Abschluss unter Operationen

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1 Einführung. 2 Typ-0- und Typ-1-Sprachen. 3 Berechnungsmodelle. 4 Unentscheidbarkeit. 5 Unentscheidbare Probleme. 6 Komplexitätstheorie

Transkript:

Abschluss unter Operationen Definition Definition: Es seien L eine Menge von Sprachen und τ eine n-stellige Operation, die über Sprachen definiert ist. Dann heißt L abgeschlossen unter τ, wenn für beliebige Sprachen L 1, L 2,... L n L auch gilt. τ(l 1, L 2,..., L n ) L Theoretische Informatik II 21

Abschluss unter mengentheoretischen Operationen Resultate L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind abgeschlossen unter der (üblichen) Vereinigung von Sprachen. L(REG), L(CS) und L(RE) sind abgeschlossen unter Durchschnitt, und L(CF ) ist gegenüber Durchschnitt nicht abgeschlossen. i) L(REG) und L(CS) sind abgeschlossen bezüglich Komplement. ii) L(CF ) und L(RE) sind nicht abgeschlossen unter Komplement. Theoretische Informatik II 22

Abschluss unter algebraischen Operationen L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind unter Produkt abgeschlossen. L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind abgeschlossen gegenüber der Bildung des (positiven) Kleene-Abschlusses. Theoretische Informatik II 23

Homomorphismen Definition: Es seien X und Y zwei Alphabete. Ein Homomorphismus h von X in Y ist eine eindeutige Abbildung von X in Y, bei der h(w 1 w 2 ) = h(w 1 )h(w 2 ) für beliebige Wörter w 1 und w 2 aus X gilt. Ein Homomorphismus heißt nichtlöschend, wenn für alle Wörter w λ auch h(w) λ gilt. Definition: Es seien X und Y zwei Alphabete, L X und L Y zwei Sprachen und h ein Homomorphismus von X in Y. Dann setzen wir h(l) = {h(w) w L} und h 1 (L ) = {w w X, h(w) L }. Theoretische Informatik II 24

Abschluss unter gewissen Operationen Definition Wir sagen, dass eine Familie L von Sprachen unter (nichtlöschenden) Homomorphismen abgeschlossen ist, wenn für beliebige Alphabete X und Y, beliebige Sprachen L X und jeden (nichtlöschenden) Homomorphismusn h : X Y aus L L auch h(l) L folgt. Wir sagen, dass eine Familie L von Sprachen unter inversen Homomorphismen abgeschlossen ist, wenn für beliebige Alphabete X und Y, beliebige Sprachen L Y und beliebige Homomorphismen h : X Y aus L L auch h 1 (L) L folgt. Wir sagen, dass eine Familie L von Sprachen unter Durchschnitten mit regulären Sprachen abgeschlossen ist, wenn für eine beliebige Sprache L L und eine beliebige reguläre Sprache R auch L R L gilt. Theoretische Informatik II 25

Abschluss unter gewissen Operationen Resultate i) Die Sprachfamilien L(REG), L(CF ) und L(RE) sind unter Homomorphismen abgeschlossen, L(CS) ist nicht unter Homomorphismen abgeschlossen. ii) Die Sprachfamilien L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind unter nichtläschenden Homomorphismen abgeschlossen. iii) Die Sprachfamilien L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind unter inversen Homomorphismen abgeschlossen. Die Sprachfamilien L(REG), L(CF ), L(CS) und L(RE) sind unter Durchschnitten mit regulären Sprachen abgeschlossen. Theoretische Informatik II 26

Zusammenfassung L(RE) L(CS) L(CF ) L(REG) Vereinigung + + + + Durchschnitt + + + Komplement + + Produkt + + + + (positiver) Kleene-Abschluss + + + + Homomorphismen + + + nichtlöschende Homomorphismen + + + + inverse Homomorphismen + + + + Durchschnitt mit regulären Mengen + + + + Theoretische Informatik II 27

Abstrakte Familien von Sprachen Definition Definition: Eine Menge L von Sprachen heißt abstrakte Familie von Sprachen (kurz AFL), wenn sie mindestens eine nichtleere Sprache enthält und wenn sie unter Vereingung, Produkt, Kleene-Abschluss, nichtlöschenden Homomorphismen, inversen Homomorphismen und Durchschnitten mit regulären Sprachen abgeschlossen ist. Die Menge L heißt volle AFL, wenn sie zusätzlich unter (beliebigen) Homomorphismen abgeschlossen ist. Theoretische Informatik II 28

Abstrakte Familien von Sprachen Resultate Satz: Für jede volle AFL L gilt L(REG) L. Folgerung: Die Menge L(REG) ist die (bez. der Inklusion) kleinste volle AFL. Satz: Jede AFL ist unter mengentheoretischer Subtraktion regulärer Mengen abgeschlossen. Definition: Es seien X und Y Alphabete. Für jeden Buchstaben a X sei σ(a) eine Sprache über Y. Für eine Sprache L X definieren die Sprache σ(l) Y durch σ(l) = {w 1 w 2... w n a 1 a 2... a n L, a i X und w i σ(a i ) für 1 i n, n 0}. Satz: Jede volle AFL ist unter Substitutionen mit regulären Sprachen abgeschlossen. Theoretische Informatik II 29

Entscheidungsprobleme bei formalen Sprachen Leerheitsproblems für kontextfreie Sprachen: Gegeben: kontextfreie Grammatik G oder Gegeben: Kellerautomat M Frage: Ist L(G) leer? Frage: Ist T (M) leer? Endlichkeitsproblem: Gegeben: Grammatik G Frage: Ist L(G) endlich? Äquivalenzproblem Gegeben: Grammatiken G 1 und G 2 Frage: Gilt L(G 1 ) = L(G 2 )? Mitgliedsproblem Gegeben: Grammatik G = (N, T, P, S) und Wort w T Frage : Ist w in L(G) enthalten? Theoretische Informatik II 30

Endlichkeits, Leerheits und Äquivalenzproblem Resultate Satz: Das Leerheits- und das Endlichkeitsproblem sind für beliebige Regelgrammatiken und monotone (kontextsensitive) Grammatiken unentscheidbar. Satz: Für kontextfreie Grammatiken sind das Leerheits- und Endlichkeitsproblem in der Zeit O(#(V ) A β P ( β + 2)) entscheidbar. Satz: Das Äquivalenzproblem ist für kontextfreie Grammatiken unentscheidbar. Satz: Das Äquivalenzproblem für reguläre Grammatiken G 1 = (N 1, T, P 1, S 1 ) und G 2 = (N 2, T, P 2, S 2 ) ist in der Zeit O(n k 2 ) mit n = max{#(n 1 ), #(N 2 )} und k = max{ A α P 1 ( α + 2), B β P 2 ( β + 2)} entscheidbar. Theoretische Informatik II 31

Beweis der Unentscheidbarkeit des Äquivalenzproblems bei kontextfreien Sprachen G 1 = (N, T {c}, P, S) und G 2 = (N {S, S }, T {c}, P P, S ) N = {S, S u, S r, S l }, P = {S xsx : x T } {S xs l, S S r x} {S xs u y : x, y T, x y} {S u xs u y : x, y T } {S u S r, S u S l } x T {S l xs l, S r S r x} {S u c, S l c, S r c}, P = {S S, S S } n i=1 {S u i S v R i, S u i cv R i } L(G 1 ) = {αcβ R : α, β T +, α β} L(G 2 ) = L(G 1 ) {u i1 u i2... u ik cv ik v ik 1... v i1 : k 1, 1 i j n, 1 j k} Theoretische Informatik II 32

Entscheidbarkeit bei formalen Sprachen Zusammenfassung L(REG) L(CF ) L(CS) L(RE) Mitgliedsproblem + + + Leerheitsproblem + + Endlichkeitsproblem + + Äquivalenzproblem + Theoretische Informatik II 33