Intensivtäterbekämpfung in Köln

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Transkript:

Intensivtäterbekämpfung in Köln Vortrag: KHK Bernhard Hatterscheidt DVJJ Seminar Gefährderansprachen Hannover, 14.03.2007

Historischer Rückblick Beginn des Modellversuchs am 1. April 2004 Vision 2010 Köln sicherste Millionenstadt Strategieworkshops im 1. Quartal 2004 08.06.2004 Festlegung der Behördenstrategie: Intensivtäterbekämpfung als einer von neun strategischen Hauptprozessen priorisiert - 2-

Vorgehen und Ziele Ist-Standerhebung Zielbestimmung: 1. Kriminelle Karrieren sind gestoppt 2. Ressourcen werden direktionsübergreifend effizient genutzt 3. Zusammenarbeit mit Partnern ist optimiert Blick über den Tellerrand (PP Berlin, PP München) - 3-

Kölner Definition Intensivtäter/ ter/-in Delinquente Personen, die eine gewohnheits- oder gewerbsmäßige (im jugendlichen Alter häufig gruppenweise) Begehung von Straftaten mit Schwerpunkt in den Bereichen Eigentums- und Gewaltkriminalität erkennen lassen und bei denen nach polizeilicher Bewertung angenommen werden kann, dass weitere Straftaten in erheblichem Ausmaß bzw. von erheblicher Bedeutung verübt werden. - 4-

Intensivtäter/ ter/-innen erkennen Bewertung (alle Altersgruppen) Rankingliste Regelmäßige Auswertung der Eingangsstatistik (automatisches Raster) Kriminologische Individualprognose (aktueller Handlungsbedarf, Überprüfung auf Zuruf ) Intensivtäter/-in mit Sachbearbeitungsvorbehalt - 5-

Intensivtäter-Raster Raub, räub. Erpressung Faktor 5 Körperverletzungsdelikte Faktor 3 Mehr als 5 Taten Straftaten gegen die persönliche Freiheit Faktor 3 Intensivtäter- Rankingliste Diebstahl unter erschwerenden Umständen Faktor 3 Diebstahl ohne erschwerenden Umständen Faktor 1-6-

Täterorientierte Sachbearbeitung (1) Intensivtäter/innen werden festen Sachbearbeiter/innen zugewiesen. Diese bearbeiten deliktsübergreifend grundsätzlich alle Delikte, die von diesem Personenkreis begangen wurden. der Sachbearbeitungsvorbehalt wird im POLAS-System vermerkt ( POLAS-Marker ) Darstellung im täglichen Lagebild (Zugriff nur Köln) über jeden Intensivtäter bzw. jede Intensivtäterin wird eine umfangreiche Biografie (personenorientierter Bericht) erstellt - 7-

Täterorientierte Sachbearbeitung (2) Verfahren gegen Intensivtäter/innen werden ausgetrennt, um sie einzeln anklagen zu können Ermittlungsakten gegen Intensivtäter/innen werden zur Verkürzung der Verfahrensdauer (priorisierter Transport und priorisierte Bearbeitung) auffällig markiert. die Polizei führt regelmäßig auch anlassunabhängig Gefährderansprachen durch Intensivierung der Zusammenarbeit mit externen Partnern - 8-

Intensivtäterliste terliste im Intranet - 9-

Grunddaten im Lagebild - 10-

BuF-Berichte im Intranet - 11-

POLAS-Abfrage - 12-

POLAS-Marker - 13-

Einspeisung der Falldaten - 14-

Enge Verzahnung von StA und Polizei als maßgeblicher Baustein dieses Konzepts. Informationssteuerung Absprachen bzgl. der Verfahren Fallkonferenzen Gefährderansprache - 15-

Informationssteuerung Spiegelbildlich zum KK 57 bzw. zur GPT hat die Staatsanwaltschaft (StA) zwei Sonderdezernenten für jugendliche und heranwachsende Intensivtäter/innen eingesetzt. Einmal im Monat treffen sich die Sachbearbeiter und der Leiter des KK 57 bzw. der GPT mit den Sonderdezernenten der StA. Einrichtung einer unbürokratischen E-Mail-Abfrage für Sonderstaatsanwälte und Jugendrichter bzw. Jugendrichterinnen. Dadurch ist bekannt, ob der Täter bzw. die Täterin nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen weitere Taten verübt hat. Fallkonferenzen - 16-

Absprachen bzgl. der Verfahren Grundsätzlich wird jede Straftat eines Intensivtäters bzw. einer Intensivtäterin angeklagt. Verfahren werden deutlich seltener gemäß 154 StPO eingestellt, wenn weitere Verfahren anhängig sind. Die Sonderdezernenten der StA nehmen die Sitzungsvertretung selbst wahr. Verfahren gegen Intensivtäter/innen werden separat angeklagt und somit immer vom selben Richter verhandelt. Markierung der Akten - 17-

Fallkonferenzen Ziele Unterschiedliche, mit der Intensivtäterbearbeitung befasste Behörden, kommen zu einem Gedanken- und Informationsaustausch zusammen. Fallkonferenzen als Form eines geregelten, institutionalisierten Netzwerkes Durch Austausch der Beteiligten soll ein Zuwachs an Handlungsalternativen erreicht werden. Neben dem Ausloten einzelner Zuständigkeiten werden Handlungsmöglichkeiten der beteiligten Partner dargestellt. - 18-

Fallkonferenzen Teilnehmer Stadt Köln ( ASD, Jugendgerichtshilfe, Ausländeramt, Schulverwaltungsamt) Schulamt für die Stadt Köln Schule des jeweiligen Intensivtäters Staatsanwaltschaft Köln - 19-

Fallkonferenzen Teilnehmer Polizei Köln (Koordinator Polizei, KKL 57, GPT/L, BD, SB) Bewährungshilfe Jugendgerichtsvertreter Familiengerichtsvertreter - 20-

Fallkonferenzen Durchführung Termin: grundsätzlich jeden ersten Donnerstag im Monat Einladung über Koordinator Polizei Leitung/Moderation durch Vertreter der StA Rückmeldung zu vorgegangener Fallkonferenz regelmäßige Behandlung von 2 neuen Fällen - 21-

Jugendgerichtshilfe Tertiärprävention als Möglichkeit der Jugendgerichtshilfe: Wirkung Betrachtet wurden Fallverläufe aus 14 Fallkonferenzen Intensivtäter: z.b. 6 x Rückfallvermeidung möglich durch u.a.: Anti-Aggressivitäts-Training ambulante Betreuung Arbeitsvorbereitungsmaßnahme etc. - 22-

Gefährderansprache Konzept Gefährderansprachen im Rahmen eines Expertenworkshops entwickelt Die Sachbearbeiter/innen koordinieren die Maßnahmen und sind zur Kontaktaufnahme verpflichtet. Gemeinsam entwickeln Sachbearbeiter/innen und die Operativkräfte der Dir WuB einen individuellen Handlungsplan. Gefährderansprachen werden mittels Formblatt dokumentiert. Konzeption - 23-

Gefährderansprache unmittelbar nach Einstufung als Intensivtäter/in inszenierte Gesprächssituation, welche die Präsenz und Entschlossenheit der Polizei klar vor Augen führt Erstgespräch Sachbearbeiter/in, Bezirksbeamter/-tin und Staatsanwalt führen das Gespräch gemeinsam durch Die Aufnahme ins Programm wird bekannt gegeben, Eskalationsstufen werden aufgezeigt, auf den engen Kontakt mit anderen Behörden wird hingewiesen. bei Jugendlichen sind die Erziehungsberechtigten mit einzubeziehen - 24-

Gefährderansprache Folgegespräch Intervall: mindestens alle zwei Wochen einmal persönlich antreffen (abhängig vom Rankingwert bei Bedarf auch öfter) anlassunabhängig oder kurze Zeit nach polizeilichen Anlässen am Wohn-, Aufenthalts- oder potenziellen Tatort zwingender, regelmäßiger Informationsaustausch zwischen Sachbearbeitung und Bezirksdienst/Einsatztrupp im Vorfeld - 25-

Gefährderansprache Blick über den Tellerrand Wirkung 1/3 begeht fortgesetzt Straftaten 1/3 der Täter ist noch etwa ein Jahr aktiv 1/3 beendet die Kriminelle Karriere nach Aufnahme ins Programm und erster Gefährderansprache Quelle: PP Berlin - 26-

Wirkung des Kölner Intensivtäterkonzeptes 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Intensivtäterkonzept PP Köln Stand 08.01.2007-27-

Wirkung des Kölner Intensivtäterkonzeptes 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 52 % begingen keine Taten mehr Intensivtäterkonzept PP Köln Stand 08.01.2007-28-

Wirkung des Kölner Intensivtäterkonzeptes 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 28 % sind noch einmal aufgefallen 52 % begingen keine Taten mehr Intensivtäterkonzept PP Köln Stand 08.01.2007-29-

Wirkung des Kölner Intensivtäterkonzeptes 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 20 % begeht fortgesetzt Straftaten 28 % sind noch einmal aufgefallen 52 % begingen keine Taten mehr Intensivtäterkonzept PP Köln Stand 08.01.2007-30-

Wirkung des Kölner Intensivtäterkonzeptes 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Zur Wirkungsuntersuchung ist geplant, dass die INTOB e.v. (Interventionsstelle Oberhausen) ab März 2007 Interviews mit 50 ausgeschiedenen Intensivtätern bzw. Intensivtäterinnen führt. Intensivtäterkonzept PP Köln Stand 08.01.2007-31-

Interventionsstelle Oberhausen e.v. Die Bedeutung des polizeilichen Instruments Gefährderansprachen wächst. Konzipierung einer Fortbildungsmaßnahme Durchführung durch die Dipl. Psychologin Jenny Schwab und Sozialpädagoge Michael Tentler Vermittlung von Gesprächstechniken - 32-

Interventionsstelle Oberhausen e.v. Bestandteile der Fortbildung: Einführung in die Motivationspsychologie Einführung in Veränderungsprozesse Einführung in psychologische Gesprächsführung (Motivational Guiding -MG-) - 33-

Interventionsstelle Oberhausen e.v. Motivational Guiding: Ziel ist die zusätzliche Motivation und Stabilisierung von Personen Begleitet Menschen phasenspezifisch auf dem Weg der Zielfindung Ist geeignet, unerwünschte Reaktionen oder Verhaltensweisen durch gezieltes Intervenieren zu reduzieren oder ganz zu verhindern Erfolge sind messbar - 34-

Interventionsstelle Oberhausen e.v. Die Fortbildung basiert u.a. auf dem Konzept des Transtheoretischen Modells TTM (nach Prochaska, Norcross & DiClemente, 1994). Die Eckpunkte des TTM sind: 1. Absichtslosigkeit 2. Absichtsbildung 3. Planung 4. Umsetzung 5. Aufrechterhaltung - 35-

Gefährderansprache Pressebericht - 36-

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ansprechpartner in Köln: KKL 57 oder KKL-V 57 für den Bereich Taschendiebe GPT/L Koordinator Intensivtäterkonzept im Direktionsbüro K - 37-

Meine persönliche Erreichbarkeit Bernhard Hatterscheidt Polizeipräsidium Köln Direktion Kriminalitätsbekämpfung Direktionsbüro Walter-Pauli-Ring 2-4, 51103 Köln Tel.: 0221-229-8009 Fax: 0221-229-248009-38-