Rette die Amphibien! Patrick Faller

Ähnliche Dokumente
Patrick Faller. Lerneinheit Landschaftsgenetik mit Grundlagen der Populationsgenetik

Liebe macht blind. Krötenwanderung

Amphibienschutzanlagen in Thüringen

Arbeitshilfe. Arbeitshilfe 10. Projektspezifische Erfolgskontrollen. Vernetzungsprojekten. Amphibien, Reptilien

Beobachtungen an einem Krötenzaun Stefan Häcker

Artenschutzrechtliche Begutachtung der. Flurstücke Weinstraße in Erlenbach

im Zuge der Entwicklung der ehemaligen Kaserne Krampnitz sollen Gebäude entfernt werden, die in Abbildung 1 dargestellt sind:

Vordringliche Maßnahmen zur Beseitigung von Zerschneidungswirkungen von Verkehrswegen und Bauwerken im Biotopverbund in Thüringen

Unterrichtsmaterial zum Thema Erhaltung der Biodiversität

Erstmals Springfrösche entdeckt

Amphibien im Kreis Minden-Lübbecke

Merkblatt - Mobiler Schutzzaun für Amphibien

Natürliche vs. künstliche Kleingewässer. Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) Silvia Zumbach

Fördert Lebensraumvernetzung die Biodiversität?

Zur Populationsbiologie der Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Hainich / Thüringen

Einige heimische Arten

Das Biotopverbundkonzept des Landes Baden-Württemberg

Was ist nun zu tun, damit man die Amphibien erhalten kann?

Schutz der Amphibienwanderung an der Pützchens Chaussee, Stadt Bonn, im Jahr 2018

Geschützte Wildtiere. Amphibien. Biber

Habitate sind Lebensräume für Tiere

Wohnen im Grünen... Stadt Salzburg Eigentum. Moosstraße

Welche Weiher für Amphibien?

Teichfrosch: Lebensraum und Aussehen

Rechtliche Aspekte des Artenschutzes - Wanderbiotope und Rekultivierung -

Ein Rettungsnetz für die Wildkatze Informationen für den Bereich Kaiserslautern

Was sagt die FFH-Richtlinie zu Schutz, Management und Erhaltungszielen von Natura 2000?

Artenschutz an Gebäuden. BauMesse Unna Stadthalle Unna, Oktober 2016

Artenschutzrechtliche Begutachtung der Gebäude Brackenheimer Straße 21 (ex Kellerei Willy)

Rohstoffgewinnung und Artenschutz Dr. Norbert Schäffer

Gert Berger und Holger Pfeffer Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Müncheberg

Die praktische letzte Seite: Natur erleben und erkunden «Tierspuren untersuchen», Barbara und Andreas Jaun-Holderegger, Nr. 8/2016, S.

Umsiedlung der Geburtshelferkröten! Projekt Sanierungstunnel Belchen (STB)!

Nahrung und Lebensraum der Störche

Projekt Rhesi und rechtliche Rahmenbedingungen - das Schweizer Wasserbau- bzw. Gewässerschutzgesetz

Amphibienwanderstrecke Kirchberg a. d. Raab Erhebungen zum Frühjahrswandergeschehen 2016 mit besonderer Berücksichtigung der Knoblauchkröte

Überblick. Ziele. Unterrichtseinheit

Artenschutzrechtliche Begutachtung des. Flurstücks 3879/7. in Neckarwestheim

Amphibienuntersuchung an der Grünbrücke über die A 33 und dem anschließenden Amphibienleitsystem am Lohmannsweg

Teichmolch Lurch des Jahres 2010

Schutz von Amphibienlebensräumen. eine unterschätzte Größe im Amphibienschutz?

Verteilung und Überlebensrate von L. helle im Nord Westen Rumäniens bei unterschiedlicher Waldnutzung

Kurzdarstellung einer Unterrichtssequenz zum Thema Überfischung

Vermutungen zu den Störchen im Winter

1.1 Artenvielfalt. Was die Biodiversität?

Zu den einheimischen Amphibien oder Lurchen zählen Salamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche. Insgesamt leben in Deutschland 21 Amphibienarten.

Protokoll zum diurnalen Säurerythmus einer CAM-Pflanze

Fallstudie zur Reproduktionsökologie der Gelbbauchunke in zwei Lebensräumen im nördlichen Rheinland

Inhalte Klasse 5 Konzeptbezogene Kompetenzen Prozessbezogene Kompetenzen

An Experimental Study of Inbreeding Depression in a Natural Habitat

Auswirkungen des Netzausbaus auf Pflanzen, Tiere und die biologische Vielfalt

Anlage B zum Achtzehnten Hauptgutachten der Monopolkommission 2008/2009

Natur und Technik. Lernstandserhebung zu den Schwerpunkten Biologie, Naturwissenschaftliches Arbeiten, Informatik. Datum:

1 Was ist Leben? Kennzeichen der Lebewesen

Aufgabe 7: Erfindungen, die die Welt verändern

Andreas Jaun. An Fluss und See

Welche Bedeutung hat das Altenbrucher Watt für den Flussuferläufer?

NSG-ALBUM. Bruchbach-Otterbachniederung III. Lebensraum Stillgewässer NSG (M. Kitt)

Wie gehst Du mit Bildern um?

Artenschutzrechtliche Stellungnahme zum B - Plan Holzweg, 2. Änderung in Erlenbach - Binswangen

Übersicht über die Stationen

Besiedlung neu erstellter Habitate durch Gelbbauchunken im Smaragdgebiet Oberaargau

SCHUTZ UND HOFFNUNG FÜR DIE LETZTEN ORANG-UTANS IHRE ZUWEISUNG VON GELDAUFLAGEN

Höhlen aus der Sicht des Naturschutzrechts

Verbreitungsschwerpunkte der Amphibien in Brandenburg. Kleingewässer (der Agrarlandschaft) als Schlüsselhabitate

Fahrrinnenausbau Main Ökologische Gestaltungsmaßnahmen

Learn4Med. Ein Gen steuert die Haarfarbe einer Katze. Es gibt ein Allel (also eine Version) für ein schwarzes Fell und ein Allel für rote Haare.

Viel Spaß bei deiner Entdeckungsreise durch das Haus am Strom! (5.-7. Klasse)

Stand der Maßnahmenumsetzung März C1 Maßnahmenblock I. (Brücken und Durchlässe)

Situationsbeschreibung der Amphibienwanderung an der nördlichen Velmannstraße im Entersweiler Tal in Kaiserslautern

DR. MICHAEL WAITZMANN REFERAT 25 ARTEN- UND FLÄCHENSCHUTZ, LANDSCHAFTSPFLEGE

Für die Artenschutzprüfung relevante Schutzkategorien / Planungsrelevante Arten

Waldkindergärten - Eine Standortanalyse für Grün Stadt Zürich

Die Grünflächen am Flughafen

Lebensraumanalyse und neue Fördermethoden für die Kreuzkröte (Bufo calamita)

Gesetzesbindung statt Abwägung? Bauleitplanung und Naturschutzrecht. Karl-Heinz Strittmatter, RP Freiburg, Referat 55 (Naturschutz, Recht)

Leitprogramm Bruchterme

Leitfaden zur Berücksichtigung des Artenschutzes bei Aus- und Neubau von Bundeswasserstraßen

Herstellung Wegweiser

- 2 - Inzwischen ist anerkannt, dass sich der moderne Mensch aus einer Urform entwickelt hat.

Artenschutz und Genetik der Aspisviper (Vipera aspis) im Schweizer Mittelland und dem Jura

Praxisbeispiel 1. Handlungsoptionen der Kommune beim Artenschutz am Gebäude

LURCHE. Der Körperbau des Frosches. Zeig, was du kannst. Der fertige Frosch unterscheidet sich von anderen Wirbeltieren.

Hauptfragen. Grundsätzlich steht die SP nach wie vor hinter dem LP21.

Wir sortieren unser Klassenzimmer mit Anna, Ulla und Peter!

Arten- und Lebensraumschutz im Nationalpark Donau-Auen und Umland DIE KREBSSCHERE. (Stratiotes aloides)

ENTWURFSSTAND 20. September 2016

Evolution. Biologie. Zusammenfassungen. Semesterprüfung Freitag, 17. Juni Evolutionstheorien Lamarck/Darwin. Evolutionsfaktoren

DOWNLOAD. Lineare Texte verstehen: Das Schneckenterrarium. Ulrike Neumann-Riedel. Downloadauszug aus dem Originaltitel:

Inhaltsverzeichnis. Warum ein Buch über die Weinbergschnecke?... 4 Wie du dich in diesem Buch zurechtfindest 5 Steckbrief: Die Weinbergschnecke 6

Transkript:

Patrick Faller Rette die Amphibien!

Inhaltsverzeichnis 1. Lektion: 1. Schutzmassnahmen für Erdkröten.. 3 Thema, Lernziele und Vorwissen.. 3 Verlaufsplanung 1. Lektion... 4 Einstiegsfolie 1. Lektion: Rette die Amphibien.. 5 1.1. Frühjahrswanderung zum Laichgewässer......... 6 1.2. Temporäre Schutzmassnahmen....... 7 1.3. Dauerhafte Schutzmassnahmen........ 7 1.4. Vernetzung der Lebensräume als weitere Schutzmassnahme..... 9 2. Lektion: 2. Wie moderne Untersuchungsmethoden den Amphibien durch Vernetzung helfen können.. 11 Thema, Lernziele und Vorwissen. 11 Verlaufsplanung 2. Lektion.. 12 2. Wie moderne Untersuchungsmethoden den Amphibien durch Vernetzung der Lebensräume helfen können.. 13 Informationen für die Lehrperson zur Laichplatztreue der Erdkröten. 19 Bildverzeichnis.... 20 Referenzen und Links, Danksagungen... 22 Vortest. 23 Nachtest. 27

1. Lektion: Schutzmassnahmen für Erdkröten Thema: Die Funktion der Frühjahrswanderung wird am Beispiel der Erdkröte erläutert. Schutzmassnahmen, welche die Erdkröten vor dem Verkehr schützen, werden eingeführt. Dabei wird zwischen temporären und dauerhaften Schutzmassnahmen unterschieden. Weitere allgemeine Schutzmassnahmen für Amphibien werden genannt und exemplarisch die Vernetzung von Lebensräumen als weitere mögliche Schutzmassnahme thematisiert. Ziele: Die Schülerinnen und Schüler können vier konkrete Massnahmen nennen, wie Erdkröten bei ihrer Laichwanderung geschützt werden können. Die Schülerinnen und Schüler können zwei Argumente nennen und erläutern, die für oder gegen eine Vernetzung von Lebensräumen stehen. Vorwissen: Kein Vorwissen ist nötig, falls der Begriff Population bereits bekannt ist, wäre dies jedoch hilfreich.

1.2. Temporäre Schutzmassnahmen Naturschützer haben deshalb an vielen Orten Schutzmassnahmen für Amphibien ergriffen. Mit Plastikfolie und Stöcken werden im Spätwinter Fangzäune an Strassenabschnitten errichtet, die von vielen Amphibien überquert werden. In regelmässigen Abständen werden hinter dem Zaun Eimer eingegraben, in die die Erdkröten hineinfallen, weil sie auf der Suche nach einer Quermöglichkeit dem Zaun folgen (Abb. 4). Mehrmals täglich entleeren Helfer die Eimer auf der anderen Strassenseite, sodass die Erdkröten unversehrt weiterwandern können. Kurzzeitig können von der Polizei auch Strassen während der Frühjahrswanderung der Amphibien gesperrt werden. In der gesamten Schweiz werde so etwa 100'000 Amphibien pro Jahr über die Strasse befördert. Sind die Erdkröten in die Sommerquartiere aufgebrochen, werden die Fangzäune wieder abgebrochen. Abb. 4 : Amphibienschutzzaun mit eingegrabenem Eimer 1.3. Dauerhafte Schutzmassnahmen Abb. 5 : Amphibientunnel. Die Leitbleche sollen die Tiere zu den Durchlässen führen Was könnte für einen dauerhaften Schutz der Erdkröten getan werden? Man errichtet zunächst entlang der Wanderwege dieser Amphibien Schutzzäune (siehe 1.2). Die Hauptwanderwege der Amphibien lassen sich erschliessen, indem die Erdkröten in den Fangeimern regelmässig gezählt werden, und Protokolle der Verteilung der Amphibien entlang der Strasse über einen längeren Zeitraum hinweg erstellt werden. An den Kreuzungsstellen mit den Strassen entlang von Hauptwanderwegen können dann feste Schutzzäune aus Blechen, Kunststoffplatten oder Beton-Fertigelementen aufgestellt und unter den Strassen Röhren eingebaut werden (Abb. 5). Die Zäune leiten die wandernden Erdkröten dann zu den Röhren, die den Tieren als ungefährliche Wege zur Unterquerung der Strassen dienen können. Eine andere Ausgleichsmassnahme zum Schutz der Amphibien ist die Anlage neuer Laichgewässer (= Ersatzlebensräume) auf der Strassenseite der Winterquartiere. In diese neuen

temporären und den dauerhaften Schutzmassnahmen. 1.4. Vernetzung der Lebensräume als weitere Schutzmassnahme Wie du oben erfahren hast, gehören die Erdkröten zu den laichplatztreuen Amphibien in der Schweiz. Trotzdem sind sie in der Lage, sich neue Laichplätze zu erschliessen. Sind sie zu weit vom Laichgewässer entfernt oder zu spät, um am eigenen Laichgewässer anzukommen, können sie ein anderes Gewässer zur Fortpflanzung nutzen. Gleiches ist auch möglich, wenn das ursprüngliche Laichgewässer zerstört wurde. Im Tier- und Naturschutz ist es zudem wichtig, dass die Lebensräume der Amphibien räumlich vernetzt sind, so dass die Tiere von einem Ort zum anderen Ort wandern können. Dadurch wird der Austausch von Erbmaterial gefördert und so verhindert, dass die Tiere durch räumliche Isolation bedingte Inzucht weniger gut überleben. Je kleiner die Anzahl Amphibien ist, die sich an einem Laichgewässer untereinander fortpflanzen, desto grösser ist die Gefahr auszusterben. Daher versucht man die Lebensräume so zu gestalten, dass die Amphibien möglichst einfach zwischen den Lebensräumen hin- und herwandern können. Aufgabe 3: Durch welche konkreten Massnahmen kann die Vernetzung gefördert werden? Aufgabe 4: Nachdem dein Schulkollege Peter die Texte bis hierher gelesen hat, sagt er: Die Vernetzung der Lebensräume kann man am besten fördern, wenn man unter allen Strassen eine Röhre einbauen würde, durch welche die Amphibien gefahrlos die Strasse unterqueren können!. Was hältst du von Peters Vorschlag?

2. Lektion: Wie moderne Untersuchungsmethoden den Amphibien durch Vernetzung der Lebensräume helfen können Thema: Einführung des Begriffes genetischer Fingerabdruck auf einfache Weise. Anhand der Reduktion des Genotyps auf verschiedene Farben, lösen die Schülerinnen und Schüler mit dieser Methode eine ökologische Fragestellung. Das Thema räumliche Vernetzung aus der 1. Lektion wird wieder aufgenommen und mit Aufgaben vertieft. Zusätzlich wird auf das mögliche Fehlkonzept Schutzmassnahmen der Laichwanderung ist gleich einer Vernetzung der Lebensräumen eingegangen. Ziele: Die Schülerinnen und Schüler können zwei Argumente nennen und erläutern, die für oder gegen eine räumliche Vernetzung von Lebensräumen stehen. Vorwissen: Vorwissen aus der 1. Lektion sinnvoll, jedoch nicht zwingend nötig.

2. Wie moderne Untersuchungsmethoden den Amphibien durch Vernetzung der Lebensräume helfen können Sicher hast du auch schon den Begriff genetischer Fingerabdruck in einem Film gehört. Mit Hilfe von modernen sogenannten molekularbiologischen Methoden kann man das Erbgut von Lebewesen so genau untersuchen, dass man die Verwandtschaftsverhältnisse dieser Lebewesen bestimmen kann. Mit einem solchen genetischen Fingerabdruck kann zum Beispiel bestimmt werden, ob dein Vater wirklich dein Vater ist oder ob das ausgerissene Haar auf dem gestohlenen Schmuck wirklich vom vermeintlichen Dieb stammt. Diese modernen Methoden helfen auch Fragen zu beantworten, die man sich im Naturschutz häufig stellt. Du sollst nun in der folgenden Aufgabe versuchen, mit Hilfe dieser modernen Methoden den Amphibien zu helfen. Einleitung In der kleinen Gemeinde Froschikon hat es drei Tümpel, in denen die seltenen, bedrohten Laubfrösche vorkommen. Die Gemeinde möchte nun etwas für den Schutz der Laubfrösche tun und weitere Tümpel bauen. Leider reicht das Geld nur für einen weiteren Tümpel. Als möglichen Standort für den neuen Tümpel gibt es drei Möglichkeiten. Diese sind jeweils zwischen zwei schon Abb. 7 : Gemeinde Froschikon mit den drei bestehenden Tümpeln und den drei möglichen Standorten für den neuen Tümpel. bestehenden Tümpeln (Abb. 7). Die Gemeinde möchte nun von dir wissen, welcher dieser drei Standorte der Sinnvollste ist. Du überlegst dir, dass ein Austausch der Laubfrösche zwischen den bestehenden und dem zukünftigen Gewässern das wichtigste ist. Wenn der Austausch der Laubfrösche gewährleistet ist also wenn die Tiere sich von einem Gewässer zum anderen bewegen können, spricht man von guter räumlichen Vernetzung der Lebensräume. Eine gute Vernetzung der Tümpel ist also zentral für den Fortbestand einer Art in der Landschaft. Du musst zuerst bestimmen, zwischen welchen Tümpeln eher ein Austausch stattfindet und zwischen welchen Tümpeln eher kein Austausch stattfindet. Sobald dir das