Ein Jahrzehnt der Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission und dem Europarat - Umsetzung der Politik für junge Europäer

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1 Ein Jahrzehnt der Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission und dem Europarat - Umsetzung der Politik für junge Europäer Pierre Mairesse Direktor, Direktion D GD Bildung und Kultur Brüssel Ralf René Weingärtner Direktor für Jugend und Sport Europarat Straßburg Menschen sind hinsichtlich ihres Innovationspotenzials und ihrer Kreativität eine einzigartige Ressource. Es gelingt ihnen besonders gut, neue Ansätze zu finden, die Notwendigkeit für Vielfalt zu verstehen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einer zunehmend mobilen und interdependenten Welt zu nutzen. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Jugend die Zukunft in ihren Händen hält. Vor diesem Hintergrund ist es Besorgnis erregend, in welchem Umfang junge Menschen mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert sind: mit 17,4 % ist die Jugendarbeitslosenquote in Europa doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote, und 19 Millionen junger Menschen und Kinder sind in Europa von Armut bedroht. Die soziale Ausgrenzung einiger Jugendlicher drückt sich auch in Auswirkungen auf ihre Gesundheit und Lebenserwartung aus. Sowohl die Europäische Kommission als auch der Europarat verfügen über Politiken und Programme, um im Jugendbereich tätig zu werden. Beispielsweise ermöglichte das Programm Jugend in Aktion der Europäischen Kommission, dass sich 2007 mehr als junge Menschen in einem Projekt in diesem Rahmen engagieren. Diese Projekte werden in vielen Fällen von Jugendlichen oder in Zusammenarbeit mit ihnen konzipiert. Die Jugend-Stiftung des Europarats dient einem ähnlichen Ziel. Jedoch angesichts der Tatsache, dass in der Europäischen Union mehr als 75 Millionen Jugendliche und in den Mitgliedstaaten des Europarats mehr als 125 Millionen leben, bleiben die finanziellen Mittel weiter knapp, und es müssen alle möglichen Synergien genutzt werden. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission und dem Europarat im Jugendbereich ist ein perfektes Beispiel dafür, wie das gemeinsame

2 Engagement von beiden Institutionen in den Bereichen Demokratie, kulturelle Vielfalt und Achtung der Menschenrechte zu Ergebnissen führen kann. Bevor diese Partnerschaft geschaffen und vereinbart wurde, glaubten nur wenige, dass die Kulturen der beiden Institutionen zusammen arbeiten könnten. Dies hat sich als falsch erwiesen. Nachdem das erste Übereinkommen zwischen dem Europarat und der Europäischen Union unterzeichnet worden war, wurden eine Reihe von Programmen, gemeinsamen Projekten und Kampagnen aufgelegt, um Jugendliche in die Lage zu versetzen, am demokratischen Prozess teilzuhaben und den Jugendaustausch zu erleichtern. Seit dem 1. November 1998 hat die Partnerschaft zwischen dem Europarat und der Europäischen Kommission im Jugendbereich in Form von aufeinander folgenden Vereinbarungen oder Übereinkommen zwischen beiden Institutionen stattgefunden, die sich in einer ersten Phase auf die Ausbildung von europäischen Jugendarbeitern und Jugendleitern konzentriert haben ( Ausbildungs-Übereinkommen ) wurde das Ausbildungs-Übereinkommen durch zwei weitere Übereinkommen, nämlich eines zur EuroMed-Kooperation und ein weiteres zu Jugendforschung ergänzt. Alle drei Übereinkommen liefen im Frühjahr 2005 aus. Ab diesem Zeitpunkt vereinbarten beide Partner, ihre Kooperation zu verstärken, die vorhandenen Partnerschaften durch eine einzige Rahmenvereinbarung zu ersetzen und eine Partnerschafts-Rahmenvereinbarung zu unterzeichnen, die zunächst den Zeitraum und dann eine zweite Periode von 2007 bis 2009 umfassen sollte. 10 Jahre später ist dieser Prozess dafür zuständig, einen ganzen Bereich der Jugendpolitik ohne jede regionale Beschränkung abzudecken; er umfasst eine große Palette von Aktivitäten zur Praxis und Ausbildung in der Jugendarbeit, Entwicklung von Jugendpolitik und Jugendforschung. Außerdem weist er ein spezielles regionales Schwergewicht in Südosteuropa, Osteuropa und im Kaukasus sowie im Euro-Mittelmeerraum auf. Generell und unabhängig vom Jugendbereich hatten die beiden Institutionen ihre Zusammenarbeit 1987 zunächst auf einen informellen Austausch von Noten zwischen dem Generalsekretär des Europarates und dem Präsidenten der Europäischen Kommission und einen ergänzenden Austausch von Schreiben im Jahre 1996 gestützt. Später, im Jahr 2001, wurde die Philosophie der Schreiben bestätigt und in Form der gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen dem Europarat und der Europäischen Kommission auf eine offizielle Grundlage gestellt. Ein weiterer Schritt wurde dann im Mai 2007 durch Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen dem Europarat und der Europäischen Union getan. Darin wird unterstrichen, dass die beiden Partner

3 ihre Zusammenarbeit im Jugendbereich durch Entwicklung und Beteiligung an Programmen und Kampagnen zur Befähigung junger Menschen zur aktiven Teilnahme am demokratischen Prozess und durch Erleichterung des Jugendaustauschs verstärken werden. Das Ziel der heutigen Partnerschaft besteht darin, einen Rahmen für die gemeinsame Entwicklung der Kooperation und eine durchgängige Strategie im Jugendbereich und insbesondere in folgenden Bereichen zu bieten o Europäische Staatsbürgerschaft & Menschenrechtserziehung, o interkultureller Dialog & Kooperation, o Qualität in der Jugendarbeit & Weiterbildung, o Anerkennung & Sichtbarkeit der Jugendarbeit, o besseres Verständnis & Wissen über junge Menschen, o Entwicklung von Jugendpolitik. Die Jugend-Partnerschaft hat eine Reihe von Projekten aufgelegt, die als Aushängeschild wirken und in ganz Europa Standards gesetzt haben. Sie ist ein wichtiges Instrument, das auf den Stärken der einzelnen Institutionen aufbaut und eine intensive und langfristige Kooperation im Jugendbereich darstellt. Man sollte speziell einige Projekte nennen: Im Bereich Weiterbildung den Fortgeschrittenenkurs für Ausbilder in Europa (Advanced training course for Trainers in Europe, ATTE) und seit die Weiterbildungskurse zur europäischen Staatsbürgerschaft für Jugendarbeiter und Jugendleiter; im Bereich Wissenserzeugung das Europäische Wissenszentrum für Jugendpolitik (European Knowledge Centre for Youth Policy), an dem sich heute 40 Länder beteiligen, und Fachseminare und Workshops zu jugendrelevanten Themen; im Bereich interkultureller Dialog und Menschenrechtserziehung die Zusammenarbeit mit der EuroMed-Region. Dies bedeutet nicht, dass andere Projekte weniger Bedeutung und geringere Wirkung haben. Man muss hervorheben, dass die Jugend-Partnerschaft in den letzten Jahren auch stark in die Durchführung der Jugendkampagne des Europarats zum Thema Alle anders - Alle gleich - für Vielfalt, Menschenrechte und Beteiligung einbezogen war. Eine spezielle Informations- und Publikationsstrategie verfolgt das Ziel, die Ergebnisse der Jugend-Partnerschaft sichtbarer zu machen. Es wurden seit T(raining)-Kits herausgebracht, die sich auf für die Praxis der Jugendarbeit relevante Themen konzentrieren; zwei weitere Ausgaben sind in Vorbereitung. Sie wurden außerdem in mehrere Sprachen übersetzt und werden in

4 Weiterbildungsmaßnahmen in ganz Europa und darüber hinaus eingesetzt. Die gemeinsame Zeitschrift COYOTE befasst sich mit Themen aus dem Bereich Jugend - Weiterbildung - Europa, und bis heute wurden 13 Ausgaben veröffentlicht. Die Ergebnisse der Fachseminare und Workshops werden in einer Serie von bisher sechs Forschungsbänden (drei in Vorbereitung) veröffentlicht. Die Newsletter der Jugend-Partnerschaft und das Web-Portal der Partnerschaft (http://www.youth-partnership.net) liefern relevante Informationen zu aktuellen Aktivitäten der Partnerschaft und ihren Ergebnissen. Man sollte auch die wichtigen Stakeholder erwähnen: das Europäische Jugendforum, die Nationalagenturen für das Programm Jugend in Aktion; die SALTO-Ressourcenzentren; die Fachdisziplinen der Ausbilder und Jugendforscher aus ganz Europa; sowie Politiker in öffentlichen Verwaltungen und Jugendministerien unserer Mitgliedstaaten; unsere Partner in der EuroMed- Region, z.b. die Arabische Liga und die Anna-Lind-Stiftung. Und natürlich die Jugendlichen in Europa und darüber hinaus. Ohne ihre Beteiligung hätten wir keine Daseinsberechtigung, um die Partnerschaft nach deren zehnjährigem Bestehen zu feiern. Alle diese Aktivitäten werden vom Sekretariat der Partnerschaft koordiniert, das auch für die Umsetzung, die Überwachung und die Sichtbarkeit der Aktionen zuständig ist und beim Jugenddirektorat des Europarats angesiedelt ist. Bei der Managementstruktur haben sich beide Partner geeinigt, 3 Haupt- Gremien zu bilden, die vom Sekretariat der Partnerschaft koordiniert und unterstützt werden und über die alle relevanten Stakeholder an der Planung, Umsetzung und Überwachung von Aktivitäten beteiligt sind: der Partnerschaftsmanagementvorstand, drei Partnerschaftsbereichsgruppen zu Europäischer Staatsbürgerschaft, Qualität und Anerkennung, EuroMed, Menschenrechten und Interkulturellem Dialog und Besserem Verständnis der Jugend und Jugendpolitik sowie dem Partnerschaftskonsultationstreffen. Der derzeitige Haushalt für den 3-Jahres-Zeitraum beläuft sich auf 3 Millionen, die von jedem Partner zu jeweils 50 % getragen werden. Beiträge zur Kampagne Alle anders - Alle gleich und ihren Folgemaßnahmen, die von der Europäischen Kommission und dem Europarat bereitgestellt werden, sind in dieser Summe nicht enthalten. Sowohl die europäische Kommission als auch der Europarat betrachten die Jugend-Partnerschaft als sehr nützliches Instrument, um auf den Stärken einer jeden Institution aufzubauen und die Kooperation zwischen den beiden Institutionen im Jugendbereich zu verstärken. Der künftige Umfang der Aktivitäten darf nicht auf die derzeitigen Prioritäten und die aktuelle Priorität der behandelten Regionalbereiche beschränkt bleiben. Im Jahre 2009 wird beispielsweise der Umfang der Aktivitäten in Kooperation mit dem Nord-Süd- Zentrum des Europarats durch eine Euro-Afrikanische Jugenddimension erweitert. Der Zeitraum zwischen 2010 und 2013 sollte für weitere Bedarfe und

5 Erwartungen des gesamten Sektors innerhalb Europas aber auch darüber hinaus offen sein. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Modell für die künftigen Schritte und künftige Perspektiven nutzen können. Die Partnerschaft ist ein so großer Erfolg, dass man auch die Entwicklung weiterer gemeinsamer Programme in anderen Politikbereichen wie beispielsweise Sport und Kinder ins Auge fassen könnte.

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