HINTER- GRUND 3.6.2014 VERMÖGEN NACH GESCHLECHT Unterschied beim Vermögen weiblicher und männlicher Single- Haushalte KATHARINA MADER WU Wien ALYSSA SCHNEEBAUM WU Wien MIRIAM REHM AK Wien CHRISTA SCHLAGER AK Wien
Die Studie Hintergrund und Problemfelder Die Verteilung von Vermögen war über sehr lange Zeit ein unerforschtes Feld der Wirtschaftswissenschaft schlicht und ergreifend aus dem Grund mangelnder Daten. Mit dem Household Finance and Consumption Survey (HFCS) stehen nun erstmals umfassende und vergleichbare Daten zur Vermögensverteilung in ganz Europa zur Verfügung. Die Arbeiterkammer Wien hat deshalb gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien eine Studie in Angriff genommen, um erstmals die Vermögensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Österreich zu betrachten. Während über die Unterschiede im Einkommen zwischen Männern und Frauen bereits viele Studien publiziert wurden Stichwort Equal Pay Day ist über die Unterschiede im Vermögen zwischen den Geschlechtern bis dato in Österreich nicht geforscht worden. Zwar muss auch hier wie bei den Einkommen von einer weit auseinander klaffenden Schere ausgegangen werden, fundierte Daten waren aber bisher nicht vorhanden. Die vorliegende Studie befasst sich nun auf Basis der HFCS-Daten erstmals in Österreich mit diesem Thema. Wobei sich gleich zu Beginn ein Grundproblem stellt: Die HFCS-Daten erfassen lediglich die Haushaltsebene und nicht die Personenebene. Deshalb ist ein Vergleich zwischen allen Männern und Frauen nicht möglich, eine neuerliche Erhebung auf Personenebene daher mehr als wünschenswert. Zumal Studien aus Ländern mit Individualdaten beispielsweise Deutschland signifikante Vermögensunterschiede zwischen Männern und Frauen bestätigen. Zudem kann beim Haushaltseinkommen nicht davon ausgegangen werden, dass beide PartnerInnen automatisch die gleichen Zugriffsrechte auf das Vermögen haben. Für Österreich konnten daher in der vorliegenden Studie Unterschiede beim Vermögen zwischen den Geschlechtern nur annäherungsweise untersucht werden und zwar durch die spezielle Betrachtung der weiblichen und männlichen Single-Haushalte. Abgegrenzt wurde mit Hilfe des angegebenen Beziehungsstatuts der Referenzperson: Single-Haushalte sind somit Haushalte, in denen die Person, die den Fragebogen beantwortet hat, ohne PartnerIn wohnt. Zwar können auch andere Personen als der/die Partner/in im Haushalt wohnen, 90 Prozent der Single-Haushalte sind jedoch sowohl bei Männern als auch bei Frauen Ein-Personen- oder AlleinerzieherInnen-Haushalte. Seite 2 von 6
Die Studie Ergebnisse Analog zur Literatur bestätigt die Studie, dass wie beim Einkommen auch beim Vermögen eine substantielle Lücke zwischen den nach Geschlecht aufgeteilten Haushalten besteht. Die Ergebnisse im Detail: + Weibliche Single-Haushalte besitzen im Durchschnitt ein deutlich geringeres Nettovermögen als männliche Single-Haushalte. In absoluten Zahlen heißt das: Weibliche Single-Haushalte besitzen im Schnitt etwa 110.000 Euro während ihre männlichen Pendants über rund 194.000 Euro verfügen. + Im Vergleich dazu besitzen Paarhaushalte das höchste Vermögen im Schnitt 380.000 Euro. Doch während männliche Single-Haushalte knapp mehr als einen halben Paarhaushalt auf sich vereinen können, liegen weibliche Single-Haushalte deutlich darunter (weniger als ein Drittel). + Über weite Bereiche der Haushalte konkret zwischen dem 7. und dem 70. Perzentil ist die Vermögensverteilung zwischen männlichen und weiblichen Single-Haushalten ähnlich. So liegen auch die entsprechenden Mediane nicht weit voneinander entfernt: rund 22.000 Euro bei Frauen, rund 23.000 Euro bei Männern. + Die großen Unterschiede finden sich dagegen sowohl am unteren als auch am oberen Rand der Verteilung: Männliche Single-Haushalte in den oberen Perzentilen besitzen ein deutlich höheres Nettovermögen als weibliche. So beträgt das Nettovermögen an der Grenze zu den obersten zehn Prozent rund 390.000 bei den männlichen Single-Haushalten- Bei den weiblichen sind es dagegen nur 276.000 Euro. Auf der anderen Seite ist die Verschuldung männlicher Single-Haushalte im untersten Dezil stärker als die weiblicher Single-Haushalte. Allerdings ist hier der Unterschied wesentlich geringer als am oberen Rand. Fazit: Je höher das Nettovermögen, desto größer der Abstand von Männern zu Frauen. Seite 3 von 6
Seite 4 von 6
Gründe für Vermögensungleichheit Untersucht wurden in der Studie auch mögliche Determinanten der Vermögensungleichheit zwischen den drei Haushaltskategorien. Diese umfassen sozioökonomische Aspekte wie Haushaltzusammensetzung, Bildung und Alter sowie ökonomische und monetäre Aspekte wie Beschäftigungsstatus und Arbeitszeit, Einkommen, Vermögensarten sowie Erbschaften und Schenkungen. Bildung Je höher das Bildungsniveau ist, umso höher ist auch das Vermögen. Allerdings steigt jenes der männlichen Single-Haushalte auf ein höheres Niveau. Auch hier wird die Vermögenslücke insbesondere am oberen Rand sichtbar ebenso bleibt dieser über den gesamten Altersverlauf bestehen. Erwerbsstatus Hier kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich immer eine Lücke im Durchschnittsnettovermögen zwischen Männern und Frauen zeigt egal in welcher Erwerbskategorie der betreffende Single-Haushalt einzuordnen ist. Weibliche Single-Haushalte haben also in jeder Kategorie ein geringeres Vermögen als ihre männlichen Pendants. Erbschaften und Schenkungen In dieser Kategorie haben Paarhaushalte eindeutig die Nase vorne sowohl was die Anteile derer, die erben, anbelangt als auch die Höhe des betroffenen Vermögens. Männliche Single-Haushalte erben zwar etwas seltener, dafür aber hohe Vermögenswerte. Weibliche Single-Haushalte dagegen erben in etwa so häufig wie Paarhaushalte, dafür aber deutlich geringere Durchschnittsvermögen. Die Unterschiede bei Erbschaften und Schenkungen tragen somit ebenfalls zu einer Ungleichverteilung von Vermögen zwischen den Geschlechtern bei. Haushaltszusammensetzung Wesentlichen Einfluss auf das Vermögen von Haushalten haben Kinder. Allerdings ergibt sich hier ein sehr differenziertes Bild. Leben Kinder im Haushalt, so ist das Vermögen im Vergleich zu kinderlosen Haushalten bei Paarhaushalten und männlichen Single- Haushalten deutlich höher. Dagegen ist das Vermögen bei weiblichen Single-Haushalten geringer, wenn Kinder da sind. Seite 5 von 6
Fazit und Forderungen Die Ergebnisse dieser Studie zeigen in Österreich eine substantielle Lücke zwischen Vermögen von Haushalten nach Geschlecht auf. Weibliche Single-Haushalte besitzen demnach im Schnitt mehr als 40 Prozent weniger Nettovermögen als männliche. Auch müssen Frauen einen um eine Kategorie höheren Bildungsabschluss vorweisen, um im Durchschnitt ein vergleichbares Vermögensniveau wie Männer zu erreichen. Daraus ergeben sich folgende Forderungen: + Gleichberechtigung: ArbeitnehmerInnen muss der Vermögensaufbau durch ihre Arbeit erleichtert werden. Die Studie zeigt, dass Berufstätigkeit, Einkommen und Vermögen vor allem für Frauen stark zusammenhängen. Maßnahmen zur Verringerung des Gender Pay Gap und durchgängige Vollzeitbeschäftigung wirken sich positiv auf den Vermögensaufbau aus. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch Ausbau von Kinderbetreuung und ganztägige Schulformen wirkt hier unterstützend. + Verbesserung der Berufschancen: Frauen sind immer besser ausgebildet, aber häufiger unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt. Die AK hat bereits hier ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das hier Fortschritte bringen kann. Dazu gehören Unterstützung beim Wiedereinstieg und leichterer Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen. Auch das wirkt positiv auf den Vermögensaufbau. + Vermögensbezogene Steuern: Vermögen verteilen sich nicht gleich auf Männer und Frauen. Weibliche Single-Haushalte besitzen deutlich weniger Vermögen als männliche Single-Haushalte. Zu einem geschlechtergerechten Steuersystem gehört daher eine stärkere Besteuerung von Vermögen. Generell müssen bei der Steuerstrukturreform Genderaspekte berücksichtigt werden, wie auch die Staatszielbestimmung zu Gender Budgeting vorsieht. + Erbschaftssteuer: Erbschaften sind stark konzentriert. Gerade große Erbschaften gehen eher an Männer. Eine Erbschaftssteuer auf große Vermögen hat daher positive Genderaspekte. Daher fordert die AK mehr Chancengerechtigkeit für Frauen durch vermögensbezogene Steuern. Seite 6 von 6