Ratgeber Renate Wedel Coming out - Ich bin schwul! Situation und Beratung der Eltern
Coming out - Ich bin schwul! Situation und Beratung der Eltern Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Seite 2 2. Coming out Seite 2 3. Entwicklung der Geschlechtsidentität in der Gesellschaft Seite 3-4 3.1. Sexuelle Identität und Orientierung Seite 3 3.2. Schwul Seite 3-4 3.3. Warum sind Menschen homosexuell? Seite 4 4. Homosexualität in der Geschichte Seite 4-5 5. Rechte und Gesetze bezüglich der Homosexualität Seite 5 5.1. Dürfen Homosexuelle heiraten? Seite 5 5.2. Dürfen Schwule und Lesben ein Kind adoptieren? Seite5 6. Das häufigste Vorurteil gegenüber Schwulen Seite 5-6 7. Formen der Diskriminierung Seite 6-7 8. Bedeutung des Coming out für die Eltern Seite 7-8 9. Bedeutung des Coming out für den Sohn Seite 8-9 9.1. Äußeres Coming out der Eltern Seite 8-9 10. Beratungssituation Seite 9 10.1. Vor dem Beratungsgespräch zum Coming out Seite 9 10.2. Vorbereitung zur Beratung Seite 9-10 10.3. Beginn der Beratung Seite 10 10.4. Der Berater in der Beratungssituation: Erstes Fallbeispiel Seite 10-12 10.5. Beratungsgespräch: Zweites Fallbeispiel Seite 12-14 11. Schlussfazit Seite 14-15 Literaturverzeichnis Seite 16 1
1.Einleitung In dieser Abschlussarbeit möchte ich mich mit der Situation und Beratung von Eltern auseinandersetzen. Das Coming out des eigenen Kindes ist für Eltern oft eine erschütternde Offenbarung und mit einem Wechselbad der Gefühle und Gedanken verbunden. Ich bin selbst Mutter eines erwachsenen homosexuellen 22jährigen Sohnes, welcher sein Coming out uns gegenüber im Alter von 16 Jahren hatte. Damals habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich nach dem öffentlichen Bekenntnis viele sorgenvolle Gedanken und Emotionen bilden und eine große Menge an offenen Fragen zur Homosexualität entsteht. Da immer noch viele Vorurteile gegenüber der Homosexualität existieren, ist es für viele Eltern oft nicht möglich, offen über diese Situation zu kommunizieren. An dieser Stelle ist es Aufgabe einer psychologischen Beratung die Eltern bei der Auseinandersetzung mit dieser, für sie oftmals belastenden, Situation zu begleiten und ihnen mit aufklärenden Sachinformationen zur Seite zu stehen. 2. Coming out Wenn sich ein homosexueller Mensch zu seiner sexuellen Orientierung bekennt, wird der Begriff Coming out verwendet. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zur sexuellen Identität ist zunächst das Bewusstwerden und Akzeptieren der eignen sexuellen Orientierung. Dieser Vorgang wird in der Homosexualität und Bisexualität als inneres Coming out bezeichnet. Im sogenannten äußeren Coming out wird dann diese sexuelle Orientierung den Freunden, der Familie und anderen sozialen Kontakten offenbart. Der genaue Zeitpunkt für das eigene äußere Coming out ist individuell abhängig von der jeweiligen Lebenssituation, in welcher sich der Homosexuelle befindet. Das gesellschaftliche und soziale Umfeld besitzt dabei einen hohen Einfluss auf diese lebensverändernde Entscheidung. Immer wieder wird ein homosexueller Mensch, der sich noch nicht öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung bekannt hat, mit Situationen konfrontiert, in denen für ihn das Bedürfnis geweckt wird, sich über die eigene Ausrichtung mitzuteilen. Je nach Lebensalter, Umweltsituation oder kulturellem Umfeld sieht er sich dann gesellschaftlichen Ansprüchen ausgesetzt. Denn bis zum tatsächlichen Outing bleibt die Reaktion der Umwelt für den Homosexuellen ungewiss und erfordert somit Mut, die eigenen inneren Ängste vor einer möglichen Diskriminierung zu überwinden. In Kulturen und Gesellschaften in denen das Schwul- und Lesbischsein als Schande angesehen und verachtet wird, findet ein äußeres Coming out oft später oder deutlich später statt. 1 1 Vgl. Kobs, J.: Ich muss euch etwas sagen...!. Seite 174f.. 2
3. Entwicklung der Geschlechtsidentität in der Gesellschaft Schon im Mutterleib wird das genetische Geschlecht festgelegt, welches dann äußerlich sichtbar wird und dadurch auch bestimmend für das soziale Geschlecht eines Individuums ist. In einer Gesellschaft bringt die jeweilige Geschlechtszugehörigkeit auch geschlechts-bezogene Erwartungen mit sich und wirkt sich auf die Erziehung aus. Diese erfolgt dann geschlechtsspezifisch und unterstützt damit die gesellschaftliche Einteilung in zwei verschiedenen Rollenbildern. Das soziale Umfeld unterscheidet in seinen Reaktionen ebenfalls nach weiblich oder männlich und setzt im Sinne der sexuellen Orientierung die Heterosexualität voraus. 2 3.1. Sexuelle Identität und Orientierung Die Entwicklung der eigenen Identität ist ein lebenslanger und zumeist unbewusst ablaufender Prozess. Dieser ist immer durch eine Innen- und Außenperspektive gekennzeichnet. Erikson beschreibt die Innenperspektive als ein Gefühl eine eigene Identität zu besitzen, wobei eine Person auch immer in einer Beziehung zur Außenwelt steht. Demnach beruht die Identität auf zwei gleichzeitigen stattfindenden Beobachtungen. Zum einen existiert die eigene Wahrnehmung immer die gleiche Person zu sein, auch über einen längeren Zeitraum. Zum anderen besitzt der Mensch das Bewusstsein, dass auch andere diese Gleichheit der Person wahrnehmen. 3 So setzt sich die persönliche Identität eines Menschen aus verschiedenen Teilidentitäten zusammen. Diese Teilidentitäten werden durch eigene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Auseinandersetzungen mit der Umwelt herausgebildet. 4 Eine der Teilidentitäten ist die sexuelle Identität, welche die sexuelle Orientierung enthält. 3.2. Schwul Wenn sich jemand von einer Person des eigenen Geschlechts angezogen fühlt, dann wird der Begriff der Homosexualität verwendet. Damit wird ein großes Gewicht auf die Sexualität gelegt und es könnte der fälschliche Eindruck entstehen, dass dieser Mensch nur auf seine homosexuelle Orientierung reduziert wird. 5 In einer Broschüre von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird der Begriff schwul beziehungsweise lesbisch wie folgt erklärt und abgegrenzt: Bei Männern hat sich der Begriff schwul sein durchgesetzt, bei Frauen der Begriff lesbisch sein. Beide Begriffe wurden früher 2 Vgl. Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 626. 3 Vgl. Erikson, E.: Identität und Lebenszyklus. 4 Kobs, J.: Ich muss euch etwas sagen...!. Seite 165. 5 Vgl. Rauchfleisch, U.: Schwule. Lesben. Bisexuelle. Seite 8. 3