Umwelt Engineering Polymere und Additive

Ähnliche Dokumente
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR. Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen

Stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe

BIOFOLIEN BIOMATERIALIEN TRENDS. Jan SWITTEN 2014

Stoffliche Nutzung von Lignin Rohstoffe, Prozesse und Produkte

Recyclingmaterial und Biokunststoff in Schreibgeräten

RAMPF Holding GmbH & Co. KG Dr. Frank Dürsen / Chemisches Recycling von PURund PET-Reststoffen

Entwicklung eines neuartigen thermoplastischen Vulkanisates auf Basis nachwachsender Rohstoffe Biobasierte TPE-V

Organische Chemie für Verfahrensingenieure, Umweltschutztechniker und Werkstoffwissenschaftler

Erneuerbare statt fossile Rohstoffe

Schnelles Härten und Lösen von Klebstoffen mittels Mikrowellen

Caddy.

Industrielle Aspekte von Biopolymeren

Biokunststoffe Überblick und aktuelle Trends in der Biokunststoffwelt

Stoffliche Nutzung Nachwachsender Rohstoffe Graf / Warsitzka

Was sollte die chemische Industrie beim Herstellen von Produkten beachten? Was kennzeichnet nachhaltige Chemikalien?

Verfahrensentwicklung und

Unterrichtsstunde zum Thema Kunststoffe. von Stefan Döge

DBU Fachgespräch Stoffliche Nutzung von Abfallstoffen aus der Landwirtschaft. Verfahrenstechnische Herausforderungen

Einführung in die Chemie der Kunststoffe

Chemische Nutzung heimischer Pflanzenöle

und Verfügbarkeit von Biokunststoffen

NACHHALTIGKEIT BEI WACKER

Das Plastik-Problem. Fakten, Folgen und Gefahren - was können wir dagegen tun?

Seite: 3/8 Smart ABS Datenblatt (en) Bendlay Datenblatt (en) Carbon Datenblatt (en) HiPS Datenblatt (de) Laybrick Datenblatt (en) Laywood Datenblatt (

Hochwertige Materialien für Autos für Gebäude für Elektronik für Sport für unsere moderne Welt

Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Einfachheit contra Vielfalt Produktentwicklung und neue Werkstoffe

Was ist Bioökonomie überhaupt und wozu brauchen wir sie?

pro Herausgegeben von der Fachgruppe Bedarfsgegenstände aus Melamin im Lebensmittelkontakt

Sorgsamer, besser, gesünder: Innovationen aus Chemie und Pharma bis 2030

BIOÖKONOMIE HERAUSFORDERUNG UND CHANCE FÜR DIE DEUTSCHE (LAND-)WIRTSCHAFT

Sitzung des DGM Fachausschusses. 10. und 11. November Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Erftgymnasium der Stadt Bergheim. Schulinternes Curriculum für das Fach Chemie in der Sekundarstufe II

Masterbatch-Lösungen für Kinderspielzeug aus Kunststoffen

Status Biotechnologische Herstellung und chemische Konversion von Bernsteinsäure. Folie 1 Fraunhofer UMSICHT

1. Unter welchen Bedingungen wird ein MolekÄl als MakromolekÄl bezeichnet?

Verpackung und Verpackungsabfälle nachhaltig & ökologisch?!?

Masterstudium Technische Chemie. Spezialisierung Nachhaltige Technologien und Umwelttechnik. Dr. Bettina Mihalyi

8. Zusammenfassung und Ausblick

Fachhochschule Hof, Abt. Münchberg 17. Hofer Vliesstofftage 06./

Oleochemische Rohstoffe heute und in der Zukunft

Die Recyclat-Initiative von Frosch

Kohlendioxid als Ressource

Trinkwasserkontaktmaterialien und Thermoplastische Elastomere

Umweltbewusstsein. bei. Ökologie und Nachhaltigkeit

Präsentation der Studie. Going Green: Chemie

klima:aktiv Programm nawaro markt Ziele und Aufgabenstellung, Übersicht der Fördermöglichkeiten für Betriebe

Ein reines Vergnügen...

REAKTIONEN DER ORGANISCHEN CHEMIE

- Reduktion durch intelligentes Recycling von Edelstahlschrott

Erklärung zu den Umwelteigenschaften von Ricoh Produkten

CO 2. Kosten reduzieren nachhaltig handeln: mit dem innovativen und vielseitig einsetzbaren mikronisierten Polyurethanpulver MPU!

Entwicklung eines Eco Design Tools für die Luftfahrtindustrie

Gruppe 13: Mischpolymerisation von Styrol und Maleinsäureanhydrid

Zellstoff, Chemie und Energie aus Deutschlands

Die CO 2 - Formel von Cartonplast Group

Die Löslichkeit ist die Lösung. BELLAND alkalisch lösliche Polymere Applikationen und Handhabung

Heinrich-Böll-Gesamtschule SILP Chemie Jahrgang 10

Argumentarium PE Tragtaschen

Ich bin aus Bio-Kunststoff Bring ein Stück Natur ins Haus

Ressourcen und ihre Nutzung

Forschung wirkt. PRODUKTION DER ZUKUNFT RÜCKBLICK, AKTUELLE ERGEBNISSE, AUSBLICK

aus Methan und CO 2 (DMEEXCO2)

Prozessanalytik Diagnose, Optimierung und Überwachung chemischer Prozesse

P9 Kunststoffe Moleküle ohne Ende

Wie wir Leichtbau massentauglicher machen. Sandra Reemers 26. März 2015, Wesseling

Stoffliche Nutzung von Biomasse in der chemischen Industrie Perspektiven für Biomethan

Molecular Sorting - Ressourceneffiziente Technologien für Übermorgen

Biologische Produktion von Milchsäureethylester

Schwerpunkt 36: Polymer-Engineering

Pflanzenbiotechnologie bei BASF Dr. Hans Kast Geschäftsführer BASF Plant Science

Innovation 5CE. WE-EF Copyright

NACHHALTIGKEITSMANAGEMENT. Nachhaltiges Denken und Handeln in der Jodl-Gruppe

Vernetzer und Additive für Silicondichtstoffe

Vorprüfung in Chemie für Studierende des Maschinenbaus und des Gewerbelehramts Studiengang Bachelor

Partnerschaft für Sicherheit und Umwelt der Schülke & Mayr GmbH

Rohstoffwandel bei der BASF Erdgas, Biomasse und Kohlendioxid können Erdöl als Rohstoff für die Chemieproduktion künftig ergänzen

Curriculum Chemie Klasse 10 Albert-Einstein-Gymnasium Ulm

Moderne Acrylatbindemittel für die Faserbindungsindustrie

ILCO Chemikalien GmbH

BIOMASSE IN DER CHEMISCHEN INDUSTRIE

Verarbeitung von Biowerkstoffen, Industrieberatung. Marktentwicklung und Life Cycle Assessment

F R A U N H O F E R - I N

Elemica ein Spielplatz nur für die Großen? Dietmar Tietzmann - Elemica Roadshow Ludwigshafen

Forschung & Entwicklung Unser Weg zur Innovation

Recycling von Windkraftanlagen

BMU-Förderprogramm. Biogas. Emissionsminderung und Effizienzsteigerung in Biogasanlagen STECKBRIEFE.

Fachkonferenz Energietechnologien 2050 Energieeffizienztechnologien in Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen

Grundlagen der Organischen Chemie

Aschekapsel. Alento GmbH Aßlkofener Str. 1a D Ebersberg Tel. +49 (0) Fax +49 (0) Mail

Schulinterner Lehrplan im Fach Chemie Klassenstufe 7-8

Nachweismethoden für erneuerbare Rohstoffe

Lohnherstellung Versuchsabfüllung Prozessentwicklung Validation Service

Die innovative Art Geld zu verdienen!

Leichtbauweise aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze

Mitteldeutsches Chemiedreieck und Bioraffinerien. Alternative Rohstoffversorgung im mitteldeutschen Chemiedreieck

Landwirtschaft und nachwachsende Rohstoffe - Energiegewinnung

Re-Source

Transkript:

FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR Chemische Technologie ICT Umwelt Engineering Polymere und Additive

Begleitung auf dem Weg vom Rohstoff zum Produkt und zurück zum Rohstoff Nachhaltiger und effizienter Umgang mit Ressourcen ist ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung, unterstützt von der Politik und zunehmend nachgefragt von der Wirtschaft. Produkte und Produktionsprozesse sollen möglichst ökonomisch und ökologisch effizient und nachhaltig gestaltet werden. Dabei spielt die stoffliche Verwertung von Produktnebenströmen und Biomassen derzeit eine besondere Rolle. In der Projektgruppe»Polymere und Additive«des Produktbereichs Umwelt Engineering am Fraunhofer ICT werden Komponenten für moderne Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen und Produktnebenströmen gewonnen, untersucht und für verschiedene Produktanwendungen getestet. Darüber hinaus werden technische Polymerprodukte chemisch recycelt um sie auf der höchsten Wertschöpfungsebene, der stofflichen Wiederverwertung, einsetzen zu können. Ziel ist es, neue und nachhaltige Komponenten und Prozesse für Polymerprodukte zu entwickeln. Monomere und Additive Die Nutzung von Biomassen als Ausgangsmaterial für Polymerprodukte ist ein wichtiger Baustein im verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Um maßgeschneiderte Monomere und Additive zu erhalten, werden organisch-chemische Synthesen untersucht und technische Reaktionsverfahren im Labormaßstab getestet. Am Fraunhofer ICT wurden bereits verschiedenste biobasierte Moleküle zu Monomeren und Additiven umgesetzt darunter Fettsäuren (FS) und FS-Derivate (uter anderem aus Tallöl, Suberin und Pflanzenölen), Hydroxymethylfurfural und Fermentationsprodukte. Die erzielten Synthesebausteine sind meist mehrfach funktionale Ester, Amine, Alkohole oder Carbonsäuren, welche als Monomere für die Herstellung von Biopolymeren dienen oder zur Herstellung von biobasierten Additiven, wie Weichmacher, Tenside, Schmierstoffe oder Vernetzungsmittel. Auf diese Weise können verschiedenste biogene Komponenten maßgeschneidert synthetisiert werden, welche in unterschiedlichen Produktformulierungen Verwendung finden. Dabei wird auf klassische, moderne und teilweise maßgefertigte Synthesemethoden und Reaktionstechnologien zurückgegriffen. Gewinnung und Aufreinigung von Betulinolen und Suberin FS aus Birkenrinde Oxidation von Furandicarbonsäure (FDCS) aus Hydroxymethylfurfural (HMF) Metathese von Fettsäuren (FS, zum Beispiel Tallöl-FS und Ölsäure) zu langkettigen bifunktionalen Estern und verschiedenen Folgederivaten Quantitative Spaltung von FS zu Azelainsäure und Perlagonsäure mittels Ozonolyse Synthese von FDCS-Ester und FS-Ester als Weichmacher für Thermoplaste Synthese von FS basierte Vernetzungsmittel über Diels-Alder Addition Aminierung und reduktive Aminierung sind aktuelle Forschungsgebiete des Fraunhofer ICT

Flammschutz Die Entwicklung und Testung von neuen Flammschutzmitteln, die toxikologisch für Mensch und Umwelt ungefährlich sind, ist ein wichtiges Thema für viele Produkte. Neben der Flammschutzwirkung spielt auch die Materialkompatibilität eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer toxischen und mutagenen Eigenschaften werden halogenhaltige Flammschutzmittel (FSM) zunehmend vom Markt genommen und eine gesetzliche Reglementierung von der EU evaluiert. Derzeit industriell verwendete Flammschutzmittel wie Melamin oder ATH zeigen im Vergleich mit halogenhaltigen Flammschutzmitteln einen weit geringeren Wirkungsgrad, welcher durch höhere Beladungen ausgeglichen werden muss. Dies verändert jedoch die mechanischen Eigenschaften der zu verarbeitenden Stoffe. Deshalb werden in der Projektgruppe neue effektive und kompatible Flammschutzmittel erforscht. Einarbeitung und Testung von Cyclophosphazentrimeren als Additive in PU-Weichschäumen und PA 6 im thermoplastischen RTM-Verfahren Synthese phosphorhaltiger und polymerer FSM und Testung Ihrer Materialkompatibilität und Flammschutzwirkung Chemisches Recycling Das Recycling von polymeren Nebenprodukten gewinnt in der Gesellschaft und Industrie stetig an Bedeutung. Eine besondere Herausforderung in der aktuellen Forschung ist das Recycling von Verbundwerkstoffen und komplexen Polymerformulierungen. Die Projektgruppe»Polymere und Additive«ist in verschiedenen industrienahen Projekten erfolgreich unterstützend tätig, um Polyester- und Polyurethanprodukte in Recyclate umzusetzen, welche als Rohstoffe für neue Polymerprodukte verwendet werden. Eine besondere Herausforderung im Recycling ist die Aufbereitung und Wiederverwertung von heterogenen bzw. verunreinigten Kunststoffabfallströmen. Untersucht werden Verfahren zur Depolymerisation, Recyclat-Aufreinigung und Wiederverwertung. Gewinnung von farblosen hochreinen Recyclaten aus bunten PET-Flakes Gewinnung von Recyclaten und Flammschutzmitteln aus PUR-Schaumprodukten Einsatz von Recyclaten zur Herstellung neuer Produkte Fotos Glühdraht-Test an einem thermoplastischen Demonstrator (oben) und maßgeschneiderter Aufbau eines Glasreaktors (rechts).

Biopolymere und Polymerprodukte Biobasierte Polymere können aus verschiedensten Substanzen von Biomassen gewonnen werden. Die Erschließung neuer Stoffströme auf Basis nachwachsender Rohstoffe erfordert unter Anderem die Synthese und Charakterisierung von Biopolymeren sowie Prozessentwicklung und Testung von Biopolymeren in der Anwendung bzw. im Endprodukt. In den vergangenen Jahren wurden am Fraunhofer ICT eine Vielzahl an Biopolymeren synthetisiert und untersucht. Zielpolymere sind bisher vornehmlich Polyester, Polyamide, Polyurethane und deren Copolymere, welche aus biobasierten Monomeren hergestellt und je nach Projektziel zu verschiedenen Polymerprodukten weiter verarbeitet wurden, zum Beispiel zu duromeren Beschichtungen und Schäumen sowie zu thermoplastischen Kunststoffen. Ein Schwerpunkt ist die Synthese von biobasierten Komponenten für Polyurethansysteme und deren Testung in verschiedenen Applikationen. Dabei werden die synthetisierten Komponenten mit Standardmethoden untersucht, charakterisiert und in Formulierungen eingearbeitet. Am Fraunhofer ICT wurden bereits thermoplastische PUR, PUR-Schäume, PUR-Beschichtungen und PUR-Schaumbeschichtungen aus biobasierten Polyolen hergestellt, welche teilweise aus ebenfalls eigener Produktion stammen. Entwicklung»Grüner«PUR-Schaumpolster für Flugzeugsitze, ein biobasierter Weichschaum mit etwa 22 Gewichts-% rein biogener Rohstoffe Synthese thermoplastischer Polyester und Polyamide aus FDCS Synthese thermoplastischer Polyester, Polyesterpolyole, Polyamide, Polyurethane und co-polymere Strukturen basierend auf mittel- und langkettigen FS-Derivaten Entwicklung dünner Polyurethanschaumbeschichtungen Leistungen Machbarkeitsstudien Auftragssynthesen Katalysator- und Parameterscreening Reaktions- und Prozessoptimierungen im Labormaßstab Unterstützung bei Produktqualifizierung und Formulierungsentwicklung Einarbeitung und Testung von neuen und bekannten Flammschutzmitteln nach UL 94, FMVSS 302, DIN 4102B, DIN 4589, FAR 25.853, Oxygen Index, Glow Wire Test. Partnerschaft in bilateralen (unter GHV, Rahmenverträge) und öffentlich geförderten Projekten Foto Granulat und Zugstäbe aus biobasierten Polyamiden.

Umwelt Engineering Polymere und additive Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT Joseph-von-Fraunhofer-Straße 7 76327 Pfinztal (Berghausen) Institutsleiter: Prof. Dr.-Ing. Peter Elsner Telefon +49 721 4640-0 Kontakt Dr. Thorsten Anders Telefon +49 721 4640-872 Fax +49 721 4640-111 thorsten.anders@ict.fraunhofer.de www.ict.fraunhofer.de V01.0_de