Predigt zur Osternacht 2014 in St. Ottilien Erzabt Wolfgang Öxler OSB. Auferstehung - Glaube an ein Leben danach

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1 Predigt zur Osternacht 2014 in St. Ottilien Erzabt Wolfgang Öxler OSB Auferstehung - Glaube an ein Leben danach Christus ist auferstanden. Mit diesem Ruf (Christós Anésti) begrüßt man sich in der orthodoxen Kirche in Griechenland nach der Auferstehungsfeier. Außerdem werden dabei die rotgefärbten Eier(symbolisieren das Blut von Jesus) gegeneinander geschlagen. Das Ei wurde von den Christen als Sinnbild für die Auferstehung Jesu besonders geschätzt: Wie das Küken die Schale durchbricht, so kommt Jesus lebend aus dem Felsengrab. Die Farbe Rot erinnert an das blutige Sterben Jesu und zugleich an seine Liebe, die stärker ist als der Tod. Im Christentum wurde das Osterei zum Auferstehungssymbol. Die Auferstehung Christi aus dem Grab kann verglichen werden mit einem Küken, das aus der Schale schlüpft. Schon der hl. Augustinus deutete das Ei als Symbol der Hoffnung. Das Ei sieht er als Sinnbild für Christi Geburt und Auferstehung. Der hl. Ephräm, der Syrer, verstand das Zerbrechen der Eierschalen beim Schlüpfen des Kükens als Bild für das Zerbrechen der Gräber bei der Auferstehung der Toten. Es ist ein Zeichen der Auferstehung. Glauben Sie an die Auferstehung an ein Leben danach oder haben sie ähnliche Zweifel, wie das in der folgenden Geschichte erzählt wird: Leben danach Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter. "Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragt der eine Zwilling.

2 "Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird." antwortet der andere Zwilling. "Ich glaube, das ist Blödsinn!" sagt der erste. "Es kann kein Leben nach der Geburt geben wie sollte das denn bitteschön aussehen?" "So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?" "So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz." "Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders." "Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum." "Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen." "Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?" "Na hier überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!" "Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht." "Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt..." Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie schrien. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume. Geschichte nach Henry Nouwen Auferstehung als zweite Geburt Wenn wir an Gott glauben, dann haben wir eine Zukunft, ja mehr als eine Zukunft: Ewigkeit. Nichts ist doch lähmender und krankmachender als Hoffnungslosigkeit: No future:

3 Der Tod ist für den Gläubigen wie eine zweite Geburt. Wenn ein Kind geboren wird muss es seinen gewohnten dunklen Lebensraum verlassen. Durch Schmerz und Schrei hindurch wird es von seiner bisherigen Existenz getrennt, um in eine neue Welt hineingeboren zu werden. Ebenso wird es sein, wenn Gottes Ewigkeit einbricht in unsere Zeit, wenn wir aus dem irdischen Leben in das ewige Leben emporgehoben werden. Auferstehung Wir dürfen uns freuen, dass am Ende unseres Leben nicht der Tod steht, sondern das Leben, das Gott uns verheißen hat. Und diese Gewissheit soll uns schon jetzt leben lassen, aufleben lassen in Freude. Wir wünschen uns allen einen Osterglauben, der die Schalen der Skepsis sprengt, Verkrustungen aufbrechen lässt und sich den Wohltaten des Auferstandenen öffnet. Wir wollen immer vorher wissen, was hernach kommt; wir wollen auferstehen, aber nicht sterben. Dass mich der Tod nicht tötet, werde ich erst erleben, wenn ich selbst gestorben bin. Damals ist den Frauen das Grab eröffnet worden. Das Osterlicht erleuchtet das Entsetzen der Frauen so dass sie den geliebten Meister nicht mehr bei den Toten suchen müssen. Im Osterlicht keimt neue Hoffnung, in der wir den Tod nicht schauen - in Ewigkeit. Nietsche sagte einmal: Wenn die Christen erlöst sind, dann müssten sie ein wenig erlöster dreinschauen. Kann man an unserem Gesicht sehen was uns trägt und hält? Osterglauben Aufleuchten der Gesichter die dem Auferstanden begegnet sind Eine Geschichte verdeutlicht dies:

4 Da gehen zwei junge Männer miteinander spazieren und vor ihnen geht eine junge Frau. Sagt der eine zum anderen ist das eine hübsche Frau. Das weißt du ja gar nicht entgegnete der andere, wenn diese sich umdreht hat sie vielleicht ein hässliches Gesicht. Nein sie ist hübsch, sagte der erste. Woher willst du das wissen? Ich sehe es an den Männern, die uns entgegenkommen, am Aufleuchten ihrer Gesichter. So ist es mit dem Osterglauben. Er zeigt sich am Aufleuchten der Gesichter jener Menschen, die Jesus dem Auferstanden begegnet sind. Sie haben ihn in ihrem Leben gesehen. Ich wünsche ihnen, das Ihr Gesicht in der Osterfreude aufleuchtet. Das die Schalen der Skepsis gebrochen und Verkrustungen aufgebrochen werden. Ich möchte die Osterfreude mit einer netten Geschichte abschließen - Es gibt ja den risus paschalis, das Osterlachen - es symbolisiert die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Es ist sozusagen auch eine Geschichte vom Leben danach: Ein Ehepaar entschließt sich in einem Hotel in der Karibik Urlaub zu machen, in welchem sie vor 20 Jahren ihre Flitterwochen verbrachten. Der Mann fliegt zunächst ohne seine Frau, diese kann berufsbedingt erst einige Tage später nachkommen. Gerade angekommen findet er ein Internetcafe und beschließt seiner Frau eine zu senden. Er vertippt sich jedoch bei der Adresse, so dass die Nachricht eine Witwe erreicht, die gerade von der Beerdigung ihres Mannes nach hause kommt, um die Kondolenznachrichten abzurufen. Kurze Zeit später kommt der Sohn nach Hause und findet die Witwe ohnmächtig vor dem Computer. Er liest die folgende Nachricht: Meine liebe Frau. Ich bin gerade angekommen und es geht mir gut. Du bist sicher überrascht auf diesem Wege von mir zu hören, aber mittlerweile haben sie auch

5 hier Internet, damit man mit seinen Nächsten in Kontakt bleiben kann. Gleich als ich hier angekommen bin habe ich mich vergewissert, dass alles in Ordnung ist, wenn Du am nächsten Freitag kommst Ich habe Sehnsucht nach Dir, freue mich dich bald zu sehen und hoffe, dass Deine Reise so unbeschwert ist wie meine. P.S. Du brauchst nicht so viele Klamotten mitzubringen, hier ist es höllisch heiß!

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