Trainer C-Lizenz Referat Die physische und psychische Entwicklung der Kinder (6-12 Jahren) bei Taekwondo im Hinblick auf das Entwicklungsmodell von Erikson Verfasst von: Bilge-Betül Güney
Gliederung Seite 1. Vorwort 1 2. Eriksons Entwicklungsmodell 2 2.1. Tabellarische Darstellung des Acht-Stufen-Schemas 3 2.2. Werksinn Minderwertigkeitsgefühl 4-5 3. Auswirkung von Sport auf die Entwicklung 6 3.1. was ist Taekwondo 7 3.2. Was für eine Rolle spielt der Trainer für das Kind? 8 3.3. Auf was muss der Trainer in dieser Phase besonders achten? 8 3.4. Die Weiterentwicklung der Kinder von Anfänger zum Fortgeschrittenen 8 3.4.1. Anfänger 9 3.4.2. Fortgeschrittene 9 4. Fazit 9 5. Quellenverzeichnis 10 6. Erklärung 11-2 -
1. Vorwort Zuerst möchte ich Ihnen schildern, wie ich auf dieses Thema gekommen bin. Dazu möchte ich vermerken, dass ich in meinem eigenen Verein seit ungefähr 2 Jahren als Taekwondo- Trainerin tätig bin (ich selber betreibe diese Sportart seit sieben Jahren). Daher werde ich mit Kindern zwischen 6-12 Jahren konfrontiert. Ich interessiere mich sehr für ihre Entwicklung und ganz besonders, inwiefern Taekwondo auf diese Entwicklung Einfluss nimmt. Da Erik Homburger Erikson eine der führenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet Psychoanalyse und der Anthropologie ist, habe ich mich entschlossen, seine Sichtweise auf die Entwicklung mit einzubeziehen. Ich erhoffe mir von diesem Referat an mehr Wissen über den Entwicklungszustand der Kinder zu gelangen, weil ich der Meinung bin, dass es sehr wichtig für einen Trainer ist, dies zu wissen. Schon allein, dass man bewusster auf die Kinder zugehen kann, ist ein grundlegender Punkt, der mich dazu bringt, dieses Referat zu schreiben. - 3 -
2. Eriksons Entwicklungsmodell Bei Erik Erikson geht es vorrangig um die Frage, wie sich das Ich, das Individuum, zum Es, zur Gesellschaft verhält. Er sieht die Entwicklung als einen lebenslangen Prozess, der allerdings auch Krisen mit sich bringt, die zum Übergang in eine weitere Phase durchlebt und überwältigt werden müssen. Er entwickelte ein psychosoziales Entwicklungsmodell, das in einer bestimmten Weise eine Weiterentwicklung von Freud schen psychosexuellen Entwicklungsmodell darstellt. Erikson gliedert das Leben in acht verschiedenen Entwicklungsstufen. In der folgenden Tabelle kann man seine Einleitung in die unterschiedlichen Phasen (das Alter, die psychosozialen Krisen und die Bezugspersonen) erkennen. Wenn das Individuum keine angemessene Lösung für die Psychosozialen Krisenereignisse finden kann, besteht die Gefahr, dass es in der nächsten Phase ebenfalls an der Entwicklungsaufgabe scheitert. In jeder dieser Entwicklungsstufen nimmt ein spezieller Personenkreis einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Individuums. Genau dieser Personenkreis gibt dem Einzelnen die Richtlinien an und stellt für das Individuum eine wichtige Bezugsperson dar. (vgl. www.jandicke.net) - 4 -
2.1. Tabellarische Darstellung des Acht-Stufen- Schemas Pha se Alter Psychosozia le Krise Bezugspers on 1 bis 1 Jahr Vertrauen Mutter Misstrauen 2 1 bis 3 Jahre Autonomie Eltern Scham und Zweifel 3 3 bis 5 Jahre Initiative Familie Schuldgefühl 4 5Jahre bis Pubertät Werksinn Minderwertig keitsgefühl 5 Adoleszenz Identität Identitätsdiffu sion 6 junges Erwachsenen alter 7 mittleres Erwachsenen - alter 8 spätes Erwachsenen - alter Intimität und Distanzierung Selbstbezoge nheit Generativität Stagnierung Integrität Verzweiflung und Ekel Freunde/ Wohnd / Schule Freunde / eigene Gruppe, Ideale / Vorbilder Freunde, sexueller Partner, Berufskollege n Ehepartner, Berufskollege n Die Menschheit Psychosexu elle Phase oral anal genital Latenzzeit Pubertät Genitalität (vlg.http://www.unibielefeld.de/paedagogik/seminare/moeller02/06erikson/theorie.html) - 5 -
2.2. Werksinn Minderwertigkeitsgefühl Die Phase, mit der ich mich genauer auseinandersetzte, ist die vierte Phase. In dieser geht es um die Auseinandersetzung von Werksinn und Minderwertigkeitsgefühl. Mit zunehmendem Alter, etwa ab dem sechsten Lebensjahr, sind die Kinder bereit, schnell und begierig zu lernen, groß zu werden und Verpflichtungen zu übernehmen. Sie sind eifrig dabei Dinge zusammenzusetzen und zu planen, anstatt zu versuchen andere Kinder zu bedrängen oder Grenzen zu überschreiten. Laut Erikson wächst das Bedürfnis produktiv zu sein, neues zu lernen, einen Beitrag zur Erwachsenenwelt zu leisten und in dieser anerkannt zu werden. Dieses verlangen bezeichnet Erikson als Werksinn. Die Kinder schließen sich jetzt an Lehrer, Eltern oder anderer Bezugspersonen an. Sie wollen sie beobachten und nacharmen. Kinder aller Kulturen erhalten nun systematische Unterweisungen. In unserer Gesellschaft ist dies in der Schule der Fall und wenn vorhanden die Freizeitaktivität, deshalb trägt in diesem Stadium der Lehrer (und der Trainer) eine große Verantwortung. Die Gefahr in diesem Stadium ist die Entwicklung eines Minderwertigkeitsgefühls, welches durch folgende Faktoren verursacht werden kann: - fehlende Akzeptierung dessen, was das Kind macht - vorzeitige Fixierung des Identitätsgefühls (Kind ist Helfer, seine Fähigkeiten werden unterfordert) - das Kind erlebt keine Arbeitsfreude und keinen Stolz, etwas gut zu machen - 6 -
Erfolge durch eigenes Tun sind laut Erikson elementar zur Entwicklung einer eigenen Identität. (vgl. Erik H. Erikson Jugend und Krise) - 7 -
3. Auswirkung von Sport auf die Entwicklung Des Weiteren möchte ich mich mit der Auswirkung von Sport, speziell Taekwondo, auf diese Phase von Kindern befassen. Dazu muss ich zunächst erklären was Taekwondo eigentlich ist. 3.1. Was ist Taekwondo? Taekwondo ist eine vielseitige Kampfsportart, deren Anfänge ins historische Korea zurück reichen. Die Wurzeln des Taekwondo finden sich bereits vor 2000 Jahren in der Shilla- Dynastie. Doch offiziell gegründet wurde Taekwondo erst 1955 und wird seit 1963 in Deutschland betrieben. Außerdem ist Taekwondo seit dem Jahre 2000 auch olympische Disziplin. Taekwondo ist eine Sportart, die nicht nur den Körper fordert, wie auch fördert, sondern auch den Geist. Die wörtliche Übersetzung aus dem koreanischen heißt: Tae: springen, stoßen, schlagen mit dem Fuß und umschreibt damit alle Fußtechniken Kwon: stoßen, schlagen, zerspalten mit der Hand und der Faust und steht für alle Arm- und Handtechniken Do : geistiger Weg. Dieser Weg führt zur Harmonie und Einheit von Körper, Geist und Seele. Das Do hat im Taekwondo eine zentrale Bedeutung. Es beinhaltet Höflichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Konzentration usw. Es beeinflusst unbewusst die Ausführung der Techniken und in vielen Fällen das Verhalten allgemein. Frei übersetzt bedeutet Taekwondo: Kunst des Fuß- und Handkampfes! - 8 -
Nachdem wir jetzt wissen, was Taekwondo bedeutet, möchte ich mich mit folgenden Fragen beschäftigen: - Was für eine Rolle spielt der Trainer für das Kind? - Auf was muss der Trainer in dieser Phase besonders achten? 3.2. Was für eine Rolle spielt der Trainer für das Kind? Der Trainer spielt eine sehr große Rolle in dieser Phase und trägt eine gewisse Verantwortung. Hierbei stehen die Entwicklung der Kinder und die Aufrechterhaltung einer positiven Identifizierung der Kinder mit Menschen auf dem Spiel. Die Entwicklung eines Minderwertigkeitsgefühls der Empfindung, dass man nie etwas taugen wird, kann durch einen Trainer vermindert werden, indem er betont, was das Kind gut gemacht hat. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Kind im Laufe der Zeit die Freude, die Lust und die Motivation am Training verliert, was ebenfalls der Trainer verhindern kann, wenn er weiß, wie er die Aufgaben zu stellen hat. Er muss dabei zum Beispiel darauf achten, dass er die Kinder nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert. (vgl. Erik H. Erikson Jugend und Krise) 3.3. Auf was muss der Trainer in dieser Phase besonders achten? Während des Trainings muss ein Trainer darauf achten, wie er zwischen Spiel und Übungen abwechselt. Außerdem müsste er besondere Anstrengungen anerkennen und besondere Begabungen ermutigen (Lob und Tadel). Es ist auch sehr wichtig, dass man den Kindern zeit lässt und verständnisvoll ist, wenn eine Übung nicht direkt funktioniert. Trainer sollten mit verschiedenen Kindertypen umgehen können, zum Beispiel die Kinder, die ungern zum Training gehen oder die, die es genießen hinzugehen. (vgl. Erik H. Erikson Jugend und Krise) - 9 -
3.4. Die Weiterentwicklung der Kinder von Anfänger zum Fortgeschrittenen Als Trainerin habe ich die Möglichkeit, die Wirkung von Taekwondo auf die Kinder zu beobachten. Ich sehe, wie sich die Kinder im Laufe der Zeit Weiterentwickeln. Die Kinder sind grundsätzlich alle verschieden, nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Diese Beobachtungen habe ich schriftlich zusammengefasst. 3.4.1. Anfänger: Schon in den anfänglichen Trainingsstunden kann man die ersten Verhaltensweisen beobachten. Einige Kinder sind sehr schüchtern und unsicher (Minderwertigkeitsgefühl). Es gibt auch Kinder, die zum ersten mal in so eine große Gruppe von Kindern kommen und sich dementsprechend ängstlich verhalten. Wiederum Andere sind sehr selbstbewusst und aufgeschlossen. Es treten auch einige Fälle auf, indem die Kinder nicht wissen, wie sie sich dem Trainer oder den Mitschülern über verhalten sollen. Sie halten sich beispielsweise nicht an die Regeln, die der Trainer aufgestellt hat. Es fallen nicht nur die Verhaltensweisen auf, sondern auch die körperlichen Leistungen der Kinder. Man kann an den Anfängern sehr gut beobachten, dass die einfachsten Koordinationsaufgaben, wie zum Beispiel Hampelmann, von einigen Kindern nicht ausgeführt werden können. Außerdem mangelt es bei den meisten Anfängern an Ausdauer. Das macht sich meist schon nach drei Minuten Laufen bemerkbar. - 10 -
Kommen wir nun zu den Fortgeschrittenen. 3.4.2. Fortgeschrittene: Die Verhaltensweisen der fortgeschritteneren Kinder zeigen, dass es eine Weiterentwicklung gegeben hat. Sie haben zum Beispiel zu diesem Zeitpunkt gelernt, wie auch gemerkt, dass man nur mit Geduld (Durchhaltevermögen) und mit starkem Willen etwas erreichen kann (Willensstärke). Bei den Gürtelprüfungen zum Beispiel haben sie Erfolgserlebnisse. Dies macht die Kinder selbstbewusster und doch lernen sie bescheiden (Bescheidenheit) zu bleiben. Das Traditionelles gemeinsames Anund Abgrüßen und verbeugen vor dem Partner werden Werte übermittelt und fördert die Höflichkeit. Das Üben mit den Mitschülern übermittelt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das wiederum führt zu Integrität, Treue und Hilfsbereitschaft. Beim Kämpfen werden auch die Eigenschaften wie Selbstbeherrschung, Ehrbarkeit, und Gerechtigkeit gefördert. Wenn man zur körperlichen Entwicklung kommt, fällt auf, dass sich die Ausdauer mit der Zeit sehr stark verbessert hat. Außerdem ist der Körper sehr gestärkt, elastisch und geschmeidig geworden. Die fortgeschritteneren Kinder sind sehr flexibel (Flexibilität). Auch die Koordinationsfähigkeit und somit auch die Körperbeherrschung sind sehr stark ausgeprägt. Somit gelangen sie zu einem körperlichen Wohlbefinden. 4. Fazit: Durch diese Beobachtungen habe ich festgestellt, dass wenn man zu dieser Entwicklungsphase mit dem Taekwondo Training beginnt, die Chance hat, diese schwierige Phase (Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl) optimal zu überwinden. Denn der positive Einfluss dieser Sportart auf das Kind, hilft dem sonst schwer zu unterdrückende Minderwertigkeitsgefühl zu überwältigen. Da sich das Kind jetzt in einem physischen und psychischen Wohlbefinden befindet, hat er die Möglichkeit seine Identität besser zu entwickeln. Nicht jeder, der Taekwondo betreibt wird ein Weltmeister, aber alle Sportler entwickeln sich bei regelmäßigem Training körperlich und geistig weiter. - 11 -
5. Quellenverzeichnis 1. Literaturquellen: - Jungend und Krise von Erik H. Erikson (1981) - Richtig Taekwondo von Kyong Myong Lee 2. Internetquellen: - http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/seminare/moeller02/ 06erikson/theorie.html - http://www.jandicke.net/uni/erikson.php#2 - http://www.singlegeneration.de /wissenschaft/seminararbeiten/erikson_konzept.html - http://www.sport-taekwondo-verein.de/ - http://www.sprendlinger-judoverein.de/taekwondo/index.html - www.taekwondo-schule-fichtner.de/theorie/definition.htm - www.budo-center.at/tkd.html - www.wikipedia.de - http://www.sv-bayer.wtal.de/ - http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/EntwicklungFreud.shtml 3. Bildquelle: -www.google.de -freunde 4. Eigene Erfahrungen und Beobachtungen 5. Trainer C Lizenz Lehrgang 6. Meine Trainer - 12 -