Thomas Schröder Deutscher Tierschutzbund e.v.
Tiergerechte Haltung bezeichnet eine Form der Tierhaltung, die sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientiert und insbesondere auf die angeborenen Verhaltensweisen der Tiere Rücksicht nimmt. Domestizierte Tiere haben sich viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen z.b. Bewegungsdrang oder das Bedürfnis, sich zu verstecken erhalten.
Intensivtierhaltung Die heute übliche Tierhaltung unterwirft die Tiere kostengünstigen und arbeitssparenden Produktionsmethoden. Diese Intensivtierhaltungssysteme (ganzjährig im Stall, Engaufstallung, Vollspaltenställe, Käfige,) sind nicht tiergerecht, weil arteigenes Verhalten zurückgedrängt wird. Schäden und Verhaltensstörungen sind die Folge. Die negativen Auswirkungen auf Umwelt- und auch Verbraucherschutz sind massiv.
Intensivtierhaltung ist gekennzeichnet durch Züchterische Maßnahmen zur Anpassung an Höchstleistung Manipulationen zur Anpassung der Tiere an das Haltungssystem (Schwanzamputationen, Schnabelkürzen, Enthornen, Zähneschleifen) Die zugelassenen Besatzdichten lassen keine individuelle Kontrolle und Betreuung der Tiere zu. Veränderung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus Intensive Fütterung Spezialisierung und damit Tiertransporte
Intensivtierhaltung ist gekennzeichnet durch Stress und hoher Infektionsdruck beeinträchtigen das Immunsystem der Tiere und erfordern erhöhten Arzneimitteleinsatz. Bei bestimmten Tierseuchen verlangen die gesetzlichen Bestimmungen die Tötung des gesamten Bestandes. In diesen Fällen müssen bis zu Hunderttausende von Tieren innerhalb möglichst kurzer Zeit getötet werden. Bei Unglücksfällen wie z.b. Bränden sind große Zahlen von Tieren betroffen.
Problem Zucht am Beispiel Rinder Zucht auf hohe Milchleistung Milchleistung in den letzten 40 Jahren um rund 35 % gestiegen Nutzungsdauer heute bei 2,8 Jahren (Tier wird mit 5 Jahren geschlachtet Drastische Zunahmen von Stoffwechselstörungen, Eutererkrankungen und Erkrankungen an Klauen und Gliedmaßen, Reproduktionsprobleme Preis für Hohe Leistung: kein Weidegang für Hochleistungstiere Tierschutzrelevant: männliche Kälber aus der Milchviehzucht
Problem Haltung am Beispiel Schweine Haltung in unstrukturierten Buchten auf Vollspaltenboden Hohe Besatzdichten Zurückgedrängte Verhaltensweisen - Keine Trennung der Funktionsbereiche - Kein ungestörtes Ruhen - Langeweile Körperliche Probleme und Schäden - Veränderungen und Entzündungen an Fußsohlen, Sprunggelenken, Zehen
Problem Haltung am Beispiel Schweine Folge: Auftreten von Verhaltensstörungen und Schäden Stangenkauen, Leerkauen, Trauern Schwanz- und Ohrenbeißen Erkrankungen des Bewegungsapparates, Klauen- und Gelenkerkrankungen Verletzungen, Schürfwunden und Druckstellen an der Haut durch Liegen auf hartem Boden.
Schwänze kupieren bei Ferkeln In Deutschland werden zurzeit nahezu allen Ferkeln für die intensive Schweinemast die Schwänze gekürzt, um Schwanzbeißen zu vorzubeugen Nicht nur der Eingriff ist mit Schmerzen verbunden. Die Schwanzspitze ist vermutlich dauerhaft schmerzempfindlich durch Neurombildung.
Tiere in der Landwirtschaft haben Anspruch darauf, ihren Bedürfnissen entsprechend untergebracht, betreut und versorgt zu werden.
Anforderungen an eine tiergerechte Haltung Robuste und gesunde Zuchtlinien Geringe Besatzdichten Strukturierte Ställe Auslauf/Außenklimaställe Bedürfnisgerechte Fütterung
Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes Gesetzliche Vorgaben für alle Tiere in der Landwirtschaft (fehlen bspw. für Kaninchen, Enten, Gänse, Schafe, Ziegen) Tierschutz-TÜV zur Sicherstellung der Tiergerechtheit von Stallsystemen/-einrichtungen vor Markteinführung Verpflichtende (optional freiwillige) staatlich geregelte Tierschutzkennzeichnung (bspw. analog Bio-Siegel) mit Tierschutzstandards deutlich über dem gesetzlichen Niveau Agrarinvestitionsförderung zwingend gekoppelt an tiergerechte Haltungssysteme
Das Label des Deutschen Tierschutzbundes Der Gesetzgeber hat bisher versagt. Solange aber Fleisch gegessen wird, müssen wir alles dazu tun, dass die Millionen so genannten Nutztiere, besonders die in den Intensivhaltungen, bessere Bedingungen erhalten. Mehr Infos: www.tierschutzlabel.info
Das Label des Deutschen Tierschutzbundes Zweistufiges Label Klarer Mehrwert an Tierschutz Standards schon bei Einstiegsstufe weit über dem Tierschutzgesetz Ist entwickelt zunächst für Schweine und Masthühner
Das Label des Deutschen Tierschutzbundes Was war uns besonders wichtig: Mehr Platz für die Tiere (Besatzdichte verringern) Ausübung arteigener Verhaltensweisen (Strukturen, Beschäftigungsmaterial, Trennung von Funktionsbereichen) Licht und frische Luft (Außenklimaställe, Kaltscharrraum, Auslauf) Tierwohl und Tiergesundheit (Überprüfung tierbezogener Kriterien im Stall und am Schlachthof) Tierschonender Umgang (Transportbegrenzung, strenge Vorgaben an Betäubung und Schlachtung)