Der Exchange Server 2010 7 Der Exchange Server 2010 Prüfungsanforderungen von Microsoft: Configuring and Managing Messaging and Collaboration o Configure email. o Manage Microsoft Exchange Server. Managing Health and Security o Configure SSL certificates. Quelle: Microsoft Lernziele: Benutzerkonten und Postfächer Exchange Server mit externer Internet-Mail (POP3-Connector) Empfängerkonfigurationen Öffentliche Ordner Zertifikate Outlook Web App (OWA) Outlook anywhere Exchange ActiveSync Tools 7.1 Einführung Im Small Business Server 2011 ist der Exchange Server 2010 enthalten. Viele Konfigurationsschritte sind bereits bei der Installation automatisch vorgenommen worden, allerdings bleiben noch einige Schritte für eine individuelle Anpassung übrig. Gerade, wenn Sie in der Firma mit mobilen Clients arbeiten, ist die Konfiguration des Exchange Servers von großer Bedeutung. 363
Grundlagen des Exchange Servers 2010 7.2 Grundlagen des Exchange Servers 2010 Der Exchange Server ist ein Messaging-System, das auf dem Client- Server basiert. Die E-Mails werden an den Exchange Server geschickt und die Clients erhalten die E-Mails zugestellt. Auf dem Server werden so genannte Postfächer verwaltet, dies sind die E-Mail-Speicher. Die Mails werden hier gespeichert und den Clients dann zur Verfügung gestellt. Dies ist ein großer Unterschied zu einem Internet- E-Mail-Konto, denn hier werden die E-Mails immer auf den Client heruntergeladen, bei Exchange Server dagegen bleiben sie im Normalfall auf dem Server und werden von den Clients aus nur gelesen. Der Zugriff auf den Exchange Server kann vom internen Netzwerk aus sein, oder auch vom Internet. Das Anlegen und Verwalten von Postfächern und die Konfiguration für den Abruf der E-Mails sind in erster Linie die Konfigurationseinstellungen, die Sie vornehmen müssen. 7.3 Benutzerkonten und Postfächer Der Small Business Server 2011 bietet eine weitgehend automatisierte Administration von Exchange Server. Das Anlegen der E-Mail-Konten (und damit der Postfächer für den jeweiligen Benutzer) beispielsweise geht völlig automatisch vonstatten, wenn Sie ein Benutzerkonto anlegen. 364
Der Exchange Server 2010 Abbildung 7.1: Benutzerkonto Die E-Mail-Adresse wird bereits beim Erstellen generiert, wobei Sie diese hier noch auf einfache Art ändern können. Ähnlich ist es beim Anlegen einer Gruppe. Zunächst wählen Sie, ob Sie eine Verteilergruppe möchten, die E-Mails an alle Mitglieder dieser Gruppe zustellen wird, oder ob Sie eine Sicherheitsgruppe erstellen möchten. Bei einer Sicherheitsgruppe müssen Sie allerdings zusätzlich auswählen, ob diese Gruppe für den E-Mail-Empfang konfiguriert werden soll. Wenn Sie sich für eine Sicherheitsgruppe entschieden haben, können Sie auf der zweiten Seite der Einrichtung noch zwei Optionen wählen: Diese Gruppe kann E-Mail-Nachrichten von Personen außerhalb des Unternehmens empfangen An diese Gruppe gesendete E-Mails in einem öffentlichen Microsoft Exchange-Ordner auf dem Server archivieren Damit ist der E-Mail-Empfang prinzipiell eingerichtet. Der Eintrag wird außerdem in die globale Adressliste gesetzt, die Sie jederzeit vom Client aus erreichen können. 365
Benutzerkonten und Postfächer Abbildung 7.2: Erstellen einer Gruppe 7.3.1 Exchange Server aus Sicht des Clients Wenn Sie die Funktionalität des Exchange Servers aus Sicht des Clients betrachten möchten, müssen Sie auf dem Client ein Outlook-Produkt installieren. Momentan ist Outlook 2010 das aktuelle Produkt. Exchange Server 2010 bietet eine Funktion mit Namen Autodiscover, die einem Outlook 2010 Client die Möglichkeit bietet, automatisch den Exchange-Server zu finden und die Konfiguration von Outlook automatisch abzuschließen. Deswegen wird nach der Installation beim ersten Start automatisch eine Verbindung zum Exchange Server hergestellt. 366
Der Exchange Server 2010 Abbildung 7.3: Ersteinrichtung Nach dem Start stehen Ihnen die E-Mails, die auf dem Exchange Server liegen, zur Verfügung. Abbildung 7.4: Mailzugriff Die Daten, also die E-Mails, sind auf dem Exchange Server gespeichert und der Client greift über das Protokoll MAPI auf den Inhalt der Postfächer zu. 367
Benutzerkonten und Postfächer Die Daten werden zwar auch lokal auf dem Client gespeichert, in einer.ost-datei (Offline-Store), die allerdings nicht mit einer.pst-datei zu vergleichen ist, die Sie wahrscheinlich vom Zugriff auf Internet-Mail kennen. Mit einer.ost-datei kann Outlook auch ohne Verbindung mit dem Exchange Server unterwegs arbeiten. Eine.OST-Datei kann nur mit dem Exchange Server erstellt werden. Outlook nutzt die Transportdienste, die im Profil definiert sind und der Exchange Dienst erlaubt eine Konfiguration, bei der das Postfach, eines der vom Administrator bereitgestellten Serveradressbücher und zusätzlich Ordner aus dem Postfach und den Favoriten repliziert werden können. Dies ist eine echte Replikation, Elemente, die auf dem Server gelöscht werden, werden beim nächsten Kontakt mit dem Server auch auf dem Client gelöscht. Änderungen auf dem Client während der "offline-phase" werden ebenso wieder auf dem Server nachgeführt. Leider können hierbei auch Replikationskonflikte auftreten. Diese sind an einem Icon erkennbar (gekreuzte Schwerter) und bei der nächsten Öffnung dieses Objektes wird der Anwender auf beide Versionen hingewiesen und kann dann beide ansehen und zusammenführen, beide behalten oder eine löschen. Interessant ist die Tatsache, dass die Nachrichten nicht wie bei einer.pst-datei nur lokal auf dem Client liegen, sondern immer auf dem Server. Außerdem ist die.ost-datei über einen Cookie im Mailprofil gesichert. Wir werden uns bei weiteren Gelegenheiten noch mit Outlook beschäftigen. 368
Der Exchange Server 2010 7.4 Die Exchange-Verwaltungskonsole Nun betrachten wir die Konfigurationseinstellungen auf der Seite des Exchange Servers. Dazu öffnen wir die Exchange-Verwaltungskonsole. Abbildung 7.5: Exchange-Verwaltungskonsole Sie sehen die vier Bereiche, in denen Konfigurationseinstellungen durchgeführt werden können: Organisationskonfiguration Serverkonfiguration Empfängerkonfiguration Toolbox 369
Die Exchange-Verwaltungskonsole 7.4.1 Organisationskonfiguration Betrachten wir den ersten Bereich, die Organisationskonfiguration. Abbildung 7.6: Organisationskonfiguration Sie sehen, dass dieser Bereich in vier Unterbereiche eingeteilt ist. Um diese Einteilung zu verstehen, müssen wir ein wenig ausholen. Exchange Server 2010 steht uns im Small Business Server 2011 in der Standard-Edition zur Verfügung. Hier sind verschiedene Serverrollen definiert, die die Aufgaben des Servers kennzeichnen: Postfachserver Der Postfachserver speichert alle Postfächer, öffentliche Ordner und Adresslisten. Client-Access Server Ein Client-Access Server dient den Clients dazu, sich mit den Postfächern zu verbinden und die Nachrichten abzurufen. Hierbei können sowohl interne, als auch externe Clients Zugriff auf ihre Nachrichten erlangen, denn es werden die Protokolle für folgende Verbindungsarten zur Verfügung gestellt: o Outlook Anywhere o Outlook Web App o Exchange Active Sync 370
Der Exchange Server 2010 Hub-Transport Server Der Hub-Transport Server ist zuständig für das Übermitteln der Nachrichten innerhalb des Unternehmens. Er benutzt Active Directory zur Lokalisierung des Zielservers, auf dem sich das Postfach des Empfängers befindet, sowie Active Directory- Standorte und -Dienste, um den Weg zum Zielserver zu ermitteln. Edge-Transport Server Ein Edge-Transport Server wird in der DMZ installiert und ist kein Mitglied der Active Directory Domäne. Er ist dafür zuständig, E-Mails an Empfänger außerhalb der Organisation zu senden und Nachrichten aus dem Internet zu empfangen, zu prüfen und an die entsprechenden Postfach-Server zuzustellen. Diese Funktion steht im Small Business Server 2011 nicht zur Verfügung. Unified Messaging Server Ein Unified Messaging Server stellt die Verbindung zu einer Telefonanlage her und stellt beispielsweise Faxempfang und andere UMS-Dienste zur Verfügung. Sie sehen, dass der Bereich Organisationskonfiguration genau in die vier Serverrollen, die uns der Exchange Server in diesem Fall zur Verfügung stellt, eingeteilt ist. Nach dieser Logik können auch die Einstellungen gemacht werden. Die Einstellungen, die Sie auf der Ebene der Organisationskonfiguration machen, sind sehr allgemein und gelten für die komplette Organisation. Postfach Unter dem Postfachserver können Sie ganz allgemein die Postfächer konfigurieren. 371
Die Exchange-Verwaltungskonsole Abbildung 7.7: Postfachserver Generell legen Sie hier die Ordnerstruktur und Adressbücher fest. Clientzugriff Unter dem Knoten Clientzugriff auf Organisationsebene werden Exchange ActiveSync-Postfachrichtlinien definiert. Mit diesem Thema befassen wir uns später noch genauer. Abbildung 7.8: Clientzugriff 372
Der Exchange Server 2010 Hub-Transport Hier werden alle Einstellungen gemacht, die mit dem Nachrichtentransport zu tun haben. Remotedomänen Abbildung 7.9: Hub-Transport Abbildung 7.10: Remotedomänen 373
Die Exchange-Verwaltungskonsole Hier konfigurieren Sie die Zustellung von Abwesenheitsbenachrichtigungen (Out-of-Office), die Nachrichtenformatierung und Richtlinien für diese spezielle Domäne. Akzeptierte Domänen Akzeptierte Domänen sind die Domänen, deren Nachrichtenzustellung der Exchange Server selber übernimmt, also ohne Verbindung nach draußen. Abbildung 7.11: Akzeptierte Domänen Wenn Sie also eine Nachricht an die Domäne Meistertrainer.local schicken, ist dies eine Nachricht an eine akzeptierte Domäne und der Exchange Server stellt diese Nachricht zu, ohne eine Verbindung zum Internet aufnehmen zu müssen. 374