Angewandte Linguistik und Computer

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Transkript:

forum ANGEWANDTE LINGUISTIK BAND 16 Angewandte Linguistik und Computer Kongreßbeiträge zur 18. Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik, GAL e.v. H erausgegeben von Bernd Spillner Gunter Narr Verlag Tübingen

CIP-Titelaufnahm e der D eutschen B ibliothek Angewandte Linguistik und Computer / hrsg. von Bernd Spillner. - Tübingen : Narr, 1988 (Forum angewandte Linguistik ; Bd. 16) (Kongressbeiträge... Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik, GAL e.v.; 18) ISBN 3-8 7 8 0 8-7 6 6-7 NE: Spillner, Bernd [Hrsg.]; 1. GT; Gesellschaft für Angewandte Linguistik: Kongressbeiträge z u r... 1988 Gunter Narr Verlag Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Uberseztungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in elektronischen Systemen. Druck: Müller + Bass, Tübingen Printed in Germany ISBN 3-8 7 8 0 8-7 6 6-7

155 Zur Behandlung der Prädikate in einer kommunikativ funktionalen Grammatik Bruno Strecker 1. Der Gegenstand einer kommunikativ-funktionalen Grammatik Für eine kommunikativ-funktionale Grammatik werden Prädikate in anderer Weise zum Gegenstand als für ausdrucksorientierte Grammatiken: Prädikate sind für die kommunikativ-funktionale Grammatik die funktionalen Orte im Rahmen dessen, was gesagt werden kann - auf einen terminologischen Nenner gebracht: im Rahmen eines Diktums. Dieses Diktum ist der eigentliche Gegenstand der kommunikativ-funktionalen Grammatik, die es im wesentlichen in zwei Komponenten analysiert: eine Proposition und Sprachhandlungsindikatoren. Die Proposition ist dabei die Einheit, in der das Prädikat seinen Ort hat. Das Diktum ist als elementare Kommunikationseinheit vom sprachlichen Ausdruck her in Auswertung des Redezusammenhangs zu bestimmen (Für eine Skizze einer solchen Bestimmung siehe Strecker 1986). Das Diktum ist dadurch einerseits jenseits des Ausdrucks, andererseits aber unauflösbar von diesem bestimmt. Die Analyse des Diktums bleibt dadurch trotz ihres allgemein kommunikationstheoretischen Charakters jederzeit einer je bestimmten Sprache verpflichtet. Das gilt insbesondere auch für die Analyse der Proposition, die oft als logischuniversell gesehen wird im Unterschied zu einer einzelsprachlich-orientierten grammatischen Analyse. Universell ist die Proposition allenfalls insgesamt und

156 insofern, als sie eine für kommunikatives Handeln von Menschen elementare Funktion zu erfüllen hat. Die Organisation der Propositionen und die Art und Weise, wie sie dieser Funktion gerecht zu werden versuchen, ist zwar nicht gerade spezifisch einzelsprachlich, aber bestimmt nicht logisch-universell. Man kann sich sehr leicht alternative Formen denken. So können etwa Bilder mit ihrer völlig anders gearteten Struktur als Propositionen fungieren, aber auch sogenannte Einwortsätze, wie sie von Kleinkindern gebraucht werden. Aufgaben einer Proposition ist es, einen Sachverhalt zu entwerfen und vorzustellen. Diese Aufgabe wird im Deutschen und sicher in den meisten anderen gewachsenen Sprachen erledigt in Form einer Charakterisierung von Gegenständen bzw. von Beziehungen zwischen Gegenständen, wobei diese Gegenstände selbst auch nicht naturgegeben sind, sondern über begriffliche Konstruktion gesetzt werden. Was dabei der Charakterisierung dient, ist genau das, was hier als das Prädikat verstanden werden soll. Das Prädikat ist also wesensmäßig zu verstehen als ein Charakteristikum. 2. Die Behandlung des Prädikats Zwei Fragen stehen bei der Behandlung des Prädikats im Vordergrund: (i) Was qualifiziert ein Prädikat als Mittel der Charakterisierung? (ii) Wie verfugen wir in unserer Sprache über Prädikate? Zu diesen einzelsprachübergreifenden Fragen kommen weitere, die sich mit den speziellen Ausdrucksmöglichkeiten einer zu beschreibenden Sprache befassen: (iii) Was alles kann prädiziert werden? (iv) In welchen Hinsichten kann prädiziert werden? (v) Wie fein kann dabei differenziert werden? (vi) Welche Strategien gibt es für die Abfassung eines Charakteristikums? Frage (iii) wird beantwortet durch die Bestimmung eines elementaren Charakterisierungspotentials, das in Elementen der Wortarten Substantiv, Adjektiv, Adverb und Verb gegeben ist, und durch Angabe der Verfahren, wie auf der Basis der Elemente dieses Potentials komplexe Ausdrücke für semantisch einfache Prädikate und für semantisch komplexe Prädikate zu bilden sind. Frage (iv) beantwortet prinzipiell ein Verweis auf logische Beziehungen zwischen Prädikaten, in praktischer Näherung die Bestimmung wichtiger Dimensionen der Charakterisierung. Frage (v) verlangt die Bestimmung einerseits eines Rastermaßes für mögliche Charakterisierung, andererseits der kombinatorischen Verfahren der Feinabstimmung von Prädikaten. Frage (vi) schließlich zielt auf die Erarbeitung eines Katalogs von alternativen Strategien für die kreative Bewältigung von Charakterisierungsaufgaben: Was alles kann man in einer bestimmten Sprache, einem dadurch bestimmten Sprachspiel, tun, um etwa einen Menschen im Hinblick auf

157 eine von ihm durchgeführte oder durchzuführende Handlung so zu charakterisieren, daß ein Hörer oder eine Leserin mitbekommen kann, wie sich - grosso modo oder auch sehr genau - die Dinge verhalten sollen? Eine Grammatik, die diese Fragen zu beantworten sucht, ist bis heute nicht verfügbar. Mit der derzeit in Arbeit befindlichen Grammatik des Mannheimer Instituts für deutsche Sprache soll sich das aber in absehbarer Zeit ändern. Literatur Strecker, B., Sprachliches Handeln und sprachlicher Ausdruck. Ein Plädoyer für eine kommunikative Ausrichtung der Grammatik. In: Zifonun, G. (ed.): Vorsätze zu einer neuen deutschen Grammatik. Tübingen, 1986, p. 76-127.