Innovative Schweiz Impulse für eine vernetzte Zukunft

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1 Innovative Schweiz Impulse für eine vernetzte Zukunft

2 Liebe Leserinnen und Leser Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) leistet mit gut fünf Prozent des Bruttoinlandproduktes einen bedeutenden Beitrag zu Produktivität, Wachstum und Beschäftigung in der Schweiz. Darüber hinaus ermöglicht die ICT Innovation und Wachstum in allen Branchen. Doch bisher wurde das immense Potenzial der ICT in der Schweiz noch zu wenig genutzt. In einigen Bereichen, wie dem E-Government, besteht sogar eindeutig Nachholbedarf. Als Präsident des Dachverbandes ICTswitzerland und Mitglied des Kernteams «epower für die Schweiz» unterstütze ich daher alle Bestrebungen, die den Wissenstransfer und Dialog unter den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bezüglich ICT fördern und damit den Wirtschaftsstandort Schweiz stärken. Neben dem Engagement von Branchenverbänden und staatlichen Organisationen spielen ICT-Unternehmen bei der Förderung von Innovationen und der Steigerung der Produktivität eine entscheidende Rolle. Das vorliegende Cisco Papier «Innovative Schweiz» vermittelt Impulse, die für zentrale Politikbereiche wie Volkswirtschaft, Bildung, Gesundheit, Energie und Umwelt relevant sind. Auch als Politiker und Parlamentarier begrüsse ich solche Initiativen, in denen Technologieunternehmen eigene Handlungsvorschläge und Lösungen für die Schweiz präsentieren, die auf Analyse und Best-Practice-Beispielen beruhen. Das Erstaunliche daran: Was vor kurzem noch Utopie schien, ist heute bereits Realität. Bitte überzeugen Sie sich selbst bei der Lektüre! Freundliche Grüsse Ruedi Noser Nationalrat Titelseite Pausengespräch: Die beiden Cisco Cafeterias in Wallisellen und Rolle sind dank Cisco TelePresence miteinander verbunden. 2

3 Inhalt Vorwort Zusammenfassung Neue Herausforderungen Vier Leitziele Leitziel 1: Steigerung der Leistungsfähigkeit in Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen Die Nutzung von Collaboration zur Gestaltung neuer Arbeitsund Lebensformen Flexibilisierung und Kostenreduktion mit neuen ICT-Diensten Die Aufholjagd der Schweiz im E-Government Leitziel 2: Erhalt und Ausbau der Innovationsfähigkeit der Schweiz Wirtschaftliche und soziale Innovation fördern Leitziel 3: Förderung von Bildung und gesellschaftlichem Zusammenhalt Weiterentwicklung des Bildungssystems mit kollaborativen Unterrichtsformen Ausbau der beruflichen IT-Ausbildung durch die Cisco Networking Academies Smart-Grid-Netzwerke ziehen Ausbildungsbedarf nach sich Smarte Netze für lebenslanges Lernen Connected Health vernetztes Gesundheitswesen für mehr Sicherheit und Effizienz Leitziel 4: Schutz und Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen Beitrag zu Klimaschutz und CO 2 -Reduktion Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 3

4 ICT als Schlüsselelement für Innovation Die Weltwirtschaft hat 2008 und 2009 einen gewaltigen Einbruch erlitten. Dieser hat die wirtschaftspolitische Machtverschiebung von den westlichen Industrienationen hin zu anderen aufstrebenden Volkswirtschaften beschleunigt. Neue, grosse Märkte entstehen mit einem erstarkten Mittelstand. Die globalen Produktions- und Wertschöpfungs ketten werden neu strukturiert und passen sich dynamisch an. Diese Neuordnung hat tief greifende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unsere Wirtschaft und unsere Arbeitswelt. Die moderne Informations- und Kommunikations technologie (ICT) ist ein Schlüsselelement dieser Entwicklung. Intelligente Netzwerke sind zum zentralen Faktor in Wirtschaft, öffentlichem Sektor und privatem Alltag geworden. Sie verändern die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten, lernen und spielen. Die Schweiz ist heute eine der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Nationen der Welt und verfügt in vielen Bereichen über eine ausgezeichnete Infrastruktur. Neben der politischen Stabilität, dem liberalen Arbeitsmarkt, einem hervorragenden Bildungssystem und der gesellschaftlichen Offenheit ist die Infrastruktur ein wichtiger Trumpf im globalen Wettbewerb. Damit diese Spitzenposition gehalten und ausgebaut werden kann, sind innovative Ideen und Lösungsansätze notwendig. Nur so bleibt die Schweiz ein attraktiver Standort für internationale Unternehmen und Organisationen. Zur Infrastruktur gehört das exzellente Telekommunikationsnetz, das grösstenteils auf der Internetprotokoll-(IP-)Technologie basiert. Damit werden Sprache, Daten und Videobilder im digitalen Format übermittelt. Die Digitalisierung von Radio und Fernsehen und der Transport digitaler Informationen über IPbasierte Netze zeugen vom grossen Potenzial dieser universellen Informationsübertragungs-technologie. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen der Durchdringung einer Volkswirtschaft mit Breitbandinternet und deren Produktivitätszuwachs. Bisher belegte die Schweiz stets einen Spitzenplatz bei der Breitbandversorgung. In Zukunft wird dies allein nicht mehr ausreichen, denn mittlerweile haben viele Länder die 4

5 Vorwort Bedeutung dieser Technologie erkannt und investieren kräftig in die entsprechende Breitbandabdeckung. Die nächste Stufe von Innovationsförderung und Produktivitätsfortschritt wird durch die intelligentere und effizientere Nutzung dieser IP-basierten Netzinfrastruktur erreicht. Dies trifft speziell für die Schweiz mit ihrem stark wissens- und dienstleistungsorientierten Wertschöpfungsprozess zu. Viele Inno vationen werden nicht mehr durch Grundlagenforschung und Produktentwicklung getrieben, sondern durch die fortschritt liche Anwendung von ICT in den Bereichen Prozess- und Businessmodell inno vation. Branchen wie Transport und Logis tik, Handel oder Medien demonstrieren das schon heute sehr deutlich. Aber auch in anderen wichtigen Sektoren wie Pharma, Finanz und öffentlicher Hand wird die zukünftige Wert schöpfung und Wettbewerbssteigerung zunehmend durch innovative ICT- Anwendungen erzielt werden. Mit «Innovative Schweiz» präsentiert Cisco Schweiz ihren Beitrag zu Wachstum, Innovation und erhöhter Produktivität in einer vernetzten Schweiz. Neben neuen Formen der Zusammenarbeit, des Lernens und der Partizipation bringt Cisco konkrete Lösungsansätze zur Bewältigung grosser Heraus forde rungen unserer Zeit ein: Themen wie Klimaschutz, Energiemanagement, Gesundheitswesen, Bildung und Sicherheit können mit dem Einsatz von ICT besser bewältigt werden. Mit den folgenden Beispielen, Ideen und Handlungs vorschlägen möchte Cisco Innovations- und Wachstums impulse vermitteln und Gesellschaft, Wirtschaft und Staat inspirieren und motivieren, die Innovationskraft der Schweiz weiter zu stärken, das strategische Potenzial der neuen Technologien zu nutzen, dem Land im verschärften Standortwettbewerb Vorteile zu verschaffen und so mitzuhelfen, den Wohlstand zu sichern. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre. Eric Waltert, General Manager Cisco Schweiz Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 5

6 Zusammenfassung Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) ist zu einem zentralen Faktor in Wirtschaft, öffentlichem Sektor und privatem Alltag geworden. Für die Schweiz mit ihrem stark wissens- und dienstleistungsorientierten Wertschöpfungsprozess trifft dies ganz besonders zu. Weil in Zukunft Wertschöpfung zunehmend dank innovativer ICT-Anwendungen erzielt wird, muss die Schweiz ihre Vorreiterrolle in diesem Bereich behaupten. Von herausragender Bedeutung sind intelligente Netzwerke als Verkehrsadern des digitalen Zeitalters. Mit «Innovative Schweiz» präsentiert Cisco Schweiz ihren Beitrag zur Innovation und Produktivitätserhöhung der Schweiz. Entlang von vier Leitzielen unterbreitet Cisco Schweiz konkrete Lösungsansätze zur Bewältigung grosser Herausforderungen unserer Zeit und gibt damit Impulse für eine vernetzte Zukunft. Die einzelnen Kapitel sind immer gleich aufgebaut: Nach der Schilderung der Ausgangslage werden Best-Practice-Beispiele aufgeführt und konkrete Handlungsvorschläge präsentiert. Leitziel 1: Steigerung der Leistungsfähigkeit in Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen. Technologien zur Verbesserung der Zusammenarbeit (Collaboration-Technologien) wie portable Computer, Mobiltelefone, internetbasierte Telefonie, Videoconferencing und das Internet haben den Berufsalltag vieler Menschen radikal verändert und ermöglichen völlig neue Formen der Zusammenarbeit. Cloud Compu ting bietet einen grossen Mehrwert für KMU und Internetdienst anbieter. Aufholbedarf hat die Schweiz im Bereich E-Government. Hier könnten Webplattformen wie Bürgerportale, die Nutzung von Cloud Computing und die Schaffung neuer Arbeits welten einen grossen Schritt vorwärts bedeuten für die Verwaltung wie für die Bürger. Leitziel 2: Erhalt und Ausbau der Innovationsfähigkeit der Schweiz. Innovation findet zunehmend in Teams und immer weniger als Einzelleistung statt. Einer der Trends ist deshalb Open Innovation, die Öffnung des Innovationsprozesses und damit die strategische Nutzung der Aussenwelt, ermöglicht 6

7 Zusammenfassung dank Collaboration-Technologien. Dies ist eine Option für die staatliche Innovationsförderung wie für private Unternehmen. Leitziel 3: Förderung von Bildung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Mit dem neuen Connected Classroom werden Schüler und Studenten untereinander und gleichzeitig mit Experten in Lehre, Forschung und Wirtschaft vernetzt. Im Vordergrund steht dabei nicht der individuelle Wissenszuwachs der Lernenden, sondern die Wissensvermehrung im Team, und zwar über zeitliche und räumliche Schranken hinweg. Vernetzte Lernplattformen sind nicht nur für die Aus-, sondern auch für die Weiterbildung essenziell. Die sich stetig und immer schneller verändernde Wirtschaft lässt ein lebenslanges vernetztes Lernen für alle Mitglieder der Gesellschaft zur ökonomischen und sozialen Notwendigkeit werden. Auch im Gesundheits wesen besteht ein grosses Potenzial für ICT-Anwendungen. Für Prävention, Diagnose, Behandlung oder Rehabilitation mit Connected Health werden die Akteure organisationsüber greifend miteinander verbunden. Gesundheits- und Patienteninformationen sind immer elektronisch verfügbar und können ausgetauscht werden. Durch den Einsatz moderner Telemedizintechnologie wie HealthPresence wird ein persönliches Gespräch möglich, auch wenn Arzt und Patient weit voneinander entfernt sind. Leitziel 4: Schutz und Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen. Der intelligente Einsatz von ICT-Systemen bis 2020 bietet CO 2 -Reduktionspotenziale von ca. 15 Prozent und da mit das Fünffache der von ICT verursachten Emissionen. Lö sun gen im Bereich Datacenter, Videoconferencing, Umwelt ma nagementsysteme sowie Smart Grids können einen wesent lichen Beitrag zur Er reichung der Schweizer CO 2 -Reduktionsziele leisten. Sämtliche Handlungsvorschläge setzen eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur vom Internet hin zum Endkunden und umgekehrt voraus. Deshalb sollte der Ausbau der Fiber-Breitbandinfrastruktur Priorität haben. Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 7

8 Neue Herausforderungen Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise und vor dem Hintergrund eines beschleunigten technologischen, gesellschaftlichen und demografischen Wandels stehen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in der Schweiz vor neuen Heraus forderungen. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass ein Anknüpfen an wirtschafts-, finanz- und gesellschaftspolitische Konzepte, die vor der Krise erfolgreich waren, nicht mehr funktioniert. Insbe sondere die globalen Handelsungleichgewichte erfordern ein Um steuern. Für die Schweiz ist es zentral, die hervorragende Exportleistung der Schweizer Wirtschaft weiter auszubauen, die ausgezeichnete Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie gleichzeitig die aussenpolitische Position der Schweiz in Europa und in der Welt zu stärken. In den letzten Jahren erfolgte massgeblich unterstützt durch vernetzte Informationsund Kommunikationstechnologie ein erheblicher Wandel im ökonomischen, politischgesellschaftlichen und technologischen Rahmen. Intelligente Netzwerke sind die Verkehrsadern des digitalen Zeitalters und daher von herausragender Bedeutung. Technologie-Wandel verändert die Wirtschaft und beschleunigt die Innovation Das Internet ist sowohl Katalysator als auch Treibstoff für eine globalisierte Wirtschaft geworden. Die globalen Wertschöpfungsketten beruhen darauf, dass rund um die Uhr vernetzte Informations-, Kommunikations- und Zusammenarbeitsinfrastrukturen zur Verfügung stehen. Diese Wertschöpfungsketten werden jetzt zu Wertschöpfungs netzwerken ausgebaut. Damit verbunden beschleunigen sich die Prozessdurch lauf zeiten sowie der Innovationsrhythmus, und der Konkurrenzdruck erhöht sich, da die meisten Produktionsfaktoren global verfügbar werden. Auf Web 2.0 basierende soziale Netzwerke sind in Firmen auf dem Vormarsch. Noch vor wenigen Jahren wurde dieses Potenzial hauptsächlich durch private Nutzer erschlossen. Nun haben Firmen erkannt, dass ihnen Werkzeuge auf der Basis von Web 2.0 und darauf beruhende Collaboration-Anwendungen Vorteile bringen. Nach den 2008 veröffentlichten Zahlen einer McKinsey-Studie 1 steigt der Anteil der Nutzer von Blogs, Wikis, RSS-Applikationen und sozialen Netzwerken weiter an. Für fast ein Drittel der Unternehmen sind sie inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Mit der steigenden Nutzung entwickelt sich häufig ein verändertes Managementmodell, das auf neuen Zusammenarbeitsformen beruht. Web 2.0 und Collaboration-Werkzeuge bewirken eine grundlegende Veränderung der Innovationsstrategien in den Unternehmen. Viele beziehen inzwischen ihre Kunden, Mitarbeiter und Partner in einen offenen Innovationsprozess mit ein. Bildung, Demografie, neue Medien als gesellschaftliche Herausforderungen Wissen und Talente sind heute dank des Internets global verfügbar. Etablierte wissens- und dienstleistungsbasierte Volkswirtschaften wie die Schweiz stehen vor der Herausforderung, das Bildungsangebot sowie die Bildungsqualität den sich rasch wandelnden Bedürfnissen anzupassen. 1 Ian Davis: The new normal, March 2009, McKinsey Quarterly, 8

9 Neue Herausforderungen Der demografische Wandel verändert die Schweiz: Die Menschen werden gesünder älter, und der Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen, Betreuung, Bildung und Unterhaltung nimmt zu. Strukturschwächere ländliche Regionen stehen wegen des demografischen Wandels vor grösseren Herausforderungen hier hat das Internet positive Auswirkungen auf das Informations- und Bildungsangebot sowie auf die Gesundheitsversorgung. Das Internet ist heute ein Massenmedium. In der Schweiz sind mittlerweile über 80 Prozent der Bevölkerung online. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 95 Prozent. Die intensive Internetnutzung dieser Zielgruppe wird besonders durch soziale Netzwerke getrieben. Den grössten Zuwachs an Internetnutzern weist jedoch die Gruppe der über 55-jährigen Menschen auf. Die Anforderungen an Information und Transparenz sind gewachsen. Der Informa tionsvielfalt durch multimediale Möglichkeiten steht heute die wachsende Kom ple xi tät der Probleme gegenüber. Deshalb verlangen Bürger zunehmend nach Trans parenz des Regierungs- und Verwaltungshandelns als Grundlage ihres potenziellen Engagements. Technologie-Wandel erfordert Investitionen in Infrastruktur und Know-how Das Internet wird zunehmend überall verfügbar. Das mobile Internet erzielt seinen Durchbruch mit der Möglichkeit, immer und überall online zu sein. Getrieben durch neue Anwendungen und Dienste steigt das Datenvolumen kontinuierlich an. So soll es bis zum Jahr 2013 um 500 Prozent wachsen, was im Wesentlichen auf videobasierte Dienste zurückzuführen ist. Das Datenvolumen auf dem Swisscom-Mobilnetz verdoppelt sich beispielsweise alle sieben Monate. Die Infrastrukturkosten kommen unter Druck, da die Telekomdienstleister stark gefordert sind bei der Preisfestlegung für die neuen Leistungsangebote. Dank hochleistungsfähiger Breitbandinfrastrukturen entstehen neue kommunikationsund internetbasierte Zusammenarbeitsplattformen, die den sicheren und zuverlässigen Austausch von Informationen ermöglichen. Die Daten und die Anwendungen werden immer häufiger aus dem Netz bereitgestellt. Dieser Trend des Cloud Computings 2 wird die Industrialisierung von ICT vorantreiben. Damit wird das intelligente Netz erweitert um die Leistungsaspekte der Datenspeicherung und der Rechenleistung, die flexibel und je nach Bedarf bereitgestellt werden können. Diese Infrastruktur und die neuen cloudbasierten Anwendungen verändern die Arbeits welt, machen den Arbeitplatz mobiler und schaffen Chancen, nachhaltiger und damit ökonomischer und ökologischer zu wirtschaften. Die Virtualisierung der Datenbestände macht es in Zukunft einfacher, eine Kombination von Daten (Mashup) zu bilden, die bislang auf verschiedenen Servern in unterschiedlichen Formaten vorliegen. Damit steigt die Bedeutung von intelligenten Netzwerken als Grundlage der Vernetzung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. 2 Cloud Computing: Da das Internet oft als Wolke (engl. Cloud) dargestellt wird, bezeichnet man internetbasiertes Computing als Cloud Computing. Dabei werden Infrastruktur (Rechner, Speicher, Netze) und Software (Betriebssysteme, Anwendungen) bedarfsgerecht von verschiedenen Anwendern ge meinsam genutzt. Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 9

10 Vier Leitziele Unter Beachtung der dargelegten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen sowie der daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen lassen sich im Nachgang zur Finanz- und Wirtschaftskrise für die Wachstums- und Erneuerungsprogramme der Schweiz vier Leitziele formulieren: Steigerung der Leistungsfähigkeit in Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen Erhalt und Ausbau der Innovationsfähigkeit der Schweiz Förderung von Bildung und gesellschaftlichem Zusammenhalt Schutz und Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen Im Folgenden werden diese vier Leitziele in ausgewählten Themenblöcken kon kretisiert. Nach der Schilderung der Ausgangslage und der Nennung von illustrativen Beispielen unterbreitet Cisco als Beitrag zu den Wachstums- und Erneuerungsprogrammen der Schweiz konkrete Handlungsvorschläge. 10

11 Leitziel 1 Leitziel 1: Steigerung der Leistungsfähigkeit in Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen Die Nutzung von Collaboration zur Gestaltung neuer Arbeits- und Lebensformen Ausgangslage Die globalen Megatrends wie «Future of Work» und «Future of Connected Life» basieren hauptsächlich auf innovativen Technologien aus dem Bereich der Informations- und Kommuni kationstechnologie, welche neue, flexiblere Formen der Arbeit und Zusammenarbeit ermöglichen. Diese sogenannten Collaboration-Technologien entwickeln sich in rasantem Tempo weiter und breiten sich weltweit aus. Portable Computer, Mobiltelefone, das Internet und neue Werkzeuge für die Zusammenarbeit wie Web- und Videoconferencing haben den Berufsalltag von Millionen Menschen weltweit radikal verändert. Diese auf Collaboration-Technologien beruhenden neuen Arbeitsinstrumente sind dank der Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie und der fortschreitenden Miniaturisierung praktisch uneingeschränkt mobil und dort einsetzbar, wo man sich gerade aufhält. Der Wandel zu einer globalen Dienstleistungs- und Wissens gesellschaft hat die Art und Weise, wie wir arbeiten, revolutioniert. Eine deutlich höhere Mobilität und flexible Formen intensiver Zusammenarbeit prägen den modernen Alltag. Die Menschen sind ortsunabhängig miteinander verbunden und tauschen sich online aus. Aufgaben werden meist nicht mehr von Einzelnen gelöst. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit setzen derzeit weltweit Unternehmen wie staatliche Organisationen vermehrt auf diese neuen Formate von Zusammenarbeit (Collaboration) und auf entsprechende Organisations- und Gestaltungsprinzipien, welche ortsunabhängiges, grenzübergreifendes Teamwork von Teammitgliedern an verschiedenen Orten ermöglichen, ohne zu reisen. Das Interesse an Collaboration ist durch die Finanzund Wirtschaftskrise der letzten Jahre akzentuiert worden. Maximale Prozess- und Kosteneffizienz sind ein zentrales ökonomisches Gebot in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ganz besonders. Dank neuer virtueller Zusammenarbeitsformen müssen Menschen nicht mehr physisch zu den Informationen reisen. Informationen werden überall und jederzeit dorthin gebracht, wo sie gebraucht werden. Das spart Zeit und Wege und damit auch Geld. Überdies werden CO 2 -Emissionen reduziert. Diese Effekte werden durch den Einsatz intelligenter, schnellerer, sichererer Netze und moderner Collaboration- Technologien wie Webconferencing, Video Collaboration, Tele Presence und Social Media Networks wie Facebook, Xing und Twitter erzielt. Unternehmen haben bewiesen, dass sie flexibler und agiler auf neue Herausforderungen reagieren können, wenn sie die or gani sationsübergreifende Zusammenarbeit fördern und dafür modernste Collaboration-Technologien einsetzen. Der Nutzen ist messbar, indem die Produktivität steigt, bestehende Ge schäftsprozesse effizienter gestaltet werden oder ein Unter nehmen durch Business Transformation in den Bereichen Kultur, Prozesse und Technologie neu auf den Markt und die Kunden ausgerichtet wird. Für die verstärkt auf den Arbeitsmarkt drängende Internetgeneration (Digital Natives) ist die volle Nutzung der Colla boration- Technologien in der Arbeitswelt eine Selbstver ständ lichkeit. Ferner zeichnet sich aufgrund des demografischen Wandels nicht Arbeitslosigkeit, sondern Arbeitsfülle ab. Schon bald werden sich die gut qualifizierten Jungen den Arbeit geber aussuchen können. Work-Life-Balance-Kriterien können dabei eine entscheidende Rolle spielen. Flexible Arbeits konzepte, Arbeiten von zu Hause und am Wohnort werden sehr gefragt sein. Best Practices 1. Schweizerische Post: Das Pilotbeispiel bei der Schweizerischen Post und Post Logistics aus dem Jahr 2009 hatte das Ziel, einerseits die unterschiedlichsten und möglichen Collabo ration-technologien für den Verkauf (Innen- und Aussendienst) zu eruieren und andererseits festzuhalten, mit welchen eine Produktitiväts- bzw. Verkaufssteigerung erzielt werden kann. Durch eine neue und konsequente Anwendung von Video Messaging und Webconferencing konnte die Produktivität der rund 100 Mitarbeitenden um beachtliche 15 Prozent gesteigert werden. 3 3 Cisco Success Story: Cisco IBSG Helps Swiss Post Boost Sales Force Effectiveness, 2009 www. Cisco.com/web/about/ac79/docs/success/Swiss_ Post_Customer_Success_Story.pdf Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 11

12 Effizienzsteigerung: Social Media ermöglichen online den direkten Dialog. 2. Swisscom: Seit der Einführung im Jahre 2008 nutzen bei der Swisscom Verkaufsmitarbeiter und Ingenieure Cisco Tele- Presence zwischen Zürich und Bern täglich zum Know-how- Austausch sowie zur besseren Koordination von Kundenprojekten. Der weitere Rollout und somit die Anbindung der Standorte wie St. Gallen, Basel, Luzern, Lausanne und Genf via Cisco TelePresence bewirken neue und schnellere Ent scheidungsfindungen. Nebst der Einsparung von Reisekosten erfahren die auf mehrere Standorte verteilten Teammitglieder eine bessere Work-Life-Balance Smart Work Center Amsterdam: Im Grossraum Amsterdam läuft namentlich zur Eindämmung des überbordenden Pendlerverkehrs seit zwei Jahren ein Projekt mit einem neuen, distributiven Arbeitskonzept: In der gut 20 Kilometer entfernten Nachbargemeinde Almere wurde ein sogenanntes «Smart Work Center» errichtet. Das mit Ultrabreitband vernetzte Center auf dem Land bietet eine Plattform für die Zusammenarbeit mit Unternehmen und öffentlichen Diensten in der Stadt. Dank virtueller Arbeitsplätze und Meetingräume, kombiniert mit innovativen Finanzierungs modellen und Angeboten zur Kinderbetreuung, können Arbeitnehmer in der Nähe ihres Wohnsitzes arbeiten. Sie müssen nicht in die Stadt pendeln und sind mit dem Smart Work Center trotzdem in die Strukturen ihres Arbeitgebers integriert. Die Kommunalverantwortlichen in Almere und Amsterdam haben in dieses familienfreundliche und umweltverträgliche Beschäftigungsmodell investiert, um einen optimierten Lebensstil und energieeffiziente Arbeitsstrukturen zu fördern. Zeitaufwand und CO 2 -Fussabdruck konnten damit signifikant reduziert werden. Inzwischen macht das Amster damer Modell weltweit Schule: Von Südkorea (Seoul) über Finnland, Australien (New South Wales), Argentinien (Buenos Aires), die USA (San Fran Cisco, PBC Bay Area, Venga/Idaho), Spanien (Madrid), Portugal (Lissabon), Frankreich (Île-de-France) bis nach Deutschland (Bremen) sind Projekte zur Implementierung von Smart Work Centers im Gang oder in Vorbereitung. Handlungsvorschläge 1. Neue netzgestützte Lösungen für Collaborations bieten gute Chancen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Privat personen und öffentliche Institutionen, die Arbeits produktivität jedes Einzelnen wie auch die Effizienz einer gesamten Organisation signifikant zu steigern. Neben neuen Technologien erfordert Collaboration die Bereitschaft, den nötigen kulturellen Wandel, wie wir mitein ander zusammenarbeiten, zu vollziehen. Um dies zu ermöglichen, ist eine Zusammen arbeit zwischen Anwendern und IT-Firmen notwendig. Ziel ist es, Collaboration für alle verfügbar zu machen. 2. Wir schlagen den Aufbau einer Infrastruktur mit öffentlich und privat verfügbaren virtuellen Konferenzräumen vor, die flächendeckend über die ganze Schweiz verteilt sind und für Meetings aller Art genutzt werden können, ohne dass die Teilnehmer zu einem gemeinsamen Sitzungsort reisen müssen. Für die Schaffung dieser Infrastruktur kommen Telekommunikationsunternehmen aus dem In- und Ausland in Frage. 3. Das von Cisco in Zusammenarbeit mit innovativen Städten entwickelte Smart-Work-Center-Modell passt auch in der Schweiz ausgezeichnet zu den veränderten Anforderungen und dem Wandel in der Arbeitswelt. Gestützt auf die Erfahrungen von Almere und Amsterdam, könnte das innovative Arbeitskonzept in der Schweiz mit ihrer föderalen Struktur geprüft und eingeführt werden. In den Kantonen stellen beispielsweise die Volkswirtschaftsdirektionen mit Wirtschaftsförderung und Arbeitsämtern eine geeignete Plattform dar, um das Smart-Work-Center-Modell zusammen mit ausgewählten Städten und Gemeinden zu verwirklichen. Investitionsanreize und attraktive Finanzierungs modelle könnten mithelfen, das innovative Arbeits konzept weiter zu verbreiten. 4 www. Cisco.ch/kundenbeispiele 12

13 Leitziel 1 Flexibilisierung und Kostenreduktion mit neuen ICT-Diensten Ausgangslage Mit dem Einsatz von Virtualisierungstechnologien ist es möglich, IT-Infrastrukturen wie Server, Datenspeicher und ganze Rechenzentren über das Internet als Cloud Computing zusammenzufassen. Internet-Service-Provider bieten schon heute dem Anwender eine grosse Palette von Cloud Services. Im Bereich Anwendungsservices gibt es -Angebote wie den Gmail- Service von Google, Internettelefonie mit Skype und ganze Marktplätze wie Amazon, Ebay und Ricardo. Auch im Segment Businessapplikationen entwickelt sich ein wachsendes Angebot: CRM-Anwendungen wie jenes von salesforce.com. Auch Bluelock, Amazon und Google bieten Business Application Services als Cloud Services an. Das Angebot von Infrastrukturservices aus der Cloud steigt ebenfalls. Die Amazon Elastic Compute Cloud, bekannt geworden unter EC2, erlaubt es dem Anwender, eigene Applikationen auf einer IT-Infrastruktur aus der Cloud zu betreiben. Die Nutzung von Cloud Services ist mit jedem Endgerät, welches Zugang zum Internet hat, möglich, auch von einem Smart Phone wie dem iphone aus. Cloud Services können von privaten Anwendern wie von Unternehmen über einen online abgeschlossenen Mietvertrag genutzt werden. Bezahlt wird per Kreditkarte. Unternehmen können heute schon praktisch alle nötigen Businessapplikationen als Cloud Service beziehen und sparen damit Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur. Auch ein voll mit Cloud Services ausgerüsteter Büroarbeitsplatz ist möglich. Neben dem Kostenvorteil bieten sie auch eine grössere Flexibilität als die standortgebundene IT-Infrastruktur, weil sie unabhängig ist von Standorten und Endgeräten. Laut einer Studie des IT-Beraters Avanade 5 unter 500 Managern und IT-Entscheidern in der Schweiz und 16 weiteren Ländern schätzen weltweit 71 Prozent der IT-Entscheider den Mehrwert von Cloud Computing, um sich wieder vermehrt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren zu können. In der Schweiz wird die Einführung von Cloud Services vorsichtiger und zurückhaltender beurteilt: 70 Prozent der Schweizer IT-Entscheidungsträger erachten die Technologie als reinen Hype und haben keine konkreten Pläne zur Nutzung von Cloud Services. Gründe sind die Angst, die Kontrolle über die firmeneigenen Daten zu verlieren, sowie Bedenken bezüglich der Sicherheit von Cloud Services. 90 Prozent vertrauen derzeit ihren firmeninternen IT- Lösungen mehr als Services aus der Cloud. Mit «Cloud Suisse» ist 2009 eine Schweizer Cloud Computing Community gegründet worden. 6 Der Verein bezweckt, Theorie und Anwendung von Cloud-Computing-Technologien, -Konzepten und -Methoden sowie verwandten Themen in der Schweiz zu fördern. Eine weitere wichtige Aufgabe der Cloud Computing Community wird sein, die Sicherheitsbedenken gegenüber Cloud Computing und Cloud Services aufzugreifen und dem Anwender überzeugende Lösungen anzubieten. Best Practices 1. Kybernetika ist ein Schweizer IT-Systemhaus, das sich im Bereich Beratung und Schulung seit Jahren erfolgreich im Markt bewegt. Das Unternehmen hat den Mehrwert dieser neuen Technologien für die eigenen Anforderungen früh entdeckt und konsequent auf Cloud gesetzt. Dies erlaubt es, für Schulungen alle Unterlagen via Internet bereitzustellen und vorkonfigurierte Kundenumgebungen mit ein paar wenigen Mausklicks livezuschalten. Ob als Testplattform oder für Trainingszwecke innert weniger Minuten sind vir tuelle Serverlandschaften unterschiedlicher Ausstattung und Grössenordnung per Fernsteuerung verfügbar. Dadurch vereinfacht Kybernetika das IT-Management radikal und lastet das Equipment um ein Vielfaches besser aus. Seit der konsequenten Umsetzung der Cloud-Strategie hat sich der Umsatz verdoppelt, und gleichzeitig wurden massive Infrastruktureinsparungen ermöglicht dank einer rund 70-prozentigen Reduktion der Serverstellfläche. (siehe www. Cisco.ch/ kundenbeispiele) 2. Die Stadt Pforzheim in Deutschland stand wie auch viele Schweizer Gemeinden vor der Herausforderung, bei gleichbleibendem IT-Budget immer komplexere Anforderungen schnell erfüllen zu müssen. Pforzheim betreibt in einem eigenen Rechenzentrum alle städtischen Anwendungen wie z. B. s, Internet, Stadtverwaltungsfunktionen, Stromverbrauchsapplikationen sowie SAP- und Oracle-Applikationen. Um den Komplexitätsgrad zu reduzieren, hat sich Pforzheim bei der Neustrukturierung und Moderni sierung des Rechenzentrums für eine interne Cloud-Strategie entschieden, da die Sicherheit der Daten oberstes Gebot war. Pforzheim hat sein neues Rechenzentrum so aufgebaut, dass die Stadt für ihre Benutzer als Cloud-Anwendungsanbieter auftreten kann. Mit der durchgängigen Virtualisierung lassen sich einzelne Dienste und Anwendungen je nach Bedarf an externe Dienstleister vergeben und je nach Personalstärke wieder einfach integrieren. Das Ergebnis der Umstellung hat alle Erwartungen erfüllt: Pforzheim hat heute ein Rechenzentrum, das nicht nur mit einer höheren Performance arbeitet, sondern das auch mit dem vorhandenen Personal wesentlich einfacher zu betreiben ist. 3. Cisco selbst setzt vermehrt Cloud Services für den Eigenbedarf ein und bezieht z. B. das weltweite Customer-Relationship-Management-System als Application Service von Salesforce.com, d. h. aus der Cloud. Zum einen entlastet dies unsere eigene IT-Organisation von Entwick lungs- und Betriebs leistungen, zum anderen eignet sich ein Cloud 5 Studie: Accelerating Business Value with Collaboration 6 cloudsuisse.groupsite.com/main/summary Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 13

14 Service optimal für unsere weltweite Vertriebs organisation, da auf die Kundeninformationen orts- und geräteunabhängig, d. h. von jedem Endgerät mit Internetzugang aus (z. B. Smart Phone) zugegriffen werden kann. So braucht ein Salesmitarbeiter von Cisco auf dem Endgerät nur einen Webbrowser und Zugriff auf das Internet, um sein wichtigstes Arbeitsinstrument überall und jederzeit nutzen zu können. Für Cisco als Unternehmen führt die Buy-Cloud-Sercives-Variante zu Kosten einsparungen von ca. einem Drittel gegenüber der Makeown-Application-Variante. Handlungsvorschläge 1. Cloud Services erachten wir insbesondere für die Mehr zahl der Schweizer Mittelstandsbetriebe als gute Möglichkeit, um von den Vorteilen modernster Internettechnologie profitieren zu können. Die wichtigste Voraus setzung für die Nutzung von Cloud Services ist, dass die Benutzer über einen leistungsfähigen Internetzugang verfügen. Oft fehlt es jedoch bei Mittelstandsbetrieben am nötigen Know-how zur erfolgreichen Nutzung von Innovationen in der Informations technologie. Auch die mit dem Aufbau und dem Betrieb einer eigenen ICT-Infrastruktur verbundenen Investitionen und das nötige Fachpersonal stellen oft unüberwind bare Hindernisse dar. Um weiterhin in der globalisierten Wirtschaft erfolgreich bestehen zu können, bietet sich den KMU-Betrieben mit den Cloud Services eine kostengünstige und attraktive Möglichkeit, die neuste Generation von Informations- und Internettechnologie zum Ausbau der eigenen Wettbewerbsposition zu nutzen. 3. Um den Sicherheitsbedenken der Schweizer Anwender zu begegnen, sind Standards und Sicherheits richtlinien für Cloud Computing und Cloud Services nötig, idealerweise zusammengefasst in einem Qualitäts zertifikat. Service-Provider, welche die Sicherheits richtlinien erfüllen, dürfen ihr Angebot mit Qualitätszertifikat in der Schweiz vermarkten. Schweizer Anwender erhalten somit die Sicherheit, dass Cloud Services bezüglich Datensicherung und Daten wiederherstellung den festgelegten Qualitätsnormen entsprechen und Kundendaten unter voller Gewähr leistung sorgfältig verwaltet werden. Provider, die in der Schweiz Cloud Services offerieren wollen, erhalten im Gegenzug klare Vorgaben, die sie erfüllen müssen. Sicherheitsrichtlinien schaffen mehr Transparenz im Cloud-Services-Markt für Endkunden und Anbieter und schützen vor Billiganbietern ohne Qualitätszertifikat. 2. Beträchtliche Synergiemöglichkeiten sehen wir in den grossen Kapazitäten an ICT-Infrastrukturmitteln wie Rechenzentren, Speichermedien und Applicationservern, die in den vergangenen Jahren von verschiedenen Unternehmen überall aufgebaut wurden. Die primär für den Eigenbedarf gedachten Kapazitäten können jedoch von diesen Unternehmen selber kaum voll ausgelastet werden. Mindestens partiell und temporär stehen Überkapazitäten zur Verfügung, die als Cloud Services für Dritte nutzbar gemacht werden können. Hier setzt dieser Handlungsvorschlag an: Unternehmen mit grossen ICT-Infrastrukturkapazitäten sollten mit den vorhandenen Überkapazitäten als Provider von Cloud Services für interessierte Dritte auftreten. Wir denken dabei nicht nur an das Segment der bestehenden Service-Provider, sondern auch an gros se Unternehmen auf der Anwenderseite. Für die Anbieter von Cloud Services liegen die Vorteile in einer besseren Skalierung der vorhandenen ICT-Infrastrukturmittel wie auch in der Erschliessung neuer Ertragsquellen. Für die Nutzer von- Cloud Services bestehen die Vorteile hauptsächlich in tieferen Kosten im Vergleich zur Investition in eigene ICT-Infrastrukturmittel. 14

15 Leitziel 1 Die Aufholjagd der Schweiz im E-Government Ausgangslage E-Government, der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie in Regierung und Verwaltung, hat in den letzten zehn Jahren die Modernisierung und Effizienzsteigerung des öffentlichen Sektors in der Schweiz geprägt. Im Gleichschritt mit der Optimierung des Kosten-Leistungs-Verhältnisses wurde in manchen Bereichen der Zugang zur Verwaltung und den öffentlichen Unternehmen einfacher (Steuererklärung via Web, E-Voting), die Qualität der Dienstleistungen gesteigert und die Transparenz verbessert. Die hohen ICT-Investitionen pro Kopf in der Schweiz zeugen von einer zukunftsgerichteten Volkswirtschaft. Entsprechend hoch ist die Dichte an PCs, Smartphones und Breitbandanschlüssen. Trotzdem schneidet die Schweiz im Vergleich mit vielen EU-Ländern in Sachen E-Government nicht besonders gut ab. Christian Weber, Leiter E-Government für KMU im Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, äusserte sich dazu am Swiss E-Government Forum im März 2010, einer Veranstaltung im Rahmen der Info Society Days 2010, welche die neuesten E- Government-Trend aufzeigt: «Trotz guter Infrastruktur und hoher Dichte an vernetzten Geräten hinkt die Schweiz im internationalen Vergleich der Entwicklung Richtung E-Society hinterher.» Ein Grund dafür liegt in unserem ausgeprägten Föderalismus. Gemäss Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Vorsitzender im Steuerungsausschuss E-Government Schweiz, geht es im Schweizer E-Government deshalb vor allem um die koordinierte Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Gemeinden: «Der Einsatz moderner Kollaborationsmittel erlaubt uns, schneller, einfacher und bereichsübergreifender zusammenzuarbeiten, nur zusammen erreichen wir schneller mehr.» 7 Die Studie «E-Government-Zug rollt in zwei Geschwindigkeiten» des Berner Forschungsinstituts GfS von zeigt, dass die Koordination dringend nottut: «E-Government in der Schweiz hat zwei Geschwindigkeiten. Kleine Verwaltungen drohen abgehängt zu werden. Aus eigener Kraft aufzuholen wird schwierig, und Unterstützung ist jetzt wichtiger denn je.» Ein koordiniertes Vorgehen, einheitliche Standards und die verwaltungsübergreifende Vernetzung werden wesentlich dazu bei tragen, dass trotz schrumpfender aktiver Bevölkerung auch in Zukunft gute öffentliche Dienstleistungen zu den Standort vorteilen der Schweiz zählen. Signifikante Resultate in Bezug auf Kostenersparnis, Produktivitätsverbesserung und Qualitätssteigerung erzielen Verwaltungen dann, wenn der Ausbau des E-Government integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Veränderungsprozesses ist, in den nicht nur die Behörden und die Verwaltung aller Stufen, sondern auch die Privatwirtschaft, NGOs und vor allem die Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden. Die USA, Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland zählen hier zu den Vorreitern. In Europa haben die nordischen Länder die Nase vorn, und auch Deutschland und Österreich unternehmen gros se Anstrengungen. Best Practices 1. Mit SuisseID ist das erste standardisierte Produkt für einen sicheren elektronischen Geschäftsverkehr in der Schweiz auf den Markt gekommen. Es vereint drei Funktionen: 1. Elek tronischer Identitätsnachweis einer Person, 2. Rechtsgültige elektronische Unterschrift und 3. Sicherer Funktionsnachweis. Die Sicherheit zu wissen, wer am anderen Ende der Leitung ist, wird bei Internetplattformen immer wichtiger. Mit SuisseID wird das Vertrauen in sichere internetbasierte Dienste weiter verbessert: E-Government, E-Commerce und E-Health werden davon profitieren. Für die Verbreitung von SwissID setzen die Verantwortlichen aus dem Seco auf einen communitybasierten Ansatz. In Zusammenarbeit mit Amazee wurde die Internetplattform geschaffen, mit dem Ziel, die Akteure zu vernetzen und einen Erfahrungsaustausch zwischen den Pionieren und den Unternehmen zu ermöglichen, welche die SuisseID in ihre Webapplikationen integrieren wollen. Dank der Bereitstellung einer webbasierten Collaboration-Plattform konnte die Entwicklung von SuisseID mit virtuellem Teamwork bewerkstelligt werden. Dadurch ist es gelungen, die benötigten Spe zialisten zeitgerecht zusammenzubringen und das Projekt sehr effi zient abzuwickeln. Die Durchlaufzeit vom Start bis zum erfolgreichen Rollout dauerte gerade einmal 16 Monate. 2. In der Schweiz gibt es gute Lösungsansätze, z. B. das kantonsweite Informations- und Kommunikationsnetz TGNet im Kanton Thurgau. Die ausbaufähige Infrastruktur kann von allen Behörden und Verwaltungen des Kantons sowie von öffentlichen Betrieben wie Spitälern genutzt werden. Das kantonale Amt für Informatik tritt als Service-Provider auf und bietet als Basis Telefonieservices an. Angeboten werden auch Services für digitale Bildschirmanzeigeesysteme, die z. B. von Gerichten und Spitälern zur Orientierung in grossen Gebäudekomplexen genutzt werden können. Auch An kündigungen und Informationen von Behörden, Verwaltungs einheiten und Betrieben für die Öffentlichkeit sind möglich. Angedacht ist auch ein Dienst zur Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen. Das Angebot wird entsprechend dem Bedarf weiterentwickelt. Insgesamt wird mit dem TGNet eine leistungsfähige und skalierbare Lösung angeboten, welche von den einzelnen Institutionen im Alleingang nicht mit einem vergleichbaren Preis- Leistungs-Verhältnis hätte aufgebaut werden können. 7 Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, Referat «E-Partizipation und Innovation durch E-Government; Umsetzung E-Government-Strategie Schweiz in vollem Gang», Nationales E-Government-Symposium, in Bern, 8 Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 15

16 3. Die deutschlandweit einheitliche Telefonnummer 115 bietet allen Bürgerinnen und Bürgern direkten Kontakt zum Staat für sämtliche verwaltungstechnischen Angelegenheiten. «Für zehn Millionen Deutsche sind sämtliche Behörden ab sofort unter der zentralen Telefonnummer 115 erreichbar.» Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gab am 24. März 2009 in Berlin den Startschuss für ein entsprechendes Pilotprojekt. In Berlin und Hamburg sowie in ausgewählten Regionen von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen soll den Bürgern unter der Nummer 115 künftig schnell und unkompliziert geholfen werden egal, ob es um das Elterngeld, den Reisepass oder die Zulassung eines neuen Autos geht. 4. Als Bürger in Singapur wird man von der lokalen Regierung via ein übersichtliches Webportal vorbildlich unterstützt: Vier klar ersichtliche Tabs (Regierung/Bürger/Wirtschaft/Nichtbürger) führen einen durch jede erdenkliche E-Government-Anwendung: Angefangen beim elektronischen Einbürgerungsprozess über Benachrichtigung via SMS als Zah lungs mahnung der ausstehenden Steuern bis zur Änderung der Wohnadresse, welche dann eine automatische Synchronisation in allen nötigen Ämtern (Strassen verkehrsamt, Polizei, Einwohnerkontrolle, Steuern usw.) zur Folge hat. Über ein personifiziertes Login kann jeder Bürger seine Daten abrufen, beginnend mit der Geburt über Schule, Ausbildung, Beruf, Zivilstand, Arbeitgeber und Krankheit bis hin zum Altersheim. Handlungsvorschläge 1. Schaffung von Webplattformen: Bei der Umsetzung der E-Government-Strategie für die Schweiz besteht im erleichterten Verkehr von Behörden und Verwaltung mit Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft über Webplattformen grosses Poten zial. Bürgerportale, wie sie mit der Nummer 115 in Deutschland zurzeit bundesweit realisiert werden, sind Kernelemente zur Vereinfachung des Austauschs mit den Behörden und zur Stärkung des Vertrauens in den Staat. Ein entsprechender, schweizweit gültiger Dienst mit einer einheitlichen Nummer könnte in sämtlichen behördenorientierten Belangen den Zugang zum Staat erleichtern. Dabei müssten Vertreter von Bund und Kanton zusammen mit einem Service-Provider und den Industrievertretern eine gemeinsame Strategie mit einem verbindlichen Zeitplan erarbeiten. Rechenzentren könnten schnelle, zuverlässige und flexible ICT-Dienste allen interessierten Behörden angeboten werden. Die Umsetzung bedingt eine enge Koordination mit den involvierten Behörden, den Industriepartnern und einem Service-Provider. Damit wäre auch eine professionelle, effiziente und flexible Plattform zur Anwendung der meisten E-Government-Anwendungen geschaffen. 3. Schaffung neuer Arbeitswelten: Erhebliches Potenzial zur Optimierung von Effektivität und Effizienz der Verwaltungstätigkeit steckt in den modernen Arbeitsplatzkonzepten. Projekte wie der «Bundes arbeitsplatz» können dazu genutzt werden, um den in der Privatwirtschaft bereits erfolgreich eingeführten flexiblen Arbeitsmodellen auch im öffentlichen Sektor zum Durchbruch zu verhelfen. Dabei ist immer die Steigerung von Effektivität und Effizienz der Verwaltung im Fokus. Im Weiteren wächst der Anspruch auf Mobilität, die Anforderungen an den Informations austausch sowie die Forderung nach Sicherheit. Der Bedarf an Sprach-und-Bild-Kommunikation nimmt zu. Um den vollen Nutzen aus den innovativen Arbeitsplatzkonzepten ziehen zu können, ist neben der neuen Technologie auch der Wandel der Arbeitsformen und Arbeitskultur sowie der Umgang mit modernen Arbeitsinstrumenten auf breiter Front nötig. Dabei denken wir insbesondere an die virtuelle Zusammenarbeit in Teams mit Mitteln der Web- und Videokonferenz wie auch an den Einsatz von communitybasierten Ansätzen. Wie erfolgreich mit den neuen Arbeits formaten operiert werden kann, zeigt das Beispiel SuisseID. 2. Nutzung von Cloud Computing: Grosse Synergiemöglichkeiten gibt es im Bereich der IT-Infrastruktur und bei den Rechenzentren. Virtualisierungstechnologien und Lösungen mit Cloud Computing erlauben es heute Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden, unter namhafter Reduktion des Investitionsaufwandes die Kosteneffizienz, die Flexibilität und die Sicherheit signifikant zu verbessern. Mit der Zusammenführung in regionalen 16

17 Leitziel 2 Leitziel 2: Erhalt und Ausbau der Innovationsfähigkeit der Schweiz Wirtschaftliche und soziale Innovation fördern Ausgangslage Innovation findet zunehmend in vernetzten Teams und Organisationen statt und kaum noch als Einzelleistung eines Erfinders im sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Die Innovationskraft in Wirtschaft und Gesellschaft hängt vom Tempo ab, mit dem Menschen Wissen und Ideen frei austauschen können. Collaboration ist zum Erkennungszeichen für erfolgreiche Zusammenarbeit über alle Grenzen hinweg geworden und wird damit zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren in der globalisierten Welt. Ermöglicht wird Collaboration durch das Internet als leistungsfähige globale Plattform, auf der sich Menschen zu Gemeinschaften zusammenschliessen und gemeinsam Ideen entwickeln und austauschen können. Collaboration wirkt in vielfacher Weise als Wachstumsfaktor und setzt eine tief greifende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang. Die Europäische Union hat sich mit der Strategie «Europe 2020» 9 anspruchsvolle Ziele gesetzt. Eine der sieben Hauptinitiativen ist die Innovation Union. Bessere Rahmenbedingungen und Zugang zu Kapital für Forschung und Innovation sollen sicherstellen, dass aus innovativen Ideen auch Produkte und Dienstleistungen entstehen und damit Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden. Bei der Förderung der Innovation setzt die EU auch auf neue Methoden wie Open Innovation. Dabei handelt es sich um die Öffnung des Innovationsprozesses von Forschungsinstituten und Unternehmen und damit die aktive strategische Nutzung der Aussenwelt zur Vergrösserung des Innovationspotenzials. Ermöglicht wird diese Öffnung durch Collabo ration, also durch Einbezug einer breiten Öffentlichkeit über das Internet. Aus dieser EU-Initiative sind bereits mehrere Internetportale 10 geschaffen worden, die dieses Ziel aktiv unterstützen. Die Weiterentwicklung der EU-Innovationspolitik basiert auf dem Open- Innovation- Portal «Innovation Unlimited». Die Schweiz ist den Zielen der EU in vielen Aspekten indirekt über die bilateralen Verträge verpflichtet. Mit dem weltweit zweiten Rang bezüglich Innovationsfähigkeit 11 hält sie eine Spitzenposition. Diese Position verdankt sie einer Kombination von Standortfaktoren wie überdurchschnittlich guten Ergebnissen im Bereich Human Capital sowie einer dem schweizerischen Föderalismus entsprechenden Politik der Innovationsförderung auf allen Stufen sowie einer guten Balance in der Beteiligung von Staat und Privatwirtschaft. Open Innovation ist laut dem bekannten Trendforscher Matthias Horx 12 einer der grossen Trends. Das Potenzial der Öffnung des Innovationsprozesses zur Aussenwelt durch Open Innovation wird bei der Innovationsförderung in der Schweiz bisher noch wenig genutzt. Best Practices 1. Atizo 13, ein Schweizer Start-up aus Bern, verfügt über eine wachsende Web Community aus kreativen Denkern, die sich durch ihr Anwender-, Konsumenten- und Spezialwissen auszeichnet. Zur Aktivierung dieser Community entwickelt Atizo kontinuierlich Innovationsmanagementtools, die in Projekten von Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Grösse und Branche eingesetzt werden. So funktioniert es: Ein Unternehmen stellt eine Fragestellung auf die Plattform. Daraufhin können die User, zusammengefasst in Teams, ihre Lösungsvorschläge und Konzepte erarbeiten und präsentieren. Die besten Ideen und Konzepte werden prämiert. So hat beispielsweise Ringier kürzlich seine Online-Plattform gesund heitsprechstunde.ch mit Hilfe von Atizo modernisiert. Die Frage auf der Atizo-Innovationsplattform lautete: «Wie kann sich gesundheitsprechstunde.ch künftig von der Masse abheben und zur unverzichtbaren Adresse in allen Gesundheits belangen werden?» Am meisten Anklang bei Ringier fand ein Konzept, welches nebst einem neuen attraktiven Screendesign für die Website Online-Notfallinformationen, die Einführung eines individualisierten Newsletters und den Ausbau des Reise- und Shopangebots vorsieht. Prämiert wurde das Konzept «Neuer Wind für Gesundheit Sprechstunde», das «Verzeichnis für Komplementärmedizin» und «myhealth», welche die Interaktion von Usern in gesundheitsbezogenen Themengruppen vorschlägt. 2. Ein weiteres Beispiel von Open Innovation ist das Innovationsförderungsprogramm «I-Prize» von Cisco. Es handelt sich um einen Ideenwettbewerb für Innovatoren und Unternehmensgründer rund um den Erdball. Er wird einmal pro Jahr durchgeführt und ist mit US-Dollar dotiert. I-Prize ist eine internetbasierte Plattform, die allen offensteht, die sich mit inno vativen, technologieorientierten Geschäftsideen beteiligen möchten. Im Online-Forum von I-Prize werden Ideen und 9 ec.europa.eu/eu2020/index_en.htm https://www.atizo.com Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 17

18 Forschungsnah: Cisco ist ab November 2010 auch auf dem Campus der ETH Lausanne vertreten. Kommentare über Geschäfts- und Technologieideen ausgetauscht, Teams gebildet und Geschäftspläne entworfen. Das Gewinnerteam bekommt die Gelegenheit, die prämierte Idee in einer eigenen Geschäftseinheit bei Cisco mit einem Budget von bis zu 10 Millionen Dollar zu verwirklichen. Die Ideensammlung erfolgt über einen Web-2.0-Ideen-Blog, die Qualifizierten präsentieren ihre Ideen über die Web-Conferencing-Plattform WebEx, die Finalisten stellen ihre Lösungen der Jury über Cisco TelePresence vor. Im Jahr 2009 wurden in sieben Monaten rund 1170 Ideen von rund 2500 Wettbewerbern aus über 100 Ländern generiert. Das Siegerteam bestand aus zwei Studenten aus Deutschland zusammen mit einem Teammitglied aus Russland. Prämiert wurde ihr Energiemanagementsystem, das Unternehmen und Haushaltungen beim Verwalten ihres Energieverbrauchs hilft. 3. Ein gutes Beispiel für die Nutzung von Open Innovation als nationalem Innovationsförderungsprogramm ist Irland. Das intellektuelle Potenzial einer Gesellschaft kann durch die Be teili gung am Innovationsprozess viel besser zum Tragen kommen. Irland ist von der Finanz- und Wirtschafts krise besonders hart getroffen und an den Rand eines Staatsbankrotts getrieben worden. Als Weg aus der Krise wurde unter dem Patronat von Staatspräsidentin Mary McAleese initiiert. Mit der Beteiligung einer ganzen Nation am Innovationsprozess soll die irische Volks wirtschaft wieder auf Erfolgskurs gebracht werden. Die nationale Open-Innovation-Initiative Irlands ist getragen von der Erkenntnis, dass die einzelnen Firmen in Irland nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um die für die wirtschaftliche Prosperität so wichtigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit den notwendigen Innovationen als Rohstoff zu füttern. Um Synergien zu erzielen, hat die irische Regierung zahlreiche Multinationals in die Open-Innovation-Initiative miteinbezogen. Diese sollen mithelfen, einen Markt zu schaffen für neue Produkte und Lösungen, die in Irland über die Open- Innovation-Plattform entwickelt wurden. 14 Institutionen und Förderungsprogramme des Bundes wie das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), die Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI), der Schweizerische Nationalfonds (SNF). Handlungsvorschläge 1. Analog zu Irland sollten auch in der Schweiz die nationalen Innovationsförderungsprogramme 14 mit der Anwendung von Open Innovation leistungsfähiger gemacht werden. Auf diese Weise könnte ein wesentlicher staatlicher Beitrag zur Stärkung der Innovations führerschaft der Schweiz geleistet werden. Je mehr Leute sich am Innovationsprozess beteiligen, je effektiver die verwendeten Methoden und je höher die Ge schwindig keit des Informations- und Know-how-Austausches sind, umso bessere Resultate können erwartet werden. Staatliche Innovationsförderung im Format von Open-Innovation-Plattformen würde der Inno vationsförderung einen ganz anderen Drive und Spirit verleihen. Eine offene Plattform bietet die Möglichkeit, besonders gute Innovationen wie auch die Teams, die dahinterstehen, breiter publik zu machen. Eine stärkere Verbreitung von Open-Innovation-Plattformen in der Schweiz dürfte letztlich auch den Innovationsgeist der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft auf eine neue Ebene bringen. 2. Entsprechend jenen Firmen, die ihren Innovations prozess durch die Anwendung von Open Innovation erfolgreich nach aussen geöffnet haben, wird auch anderen Schweizer Unternehmen empfohlen zu prüfen, inwieweit sie ihre eigene Forschung und Entwicklung bzw. ihren Innovationsprozess mit Open Innovation leistungsfähiger gestalten könnten. Alternativ könnten diese Firmen auch die Zusammenarbeit mit Anbietern von Open Innovation Services nutzen. Insbesondere für KMU-Unternehmen, die im Bereich Forschung und Entwicklung meist mit knappen Ressourcen ausgestattet sind, könnte die Nutzung von Open Innovation Services attraktiv sein. 3. Die Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur von National- und Ständerat könnten bei der anstehenden Erneuerung des Forschungsgesetzes gesetzliche Grund lagen schaffen und Impulse setzen, damit auch die staatliche Innovationsförderung fortan auf Open Innovation setzt. 18

19 Leitziel 3 Leitziel 3: Förderung von Bildung und gesellschaftlichem Zusammenhalt Weiterentwicklung des Bildungssystems mit kollaborativen Unterrichtsformen Ausgangslage Globale Entwicklungen in Wirtschaft, Kommunikationstechnolo gie, Umwelt und Wissenschaft verändern das soziale, kulturelle und politische Leben nachhaltig. Bildung gehört zu den wichtigsten strategischen Investitionen eines Landes. Von ihr hängt ab, ob die Menschen in der Lage sind, die Chancen dieser Ver änderungen zum individuellen Wohlergehen zu nutzen, und ob sich die Gesellschaft als Ganzes erfolgreich zu behaupten und nachhaltig weiterzuentwickeln vermag. Auch wenn die Schweiz ein historisch einzigartig geprägtes und erfolgreiches Schul system hat, steht sie bezüglich Weiterentwicklung des ge samten Bildungssystems vor grossen Herausforderungen. Im Hinblick auf ihre Ausstattung mit Humankapital bzw. der Bildungs investitionen liegt die Schweiz im OECD-Vergleich bezüglich verschiedener Bildungsindikatoren lediglich im Mittelfeld. In einem Szenario für das Jahr 2030 entwirft das Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz» 15 die strategischen Grundzüge eines zukunftsfähigen Bildungsverständnisses aus der Perspektive einer Informations- und Wissensgesellschaft. Ein elementares Wissenschafts- und Technikverständnis wird als integraler Bestandteil der Allgemeinbildung eingestuft. Kenntnis und Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) wird als Kernauftrag des Bildungssystems gesehen. Seit der Annahme der neuen Bildungsartikel in der Bundes verfassung 2006 ist der Bund bei der Steuerung und Entwick lung des gesamten Bildungssystems gefordert. Im Bereich ICT koordiniert die 2005 als gemeinsame Institution von Bund (BBT) und Kantonen (EDK) geschaffene Schweizerische Koordi nationskonferenz ICT und Bildung (SKIB) die Aktivitäten von Bund und Kantonen für eine Integration der ICT in Schule und Unterricht auf allen Stufen des Bildungswesens hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektionen eine ICT-Strategie vorgelegt, die sich an die Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz von 2006 anlehnt beschloss die SKIB, einen Referenzrahmen für die Aktivitäten im Bereich ICT/Medien und Bildung zu schaffen verabschiedete das Gremium die Empfehlung der Schweizerischen Fachstelle für Infor mations- technologien im Bildungswesen (SFIB) für die Beschreibung von elektronischen Lehr- und Lernressourcen. Diese Empfehlung dient als Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Content Providern. Sie bildet einen wichtigen Meilenstein bei der Entwicklung und Verbreitung der Digitalen Schulbibliothek, die zum Ziel hat, den Zugang via Schweizerischen Bildungsserver (SBS) zu den Lernressourcen zu erleichtern. Der Schweizerische Bildungsserver, getragen durch Bund und Kantone, besteht aus einer fünfsprachigen Informationsplattform und aus educanet, einer interaktiven Arbeitsund Lernumgebung für Schule und Ausbildung. Mehr als registrierte Anwender/-innen gehören dieser virtuellen Bildungscommunity an und nutzen die umfangreichen Dienstleistungen für den Unterricht. Während in zukunftsorientierten Unternehmen die Vorteile innovativer Informations- und Kommunikationstechnologie genutzt werden und immer mehr Beschäftigte ihre Arbeit in Strukturen und mit Hilfe von Arbeitsmethoden verrichten können, die auf Collaboration beruhen, verwenden Bildungsinstitutionen der Primär-, Sekundär- und Tertiärstufe noch weitgehend traditionelle Schulzimmer- bzw. hörsaalzentrierte Unterrichtsformate. Das grosse Potenzial von Web- und Videoconferencing bzw. von interkulturellen virtuellen Gemeinschaften wird noch kaum genutzt. Im Vordergrund steht nach wie vor der individuelle Wissenszuwachs der Lernenden und nicht die Wissensvermehrung im Team. Auch bezüglich Kosteneffizienz sieht die OECD vorab im Tertiärbereich des schweizerischen Bildungswesens wie auch bei der Verbesserung der Anreize zur Erwachsenenbildung Handlungsbedarf. Best Practices 1. In den letzten Jahren wurden grosse Anstrengungen zur Integration von Informations- und Kommunikations techno logien in den Schulen unternommen. Mit der Verabschiedung ihrer aktualisierten Strategie zu den Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien 2007 haben die 26 kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren ihr Engagement für dieses Anliegen bekräftigt und die Prioritäten für die diesbezüglichen Arbeiten auf gesamtschweizerischer Ebene neu festgelegt. Zeitpunkt der Einführung von ICT-Mitteln in den 15 Weissbuch der «Zukunft Bildung Schweiz» Intelligente Netzwerke als Basis für Wachstum, Innovation und erhöhte Produktivität 19

20 Telemedizin: Dank Cisco HealthPresence sind Patienten auch über grosse Distanzen mit ihrem Arzt verbunden. obligatorischen Schulen ist in der Mehrzahl der Kantone die dritte Primarklasse. Einige Kantone beginnen bereits in der ersten Primarklasse, derweil einige andere ICT-Mittel erst in der ersten Sekundarklasse einsetzen. Heute teilen sich im Durchschnitt 5,4 Schülerinnen und Schüler einen Computer, was im internationalen Vergleich überdurchschnittlich ist. Trotz der föderalistischen Struktur der Bildung werden zentrale massgeschneiderte Internetplattformen wie educa.ch zur schweizweiten Nutzung eingesetzt. Inzwischen hat sich educanet zur beliebtesten Lern- und Arbeitsplattform der Schweiz entwickelt und sich in allen Sprachregionen durchgesetzt: Bereits über 90 Prozent aller Schweizer Schulen, die eine Internetplattform benutzen, arbeiten damit. 2. Das Schweizer Webportal Simplyscience für Natur wissenschaft und Technik (www.simplyscience.ch) ist eine virtuelle Plattform und basiert auf Web 2.0. Simplyscience ist eine Initiative von SGCI Chemie Pharma Schweiz, dem Verband der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Schweiz mit rund 250 Mitgliederfirmen (www.sgci.ch). Simplyscience möchte das Verständnis der 12- bis 16-jährigen Jugendlichen für wissenschaftlich-technische Fragen fördern und will sie dabei auch über mögliche Ausbildungs- und Laufbahnmöglichkeiten orientieren. Simplyscience entstammt der PPP-Bildungsinitiative (Public Private Partnership) und wird vom Eidgenössischen Volks wirt schafts departement (EVD) unterstützt. Als Experten fungieren Studierende von naturwissenschaftlichen Studiengängen, die der jungen Zielgruppe helfen, einen besseren Zugang zu Naturwissenschaften und Technik zu finden. Dafür werden bestehende Engagements im Bereich der Nachwuchs förderung von Industrie, Hochschulen, Schulen und Verbänden integriert und verknüpft. Die Simplyscience Community hat sich auch in den weltweiten Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter etabliert und weiter ausgebreitet. 3. Zugang zu Informationen und die kollaborative Zu sammenarbeit sind wichtige Schlüssel zur Informations- und Wissensgesellschaft. An der Hochschule München wird im Rahmen eines kostenpflichtigen, berufsbegleitenden MBA-Studiengangs das Konzept eines interaktiven Hörsaals 16 umgesetzt. Digitale Inhalte werden in die Vorlesung integriert, und der Lehrinhalt in Powerpoint-Präsentationen via Whiteboards entwickelt und abgespeichert. Medien wie Web oder Video werden genutzt und ermöglichen ein sofortiges Feedback zum Lerninhalt. Dozenten können einfach den Wissensstand der Studenten prüfen, indem sie diese durch eine Abfrage des letzten Lerninhalts evaluieren oder Fragen per Chat beantworten lassen. Die Teilnahme erfolgt ortsunabhängig, sowohl für Dozenten wie auch für Studierende. Vorlesungen werden aufgezeichnet und zum Download angeboten. Handlungsvorschläge 1. Die Nutzung neuer Medien ist für Schülerinnen und Schüler selbstverständlich geworden. Neugier und Freude am Entdecken erleichtern den Umgang mit PC und Internet. Umso wichtiger ist es, frühzeitig ein Bewusstsein für mögliche Gefährdungen, die mit der Nutzung von ICT-Mitteln verbunden sind, zu entwickeln, um ihnen mit verantwortungsvollem Verhalten zu begegnen. Neben der wichtigen mediendidaktischen Aufgabe sichert die Schule durch den Einsatz von Computern an der Schule auch die Chancengleichheit. Erst durch die Bearbeitung von ICT-spezifischen Inhalten in der Schule können gewisse Grund kompetenzen bei allen Lernenden geschaffen werden. Damit wird das Elternhaus in der Förderung der ICT-Kompetenzen der Kinder entlastet. Zudem bildet die ICT-Integration auf der Primarschulstufe eine gute Grundlage für den Informatikunterricht auf der Oberstufe. 16 Buckinghamshire New University 20

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