Kommunikation mit Schmerzpatienten

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1 Kommunikation mit Schmerzpatienten - 9. Dezember 2013

2 Wie wird ein Schmerzpatient von der Umwelt wahrgenommen? ungeduldig anstrengend, nervig, vorwurfsvoll ( Warum werde ich nicht besser? ) neigt zum katastrophisieren ( Wenn ich diese Übung heute mache, geht es mir morgen schlecht ) Hilfs-Hoffnungslosigkeit verstärktes Durchhaltebemühen (Alltag) Misstrauisch (z.b. gegenüber Therapeut und Behandlung) angstbesetzt, einsam 2 9. Dezember 2013

3 Was denken Schmerzpatienten oft? Warum immer ich? Reiß dich zusammen! Stell dich nicht so an! Ich bin ein Versager! Mir kann sowieso niemand helfen! 3 9. Dezember 2013

4 Das sollten Schmerzpatienten denken Das haben andere auch/ du bist nicht alleine! Versuche dich und deine Situation zu akzeptieren und nicht ständig dagegen ankämpfen! Ich fange heute mit kleinen Schritten an! Nicht: Wenn/Dann! Niemand ist ein Versager! Ich trau mir was zu! 4 9. Dezember 2013

5 Wie wird ein Therapeut vom Patienten wahrgenommen? Du bist der einzige, der mir helfen kann! Du verstehst mich und ich vertraue Dir! Du hörst mir zu und nimmst dir Zeit! Du kannst mich heilen! Ich kann nicht ohne meine Physiotherapie! Findet mein Therapeut den Grund für meine Schmerzen? Eigentlich hilft mir diese Therapie gar nicht (aber ich komm trotzdem)! 5 9. Dezember 2013

6 Führt zu hoher Anforderung an den Therapeuten Wiederum Verantwortungsabgabe des Patienten 6 9. Dezember 2013

7 Was sind die Folgen des hohen Erwartungsdrucks? Aussagen des Therapeuten ( verbal/nonverbal): Der Patient ist austherapiert! Da kann man sowieso nichts mehr machen! Der will eh nicht besser werden! Ich kann ihnen nicht mehr helfen, weil das alles nichts mehr bringt Sie haben so viele Baustellen, da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll 7 9. Dezember 2013

8 Führt zu Ängsten, Misstrauen, Katastrophisieren der Gedanken und Hoffnungslosigkeiten Der Patient spürt, dass der Therapeut nicht mehr an ihn glaubt 8 9. Dezember 2013

9 Schwerpunkte der Kommunikation Motivation und Motivationsfähigkeit fördern (Therapeut und Patient) Verständnis u.a. für die bestehende Situation, Geschichte, den Schmerz Selbständigkeit fördern Zielvereinbarungen 9 9. Dezember 2013

10 Beziehungsaufbau Patient/Therapeut Verschiedene Rollen: Lehrerrolle als Vermittler von Wissen um Patient etwas beizubringen: Patient lernt erst etwas für den Therapeuten später für sich selbst Mutter/Vater Rolle: Vertrauensebene, Patienten machen erst etwas für jemanden zu dem sich aufschauen/akzeptieren Therapeut ist Chef in der Behandlung (roter Faden) Erst Bindung schaffen, um sie irgendwann loszulassen Dezember 2013

11 Beziehungsaufbau Patient/Therapeut Patient: befindet sich manchmal im Kind- Ich (Trotzphase) oder wird unbewußt vom Therapeuten wie ein Kind behandelt - verbal - durch Abnahme von Verantwortung Transaktionsanalyse: ( Eric Berne) Kind-Ich Eltern-Ich Erwachsenen-Ich Patient ernst nehmen Dezember 2013

12 Ausnahmen Bei Patienten, die immer auf der Stelle treten: Überprüfung der Funktionalität ihrer Erkrankung (sekundär Gewinn) oder Zielkonflikt z.b. laufendes Rentenverfahren Mehr Aufmerksamkeit durch Familie, Arzt und Therapeut Krankheit als Mittel, um Dinge nicht zu machen, die man gerne vermeiden möchte z.b. Mobbing Situation am Arbeitsplatz Geschichte des Patienten Dezember 2013

13 Haltung des Therapeuten Vertrauen geben ( Ich bin für Sie da!) Sicherheit ausstrahlen, in dem was sie tun!( keine Verunsicherung) Aber auch dem Patient Sicherheit geben Offen sein ohne Vorurteile (Patienten können oft mehr als man erwartet: keine Unterforderung oder Überforderung) Seinen Schmerz ernst nehmen Übernahme der Eigenverantwortung durch Eigenübungen Dezember 2013

14 Richtung: Akzeptanz des Schmerzes Wer verbissen seine Anstrengung darauf richtet, den Schmerz wegzubekommen, verleiht ihm damit umso mehr Bedeutung deshalb darf auch der Therapeut nicht dem Schmerz zu viel Raum/ Bedeutung geben nicht den Schmerz in Fokus stellen sondern ihn zur Bewegung ermutigen Das Ziel ist nicht den Schmerz zu verringern, sondern die Haltung zum Schmerz zu verändern (Daumenübung) Dezember 2013

15 Wenn wir sprechen oder zuhören, geht es um mehr, als nur um den wörtlichen Inhalt einer Aussage Dezember 2013

16 Kommunikationsmodelle: 4 Ohren-Modell (Schulz von Thun) 4 Ebenen: 1. Sachinhalt 2. Aufforderung 3. Beziehung 4. Selbstaussage Dezember 2013

17 Beispiel: Ich kann ihnen nicht mehr helfen! 1. Sachinhalt: Meine Therapie hilft Ihnen nicht! 2. Aufforderung: Suchen sie sich einen anderen Therapeuten! 3. Beziehung: Der Therapeut kann mir nicht mehr weiter helfen. Ich bin austherapiert und unheilbar krank. 4. Selbstaussage: Meine Therapiemöglichkeiten sind erschöpft. Aber es gibt auch andere Therapeuten mit anderen Behandlungsmöglichkeiten Dezember 2013

18 Beispiel: ich kann ihnen nicht mehr helfen! Damit keine verbalen/nonverbale Mißverständnisse entstehen Nachfragen wie es der Patient verstanden hat! (Aktives Zuhören- Carl Rogers) Dezember 2013

19 Jede Mitteilung enthält diese vier Informationen und die Verantwortung für das was letztendlich gehört wird, nicht bei dem der spricht, sondern bei dem der hört. Wichtig: Emotion schlägt immer Inhalt Dezember 2013

20 Persönliche Wirkung und Überzeugungskraft Visueller Eindruck: Tonfall 38%,Mimik/Körperhaltung 55%,Wort 7% Eigenüberzeugung: wenn der Therapeut selbst nicht überzeugt ist von dem was er sagt, wie soll es dann der Patient sein. Vertrauen: Wer ihnen vertraut, der glaubt ihnen und an sie. Vermeidung von Du-Ich Situationen: Wir Situation Positives betonen (Coach sein, kein Diktator) Eingehen auf Äußerungen, Einwänden, Befürchtungen Beantwortung von Fragen Humor einsetzen Dezember 2013

21 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! und fördern Sie immer, die Freude an Bewegung! Dezember 2013 Anna-Isabell Große/Julia Schmidt

22 Diskussionsfragen Wer hat schon etwas von diesen Kommunikationsmodellen gehört bzw. Weiterbildungen dazu besucht? Welche Erwartungen haben sie mit langjährigen Schmerzpatienten gemacht in puncto hohen Erwartungsdruck? Was erzählen Ihnen ihre Patienten, wie sie von der Umwelt wahrgenommen werden bzw. ob sie sich verstanden fühlen? Was für Fortbildungen sollte aus Ihrer Sicht jemand machen, der mit Schmerzpatienten arbeitet? (Gesprächsführung, Verhaltenstherapeutische Aspekte?) Dezember 2013 Anna-Isabell Große/Julia Schmidt

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