Abschlussbericht. - Familienpatenschaften -

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1 Abschlussbericht zum Modellprojekt - Familienpatenschaften Seite 1

2 Inhalt 1. Ausgangslage Idee Ziele Allgemeine Ziele Zieldifferenzierungen Rahmenbedingungen Projektpartner Projektträger Projektorganisation Öffentlichkeitsarbeit (regional) Vernetzung und Kooperation Vermittlungen Anfragensituation Ehrenamtliche Aufgaben und Ergebnisse der gesamten Modelllaufzeit: Familien mit chronisch kranken/ behinderten Kindern und Mehrfachbelastung Familien mit Migrationshintergrund Familienpatenschaften im Sozialen Nahraum Familienpatenschaften Langwasser Familienpatenschaften im Mehrgenerationenhaus Schweinau/ St. Leonhard Familienpatenschaften ZAB-Süd Familienpatenschaften Fürth Nachhaltige Sicherung des Projektes Familienpatenschaften Anwerbekonzept Fortbildungsmodule für Familienpat/innen Wissenschaftliche Begleitung Fazit und Ausblick...35 Seite 2

3 Vom 1. September 2005 bis 31. August 2008 hat die Stiftung Deutsche Jugendmarke das Modellprojekt Familienpatenschaften am Zentrum Aktiver Bürger in Nürnberg gefördert. Ziel war es, ein rudimentäres Vorläuferprojekt als Modell strukturiert systematisch aufzubauen. Differenzierung der Zielgruppen bei Familien und Ehrenamtlichen, neue Zugangswege und stadtteil- und lebensweltorientierte Vorgehensweisen sollten dabei im Mittelpunkt stehen. 1. Ausgangslage Familien leben in komplexen Bezügen, die ein hohes Maß an Organisation und Flexibilität erfordern. Oft zeigt sich die schwierige Alltagssituation von Familien vor allem darin, dass keine ausreichenden Entlastungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies geht von der einfachen Gelegenheit, mal alleine und ohne Kinder einkaufen oder ins Kino gehen zu können, bis hin zur Führung des eigenen Haushalts, in dem vor allem Frauen mehrfach belastet sind. Zur Betreuung und Erziehung der Kinder kommt in einigen Fällen noch die Pflege von älteren Angehörigen. Folge dieser Mehrfachbelastung ist oft eine zunehmende soziale Isolation sein, die zu einer Überbeanspruchung der Familien führen kann. Professionelle Hilfe- und Unterstützungsnetze können eine entscheidende Dimension nicht bearbeiten: die der ganz einfachen alltäglichen Entlastungen. An der Möglichkeit oder Unmöglichkeit, mal Luft zu schöpfen und dabei die Kinder gut aufgehoben zu wissen, mal jemanden zu haben, mit dem man einfach über die eigene Situation sprechen kann, entscheidet sich manchmal, ob das soziale Netzwerk der Familie Belastungen aushalten kann. 2. Idee Die Idee der Familienpatenschaft setzt an der Unterstützung von belasteten Familien durch Laien an. Gemeinsam mit Fachdiensten und professionellen Partnern sollen Ehrenamtliche 1 als sog. Familienpaten gewonnen werden, die als Ansprechpartner/innen und Freunde, Helfer und Vertrauenspersonen beistehen können. Es geht nicht um eine Situation, in der das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Hier müssen weiterhin die professionellen Dienste wirken. Es geht aber um eine präventive Stärkung der Netze und Alltagsbezüge, in denen sich Familien bewegen. 1 Im Zentrum aktiver Bürger wird auf Wunsch der Betroffenen vorwiegend der Begriff Ehrenamtliche synonym für Freiwillige verwendet. Seite 3

4 Bei den Familienpatenschaften steht nicht professionelle Fürsorge sondern Partnerschaft im Vordergrund. Vermittelt werden sollen durch die Idee Menschen, die persönlich zueinander passen und partnerschaftlich miteinander umgehen. Ein Familienpate braucht nicht ein Leben lang mit einer Bezugsfamilie verbunden sein, sondern auf Zeit, nämlich so lange, wie beide Seiten an ihrer Beziehung Freude haben. Es ist im Prinzip der Versuch, mit systematischen Mitteln Nachbarschaftshilfe in Gang zu setzen, dort, wo sie nicht selbstverständlich vorhanden ist. Diese Aufgabe ist zu begleiten durch Partner, die die Vermittlungsarbeit übernehmen, die Fortbildungen anbieten, um den richtigen Zugang zu schaffen, die abfedern, wenn Probleme auftauchen, die weitere Hilfen anbieten können, wenn die Hilfestellung durch die Familienpaten nicht ausreicht. 3. Ziele 3.1 Allgemeine Ziele Im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements soll ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot für Familien installiert werden. Das Angebot der Familienpatenschaften richtet sich an Familien, die Unterstützung bei der Alltagsoder Haushaltsorganisation brauchen und die keine Partner, Freunde oder Familienangehörige haben, die dabei helfen. Familienpat/innen übernehmen diese Rolle und versuchen Familienmitglieder darin zu unterstützen, im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten selbst aktiv zu werden (Hilfe zur Selbsthilfe). Im Vordergrund steht hierbei der systematische Aufbau und die präventive Stärkung der nachbarschaftlichen Netze. 3.2 Zieldifferenzierungen Im September 2005 startete das Zentrum Aktiver Bürger mit dem Ausbau und der Weiterentwicklung des Projektes Familienpatenschaften in Nürnberg. In dem von der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.v. geförderten Modellprojekt sollte das Angebot der Familienpatenschaften auf eine breitere Basis gestellt und im Angebot differenziert werden hinsichtlich der Unterstützungsformen und der Zielgruppe von Familien. Ferner sollten Bezüge im unmittelbaren Lebensumfeld der betroffenen Familien und Familienpaten hergestellt werden. Zudem sollten ein Anwerbekonzept, Fortbildungsmodule und Anleitungen zur Implementierung von Familienpatenschaften entwickelt werden. Seite 4

5 Ein zusätzliches Modelljahr ermöglichte die Umsetzung des Patenschaftsansatzes in vier sozialräumliche Strukturen hinein und entwickelte das Modell weiter in Querschnittsaufgaben wie Vermittlung, Fortbildung und Strategien des stadtteilorientierten Zugangs. Durch enge Zusammenarbeit mit der kommunalen Sozialhilfeverwaltung sollte die Nachhaltigkeit des Ansatzes gewährleistet werden. 4. Rahmenbedingungen 4.1 Projektpartner Das Modellprojekt Familienpatenschaften des Zentrums Aktiver Bürger arbeitet in enger Kooperation mit dem Allgemeinen Sozialdienst des Jugendamtes der Stadt Nürnberg und dem Nürnberger Bündnis für Familie, sowie einer Vielzahl von Kooperationspartnern, in deren Arbeitsfeld der Hilfebedarf von Familien sichtbar wird, wie z.b. Mudra Jugend- und Drogenhilfe, Jugendhilfeverbund Schlupfwinkel Klabautermann e.v., u.a. (s.a. Sozialer Nahraum Pkt.8) 4.2 Projektträger Das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) entwickelt Rahmenbedingungen, die den Bedürfnissen des Neuen Ehrenamtes entgegenkommen und damit die Bürgergesellschaft fördern. Es ist eine Anlaufstelle für Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen möchten und z.b. in der nachberuflichen Phase oder nach der Familienpause neue Orientierungen und sinnvolle Tätigkeiten suchen. Das hauptamtliche Team des ZAB entwickelt mit den Interessenten gemeinsame Einsatzfelder des bürgerschaftlichen Engagements im sozialen, kulturellen, ökologischen Bereich und im Bereich Bildung und Erziehung. Das ZAB versteht sich nicht als Vermittlungsagentur, sondern geht von der Beobachtung aus, dass viele Aktivitätsfelder von Ehrenamtlichen selbst neu gestaltet werden wollen. Diese Einsatzfelder werden im Verbund mit professionellen Kooperationspartnern entwickelt. Das Zentrum Aktiver Bürger ist ein Praxisprojekt in Trägerschaft des Instituts für soziale und kulturelle Arbeit (ISKA) ggmbh, Nürnberg. Das ZAB hat sich in den letzten fünf Jahren insbesondere um die Entwicklung sorgender bürgerschaftlicher Netze für Familien und um die sie unterstützenden Institutionen bemüht. Etwa 250 Ehrenamtliche sind in Projekten ehrenamtlich tätig, die explizit Familien unterstützen. Das ZAB ist an Nürnberger Grundschulen aktiv und sorgt hier für die individuelle Betreuung von Kindern, die sozial benachteiligt sind. 65 Ehrenamtliche unterstützen als Familienpat/innen mehrfach belastete Mütter und Väter mit ihren Kindern. Über 40 Nürnberger Seite 5

6 Kitas sind in das vom BMFSFJ geförderte Projekt Ehrenamt in Kitas eingebunden, mit jetzt schon über 80 ehrenamtlichen Helfer/innen. 4.3 Projektorganisation Für das Projekt Familienpatenschaften steht eine Vollzeitstelle für eine(n) Diplom- Sozialpädagogen/in zur Verfügung, die auf zwei Personen aufgeteilt ist. Die Aufgabenstellungen sind sehr vielschichtig. Neben der konzeptionellen Weiterentwicklung hinsichtlich neuer Zugangswege und Anwerbestrategien geht es um die permanente Neugewinnung und Schulung von Familienpat/innen, Anfragenannahme, Vermittlung und die konstante Begleitung von Familienpat/innen und den Familien. Eine gute Erreichbarkeit, bei auftretenden Fragen und Konflikten ist genauso unerlässlich, wie das zur Verfügung stehen als Ansprechpartnerin für die verschiedenen Kooperationspartner. Dies wird durch regelmäßige wochentägliche Erreichbarkeit jeweils vormittags persönlich, telefonisch und per erreicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die hohe zeitliche Flexibilität und Mobilität. Es hat sich unbedingt bewährt, das Kennenlernen der Familienpat/innen im familiären Umfeld der Betreuungsfamilie stattfinden zu lassen. Die Familienpat/innen können sich durch den direkten Einblick in die Lebenswelt der Familie besser entscheiden und erleben die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung natürlicher. In begründeten Ausnahmefällen finden Kennenlerngespräche auch in einem neutralen Rahmen statt, z.b. wenn die Familie auf Grund vorheriger schlechter Erfahrungen sich erst vorsichtig einer Familien/patin gegenüber öffnen möchte. In diesem Fall steht im Zentrum Aktiver Bürger ein geeignetes Besprechungszimmer zur Verfügung. Mobilität wird aber vor allem auch im Aufbau sozialer und nachbarschaftlicher Netze verlangt. Bei der Arbeit in sozialen Nahräumen ist es unabdingbar, vor Ort präsent zu sein und wichtige Kontakte zu knüpfen. 4.4 Öffentlichkeitsarbeit (regional) Erstes Modelljahr: Flyer Familienpate gesucht Persönliche Kontakte und Vorstellung des Projektes bei: Stadtseniorenrat, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Projekt Türen öffnen Klabautermann e.v. Seite 6

7 Nestwärme e.v. AWO, Projekte Opstapje und Hippy Beratungsstelle Allersbergerstraße u.a. Informationsstand auf dem Sommerfest des Gemeinschaftshaus Langwasser Vorstellung des Projektes innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Träger stationärer, teilstationärer und ambulanter Hilfen in Nürnberg Verschiedene Artikel in der lokalen Presse (s.a. Pressespiegel) Homepage (stetig aktualisiert) Zweites Modelljahr: Persönliche Kontakte und Vorstellung des Projektes bei Haus der Heimat Langwasser Gemeinschaftshaus Langwasser/ Allgemeiner Sozialdienst Langwasser Stadtteilkoordination, Spielend Lernen Langwasser Regionalabteilung Allgemeiner Sozialdienst Langwasser Arbeitskreis Kindertagesstätten und Schule Mutter-Kind-Treff Langwasser Ambulante Dienste SOS-Kinderdorf, Nürnberg-Schweinau Mehrgenerationenhaus, Nürnberg Schweinau Informationsveranstaltung im Ökumenischen Arbeitslosenzentrum Informationsveranstaltung bei den Treffen der WM Guides Nürnberg Mehrere Treffen mit Nestwärme e.v. und Klabautermann e.v. und Zusammenschluss zu einer Kooperationsgemeinschaft Verschiedene Artikel in der lokalen Presse (s.a. Pressespiegel) Homepage (stetig aktualisiert) Seite 7

8 Drittes Modelljahr: Eröffnung Mehrgenerationenhaus Schweinau 09/ 2007, Vorstellung Familienpatenschaften Jahresfest ZAB-Fürth 09/ 2007, Vorstellung Familienpatenschaften Tag der offenen Tür 10/ 2007, Infostand Fit im Alter auf dem Hauptmarkt Aktionstag mit der Firma ICON Nürnberg 10/ 2007, gemeinsamer Ausflug von ICON-Mitarbeiter/innen, Familienpat/innen und Kindern in das Playmobilland in Fürth Einladung aller Familienpat/innen und betreuten Kinder zur Christkindlesmarkteröffnung 11/ 2007 durch den Sozialreferenten der Stadt Nürnberg 12/2007 Fernsehbeitrag in der Sendung Wir in Bayern, Projekt Familienpatenschaften und mobile Handwerkergruppe Neujahrsempfang ZAB 2008 Eröffnung ZAB-Süd 5/ 2008 Persönliche Kontakte und Vorstellung des Projektes bei Ambulante Dienste des SOS-Kinderdorfes in St.Leonhard/ Schweinau Jugendamt/ Allgemeiner Sozialdienst Langwasser, Dienstbesprechung der Bezirkssozialarbeiter/innen SOS-Jugendhilfen Region Südwest, soziale Gruppenarbeit Mehrgenerationenhaus Schweinau Lebenshilfe, Werkstatt für Behinderte ISKA-Schuldnerberatung Nürnberg Allgemeiner Sozialdienst/ Jugendamt Arbeitstreffen Frühwarnsystem/ Frühe Hilfen Ev. Familienbildungsstätte Nürnberg (FBS) Allgemeiner Sozialdienst/ Jugendamt, Treffen der Dienststellenleiter/innen Seite 8

9 Verschiedene Artikel in der lokalen Presse (s.a. Pressespiegel) Homepage (stetig aktualisiert) Geplante Öffentlichleitsarbeit im Herbst/ Winter 2008: Woche des bürgerschaftlichen Engagements in Nürnberg vom (s.a. Flyer im Anhang) Kongress Kinder stiften Zukunft in Nürnberg vom Öffentlichkeitsarbeit (überregional) Das Modellprojekt findet über die regionalen Grenzen hinaus hohe Beachtung. Benachbarte Kommunen wie Augsburg, Bamberg, Erlangen, Deggendorf, Germering, aber auch Städte und Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet (Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Bremen, Moers u.a.) zeigen großes Interesse an der Konzeption, an Beratung und Projektentwicklung, um ähnliche Projekte verwirklichen zu können. Insofern kann man durchaus von einer Vorbildfunktion sprechen. Referentinnentätigkeit auf Fachtagungen 5. Offenes Forum Familie 12/ 2005 in Nürnberg. Thema: Familie im Stadtteil. Die Bedeutung des sozialen Nahraums für Erziehung, Bildung und Aufwachsen. Dokumentation, Bündnis für Familie (Hrsg.) Zweite Inhouse-Tagung 1/06 in Konstanz, Thema: Frühzeitige Unterstützung von Familien im Wohnumfeld durch Familienpaten Frühjahrstagung der Diözesan- und Landesstellen 3/06 in Würzburg, Thema: Stärkung der Familien durch Bürgerschaftliches Engagement am Beispiel Familienpatenschaften. Kooperationstagung 2/2007 in der Ev. Akademie Tutzing, Thema: Kultur und aktive Bürgergesellschaft, Schwerpunkt Miteinander der Generationen Fachtag Ehrenamtliche Familienpatenschaften 7/ 2007 in Bremen Fachtag Patenschaften 3/2008 in Wilhermsdorf, Landkreis Ravensburg, Vorstellung Modellprojekt Familienpatenschaften Nürnberg Fachtagung des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement in Bayern zu Patenschaftsmodellen 04/ 2008 in Nürnberg Seite 9

10 Fortbildungstag für ehrenamtliche Familienpaten Erlangen 7/08, Vorstellung Modellprojekt Familienpatenschaften Nürnberg, Erfahrungen und Perspektiven Veröffentlichungen: Buchprojekt Glück/Magel/Röbke (Hrsg.) Neue Netze des Bürgerschaftlichen Engagements- Stärkung der Familien durch ehrenamtliche Initiativen, hüthig:jehle:rehm Verlag Ratgeber Kind will kommen!, W. Tümmels, Nürnberg 2005 Informationsbrief Engagiert in Bayern Freiwillige als Paten und Mentoren Geplant Kinder stiften Zukunft Handbuch, Herbst/ Winter 2008 Bündnis für Familie Nürnberg homepage: Dokumentaion Familienpatenschaften Materialband Zusammenstellung von Artikeln in öffentlichen Medien Bündnis für Familie newsletter Verschiedene homepages: Vernetzung und Kooperation Das Projekt Familienpatenschaften ist zum Ende der Modelllaufzeit eingebunden in das Netzwerk professioneller Hilfen in Nürnberg und stellt mittlerweile ein wichtiges, ergänzendes Hilfsangebot für in Nürnberg lebende Familien dar. Familienpatenschaften sind von hoher Akzeptanz und Offenheit seitens anfragender Institutionen und Familien gekennzeichnet, was sich in stetig anwachsenden Anfragen und positiven Rückmeldungen ausdrückt. Offensichtlich schließt das Angebot der Familien/patinnen mit seinem präventiven Laienansatz sinnvoll eine Lücke im Unterstützungsangebot für in Nürnberg Seite 10

11 lebende mehrfachbelastete Familien. Festzustellen ist, dass ein längerfristiger Einsatz von Familienpat/innen im familiären Umfeld für eine präventive Stärkung des Familiennetzes sorgt und gleichzeitig professionelle Hilfen sinnvoll unterstützt. Familienpat/innen erbringen durch ihre Orientierung an der Lebenswelt der Familien eine völlig neue Art der Unterstützung. Sie werden als wichtige Stütze und Begleitung in vielerlei Hinsicht wahrgenommen, gerade weil sie keine professionellen Amtspersonen sind. Durch diese inszenierte nachbarschaftliche Hilfe entsteht oftmals ein enges Vertrauensverhältnis, das unter Umständen auch Kontaktanbahnungen zu professionellen Hilfen bewirkt. Damit erfüllen Familienpat/innen eine wichtige Aufgabe in einem systematischen Aufbau passgenauer Hilfen für Familien in Nürnberg. Die Kooperation und Vernetzung innerhalb des Projektes konnte in den vergangenen drei Jahren erheblich ausgebaut werden. In der Startphase kamen die Anfragen in der Hauptsache vom ASD, verschiedenen ambulanten Diensten freier Träger, Familienberatungsstellen und den Familien selbst. Inzwischen wurden weitere Zugänge über verschiedene Kindertagesstätten und Schulen, die Cnopf`sche Kinderklinik, den Klabautermann e.v., Nestwärme e.v., die deutsche Krebshilfe, die Lebenshilfe e.v., verschiedene Mutter-Kind-Zentren, Alleinerziehenden-Treffs, Fachdienststellen wie MUDRA und Lilith e.v. und verschiedene Migrationsdienste erschlossen. Als verlässlicher Kooperationspartner hat sich Klabautermann e.v. (Nachsorgeprojekt für Familien mit früh- und risikogeborenen, chronisch kranken und behinderten Kindern in Mittelfranken) mit dem Sitz im Nürnberger Südklinikum gezeigt. Klabautermann e. V. wählt gezielt Familien aus, die für eine Familienpatenschaft in Frage kommen und gibt sie an uns weiter. Steht bei den Familien/patinnen niemand zur Verfügung, der für diese Familie geeignet erscheint, leiten wir die Anfrage an den Verein Nestwärme e.v. weiter, der als ZeitSchenker auch Familien unterstützt, in denen ein Kind chronisch krank oder behindert ist. Dieser weitere wichtige Kooperationspartner ist rein ehrenamtlich organisiert und die Kooperation ist in der Zwischenzeit soweit gelungen, dass bei Fragen oder Einschätzungen wir auch gerne zu Rate gezogen werden. Des Weiteren haben wir auch schon eine gemeinsame Fortbildung (Erste Hilfe beim chronisch kranken oder behinderten Kind) organisiert. 5. Vermittlungen Während der Modelllaufzeit arbeiteten wir mit 113 erfolgreich vermittelten Familienpatenschaften. In den Familien leben insgesamt 235 Kinder. Weitere 10 Familien wurden von uns an Nestwärme e.v. und die dort aktiven Zeitschenker/innen weitervermittelt, weil uns zur Zeit der Anfrage keine Seite 11

12 geeigneten Familienpat/innen zur Verfügung standen es aber wichtig erschien zeitnah, passgenaue Hilfe anzubieten. Bei den 113 Familienpatenschaften handelte es sich um 47 Familien mit Migrationshintergrund und 38 Familien mit Mehrfachbelastungen, wie Behinderung oder Erkrankung. In einigen Familien bestand auch eine Kombination aus beiden Merkmalen. Aktuell begleiten wir 55 laufende Familienpatenschaften, 10 befinden sich in der Anbahnungsphase und weitere 58 Familienpatenschaften wurden während der Modelllaufzeit bereits abgeschlossen. Zusätzlich befanden sich 57 Familienpatenschaften während der Modelllaufzeit bereits in der Anbahnungsphase, d.h. eine Familienpat/in stand zur Verfügung, die ersten Kontaktgespräche oder das Kennenlernen hatte bereits stattgefunden, aber es war nicht zu einer Umsetzung von einer Familienpatenschaft gekommen. Die Gründe lagen in 46% der Fälle in der Veränderung des Bedarfs, in 21% in der Absage der Familienpat/innen (Krankheit, berufliche Veränderung, andere Vorstellungen), in 15%, in der Absage der Eltern (andere Vorstellungen, Chemie stimmte nicht), in 9%, in der Notwendigkeit anderer (professioneller) Hilfen und in 9% war kein weiterer Kontakt mehr herzustellen (Telefonnummer geändert, Umzug etc.). Diese Zahlen belegen noch einmal deutlich, wie wichtig die Herstellung der Passung zwischen Familie und Familienpat/innen ist. Für die hauptamtliche Mitarbeiterin steht bei der Umsetzung nicht Quantität sondern die Qualität einer Familienpatenschaft im Vordergrund. 6. Anfragensituation Die Anfragen für Familienpatenschaften kommen überwiegend über Institutionen, die mit Familien arbeiten, davon 34,5 % über ASD Nürnberg und 37,2 % über Freie Träger, Vereine, Mutter-Kind-Treffs, Schulen, Kliniken etc. 28,3 % der Anfragen kommen direkt von den Familien oder über Personen aus deren familiären Umkreis. Auffällig ist bei den Selbstmeldern der Anstieg an Familien mit Migrationshintergrund. Wir stellen fest, dass unser Angebot von Migrantenfamilien, die bereits davon profitieren, direkt an Familien aus ihrem Bekanntenkreis weiter gegeben wird. Die Anfragen kommen aus dem gesamten Stadtgebiet und haben die unterschiedlichsten Bedarfe. Das Spektrum geht von der Hilfe im Haushalt und Kinderbetreuung bis hin zu Hausaufgabenunterstützung und Begleitung beim Umgang mit Ämtern und Behörden. Die Anfragensituation ist unverändert hoch. Seite 12

13 Durch die Kooperation mit Nestwärme e.v. trat eine leichte Entspannung bei ganz akuten Fällen ein. Um die Anfragen- und Warteliste nicht ins Unendliche ansteigen zu lassen, haben wir eine Befristungsdauer auf der Warteliste eingerichtet. Unserer Erfahrung nach hat sich innerhalb von 3 Monaten häufig die akute Situation in den Familien verändert, bzw. entschärft, z.b. KiGa- oder Hortplatz wurde gefunden, der Umzug ist erledigt, ein Therapieplatz ist frei geworden. Gelingt es uns innerhalb von 3 Monaten nicht, eine geeignete/n Familienpat/in zu finden, so wird die Anfrage automatisch von der Warteliste genommen. Anfragende Familien und Institutionen werden davon in Kenntnis gesetzt, dass sie sich nach 3 Monaten erneut melden dürfen, falls weiterer Bedarf nach einer langfristigen Familienpatenschaft besteht. Wir versuchen dann auch, weiterhin geeignete Unterstützung zu vermitteln. Wird die Unterstützung über eine Institution gesucht, wird bereits im Vorfeld geklärt, ob eine Familienpatenschaft die geeignete Unterstützungsmöglichkeit für die Familie ist. Das ZAB prüft die Kapazitäten und gibt Auskunft über die zu berücksichtigende Wartezeit. Kann kein Familienpate/in in Aussicht gestellt werden, muss bei akutem Hilfebedarf nach anderen Lösungen gesucht werden (s.a. Anlage 1 Ablaufschema Vermittlung). 7. Ehrenamtliche Im September 2005 starteten wir mit 35 Familien/-patinnen. Während der Modelllaufzeit hat sich die Zahl der aktiven Familienpat/innen mehr als verdoppelt. Aktuell engagieren sich 73 Ehrenamtliche im häuslichen Umfeld von Familien. Davon 66 als Familienpat/innen (55 Frauen/ 14 Männer) und 7 Hobbyhandwerker aus der mobilen Handwerkergruppe Langwasser. Sie stehen Familien mit niedrigem Einkommen (Zielgruppe Alleinerziehende) bei kleineren Reparaturen in der Wohnung zur Verfügung. Familienpat/innen haben unterschiedliche berufliche Qualifikationen und Lebenserfahrungen. Die Bandbreite reicht von Krankenschwestern, Hausfrauen, Bankkaufleuten, der diplomierten Hauswirtschafterin bis hin zum pensionierten Hauptschullehrer. Die aktiven Familienpat/innen unterstützen hauptsächlich in den Bereichen der Kinderbetreuung und Freizeitbeschäftigung, der Hausaufgabenhilfe und Einzelförderung, bei Behördenangelegenheiten und bei finanziellen Nöten. Sie helfen bei der Wohnungssuche, vermitteln bei Gesprächen mit der ARGE oder dem Sozialamt, transportieren Möbel und übernehmen kleinere Reparaturen im Haushalt. Nicht selten geben sie alltagspraktische Tipps, mit den zu Verfügung stehenden Haushaltsmitteln und vorhandenen Energien im Haushalt ökologischer und ökonomischer umzugehen. Vor allem aber sind sie Seite 13

14 Ansprechpartner/innen und nicht selten Vertrauenspersonen für verschiedene Sorgen und Belange des Familienalltags. Die Zielgruppe der aktiven Familienpat/innen hat sich in den letzten drei Jahren erheblich erweitert. Am Anfang interessierten sich eher Menschen in der nachberuflichen Phase für ein Engagement als Familienpate. Während der letzten beiden Modelljahre konnten wir Familienpat/innen dazu gewinnen, die noch (teilzeit-) berufstätig sind. Meist handelt es sich hier um Frauen, deren Kinder erwachsen geworden sind, die dadurch mehr Freiräume erleben und sich deshalb für andere Menschen engagieren wollen. Vermehrt kommen auch Student/innen während oder nach dem Studium zu uns und wollen als Familienpat/innen Praxiserfahrung sammeln oder die Zeit bis zum Einstieg in den Beruf sinnvoll nutzen. Des Weiteren melden sich Interessierte, die arbeitssuchend gemeldet sind. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es bei diesem Personenkreis wichtig ist, eine rasche Vermittlung herzustellen (mit einem transparenten Zeithorizont), da ihr Engagement meist zeitlich befristet ist. In der Regel sind diese Menschen aber auch von ihren Vorstellungen über das Engagementfeld und den zeitlichen Umfang sehr flexibel. Vom Projekt angesprochen fühlen sich auch Interessierte, die dem Projekt ein bestimmtes Spezialwissen zur Verfügung stellen wollen, z.b. Supervision oder klientenzentrierte Einzelgespräche zur Selbstreflexion. Als eine wichtige Aufgabe zur Erweiterung der Zielgruppe Familienpat/innen sehen wir weiterhin die Anwerbung von Ehrenamtlichen, die einen Migrationshintergrund mitbringen. 8. Aufgaben und Ergebnisse der gesamten Modelllaufzeit: Im ersten und zweitem Modelljahr bemühten wir uns, schwerpunktmäßig Familien/patinnen in mehrfachbelastete Familien mit chronisch kranken Kindern, Kindern mit Behinderungen bzw. Familien mit Migrationshintergrund zu vermitteln. Im dritten Modelljahr stand die Weiterentwicklung von Familienpatenschaften im sozialen Nahraum (Langwasser, Südstadt, Schweinau/ St.Leonhard und Fürth) und die nachhaltigen Sicherung des Projektes im Vordergrund Familien mit chronisch kranken/ behinderten Kindern und Mehrfachbelastung Im zweiten Modelljahr lag der Schwerpunkt der Vermittlung, neben Familien mit Migrationshintergrund, bei den Familien, in denen eine Mehrfachbelastung durch chronische Erkrankung oder Behinderung vorlag. Seite 14

15 Da die Vermittlung von Ehrenamtlichen in diese Familien, ein Differenzierungsmerkmal in dieser Modellphase war, warben wir bei Neuanfragen sehr gezielt für diesen Bereich. Die Resonanz auf unseren Vermittlungsschwerpunkt war in den allermeisten Fällen positiv. Auch Familien/patinnen, die Patenschaften beendet hatten, waren in der Regel bereit sich in solchen Familien neu zu engagieren. Ausgehend von dem Grundgedanken, dass es, wenn eine Familie mit einer Erkrankung oder Behinderung konfrontiert wird, zu einem krisenhaften Erleben innerhalb des gesamten Familiensytems kommt, haben wir 38 Familienpat/innen in diese Familien vermittelt. Nicht nur die Eltern, auch die betroffenen Kinder selbst und die Geschwister erleben eine solche Diagnose als etwas was die Familie erschüttert und aus der Bahn werfen kann. Die Familienpat/innen trugen zur Entlastung und Stabilisierung der Krise bei. Dies wirkte sich stärkend auf das gesamte Familiensystem aus. Die Fallanfragen kamen aus dem gesamten Stadtgebiet und hatten die unterschiedlichsten Bedarfe. Das Spektrum der Unterstützung geht von der Hilfe im Haushalt über Unterstützung bei den Geschwisterkindern bis hin zu Unternehmungen und der Pflege des kranken Kindes. Auffallend war in diesem Engagementfeld, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sich oftmals deutlich vielfältiger engagieren als beim Kennenlerngespräch vereinbart wurde. So hat z.b. eine Familienpatin zu Beginn der Patenschaft hauptsächlich auf das gesunde Geschwisterkind aufgepasst und ist immer mehr in die Rolle der Vertrauten für die Mutter hinein gewachsen. Am Ende hat diese Aufgabe es ermöglicht, dass die alleinerziehende Mutter einen Kuraufenthalt wahrgenommen hat, der ihr vorher unmöglich erschienen war. Sie setzte sich damit auseinander was es heißt ein behindertes Kind zu haben. Dadurch war es ihr möglich, einen positiven Zugang zu dieser neuen Familiensituation zu finden. Die Familienpatin konnte sich nach dem Kuraufenthalt der Mutter mehr und mehr zurück ziehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es in einigen Fällen zu einem relativ unvermittelten Ende der Familienpatenschaften kam. Die Gründe dafür liegen vermutlich in den sich rasch ändernden Lebensumständen der Familien. Ein Beispiel dafür war eine Familie mit drei Kindern, eines davon ist schwerstbehindert. Die Mutter kümmerte sich mit Hingabe um das einjährige Kind, und eine Ehrenamtliche unterstützte sie tatkräftig. Die Mutter wurde erneut schwanger und sie gab das behinderte Kind in ein Heim. Daraufhin vermied die Mutter jeglichen Kontakt und die Familienpatenschaft musste beendet werden, ohne dass ein klärendes Gespräch möglich war. Seite 15

16 Ein weiteres Spezifikum dieses Schwerpunktes war, dass die Vermittlung möglichst schnell geschehen musste, da die Lebenssituation meist gekennzeichnet war von einer akuten Krise. Da nicht immer ausreichend Ehrenamtliche zu Verfügung standen, bauten wir eine Kooperation mit Nestwärme e.v. und den sogenannten Zeitschenker/innen auf (siehe Diese Ehrenamtlichen widmen ihre Zeit ausschließlich Familien, die von Krankheit oder Behinderung betroffen sind. Sie unterstützen, ähnlich wie die Familienpat/innen, Familien in akuten Krisen und ggf. auch längerfristig. In der Praxis vermittelte die hauptamtliche Mitarbeiterin an die Zeitschenker/innen weiter, wenn keine passende Familienpat/in zu Verfügung stand. Im Gegenzug luden wir die Zeitschenker/innen zu den angebotenen Fortbildungen und Aktionen ein, was auch gerne angenommen wurde. Diese Kooperation hat sich als sehr fruchtbar und sinnvoll erwiesen. Es trat dadurch eine leichte Entspannung bei der hohen Anfragensituation ein. Insgesamt konnten 10 Familien an Nestwärme abgegeben werden. Ein weiterer wichtiger Kooperationspartner war Klabautermann e.v. (siehe Klabautermann e.v. ist dem Nürnberger Südklinikum angeschlossen und bietet betroffenen Familien eine Nachsorge durch eine Krankenschwester an, wenn die Familien aus der Klinik entlassen werden. Nach Kooperationsgesprächen und einem gemeinsamen Presseartikel stellte Klabautermann e.v. die Anfragen an die hauptamtliche Mitarbeiterin und diese leitete sie ggf. weiter an die Nestwärme e.v., wenn keine geeignete Familienpat/in gefunden werden konnte. Weitere Kooperationspartner waren Mudra e.v., Cnopfsche Kinderklink, Kinderarztpraxen, Lebenshilfe, Mütterzentrum u.a. Durch den Einsatz von Familienpat/innen im häuslichen Umfeld gelang es den betroffenen Familien den Alltag zu erleichtern, akute Krisen zu bewältigen und Genesungs- und Entwicklungsprozesse nachhaltig zu stabilisieren. 8.2 Familien mit Migrationshintergrund Von September August 2008 wurden 47 Familienpatenschaften mit Familien mit Migrationshintergrund (Herkunftsländer: Türkei, China, Moldawien, Russland, Ukraine, Ecuador, Brasilien, Aserbaidschan u.a.) geschlossen. Vermehrt kamen im letzten Jahr Familien aus dem Irak auf uns zu. Manchmal läuft der Erstkontakt am Telefon über die betroffenen Kinder, da sie ihren Eltern sprachlich überlegen sind. In den meisten Fällen handelt es sich hier um Unterstützungsbedarf bei der Hausaufgabenbetreuung, Sprachförderung und der Begleitung bei schulischen Belangen (z.b. gemeinsames, vermittelndes Gespräch mit einer Lehrkraft). Familienpat/innen leisten auch bei der Seite 16

17 Orientierung und dem Übergang in eine höhere Schule bzw. beim Übergang von Schule in den Beruf Hilfe. Ein weiteres Aufgabenfeld für Familienpat/innen mit dieser Zielgruppe ist Begleitung bei Behörden und Ämterangelegenheiten, beim Post sortieren und Lesen (Analphabetismus) und bei ganz alltagspraktischen Angelegenheiten. Viele Familien mit Migrationshintergrund haben wenig Außenkontakte und bewegen sich fast ausschließlich in den Grenzen der Herkunftsgemeinschaft. Durch den Einsatz von Familienpat/innen entsteht ein erweitertes Netzwerk zur Mehrheitsgesellschaft. Auch hier stellen wir fest, dass sich die eingesetzten Familienpat/innen weit mehr engagieren, als sie am Anfang für sich festlegen. Ein Familienpate, der ursprünglich bei einer Familie (Irak) mit drei Kindern, eines davon schwerstbehindert, eingesetzt wurde, um Hausaufgabenhilfe zu leisten, unterstützt inzwischen auch in anderen Bereichen die gesamte Familie. Z.B. hilft er dabei, eine behindertengerechte Wohnung (mit Lift) zu finden oder er unterstützt beim Verstehen von Krankenhausschreiben, Abrechnungsbelegen der Krankenversicherung etc. In den Sommerferien hat er ein Ferienprogramm für die Geschwisterkinder organisiert, so dass die Mutter auch einmal durchschnaufen kann. In den meisten Fällen ist der Einsatz von Familienpat/innen in Familien mit Migrationshintergrund ein Gewinn für beide Seiten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Familienpate denselben Migrationshintergrund mitbringt wie die Familie. Vielmehr ist entscheidend, ob beide Seiten offen und wertschätzend aufeinander zugehen und zueinander passen. 8.3 Familienpatenschaften im Sozialen Nahraum Aufwachsen, Alter und Armut sind die zukünftigen drei Schwerpunkte, die für die Nürnberger Sozialpolitik stehen. Vor dem Hintergrund neuer sozialer Probleme und angesichts einer schwierigen Haushaltslage soll eine Neuausrichtung der Handlungsfelder der sogenannten drei A`s mit einem deutlichen sozialräumlichen Bezug kombiniert werden. Der Orientierungsrahmen des städtischen Sozialreferates 2 hebt dabei hervor, dass angesichts vorhandener Ressourcen bestehende Aktivitäten und lokale Potentiale gebündelt werden müssen und legt Leitlinien für das fachliche Handeln fest: Dazu gehört u.a. die Entwicklung sozialer Nahräume und die Aktivierung der Zivilgesellschaft. Das Zentrum Aktiver Bürger Nürnberg arbeitet seit zehn Jahren eng mit der Stadt Nürnberg zusammen und versucht seit über zwei Jahren den sozialräumlichen Ansatz in Projekten umzusetzen. Im Auftrag der Stadt und in Kooperation mit verschiedenen städtischen Dienststellen und Einrichtungen sind inzwischen in 2 Orientierungsrahmen für eine nachaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg. Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg. Nürnberg 2005 Seite 17

18 ausgewählten Stadtteilen sozialräumliche Strukturen entwickelt und erprobt, z.b. in Langwasser, in St.Leonhard/ Schweinau, Südstadt. In einer seit 2007 mit dem Sozialreferat konzipierten Rahmenvereinbarung werden wichtige Komponenten für die sozialräumliche Einbettung 3 definiert. Es werden Schlüsselprojekte benannt, die vor allem in den ausgewählten, als sozial benachteiligt eingestuften Stadtteilen, sozial räumlich umgesetzt werden sollen. Hier zu zählen: Familienpatenschaften Betreuter Umgang Bürgerschaftliches Engagement an Kitas und Schule Bildungspatenschaften sowie zentrale Dienste, die zum Beispiel für die Anwerbung Ehrenamtlicher und die Organisation von Fortbildungen sowie eine passende Anerkennungskultur zuständig ist. Abbildung 1: Vernetzung von Stadtteil- und Ehrenamtskoordination im Sozialraum Diese Organisation des Bürgerschaftlichen Engagements im Stadtteil, das in drei lokale Anlaufstellen gebündelt ist (zu denen noch ein ZAB in der Nachbarstadt Fürth und die ZAB-Zentrale zählt) stehen Stadtteilkoordinator/innen gegenüber. 3 Röbke,Thomas: Zwischen Graswurzelbewegung und geordneten Strukturen-Lokale Engagementpolitik am Beispiel Nürnberg. In: Forschungsjournal NSB, Jg.21,2/2008, Lucius Verlag. Seite 18

19 Sie haben als städtische Mitarbeiter/innen die Aufgabe, die professionellen Dienste und Einrichtungen im Quartier, die für das Leben der Familien wichtig sind, zu vernetzen Familienpatenschaften Langwasser Ausgangslage im Stadtteil: Seit Mai 2006 existiert eine lokale Anlaufstelle ZAB im Stadtteil Langwasser. Langwasser ist ein sogenannter Trabantenstadtteil im Süden von Nürnberg mit Einwohnern und einer hohen Anzahl von Migrant/innen aus den ehemaligen Ostblockländern. Das ZAB-Lokal ist in die Räume des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt Nürnberg integriert und steht auch in direkter Nachbarschaft zu dem Projekt Spielend Lernen, das vom Bundesamt für Migration gestartet wurde. Eine etablierte Stadtteilkoordinatorin hat hier die Aufgabe, Bildungsprozesse von Migrantenkindern zu unterstützen. Im Vordergrund steht hierbei die bessere Vernetzung von zusammenwirkenden Institutionen, um die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Handlungsebene: Vier Säulen (Schlüsselprojekte) wurden bislang aufgebaut und entlang des jeweiligen besonderen sozialräumlichen Bedarfs weiter entwickelt: Familienpatenschaften Große für Kleine Ehrenamtliche (Ehrenamtliche Mithilfe an Kindertagesstätten) Unterstützung individueller Bildungsprozesse und Neigungsangebote an Grundschulen Bildungspaten (Hilfestellung im Übergang in Lehre und Beruf) Familienpatenschaften werden weiterhin von der ZAB- Zentrale aus gesteuert, das heißt Aufgaben wie Vermittlungsarbeit, matching zwischen Familienpat/innen und Familien, Coaching und Fortbildungen im Bereich Familienpatenschaften obliegt weiterhin dem sogenannten Kompetenzzentrum in Gostenhof. Die Verantwortliche für das Projekt Familienpatenschaften und die Leitung der ZAB-Lokal tauschen sich regelmäßig aus und arbeiten systematisch zusammen, z.b. wenn es um für das Projekt wichtige Kooperationstreffen oder Veranstaltungen im Stadtteil oder um die schnelle Vermittlung von potentiellen Familienpat/innen vor Ort geht. Seite 19

20 Kooperation: Allgemeiner Sozialdienst Langwasser (ASD), Arbeitskreis Kita-Schule, Arbeitskreis Kita-ASD, runder Tisch AK-Jugend, Arbeitskreis Senioren, Vollversammlung Bürgerverein Langwasser, Projekttag/ Stadtteilforum. Neue Projektentwicklungen: Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Projekten aus dem Stadtteil heraus und in den Stadtteil hinein ist die jährlich von der ZAB-Zentrale durchgeführte Schulung Erfahrungswissen für Initiativen (kurz EFI). Am Ende dieser Ausbildung stehen sogenannte SeniorTrainer/innen zur Verfügung, die geeignet sind, selbstverantwortlich ehrenamtliche Projekte aufzubauen. Für den Aufbau des ZAB-Lokal in Langwasser wurde ein zusätzlicher EFI-Kurs angesetzt, um die hauptamtlich Verantwortliche mit einem sogenanntem Kompetenzteam zu stützen. Innerhalb der Modelllaufzeit haben sich in der Zusammenarbeit zwischen ZAB- Lokal und ZAB-Zentral Familienpatenschaften und den Akteur/innen vor Ort folgende neue Unterstützungsangebote für Familien im Stadtteil entwickelt: Handwerkliche Unterstützung: ZAB-Mobil Die Gruppe versteht sich als soziale Handwerkergruppe und arbeitet mit dem ZAB-Lokal Langwasser und dem Projekt Familienpatenschaften intensiv zusammen. Sie setzt sich aus insgesamt 7 ehrenamtlichen Mitarbeitern und langzeitarbeitslosen Menschen, die über das Projekt 58 plus von der ARGE gefördert werden, zusammen. Alle stammen entweder ursprünglich aus handwerklichen Berufen, wie Dachdecker, KFZ-Meister, Fliesenleger, Elektriker oder sind Hobbyhandwerker. Die Gruppe leistet etwa 130 Stunden pro Woche in sozialen Einrichtungen und privaten Haushalten (bisher 30 Einsätze). Die Handwerkergruppe unterstützt beispielsweise verschiedene Kindertagesstätten aus dem Projekt Große für Kleine, den Bauspielplatz Langwasser, sowie Familien mit geringem Einkommen. Sie baut Schränke auf oder tapeziert Wohnungen, repariert Bobbycars in Kitas oder Dächer auf dem Bauspielplatz. Bei Einsätzen der ZAB- Mobil- Handwerker in Privathaushalten ist es oftmals wichtiger ein offenes Ohr für die Belange der Hilfesuchenden zu haben, als die Reparatur selbst. Das Zuhören wirkt manchmal entlastender auf die Betroffenen, als das Auswechseln der Glühbirne. Die Aufträge, die vom Projekt Familienpatenschaften vermittelt werden, sind immer mit der hauptamtlich Verantwortlichen besprochen, die konkreten Arbeiten werden im Zweierteam durchgeführt. Seite 20

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