Überblick über den Vortrag

Ähnliche Dokumente
Konzept Kindersexualität und psychosexuelle Entwicklung

AMYNA e.v. Verein zur Abschaffung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt

Kindliche Sexualität was ist eigentlich normal?

FOSUMOS Persönlichkeitsstörungen: Ein alternativer Blick. Felix Altorfer 1

Von der Scham zur Selbstachtung

1 Theoretische Grundlagen

Fachstelle für Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen

Das Baby verstehen. das Handbuch zum Elternkurs für Hebammen. von Angelika Gregor und Manfred Cierpka

Ich bin mir Gruppe genug

Sexualisierte Gewalt unter Schülerinnen und Schülern

Die Identitätsentwicklung von Adoptiv- und Pflegekindern

Piagets Stufenmodell der Entwicklung

Psychosexuelle Entwicklung

Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für (zukünftige) Lehrer

Wer sind die Täter? Welche Täterstrategien gibt es?

Sexuelles Verhalten und Geschlechtsidentität in der Kindheit. Prof. Dr. Bettina Schuhrke Tagung Identität und Geschlecht, 26.1.

Sexualpädagogisches Konzept der Kinder- und Jugendhäuser Lollar

Das Liebesleben der Grundschulkinder Zwischen Doktorspiel und Hardcorebildern

Wie wichtig sind sichere Beziehungen? Über Kompetenz und Verletzlichkeit von Kleinkindern

DER LANGE WEG VOM KIND ZUM MANN (ZUR FRAU)

Angelman-Syndrom. Ellen, Barbara u Anna

Kinder- undjugendschutz im Fussball. Fehlhandlungen - Übergriffe. Daher sprechen wir von

Pickel, Krach und viel Gefühl. Kurs 1.

Bindung als Voraussetzung für die weitere Entwicklung

Ausbildungprogramm. 1. Jahr: Systemische Kompetenz und Selbsterfahrung

Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter

1 Vorwort 6. 2 Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege 8

Arbeitsblatt 1 Konflikte

Autismus und Pubertät

SEXUALITÄT UMGANG MIT DEM ANDEREN GESCHLECHT

Kinder mit Autismus Spektrum in der heilpädagogischen Früherziehung. Autismus Spektrum Störung. Erstellen der Diagnose

Wer bin ich? Identität und Cystische Fibrose bei Jugendlichen. Wolfgang Schütz. CJD Berchtesgaden

Überblick. Alles Wachsen ist Veränderung. JOHN BOWLBY. Bindung und Beziehung. Basel, 10.September 2013

Freiburger Elterntraining

Shere Hite. Hite Report. Erotik und Sexualität in der Familie. Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm, Sonja Göttler und Karin Laue.

Beobachtungsbogen zu kommunikativen Fähigkeiten

Veranstaltungen und Termine

Gutes Aufwachsen braucht gute Partnerschaften. 15. Offenes Forum Familie

Selbstbewusst Sexualpädagogik und Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch

Checkliste - Beurteilung sexualpädagogischer Medien Version 2.5

Veranstaltungen und Termine 2014

Fragen zur Sexualität und Partnerschaft

Elternabend der Schulen Geissenstein & Steinhof, Luzern 26. Mai 2011

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Lernwerkstatt: Sexualerziehung in der Grundschule

Schulische Entwicklungspsychologie / Jugendsoziologie. AS 2012 (H. Ensch)

Sprechen über Sexualität

Nachbarschaften & nachbarschaftliche Beziehungen architekturpsychologische Betrachtung

Systemische Ordnungen der Liebe. Systemické řády lásky

Unser Bild vom Menschen

Workshop Gefahr erkannt-gefahr gebannt? Traumatisierung nach sexueller Gewalterfahrung

Auswirkungen der traumatischen Erfahrung auf Gedanken, Gefühle und Verhalten

Elternfachvorträge Wien Wehrgasse 26 Telefon 01/ Fax 01/

Kinderschutz und Schule

Pflegende Angehörige zwischen Wunsch und Verpflichtung

Geschlechtsspezifische Kommunikation

Fähigkeiten und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen

Grundlagen Sprache Teil 1

Hilfen bei sexueller Kindesmisshandlung systemisches Verstehen als eine Voraussetzung für kindzentriertes Handeln

Scham. Warum ist es so schwer, darüber zu reden? 25. März Frankfurt Diplom-Berufspädagogin (Pflege) Dorothea Meudt

Borderline Störung Psychosescreening Screening Sexueller Funktionsstörungen

Bedrohte Kinderseele

Ressourcen aktivieren in Verlustsituationen

IV Der personzentrierte Ansatz und die Bindungstheorie

WAS IST MIT ARMUTSSENSIBLEM HANDELN

EIFERSUCHT. Dipl. Psych. Ilse Brab INHALTLICHER LEITFADEN

Die Eltern sollen sich wie Erwachsene benehmen und auf erwachsene Art und Weise ihre Probleme besprechen und lösen.

Fortbildungen 2017 für Kindertagesstätten im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Förderplanung im Team. Klaus Seifried Diplom-Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut, Lehrer

Sexuelle Autonomie zwischen Recht, Macht und Freiheit. Elisabeth Holzleithner

Achterbahn der Gefühle

AUCH SEXUELLE IDENTITÄTEN MACHEN SCHULE

Vorgeburtliche Untersuchungen was ist mir wichtig?

Copyright. Alle Rechte vorbehalten. Haftungsausschluss. Copyright 2014 Ulla Sebastian

Konzeptbaustein: Sexuelle Bildung in der Kita

Ein Baby. kommt zur Welt. Mit Rätseln, Spielen und Entdecker-Klappen! SEHEN I HÖREN I MITMACHEN. Band 16

Diskussion der Theorie des Seins

Ressourcen fördern - Psychoedukation bei Kindern und Jugendlichen psychisch kranker Eltern

Das an den 13 AEDL s (Aktivitäten des täglichen Lebens) orientierte Pflegemodell von Monika Krohwinkel ist die Basis unseres Planungsprozesses.

Wer??? Wir??? Let s talk about Sex. Ja ist das jetzt auch (noch) unser Revier??? Pflegeforum Oberösterreich 10. Linz, 12. Okt.

Das Trauma der Liebe. Hospitalhof Stuttgart 23. Juli Prof. Dr. Franz Ruppert 1

Zimmerstr Darmstadt Tel.: / Seite 1 von 14

Informationen zum Baustein 7 Erste Schritte ohne Kind

Piaget. 2) Präoperationale Stufe (2-6 Jahre) Egozentrisches Denken: nur die eigene Perspektive.

Die Gleichaltrigen. LS Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie

lilith Therapie für Frauen und Kinder Simone Arni und Lis Misteli 4. März 2008

Fragebogen zur Lebensgeschichte

Beilage 3: Kind Umwelt Analyse

Transkript:

Psychosexuelle Entwicklung neurotypisch und bei Menschen im Autismus-Spektrum Barbara Rittmann Dipl.-Psych./Psychologische Psychotherapeutin Hamburger Autismus Institut Überblick über den Vortrag Psychosexuelle Entwicklung Sexualität beim Menschen im Autismus-Spektrum B.Rittmann Postkarten 1

Sexualität: grundlegende Gedanken die Erfahrungen mit Sexualität beginnen bereits vor der Geburt und erstrecken sich über das Ganze Leben bis ins Alter; dabei verändert sich die Wahrnehmung und die Einstellung bzgl. der Sexualität kontinuierlich beim Thema Sexualität geht es mehr darum, wer wir sind als was wir tun sie ist ein wichtiger Teil unseres Selbstbildes und Selbstwertgefühls Beschäftigung mit dem Thema Sexualität bedeutet immer, sich mit den ganzen Menschen zu beschäftigen Bandbreite zwischenmenschlicher Gefühle Zuneigung Freundschaft Verliebtheit Sexualität Liebe Sexualität 2

Psychosexuelle Entwicklung Neurotypische Entwicklung 1. Lebensjahr: Verschmolzensein mit der Mutter; Erlebnis von Bindung, Einheit und des Versorgtwerdens Urvertrauen 2. 3. Lebensjahr: entwickelt zunehmend Kontrolle über seinen Körper (eigene Bewegungen und Ausscheidungsfunktion); Unterscheidung Mädchen Junge (24 Monate: Ausbildung der geschlechtlichen Kernidentität (Stoller); 3. bis 5. Lebensjahr: vorläufiger Höhepunkt sexueller Neugier; sexuelle Rollenspiele (Doktorspiele), Papa-Mama-Kind-Spiele, teilweise Nachspielen des Koitus, etc.); Mädchen: Identifikation mit Mutter, Junge mit Vater ( Desidentifizierung von Mutter) 6. 9. Lebensjahr: Kind kennt die sozio-kulturellen Normen, entwickelt Schamgefühle und das Bedürfnis nach Intimität und Privatsphäre (z.b. im Bad, im eigenen Zimmer, etc.) 10. bis Lebensjahr: Entwicklungsherausforderungen: Identifikation mit dem "neuen" Körper; wesentliches Kennzeichen der Pubertät: Wunsch nach partnerorientierter Sexualität; Orientierung an den Peers; verstärktes Bedürfnis, sich aus der Verantwortung der Eltern zu lösen 3

Besonderheiten der Sexualität bei Menschen mit Autismus Auswirkungen des Autismus bzgl. Beziehungen Naivität und fehlender Selbstschutz fehlende Kommunika tionsfähigkeiten (z.b. Smalltalk) Grundlegende Fähigkeiten wurden nicht gelernt Autismus soziale Signale werden schlecht entschlüsselt Unrealitistische oder mechanistische Vorstellungen Probleme beim Verstehen von Gefühlen 4

Pubertäre Gefühle eines Jugendlichen mit Autismus Pubertäre Gefühle eines Jugendlichen mit Autismus 5

Vorstellungen von Liebe, Sexualität und Familie Vorstellungen wirken oft unreif, holzschnittartig oder bizarr naiv, fehlende Peergroupaufklärung eher funktional auf das Erreichen von bestimmtem Status ausgerichtet Realisierung der AS-Schwierigkeiten können große Zukunftsängste auslösen Auswirkungen des Autismus bzgl. des Sexualverhaltens Direktheit sexueller Annäherung Sexuelle Ausrichtung, sexuelle Identität Fehlen von Scham Über- und Unterempfindlichkeiten bei Körperkontakt Autismus Objekt- Orientiertheit, spez. Praktiken evtl. fehlendes Interesse Gefahr der Selbstverletzung 6

Sexualität: Interesse, Vorlieben, Orientierung und Identität Transgender-Crossdressing 1:45 7

Häufige Vorliebe für Bondage-Techniken (BDMS = (Bondage, Dominance, Masochism, Sadismus) sexuelle Vorlieben, u. a. mit Dominanz und Unterwerfung, Schmerz und Fesselspiele keine Straftat, wenn sie einvernehmlich und unter Absprache stattfinden werden von AS oft bevorzugt, weil klare kontrollierbare und vorhersehbare Absprachen (Lit: N#ummer 1) Objekte als Stimuli sexueller Erregung sensorischen Stimuli (visuell, auditiv, olfaktorisch, taktil) bestimmte Materialien und Objekte (Kopfkissen, Waschlappen, Puppen, bestimmte Texturen - Leder, Gummi -, Töpfe, Lampen, Gürtel, Duschkopf, Metallkugeln) bestimmten Personen oder Körperteilen anderer Menschen (z.b. Haare, Füße, nackte Arme) Darstellungen von Fleisch usw. 8

Sehnsucht nach Freundschaft und Liebe und geglückte Paarbeziehungen 9