Kommunikation Klimaschutz und / oder Kommunikation Nachhaltigkeit. Dr. Rainer Grießhammer Freiburg, 23. Oktober 2009

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1 Kommunikation Klimaschutz und / oder Kommunikation Nachhaltigkeit Dr. Rainer Grießhammer Freiburg, 23. Oktober 2009

2 Anforderungen für die Kommunikation an Verbraucher (1) verständlich (alltagsgerecht aufnehmbar) (2) richtungssicher (3) handlungsrelevant (4) einordenbar/vergleichbar (5) wahr (unabhängig geprüft)

3 400 existierende Label und Dutzende CO2-Label und diverse CO2-Werte sind nicht alltagsgerecht. aufnehmbar

4 Perspektiven Fokus auf besonders relevante Produkte Unterschiedliche Verbraucher-Kommunikation je nach Produktgruppe Ableitung von übergreifenden Handlungs- Empfehlungen bei den einzelnen Produktgruppen Eigene Reduktionspotentiale beim Unternehmen realisieren

5 Eine Tankfüllung mit 40 Liter Benzin Entspricht dem Treibhausgaspotential von Packungen Walkers Snacks

6 Treibhausgas-Emissionen pro Kopf und Jahr (Deutschland) Durchschnittswerte (Werte für Lebensmittel überschlägig geschätzt) Bereiche Heizung Privatfahrzeuge Öffentlicher Verkehr Flugzeug Strom Lebensmittel Herstellung Produkte und Güterverkehr Öffentliche Infrastruktur Gesamt CO 2e 2,0 t 1,6 t 0,1 t 0,9 t 0,9 t 1,5 t 2,5 t 1,2 t 10,7 t

7 PCF-Werte ausweisen: für Häuser, Brennstoffe, Pkw, Strom Wenige Produkte (Brennstoffe für die Heizung, Benzin, Strom) haben einen sehr hohen PCF. Er ist einfach zu bestimmen. Der PCF von Pkw wird beim Kauf ausgewiesen (g CO 2 /km) wenn auch nicht vollständig (nur CO 2, keine Treibhausgase und Vorketten) Der PCF von Strom wird auf der Rechnung ausgewiesen (allerdings auch ohne Vorketten) 80% der Verbraucher können weder die ungefähre Stromhöhe noch die Stromkosten ihres Haushalts angeben. Ob sie den PCF von Strom kennen? Oder den von Lebensmitteln wissen wollen?

8 PCF-Werte ausweisen: für Häuser, Brennstoffe, Pkw, Strom Wenige Produkte (Brennstoffe für die Heizung, Benzin, Strom) haben einen sehr hohen PCF. Er ist einfach zu bestimmen. Der PCF von Pkw wird beim Kauf ausgewiesen (g CO 2 /km) wenn auch nicht vollständig (nur CO 2, keine Treibhausgase und Vorketten) Der PCF von Strom wird auf der Rechnung ausgewiesen (allerdings auch ohne Vorketten) 80% der Verbraucher können weder die ungefähre Stromhöhe noch die Stromkosten ihres Haushalts angeben. Ob sie den PCF von Strom kennen? Oder den von Lebensmitteln wissen wollen?

9 Energieeffizienz-Kennzeichung Größenordnung PCF der grossen Elektro-Geräte bei kg CO 2e Ökobilanz weitgehend bestimmt vom Energieverbrauch/GWP. Wenn überhaupt PCF statt Ökobilanz, dann bei den Elektrogeräten aber nicht bei Lebensmitteln Ist der PCF eines Kühl-Gefrier-Kombination mit kg CO 2e gut oder schlecht? Hier gibt es als Vergleichsmaßstab die Energieeffizienz-Kennzeichnung (A++, A+, A,...) Zusätzlich könnte man den PCF ausweisen. Wichtiger wäre aber die Angabe des Stromverbrauchs in verschiedenen Programmen (z.b. den Stromverbrauch der Waschmaschine bei 20 o C, 40 o C, halber Beladung). Welchen Vergleichsmaßstab gibt es (wann) für die Tausende unterschiedlicher Lebensmittel-Gruppen?

10 Umweltzeichen ist richtungssicher Bei Gebäuden, Pkw, Elektrogeräten ist nicht nur der Energieverbrauch oder PCF umweltrelevant. Weitere relevante Umweltaspekte sind Schadstoffe (z.b. bei Baustoffen/Innenraum- Belastung, Luftschadstoffe und Lärm (z.b. bei Pkw), Wasserverbrauch und Wasserbelastung (z.b. Waschmaschinen, Waschmittel), Strahlung (z.b. Schnurloses Telefon), Ressourcenschonung (z.b. Recycling-Papier) Strategie: Umweltzeichen für die aus Klimasicht 100 wichtigsten Produkte - auf Basis von Ökobilanzen Ableitung der relevanten Kriterien für die Vergabe des Umweltzeichens (vgl. Vortrag Hartmann)

11 Biosiegel für Lebensmittel Die wesentlichen Gütesiegel für Lebensmittel sind bislang das Biosiegel und das Transfair-Siegel (soziale Aspekte) Das Biosiegel enthält vor allem Anforderungen an den Anbau (Einsatzstoffe, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit etc.), aber keine Anforderungen an den Energieverbrauch bzw. GWP Die Diskussion um den PCF von Lebensmitteln weitet sich auch auf Bio-Lebensmittel aus: - Sind Bio-Lebensmittel aus Übersee in Ordnung? Auch bei Flugtransport? - Sind konventionelle Produkte mit einem kleineren PCF besser als Bio-Lebensmittel mit einem höheren PCF? Das Bio-Siegel könnte perspektivisch um Anforderungen an den Energieverbrauch/PCF ergänzt werden wäre aber sehr aufwendig (siehe nachstehende Erörterung)

12 Hoher Datenaufwand für die regelmäßige Ausweisung des PCF des Lebensmittel-Sortiments sehr viele und unterschiedliche große Agrarbetriebe, häufige Wechsel der Zulieferer, starke Unterschiede in der Art des Anbaus, jährlich und saisonal schwankende Erträge, viele unterschiedliche Verarbeitungs-Techniken und Betriebe, eine Bandbreite von relativ einfachen Produkten wie Äpfel oder Bananen bis hin zu komplexeren Convenience-Produkten, sehr unterschiedliche Transportwege von regional bis global, vom Traktor bis zum Flugzeug, hoher und zeitabhängiger Einfluss von Lagerhaltung und Kühlung, eine Vielzahl unterschiedlicher Packungsgrößen/Verpackungen, unterschiedliche Zubereitungs-Arten, große Unterschiede bei

13 Schon schwierig bei einfachen Produkten Energieaufwand zur Produktion und Lagerung von Äpfeln schwankt von Betrieb zu Betrieb (etwa Faktor 2-3 pro kg Äpfel) Transport-Entfernung sehr unterschiedlich Verkauf von Bodensee-Obst in Konstanz oder in Kassel, Übersee-Obst Neuseeland oder Chile Lagerung der hiesigen Äpfel mit Kühlung, bis ins späte Frühjahr hinein gelagert. Der PCF steigt damit von Monat zu Monat. Häufige Wechsel im Handel. Unterschiedliche Apfelsorten. Keine Vergleichssysteme (A, B, C-Äpfel )

14 Aber es gibt ja nicht nur Äpfel, sondern Tausende unterschiedlicher Lebensmittel-Gruppen Und: keine Rankingsysteme für Tausende unterschiedlicher Produktgruppen: Dutzende unterschiedlicher Pizza-Arten ( Vierjahreszeiten, Sizilianisch etc.) und unterschiedlicher Größe, für verschiedene Mehlsorten mit unterschiedlichem Mahlgrad, für unterschiedlichen Konfitüren, Dutzende Weinsorten, Hunderte von Süßigkeiten, usw. in absehbarer Zeit wird es kein System geben, bei dem Tausende unterschiedlicher Lebensmittel in den Handelsgeschäften regelmäßig und wettbewerbsrechtlich zuverlässig mit ihrem jeweiligen und aktuellen CO 2e -Wert gekennzeichnet oder gelabelt werden und bei dem es Rankingsysteme zum Vergleich gibt Für die wichtigsten Lebensmittel-Gruppen sollten aber Ökobilanzen (Durchschnittswerte und Bandbreiten) durchgeführt werden und die typischen Richtungsfragen beantwortet werden

15 Typische Richtungsfragen Ist die Ökobilanz und Klimarelevanz von Regional- Äpfeln oder Äpfel aus Übersee besser? Sind Bio- Äpfel aus Übersee besser als konventionelle Regional-Äpfel? Gibt es Regional-Bio-Äpfel, die nicht gekühlt werden?. Stimmt es, dass bei der Herstellung und Sterilisierung von Apfelsaft in kleinen Kelteranlagen viel mehr Energie verbraucht wird als in großen Anlagen? Ist es aus Umwelt-, Gesundheits- und Klimasicht sinnvoll, weniger Fleisch zu essen? Soll man beim Fleischverzehr aus Klimasicht eher auf Hühnerfleisch setzen? Ist Bio-Fleisch auch aus Klimasicht besser

16 Typische Richtungsfragen Ist industriell gefertigte Tiefkühlkost aus Klimasicht schlechter als im Privathaushalt frisch zubereitete Lebensmittel? Oder gibt es hier deutliche Unterschiede je nach Lebensmittel und Kühlzeit im Privathaushalt? Wie fällt aus Umwelt- und Klimasicht der Vergleich unterschiedlicher Ernährungsstile aus? Stimmt es, dass ein höherer Anteil von Milchprodukten einen niedrigeren Anteil von Fleisch-Produkten aus Klimasicht kompensiert?

17 Perspektiven der verbraucherbezogenen Kommunikation Fokussierung auf wichtige Produktgruppen Ökobilanzen und Product Category Rules Richtungsaussagen statt CO 2 -Werte Nutzung vieler angepasster Kommunikations- Formen (nicht nur Label) Kommunikation der Klimaschutzstrategie und Maßnahmen der einzelnen Unternehmen Stärkung und Weiterentwicklung der Lead- Label (Blauer Engel, Biosiegel, )

18 Richtungssicherheit Analyse und Kommunikation Klimaschutz und/oder Analyse und Kommunikation Nachhaltigkeit

19 Würden Sie ein klimaschonendes Produkt verkaufen, das Allergien auslöst?

20 Würden Sie ein Produkt verkaufen, das klimaschonend in Kinderarbeit hergestellt wird?

21 Würden Sie einen Snack kaufen, der gleich gut schmeckt wie Walkers Snack, wenn der 10 Gramm weniger CO 2e verursacht, aber 10 Cent teurer ist?

22 Unterschiedliche Vermeidungskosten 10 Cent für 10 g = pro Tonne CO 2e Wärmedämmung ca /t Elektro-Bestgeräte: kostenneutral Energiesparlampen: grosse Ersparnis Steckerleisten: grosse Ersparnis

23 PROSA Product Sustainability Assessment

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