Neue Wachstumstheorie

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Transkript:

Neue Wachstumstheorie Was ist "neu"?: Nicht abnehmende Skalenerträge positive Externalitäten unvollkommener Markt endogene Erklärung des technischen Fortschritts Rückgriff auf innovationstheoretische Konzepte Wachstum erfolgt nicht entlang des Gleichgewichtspfades, Verschärfung regionaler Disparitäten ist möglich Unterschiedliche Modelle, kein einheitliches Theoriegebäude: Modelle über Humankapital und Wachstum sowie learning by doing und Wettbewerbsvorteile Gleichgewichtsmodell endogenen technischen Wandels Innovationsmodelle Modell komparativer Vorteile Modelle erweiterter Produktvielfalt sowie verbesserter Produktqualität

Raumrelevanz: Anfängliche Faktorausstattung einer Region determiniert Ausmaß regionaler Ungleichgewichte Regionales Wachstum abhängig vom Humankapitalbestand, Kapitalstock, Sektoralstruktur und Mobilitätsfähigkeit des Wissens Regionen mit hohem Humankapitalbestand (H) wachsen schneller als solche mit geringem H Wachstumsunterschiede vergrößern sich, wenn die Unterschiede in H, in dem von diesem erzeugten Wissen und damit in der Innovationstätigkeit zunehmen In Abhängigkeit von der Mobilität des Wissens kann interregionale Konvergenz oder Divergenz eintreten Spillovereffekte (positive Wissensexternalitäten) ermöglichen Regionen, an regionsexternem Wissen zu partizipieren (Diffusionsgeschwindigkeit) Agglomerationsnachteile (steigende Lohnsätze, steigende Zwischen- und Endproduktepreise) führen bei mobilem Wissen zu Ausgleich Da Wissen nie vollständig mobil ist, haben Regionen temporären Vorteil, in der das Wissen entsteht

Neue Außenhandelstheorie Beispiel: Zentrum-Peripherie-Modell (Krugman 1991) Prämissen: Es existiert ein Land mit zwei Standorten, Ost und West. Es werden homogene Agrarprodukte unter konstanten Skalenerträgen und im vollständigen Wettbewerb sowie unterschiedliche Industrieprodukte mit steigenden Skalenerträgen in monopolistischer Konkurrenz produziert. Es bestehen identische Konsumpräferenzen. Landwirte produzieren Agrarprodukte, Arbeiter Industriegüter. Landwirte können nicht Arbeiter werden und Arbeiter nicht Landwirte. Die geographische Verteilung von Landwirten ist fix, während Arbeiter zwischen Standorten mit dem höchsten Realeinkommen wandern können. Für den Transport von Industrieprodukten zwischen den beiden Standorten entstehen Kosten und zwar in der sogenannten Eisberg-Variante, nach der nur ein Teil des versendeten Gutes beim Empfänger ankommt. Beim Transport von Agrargütern entstehen keine Kosten.

Da eine Vielzahl von Industriegütern mit steigenden Skalenerträgen produziert werden, gibt es für Unternehmen keinen Grund, dasselbe Produkt wie ein anderes Unternehmen herzustellen. Optionen für die Herausbildung eines Zentrum- Peripherie-Musters: (1) Zentripetale Entzugseffekte in Form von durch die Unternehmen und Arbeitskräfte realisierten Urbanisationsvorteilen stärken die Position des Ostens als industriellem Zentrum. (2) Zentrifugale Ausbreitungseffekte in Form von Abwanderungsabsichten zur Bedienung des peripheren landwirtschaftlichen Marktes (Westen) können die Position des Ostens unterminieren. (3) Die Konzentration industrieller Aktivitäten auf den Osten bleibt so lange bestehen, bis eine Verlagerung in den Westen profitabel wird. Die Einleitung dieses Prozesses ist abhängig von der Entwicklung der Skalenerträge, der Transportkosten und des Anteil des Industriesektors an den Einkommen. Bei hohen Skalenerträgen, geringen Transportkosten und hohem Industrieanteil am Einkommen verfestigt sich die Zentrum-Peripherie-Struktur. Aber:

Pfadabhängigkeit führt zum Aufbrechen alter Raumstrukturen Technologischer Osten konzentriert sich auf seine Technologie Aufgrund der Pfadabhängigkeit technologischer Entwicklung (Spezialisierung) ist er nicht in der Lage, die Entstehung eines neuen technologischen Paradigmas zu begründen Der "innovative Zufall" bietet auch weniger entwickelten Regionen die Möglichkeit, neue wirtschaftliche Strukturen zu schaffen Unterschiede in regionalen Wachstumsraten sind bedingt durch: kumulierten Wissensstand in einer Region, Innovationsrate und Zahl neuer Produkte, die wiederum zur Erhöhung des Wissensstandes beitragen Skalenerträge, externe Effekte durch Urbanisationsvorteile interregionale Diffusionsgeschwindigkeit neuer Produkte (Technologietransfer) Höhe der Transportkosten Umfang des interregionalen Kapitaltransfers kumulative Lern- und Wissensentstehungsprozesse mit daraus resultierender Pfadabhängigkeit der Technikentwicklung.

Bestimmungsgründe regionaler Innovationsunterschiede Mechanismen positive externe Effekte (Spillover, Wissensexternalitäten, Lokalisationsvorteile) Diffusion regionale Spezialisierung / regionale Diversifizierung Netzwerke Lernprozesse Determinanten räumliche Konzentration ökonomischer Aktivitäten, von Wissensgebern und Infrastruktur (Urbanisations- und Lokalisationsvorteile ) [traditionell] innovatives und lernbereites Humankapital lokalisiertes, nicht-standardisierbares Wissen Existenz innovationsunterstützender Netzwerke interregionale und interinstitutionelle Offenheit Produktionsregime ohne Transportkostenabhängigkeit Charakter von Innovationsprozessen staatliche Intervention (Politiken) Zufall