Regionale Innovationstheorien

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Transkript:

Regionale Innovationstheorien ETH Zürich, Frühlingssemester 2017 Vorlesung «Regionalökonomie» 07. April 2017, Dr. Christof Abegg, Dr. Benjamin Buser

Quelle: UBS, 2016 2

Quelle: UBS, 2016 3

Regionale Innovationstheorie (I +II) Innovation: Einbettung und Begriff Innovation und Unternehmen Innovationsmessung Innovationssysteme Innovationspolitische Instrumente 4

Ziele der Vorlesung Sie kennen den Innovationsbegriff in seinen unterschiedlichen Facetten Sie erkennen die Bedeutung von Innovationen für die (regional-) wirtschaftliche Entwicklung Sie verstehen den Ablauf betrieblicher Innovationsprozesse Sie erkennen die Möglichkeiten und Grenzen bei der Messung von Innovation 5

6

Faktoren für ein Wachstum des BRP Wachstum BRP pro Kopf Mengeneffekt Produktivitätseffekt Quelle: Eisenhut, 2012 7

Technischer Fortschritt Klassische Produktionsfunktion Y = f (A, K, T) T = Technologischer Fortschritt Wenn eine Kenntniserweiterung eine Erhöhung des Outputs erlaubt, ohne dass der Einsatz an Produktionsfaktoren erhöht werden muss 8

9

Faktoren für ein Wachstum des BRP Wachstum BRP pro Kopf Mengeneffekt Produktivitätseffekt?? 10

11

«Innovation als kreative Zerstörung» Joseph Schumpeter (1883 1950) 12

Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Kapitalistische Märkte grundsätzlich im Ungleichgewicht (Störung des Gleichgewichts durch das Auftreten innovativer Unternehmer) Unterscheidung von wirtschaftlichem Wachstum und wirtschaftlicher Entwicklung Pionierunternehmer mit einer Schlüsselrolle in der wirtschaftlichen Dynamik und als Triebfeder wirtschaftlicher Entwicklung Innovation als schöpferische Zerstörung Innovation schafft Monopolvorteile Inwieweit besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen der Marktmacht bzw. der Unternehmensgrösse und der Innovationsintensität? 13

Innovationsbegriff Jedes Andersmachen im Gesamtbereich des Wirtschaftslebens... (wollen) wir... Innovation nennen. Es ist völlig egal, ob eine Innovation wissenschaftliche Neuheit beinhaltet oder nicht (J. Schumpeter) An innovation ist the implementation of a new or significantly improved product (good or service), or process, a new marketing method, or a new organisational method in business practices, workplace organisation or external relations (OECD, 2005). Umsetzung einer neuen, nützlichen Idee von ihrer Entstehung (Invention) bis zur erfolgreichen Anwendung am Markt und der Generierung von Kundennutzen (Exploitation) (Hotz-Hart, 2013) Innovation = Neuerung + Markterfolg 14

Innovation ist das neue «neu» 15

Innovation in der Neuen Regionalpolitik 16

Innovationsarten Produktinnovationen: Neue oder qualitativ verbesserte materielle und immaterielle Produkte Prozessinnovationen: Anwendung neuer Technologien, so dass bestehende Prozesse ersetzt und modifiziert werden oder neue Prozesse hinzukommen. Organisatorische Innovationen: Veränderungen in der Koordination des arbeitsteiligen Leistungserstellungs-prozesses, bei den unternehmerischen Standorten und im Management. Geschäftsmodell-Innovation: Neue Vertriebsmethoden, neue Marketingkanäle Quelle: Hotz-Hart et al. (2001), OECD (2005) 17

Innovationstypen Radikale Innovation / Basisinnovationen Fundamentale Veränderungen Starker Technology-Push lösen Innovationsschübe aus Selten und kaum prognostizierbar Hohes Risiko, hohe Kosten Inkrementelle Innovation Laufende Verbesserungen aufgrund von Marktanforderungen Marktposition halten / Lebensdauer verlängern Begrenzte innovationsökonomische Wirkung 18

Theorie der «Langen Wellen» 19

Kritik an der Theorie der langen Wellen Technologischer Determinismus mit monokausalem Zusammenhang, ohne institutionellen und gesellschaftlichen Handlungsrahmen Grobe Zyklenbeschreibung mit willkürlichen Eckdaten (Zyklizität?) Durch konkrete Zahlen nur beschränkt prüfbar (Y-Achse) Unvollständige theoretische Begründung Vergangenheitsorientierte Betrachtung, keine Prognose 20

Regionale Innovationstheorie (I +II) Innovation: Einbettung und Begriff Innovation und Unternehmen Innovationsmessung Innovationssysteme Innovationspolitische Instrumente 21

Leontief-Paradoxon Studie von Wassily Leontief (1953) Exporte der USA aus relativ arbeitsintensiven Produkten Importe aus vergleichsweise kapitalintensiven Produkten Weshalb? 22

Produktion Phasen des Produktlebenszyklus Einführung Wachstum Reife Schrumpfung t Basierend auf Vernon (1966) 23

Produktlebenszyklus PRODUKTION wissensintensiv sachkapital- oder arbeitsintensiv INNOVATIONEN Produkteinnovationen Prozessinnovationen INVESTITIONEN F&E - Investitionen Rationalisierungsinvestitionen PRODUKTIONSMENGE kleine Losgr össen Massenproduktion MARKTSTELLUNG Verkäufermarkt Käufermarkt PRODUKTPREIS Hoher Preis Tiefer Preis STÜCKKOSTEN Hohe Kosten Geringe Preis GEWINNE Verlust ansteigende abnehmende Verlust Gewinne Gewinne OPTIMALER PRODUK - Agglomerations- Umland der periphere Re gionen TIONSSTANDORT raum Agglomerationen Niedriglohnländer DEZENTRALISIERUNG Intraregional Interregional International 24

Dynamisierung des Produktlebenszyklus Steigender Entwicklungsaufwand Längere Entwicklungszeiten Erhöhter Wettbewerbsdruck Beschleunigter Technologiewandel Verkürzung der Vermarktungszeiten Verkürzung der Ertragsperiode 25

Kritik an Produktzyklustheorie Erkennbarkeit, Dauer und Abgrenzung der Phasen schwierig Verschiedene Produkte mit unterschiedlichen Verlaufsmustern Parallelität verschiedener Produkte in einem Unternehmen Reihenfolge der Phasen nicht zwingend Vernachlässigung des sozialen und ökonomischen Kontext Ex-post Erklärung, geringe Prognosekraft 26

Lineares Innovationsmodell Produktion Wissenschaft F&E Marketing Angewandte Forschung Entwicklung Grundlagenforschung Kommerzialisierung Diffusion Neues Wissen Invention Innovation 27

Nichtlineares Innovationsmodell Nichtlineares Innovationsmodell (nach Kline und Rosenberg 1986) 28

Diffusion von Innovationen 29

Regionale Innovationstheorie (I +II) Innovation: Einbettung und Begriff Innovation und Unternehmen Innovationsmessung Innovationssysteme Innovationspolitische Instrumente 30

Quelle: KOF, Innovationsaktivitäten in der Schweizer Wirtschaft - Eine Analyse der Ergebnisse der Innovationserhebung 2011 (2013) 31

Quelle: Haberfellner, Zach (2009): Performance- Messung von Produkt-Innovationsprozessen. In: io new management 6/2009, S. 26-30, 32

Quelle: Europäische Union, Regional Innovations Scoreboard (2014) 33

Quelle: OECD (2005) 34

Quelle: Europäische Union, Innovation Union Scoreboard (2015) 35

Quelle: Europäische Union, European Innovations Scoreboard 2016 36

Quelle: Europäische Union, Regional Innovations Scoreboard (2016) 37

UBS: Kantonaler Wettbewerbsindikator Quelle: UBS, Kantonaler Wettbewerbsindikator (2016) 38

UBS: Kantonaler Wettbewerbsindikator Quelle: UBS, Kantonaler Wettbewerbsindikator (2016) 39

Indikatoren im Innovationsprozess Input (Innovationspotential): Wissen und Finanzen, Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, Aufwendungen für innovationsrelevantes Personal, ausgelöste Folgekosten Throughput / Prozess: Patent- und Normen-Statistiken Output (Innovationsfähigkeit): Umsatzanteile von neuen Produkten; technischer Gehalt (Technometrie) Marktergebnisorientiert: Umsatzanteile in der Einführungsbzw. Wachstumsphase von Produkten, Umsatzanteil von Weltneuheiten 40

Herausforderungen in der Innovationsmessung Einzelne Indikatoren decken nur Teilaspekte des Innovationsprozesses ab Bündel von Indikatoren notwendig Vermischung unterschiedlicher Teilaspekte in Gesamtindizes Innovationshäufigkeit und -verhalten ist kontextabhängig (u.a. Branche, Marktstruktur, Produktlebenszyklus) Innovationen unter Berücksichtigung des Unternehmenserfolges zu interpretieren 41

Innovative Unternehmen in einem innovativen Umfeld 42

Referenzierung auf Bathelt + Glückler, 2012 Thema Kapitel Seiten Innovation 14.1* 378-381 Produktzyklustheorie 14.2* 381-390 Theorie der Langen Wellen 15.1* 401-406 *Nachlesen empfohlen Vorlesung Regionalökonomie, ETH Zürich, 15. April 2016 43

Autoren und Publikationszeitpunkte Thema Publikation Theorie Josef Schumpeter (*1883) 1911 Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Nikolai Kondratjew (*1892) 1926 Die Langen Wellen der Konjunktur Raymond Vernon (*1913) 1966 International Investment and International Trade in the Product Cycle 44