sichtung, Evaluierung und Etablierung der verfügbaren Quellen als historische Quellen muss sich jeweils daran messen lassen, inwieweit ihnen (und der auf ihnen beruhenden historischen [Re-]Konstruktion) ein größerer oder kleinerer Grad an intersubjektiv überprüfbarer Plausibilität und Konsensobjektivität (Jörn Rüsen 4 ) zukommt. Archäologisches, ikonographisches und epigraphisches Material ist grundsätzlich eher in die Primärquellen einzuordnen, da es der jeweiligen Zeit entstammt. Diese Primärquellen können sich wechselseitig bestätigen, jedoch durchaus auch ein anderes (komplementäres oder auch kontrastives) Bild der in Frage stehenden Zeit, der historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge entwerfen. In jedem Fall steht der Forscher/die Forscherin vor dem Problem der Gewichtung der Quellen, im Widerspruchsfall vor der Frage: Welchem Befund ist Recht zu geben? Dieses Problem stellt sich insbesondere dann, wenn die historischen (Re-)Konstruktionen, die auf diesen Primärquellen basieren, mit (Re-)Konstruktionen der Geschichte der südlichen Levante korreliert werden, die aus dem AT (ausgewertet als historische Quelle, obwohl es für historische Fragestellungen nach der obigen Definition keine Primärquelle ist) gewonnen wurden und mehr als einmal nicht zu harmonisieren sind (s. u.). Aus der unmittelbaren zeitlichen Nähe zum Geschehen wird in diesem Fall in der historischen (!) Forschung den archäologischen Quellen der Vorzug gegeben, doch ist gegenüber einem allzu großen Optimismus auch hier zu bedenken, dass archäologische Hinterlassenschaften oft schwer eindeutig datierbar sind und (wie Texte und Bilder auch) erst durch die durchaus verschiedenen Interpretationen der Archäologen/innen und Historiker/innen zum Sprechen gebracht werden. Fundlage, zeitliche Einordnung, Funktion, Material, Vergleichsfunde und Datierungen spielen dabei häufig eine große Rolle, um Theorien, (Re-)Konstruktionen der Vergangenheit zu entwerfen. Auch die Interpretation ikonographischen Materials ist, sofern nicht identifizierende Beischriften existieren, nicht immer eindeutig zu leisten (z. B. das Problem der Namenszuweisung an Götterdarstellungen) und von den Fragestellungen, Vorkenntnissen und dem zu Rate gezogenen Vergleichsmaterial der Interpreten abhängig. Zudem muss man die Funktionalität und das pragmatische Umfeld des Bildmaterials in Rechnung stellen, um ihren historischen Quellenwert und ihre Faktentreue einzuschätzen. So bieten etwa die assyrischen Reliefs nicht ein Abbild des wirklichen Kriegsgetümmels, sondern sie zeigen es so, wie es politisch korrekt hätte ablaufen müssen. Die Kultur, Geschichte, Gesellschaft oder Religion der Region einer bestimmten Zeit kann auf der Grundlage einer einzigen Quellengruppe nur lückenhaft (re-)konstruiert werden, so dass erst die Verbindung und Korrelation der verschiedenen zur Verfügung stehenden Quellen das Bild (oder die Bilder) weiter vervollständigen kann. Dennoch wird immer noch das ein oder andere Problem, insbesondere Ursachen, Prozesse oder Zusammenhänge weiter der kreativen Hypothesenbildung der Historiker/innen überlassen bleiben. Widerspricht der archäologische Befund unzweifelhaft einer biblischen Erzählung (wie im Fall von Jos 6, da der dort erzählten Eroberung von Jericho die archäologischen Hinterlassenschaften der Ortslage entgegenstehen), so ist wiederum daran zu erinnern, dass die judäischen Schriftsteller, die die Geschichte (story) des Eroberungsrituals von Jericho entwarfen, Theologen und keine Annalenschreiber waren. Es ging ihnen nicht um einen Ereignisbericht über die Zerstörung Jerichos und die israelitische Landnahme, sondern um die Interpretation der Ruinen von Jericho als ein Zeichen der Landgabe von Jhwh an sein Volk. Auch der ikonographische Befund aus Is- 4 J. Rüsen, Rekonstruktion der Vergangenheit. Grundzüge einer Historik 2. Die Prinzipien der historischen Forschung, KVR 1515, Göttingen 1986, 89 111.

Quellen und Methoden 25 rael, der das Land als reich an Bildern und Motiven ausweist, die z. T. auch auf eine lange kontinuierliche Tradition(spflege) zurückblicken können, widerspricht der biblischen Sicht, wonach es seit den Anfängen Israels durch das Bilderverbot keine Bilder gegeben habe oder habe geben dürfen, und nur gelegentliche Einzelfälle (z. B. das goldene Kalb) das ansonsten geschlossene Bild gestört hätten. Doch liegt den atl. Theologen auch in Bezug auf die eigene Vergangenheit mit Bildern an einer theologisch-programmatischen und nicht an einer historisch-deskriptiven Aussage. Wenn archäologische/ikonographische/epigraphische Befunde den biblischen Texten widersprechen, ist also immer wieder daran zu erinnern, dass die verschiedenen Quellen von vornherein Verschiedenes wollen und leisten können. Die Ziel- und Aussageabsicht der beiden Komplexe ist unterschiedlich, so dass sie nicht harmonisiert werden können, aber auch nicht werden sollen. Biblische Texte scheiden als Primärquellen für historische Fragestellungen weitgehend aus, da sie (hier muss allerdings je und je differenziert werden) in beträchtlichem zeitlichem Abstand zu den Ereignissen geschrieben wurden, von denen sie erzählen. Die Erzählzeit (Zeit des Erzählers/Schreibers) ist von der erzählten Zeit (Zeit der Handlung) zu unterscheiden. Zur Problematik der biblischen Texte gehört weiterhin, dass sie uns heute in einer Form vorliegen, in der verschiedene Vorlagen verarbeitet wurden, die redaktionell durch mehrere Hände gingen und oftmals kaum eindeutig datierbar sind. Aufgrund dieser literarischen Eigenart und der vorhandenen theologischen Intention ist die Bibel als Quelle für die (Re-)Konstruktion einer Geschichte oder Religionsgeschichte Palästinas keinesfalls zu überschätzen, jedoch auch nicht zu unterschätzen. Ein genereller Verzicht auf das AT als Quelle im Blick auf historische Fragestellungen dient der Sache nicht, da auch Sekundär-, Tertiär- und Quartärquellen ihren Wert haben. Insbesondere in den jungen Schriften, in denen die Erzählzeit der erzählten Zeit recht nahe rückt, sind wertvolle Informationen über die sozialen und politischen Verhältnisse der nachexilischen Zeit ( Exil) bewahrt. Im Einzelnen muss der Nachweis für die historische Glaubwürdigkeit der biblischen Geschichts- /Geschichtenschreibung geführt werden, da wie so oft pauschale Urteile über die Zuverlässigkeit oder Unzuverlässigkeit des AT nicht weiterhelfen. Die kritische Sichtung, Evaluierung und Etablierung des AT als historische Quelle muss sich jeweils daran messen lassen, inwieweit ihm (und der auf ihm beruhenden historischen [Re-] Konstruktion) ein kleinerer oder größerer Grad an intersubjektiv überprüfbarer Plausibilität und Konsens zukommt. Dabei ist es zweifellos so, dass historisch-kritisch aus dem Alten Testament hypothetisch herausdestillierte und ebenso hypothetisch datierte Texteinheiten, für die ein historischer Informationsgehalt in Anspruch genommen wird, kaum je zu einem so großen Grad an Plausibilität und Konsens führen werden, wie ein einwandfrei lokalisier- und datierbarer Brief, eine Fundlage oder ein Artefakt. Grundsätzlich ist mit dieser Fragestellung das Verhältnis von Exegese zu Biblischer Archäologie berührt 5. Die Wurzeln der letzteren liegen forschungsgeschichtlich in der Bibelwissenschaft, je- 5 Siehe W. Zwickel, Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde, Darmstadt 2002, 38 51; D. Vieweger, Archäologie der biblischen Welt, UTB 2394, Göttingen 2 2006, 45 58; C. Frevel, Dies ist der Ort, von dem geschrieben steht.... Zum Verhältnis von Bibelwissenschaft und Palästinaarchäologie, in: A. Leinhäupl-Wilke u. a. (Hgg.), Texte und Steine. Biblisches Jahrbuch 1999, Münster 2000, 11 29.

DiebiblischenQuellen 26 Quellen und Methoden doch hat sie sich in den vergangenen Jahrzehnten von der früheren Ausrichtung auf exegetische Fragestellungen befreit und nimmt innerhalb der Erforschung Palästinas einen eigenen Platz ein. Dabei widmet sie sich ihrem Forschungsgegenstand Palästina bzw. dessen materiellen Hinterlassenschaften als ihren auszuwertenden Hauptquellen in allen greifbaren Zeitepochen, wobei neben den archäologischen Methoden auch Methoden der Topographie, Klimaforschung, Anthropologie, Botanik, Zoologie etc. zum Tragen kommen. Für die Biblische Archäologie als eigenständige Wissenschaft mit eigener Methodologie gehört die Kooperation mit der Biblischen Exegese dazu, da sich beide Wissenschaften zwar von ihren je eigenen Grundlagen, Fragestellungen, Quellen und Methoden aus, aber durchaus mit demselben Forschungsgegenstand Palästina beschäftigen. Diese Interdisziplinarität, die dazu dient, ein sich ergänzendes Bild von der Geschichte und Kultur in Palästina zu bekommen, ist in der Praxis im Wesentlichen auf die Zeit der 2. Hälfte des 2. Jt. bis in die römische Zeit beschränkt, also die Zeitspanne, von der das Alte (und Neue) Testament erzählt (= erzählte Zeit). Dadurch, dass biblische Quellen, archäologische Funde und ikonographisches Material in diesem Zeitabschnitt zusammen betrachtet werden können, ergibt sich durch die verschiedenen Blickpunkte ein plastischeres Bild, als wenn eine dieser drei Quellenarten nicht verfügbar wäre. Die Biblische Archäologie ist ebensowenig wie die ihr verwandte Biblische Ikonographie als Palästinawissenschaft in ihrer Arbeit auf diese kurze biblisch vorgegebene Zeitspanne festgelegt, sondern beide greifen auch noch in andere Zeitepochen aus, um z. B. Strukturen der langen Dauer ( 3.2.2) nachzuspüren. Ihre Aufgabe ist es keinesfalls (mehr), alt- oder neutestamentliche Texte durch archäologische Zeugnisse zu beweisen oder sie durch Bildmaterial zu illustrieren, wohl aber können die Ergebnisse der Biblischen Archäologie ( 1.2.4 zur Ikonographie) für die Interpretation biblischer Texte von Relevanz sein, wenn es um die Klärungen von topographischen Gegebenheiten, Realien, Sozialstrukturen, Technologien, Verkehrswegen, Importen und Handelsstrukturen u. v. a., also der Alltags- und Lebenswelt der Menschen geht, die das Alte Testament geschrieben haben und für die das Alte Testament geschrieben wurde. 1.2.1 Die biblischen Quellen Literaturverzeichnis 1. Textausgaben; 2.1 Konkordanzen; 2.2 Computerkonkordanzen; 2.3 Wörterbücher; 3. Methoden- und Arbeitsbücher (E. Tov, Text; E. Würthwein, Text). Gegenüber den archäologischen Quellen haben die Texte des Alten Testaments als Quelle für eine Geschichte oder Religionsgeschichte den Vorteil, dass sie Gedanken, Argumentationsstrategien, theologische Entwürfe, sozialkritische, königskritische oder königsfreundliche Positionen und andere Vorstellungen der Menschen des 1. Jt. v.chr. bieten. Hier muss berücksichtigt werden, dass das Alte Testament nur eine Auswahl repräsentiert, und nur Texte tradiert wurden, die für den Glauben an Jhwh und die Verkündigung von Belang waren und sich in der Orthodoxie des nachexilischen Judentums bewährten. Zudem ist in den vergangenen Jahren herausgearbeitet worden, dass sie größtenteils aus der männlichen Oberschicht Jerusalems stammen oder dort redigiert wurden. Die Perspektive des Nordreichs Israel, der Dörfer oder Landstädte kommt nur selten (z. B. Micha), die von Frauen, Kindern oder Abhängigen fast nie zur Geltung. 1. Der Text des Alten Testaments, Umfang und literarische Gestalt der Schriften: Der Text des Alten Testaments wird von vielen antiken und mittelalterlichen Handschriften in

Die biblischen Quellen 27 vielerlei Sprachen bezeugt (= Textzeugen), die sich mehr oder weniger voneinander unterscheiden. Kein Textzeuge enthält, was man als den biblischen Text bezeichnen könnte, so dass die Arbeit mit der Bibel immer auch die Untersuchung aller Textquellen, ihrer Varianten und Übereinstimmungen untereinander bedeutet. Hier sind Methoden der Textkritik gefordert ( 2.1.1). Textdifferenzen bestehen auch zwischen den modernen Ausgaben des Masoretischen Texts (s. u.), des traditionellen Texts der Hebräischen Bibel, da sie auf verschiedenen Handschriften beruhen. Auch hier gibt es z. B. in Bezug auf die Reihenfolge der biblischen Bücher, Kapitel- oder Verseinteilungen, Buchstaben- oder gar Wortvarianten, Vokalisierungen oder Akzente Unterschiede, so dass der Masoretische Text kaum einfach mit dem biblischen Urtext (= die eine vermutete Ursprungsform des Bibeltexts) gleichzusetzen ist. Das Phänomen, dass die verschiedenen Textzeugen der Hebräischen Bibel für ein biblisches Buch einen identischen, ähnlichen, leicht oder gänzlich abweichenden Text oder Textumfang bieten können, versucht man durch verschiedene Hypothesen zu erklären. Die Grundfrage ist dabei, ob anfänglich die Einheit oder Vielheit stand. Die Konzeption eines Urtexts (Paul de Lagarde [1827 1891]), von dem alle anderen Textzeugen genetisch abhängen und abschrieben, ist ein theoretisches Konstrukt und wird von manchen Exegeten verworfen (Paul Kahle [1875 1964]), die von mehreren gleich-ursprünglichen Urtexten nebeneinander ausgehen. Dies weiterführend wird neuerdings die These vertreten (Emanuel Tov, Hermann-Josef Stipp, Eugene Ulrich), dass die verschiedenen atl. Bücher im Laufe ihrer Entwicklung in revidierten Fassungen je neu ediert wurden, auch dann, wenn ihr literarisches Wachstum bereits abgeschlossen schien und sie als endgültig akzeptierte Fassungen (für Gottesdienst und Schule etc.) in Umlauf gesetzt worden waren. Revidierte Editionen, die später entstanden (dazu gehören die Zeugen der Masoretischen Textgruppe), um diese vermeintlichen Endfassungen der biblischen Bücher zu ersetzen, hätten sich nicht überall durchgesetzt, so dass es insbesondere in abgelegenen Gemeinden wie in Qumran dazu habe kommen können, dass ältere Fassungen weiter bewahrt blieben oder wie in Alexandria gar zur Vorlage der griechischen Übersetzung wurden. Sie seien rein zufällig durch die Septuaginta (= LXX; s. u.) und die Qumranfunde erhalten geblieben und in den Rahmen einer Textgeschichte einzuordnen. Frühere und z. T. deutlich abweichendere Fassungen alttestamentlicher Bücher als die, die in der Masoretischen Textgruppe (und in der Vulgata, den Targumim, der Peschitta; s. u.) vorliegen, sind insbesondere in der LXX und in Qumran für die Bücher Josua, Samuel, Jeremia und Ezechiel bezeugt. 2. Die Überlieferungen und Übersetzungen: Der Text des Alten Testaments ist ein abstraktes Gebilde, das man aus verschiedenen Textzeugen zusammengesetzt hat, die voneinander abweichen können. Die wichtigsten sind: 1. Der Masoretische Text bzw. textus receptus gilt in kritischen Editionen als Haupttext. Der Name Masoretischer Text ist insofern irreführend, als er eine Einheitlichkeit suggeriert, die es so nicht gegeben hat. Er steht für eine Gruppe von verwandten Handschriften. Es handelt sich hierbei um mittelalterliche Vertreter des alten Texts, der schon früh (1. Jh. n.chr.) von einem Hauptstrom des Judentums (der die Ereignisse um 70 n.chr. überlebt hatte) als alleiniger Text anerkannt worden

28 Quellen und Methoden war, so dass er in nur leicht variierender Form häufiger und sorgfältiger kopiert wurde als andere. Wegen der Sorgfalt der Abschreiber gab es von Anfang an in dieser Textgruppe wenig Abweichungen. Ein Einzeltext, der als der Masoretische Text gelten könnte, existierte jedoch nie, und innerhalb der Texte der Masoretischen Gruppe gab es doch auch Unterschiede, jedoch bestanden das Ideal und die Intention zur textlichen Vereinheitlichung, die sich im Laufe der Zeit immer stärker durchsetzten. Im 8., spätestens 9. Jh. n.chr. wurde der Masoretische Text nahezu normiert. Die Endform des Masoretischen Texts mit Vokal- und Akzentzeichen sowie dem Apparat der Masora (daher der Name) geht erst auf das Mittelalter zurück, während frühere Formen des reinen Konsonantentexts ohne Vokal- und Akzentzeichen als protomasoretisch bezeichnet werden (bezeugt in Texten aus der Wüste Juda 3. Jh. v.chr. 2. Jh. n.chr.). In der Regel wird der Terminus Masoretischer Text nur für die masoretische Tradition des Aaron Ben Ascher und seiner Familie (frühes 10. Jh. n.chr. in Tiberias) und damit nur für einen Teil der Vertreter der Texttradition der Masoretischen Textgruppe verwendet. Der Masoretische Text (besser: die Masoretische Textgruppe) enthält also den Konsonantenbestand, der in protomasoretischen Texten aus der Zeit des Zweiten Tempels bezeugt ist, und die Masora. Diese wurde von den Masoreten (= Textüberlieferer) geschaffen und besteht aus den Vokal- und Akzentzeichen, paratextlichen Elementen (Texteinteilung, Schreiberzeichen wie nun inversum und puncta extraordinaria, Ketib/Qere 6 etc.) sowie dem Apparat der Masora (Anweisungen für die Überlieferung des Texts). Die Biblia Hebraica Stuttgartensia basiert auf dem Codex Petropolitanus (früher Leningradensis, daher Siglum L) B19 A aus St. Petersburg, der 1008/9 n.chr. vollendet wurde und die älteste vollständige und sorgfältig erstellte Handschrift des tiberischen Texts bietet. 2. Der Samaritanische Pentateuch ist der Text der Tora, den die Samaritaner (dazu 3.2.1) in einer besonderen Form der althebräischen Schrift überliefert haben. Er entstand wohl um 100 v.chr. als eigene Ausgabe der samaritanischen Religionsgemeinschaft. In Qumran wurden Texte gefunden, die dem Samaritanischen Pentateuch sehr nahe stehen und von denen man annimmt, dass sie den Samaritanern vorlagen. Sie werden präsamaritanische Texte genannt, da sie (gegenüber der Masoretischen Textgruppe) mit dem Samaritanischen Pentateuch linguistische Korrekturen und Harmonisierungen teilen. Ihnen fehlen jedoch die typischen Charakteristika des Samaritanischen Pentateuch, die sich in inhaltlichen und phonetischen Änderungen gegenüber der Masoretischen Textgruppe zeigen. Die wichtigste inhaltliche Akzentverschiebung des Samaritanischen Pentateuch sind die Änderungen, die auf den zentralen Status von Sichem und dem Berg Garizim abheben und damit auf die Spezifika der samaritanischen Religion zurückgehen. 3. Die Texte aus der Wüste Juda (Qumran 7, Masada, Na{al ever, W dƒ Murabb t) sind in aramäischer, hebräischer und griechischer Sprache verfasst und bieten biblische wie außerbiblische Texte. Die biblischen Texte, die in Qumran gefunden wurden, stammen aus verschiedenen Zeitepochen zwischen dem 3. Jh. v.chr. und dem 1. Jh. n.chr., aus unterschiedlichen Orten und Schreiberschulen. Dementsprechend zeigen sie eine große textliche Vielfalt. Die beiden Hauptgruppen bilden die protomasoretischen und präsamaritanischen Texte. Daneben gibt es noch eine Textgruppe, die eine eigene, wohl typisch qumranische Schreiberpraxis bezeugt, die sich (auch in nichtbiblischen Texten) durch die Verwendung einer eigenen Orthographie (z. B. häufige Plene- Schreibungen), Morphologie (z. B. Langformen der Personalpronomina, Pronominalsuffixe) wie Schreiberpraktiken (z. B. häufiges Fehlen der litterae finales, Verwendung von althebräischen Buchstaben oder Kryptogrammen, um Besonderes oder den Gottesnamen zu markieren) auszeichnet. Erwähnenswert sind außerdem die Texte, die der (re-)konstruierten hebräischen Vorlage 6 Schreibermarkierung, die darauf hinweist, dass die geschriebene Version des Texts nicht beachtet werden soll (Ketib = wie es geschrieben steht ) und durch andere Worte oder ein anderes Wort zu ersetzen ist (Qere = was zu lesen ist ). 7 J. C. VanderKam, Einführung in die Qumranforschung. Geschichte und Bedeutung der Schriften vom Toten Meer, UTB 1998, Göttingen 1998.

Die biblischen Quellen 29 der Septuaginta nahe stehen (z. B. 4QJer bd ) sowie die große Gruppe der so genannten unabhängigen Texte, die keiner der bislang benannten Textgruppen zuzuordnen sind und z. T. von allen signifikant abweichen. Unter den verschiedenen Übersetzungen, die im Altertum entstanden und die auf unterschiedliche hebräische Vorlagen zurückgehen, nehmen allen voran die Septuaginta (LXX; Zielsprache griechisch) mit ihren Revisionen (Theodotion, Aquila, Symmachus und die fünfte Kolumne der Hexapla des Origenes [ca. 185/6 253/4 n.chr.] basierend auf der Masoretischen Textgruppe), dann die Vulgata (Zielsprache lateinisch; basierend auf der Masoretischen Textgruppe) und die Targumim (Zielsprache aramäisch; basierend auf der Masoretischen Textgruppe) eine herausragende Stellung ein. Grundsätzlich ist jede Übersetzung eine Interpretation des Übersetzers und daher von dessen philologischen Kompetenzen, stilistischen Präferenzen, theologischen oder didaktischen Intentionen abhängig. Dennoch versucht die Textkritik, aus den Übersetzungen die hebräischen Vorlagen zu (re-)konstruieren, die der jeweilige Übersetzer benutzte. Die Kriterien zur (Re-)Konstruktion hebräischer Vorlagen aus Übersetzungen unterliegen allerdings schnell dem Verdacht der Subjektivität. Grundsätzlich gilt: Lässt sich die Abweichung einer Übersetzung vom Text der Masoretischen Textgruppe nicht als Resultat theologischer oder didaktischer Auslegung oder übersetzungsimmanenter Verderbnis (z. B. Buchstabenverwechslung oder Auslassung im Übersetzungstext) erklären, ist anzunehmen, dass die Übersetzung auf einer anderen hebräischen Vorlage beruht. Man kann dann versuchen, vom übersetzten Text in das Hebräische zurück zu übersetzen, um so die vermutete hebräische Vorlage zu (re-) konstruieren. Derartige (Re-)Konstruktionen sind insbesondere dann plausibel, wenn sie durch außermasoretische hebräische Lesarten belegt sind. Doch lässt sich oft nicht entscheiden, ob sich eine Abweichung vom Text der Masoretischen Textgruppe von einer abweichenden hebräischen Vorlage oder dem Gestaltungswillen des Übersetzers herleitet. Die Septuaginta (LXX), die Übersetzung der hebräischen und aramäischen Texte des AT ins Griechische,das inderhellenistischen Zeitdielingua franca war, stellte für das Gemeinde- und Schulleben des hellenistischen Judentums ( Hellenismus) eine enorme Erleichterung dar. Zugleich wurde durch sie die Hebräische Bibel zum ersten Mal der griechischen Welt vorgestellt. Für das hellenistische Judentum, die neutestamentlichen Autoren und die christliche Urkirche war sie die entscheidende Textgrundlage und nicht etwa die hebräischen/aramäischen Originaltexte. Aufgrund ihrer Bedeutung ist die Quellenbasis recht groß (Papyrus- oder Lederfragmente vom 2. Jh. v.chr. an; in Unzialen bzw. Majuskeln geschriebene Handschriften vom 4. 10. Jh. n.chr. 8 ;in Minuskeln bzw. Kursiven geschriebene Handschriften vom 9. 16. Jh. n.chr.). Ihr Name leitet sich von der Tradition ab, dass 72 (daher LXX = 70) Älteste aus Jerusalem die Tora auf Ersuchen des Königs Ptolemäus II. Philadelphos (283/2 246 v.chr.) ins Griechische übersetzt hätten (Aristeas-Brief 9 ), ein Ursprungsmythos, der in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auf alle ins Griechische übersetzten biblischen Bücher ausgeweitet wurde. Die Übersetzung der biblischen 8 Darunter die drei wichtigsten Handschriften: der Codex Vaticanus aus dem 4. Jh. n.chr., der Codex Sinaiticus aus derselben Zeit und der Codex Alexandrinus aus dem 5. Jh. n.chr. 9 Aristeasbrief, hg. v. N. Meisner, JSHRZ 2/1, Gütersloh 2 1977, 35 87.

30 Quellen und Methoden Bücher begann allerdings in der Tat mit der Tora wohl in der 1. Hälfte des 3. Jh. v.chr. in der jüdischen Diasporagemeinde ( Diaspora) in Alexandria, wohingegen erst im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte die übrigen Bücher sukzessiv folgten (s. Prolog zu Jesus Sirach um 132 v.chr., der das Gesetz, die Propheten und manche der Schriften in ihrer griechischen Version kennt). Der Streit darüber, ob es am Anfang der LXX jeweils nur eine Übersetzung jedes einzelnen Buches der Hebräischen Bibel gegeben habe (Einheitshypothese) oder ob mit der späteren Zusammenführung verschiedener Übersetzungsversuche (Targumhypothese) zu rechnen sei, scheint zugunsten der Einheitshypothese entschieden zu sein. Die hebräische Vorlage der LXX unterscheidet sich z. T. sehr von anderen Textzeugen (z. B. der Masoretischen Textgruppe, den Targumim, der Peschitta [= syrische Übersetzung] und Vulgata). Die Übersetzungsqualität der einzelnen Bücher ist recht unterschiedlich, und verschiedene Revisionen versuchten schon früh den Rückbezug zum hebräischen Original zu intensivieren (z. B. Papyri Fouad 266 und Ryland 458 im 2./1. Jh. v.chr.; Kaige-Theodotion in der Mitte des 1. Jh. v.chr.; Aquila um 125 n.chr.; Symmachus im 2./3. Jh. n.chr.). Die Anzahl der Revisionen und Neuübersetzungen der LXX zu organisieren und zu gewichten, war u. a. die Intention des Origenes, der Mitte des 3. Jh. n.chr. in seiner Hexapla den hebräischen Text, den hebräischen Text in griechischer Umschrift, Aquila, Symmachus, LXX (so genannte hexaplarische Rezension) und Kaige-Theodotion (mit Übersetzungen bislang unbekannter Vorlagen) nebeneinander stellte. Die LXX umfasst neben der griechischen Übersetzung der 24 Bücher des hebräischen Kanons (mit Abweichungen und Zusätzen) noch weitere Schriften, die von den Reformationskirchen seit Andreas Bodenstein von Karlstadt (1486 1541) (gefolgt von Martin Luther [1483 1546]) die Apokryphen, von der römisch-katholischen Kirche die deuterokanonischen Bücher genannt werden. Die Gruppe der apokryphen/deuterokanonischen Bücher umfasst Werke, die ursprünglich in griechischer Sprache verfasst worden waren und Werke, die aus einer hebräischen oder aramäischen Vorlage ins Griechische übersetzt worden sind (so Jesus Sirach, Tobit). Weiterhin gehören zur LXX auch Bücher, die von den Reformationskirchen als Pseudepigraphen ( Pseudepigraphie), von der römisch-katholischen Kirche als Apokryphen bezeichnet werden (s. u. Abschnitt 3). Die Vulgata ist die Übersetzung der Hebräischen Bibel in das Lateinische, die zwischen 390 und 405 n.chr. durch den Kirchenvater Hieronymus (ca. 342 420) erarbeitet wurde. Die hebräische Vorlage der Vulgata ist nahezu identisch mit der Masoretischen Textgruppe. Auch die Vulgata umfasst mehr Schriften als die Hebräische Bibel (s. u. Abschnitt 3). Die Targumim sind Übersetzungen des AT in die aramäische Sprache. Sie entstanden zu verschiedenen Zeiten als Folge der Durchsetzung des Aramäischen als lingua franca im Vorderen Orient insbesondere seit der babylonisch-persischen Zeit. Die ältesten Targum-Fragmente sind aus Qumran bekannt geworden. Zu nennen sind weiter der Targum Onkelos zum Pentateuch und der Targum Jonathan zu den Propheten, die beide wohl in Palästina vor Ende des Bar Kochba- Aufstandes (132 135 n.chr.) entstanden sind. Sie wurden in den Gemeinden und Schulen der babylonischen Diaspora im 4. Jh. n.chr. bearbeitet, tradiert und später vokalisiert. Während der Targum Onkelos weitgehend den hebräischen Text übersetzt, bietet der Targum Jonathan vielfach eher eine Paraphrase mit aktualisierenden Tendenzen. Die späteren Palästinischen Targumim (darunter Targumim aus der Kairoer Geniza (vgl. Exkurs 27B) aus dem 7. 11. Jh. n.chr., Targum Neophyti I [Handschrift von 1504, Datierung des verlorenen Originals zwischen dem 1. und 5. Jh. n.chr.]) gab es zum Pentateuch, den Propheten und mit Ausnahme von Daniel und Esra- Nehemia zu allen Schriften. Sie weisen eine große Vielfalt und häufig den Sprachtypus des jüdisch-palästinischen Aramäisch der byzantinischen Zeit auf. 3. Die Kanonisierung: Die Schriften des Alten Testaments bilden zusammen mit denen des Neuen Testaments (römisch-katholisch außerdem noch zusammen mit den deuterokanonischen Schriften) den Kanon (kanón Messschnur, Norm ), d. h. die

Die biblischen Quellen 31 maßgebliche Regel und Richtschnur für die christliche Theologie, Verkündigung und das christliche Handeln. Allgemeiner kann Kanon als die für eine Religionsgemeinschaft normative Sammlung von heiligen Texten oder Büchern definiert werden, die insbesondere für die Institutionen dieser Religionsgemeinschaft (Schule, Rechtswesen, Liturgie, Theologie) richtungs- und handlungsweisend sind und denen von den Mitgliedern dieser Religionsgemeinschaft gegenüber anderen Schriften vorrangige Autorität zugeschrieben wird 10 ( 34). Obwohl der Begriff Kanon griechisch ist und seine Verwendung für die verbindliche Sammlung der alt- und neutestamentlichen Schriften aus dem kirchlichen Rechtswesen des 4. Jh. n.chr. stammt, ist der Gedanke des Sammelns von verbindlichen Schriften, des Festlegens ihres Wortlauts (vgl. auch die Textsicherungsformel Dtn 4,2; 13,1) und ihrer Reihenfolge untereinander, sowie die Intention, diese Schriften von Generation zu Generation weiterzugeben, dem Alten Orient schon seit langem bekannt. Im mesopotamischen Schulbetrieb bestanden z. B. schon seit frühester Zeit kanonische Listen, die in Form und Reihenfolge festgelegt waren und zur Grundausbildung der Schreiber gehörten 11. Analog dazu kann man die Anfänge der Kanonisierung der atl. Schriften im Schulbetrieb vermuten. Die Bildung des hebräischen Kanons vollzog sich, wie später die des christlichen Bibelkanons, in mehreren Etappen und über mehrere Jahrhunderte hinweg. Um über die Geschichte der Kanonisierung der Hebräischen Bibel zu schreiben, wäre es nötig, je und je eine Literaturgeschichte ihrer Einzelbücher und Sammlungen zu entwerfen ( 5 23). Doch bleiben die genauen historischen Anfänge der Kanonisierung weitgehend im Dunkeln. Es gibt nur zwei literarisch greif- und datierbare Orientierungspunkte: Zum ersten Mal begegnet bei Jesus Sirach 44 50 (ca. 180 v.chr.) der Gedanke an eine festgelegte Sammlung der biblischen Bücher, während erst Flavius Josephus ca. 93 n.chr. (Apion. I,8) den Gedanken eines abgeschlossenen und unveränderlichen Bücherkorpus (= jüdischer Kanon, ohne dass der Begriff vorkäme) explizit formuliert, allerdings nur 22 Schriften dazu zählt, die er leider nicht genau benennt 12. Das 1. Jh. n.chr. als Zeit der Konsolidierung der Hebräischen Bibel in Bezug auf ihren Umfang lässt sich auch mit der Textgeschichte verbinden. Denn nach einigen Jahrhunderten der textlichen Vielfalt (s. den Befund in Qumran) konsolidierte sich im 1. Jh. n.chr. der Bibeltext des Judentums in Gestalt der protomasoretischen Textgruppe ( Masoreten). Die Situation war das Ergebnis verschiedener politischer wie sozio-religiöser Faktoren wie z. B. die Akzeptanz der Septuaginta (LXX) in der christlichen Gemeinde (was zu ihrer Ablehnung in der jüdischen Gemeinde führte) oder das Ende der Qumrangemeinde (70 n.chr.). Von Bedeutung war zweifelsohne, dass die Priesterkreise, die die (proto-) masoretische Textgruppe überlieferten, die einzige organisierte Gruppe waren, die nach der Zerstörung des Zweiten Tempels 10 C. Dohmen/M. Oeming (Hgg.), Biblischer Kanon warum und wozu? Eine Kanontheologie, QD 137, Freiburg/Wien u. a. 1992. 11 P. D. Gesche, Schulunterricht in Babylonien im ersten Jahrtausend v.chr., AOAT 275, Münster 2001. 12 Hingegen belegt 4Esr 14 etwa zeitgleich 24 Schriften.

32 Quellen und Methoden die Textüberlieferung weiter gewährleisten konnte. So setzte sich ihre Texttradition durch. Es gibt keine gesicherten Hinweise darauf, dass es in dieser Zeit zu einer offiziellen Zusammenkunft gekommen wäre, die eine Entscheidung über den kanonisch-autoritativen Status der 24 Bücher des Hebräischen Kanons im Blick auf die (proto-)masoretische Textgruppe gefällt habe. Die rabbinische Synode von Jabne/Jamnia, die zwischen 75 und 117 n.chr. getagt haben und einen Beschluss diesbezüglich gefasst haben soll, ist nicht belegbar. Die 24 Bücher der Hebräischen Bibel sind in drei Teilen Tora (Gesetz), Nebiim (Propheten = Josua bis Maleachi) und Ketubim (Schriften) zusammengestellt, in denen sich die verschiedenen Stadien ihrer Aufnahme in den Kanon und ihr Verhältnis zueinander (das Wichtigste steht am Anfang) niederschlagen. Aus den Anfangsbuchstaben der genannten drei Teile TNK ergibt sich das Wort TaNaK oder Tenakh, das in jüdischer Tradition den hebräischen Kanon bezeichnet. Die Samuel-, Könige- und Chronikbücher, die Bücher Esra und Nehemia sowie das Buch der zwölf kleinen Propheten werden in der Hebräischen Bibel jeweils als nur ein Buch gezählt, weshalb sich gegenüber der deutschsprachigen (Luther-)bibel nur 24 und keine 39 Schriften ergeben. Eigens erwähnt sei hier das Buch Daniel, das trotz seines prophetischen Inhalts nicht in die Nebiim, sondern in die Ketubim einsortiert wurde. Dies wird meist mit der späten Abschlusszeit des Buches in nachmakkabäischer Zeit (die Kanonisierung der Nebiim sei schon vorher abgeschlossen gewesen) und/oder der antiapokalyptischen Tendenz ( Apokalyptik) des Judentums zur Zeit des Kanonabschlusses erklärt ( 21). Deutsche Bibeln gliedern (nach der Lutherbibel) in: 1. Die Geschichtsbücher, 2. Die Lehrbücher 3. Die Prophetischen Bücher, wodurch der Dreischritt Vergangenheit Gegenwart Zukunft entsteht. Dieser lehnt sich an den Aufbau der LXX und der Vulgata an, die jedoch (s. Übersicht) mehr Schriften (die [protestantisch] Apokryphen bzw. [römisch-katholisch] deuterokanonischen Bücher) enthalten. Die über den hebräischen Kanon hinausgehenden Bücher sind in der LXX und Vulgata jeweils ihrem Inhalt entsprechend in die Geschichts-, Lehr- oder Prophetenbücher eingeordnet. Die (römisch-katholisch) als deuterokanonisch bezeichneten Bücher sind in der folgenden Übersichtstabelle fett dargestellt. Sie sind in katholischen Bibelausgaben enthalten. Hebräische Bibel LXX Vulgata Lutherbibel Tora/Gesetz Geschichtsbücher Pentateuchus Geschichtsbücher Genesis Genesis Genesis 1. Buch Mose Exodus Exodus Exodus 2. Buch Mose Levitikus Levitikus Levitikus 3. Buch Mose Numeri Numeri Numeri 4. Buch Mose Deuteronomium Deuteronomium Deuteronomium 5. Buch Mose

Die biblischen Quellen 33 Hebräische Bibel LXX Vulgata Lutherbibel Nebiim/Propheten s. o. Libri Historici s. o. Vordere Propheten Josua Josua Josua Josua Richter Richter Richter Richter (in Ketubim) Rut Rut Rut 1 + 2Samuel 1 + 2Könige 1 + 2Könige 1 + 2Samuel 1 + 2Könige 3 + 4Könige 3 + 4Könige 1 + 2Könige (inketubim) 1+2Chronik 1+2Chronik[und 1 + 2Chronik Gebet des Manasse] [1Esra (= 3Esra der 1Esra (= Esra) Esra Vulgata)] (in Ketubim) 2Esra (= Esra + Neh) 2Esra (= Nehemia) Nehemia [3Esra] [4Esra] (in Ketubim) Ester + Zusätze Tobit Judit Judit Tobit Ester + Zusätze Ester 1 + 2Makkabäer [3 + 4Makkabäer] Hintere Propheten Lehrbücher Libri Didactici Lehrbücher Jesaja Ijob/Hiob Ijob/Hiob Jeremia Psalmen Psalmen Psalmen [Oden Salomos und Gebet des Manasse] Ezechiel Sprüche Sprüche Sprüche Hosea Kohelet Kohelet Kohelet Joël Hoheslied Hoheslied Hoheslied Ijob/Hiob Weisheit Weisheit Jesus Sirach Jesus Sirach Amos [Psalmen Salomos] Obadja Jona Micha Nahum Habakuk Zefanja Haggai Sacharja Maleachi

34 Quellen und Methoden Hebräische Bibel LXX Vulgata Lutherbibel Ketubim/Schriften Propheten Libri Prophetici Propheten Psalmen Hosea Jesaja Jesaja Ijob/Hiob Amos Jeremia Jeremia Sprüche Micha Klagelieder Klagelieder Rut Joël Baruch Ezechiel Hoheslied Obadja Ezechiel Daniel Kohelet Jona Daniel + Zusätze (inkl. Susanna, Bel und der Drache) Klagelieder Nahum Hosea Hosea Ester Habakuk Joël Joël Daniel Zefanja Amos Amos Esra + Nehemia Haggai Obadja Obadja 1. + 2. Chronik Sacharja Jona Jona Maleachi Micha Micha Jesaja Nahum Nahum Jeremia Habakuk Habakuk Baruch 1 5 Zefanja Zefanja Klagelieder Haggai Haggai Brief Jeremias = Sacharja Sacharja Baruch 6 Maleachi Maleachi Ezechiel 1 + 2Makkabäer Susanna = Dan 13 Daniel + Zusatz 3,24 90 (= Gebet des Asarja; Lobgesang der 3 Männer im Feuerofen) Bel und der Drache =Dan14 Im protestantischen Sprachgebrauch gibt es neben den Apokryphen (= den zusätzlichen Schriften der LXX und Vulgata) auch noch die Pseudepigraphen ( Pseudepigraphie), die ihrerseits im katholischen Sprachgebrauch als Apokryphen bezeichnet werden und auch dort nicht zum Kanon gehören. Daraus ergibt sich, dass der Begriff der Apokryphen missverständlich ist, und je nach Konfession Unterschiedliches bezeichnet. Auch die Frage, welche Schriften zu den Apokryphen, welche zu den Pseudepigraphen des Alten Testaments gehören, ist nicht eindeutig zu klären, da die Abgrenzungen untereinander und zu anderen Bereichen (Apokryphen des Neuen Testaments, Qumranliteratur u. a.) fließend sind 13. Zu den (protestantisch wie katho- 13 Eine vollständige Liste findet sich auf www.uni-leipzig.de/~nt/asp/pseudep.htm.

Die archäologischen Quellen 35 lisch nicht-kanonischen) Pseudepigraphen/Apokryphen gehören Schriften historisch-legendarischen Inhalts (3Esr, 3Makk, Arist), Unterweisungen (4Makk, Jub, TestXII, MartJes, LebAd, JosAs), poetische Schriften (PsSal, Oden Salomos, Gebet des Manasse [gehört nach der Lutherbibel zu den Apokryphen]) und eine beträchtliche Anzahl an Apokalypsen (ApkAbr, AssMos, slawhen, äthhen, ApkBar[syr], ApkBar[gr], Sib, 4Esr u. v. a.). DiearchäologischenQuellen Terminologie Bibel. Der Begriff Bibel ist abgeleitet von der libanesischen Hafenstadt Byblos, die für die Herstellung und den Vertrieb von Schreibmaterial und Büchern bekannt war. Bibel meint also das Buch schlechthin. Für die jüdische Religion ist dies die Sammlung der 22 oder 24 (Flav.Jos., Apion. I,8; 4Esra 14,42ff.) hebräischen Schriften (= Hebräische Bibel, oft auch die Schrift oder TNK/TaNaK; s. o.), während die christliche Religion diese Sammlung als ersten Teil der christlichen Bibel und die neutestamentlichen Schriften als deren zweiten Teil zählt. Altes Testament. Der Name Altes Testament ist vom NT hergeleitet und von diesem her dem ersten Teil der christlichen Bibel zugeteilt (daher z. T. auch Erstes Testament ). Die Bezeichnung ist durch Jer 31,31 34 vorbereitet, wo ein neuer Bund ( Bund) verheißen wird. Dem hebr. Wort b e rît Bund, Vertrag entspricht im Griechischen diathmkm und im Lateinischen testamentum. Letztlich geht der Begriff auf Paulus Rede vom alten Bund in 2 Kor 3,14 zurück. Der Name Altes Testament setzte sich im Christentum gegen Ende des 2. Jh. n.chr. durch und beinhaltete keine Abwertung, d. h. alt wurde nicht im Sinn von überholt, sondern im Sinn von altehrwürdig, bewährt verstanden und betonte die Verwurzelung der christlichen Kirche in der von den Juden übernommenen Schrift. Protestantische Bibelausgaben beinhalten ihrem Umfang nach die Bücher der Hebräischen Bibel, die jedoch nicht in der dortigen Reihenfolge (Tora-Propheten-Schriften), sondern in der LXX/Vulgata-Anordnung (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) sortiert wurden. Die Hinwendung der Reformation zum hebräischen Urtext der Bibel (veritas hebraica) war ein zentrales Anliegen, da allein die Schrift (sola scriptura) Kriterium in Glaubensfragen sein sollte, so dass es von großer Bedeutung war, dem ursprünglichen Sinn des Texts in der Originalsprache möglichst nahe zu kommen. So ließ man nur die Schriften als kanonisch gelten, die (nach dem damaligen Wissensstand) ein hebräisches Original besaßen. Katholische Bibelausgaben orientieren sich demgegenüber weitgehend am Kanon der Septuaginta bzw. Vulgata und beinhalten darüber hinaus die (prot. apokryphen) deuterokanonischen Bücher. Griechische Bibel/Septuaginta (LXX). Die frühe christliche Kirche hatte die Heilige Schrift der Juden in Gestalt dieser griechischen Übersetzung des AT übernommen. Sie ist in der Ostkirche bis heute wichtig, enthält die Schriften der Hebräischen Bibel und darüber hinaus die sog. apokryphen/deuterokanonischen Bücher (s. die vorherige Tabelle), die fast alle ursprünglich in Griechisch verfasst waren. 1.2.2 Die archäologischen Quellen aus Palästina Literaturverzeichnis 7.3 Archäologie und Ikonographie. Ferner: L. Mildenberg, yxhwd und šmryn. Über das Geld der persischen Provinz Juda und Samaria im 4. Jahrhundert, in: H. Cancik/H. Lichtenberger/P. Schäfer (Hgg.), Geschichte Tradition Reflexion, FS für Martin Hengel zum 70. Geburtstag, Bd. I: Judentum, Tübingen 1996, 119 146. Die materiellen Hinterlassenschaften aus Palästina sind als Quellen der Palästinaarchäologie ebenso zahlreich wie unterschiedlich. Ikonographisches und epigra-