Bodo Klehr, Albert-Schäffle-Schule, Kaufmännische Schule, Nürtingen Kooperation von Schule und Gemeinde: Ora-et-labora -Tage

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1 Bodo Klehr, Albert-Schäffle-Schule, Kaufmännische Schule, Nürtingen Kooperation von Schule und Gemeinde: Ora-et-labora -Tage Allgemeines Bei den Ora-et-labora -Tagen handelt es sich um ein Projekt, das sich gut für eine Kooperation von Schule und Gemeinde eignet bzw. hierfür geradezu prädestiniert ist. Solches Zusammenwirken gewinnt auf Grund der veränderten Rahmenbedingungen an den Schulen und bei den Kirchengemeinden an Bedeutung. 1 Insofern ist es sinnvoll und wichtig, hierzu geeignete Angebote zu entwickeln, zu erproben und möglicher Weise zu etablieren. Die Initiative für das im Folgenden beschriebene Projekt ging von der Pastoralassistentin der örtlichen Kirchengemeinde St. Johannes in Nürtingen aus, die gleichzeitig auch an Fritz-Ruoff-Schule IN Nürtingen unterrichtete. Damit war bereits im Vorfeld eine gute Verbindung zwischen Schule und Gemeinde gegeben. Als Verstärkung seitens der Gemeinde trat der Mesner, seitens der Schule (die benachbarte kaufmännische Albert-Schäffle-Schule) ich selber hinzu. Ausgangspunkt war das Anliegen, den Jugendlichen (ab etwa dem Firmlingsalter: hier ca. 16 Jahre) aus Gemeinde und Schule ein zeit- und altersgemäßes, spirituelles Angebot zu machen, welches je nach persönlicher Situation im Alltag von Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf integriert ist und auch Freizeitelemente enthält. Hierzu lässt sich gut anknüpfen an das bekannte, dem Heiligen Benedikt von Nursia zugeschriebene ora et labora, dessen Anliegen es ist, Gebet und Arbeit in ein gutes Verhältnis zueinander zu bringen (die Formel des ora et labora steht so nicht in der Benediktsregel, sondern erscheint erst im 9. Jh. bei Benedikt von Aniane). Konkret geht es darum, dass eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener für ein paar, im konkreten Fall drei bzw. vier Tage in der Kirchengemeinde ihr Zuhause hat: Einerseits werden nach Möglichkeit die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen, man trifft sich zu vereinbarten Gebetszeiten, gestaltet gemeinsam die Freizeit, und übernachtet wird in der Kirche (Orgelempore). Andererseits geht jede/r Teilnehmer/in seinen / ihren jeweiligen Alltagsverpflichtungen von Schule, Studium, Ausbildung und Beruf nach. Der freie Samstag wird dann als Projekt-/Aktionstag mit einem Ausflug gestaltet. Am Sonntag bringt sich die Gruppe in den Gottesdienst ein, um einerseits die Gottesdienstgemeinde an dem Projekt teilhaben zu lassen und umgekehrt auch das Gemeindeleben aktiv mitzugestalten. Zum Abschluss wird dann gemeinsam gebruncht, geputzt und aufgeräumt. Somit lässt sich das Projekt in drei Hauptteile gliedern: Werktag: das eigentliche ora et labora Samstag: Aktion / Ausflug Sonntag: Feiern / Abschluss. Vorbereitung Hinsichtlich der Vorbereitung (und auch Durchführung) war von Vorteil, dass die Pastoralassistentin und der Mesner auf Grund ihres hauptamtlichen Arbeitsauftrags in der Gemeinde verortet waren und somit von hier die Organisation ausging. Zunächst gab es ein Vorbereitungstreffen von Pastoralassistentin, Mesner und mir, um ein Konzept zu erstellen, den zeitlichen und örtlichen Rahmen zu klären, Gestaltungselemente zu überlegen und die weiteren Schritte des Projekts zu planen. Nachdem ein Flyer (ein Entwurf ohne vollständige Daten findet sich im Anhang) erstellt war konnte die Werbung beginnen. Diese wurde bei den Jugendlichen der Gemeinde insbesondere im Zusammenhang mit der Firmvorbereitung und der vergangenen Firmung und den SchülerInnen der durch uns vertretenen beiden Schulen durchgeführt. Dabei wurden alle Interessierten zu einem abendlichen Vortreffen eingeladen. Hierbei wurden das Projekt präsentiert und Absprachen zur Durchführung getroffen: 1 Vgl. Bischöfliches Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Hg.): Kirche und Schule in Kontakt eine Handreichung, S. 7. Referat Schulpastoral, Diözese Rottenburg-Stuttgart 11/2010 1

2 - Einkäufe für die Mahlzeiten: wer, was, wann? - Wer ist bei welchen Mahlzeiten / Programmpunkten auf Grund anderer Verpflichtungen an bzw. abwesend? - Mitzubringendes: die alltäglichen Dinge für Schule / Ausbildung / Studium / Beruf; Waschutensilien; Schlafsack & Isomatten (alternativ waren Schaumstoffmatten vorhanden); Schlafanzug; Kleidung zum Wechseln; Wecker; feste Schuhe für den Samstag; kleiner Rucksack; für die Zeiten abends und zwischendurch Spiele, Musikinstrumente, Liederbücher, CDs; Was euch noch einfällt... - Klärung sonstiger Fragen Durchführung Die Ora-et-labora-Tage wurden in St. Johannes / Nürtingen in den beiden Jahren 2008 und 2009 durchgeführt und zwar in der Zeit zwischen den Pfingst- und den Sommerferien. Beim ersten Mal begann das Projekt am Donnerstagabend (5. bis 8. Juni 2008), beim zweiten Mal wurde es ausgeweitet und begann bereits am Mittwochabend (8. bis 12. Juli 2009) Ende war jeweils am Sonntag. Beide Male nahmen etwa 12 Jugendliche an der Veranstaltung teil. Struktur, Ablauf und Inhalte der Tage lassen sich den beiden Übersichten entnehmen (siehe Anhang). Ein besonderes inhaltliches Element war jeweils ein gemeinsames Abendessen und anschließendes Gespräch mit dem Pfarrer bzw. dem Pfarrvikar der Gemeinde. Der Aktionstag stand 2008 unter dem Zeichen des Jakobswegs (Nürtingen Reudern Frickenhausen); 2009 gab es einen Ausflug nach Tübingen (Wurmlinger Kapelle, Stocherkahnfahren etc.). Die Übernachtungen fanden mit Isomatte/Schlafsack auf der Orgelempore, die Gebetszeiten im Altarraum der Kirche statt. Aufenthaltsraum, Küche und sanitäre Anlagen bot ein Gebäude der Kirchengemeinde, das in unmittelbarer Nähe liegt. Eine feste Struktur des Tagesablaufs bildeten die Gebets- und die Mahlzeiten. Dabei wurden unterschiedliche Gebetsformen gewählt (z.b. Taizé-Gebet; klassische Komplet: siehe Anhang). Die Mahlzeiten wurde je nach zeitlicher Verfügbarkeit gemeinsam zubereitet. Zur Finanzierung war von den TeilnehmerInnen ein Beitrag in Höhe von 15 Euro erhoben worden. Reflexion Beide Ora-et-labora -Projekte konnten erfolgreich durchgeführt werden und fanden bei den TeilnehmerInnen ein positives Echo (was nach 2008 auch zur Wiederholung im Folgejahr führte). Allerdings wurde im Nachhinein von einzelnen Gemeindemitgliedern Unmut über das Übernachten in der Kirche geäußert. Doch war es gerade die spirituelle Atmosphäre des Kirchenraumes, welche die Jugendlichen besonders ansprach. Hier sehe ich noch Klärungsbedarf. Persönlich würde ich für ein Übernachten im Gemeindehaus plädieren, so dass für die Gebetszeiten gezielt der Kirchenraum aufgesucht wird. Ein weiteres Problem stellte für mich als bei der Durchführung Mitverantwortlichem die Verbindung von beruflicher Alltagsverpflichtung als Lehrer und der Präsenz bei dem Projekt dar. Zu überlegen ist deshalb, ob Jugendliche ein solches Projekt nicht auch eigenständig unterstützt durch die hauptamtlichen MitarbeiterInnen durchführen können. Desweiteren zeigte sich, dass aus den betroffenen Schulen keine SchülerInnen teilnahmen, sondern der Teilnehmerkreis sich aus den Jugendlichen der Gemeinde zusammensetzte. Ein Grund hierfür mag sein, dass die Jugendlichen bei beruflichen Schulen in Bezug auf den Wohnort aus ganz verschiedenen Richtungen kommen, in ihren je eigenen Gemeinden sozialisiert sind oder einfach kein hinreichendes Interesse bestand. Insgesamt zeigten aber die erfolgreichen Durchführungen und die positiven Rückmeldungen der Beteiligten, dass die Ora-et-labora -Tage ein geeignetes Element gemeindlicher Jugendarbeit sind und als schulpastorales Engagement im Blick behalten werden sollten. Anhang 1: Ora-et-labora -Tage 2008 Tagesraster Anhang 2: Ora-et-labora -Tage 2009 Tagesraster Anhang 3: Werbe-Flyer Anhang 4: Heftchen zur Komplet (Nachtgebet der Kirche) Referat Schulpastoral, Diözese Rottenburg-Stuttgart 11/2010 2

3 Ora-et-labora -Tage 2008 Tagesraster Donnerstag, 5. Juni Freitag, 6. Juni Samstag, 7. Juni Sonntag, 8. Juni 6:45 Uhr: Laudes jedenfalls später: Laudes früher: kurzer Kaffee 7:00 Uhr: Frühstück Schule / Arbeiten je nach Muss auch später: Frühstück Ausflug: Pilgern auf dem Camino: St. Johannes Reudern Jakobsbrunnen Frickenhausen 9:00 Uhr: Gottesdienst danach: Brunchen mit Abschlussrunde 14:00 Uhr: Mittagessen danach: Kreatives für die, die da sind; Einkaufengehen für die restlichen Tage zwischendurch: Vespern gegen 15:30 Uhr: Rückkehr vom Pilgern und Kaffee & Kuchen gegen 12:00 Uhr: Ende der Ora-et-abora - Tage gegen 18:30 Uhr: Abendessen; danach gemütliches Ankommen, Sich-Ausbreiten und den Abend verbringen 18:00 Uhr: Teilnahme am Werktagsgottesdienst danach: gemeinsames Abendessen mit dem Pfarrer mit anschließendem Kamingespräch 18:00 Uhr: Public-Vewing vom EM- Eröffnungsspiel mit Gästen dazu: Abendessen Uhr: Komplet 21:30 Uhr: Komplet 21:30 Uhr: Komplet Referat Schulpastoral, Diözese Rottenburg-Stuttgart 11/2010 3

4 Ora-et-labora -Tage 2009 Tagesraster Mittwoch, 8. Juli Donnerstag, 9. Juli Freitag, 10. Juli Samstag, 11. Juli Sonntag, 12. Juli 6:45 Uhr: Laudes 6:45 Uhr: Laudes 9:00 Uhr: Laudes früher: kurzer Kaffee 7:00 Uhr: Frühstück 7:00 Uhr: Frühstück auch später: Frühstück 9:00 Uhr: Gottesdienst Schule / Arbeiten je nach Muss Schule / Arbeiten je nach Muss Ausflug: Fahrt nach Tübingen Wanderung zur Wurmlinger Kapelle und zurück Stocherkahnfahren danach: Brunchen mit Abschlussrunde gegen 13:00 Uhr: Mittagessen danach: Beschäftigung mit dem Hl. Benedikt: eine Stellwand gestalten und Einkaufengehen für die restlichen Tage gegen 13:30 Uhr: Mittagessen danach: Vorbereitung von Taizé- Gebet und Abendgottesdienst zwischendurch: Vespern danach: fröhliches Ausklingen- Lassen im Neckarmüller (Biergarten in Tübingen) gegen 12:00 Uhr: Ende der Oraet-labora -Tage gegen 18:30 Uhr: Abendessen; danach gemütliches Ankommen, Sich-Ausbreiten und den Abend verbringen gegen 18:00 Uhr: Abendessen; danach Film: Vaya con dios oder Illuminati 18:00 Uhr: Teilnahme am Werktagsgottesdienst danach: gemeinsames Abendessen mit dem Pfarrer mit anschließendem Kamingespräch Uhr: Komplet 22:00 Uhr: Komplet 22:00 Uhr: Komplet 22:00 Uhr: offenes Taizé-Gebet Referat Schulpastoral, Diözese Rottenburg-Stuttgart 11/2010 4

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