BESSERE UNTERNEHMENSENTWICKLUNG

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1 WISSENSCHAFTLICHE REIHE BAND 15 BESSERE UNTERNEHMENSENTWICKLUNG DURCH GRÜNDUNGSFÖRDERUNG? Kurzfassung Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim von Matthias Almus und Susanne Prantl

2 Deutsche Ausgleichsbank (DtA) Ludwig-Erhard-Platz Bonn Telefon (02 28) Telefax (02 28) Niederlassung Berlin Kronenstraße Berlin Telefon (0 30) Telefax (0 30) Info-Line ( ) Juni 2001

3 WISSENSCHAFTLICHE REIHE BAND 15 BESSERE UNTERNEHMENSENTWICKLUNG DURCH GRÜNDUNGSFÖRDERUNG? Kurzfassung Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim von Matthias Almus und Susanne Prantl Die Langfassung ist erhältlich über den Buchhandel oder die DtA ISBN

4 VORWORT DES HERAUSGEBERS Existenz- und Unternehmensgründungen erzielen in der öffentlichen und politischen Debatte und in der wissenschaftlichen Forschung seit geraumer Zeit hohe Aufmerksamkeit. Neben dem Beitrag junger Unternehmen zum Strukturwandel und zur Sicherung eines wettbewerbsfähigen Unternehmensbestands steht die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Existenzgründungen im Mittelpunkt des Interesses. Der beschäftigungspolitische Beitrag von Existenzgründungen wird indessen strittig diskutiert: Ziel der DtA-Gründungsförderung ist u. a. die geförderten jungen Unternehmen in die Lage zu versetzen, ihre Arbeitsplatzwirkungen auf Basis betriebswirtschaftlich ausgereifter Konzepte optimal entfalten zu können. Die DtA hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beauftragt, die Effekte der DtA-Gründungsförderung genauer zu untersuchen: Welchen Beitrag leistet die DtA- Gründungsförderung für die Entwicklung junger Unternehmen? Sind geförderte Unternehmen bestandsfester? Schaffen sie mehr Arbeitsplätze als gleichartige, nicht-geförderte Unternehmen? Mit seinen Unternehmenspanels verfügt das ZEW über eine umfangreiche und erprobte Datenbasis, die für die repräsentative Beantwortung der Fragestellungen genutzt werden konnte. Ein moderner methodischer Ansatz, mit dem der Einfluss anderer Faktoren (Auswahl besonders Erfolg versprechender Vorhaben, Unternehmensgröße, Branche etc.) ausgeschlossen werden kann, erlaubt eine wissenschaftlich fundierte Isolierung des Fördereffektes. Angesichts der rund DtA-geförderten Jungunternehmen allein in den Jahren 1990 bis 2000 gewinnen die vom ZEW festgestellten direkten, auf die Förderung zu beziehenden Arbeitsplatzeffekte besondere volkswirtschaftliche Bedeutung. 4

5 DtA-GRÜNDUNGSFÖRDERUNG Die Kapitalausstattung also beispielsweise der Eigenkapitalanteil, die Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel etc. ist ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Entwicklung eines neu gegründeten Unternehmens. Die Errichtung eines neuen Unternehmens wird jedoch gerade durch Kapitalprobleme häufig gravierend behindert. Vor allem zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle: Potenzielle Gründer können am Kapitalmarkt oft nicht die optimale Menge an Eigen- und Fremdkapital beschaffen. Nimmt ein Gründer Kapital auf, so muss er häufig Risikozuschläge in Kauf nehmen, die seine Finanzierung entsprechend teurer machen. Die Förderprogramme der DtA setzen genau an diesen beiden Punkten an: Unternehmensgründer erhalten zusätzliche Investitionsmittel zu reduzierten Zinssätzen und mit günstigen Tilgungsmodalitäten. Insbesondere gilt dies für das ERP-(European Recovery Programm)Eigenkapitalhilfeprogramm und das ERP- sowie DtA-Existenzgründungsprogramm. Ziel der vorliegenden Studie ist es zu untersuchen, ob die von der DtA gewährten Fördermittel einen messbaren Effekt auf die Unternehmensentwicklung haben (kausaler Fördereffekt), oder ob Unterschiede zwischen geförderten und nicht geförderten Unternehmen vor allem auf die Auswahl bestimmter Unternehmensgruppen für Fördermaßnahmen zurückgehen. Kenngrößen für den Erfolg sind die Beschäftigungsentwicklung sowie die Lebenserwartung (Überlebenswahrscheinlichkeit) der Unternehmen. Evaluation mit einem Matching-Verfahren Der Erfolg von Unternehmensgründungen, die im Rahmen von Programmen der DtA Förderleistungen erhielten, wurde schon in einigen Studien analysiert. Im Rahmen der vorliegenden Studie wird ein neues statistisches Evaluationsverfahren eingesetzt, das es ermöglicht, einige methodische Probleme der bislang verwendeten Analyseverfahren zu vermeiden. Das zentrale Element der Evaluationsmethode beruht auf einem statistischen Matching-Verfahren, mit 5

6 dem für jedes identifizierte geförderte Unternehmen ein nicht-gefördertes Gegenstück gesucht wird, das zum Gründungszeitpunkt weitgehend gleiche unternehmensspezifische, gründerpersonenspezifische und unternehmensexterne Merkmale aufweist. Eine solche Evaluation gibt keine Auskunft über mögliche gesamtwirtschaftliche Nebenwirkungen der Fördermaßnahmen, z. B. eine etwaige Erhöhung des Gründungsaufkommens, und ersetzt keine Kosten-Nutzen-Analyse. Die Wirkungen der Fördermaßnahmen lassen sich aus den Unterschieden hinsichtlich Lebenserwartung und Beschäftigungswachstum zwischen den beiden Untersuchungsgruppen (DtA-geförderte und Kontrollgruppe nicht-geförderter Unternehmen) ableiten. Das Matching-Verfahren garantiert, dass diese Unterschiede nicht durch die Auswahl der DtA-geförderten Unternehmen verursacht werden. Geförderte versus Nicht-Geförderte Als Nebeneffekt der Bildung von Kontrollgruppen zeigt sich, dass die durch die DtA geförderten Unternehmen signifikant von der Masse der Unternehmensgründungen verschieden sind. Der Auswahlprozess durch Hausbanken und DtA und die Entscheidung der Unternehmen zur Beantragung von Förderung ist also durchaus selektiv. Daher sollte im Hinblick auf die DtA-Gründungsförderung nicht länger von einer Förderung nach dem Gieskannenprinzip gesprochen werden. Mit anderen Worten: Förderung durch die DtA erhalten bevorzugt Unternehmen, die sehr gute Aussichten auf Erfolg haben. Diese Befunde belegen die hohe Effizienz der DtA-Existenzgründungsförderung. Höhere Lebenserwartung und mehr Arbeitsplätze Die Analysen zu den Überlebenschancen der Unternehmen zeigen, dass die von der DtA geförderten Unternehmen im Durchschnitt eine um 14 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufweisen als die Unternehmen der Kontrollgruppe. Wenn man nach Durchführung des Matching-Verfahrens nur Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes bzw. des Baugewerbes betrachtet, dann ist der kausale Effekt der Förderung allerdings nicht signifikant. Somit scheinen die Förderprogramme der DtA vor allem bei Handels- und auch 6

7 bei Dienstleistungsunternehmen ein wesentlicher Garant für eine höhere Lebenserwartung zu sein. Die Ergebnisse der Wachstumsanalysen verdeutlichen, dass von der DtA geförderte Unternehmen im Durchschnitt ein um 49 Prozent höheres Beschäftigungswachstum aufweisen als Unternehmen der Kontrollgruppe, wenn sie zum Zeitpunkt der Evaluation noch am Markt operieren. Während z. B. ein in 1992 gegründetes nicht gefördertes Unternehmen mit fünf Beschäftigten seine Mitarbeiterzahl bis 1999 im Schnitt um zwei Personen erhöht, würde es mit DtA- Förderung eine Steigerung um etwas über drei Beschäftigte erreichen. Wenngleich dieser Zusammenhang nicht für alle Unternehmen gleichermaßen signifikant ist (einzelne Unternehmensgruppen weichen von diesem Muster ab), ist insgesamt festzustellen, dass DtA-Förderung den Beschäftigtenaufbau in den geförderten Unternehmen erheblich verstärkt. Fazit ZEW: Mit Gründungsförderung zu mehr Beschäftigung 1. DtA-geförderte Unternehmen heben sich deutlich von der Masse der Existenzgründungen in Deutschland ab. 2. Die Lebenserwartung von Unternehmen, die in ihren ersten beiden Lebensjahren von der DtA gefördert wurden, ist im Schnitt um 14 Prozent höher. 3. DtA-geförderte Unternehmen stellen bei gleicher Anfangsbeschäftigung im Schnitt eineinhalb Mal mehr Beschäftigte in der Folgezeit ein. 7

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