Arbeit mit einer Lernstraße Möglichkeit individuellen Lernens im Mathematik- und Deutschunterricht in der flexiblen Schuleingangsphase Eingereicht von: Schule: Kontakt: Bianka Wendt (Leiterin einer jahrgangsgemischten Lerngruppe) Grundschule Albert Klaus Schillerplatz 6/7 38836 Huy OT Badersleben kontakt@gs-badersleben.bildung-lsa.de
Inhalt 1 Analyse der Ausgangsbedingungen... 3 2 Didaktische Überlegungen... 3 3 Lernstraße... 4 4 Die Arbeit mit Lernstraßen in der Schuleingangsphase der Grundschule Albert Klaus Badersleben... 5 4.1 Organisation der Schuleingangsphase... 5 4.2 Inhaltliche Gestaltung des Unterrichts in der Schuleingangsphase... 5 5 Die Lernstraße im Deutsch- und Mathematikunterricht der Schuleingangsphase... 6 5.1 Arbeitspläne... 6 5.2 Aufgaben und didaktische Materialien... 7 5.3 Selbstbeobachtung Reflexion Test... 8 5.4 Das Lerntagebuch... 9 5.5 Einführungs- und Erarbeitungsphasen... 9 5.6 Regeln und Rituale... 10 5.7 Individuelles und gemeinschaftliches Lernen... 10 5.8 Lernpatenprinzip... 11
1 Analyse der Ausgangsbedingungen Die Grundschule Albert Klaus befindet sich in einem alten historischen Klostergebäude in Badersleben. Die ca. 120 Schülerinnen und Schüler der Schule kommen aus verschiedenen Ortsteilen der Einheitsgemeinde Huy. Jedes Jahr werden ca. 30 neugierige Kinder mit hohen Erwartungen aber unterschiedlichsten Lernerfahrungen, -bedürfnissen und -voraussetzungen in die Schule eingeschult. Seit 2010 arbeiten wir in der Schuleingangsphase in jahrgangsgemischten Lerngruppen. Damit ermöglichen wir den einbis dreijährigen Verbleib der Schülerinnen und Schüler, dass sowohl ein Zurückbleiben als auch Über- und Unterforderungen vermieden werden können und ein individuelles Lerntempo der Lernenden möglich wird. Das stellt uns vor hohe Herausforderungen und hat uns bewogen unser Unterrichtskonzept zu überdenken und diesen Bedürfnissen anzupassen. 2 Didaktische Überlegungen Das Konzept sollte den inhaltlichen und sozialen Bereich umfassen und zur ganzheitlichen Entwicklung beitragen. Neben dem Lernzuwachs auf inhaltlicher Ebene stand für uns das Stärken der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder im Mittelpunkt. Wir haben ein Unterrichtskonzept für die Schuleingangsphase entwickelt, in dem alle Kinder individuell auf der Grundlage ihrer Möglichkeiten gefördert und gefordert werden können, jedes Kind die Möglichkeit hat, eigene Lernfortschritte zu erzielen und ihr eigenes Lernen zu reflektieren, jedes Kind seine Persönlichkeit stärken kann, indem es sich als eigenverantwortlich, hilfsbereit und wirksam erlebt. Das Unterrichtskonzept unterstützt unser Leitbild Eine Schule zum Wohlfühlen. Bei der Entwicklung des schulinternen Konzepts haben wir Erkenntnisse der Lernpsychologie aufgegriffen, nach denen man 75% von dem lernt, was man wiedergibt und noch einmal selbst erklärt, und 95% von dem lernt, was man sich selbst erarbeitet. Wir als SEP-Team waren auf der Suche nach einer für uns gut handhabbaren und gut umsetzbaren Lernform, die es möglich macht, individuell und lerntypengerecht zu arbeiten. Sie soll klar strukturiert sein und nachvollziehbar für Kinder und Eltern. Die Möglichkeit des ein- bis dreijährigen Verbleibs sollte voll genutzt werden können, ohne dass die Kinder etwas noch einmal machen oder die Lerngruppe wechseln müssen. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf und Kinder, die im gemeinsamen Unterricht bei uns beschult werden, sollen 3
wie jedes andere Kind auf ihrem Niveau lernen und sich weiter entwickeln können. Wir als Team müssen den Arbeits-, Organisations- und Kontrollaufwand bewältigen können. Nach zahlreichen Versuchen unterschiedlicher didaktischer Konzepte haben wir uns für das Arbeiten mit einer Lernstraße in jahrgangsgemischten Lerngruppen der Schuleingangsphase entschieden. 3 Lernstraße Die Lernstraße ist eine spezielle Form des Stationslernens. Die Methodenkombination von gesteuerten Lernprozessen in Einführungs-phasen und von freien Lernprozessen im Erarbeitungs-, Übungs- und Festigungsbereich führt die Lernenden zu einer sehr individuellen und abwechslungsreichen Arbeitsweise. Der Lernende begibt sich in den Lernprozess, indem er das Lernthema entlang der Straße in einer bestimmten Reihenfolge bearbeitet. Die Reihenfolge der Themen ist im Lerntagebuch und durch das strukturierte Material in Regalen bestimmt, wobei Start und Lernziel vorgegeben sind. Die Aufgabenangebote sind sehr vielfältig, lerntypengerecht gestaltet, nach Schwierigkeitsgrad differenziert und beinhalten möglichst eine Selbstkontrolle. Die Lernenden arbeiten alleine, gemeinsam oder gezielt mit der Lehrkraft. Qualität ist dabei wichtiger als Quantität, d. h. die Aufgaben sollen die Lernenden zum Denken anregen und sie herausfordern. Gründe für die Entscheidung 1. Aspekte sozialen Lernens Kinder erleben sich mal in der Rolle des jüngeren/weniger erfahrenen und dann in der Rolle des älteren/erfahrenen Mitglieds der Lerngruppe Jedes Kind lernt zu helfen und um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen Erfahrene Gruppe gibt Regeln und Rituale weiter Viel Partnerarbeit fördert Teamfähigkeit und wirkt dem Konkurrenzdenken entgegen Kinder lernen zu reflektieren und sich selbst einzuschätzen 2. Aspekte schulischen Lernens Kinder orientieren sich gern an Älteren, werden durch sie angeregt 4
Kinder haben Freude an der Erarbeitung interessengeleiteter neuer Inhalte Ältere Kinder haben Gelegenheit Gelerntes zu wiederholen und zu vertiefen Kinder sind motiviert, weil sie auf ihrem Niveau im eigenen Tempo individuelle Lernerfolge erzielen können. Kinder können ein bis drei Jahre verweilen, ohne bereits Bekanntes wiederholen zu müssen oder im Lernprozess gebremst zu werden Kinder lernen Verantwortung für eigenes Lernen zu übernehmen 4 Die Arbeit mit Lernstraßen in der Schuleingangsphase der Grundschule Albert Klaus Badersleben 4.1 Organisation der Schuleingangsphase In der Schuleingangsphase lernen die Kinder in drei altersgemischten Stammgruppen. Jede Lerngruppe umfasst ca. 20 Schülerinnen und Schüler, im Schnitt ca. 9 Kinder im ersten, 9 Kinder im zweiten und 2 Kinder im dritten Schulbesuchsjahr. Am gemeinsamen Unterricht nehmen gegenwärtig 5 Kinder mit Förderbedarf teil (davon 2 Kinder mit dem Förderbedarf Lernen, 1 Kind mit körperlichen Einschränkungen und 2 Kinder mit emotional-sozialem Förderbedarf). Jede leitende Lehrkraft erteilt in ihrer Lerngruppe die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Die insgesamt 15 Wochenstunden werden in Blöcken unterrichtet, die täglich die 1. bis 3. Stunde umfassen. 4.2 Inhaltliche Gestaltung des Unterrichts in der Schuleingangsphase Die Lernstraße ist das durchgängige Unterrichtsprinzip in den Fächern Deutsch und Mathematik. Die Themen des Sachunterrichts werden in Projekten, Werkstätten und an Themen- und Versuchstagen (z. B. Feuer, Wasser, Luft) mit der ganzen Lerngruppe gemeinsam erarbeitet. Hier halten die Schülerinnen und Schüler ihre Lernergebnisse in Portfolios fest oder stellen ein Lapbook zu dem jeweiligen Thema her. 5
5 Die Lernstraße im Deutsch- und Mathematikunterricht der Schuleingangsphase Den größten Teil des im Lehrplan ausgewiesenen Grundwissens und der zu erlangenden Kompetenzen des Deutsch- und Mathematikunterrichts erarbeiten sich die Kinder in der Lernstraße. Die Lehrkraft stellt entsprechende Aufgaben und Angebote zur Verfügung und begleitet, beobachtet und berät die Schülerinnen und Schüler während des Lernprozesses. Die Angebote sind den individuellen Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnissen der Kinder angepasst. Sie sind auf handlungsorientiertes, selbstgesteuertes Lernen ausgerichtet, zum Teil frei wählbar und berücksichtigen unterschiedliche Niveaustufen. Das Arbeitsmaterial liegt übersichtlich durch Farben und Nummern gekennzeichnet in Regalen bereit, so dass sich die Lernenden selbstständig für ein Angebot entscheiden und damit arbeiten können. Die Arbeitspläne und die Tests, die nach einem bestimmten thematischen Abschnitt zu schreiben sind, werden in einem Lerntagebuch gesammelt. Das Lerntagebuch bildet die Grundlage für die Lernentwicklungsgespräche mit den Eltern, Kinder und Lehrkräften. Die immer wieder stattfindende Rückmeldung und Anerkennung der individuellen Lernfortschritte durch die Lehrkräfte und Mitschüler stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und führt sie zu einer positiven Lerneinstellung. Die Einführung neuer Themen, weiterführender Erklärungen oder die Diskussion von Lösungsansätzen erfolgt nach Bedarf jeweils in einer Kleingruppe im Sitzkreis vor der Tafel. Für diese Phasen wird teilweise die Tafel zur Anschauung genutzt oder mit Material auf dem Fußboden im Kreis gearbeitet. Die Kinder sind es gewöhnt, in verschiedenen Sozialformen und methodisch abwechslungsreich zu arbeiten. 5.1 Arbeitspläne Ausgehend von den jeweiligen Fachlehrplänen werden Themen- und Lernübersichten erstellt (Stationen). In den Stationen arbeiten die Kinder mit Teilarbeitsplänen. Diese dienen zur Orientierung und Reflexion. Die Arbeitspläne enthalten zum einen Aufgaben aus Arbeitsheften (z. B. aus dem Arbeitsheft Einstern des Cornelsen Verlags) Diese Aufgaben werden in der Regel von allen Schülern bearbeitet. Darüber hinaus sind Lernangebote aufgeführt, für die die notwendigen Materialien übersichtlich und mit Symbolen versehen in Regalen angeordnet sind. Diese Angebote sind sehr differenziert und von den Lernenden frei wählbar. 6
Bei Bedarf werden die Kinder bei der Auswahl durch ihre Mitschüler oder durch die Lehrkräfte beraten. Die Teilarbeitspläne sind farblich passend zu den Regalaufgaben gestaltet, so dass sich die Kinder anhand der Farbe den jeweils richtigen Regalbereich suchen können. Kinder mit besonderen Förderbedarfen bekommen auf der Grundlage ihrer Lernpläne individuell angepasste Arbeitspläne und spezielle Förder-materialien, die jedoch trotzdem die Arbeit mit der Lernstraße ermöglichen. 5.2 Aufgaben und didaktische Materialien Die Auswahl der Lernangebote begann mit der Sichtung des bereits an der Schule vorhandenen Materials, das wir der Freiarbeit, den verschiedenen offenen Unterrichtsformen sowie einzelnen Themenbereichen zuordneten. Nach und nach ergänzten wir die Angebote durch selbsterstelltes Material und durch Angebote wie LOGICO und LÜK. Die Aufgaben wurden unter Berücksichtigung der im Lehrplan erwähnten inhaltlichen und prozessbezogenen Kompetenzen ausgewählt und überarbeitet. Ein wichtiger Aspekt war die Aufgabenqualität. Die Aufgaben sollten handlungsorientiertes, entdeckendes Lernen ermöglichen und Differenzierungsmöglichkeiten enthalten. Sie sollten verschiedene Zugänge ermöglichen, für Einzel- und Teamarbeit geeignet sein und Selbstkontrollmöglichkeiten bieten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten Professorenaufgaben. Diese Aufgaben sind offene Aufgaben mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad und mehreren Lösungsmöglichkeiten. Sie sind frei wählbar und können in extra dafür organisierten Deutsch- oder Mathekonferenzen (kooperative Lernform) bearbeitet werden. Ergänzt wird die Lernstraße durch Regale mit didaktischen Materialien zur Mengenanschauung, strukturierten Materialien zur Unterstützung beim Erfassen des Zahlenraumaufbaus und Materialien zum Ausprobieren und Forschen. 7
Die Regalaufgaben werden durch das Lernprogramm Lernwerkstatt am PC ergänzt. Neben den bereits erwähnten Materialien stehen den Kindern weitere diverse, z. T. selbst erstellte Arbeitshefte zur Verfügung wie z. B.: Mathematik Lernstufe 1 und 2 - Arbeitshefte Einstern 1und 2 (Cornelsen Verlag) - Zahlenfuchs 1und 2 (Jahndorf Verlag) Deutsch Lernstufe 1 - Lollipop Arbeitsheft, Lesemalblätter, Druck- und Schreibschriftlehrgang (Cornelsen Verlag) Deutsch Lernstufe 2 - Zebraheft für Lesen und freies Schreiben (Klett Verlag) - Lupenheft für Rechtschreibung (Jahndorf Verlag) 5.3 Selbstbeobachtung Reflexion Test Eine wichtige prozessbezogene Kompetenz ist das Reflektieren des eigenen Lernens. Wir haben in den Unterricht verschiedene Möglichkeiten der Reflexion integriert. Neben den Selbsteinschätzungsbögen für das Lern- und Arbeitsverhalten, die von den Kindern zwei- bis dreimal im Jahr ausgefüllt werden, wird bei Bedarf und zum Wochenabschluss im Kreis über Lernzuwachs, Probleme und Besonderheiten gesprochen. Eingeleitet wird das Gespräch mit einer kurzen Reflexionsrunde, in der die Kinder mittels Daumenwertung oder farbigen Reflexionskarten ihr Lern- und Arbeitsverhalten einschätzen. Diese Runde wird häufig durch die Handpuppe Leo begleitet, der auf freundliche Weise lobt, aufmuntert und Tipps zur Weiterarbeit gibt. Im Sachunterricht wird nach der Arbeit mit einem Portfolio ein Reflexionsbogen ausgefüllt, in dem die Kinder selbst die gelungenste Arbeit beschreiben und für sich nach Verbesserungsvorschlägen ihrer Arbeit suchen. Die Lehrkraft ergänzt den Bogen durch eine Rückmeldung zum Geschriebenen. Durch die selbständige Arbeit und die Möglichkeit der individuellen Begleitung, Beratung und Beobachtung der Lernenden durch die Lehrkraft ist ein regelmäßiger Kontakt zwischen den Lernenden und der Lehrkraft gegeben, was es den Schülern erleichtert, selbst 8
einzuschätzen, zu welchem Zeitpunkt sie die in dieser Station zu erlangenden Kompetenzen und das entsprechende Grundwissen erworben haben. Die Lernenden melden sich dann zum Test an, der am Ende jeder Station den Kindern ihren Lernstand aufzeigt. Die Lehrkraft legt gemeinsam mit dem Kind auf der Grundlage der Einschätzung des Kindes und ihrer eigenen Beobachtungen den Zeitpunkt dafür individuell fest. Verläuft der Test erfolgreich, darf das Kind nach einer Einführungsphase zum nächsten Thema selbständig in der nächsten Station weiter arbeiten. 5.4 Das Lerntagebuch Die Teilarbeitspläne, die dazugehörigen Tests und die Feedbackbögen werden im persönlichen Lerntagebuch gesammelt. Außerdem enthält dieses eine Übersicht mit den Lernfeldern für die entsprechende Lernstufe. Nach der Bearbeitung aller Pläne wird der Inhalt des Lerntagebuches in das Kompetenzportfolio übernommen. Das Lerntagebuch wird von den Kindern selbstständig geführt, dient der Orientierung und macht ihre Lernerfolge sichtbar. Es ist die Grundlage für die Lernentwicklungsgespräche. In der ersten Lernstufe wird das Lerntagebuch noch durch ein Stempelheft zum Leselehrgang ergänzt. 5.5 Einführungs- und Erarbeitungsphasen Kinder, die einen Themenbereich erfolgreich mit dem entsprechenden Test abgeschlossen haben, können nach einer Einführungsphase in den neuen Themenbereich selbstständig weiterarbeiten. Die Einführungsphasen werden von der Lehrkraft gelenkt und finden in einem Sitzkreis vor der Tafel statt. Durch die meist recht kleine Gruppe besteht für die Lehrkraft die Möglichkeit, die Kinder sehr individuell zu unterstützen. Es wird deutlich sichtbar, wie jeder einzelne das neue Thema verstanden hat und welche Lernwege jeder bei der Bearbeitung des neuen Themas gehen möchte. 9
5.6 Regeln und Rituale Auf das Einhalten von Regeln und Ritualen legen wir sehr großen Wert, da dies die Grundlage für ein strukturiertes und selbstständiges Arbeiten ist. Da die Kinder die Regeln mit erarbeitet haben, achten sie selbst auf ihre Umsetzung und erinnern sich gegenseitig daran. Durch die Jahrgangs-mischung verfügt die Lerngruppe immer über ein Expertenteam, das die Kinder der ersten Lernstufe anleitet, unterstützt, ihnen hilft, aber auch an Regeln und Rituale erinnert. Der Morgenkreis bildet das Anfangsritual des Tages. Ein Kind ist Leiter des Morgenkreises, sagt das Datum an und startet den Händedruck, der im Kreis herumgeht. Es sucht sich aus, wie der Morgen begrüßt wird und darf etwas mitbringen, zu dem die Mitschüler Fragen stellen. Manchmal werden für die ganze Lerngruppe neue Themen eingeführt, eine gemeinsame Übung zu einem Schwerpunktthema durchgeführt oder ein Kind liest aus einem Buch vor. Anschließend wird über den Tagesablauf informiert und die Kinder starten anhand ihrer Arbeitspläne in ihren Arbeitstag. 5.7 Individuelles und gemeinschaftliches Lernen Wir holen die Kinder bei Schuleintritt dort ab, wo sie in ihrer Entwicklung stehen, begleiten, fördern und fordern sie auf der Basis der individuellen Begabungen und Möglichkeiten. Ihr Lernstand wird durch diagnostische Testverfahren festgestellt. Die Individualisierung erfolgt durch die freie Zeiteinteilung, die sich durch die unterschiedliche Bearbeitungsdauer der Pläne ergibt. Das individuelle Lernen wird außerdem durch die freie Auswahl der Regalaufgaben (Qualität und Quantität) gewährleistet und durch die individuelle Inanspruchnahme von materieller und personeller Hilfe durch die Lehrkräfte oder Mitschüler. Alle Kinder sollen genügend Zeit haben, die Anforderungen der Schuljahrgänge 1 und 2 zu bewältigen. Während die Kinder ihre Arbeitshefte selbstständig und meist in Einzelarbeit bearbeiten und kontrollieren, ist es besonders wichtig, dass die Bearbeitung der Regalaufgaben in Partner- oder Gruppenarbeit erfolgt. Das Gespräch über den Lerninhalt und das gegenseitige Erklären trägt wesentlich zum Lernzuwachs der Kinder bei. Kooperative Lernformen, wie Mathekonferenzen und 10
Gruppenarbeiten (hier das Erstellen eines Plakates zu den Einmaleins-Reihen) sind ein Schwerpunkt unserer Arbeit. 5.8 Lernpatenprinzip Kinder in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen wechseln jedes Schuljahr ihre Rolle. Die jeweils ältesten Kinder verlassen die Lerngruppe und die jüngeren Kinder wachsen neu in die Gruppe hinein. Die Kinder haben so in besonderem Maße die Möglichkeit, ihre eigene Lernentwicklung bewusst zu verfolgen. Sie können das von ihnen Gelernte reflektieren, indem sie erleben, wie die Jüngeren sich nun damit beschäftigen und indem sie ihnen als Lernpate hilfreich zur Seite stehen. Zu Beginn des Schuljahres, wenn die Neuen eingeschult werden, werden die Kinder, die in der Lerngruppe verblieben sind, zu Helfern und Experten, zu Lernpaten. Mit dieser Rolle vollzieht sich eine entscheidende Persönlichkeitsentwicklung, die Erkenntnis schon viel gelernt zu haben und die Einsicht wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Und für unsere frisch eingeschulten Kinder bedeutet der Lernpate Halt, Orientierung und Vorbild. 11