Integration oder Exklusion? Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt Antonia Baumgarten abaumgarten@jugendkultur.at Institut für Jugendkulturforschung
Schlagwort Integration Strukturelle Integration : soziale Platzierung in der Gesellschaft Bildungsmobilität und berufliche/soziale Aufwärtsmobilität (Bildungszugang, Bildungsbiographien zwischen Benachteiligungen und Kulturspezifika) Soziale Integration : Struktur von Kontaktkreisen und Milieus; Einflüsse des elterlichen Milieus, Freundschaftsnetzwerke Freundschaftswahl Kulturelle Integration : Bedeutung traditioneller und religiöser Werte, Inklusion in jugend-/freizeitkulturelle Zusammenhänge inter-ethnische Gleichaltrigenbeziehungen Integration durch Individualisierung : wird von jedem/jeder Einzelnen erbracht selbstgewählte Teilhabe an individualisierten Alltagspraxen, aber auch Betroffensein von Risiken/Entscheidungszwängen der individualisierten spätmodernen Gesellschaft
strukturelle Integration: Daten Übertrittsrate an der ersten Schwelle: 2. Generation (n=983); Zahlen in Klammer österreichische Kontrollgruppe (n=395); (Weiss 2007: 81) AHS - Unterstufe 23% (34%) Hauptschule 77% (66%) Volksschule Hauptschule AHS-Unterstufe Türkei 85 15 Ex-Jugoslawien 81 19 andere Länder 50 50 Österreich 66 34
strukturelle Integration: Problemfelder im O-Ton Sprache "Meine Mutter versteht nicht genug Deutsch." "Unsere Lehrerin sagt: Kannst rausgehn wennst nix lernen willst. Ich hab das nur einmal probiert. Und da bin ich zu meinem Klassenvorstand gekommen." Information "Ich wollt auch Polizistin sein aber da muss man da geboren sein und die Staatsbürgerschaft haben und die Sprache und so. Und dann wollt ich Ärztin und da hab ich gschaut und als Ärztin muss man viel lernen. Jetzt will ich Friseurin werden." Gruppendiskussionen d. Instituts für Jugendkulturforschung 2009
Zustimmung zu Aussagen: stimme sehr/eher zu (Top-2-Boxes auf Skala 1-4) Es gibt häufig Spannungen, weil meine Eltern mich nicht verstehen Datenquelle: Gapp 2007: 136 Meine Eltern haben an mich Erwartungen, die ich nicht erfüllen kann Ich habe manchmal Probleme mit meinen Eltern, weil sie andere Vorstellungen vom Leben haben als ich 2. Generation (n=1.000) österreichische Jugendliche (Kontrollgruppe: n=400) 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 60% der Väter und Mütter ausländischer Herkunft messen guten Leistungen eine sehr oder eher wichtige Bedeutung zu. (38% d. Eltern österreichischer Herkunft.) Datenquelle: Gapp 2007: 139
Freundschaftsbeziehungen Eigenethnische Freundschaftsnetzwerke sind bei türkischen und ex-jugoslawischen Jugendlichen/2. Generation besonders verbreitet: 61% der Jugendlichen mit türkischen Eltern haben keine Freundschaften mit Jugendlichen, deren Eltern gebürtige ÖsterreicherInnen sind 48% der Jugendlichen aus Ex-Jugoslawien haben keine Freundschaften mit Jugendlichen, deren Eltern gebürtige ÖsterreicherInnen sind bei Jugendlichen mit Eltern aus anderen Herkunftsländern sind die Freundschaftsnetzwerke laut Weiss/Strodl (2007) offener Weiss/Strodl (2007) sehen Isolation als Folge eines stark ethnisch orientierten Elternhauses: Ein höherer Bildungsstatus führt laut dieser Studie nicht automatisch zur Öffnung der Kontakte bzw. zu mehr inter-ethnischen Kontakten: Als wichtiges Ergebnis ist somit festzuhalten, dass die These der impliziten sozialen Integrationswirkung des höheren Bildungswegs (...) in dieser einfachen Form nicht zutrifft. Die Kontaktwahl, als ein Aspekt der sozialen Integration, ist stark an die Lebensweise der Eltern gebunden. (Weiss/Strodl 2007: 113)
Sind österreichisch-türkische Jugendliche anders? 11- bis 18-jährige Jugendliche gesamt: Österreichisch-türkische Jugendliche sind anders... Bedeutung, die die Religion für das eigene Leben hat Einstellung zu Gleichberechtigung der Frau(en) Kleidung/Kleidungsstil Zusammenhalt in der Familie Essen und Trinken Respekt vor Erwachsenen Wertvorstellungen Musikgeschmack Benimmregeln Einstellung zu Sexualität Freizeitverhalten Interesse am politischen Geschehen in Österreich Zeigen von Gefühlen in Freundschaften Fernsehgewohnheiten 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Institut für Jugendkulturforschung (2007): elf/18 die Jugendstudie, rep. für 11- bis 18-Jährige, n=880, Angaben in %
Was heißt das, wenn die 2. Generation anders ist? 11- bis 18-jährige Jugendliche, die sagen, türkische Jugendliche/2.Generation seien in den genannten Bereichen anders 11- bis 18-Jährige gesamt: Österreichisch-türkische Jugendliche sind anders... Bedeutung, die der die Religion für für das eigene Leben hat 69,7 davon sagen: 36,4% sollten sich anpassen 37,3% sollten ihre Art zu leben/denken behalten Einstellung zu Gleichberechtigung der Frau(en) 59,1 davon sagen: 77,9% sollten sich anpassen 3,8% sollten ihre Art zu leben/denken behalten Kleidung/Kleidungsstil Kleidung(sstil) 58,9 davon sagen: 42,2% sollten sich anpassen 32,4% sollten ihre Art zu leben/denken behalten 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Differenz auf 100%: weiß nicht/keine Angabe Institut für Jugendkulturforschung (2007): elf/18 die Jugendstudie, rep. für 11- bis 18-Jährige, n=880, Angaben in %
Sozial-kulturelle Integration: Problemfelder Gelegenheitsstruktur (Stadt- Land, Ausbildung, Beruf) Erwartungen ablehnende Haltung der Einheimischen
Institut für Jugendkulturforschung Alserbachstr. 18/7.OG 1090 Wien Tel: +43 (1) 532 67 95 Fax: +43 (1) 532 67 95 20 http://www.jugendkultur.at E-mail: jugendforschung@jugendkultur.at Literatur Weiss, Hilde (Hg.): Leben in zwei Welten. Zur sozialen Integration ausländischer Jugendlicher der zweiten Generation, Wiesbaden, 2007 Gapp, Patrizia: Konflikte zwischen den Generationen? Familiäre Beziehungen in Migrantenfamilien, in: Weiss, Hilde (Hg.): Leben in zwei Welten. Zur sozialen Integration ausländischer Jugendlicher der zweiten Generation, Wiesbaden, 2007, 131-153 Weiss, Hilde; Strodl, Robert: Soziale Kontakte und Milieus ethnische Abschottung oder Öffnung? Zur Sozialintegration der 2. Generation, in: Weiss, Hilde (Hg.): Leben in zwei Welten. Zur sozialen Integration ausländischer Jugendlicher der zweiten Generation, Wiesbaden, 2007, 97-129