Kurzfassung. Der Nonprofit-Sektor in einer sich wandelnden. Wirtschaft

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1 Kurzfassung Der Nonprofit-Sektor in einer sich wandelnden Wirtschaft Overview The Nonprofit Sector in a Changing Economy German translation Die Kurzfassungen enthalten auszugsweise Übersetzungen von OECD- Publikationen. Sie sind unentgeltlich beim Online-Bookshop der OECD erhältlich Diese Kurzfassung ist keine amtliche OECD-Übersetzung. ORGANISATION FOR ECONOMIC CO-OPERATION AND DEVELOPMENT ORGANISATION FÜR WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT UND ENTWICKLUNG

2 Vorwort In den vergangenen 20 Jahren hat das "Co-operative Action Programme on Local Economic and Employment Development" der OECD (Programm für lokale Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung, auch bezeichnet als LEED-Programm, Direktorat für Beschäftigung, Arbeit und Soziales) umfassende Arbeiten auf dem Gebiet des sozialen Zusammenhalts und der Existenzgründung auf lokaler Ebene durchgeführt. Die Notwendigkeit, durch die Schaffung und Verbreitung "sozialer Unternehmen" und anderer Organisationen des Nonprofit-Sektors (Fostering Entrepreneurship, OECD, 1998) als Mittel zum Erreichen von wirtschaftlichem Fortschritt und sozialem Zusammenhalt auf lokaler Ebene Wirtschaft und Gesellschaft miteinander zu versöhnen (Reconciling Economy and Society, OECD, 1996) ist eine der wichtigsten Maximen des LEEDS-Programms. Das LEED-Programm hat seit 1997 auf breiter Basis soziale Unternehmen analysiert (Social Enterprises, OECD, 1999), die materielle Güter (oftmals innovative Produkte und Leistungen, die einem bisher unbefriedigten kollektiven Bedarf entsprechen) oder auch immaterielle Güter (soziale Wohlfahrt, soziales Kapital, sozialer Zusammenhalt und soziale Kohäsion) produzieren. Die Forschungsthematik dehnte sich weiter aus auf die Analyse des Nonprofit-Sektors, zu dem die sozialen Unternehmen gehören, und die von ihnen stark favorisierte unternehmerische Ausrichtung. Als gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission, des German Marshall Fund of the United States und der Corporation for Enterprise Development (USA) wurde im September 2000 beim Internationalen Währungsfond in Washington DC eine internationale Konferenz über "The Role of the Non-profit Sector in Local Development: New Trends" (Rolle des Nonprofit-Sektors in der lokalen Entwicklung: neue Trends) abgehalten. Diese Konferenz - die erste, die im Rahmen des neu eingerichteten LEED Forum on Social Innovations (April 2000) stattfand brachte neue Einblicke in Bezug auf Rolle und Beitrag des Nonprofit-Sektors im internationalen, nationalen und lokalen Gemeinwesen. Die vorliegende Publikation enthält einige der auf der Konferenz präsentierten Referate. Diese wurden später aktualisiert und ergänzt durch eine Reihe neuer Beiträge, durch die der ursprüngliche theoretische Rahmen und der geografische Einzugsbereich erweitert wurden. Die Publikation wurde vorbereitet von Antonella Noya und Corinne Nativel vom Sekretariat der OECD. Ihre Fertigstellung wäre jedoch nicht möglich gewesen ohne die Mitarbeit vieler Personen innerhalb und außerhalb des LEED-Programms der OECD. Gedankt sei insbesondere Helen Shields, Jennah Huxley, Deidre Claassen Sheelagh Delf und Valerie Labourdette für ihre fachkundige redaktionelle und technische Unterstützung sowie Jean-Pierre Pellegrin, Marie Corman und Sergio OECD,

3 Arzeni als Leiter bzw. Administrator des LEED-Programms und Consultants für die wertvollen Anregungen ihrerseits. Unser ganz besonderer Dank geht schließlich an Professor Carlo Borzaga, der die Arbeit des Sekretariats zu den in diesem Buch behandelten Themen in den vergangenen Jahren durch seine tatkräftige Mitarbeit maßgeblich unterstützt hat. Die Veröffentlichung der Publikation erfolgt unter der Verantwortung des Generalsekretärs der OECD. 3 OECD 2003

4 KURZZUSAMMENFASSUNG Der Nonprofit-Sektor im 21. Jahrhundert: ein wichtiger Akteur für Wirtschaft und Gesellschaft Der Nonprofit-Sektor, der häufig mit Begriffen wie "social economy" (Sozialwirtschaft), "third sector" (Dritter Sektor) und "third system" (Drittes System) in Verbindung gebracht wird (siehe dazu das einschlägige Glossar), gewinnt als wirtschaftliche und soziale Kraft weltweit an Bedeutung und ist in den meisten OECD-Staaten ein Schlüsselelement in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik. Alle oben genannten Begriffe beziehen sich im Großen und Ganzen auf den gleichen Gedanken: es handelt sich um einen zwischen Staat und Markt angesiedelten Sektor, der wirtschaftliche und soziale Aufgaben erfüllt, gemeinnützige Zwecke verfolgt und als Endziel nicht die Umverteilung von Gewinn anstrebt. Jeder dieser Termini unterstreicht jeweils nur einen Aspekt des Sektors. Während der in den USA entstandene Begriff "non-profit sector" hauptsächlich auf das Fehlen einer Umverteilung von Gewinnen abstellt, unterstreicht der Begriff "social economy" (frz. "énonomie sociale") die sozioökonomische Dimension des Sektors, und der Begriff "third sector" hebt dessen Position zwischen Staat und Markt hervor. Das vorliegende Buch verwendet den Terminus "non-profit sector", da dies der in internationalen Debatten unter den OECD-Mitgliedstaaten am meisten gebrauchte und am besten verstandene Begriff ist. In seiner Interpretation von "non-profit sector" beschränkt sich das Buch jedoch nicht auf die von der John Hopkins University geprägte "Urdefinition" (siehe Glossar), sondern bezieht sich auch auf die Sozialwirtschaft und den Dritten Sektor. De facto wird in der Veröffentlichung generell das ganze Spektrum von Einrichtungen betrachtet, die all diesen Bereichen angehören. Bei einer ausschließlichen Fokussierung auf den Nonprofit-Aspekt würde man unseres Erachtens das eigene Verständnis des Sektors limitieren und einige seiner wesentlichen Elemente unbeachtet lassen: zum Beispiel seine Fähigkeit, diverse gemeinnützige Dienste zu produzieren, die nicht durch Informationsasymmetrien gekennzeichnet sind 1 (Hansmann, 1986); seine Fähigkeit, immaterielle Güter wie soziale Wohlfahrt, soziales Kapital oder sozialen Zusammenhalt zu produzieren; und schließlich seine Fähigkeit, so genannte "relational assets" (GUI, 2001) zu produzieren. Dieser Begriff bezeichnet Assets, die sich aus der Wechselwirkung unter den Organisationen des Nonprofit-Sektors 1 Hansmann vertritt die Meinung, dass nicht gewinnorientierte Organisationen bei "contract failure" (Vertragsversagen) besser in der Lage sind, die Konsumenten mit bestimmten Gütern zu versorgen. Zu einem solchen "contract failure" kommt es laut Hansmann dann, wenn es wegen der Kluft zwischen Käufer und Anbieter und den dadurch bedingten Informationsasymmetrien oder wegen des kollektiven Nutzens des betreffenden Gutes schwierig ist, die Qualität der erzeugten Güter (oder Dienstleistungen) zu überwachen. Daher bevorzugen die Konsumenten nicht gewinnorientierte Verteilorganisationen, wo für die Erzeuger weniger der Anreiz besteht, ihren Informationsvorteil opportunistisch auszunutzen. OECD,

5 und deren "Kunden" und Stakeholdern ableiten. Diese "relational assets" lassen sich definieren als lokale öffentliche Assets, welche das Ergebnis von Beziehungen sind, bei denen Identität, Einstellung und Motivationen der beteiligten Personen - der "Stakeholder" als wesentlich für die Entstehung und den Wert der betreffenden Assets gelten. Zu den "relational assets" gehört auch die Beziehung selbst als wirtschaftliches Asset (Bruni 2002). Ein klares Beispiel für "relational assets" ist im Bereich der "proximity services" (frz. "services de proximité", d. h. Nachbarschaftsdienste) und des Gesundheitswesens. Hier ist das Vertrauen zwischen Anbieter (z. B. ein Verein, der häusliche Pflegeleistungen erbringt) und Empfänger der Leistungen (ein alter Mensch, der die Pflege erhält) ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Beziehung. Vertrauen ist ein "relational asset", welches im Rahmen der Beziehung produziert und konsumiert wird. Organisationen des Nonprofit-Sektors zeichnen sich dadurch aus, dass die "relational assets" hier ausgeprägter sind als bei gewinnorientierten Unternehmen und öffentlichen Institutionen (Borzaga, 1997), obwohl der Begriff der "relational assets" auch für den Privatsektor angewandt wird (siehe z. B. Storper, 1997; Nelson und Winter, 1992). Würde man diese Gesichtspunkte unbeachtet lassen, so würde man die wichtigsten Resultate vieler Nonprofit-Organisationen ignorieren, deren Beitrag zum lokalen wirtschaftlichen Wohlstand ja gerade darin besteht, dass sie eine positive Dynamik erzeugen, die sich auf das soziale Gefüge auswirkt und das soziale Kapital fördert. Der Nonprofit-Sektor existiert in manchen OECD-Mitgliedstaaten seit vielen Jahren und hat sich in den jüngsten Jahrzehnten weltweit entwickelt hauptsächlich als Antwort auf die Krise der Wohlfahrtssysteme und die offensichtliche Notwendigkeit, diese neu zu gestalten (insbesondere im europäischen Kontext), und als neue Strategie gegen soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung. Dies sind aber weder die einzigen noch die wichtigsten Gründe für die Entstehung und die Modernisierung des Nonprofit-Sektors. Die Tatsache, dass die "global associational revolution" (Salamon und Anheier, 1999) allem Anschein nach von der ursprünglichen Vision des Nonprofit-Sektors von Wirtschaft und Gesellschaft angetrieben wurde, gibt ihm eine eigenständige Legitimität und Funktion über die ihm üblicherweise zugewiesene Restrolle hinaus (OECD, 1999). Der Nonprofit-Sektor ist überall in der Welt eine weitaus bedeutendere wirtschaftliche Macht, als gemeinhin angenommen wird. In den 35 Ländern, die in der vergleichenden Johns Hopkins Studie über den Nonprofit-Sektor (Johns Hopkins Comparative Non-profit Sector Project) erfasst sind, sind nahezu 39,5 Millionen Menschen auf Vollzeitbasis im Nonprofit-Sektor (ohne traditionelle Genossenschaften) tätig. Der Nonprofit-Sektor beschäftigt 3,6 % der Bevölkerung im Erwerbsalter; dies entspricht 7,3 % der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft und 46 % der Beschäftigung im öffentlichen Sektor. Würde man den Nonprofit-Sektor als separate Wirtschaft betrachten, so stünde diese weltweit der Größe nach an sechster Stelle, hinter den Vereinigten Staaten, Japan, China, Deutschland und Frankreich (Salamon, 2002). In den Ländern, für die vergleichende Daten vorliegen, zeigte der Nonprofit-Sektor in jüngerer Zeit Anzeichen für ein starkes Wachstum. Zwischen 1990 und 1995 nahm die Beschäftigung im Nonprofit-Bereich um 23 % zu, im Vergleich zu 6 % für die gesamte Wirtschaft. Innerhalb der Europäischen Union wird die wirtschaftliche und soziale Signifikanz des (als "Sozialwirtschaft" oder "Dritter Sektor" bezeichneten) Nonprofit-Sektors in zunehmendem Maße anerkannt. Die Bedeutung dieses Sektors wird auch angesichts neuer Bedürfnisse immer größer. Nach jüngsten Schätzungen sind in der Europäischen Union ca. 9 Millionen Arbeitnehmer auf Vollzeitbasis im Nonprofit-Sektor beschäftigt. Dies entspricht 7,9 % der abhängigen zivilen Beschäftigung in der EU (CIRIEC, 2000). 71 % der Arbeitsplätze im Nonprofit-Sektor entfallen auf Verbände, 27,5 % auf Genossenschaften und 3,1 % auf Selbsthilfeorganisationen. 5 OECD 2003

6 Der Sektor betätigt und entwickelt sich in vielen Bereichen der Wirtschaft, vom Gesundheits- und Betreuungswesen über Umwelt und Sozialdienste bis zu den Bereichen Bildung und Beschäftigung. Dies erfolgt über Organisationen, die je nach rechtlichem und kulturellem Hintergrund in den einzelnen Ländern einen unterschiedlichen rechtlichen Status besitzen: es kann sich um Verbände, um traditionelle Genossenschaften, soziale Genossenschaften, Wohltätigkeitsorganisationen, Stiftungen oder andere Arten von Organisationen handeln. Es gibt also eine Vielzahl verschiedener rechtlicher Statuten für die verschiedenen Arten von Organisationen, die dem Nonprofit-Sektor angehören, und es gibt auch keine allgemeine Theorie zur Erklärung der Beschränkungen und der wettbewerblichen Vorteile des Sektors insgesamt. Eine solche Theorie würde den Politikern und sogar den Praktikern aus dem Nonprofit-Sektor selbst wahrscheinlich ein besseres Verständnis des Sektors und seiner Aufgabenstellung gestatten. Trotz nationaler Unterschiede, die den Sektor auf einzelstaatlicher Ebene beeinflussen und formen, sind in Bezug auf die Entwicklung des Nonprofit-Sektors in den im vorliegenden Buch betrachteten Ländern (EU-Länder, USA, Mexiko, Kanada [Quebec] und Australien) einige gemeinsame Trends zu erkennen. Zum Beispiel wird deutlich, dass der Nonprofit-Sektor in den Ländern, wo er gut etabliert ist, sich immer stärker unternehmerisch ausrichtet, seine Abhängigkeit von öffentlichen Geldern verringert und mit innovativen Fundraising-Techniken experimentiert. Er ist auch eher bereit, an der Entwicklung neuer Evaluierungsinstrumente mitzuwirken, mit denen die unmittelbare Leistung und die mittelbaren Ergebnisse seiner Tätigkeit (Schaffung von sozialem Kapital, Rehabilitierung individueller und kollektiver Bürgerrechte, Beschäftigungschancen benachteiligter Arbeitnehmerkategorien, soziales Wohlbefinden, Neubelebung der lokalen Wirtschaft, Modernisierung lokaler Management-Modelle) und somit der "soziale Mehrwert" ermittelt werden kann. Der im Buch dargelegte Überblick deutet hin auf einen wachsenden und sich verändernden Sektor, der dabei ist, seine Management- und Geschäftsmethoden anzupassen, um möglichst gut mit den aus den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Trends (z. B. die Entstehung globaler Märkte und die Verknappung öffentlicher Mittel) resultierenden Anforderungen und Chancen zurecht zu kommen. Dabei ist der Sektor mit einer wesentlichen Herausforderung konfrontiert, nämlich der Herausforderung, seine "organisatorische Identität" - d. h. " that which is central, distinctive and enduring" (Albert und Whetten, 1985) nicht zu verlieren. Die Nonprofit-Einrichtungen können verschiedene organisatorische Identitäten besitzen, wie z. B. als "social enterprises" in den USA (Young, 2001); ihre Aufgabenstellung besteht insgesamt aber für alle stets darin, zu nachhaltigem Wachstum, allgemeinem Wohlstand, sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit beizutragen und menschliche Werte in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Die Organisationen des Nonprofit-Sektors sind primär auf lokaler Ebene tätig; sie sind in den von ihnen mitgestalteten Gebieten stark verwurzelt und stützen sich auf formelle und informelle Netzwerke von Personen, Wissen und Ressourcen auf lokaler Ebene. Zur lokalen Entwicklung kann das Dritte System auf verschiedene Art und Weise beitragen: durch Entwicklung neuer Güter und Dienstleistungen entsprechend dem spezifischen lokalen Bedarf durch integrationsfördernde Maßnahmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Verbesserung der Atmosphäre und der Attraktivität des Gebiets durch Konsolidierung von Partnerschaften und Eigenverantwortung lokaler Akteure OECD,

7 durch eine vorwiegend langfristige Vision und dementsprechend Förderung nachhaltiger Projekte (ECOTEC, 2001). Der Evaluierungsbericht zum EU-Pilotprojekt "Drittes System und Beschäftigung" (http://www.europa.eu.int/comm/employment_social/empl&esf/3syst/index_en.htm) zieht den Schluss, dass Initiativen im Rahmen des Dritten Systems, auch wenn sie primär auf die Bedürfnisse von Einzelpersonen ausgerichtet sind, auf jeden Fall auch dem lokalen Gemeinwesen zugute kommen. Organisationen des Nonprofit-Sektors können dazu beitragen, auf lokaler Ebene bestehende Unterschiede in Bezug auf die Bereitstellung von Diensten sowie den Zugang zu Gütern, Diensten und Beschäftigungsmöglichkeiten abzubauen, und können damit in Städten und Regionen, die derzeit große räumliche Ungleichheiten aufweisen, die Entstehung von Kohäsion fördern. Es besteht jedoch eindeutig eine Kluft zwischen der Bedeutung des Nonprofit-Sektors auf lokaler Ebene (dies ist einer der klaren Trends, die die Verfasser dieser Veröffentlichung unterstreichen) und der Anerkennung dessen von Seiten der "Policymaker" auf nationaler und lokaler Ebene, denen häufig ein klares Verständnis der möglichen Rolle dieses Sektors fehlt. Aufgrund dieses mangelnden Wissens und Verständnisses sind die unterstützenden politischen Maßnahmen zu eng angelegt; der breitere gesamtwirtschaftliche Kontext bleibt unberücksichtigt. Eine verbesserte Kenntnis der Merkmale und Trends dieses Sektors würde für eine bessere Wahrnehmung und eine verbesserte öffentliche Politik zur Begleitung des Sektors sorgen: wenn der Nonprofit-Sektor einen angemessenen Rechtsrahmen erhält, wenn dedizierte politische Konzepte für ihn erarbeitet und er in allgemeineren Politikbereichen wie Industrie- oder Beschäftigungspolitik mit eingebunden wird, wird dies zur soliden Etablierung des Sektors in der Wirtschaft beitragen. Die Einrichtung von Satellitenkonten für den Nonprofit-Sektor im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, wie vom "Handbook on Non-profit Institution in the System of National Accounts" (entwickelt vom John Hopkins Center for Civil Society Studies und der Statistik-Abteilung der Vereinten Nationen) empfohlen, wird sicherlich mithelfen, den Sektor quantitativ besser abzugrenzen und die dazu gehörigen Institutionen zu identifizieren. Dabei wird im Rahmen solcher Satellitenkonten der Schwerpunkt auf traditionelle makroökonomische Daten wie z. B. Anzahl der Organisationen, Anzahl der Arbeitnehmer und ehrenamtlichen Mitarbeiter, Löhne und Gehälter, sonstige Aufwendungen, Einnahmen, staatliche Unterstützung, Beitrag zum BIP usw. gelegt. Für ein besseres Verständnis der Nonprofit-Sektors aus qualitativer Sicht ist es aber unerlässlich, die Auswirkungen der "Produktion" des Sektors und dessen sozialen Nutzen zu ermitteln. Dies trägt zu einer Versachlichung der Debatte über den Wettbewerb zwischen Nonprofit-Sektor und gewinnorientierten Unternehmen wie auch zwischen öffentlichen Einrichtungen und Nonprofit- Organisationen bei und macht es darüber hinaus auch leichter, die Position des Nonprofit-Sektors innerhalb einer pluralen Wirtschaft zu erkennen. Ausgehend von dieser Überlegung sind sowohl die unmittelbare Leistung als auch die mittelbaren Ergebnisse zu evaluieren. Diese Faktoren repräsentieren den quantifizierbaren effektiven Beitrag des Nonprofit-Sektors. Viele gewinnorientierte Unternehmen erreichen allerdings durch eine sozialverantwortliche Einstellung ebenfalls solche Ergebnisse. Daher sind neue Evaluierungsmethoden erforderlich. Bei der Evaluierung des Nonprofit- Sektors und der Entwicklung umfassenderer Messinstrumente wie z. B. dem "Sozialbericht" (engl. "social report", frz. "bilan social et sociétal") ist zwar schon einiger Fortschritt erzielt worden, aber viele Herausforderungen liegen noch vor uns. Eine der Hauptaussagen des vorliegenden Buches ist schließlich, dass wir uns auf einem multidimensionalen Markt befinden, wo verschiedene Organisationen nebeneinander existieren 7 OECD 2003

8 können; der Nonprofit-Sektor hat an Bedeutung gewonnen, auch wenn sein Platz auf dem Markt nach wie vor unklar und etwas begrenzt ist. Durch erhöhte Transparenz und ein verbessertes Verständnis des Sektors (zusammen mit anderen Faktoren) würden sich bessere Rahmenbedingungen dafür schaffen lassen, dass er in adäquaterer Weise zu einem allgemeinen Wachstum und Wohlstand beiträgt, von dem mehr Menschen profitieren können. Dabei soll dieses Buch mithelfen. OECD,

9 Inhaltsverzeichnis der englischen Originalfassung der Veröffentlichung (ohne Anhänge und ohne Kasten-, Tabellen- und Abbildungsverzeichnis) SYNTHESE Der Nonprofit-Sektor im 21. Jahrhundert: ein wichtiger Akteur für Wirtschaft und Gesellschaft Gestaltung, Finanzierung und Evaluierung des Nonprofit-Sektors: eine Zusammenfassung der Schlüsselthemen des Buches TEIL EINS DER NONPROFIT-SEKTOR HEUTE KAPITEL 1 NEUE TRENDS IM NONPROFIT-SEKTOR IN EUROPA: DAS AUFKOMMEN EINES SOZIALVERANTWORTLICHEN UNTERNEHMERUMS von Carlo Borzaga, wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Trient (Italien), und Alceste Santuari, Universität Trient Historischer Hintergrund Der Nonprofit-Sektor in den europäischen Wohlfahrtsmodellen bis in die 1970er Jahre Einige Merkmale der Krise und der Entwicklung der europäischen Wohlfahrtsmodelle Die Entstehung des neuen Nonprofit-Sektors Was bringt der Nonprofit-Sektor der Gesellschaft und der Wirtschaft in den Ländern Europas? Ein Vergleich mit den Vereinigten Staaten Entwicklungsaussichten und Schlussfolgerungen KAPITEL 2 NEUE TRENDS IM AMERIKANISCHEN NONPROFIT-SEKTOR: EINE ENTWICKLUNG IN RICHTUNG INTEGRATION? von Dennis R. Young, Case Western Reserve University, Cleveland, USA Veränderungen im Einkommensmix Förderung gemeinnütziger Ziele über gewerbliche Unternehmen Engere Beziehungen zu Kapitalgesellschaften Rechenschaftspflicht, Transparenz und Souveränität der Konsumenten/Geber Einführung unternehmerischer Methoden und Perspektiven Abschließende Überlegungen KAPITEL 3 NEUE TRENDS IM AUSTRALISCHEN NONPROFIT-SEKTOR: VERSTÄRKTE EINBEZIEHUNG IND DIE BESCHÄFTIGUNGS- UND SOZIALPOLITIK von Julie Novak, FACS -- Commonwealth Department of Family and Community Services, Australien Profilbeschreibung australischen Nonprofit-Sektors Beschäftigungs- und Arbeitsparktprogramme Soziale Unternehmen und soziale Unternehmerschaft Partnerschaften mit Regierung und Wirtschaft Zukunftsausblick: Chancen und Herausforderungen für den australischen Nonprofit-Sektor Schlusswort 9 OECD 2003

10 KAPITEL 4 DER NONPROFIT-SEKTOR IN MEXIKO: VON DER INFORMELLEN ZUR FORMELLEN ANERKENNUNG von Marco A. Mena SEDESOL -- Secretaría de Desarrollo Social, Mexiko Das Verhältnis zwischen Regierung und Zivilorganisationen Entstehung der mexikanischen Zivilorganisationen Größe und Präsenz der Zivilorganisationen Regulatorische Fragen in Bezug auf die Zivilorganisationen Herausforderungen und Schlussbemerkungen TEIL ZWEI FINANZIERUNG DES NONPROFIT-SEKTORS: HINDERNISSE UND CHANCEN KAPITEL 5 NEUE TRENDS IN DER FINANZIERUNG DES NONPROFIT-SEKTORS IN DEN VEREINIGTEN STAATEN: DIE TRANSFORMATION VON PRIVATKAPITAL -- REALITÄT ODER RHETORIK? von Caroline Williams, the Nathan Cummings Foundation, New-York, USA Einnahmenentwicklung im Nonprofit-Sektor Neue Finanzierungstrends Schlussfolgerungen KAPITEL 6 NEUE FORMEN DER FINANZIERUNG VON UNTERNEHMEN UND ORGANISATIONEN DER SOZIALWIRTSCHAFT IN QUEBEC von Marguerite Mendell, Concordia University, Kanada, Benoît Levesque, Université du Québec, Montreal, Kanada, und Ralph Rouzier, Concordia University, Kanada Herausforderungen im Zusammehang mit der Finanzierung der Sozialwirtschaft "Community-based funds" Hybride funds Arbeitnehmerfonds Staatliche Fonds Genossenschaftliche Fonds Schlusswort KAPITEL 7 FINANZIELLE INSTRUMENTE FÜR ORGANISATIONEN DES DRITTEN SYSTEMS: EINE EUROPÄISCHE PERSPEKTIVE von Benoît Granger, Association MICFIN, Frankreich Neue finanzielle Bedürfnisse Antworten des Dritten Systems Schlussfolgerungen OECD,

11 TEIL DREI EVALUIERUNG DES NONPROFIT-SEKTORS: NEUE HERAUSFORDERUNGEN KAPITEL 8 INNOVATION, MEHRWERT UND EVALUIERUNG IM DRITTEN SYSTEM: EINE EUROPÄISCHE PERSPEKTIVE von Xavier Greffe, Universität Paris 1, Panthéon-Sorbonne, Frankreich Das Dritte System: Vorabdefinitionen Das Dritte System als Quelle der Innovation Die Voraussetzungen für Innovation Das Messen der Innovation in Institutionen des Dritten Systems Schlussfolgerungen: Die drei Funktionen der Evaluierung des Dritten Systems KAPITEL 9 NONPROFIT-SEKTOR UND EVALUIERUNG: DERZEITIGE SITUATION IN QUEBEC by Nancy Neamtan, Chantier de l'économie Sociale, Québec, Kanada Die Erfahrungen Quebecs in Bezug auf die Sozialwirtschaft Evaluierungsfragen auf dem Gebiet der Sozialwirtschaft Spezifische Instrumente zur Evaluierung der Sozialwirtschaft in Quebec Schlussfolgerungen KAPITEL 10 EVALUIEREN DER WIRKUNG DES NONPROFIT-SEKTORS: BETRACHTUNG AUS AMERIKANISCHER SICHT von Wolfgang Bielefeld, School of Public and Environmental Affairs, Indiana University Purdue University Indianapolis, USA Begriffliche Fragen Methodologische Fragen Untersuchte Bereiche Schlusswort KAPITEL 11 INTERNATIONALE UND EUROPÄISCHE PERSPEKTIVEN IN BEZUG AUF DEN NONPROFIT-SEKTOR: DATEN, THEORIE UND STATISTIK von Helmut Anheier, Centre for Civil Society, London School of Economics, UK, und Sybille Mertens, Centre for Social Economy, Universität Lüttich, Belgien Hintergrund Eine vergleichende Profilbeschreibung des Dritten Sektors Der Nonprofit-Bereich als Untersuchungsobjekt Einführung eines Satellitenkontos für Nonprofit-Institutionen: Der Fall Belgien Abschließende Bemerkungen 11 OECD 2003

12 Die vorliegende Kurzfassung enthält die Übersetzung von Auszügen aus: The Non-profit Sector in a Changing Economy Le secteur à but non lucratif dans une économie en mutation 2003, OECD. OECD-Publikationen und -Kurzfassungen (Overviews) sind verfügbar unter: Geben Sie im Online-Buchladen im Title Search -Suchfeld Overview oder den englischen Titel der Veröffentlichung ein (es besteht systematisch ein Link zwischen den Kurzfassungen und der englischen Originalfassung ). Die Kurzfassungen werden von der Abteilung Rechte und Übersetzungen, Direktion Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, ausgearbeitet. / Fax: OECD, 2003 Die Wiedergabe dieser Kurzfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet. OECD,

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