Geschäftsbericht 2009

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1 Geschäftsbericht 2009

2 Kennzahlen per 31. Dezember Angaben in TCHF Versichertenbestand * Personalbestand (in Vollzeitstellen) Prämienertrag operative Gesellschaften Sanitas Grundversicherungen AG Sanitas Privatversicherungen AG Wincare Versicherungen AG Wincare Zusatzversicherungen AG Compact Grundversicherungen AG Versicherungsleistungen operative Gesellschaften Sanitas Grundversicherungen AG Sanitas Privatversicherungen AG Wincare Versicherungen AG Wincare Zusatzversicherungen AG Compact Grundversicherungen AG 802 Verwaltungskosten operative Gesellschaften Erfolg aus Kapitalanlagen operative Gesellschaften Ergebnis operative Gesellschaften (nach Steuern) Sicherheitsreserven KVG operative Gesellschaften Reservenquote Sanitas Grundversicherungen AG 8,0 % 11,8 % Reservenquote Wincare Versicherungen AG 8,9 % 16,6 % Kapitalanlagen operative Gesellschaften Versicherungstechnische Rückstellungen operative Gesellschaften Eigenkapital konsolidiert (inkl. Beteiligungen) * Versichertenbestand per 1. Januar 2010: Sanitas Geschäftsbericht 2009

3 Nachdenken über die Zukunft Inhaltsverzeichnis 2 3 Kennzahlen per 31. Dezember Inhaltsverzeichnis Der Sanitas Geschäftsbericht 2009 steht unter dem Motto «Vorausschauen». Sanitas setzt sich mit den Entwicklungen in ihrem Umfeld auseinander: demografischer Wandel, steigende Gesundheitskosten, anspruchsvolle Finanzmärkte sind einige Stichworte. Darauf muss Sanitas die richtigen unternehmerischen Antworten finden. Vorausschauen heisst auch, dass Sanitas darüber nachdenkt, was diese Entwicklungen für ihre Kundinnen und Kunden bedeuten und mit welchen langfristig tragfähigen Lösungen den Herausforderungen der Zukunft begegnet werden kann. Dies verlangt der Anspruch von Sanitas, ein erstklassiger Krankenversicherer zu sein. Wie Sanitas im Jahr 2009 vorausgeschaut hat und welche Weichen für die Zukunft gestellt wurden, erläutert der vorliegende Geschäftsbericht. Als Gegenpol zeigt der Bildteil ganz alltägliche Aspekte der Voraussicht. Sanitas wünscht Ihnen eine interessante Lektüre Berichtsteil «Ertragsprobleme auch wegen politischer Einflussnahme» Brief des Verwaltungsratspräsidenten «Sanitas hat netto über Kunden gewonnen. Darauf sind wir stolz.» Interview mit CEO Otto Bitterli Sanitas im Jahr 2009 Highlights und Meilensteine Stark defizitäre Grundversicherung, gutes Finanzergebnis, Verwaltungskosten gesenkt Das Finanzjahr 2009 Ausblick auf 2010 Wachstum sichern und Kostendämpfung fortführen Corporate Governance Unternehmensstruktur Unternehmensgremien Risikomanagement und Kontrollverfahren Finanzielle Nachhaltigkeit Informationspolitik Nachdenken über die Zukunft Finanzbericht 3

4 Kurt Wilhelm, Präsident des Verwaltungsrates «Ertragsprobleme auch wegen politischer Einflussnahme» Sehr geehrte Kundinnen und Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeitende Sie lesen zum letzten Mal ein Editorial zum Sanitas Geschäftsbericht, das von mir unterzeichnet ist. Wie seit Längerem geplant, werde ich auf die kommende Generalversammlung hin als Verwaltungsratspräsident zurücktreten. Erlauben Sie mir deshalb, dass ich die Gelegenheit für eine Rückschau nutze. Meine fünf Jahre als Präsident waren eine äusserst bewegte Zeit. Aus den vielen Ereignissen innerhalb und ausserhalb von Sanitas möchte ich zwei herausgreifen. Das eine ist der Zusammenschluss von Sanitas und Wincare im Jahr Die der Fusion vorangegangene Prüfungsund Angebotsphase habe ich als eine der intensivsten, aber auch spannendsten Perioden meiner Amtszeit in Erinnerung. Mit der Integration kamen weitere Herausforderungen auf uns zu. Sie erforderte den Abgleich der Produktpaletten und IT-Plattformen, eine neue Organisation und nicht zuletzt die Verschmelzung zweier Unternehmenskulturen. Rückblickend lässt sich festhalten: Der Schritt hat sich eindeutig gelohnt! Sanitas spielt heute in der Top-Liga der Schweizer Krankenversicherer. Die neue Marktposition in Verbindung mit einem modernen visuellen Auftritt hat den Bekanntheitsgrad von Sanitas spürbar gesteigert. Nun können wir die Früchte dieser Strategie ernten: Nach drei Jahren mit rückläufigem Versichertenbestand verzeichnete Sanitas auf Anfang 2010 ein kräftiges Plus von brutto rund Kunden. Neben unserer Marktstellung verdanken wir diesen Erfolg auch der Lancierung von Sanitas Compact One, der günstigen Krankenversicherung ohne Extras. Während auf politischer Ebene endlos über Rezepte diskutiert wird, wie den unaufhörlich steigenden Gesundheitskosten beizukommen wäre, hat Sanitas gehandelt und bietet preissensiblen Versicherten eine echte Alternative. Compact One ist deshalb für mich das zweite Highlight meiner Amtszeit. Eine grosse Enttäuschung stellt die Tatsache dar, dass die Aufsichtsbehörde getrieben durch die Politik wiederholt in die KVG-Prämiengestaltung von Sanitas eingegriffen hat. Die jüngste Intervention kam zur Unzeit und hatte entsprechende Auswirkungen: Sanitas muss für das Geschäftsjahr 2009 bei einem Prämienertrag von knapp 2,3 Milliarden Franken einen Verlust von 70 Millionen Franken ausweisen. Dieser Verlust ist nahezu ausschliesslich in der obligatorischen Grundversicherung entstanden. Dank der Erholung auf den Finanzmärkten fiel immerhin das Finanzergebnis 2009 um einiges besser aus als im Vorjahr. Das hat dazu beigetragen, dass Sanitas mit einem konsolidierten Eigenkapital von über 660 Millionen Franken weiterhin über eine sehr solide Kapitalbasis verfügt. 4 Sanitas Geschäftsbericht 2009

5 Herzlichen Dank! Zu meinem Abschied danke ich Kunden und Geschäftspartnern für ihr Vertrauen. Mein Dank geht auch an die Mitarbeitenden für ihr grosses Engagement, an meine Kollegen im Verwaltungsrat und an die Geschäftsleitung für die gute Zusammenarbeit. Mir war es stets ein Anliegen, dass Sanitas nach neusten Gesichtspunkten der Corporate Governance geführt wird. Eine Effizienzsteigerung brachten die während meiner Amtszeit geschaffenen ständigen Verwaltungsratsausschüsse, das Finance & Audit Committee und das Nomination & Compensation Committee. Zudem stellt das neu eingeführte Kompetenzmodell sicher, dass im Verwaltungsrat alle erforderlichen Kompetenzen und Erfahrungen abrufbar sind. Gestützt darauf wurde das Gremium verkleinert und personell erneuert. Mein Dank geht auch an die Kundinnen und Kunden sowie an die Geschäftspartner, die uns stets aktiv unterstützten. Ganz besonders danke ich aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ihr Engagement und ihre Fähigkeiten sind der Grund, dass Sanitas heute gut dasteht. Im Geschäftsjahr 2009 sind Jens Alder und Antimo Perretta neu in den Verwaltungsrat eingetreten. Jens Alder, meinem designierten Nachfolger, wünsche ich viel Freude und Erfolg bei seiner Aufgabe. Ich bin überzeugt, dass er Sanitas in einem anspruchsvollen Umfeld weiter voranbringen wird. Antimo Perretta, Mitglied der Geschäftsleitung von AXA Winterthur, war bereits von 2004 bis 2008 Mitglied des Verwaltungsrates von Sanitas. Er kennt unser Unternehmen daher bestens und wird sicherlich wichtige Impulse setzen. Den Verwaltungsrat verlassen haben Dr. Thomas Buberl (April 2009) und Roland Frey (Dezember 2009). Die produktive und kollegiale Zusammenarbeit im Verwaltungsrat und mit der Geschäftsleitung werde ich in guter Erinnerung behalten. Dafür danke ich meinen Kollegen und der Geschäftsleitung, besonders CEO Otto Bitterli, ganz herzlich. Kurt Wilhelm Präsident des Verwaltungsrates Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 5

6 Per 1. Januar 2010 begrüsst Sanitas neue Kundinnen und Kunden. Willkommen! «Sanitas hat netto über Kunden gewonnen. Darauf sind wir stolz.» Für Sanitas war 2009 erneut ein schwieriges Geschäftsjahr. Wo lagen die Herausforderungen? Schwierig war bereits der Start ins Geschäftsjahr. Wir durften 2008 die Prämien für das folgende Jahr nicht in dem Masse erhöhen, wie es eigentlich notwendig gewesen wäre. Es war deshalb schon damals klar, dass 2009 finanziell gesehen ein sehr schwieriges Jahr werden würde. Dementsprechend sind auch die Prämienerhöhungen für 2010 ausgefallen. Das ist ein Phänomen, das die ganze Branche stark belastet hat. Eine günstige Versicherungslösung ist nur dann nachhaltig, wenn das Leistungsangebot angepasst wird. Gibt es auch Positives zu vermelden? Ja, in zweierlei Hinsicht: Erstens haben sich die Finanzmärkte besser entwickelt als ursprünglich befürchtet. Zwar waren weiterhin Schwankungen zu verzeichnen, insgesamt haben sich die Bewertungen aber spürbar erholt. Für Schweizer Aktien war 2009 eines der besten Jahre überhaupt. und zweitens? Die zweite Positivmeldung ist die, dass Sanitas ihre Wachstumsziele erreicht hat. Wir haben brutto über Kunden gewonnen, netto sind es mehr als Das ist eine Leistung, auf die wir alle stolz sein können. Entscheidend dafür war die Lancierung des neuen Angebots Compact One: Damit bewegen wir uns in einem sehr preissensitiven Wechselmarkt. Früher hatten wir in diesem Bereich Schwierigkeiten, jetzt haben wir uns erfolgreich behauptet. Compact One markiert einen Meilenstein für Sanitas. Was ist das Besondere an diesem Modell? Dass es sich nicht einfach um eine weitere Billigkasse handelt, sondern dass wir eine echte Leistungsdifferenzierung vorgenommen haben. Der Kunde weiss, was er bekommt nämlich vollen Versicherungsschutz ohne Extras zu einem äusserst günstigen Preis. Und er weiss, wo seine Mitwirkung verlangt ist nämlich, dass er vor einem Arztbesuch zunächst unser medizinisches Call Center anruft. Unsere telefonische Beratung ist rund um die Uhr verfügbar, sie nimmt eine erste Beurteilung vor und legt den Behandlungsweg fest. Damit vermeiden wir, dass die Patienten von Arzt zu Arzt gehen. Das Ärzte-Hopping ist leider gesellschaftlich salonfähig geworden, obwohl es weder der betroffenen Person noch der Allgemeinheit nützt, sondern nur Geld kostet. Und wo ist die Mitwirkung der Kunden weiter gefragt? Die Kunden verpflichten sich, im Falle von anspruchsvollen Krankheitssituationen die Unterstützung unseres Fallmanagements einzuholen. Damit helfen sie nicht nur, Kosten zu sparen, sondern sie und ihre Angehörigen erhalten auch eine umfassende Betreuung durch unsere erfahrenen 6 Sanitas Geschäftsbericht 2009

7 Otto Bitterli, CEO Fallmanager. Das wird von den Versicherten sehr geschätzt. Darüber hinaus haben wir einige administrative Prozesse vereinfacht, was ebenfalls die Mitwirkung der Kunden bedingt. Welche Ziele hat sich Sanitas mit Compact One gesetzt? Compact One soll zunächst einmal helfen, Kosten zu sparen. Aber wir haben auch ein Wachstumsziel: Im Jahr 2009 wollten wir mit diesem Angebot für die Sanitas Gruppe neue Kunden gewinnen. Es sind schliesslich über neue Compact Versicherte geworden. Darauf können wir bauen. Das Rezept gegen steigende Gesundheitskosten liegt für Sanitas in einer Öffnung der Märkte. Andere Krankenversicherer kreieren für ihre Günstigangebote eigene Firmenauftritte. Sanitas hingegen lässt Compact One unter der eigenen Marke laufen. Warum? Weil Compact One eben keine Billigkasse ist, sondern ein nachhaltiges Modell. Indem wir das neue Angebot direkt der Dachmarke Sanitas unterordneten, haben wir sicherlich einen atypischen, mutigen Weg gewählt. Sanitas hat den Anspruch, ihren Kundinnen und Kunden ein Premium-Angebot und eine günstigere Alternative zu bieten. Das gehört auch zu einem erstklassigen Versicherer, wie wir uns sehen. Sanitas hatte in den letzten Jahren eher Kunden verloren. Hat Compact One die Trendwende gebracht? Compact One trug sicherlich einen grossen Teil dazu bei. Sanitas hat vor allem Kunden an Billigkassen verloren. Das wollten wir nicht mehr hinnehmen. Wir haben uns das strategische Ziel gesetzt, dass wir eine preislich attraktive Versicherungslösung bieten können. Beispielsweise für Familien mit Kindern, bei denen die Prämien eine enorme Belastung für das Haushaltsbudget sind. Eine günstige Versicherungslösung ist aber nur dann nachhaltig, wenn die Leistungen angepasst werden. Stichwort «Prämien» das war 2009 das dominierende Thema im Schweizer Gesundheitswesen. Wie beurteilt Sanitas den erneuten Prämienschub? Die Prämien sind zu 95 Prozent ein Abbild der Kosten. Kostentreiber sind alle Bereiche des Gesundheitswesens: Spitäler, Ärzte, Medikamentenpreise. Allerdings erhalten wir dafür auch Mehrwerte wie höhere Lebenserwartung und mehr Lebensqualität im Alter. Das darf nicht vergessen gehen. Der andere Aspekt ist, dass die Prämien in den Vorjahren aus politischen Gründen künstlich tief gehalten wurden, indem man Reserven abgebaut hat. Das musste nun korrigiert werden. Es gibt viele Rezepte, wie den steigenden Gesundheitskosten beizukommen wäre. Für welchen Weg tritt Sanitas ein? Für Sanitas kann die Lösung nur in einer Öffnung der Märkte Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 7

8 Sanitas Corporate Private Care Unter diesem Namen bietet Sanitas neu alle Versicherungslösungen für Unternehmen aus einer Hand an. liegen. Heute spielt der Markt im Gesundheitswesen nicht. Wir haben kantonale Spitalplanungen. Wir haben die Regelung, dass jeder Arzt der Krankenversicherung Rechnung stellen kann. Das sind planwirtschaftliche Instrumente und dass diese im Gesundheitssektor nicht genügen, ist meines Erachtens bewiesen. Unsere Rezepte sind Vertragsfreiheit, monistische Spitalfinanzierung sowie Abkehr von kantonalen Spitalplanungen, sodass ein schweizweiter Markt entstehen kann. Unsere Aufgabe als Krankenversicherer ist es, mit verstärktem Kosten- und Leistungsmanagement einen Beitrag zur Kostenkontrolle zu leisten. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten müssen in die Pflicht genommen werden. Wo sieht Sanitas Handlungsbedarf? Erstens muss der Nachfrageseite höchste Priorität zukommen. Heute fördern wir die Selbstbedienungsmentalität eher, als sie einzugrenzen. Die Versicherten müssen mehr Eigenverantwortung übernehmen. Dafür können höhere Kostenbeteiligungen ein Weg sein. Allerdings nicht im Sinne der diskutierten Praxisgebühr das war ein administrativer Irrweg. Zweitens muss man den Leuten erklären, dass günstigere Prämien nicht ohne Einschränkung der Leistungen zu haben sind. So, wie wir das mit Compact One tun. Und drittens braucht das System eine gewisse Solidarität. Ohne Solidarität funktioniert eine Versicherung nicht. Hierfür wären längere Vertragsdauern eine Lösung. Für Sanitas hat das Unternehmensgeschäft strategische Priorität. Wie hat sich dieser Bereich entwickelt? Sehr gut, mit der Übernahme der Rickenmann & Partner AG haben wir einen Meilenstein erreicht. Wir arbeiten seit fast 15 Jahren mit dieser Firma zusammen, etwa Versicherte sind über diesen Kanal zu Sanitas gestossen. Dank der Akquisition sind wir noch besser aufgestellt und können neu unter dem Namen Corporate Private Care AG die ganze Breite des Unternehmensgeschäfts aus einer Hand anbieten. Davon versprechen wir uns wichtige Impulse für unsere Wachstumsziele. Die Mitarbeitenden spüren, dass sich ihr Einsatz wirklich lohnt. Sanitas hat intern Massnahmen zur Effizienzsteigerung umgesetzt. Nimmt damit der Druck auf die Mitarbeitenden zu? Unsere Anstrengungen zielen vor allem auf die Verbesserungen der Arbeitsinstrumente. Die Mitarbeitenden erhalten mehr Unterstützung im täglichen Ablauf und können dadurch effizienter arbeiten. Insbesondere können sie unsere Kunden umfassender beraten. Das ist für die Mitarbeitenden ein Fortschritt. Dass der Druck aber ebenfalls zunimmt, möchte ich nicht wegdiskutieren. Wir müssen uns im Wettbewerb behaupten. Der unternehmerische Erfolg sichert unsere Arbeitsplätze. Das können un- 8 Sanitas Geschäftsbericht 2009

9 Eigenverantwortung und Solidarität Die richtige Balance ist wichtig. Besonders in der Krankenversicherung. sere Mitarbeitenden nachvollziehen. Wichtig war, dass wir im letzten Herbst zulegen konnten. Die Mitarbeitenden spüren, dass sich ihr Einsatz wirklich lohnt. Ein Unternehmen muss flexibel genug sein, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen. Der Geschäftsbericht 2009 steht unter dem Motto «Vorausschauen». Was heisst das für Sanitas? Sanitas setzt sich intensiv mit der Zukunft auseinander. Unsere Unternehmensstrategie ist auf einen Zeithorizont von fünf Jahren angelegt. Wir müssen uns deshalb fragen: Welche Bedürfnisse werden unsere Kundinnen und Kunden künftig haben? Welche Konsequenzen bringt der demografische Wandel? Was bedeuten die Änderungen der Gesellschaftsstrukturen für uns als Krankenversicherer? Letztlich hält die Realität aber immer Überraschungen bereit. Ein Unternehmen muss flexibel genug sein, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen. Entscheidend ist deshalb, dass man eine offene Kultur schafft, welche auch auf der Stufe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung kontroverse Diskussionen zulässt. Schauen wir konkret voraus wie wird 2010? Das Umfeld wird schwierig bleiben. Gleichzeitig wollen wir weiterhin in vernünftigem Masse wachsen. Das wird uns stark fordern. Und natürlich müssen wir den Beweis antreten, dass Compact One tatsächlich ein wirksames Rezept für tiefe Prämien ist. Wir müssen die Kunden für die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit uns motivieren. Sie müssen die Spielregeln akzeptieren und Verständnis für gewisse Restriktionen aufbringen. Das ist eine Herausforderung. Aber ich bin mir sicher: Sanitas wird diese Herausforderung meistern und damit ihre Erstklassigkeit einmal mehr untermauern. Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 9

10 Compact One: voller Schutz, keine Extras Sanitas im Jahr 2009 «Vorausschauen» hiess für Sanitas 2009 vor allem eins: ihren Versicherten Alternativen anzubieten, um den Anstieg der Gesundheitskosten zu dämpfen und ihr Budget zu entlasten. Sanitas hat ein günstiges Versicherungsmodell lanciert, auf allen Ebenen Einsparpotenziale mobilisiert und die interne Effizienz verbessert. Parallel dazu setzte Sanitas weiter auf Wachstum und Kundenfokus. Produkte und Vertrieb Sanitas gewinnt Neukunden. Zum Stichtag 31. Dezember 2009 hatte Sanitas insgesamt Versicherte*. Gegenüber dem Jahresende 2008 entspricht das zwar einem Rückgang um 2,1 Prozent. Auf Anfang 2010 hingegen konnte Sanitas brutto nicht weniger als neue Kundinnen und Kunden begrüssen. Dieser Zuwachs ist primär der innovativen Grundversicherung Compact One zu verdanken. Dank attraktiver Angebote für bestehende Kundinnen und Kunden, insbesondere junge Familien, konnte Sanitas auch die Kündigungsquote tief halten. Compact One. Sanitas lancierte mit Compact One eine günstige Krankenversicherung ohne Extras. Grundidee ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Versicherung und Kunde: Sanitas bietet vollen Versicherungsschutz zu attraktiven Prämien. Kundinnen und Kunden helfen mit, die Kosten tief zu halten. Sie wickeln Administratives mehrheitlich online ab und kontaktieren vor einer Behandlung zuerst die 24h-Hotline. Die medizinische Fachperson der Hotline gibt eine Erstberatung ab und legt den weiteren Behandlungsweg fest. Bei längerer oder schwerer Krankheit schaltet sich das Sanitas Fallmanagement ein und koordiniert die Behandlungen. Der konsequente Einsatz von Telemedizin und Fallmanagement bietet den Kunden Orientierung in medizinischen Fragen und Versicherte von Sanitas, Wincare und Compact Versicherte S W C Diff. in % ,4 % 4,3 % Total * ,1 % Anzahl KVG-Versicherte Anzahl VVG-Versicherte Durchschnittsalter Geschlecht Weiblich Männlich S W C S W S W C S W C S W C ,1 47,1 21,7 48,4 % 53,6 % 52,0 % 51,6 % 46,4 % 48,0 % ,0 46,3 48,3 % 53,5 % 51,7 % 46,5 % S: Sanitas W: Wincare C: Compact * per 1. Januar ,1 % 5,5 % 3,0 % 5,2 % 2,9 % 1,8 % 10 Sanitas Geschäftsbericht 2009

11 die Sanitas Nummer für medizinische Services. Zusatzversicherungen Sanitas nach VVG Zusatzversicherungen Wincare nach VVG Diff. in % Diff. in % Anzahl Versicherte mit ambulanten Zusatzversicherungen Jump ,5 % Family ,7 % Classic ,7 % Medical Private ,3 % Anzahl Versicherte mit Spitalzusatzversicherungen Hospital Standard (allgemein) ,0 % Hospital Comfort (2er-Zimmer) ,5 % Hospital Private (1er-Zimmer) ,4 % Einzelpersonenvers. Krankheit ,9 % Anzahl Versicherte Unfallprodukte Unfallzusatz SCPC ,8 % Einzelpersonenvers. Unfall ,5 % Anzahl Versicherte weitere Produkte VVG-Taggeld ,8 % Kennzahlen Schadensatz* 90,6 % 72,6 % Kostensatz** 10,6 % 10,5 % Combined Ratio*** 101,2 % 83,1 % Anzahl Versicherte mit ambulanten Zusatzversicherungen Natura ,2 % Diversa ,1 % Anzahl Versicherte mit Spitalzusatzversicherungen Spital Allgemein ganze Schweiz ,4 % Spital Halbprivat ,8 % Spital Privat ,5 % Anzahl Versicherte Unfallprodukte Alle Unfallprodukte ,0 % Anzahl Versicherte weitere Produkte Alle sonstigen Produkte ,3 % Kennzahlen Schadensatz* 84,7 % 73,7 % Kostensatz** 10,3 % 11,2 % Combined Ratio*** 95,0 % 84,9 % * Der Schadensatz (Claims Ratio) ist eine allgemein anerkannte Branchenkennziffer zur Beurteilung des operativen Geschäftsverlaufs der Nichtlebensversicherung. Die Summe der Versicherungsleistungen wird ins Verhältnis des Versicherungsertrags gesetzt. ** Der Kostensatz (Expense Ratio) ist eine allgemein anerkannte Branchenkennzahl zur Beurteilung des operativen Geschäftsverlaufs der Nichtlebensversicherung. Die Summe aller Verwaltungskosten (inkl. Provisionen) wird ins Verhältnis des Prämienertrags gesetzt. *** Summe von Schadensatz (Claims Ratio) und Kostensatz (Expense Ratio). Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 11

12 1500 mit 30 Sanitas hat im letzten Jahr 30 Sanitas Days durchgeführt, an denen total 1500 Vertriebspartner teilnahmen. wirkt kostensenkend. Anfang 2010 setzten bereits über Kundinnen und Kunden auf das neue Modell. Ertragreiche Vertriebsmassnahmen. Mit dem Versichertenzuwachs auf Anfang 2010 hat Sanitas die gesteckten Verkaufsziele klar übertroffen. Der Erfolg ist das Resultat verstärkter Anstrengungen im Vertrieb sowie einer Reihe neuer Angebote und Initiativen: Compact One wurde von den Kundinnen und Kunden sehr gut aufgenommen, da das Bedürfnis nach einer kostengünstigen Versicherungslösung abgedeckt wird. Das neue Modell konnte nach kurzer Entwicklungs- und Einführungszeit im August 2009 lanciert werden. Im Direktkanal war eine sehr hohe Zahl von Offertanfragen zu verzeichnen, was primär auf die breit angelegte Werbekampagne sowie die Nutzung neuer Kanäle wie Comparis zurückzuführen ist. Dank konsequentem Nachfassen durch das Call Center konnten viele Offerten in Abschlüsse konvertiert werden. Im Partner- und Drittkanal hat Sanitas einen eigentlichen Verkaufsschub ausgelöst. Basis dafür bildeten die 30 Sanitas Days mit Fokus auf Compact One, an denen total 1500 Vertriebspartner teilnahmen. Hinzu kamen mehrere Verkaufsoffensiven sowie der monat- liche Newsletter an über 6000 Empfängerinnen und Empfänger. Im Vermittlerkanal konnte Sanitas dank der intensiveren Zusammenarbeit mit organisierten Vermittlern zahlreiche Abschlüsse generieren. Sanitas setzt auf Telemedizin. Seit dem 1. Januar 2010 erhalten Sanitas Kundinnen und Kunden alle medizinischen Dienstleistungen inklusive Assistance über die einheitliche Telefonnummer Für Kundinnen und Kunden von Compact One gilt die Nummer Das ist das Ergebnis einer vertieften Kooperation zwischen Sanitas und ihren Partnern im Bereich Telemedizin, Medgate und Europ Assistance. Insbesondere Compact One setzt stark auf Telemedizin. Von der damit erreichten Versorgungssteuerung verspricht sich Sanitas eine Kostenreduktion von mindestens 10 Prozent. Ausbau des Unternehmensgeschäfts mit Corporate Private Care AG. Sanitas hat Anfang 2009 die Aktienmehrheit an der Rickenmann & Partner AG übernommen und damit die Stellung im attraktiven Unternehmensgeschäft verstärkt. Beide Unternehmen hatten zuvor fast 15 Jahre eng zusammengearbeitet. Während des Jahres wurde die Rickenmann & Partner AG umstrukturiert, neu ausgerichtet und in Corporate Private Care AG umbenannt. 12 Sanitas Geschäftsbericht 2009

13 «klar besser» So beurteilten Konsumentinnen und Konsumenten in einer Umfrage die Sanitas Werbung im Vergleich zur übrigen Versicherungswerbung. KVG-Leistungen 2009 Sanitas pro Versicherten pro Kanton (in CHF) KVG-Leistungen 2009 Wincare pro Versicherten pro Kanton (in CHF) AG AI AR BE BL BS FR GE GL GR JU LU NE NW OW SG SH SO SZ TG TI UR VD VS ZG ZH CH AG AI AR BE BL BS FR GE GL GR JU LU NE NW OW SG SH SO SZ TG TI UR VD VS ZG ZH CH Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 13

14 Mit Compact One gehört Sanitas zu den günstigsten Krankenversicherungen. Krankenpflegekosten (KVG) pro Versicherten Leistungserbringer in CHF in % in CHF in % Arzt ambulant S W ,8 21, ,1 21,2 Spital stationär S W ,4 23, ,5 23,4 Spital ambulant S W ,3 14, ,1 14,5 Medikamente Apotheke S W ,4 11, ,9 11,7 Medikamente Arzt S W ,4 9, ,5 9,2 Pflegeheim S W ,2 10, ,5 10,4 Labor S W ,7 1, ,8 1,7 Physiotherapie S W ,6 2, ,5 2,4 Übrige S W ,4 1, ,5 1,7 Spitex S W ,8 2, ,6 2,7 Mittel und Gegenstände S W ,7 0, ,6 0,7 Chiropraktiker S W ,4 0, ,4 0,2 Total S W ,0 100, ,0 100,0 Neu führt die 60-prozentige Sanitas Tochter als spezialisierte Einheit mit rund 20 Mitarbeitenden das gesamte Unternehmensgeschäft der Sanitas Gruppe. Im Verbund wird das Spektrum an firmenspezifischen Versicherungslösungen ausgebaut, und Unternehmenskunden können noch besser akquiriert und betreut werden. Sanitas verspricht sich davon einen Wachstumsschub. Gute Werbung erhöht Bekanntheit. Die Werbekampagne für die neue Versicherungslösung Compact One stiess bei Konsumentinnen und Konsumenten auf positive Resonanz. In einer Umfrage bezeichnete eine Mehrheit die Sanitas Kampagne als «klar besser» als die übrige Versicherungswerbung. Nicht zuletzt deshalb konnte Sanitas ihren Bekanntheitsgrad 2009 gegenüber dem Vorjahr signifikant steigern. Prämien und Kosten Sanitas mit Massnahmen gegen Prämienschub. Sanitas verzeichnete für 2010 in der obligatorischen Krankenversicherung eine Prämiensteigerung von 8,7 Prozent. Damit lag Sanitas schweizweit im unteren Bereich der Erhöhungen. Je nach Regionen lagen die Anpassungen zwischen minus 5 bis plus 15 Prozent. Stärker belastet wurden Kundinnen und Kunden mit Wahlfranchisen, da der Bundesrat S: Sanitas W: Wincare 14 Sanitas Geschäftsbericht 2009

15 337 Millionen So viel sparte Sanitas 2009 für ihre Kunden. Dank Kostenund Leistungsmanagement. die Franchisen-Rabatte gesenkt hatte. Bei einigen Spitalversicherungen waren ebenfalls Prämienanpassungen nötig. Vor dem Hintergrund des Prämienschubs hat Sanitas für ihre Kundinnen und Kunden zusätzliche Sparmöglichkeiten geschaffen. So wird die Hausarztversicherung NetMed erstmals auch in der Westschweiz (Genf, Lausanne) angeboten. Bei diesem Modell verzichten die Kundinnen und Kunden auf die Freiheit der Arztwahl, dafür erhalten sie Prämienrabatte bis zu 20 Prozent. Zudem lancierte Sanitas mit Compact One ein Versicherungsmodell mit sehr attraktiven Prämien. Dank Compact One gehört Sanitas in vielen Prämienregionen zu den günstigsten Krankenversicherungen. Aktives Kostenmanagement erschliesst Sparpotenziale. Als Interessenvertreterin ihrer Versicherten setzt sich Sanitas für bestmögliche Leistungen zu bezahlbaren Preisen ein. Das Rezept für die Dämpfung der Prämienentwicklung heisst aktives Kosten- und Leistungsmanagement. Gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden, mit Leistungserbringern und mit Partnern hat Sanitas im Jahr 2009 ein Sparpotenzial von 337 Millionen Franken ausgeschöpft. Das Kostenmanagement umfasst eine Reihe von Massnahmen, die vor, während und nach der Leistungsbeanspruchung ansetzen: Franchisen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung Sanitas nach KVG 39,7 % (CHF 300) 19,6 % (CHF 500) 5,0 % (CHF 1000) 14,1 % (CHF 1500) 4,1 % (CHF 2000) 17,5 % (CHF 2500) Franchisen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung Wincare nach KVG 62,5 % (CHF 300) 11,6 % (CHF 500) 3,8 % (CHF 1000) 10,2 % (CHF 1500) 2,9 % (CHF 2000) 9,0 % (CHF 2500) Berichtsteil Corporate Governance Finanzbericht 15

16 Réseau Romandie Sanitas bietet ihre beliebte Hausarztversicherung NetMed erstmals auch in der Westschweiz an. Im Vorfeld versucht Sanitas die Wahrscheinlichkeit einer Leistungsbeanspruchung zu reduzieren, vor allem durch Prävention und Gesundheitscoaching, das heisst durch vorausschauende Betreuung von chronisch Kranken. Für die Leistungsbeanspruchung handelt Sanitas mit Spitälern, Reha-Kliniken und Ärzten möglichst vorteilhafte Tarifverträge aus. Einsparungen lassen sich durch Kooperationen mit Ärztenetzwerken erzielen. Die Medikamentenkosten werden durch die Verwendung kostengünstiger Generika reduziert. Eine wichtige Rolle spielt das Fallmanagement, mit dem Sanitas die optimale Behandlung im Krankheitsfall sicherstellt. Nach der Leistungsbeanspruchung schöpft Sanitas Sparpotenziale mit striktem Leistungscontrolling und einer dezentralen Rechnungskontrolle aus. Bei nicht korrekter Abrechnung wird konsequent Rückerstattung eingefordert. Service Intensivere Kundenbetreuung zahlt sich aus. Sanitas hat im Geschäftsjahr 2009 weitere Anstrengungen zur Professionalisierung ihrer Service Center unternommen. Ein Schwergewicht lag auf der fachlichen Weiterbildung der Mitarbeitenden. Parallel dazu hat Sanitas neue Arbeitsinstrumente für die Kundenbetreuung eingeführt. Die Kundinnen und Kunden suchten 2009 vor allem Beratung zum neuen Versicherungsmodell Compact One sowie zu den Möglichkeiten eines Umstiegs auf Alternative Versicherungsmodelle, um von Prämienrabatten zu profitieren. Erfreulicherweise zeigte die intensivere Kundenbetreuung Wirkung: Gemäss einer repräsentativen Umfrage des Konsumentenmagazins «K-Tipp» sind 70 Prozent der Sanitas Kundinnen und Kunden «sehr zufrieden» mit ihrer Krankenversicherung. Eine weitere Umfrage (ampuls Krankenversicherungstracking) ergab, dass Sanitas die Kundenzufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr steigern konnte. Pilotprojekt Gesundheitscoaching gestartet. Als erster Krankenversicherer der Schweiz bietet Sanitas eine neue Dienstleistung an: das Gesundheitscoaching eine persönliche Betreuung für chronisch kranke Versicherte, die verhindern soll, dass sich ihr Krankheitszustand verschlechtert. In einem ersten Schritt startete Sanitas Mitte 2009 ein Pilotprojekt mit über 300 Versicherten mit sogenannter Altersdiabetes (Diabetes mellitus Typ 2). Die Teilnehmenden erhalten für die Dauer eines Jahres einen persönlichen Coach. Dieser unterstützt sie dabei, ihre individuellen Ziele in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Selbstkontrolle und Vorsorge zu erreichen. Die Auswertung des Pilotprojekts wird zeigen, ob die Teilnehmenden 16 Sanitas Geschäftsbericht 2009

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