Landesmedienanstalt. bietet neue Broschüren. Medienkompetenz in der Schule: Probleme und Lösungen

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1 JIM-STUDIE 2013 Jederzeit mobil vernetzt Jugendliche surfen täglich drei Stunden im Internet Chatten, Mailen, Surfen: Das Internet spielt im Alltag von deutschen Jugendlichen eine wichtige Rolle. Laut der jüngsten JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-) Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, die den Umgang Jugendlicher mit Medien dokumentiert, sind Zwölfbis 19-Jährige 179 Minuten im Durchschnitt täglich online. Die meiste Zeit verbringen die jungen Menschen dabei in sozialen Netzwerken und Online-Communities. Suchmaschinen wie Google und Videoportale wie YouTube werden ebenfalls stark genutzt. Auch für die Schule spielen Computer und Internet bei Jugendlichen eine große Rolle. Nach eigenen Angaben nutzen Schüler zwischen zwölf und 19 Jahren Computer und Internet durchschnittlich 48 Minuten pro Tag, um zu Hause etwas für die Schule zu machen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zeit am Computer für Schularbeiten oder Lernen deutlich an: 18- bis 19-Jäh- Simsen oder mit dem Handy telefonieren gehört für Jugendliche genauso zum Alltag wie das Surfen im Internet. rige nutzen den PC mehr als eine Stunde pro Tag (68 Minuten) für die Schule. Immer mehr Jugendliche sind laut der aktuellen Studie außerdem mobil vernetzt. Inzwischen besitzen fast drei Viertel (72 Prozent) aller Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone. Grund dafür ist die permanente Möglichkeit, auf das Internet zuzugreifen. Mehr als drei Fünftel der befragten Jugendlichen gehen mit dem Handy mindestens mehrmals pro Woche ins Internet oder nutzen den mobilen Zugang zu ihrer Community. 73 Prozent haben in den 14 Tagen vor der Befragung das Internet über ihr Smartphone genutzt. Im Vergleich zur Erhebung im Vorjahr zeigt sich dabei eine deutliche Steigerung (2012: 49 Prozent). red Die komplette JIM-Studie gibt es im Internet unter www. mpfs.de/fileadmin/jim-pdf13/ JIMStudie2013. pdf INFOS UND TIPPS Social Games und Apps Landesmedienanstalt bietet neue Broschüren Online-Aktivitäten auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets sind aus dem Alltag der meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Die Medienwelt verändert sich ständig und Eltern wie pädagogische Fachkräfte haben oft Mühe, verlässliche Informationen zu den neuen Angeboten zu finden. Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) bietet zwei neue Flyer, die informieren, aufklären und praktische Tipps geben: Einmal geht es um mobile Anwendungen ( Apps ) und wie man einen sicheren Umgang damit gewährleisten kann. Thema des anderen Faltblattes sind sogenannte Social Games, Spiele in sozialen Netzwerken wie etwa FarmVille. Es gibt hilfreiche Tipps, wie Eltern ihre Kinder in Social Games schützen können. Beide Broschüren können kostenlos bei der Landesmedienanstalt Saarland unter Tel.: (0681) oder per angefordert werden. red ZUKUNFTSWERKSTATT Umgang mit Medien Medienkompetenz in der Schule: Probleme und Lösungen Um die Fragen, wie Medienkompetenz im Lern- und Lebensraum Schule vermittelt werden kann, welche Probleme dabei entstehen und welche Lösungsansätze es gibt, dreht sich eine Zukunftwerkstatt am 13. März von neun bis 17 Uhr im AK-Bildungszentrum in Kirkel. Trotz einer Fülle von Aktivitäten zur Förderung von Medienkompetenz gibt es nämlich immer noch große Unterschiede bei der Qualifizierung der beteiligten Akteure. Bei der Veranstaltung sollen in einem gemeinsamen Austausch aller in diesem pädagogischen Feld engagierten Institutionen konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet und erste Schritte zu deren Realisierung vereinbart werden. Eingeladen sind unter anderem Schulträger, Vertreter der Lehrkräfte, Schoolworker, Schüler- und Elternschaft, Kammern und Wohlfahrtsverbände. red Weitere Infos gibt es unter Tel.: (0681) C. Schwier/fotolia.com 30 Heft

2 AUSZEICHNUNG Goldene Ente für Manfred Plaetrich Warum die typische Beamtenmentalität einen Preis verdient BERGBAU Bildband mit 200 Fotos Das private Leben der Bergarbeiter in Lothringen Loblieder auf Beamte sind in Deutschland eher selten zu hören. Erst recht, wenn es um die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften geht. Da war die Feier zur Verleihung der Goldenen Ente (die jährliche Auszeichnung der Landespressekonferenz) eine echte Ausnahme. Denn die Festredner würdigten gerade die beamtentypische Haltung des ehemaligen Landesrechnungshofpräsidenten Manfred Plaet rich, durch dessen Untersuchung auch das Desaster um den Vierten Pavillon des Saarlandmuseums bekannt wurde. LPK-Vorsitzender Michael Kuderna erklärte, zwar sei der Jurist auf Parteiticket ins Amt gekommen, habe jedoch seinen Ethos nicht AK FILM D Angiolillo (3) verkauft oder verloren, sei zunehmend mutig aufgetreten und habe so im besten Sinne unbeirrt seine Aufgabe erfüllt. Sein ehemaliger Chef, Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), sagte das als Überraschungs-Laudator so: Herr Plaetrich war für mich immer eine Persönlichkeit, die belegt hat, man kann und man muss auch im alten Sinne des Wortes ein Beamter sein, der in der Unabhängigkeit des Vollzugs seiner Tätigkeit belegt, dass die Sache und nicht die politische Wertung am Anfang stehe. GH Die Reden im Wortlaut finden sich unter DOKUMENTATION Die Zusammenhänge zeigen Wer bezahlt die Folgen der Finanzkrise tatsächlich? Nach dem europaweit erfolgreichen Film Water Makes Money, mit dem 2013 die AK-Filmtage eröffnet wurden, sind die Autoren Leslie Franke und Herdolor Lorenz mit Volldampf an der Arbeit für ihren neuen Film. Unter dem Arbeitstitel Wer rettet wen? befasst er sich mit der Finanzkrise und den Folgen ihrer Überwindung. Zwar wurden die Banken gerettet, dafür sind die westlichen Staatshaushalte doppelt so hoch verschuldet wie vor der Krise. Auch deshalb werden nun soziale Standards ruiniert. Der Kinofilm will über diese Zusammenhänge aufklären. Die Filmemacher haben lange in Spanien und Griechenland recherchiert und erlebt, was die Deregulierung auf allen Ebenen mit den Menschen macht. Derzeit befassen sich die Regisseure mit der Rolle und Verantwortung Deutschlands in diesem Desaster. Mitte Februar interviewen sie in Saarbrücken Oskar Lafontaine. Wer rettet wen? soll Ende 2014 in die Kinos kommen. Der Film wird wieder durch Einzelspenden finanziert. GH Infos dazu unter Seit 40 Jahren ehren die landespolitisch tätigen Journalisten im Saarland eine Persönlichkeit, die durch ihre Pressefreundlichkeit aufgefallen ist, mit der Goldenen Ente. Leslie Franke, Eröffnungsgast bei den AK- Filmtagen 2013, dreht für ihren neuen Film auch im Saarland. Ein realistisches Bild des Alltagslebens der lothringischen Kohlebergleute und ihrer Familien in den 50er Jahren entwirft der im Herbst 2013 erschienene Bildband Ein Bergarbeiterleben. Das Fotomaterial dafür stammt überwiegend aus den Archiven der lothringischen Kohlebergwerke (Archives des Houillères du Bassin de Lorraine). Die bisher meist unveröffentlichten Fotografien spiegeln die umfassende Organisation von Arbeits- und sozialem Leben der Bergleute wieder: von der Ausbildung über die verschiedenen Berufsgruppen und die Arbeit unter Tage, die Hauswirtschaftsschulen für Bergarbeiterfrauen, das Leben in den Bergarbeitersiedlungen und die kollektiv besuchten Ferienkolonien bis zu Festen und Traditionen und dem privaten Leben in der Familie. Der Band erlaubt allen ehemaligen Bergleuten die Wiederbegegnung mit ihren Erinnerungen und öffnet denen, die bisher keinen Kontakt zur Welt des Bergbaus hatten, einen Zugang zu ihren zahlreichen Facetten. Laetitia Gigault: Une Vie de Mineur de Charbon. La vie quotidienne, les années 50 dans le Bassin Houiller de Lorraine, 144 Seiten mit über 200 Fotos, 35 Euro, ISBN : Heft

3 ERASMUS+ Die neue Welt der europäischen Bildungsprogramme Austauschprogramm Erasmus hat jetzt ein Plus Es ist wohl eines der bekanntesten Programme, das die Europäische Union seit ihrem Bestehen auf den Weg gebracht hat, und kaum eines steht so sehr für Austausch und Miteinander und das längst nicht nur bei Studenten, die von ihm profitierten. Seit 1987 verbrachten rund drei Millionen werdende Akademiker ein oder mehrere Semester im europäischen Ausland. Mit Beginn dieses Jahres hat das Nachfolgeprogramm Erasmus+ eingesetzt. Es gilt bis 2020 und soll maßgeblich dazu beitragen, die hohe Jugendarbeitslosigkeit vor allem in Südeuropa zu bekämpfen. Erasmus+ sei allerdings nicht nur eine Verlängerung des Erfolgsprojekts: Da steckt sehr viel mehr drin als Studentenaustausch, erklärt die saarländische Europaabgeordnete Doris Pack (CDU), daher das + im Namen. Pack, Vorsitzende des Bildungs- und Kulturausschusses, war Verhandlungsführerin für das Parlament im Entstehungsprozess des neuen Europa entdecken: Das neue Programm Erasmus+ bietet seit Januar grenzüberschreitende Bildungsangebote für Schüler und Lehrkräfte, Studierende, Auszubildende und junge Erwachsene. Dirima/fotolia.com Pakets. Das Programm steht Studenten, jungen Menschen in beruflicher Ausbildung, Lehrern, Professoren, Trainern, Jugendarbeitern und jungen Freiwilligen aus allen 28 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Norwegen, Island, Liechtenstein, der Schweiz, der Türkei und aus Südosteuropa offen. In Erasmus+ werden mehrere Bildungs- und Jugendprogramme, die zuvor eigenständig waren, zusammengefasst und um einen Sport- Förderbereich erweitert. Dabei sollen die anderen, bisher außer in Fachkreisen eher unbekannten Programme, von der bekannten Marke Erasmus profitieren. Das Paket umfasst neben den Hochschulprogrammen Erasmus (für Studenten) und Jean Monnet (für die internationale Hochschulkooperation) jetzt auch die anderen Bildungsprogramme Comenius (für Schüler bis zur Sekundarstufe II) und Grundtvig (für den Bereich der Erwachsenenbildung) sowie den Europäischen Freiwilligendienst und Jugend in Aktion. In das Programm integriert ist auch das Bildungsprogramm Leonardo Da Vinci, das unter anderem Auszubildenden ermöglicht, zwischen zwei und zwölf Wochen im Ausland in einem Betrieb oder einer Berufsschule zu lernen. Bis zu fünf Millionen Europäer jeden Alters und aller Bildungsstufen können bis 2020 von Erasmus+ profitieren, 14,7 Milliarden Euro stehen dafür insgesamt zur Verfügung, erklärt Pack. Der Bildungsetat der EU steigt damit um etwa 40 Prozent. Fördermaßnahmen im Bereich der Weiterbildung, die bisher auch Teil der europäischen Bildungsprogramme waren, werden hingegen jetzt durch den Europäischen Sozialfond (ESF) gefördert. Das Geld in den Bildungsprogrammen soll gezielt für Maßnahmen der Bildung und Ausbildung eingesetzt werden. Für die Weiterbildung steht mit dem ESF eine wesentlich größere Finanzierungsquelle zur Verfügung, erklärt Pack. Die inhaltlich größte Veränderung gibt es beim Studentenaustausch- Programm. So ist es jetzt möglich, sowohl im Bachelor als auch im Master-Studium und während einer Promotion einige Zeit im Ausland zu verbringen. Während Studenten bisher nur einmal in ihrem Studium Erasmus in Anspruch nehmen konnten, können sie nun also an bis zu drei Unis im Ausland studieren. Eine weitere Neuerung gibt es für Master-Studenten. Sie sollen voraussichtlich ab dem Wintersemester 2014/15 ihr komplettes Master-Studium im Ausland verbringen und dafür ein zinsgünstiges Darlehen der EU in Anspruch nehmen können. Diese Neuerung sei ihr wichtig gewesen, betont Pack: Erasmus war bisher ein Elite-Studium. Von den 200 Euro, die die Studenten monatlich bekommen, kann man weder leben noch sterben. Studenten, die ins Ausland wollten, seien bisher auf den Geldbeutel der Eltern angewiesen gewesen. Philip Weber Weitere Infos: erasmus-plus/ Heft

4 35. FILMFESTIVAL MAX OPHÜLS PREIS Eine Woche Festivalfieber in Saarbrücken Kraft, Freude, Farben und Liebe: Love Steaks machte das Rennen Sie sollen sich freigemacht haben von den klassischen Selbstfindungsdramen und Erwachsenwerden-Geschichten, mit denen junge Nachwuchsfilmer so gerne arbeiten. Das kündigten zumindest die Köpfe des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Gabriella Bandel und Philipp Bräuer, im Vorfeld als Tendenz der in der diesjährigen Festivalwoche gezeigten, insgesamt 160 vielversprechenden Werke an. Rund 70 von ihnen standen im Wettbewerb um einen der 14 Preise. Von der neuen Genrefülle konnten sich die rund Festivalbesucher durchaus überzeugen: Etwa bei der entrückt wirkenden Adaption von Arthur Schnitzlers Fräulein Else, dem Gruselstreifen Blutgletscher von Marvin Gren oder der Liebeskomödie Love Steaks des Berliner Regisseurs Jakob Lass, der mit seinem Film den Ophüls- Hauptpreis gewonnen hat. Die Jury bezeichnete den Streifen über die Liebesgeschichte eines schüchternen Masseurs und einer ruppigen Köchin nicht nur als einen Film, sondern vielmehr ein Geschenk an die Zuschauer, das nur so strotzt vor Kraft, Spielfreude, Farben und Liebe. Er zeige, wozu Kino in der Lage sei. Dass Kino etwa auch für die Gesellschaft bedeutsam sein kann, sollte mit dem in diesem Jahr erstmalig vergebenen Preis für den gesellschaftlich relevanten Film gezeigt werden. Er ging an den aus Improvisation entstandenen und auch von der Jugendjury prämierten Film Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste von Isabell Šuba, in dem eine kratzbürstige Regisseurin und ihr schusseliger Produzent mit ihrem Film in Cannes aufwarten. Die im Titel versprochene geschlechterpolitische Thematik geht jedoch im Laufe des Films, der sich zuweilen als permanentes Gezanke der beiden Protagonisten präsentiert, eher unter. Fraglich bleibt auch die gesellschaftliche Relevanz: veraltete Rollenbilder, Männervorherrschaften und die Problematik von Frauen in Führungspositionen kommen nicht unbedingt hervor. Gesellschaftlich relevanter erscheint da vielmehr der preislos gebliebene Jakob Lass ist der große Gewinner. Er erhielt für seinen Film Love Steaks den mit Euro dotierten Max Ophüls Preis. Das Max-Ophüls- Filmfestival gilt als wichtiges Branchentreffen und Karrieresprungbrett für Nachwuchsfilmer. Infos gibt es im Internet unter Politthriller Der blinde Fleck von Daniel Harrich, der die Geschichte des Attentats beim Münchner Oktoberfest 1980 wieder aufrollt und derzeit sogar dazu führt, dass der Fall neu untersucht wird, was jahrelange Recherchen eines Journalisten und seine Veröffentlichungen nicht erreicht haben. Als beste Nachwuchsdarsteller wurden Liv Lisa Fries und Vincent Krüger für ihre Rollen als Mukoviszidosekranke in Und morgen bin ich tot von Frederik Steiner und als junger aggressiver Mann, der sich in Sunny von Barbara Ott um sein Kind kümmert, ausgezeichnet. D Angiolillo Insgesamt gab es 160 Filme zu sehen, davon 70 in den Wettbewerben: Spielfilm (16), Dokumentation (13), Mittellanger Film (14) und Kurzfilm (27). Die Festivalleiter zeigten sich trotz Finanzproblemen in diesem Jahr überwältigt vom Zuspruch des Publikums, was sie fürs kommende Jahre zuversichtlich macht: Wir hatten eine intensive Festivalwoche mit einer unübertroffenen Atmosphäre. Bleibt zu hoffen, dass sich Saarbrücken also auch 2015 für eine Woche lang wieder zum Herzstück der jungen Filmszene verwandelt. Dietze/MOP (2) Anke Bauer Heft

5 SAARLÄNDISCHES KÜNSTLERHAUS Wechsel im Vorsitz des Künstlerhaus-Vereins Bubel blickt zurück: Sieben Jahre kreatives Netzwerken Schriftsteller und Jurist Hans Gerhard ist neuer Vorsitzender des Saarländischen Künstlerhauses erhielt er den Hans- Bernhard-Schiff- Literaturpreis. Dirk Bubel stand sieben Jahre an der Spitze und schied jetzt aus dem Ehrenamt aus. D Angiolillo (3) Seit 1992 gibt es das Saarländische Künstlerhaus in der Saarbrücker Karlstraße. Ganzjährig bietet es in modern wirkenden Räumen unter historischem Dach um die 40 Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Podiumsdiskussionen an. Was das Haus mit landesweiter Ausstrahlung von den meisten Galerien und Kulturzentren unterscheidet: Nicht ein Kulturmanager, sondern Künstler selbst bestimmen und organisieren das Programm. Und das ehrenamtlich, betont Dirk Bubel, Mitglied des Schriftstellerverbands VS Saar. Sieben Jahre lang war er Vorsitzender des Künstlerhaus-Vereins, dem 162 bildende Künstler, Schriftsteller und Kunsthandwerker aus dem Saarland angehören, und gab dem Haus in dieser Zeit viele neue Impulse. Zum Jahresende gab Bubel, hauptamtlich bei Arbeit und Kultur Saarland tätig, den Stab weiter und wirft daher einen Blick zurück. Als er 2006 sein Amt antrat, war es ihm besonders wichtig, den Austausch und die Kooperation mit Künstlern und Kunstinstitutionen jenseits der Landesgrenze, in der Großregion, voranzubringen, erzählt Bubel: Damit man nicht nur im eigenen Saft schmort. Damals waren solche Projekte wie hart an der Grenze, das Bubel anlässlich der Luxemburger Kulturhauptstadt mit vorbereitete, noch Neuland. Beflügelt setzte er sich dafür ein, Künstler der Nachbarregionen regelmäßig ins Künstlerhaus einzuladen. Und das konnten wir auch konsequent durchhalten, freut sich der scheidende Vorsitzende, der die bis Mitte Januar gezeigte Schau des Belgiers Stephan Balleux noch mitkuratiert hat. Für die Kooperation mit Institutionen jenseits und diesseits der Landesgrenze nutzte Bubel seine guten Kontakte, über die er als gewiefter Netzwerker bei der von Land und Arbeitskammer getragenen Arbeit und Kultur verfügte. So kam es, dass das Künstlerhaus etwa flankierend zu Musikfestspielen Lesungen veranstaltete, Dramatiker, die beim Theaterfestival Perspectives zu Gast waren, mit ihren Büchern einlud oder einen lothringischen Autor, der im Künstlerhaus seinen Roman vorstellte, anschließend samt Publikum zur Vorführung seines Filmdebüts mit ins benachbarte Filmhaus nahm. Einerseits Veranstaltungsort, ist das Künstlerhaus andererseits auch eine Adresse, wo mehrere Künstlerverbände ihren Sitz haben, die Saarbrücker Hefte redigiert werden und Saar-Künstler sich treffen und austauschen können. All diese Aktivitäten auf die Beine zu stellen, mit nur drei bezahlten Teilzeitkräften, bedeutet für die Ehrenamtlichen ganz schön viel Arbeit. Ich habe es sieben Jahre mit Engagement und Freude gemacht, sagt Bubel. Sein Nachfolger, der Schriftsteller und Rechtsanwalt Hans Gerhard, blickt nun härteren Zeiten entgegen, in denen es vor allem darum geht, das Bestehende zu erhalten, wie er sagt. Noch erhält das Künstlerhaus jährlich Euro vom Land. Doch ob das bei der Schuldenbremse so bleibt? Kreative Ideen sind da mehr denn je gefragt. Silvia Buss 34 Heft

6 DAUERAUSSTELLUNG Faszinierende Bilder von Hans-Herbert Fox und Peter Baus Fotokunst: Zeit vergehen lassen, um Zeit zu gewinnen AK BILDUNG + KULTUR Die Arbeiten von Peter Baus und Hans- Herbert Fox sowie das neue Fotobuch der beiden gibt es in der Fotogalerie Q14 in der Saarbrücker Quellenstraße 14. Infos und Öffnungszeiten der Dauerausstellung unter Die Fotokünstler Hans-Herbert Fox (oben) und Peter Baus Irgendwann in den vergangenen 20 Jahren begegneten sie sich: Der in St. Ingbert geborene und im Landkreis St. Wendel lebende Peter Baus und der in Merzig geborene und in Saarbrücken lebende Hans-Herbert Fox. Sie verbindet die Fotografie. Die Kamera mag durch ein kurzes Tippen auf ihren Auslöser einen Moment festhalten. Doch so schnell das getan ist, so langsam geht die Arbeit mit der Kamera vor sich. Ein gutes Bild braucht Zeit. Zeit vergehen lassen, um Zeit zu gewinnen, bringt es Fox für sich auf den Punkt. Das klingt widersprüchlich, doch es beschreibt seinen Weg zur Fotografie. Zur Kommunion gab s eine Kamera, später legte sich der Junge eine kleine Filmkamera zu und begann mit der Malerei. Doch daraus sollte kein Beruf werden. Fox wurde Kaufmann, gründete ein Unternehmen und beschäftigte sich neben seinem Beruf mit der Kunst. Mit dem im Saarland lebenden Maler und Kunsterzieher Otto Rupp verband ihn eine Freundschaft. Beide brachen zu Touren ins nahe Lothringen auf, mit im Gepäck Wasserfarben und Aquarellblock, um Ansichten von Dörfern und Landschaften aufs Papier fließen zu lassen. Genaues Hinsehen war unabdingbar, erinnert sich Fox. Dabei entwickelte er eine Wahrnehmungsautomatik, wie ihm der Maler Christoph-Josef Steilen attestierte, mit dem er in späteren Jahren zusammentraf. Die Malerei blieb sein Thema, dazu kam die Bildhauerei und schließlich auch wieder die Fotografie. Sie brachte ihn mit Peter Baus zusammen, der als Fotograf für seine Landschafts- und Architekturaufnahmen anerkannt ist. Baus hatte die Kamera während seines Grafikdesignstudiums an der ehemaligen Staatlichen Werkkunstschule in Saarbrücken entdeckt. Wie alle Absolventen der Schule durchlief auch er die Grundlehre bei Oskar Holweck. Das hieß, den Blick auf die Eigenschaften des Materials, sei es Papier, Draht oder Stein, zu richten und ihn durch das Herausarbeiten von Strukturen und Kontrasten zu schärfen. Ein Mittel dabei war das Licht, erinnert er sich, das je nach Stärke und Einfallswinkel einem scheinbar weißen Blatt Papier unterschiedliche Helligkeitsgrade entlockte. Da war es nur ein kleiner Schritt zur Fotografie, die nach einem sehr großen Schritt nach Japan erfolgte, wohin er als junger Grafiker in den frühen 1970ern für ein Jahr reiste. Die Fotografie fand für Baus, der dann zehn Jahre lang als Geschäftsführer einer Saarbrücker Boutique arbeitete, zunächst nur an den Wochenenden statt, war aber schnell nicht länger eine Randerscheinung. Er entschloss sich, als Fotograf zu arbeiten und reiste mit Kamera und Campingbus durch ganz Europa. Die Holweck sche Lehre erwies sich ihm als Schlüssel, um die Meereslandschaft der Bretagne oder die Peter Baus: Schottland Hans-Herbert Fox: Picardie Fjorde Norwegens über den flüchtigen Moment des touristischen Blicks hinaus zu erschließen. Das überzeugte nicht nur ihn, sondern auch Magazine wie Geo und Kalenderhersteller. Mehrere Fotobücher über das Saarland kamen hinzu. Jetzt ist ein neues entstanden. Darin machen Baus und Fox gemeinsame Sache. Ihr Fotobuch versammelt die Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren. Fotografieren heißt darin für beide, zu sehen, ohne dabei dem vordergründigen Eindruck einer Landschaft zu erliegen. Sehen braucht Zeit, wissen beide. Denn nur mit der Zeit schult sich das Auge: Ein Anspruch, den die Fotografen ernst nehmen und in ihrem aktuellen Fotobuch in die Tat umsetzen. Sabine Graf Heft

7 THEATER Der Umbau des Saarländischen Hauses gelang ohne Pannen 160 Arbeiter entkernten die Bühne bis auf die Grundmauern Saarländisches Staatstheater/Thomas M. Jauk spieler mit der Leiter wieder aus dem Bühnenhimmel zur Erde zurückzuholen, so kann man fortan sicher sein, dass alles reibungslos funktioniert. Erneuert wurde die komplette Ober- und Untermaschinerie, die sich jetzt von einem einzigen Maschinisten steuern lässt. Die alten Handseilzüge für die Kulissen sind durch 79 Elektro-Züge, dreimal so viele wie bisher, ersetzt worden. Jeder kann eine Tonne hieven. Auch der Bühnenboden und sämtliche Podien sind nagelneu aus nachhaltig angebautem Oregon-Peach-Pine-Holz. Sorgte die schwächelnde Hydraulik-Anlage von 1938 früher buchstäblich für Be- und Verklemmungen, übernehmen jetzt 80 Elektromotoren ruckel- und geräuschfrei das Hoch-, Runter- und Seitwärtsfahren der Bühnenpodien. Saarländisches Staatstheater/Oliver Dietze Eine Großbaumaßnahme, die termingerecht fertiggestellt wird und auch noch im Kostenrahmen bleibt so etwas hat heute schon Seltenheitswert, nicht nur in Brandenburg, auch an der Saar. Das Saarländische Staatstheater hat dieses Kunststück geschafft. Am 2. April 2013 hatte es mit der Generalsanierung der altersschwachen Bühnentechnik im Großen Haus begonnen. Nur knapp acht Monate später, am 24. November, konnte man mit der Premiere der Puccini-Oper Tosca Wiedereröffnung feiern. Das war schon sehr aufregend für uns, sagte Generalintendantin Mit der Oper Tosca präsentierte das Große Haus seine runderneuerte Bühnentechnik. Weitere Infos: Dagmar Schlingmann rückblickend über die Zeit, als das über 25 Meter hohe Bühnenhaus, das Herzstück des Theaters, von den Bauarbeitern fast bis auf die Grundmauern entkernt wurde. Insgesamt 200 Tonnen Altmaterial bauten sie aus, entsorgten es durch ein riesiges Loch in der Außenwand Richtung Saar und bauten danach 800 Tonnen neues Material wieder ein. 30 verschiedene Firmen und in Spitzenzeiten bis zu 160 Arbeiter gleichzeitig waren in den acht Monaten auf der Baustelle Staatstheater beschäftigt. 13,7 Millionen Euro stellte die Landesregierung für die Sanierung der Bühnentechnik bereit, weitere 1,3 Millionen für die provisorischen Außenspielstätten, in denen der Spielbetrieb bis zum Sommer weiterlief. Für den Kultusminister und SST-Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Commerçon eine auch in Sparzeiten notwendige Investition in die Zukunft, denn: Ein eigenständiges Bundesland braucht eine attraktive Kulturlandschaft, die über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird, so der Minister. Zwang die alte Bühnentechnik, teilweise noch aus dem Baujahr des Gautheaters Saarpfalz, die Theaterleute schon mal, einen Schau- SPEKTAKULÄRE UMBAUTEN Auch in Schräglage lassen sie sich jetzt fahren. Früher mussten wir dafür Podien auf die Bühne aufbauen, erklärt Intendantin Schlingmann, die die Schräglage und einige andere der neuen Möglichkeiten für die Tosca-Inszenierung gleich für spektakuläre Umbauten nutzte. Dazu gehört etwa die neue Drehbühne von 11,60 Meter Durchmesser, die sich nun gleichzeitig drehen und versenken lässt. Ebenso die Doppelstockpodien. Damit können wir jetzt zwei verschiedene Ebenen einrichten, bespielen und alternierend hochfahren, so der technische Direktor Ralf Heid. Nicht zu vergessen die fünf neuen Seitenbühnenwagen, auf denen vormontierte Bühnenbilder bereitgehalten werden können. Sie erlauben es, viel mehr Stücke als bisher im Großen Haus gleichzeitig auf den Spielplan zu stellen. Gleich vier erwarten den Zuschauer im Februar: Neben Tosca und der musikalisch süffigen Strauss-Operette Die Fledermaus sind das Die Vögel, eine Komödie des alten Griechen Aristophanes, und der neue Ballettabend Anastasia/Shadow. Silvia Buss 36 Heft

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