zweiter Bibliothekarstag

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1 Arbeitshefte zur multimedialen Schulbibliothek 3 Schöggl Fenkart Gordon Hofer Hujber Schmid Sporer Tschuden zweiter Bibliothekarstag für AHS - SchulbibliothekarInnen Symposion in Wien - Tagungsbericht Wien 2003

2 Wien Für den Inhalt verantwortlich: Arge multimediale Schulbibliothek: Werner Schöggl, Gabriele Fenkart, Harald Gordon, Stephan Hofer, Wendelin Hujber, Michael Sporer, Ulrike Schmid, Elisabeth Tschuden Bilder: Harald Gordon, Stephan Hofer Layout: Stephan Hofer und Michael Sporer Druck: Bundesministerium für Wissenschaft, Unterricht und Kultur Karl Hafner Sektion I / Abteilung 2

3 Zweiter Bibliothekarstag für AHS-SchulbibliothekarInnen Informieren statt kopieren Wege zur Informationskompetenz Symposion AHS - Schulbibliotheken Tagungsbericht Wien Arge multimediale Schulbibliothek Werner Schöggl Gabriele Fenkart, Harald Gordon, Stephan Hofer, Wendelin Hujber, Michael Sporer, Ulrike Schmid, Elisabeth Tschuden 3

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5 Inhalt Inhalt 5 Einleitung 7 Programm 9 Workshop 1 Learners In The Wired World 11 Workshop 2 Quellenproblematik im Internet. Beurteilung von digitalen Quellen 23 Workshop 3 Vermittlung von Informationskompetenz an wissenschaftlichen Bibliotheken Wissenschaftliches Denken und Arbeiten 26 Informationskompetenz Informationskompetenz - Curricularer Aufbau 27 Oberstufenmodell 29 Lernen mit der Schulbibliothek: Teamteaching erfolgreich gestalten 30 Podiumsdiskussion (Zusammenfassung) Wem nützt welche Information? 34 ReferentInnen 36 TeilnehmerInnen 38 Feedback 40 Index 41 5

6 6

7 Einleitung 1 Welche Auswirkungen haben die ständige Verfügbarkeit von Informationen unterschiedlichster Qualität und Zuverlässigkeit auf uns selbst, auf die SchülerInnen, auf den Unterricht, auf die Ausstattung, den Bestand und die Serviceleistungen von Schulbibliotheken? Beim zweiten Bibliothekartag für AHS-SchulbibliothekarInnen haben wir uns diesen Fragestellungen von mehreren Seiten genähert: Arbeiten von SchülerInnen: Viel wird in den letzten Jahren darüber geklagt, dass SchülerInnen unreflektiert Informationen aus dem Internet übernehmen und präsentieren, ohne sich selbst zumindest das grundlegendes Wissen zum jeweiligen Thema erarbeitet zu haben. Hier setzt der Vorschlag zum curricularen Aufbau von Informationskompetenz in der Oberstufe an, den die Arbeitsgruppe multimediale Schulbibliothek erarbeitet hat. (S. 27). Öffentlicher Diskurs: Wie wählen Menschen, deren tägliche Arbeit der Handel mit Informationen ist, diese aus, welche Zielgruppen haben sie im Auge und welche Absichten verfolgen sie? Welche Rolle spielen dabei Kinder und Jugendliche? Vertreter aus der Medienbranche und einer öffentlichen Bibliothek stellten sich gemeinsam den Fragen eines Mitglieds der Arbeitsgruppe multimediale Schulbibliothek. (S.34) Schulbibliothekarischer Alltag: Wie gehen SchulbibliothekarInnen selbst mit der Flut an Informationen um? Worin sehen sie ihre vornehmliche Aufgabe bei der Beratung von SchülerInnen? Welche Werkzeuge sind dazu notwendig, welches Wissen ist erforderlich, um zuverlässige digitale Ressourcen zu finden, welche Fallstricke lauern dabei auf LehrerInnen und SchülerInnen? Beim Erfahrungsaustausch am ersten Tag des Symposions und bei einem der Workshops am zweiten Tag wurden sowohl Probleme aufgezeigt als auch Lösungsansätze vermittelt. (S. 23) Vorbereitung aufs Studium: Welches Know-how wird von angehenden StudentInnen erwartet, und wie können Schulbibliotheken die SchülerInnen beim Erwerb dieses Wissens unterstützen? Das war Thema eines der Workshops am zweiten Tag. (S. 26) Internationale Erfahrungen: Wie kann man SchülerInnen auf ihrem Weg von der Information zum Wissen begleiten und unterstützen In den angelsächsischen Ländern geht man diesen Fragen schon länger nach und wir haben daher Ross Todd gebeten, uns sowohl über zweckmäßige Unterrichtsformen (S. 11) als auch über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen SchulbibliothekarInnen und FachlehrerInnen zu berichten (S. 30). Die Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden haben den TeilnehmerInnen einen Einblick in unterschiedliche Lösungswege gezeigt und Werkzeuge zum Umgang mit der Informationsflut vermittelt. 7

8 Einleitung Besonders spannend erscheint mir die von Ross Todd präsentierte Methode, die es erlaubt, auf Grundlage unterschiedlichsten Vorwissens von SchülerInnen gezielt jenes Wissen selbständig zu erwerben, das für die jeweilige Problemlösung notwendig ist. Der Vorgang erscheint sehr plausibel und entspricht der Strategie, die auch wir anwenden, wenn wir uns neue Fertigkeiten, neues Wissen aneignen müssen: Wozu brauche ich das Wissen und/oder wem möchte ich es in welcher Form mitteilen? Was weiß ich bereits über das Thema? Welches Zusatzwissen benötige ich? Wo finde ich dieses Zusatzwissen für mich am besten aufbereitet? Wie bearbeite ich die gefundenen Ressourcen? Was mache ich mit dem neuen Wissen? Bei der von Ross Todd vorgestellten Methode werden Fertigkeiten erworben, die auf den selbständigen Wissenserwerb abzielen und die Basis für lebensbegleitendes Lernen sind. Die Räumlichkeiten und die Atmosphäre in der Hauptbücherei Wien und im Seminarhotel IBIS trugen zum Erfolg des Symposions wesentlich bei entscheidend für das Gelingen aber waren letztlich das große Interesse und die engagierte Mitarbeit der TeilnehmerInnen. Wir hoffen, der vorliegende Bericht über das Symposion ist Gewinn bringend sowohl für die TeilnehmerInnen als auch für jene SchulbibliothekarInnen, die diesmal nicht dabei sein konnten. Für die Arbeitsgruppe multimediale Schulbibliothek Werner Schöggl Wien, März

9 Programm 2 Montag, Hauptbücherei Wien - Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien Anmeldung Begrüßung und Vorstellung des Programmes Wem nützt welche Information? Podiumsdiskussion mit Christoph Kotanko (Kurier) Fritz Dittelbacher (ORF) Christian Jahl (Hauptbücherei Wien) Moderation: Gabriele Fenkart (AGmmSB) Hotel IBIS - Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien Pause Großgruppenmoderation zum Thema des Symposions Christian Schmid-Waldmann (PH Wien) Vorstellung der Workshop-Inhalte Empfang (Buffet) Dienstag, Hotel IBIS - Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien jeweils 3 parallele Workshops zu je 20 TeilnehmerInnen WS 1 WS 2 WS 3 Knowledge Building Ross J. Todd (Rutges University, New Jersey) Quellenproblematik im Internet. Beurteilung von digitalen Quellen Michaela Putz (UB Wien) Teil 1: Vermittlung von Informationskompetenz an wissenschaftlichen Bibliotheken Birgit Hörzer (UB Graz) Teil 2: Wissenschaftliches Denken und Arbeiten. Wie können SchülerInnen darauf vorbereitet werden? Margit Böck (Universität Salzburg) 9

10 Programm Mittwoch, Amerikahaus Wien - Wien I, Friedrich-Schmid-Platz Veranstaltungen für SchulbibliothekarInnen Ausblick Informationskompetenz - curricularer Aufbau ein Vorschlag der Arbeitsgruppe Multimediale Schulbibliothek Pause Harald Gordon, Stephan Hofer, Elisabeth Tschuden Teachers and school librarians: Cooperation Models Buffet Hotel IBIS - Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 Wien 10

11 Workshop 1: 3 Knowledge Building Lernende in einer vernetzten Welt: Neugier wecken für den Weg von der Information zum Wissen. Versuch einer Annäherung an den Vortrag Learners In The Wired World: Engaging Them In The Information-Knowledge-Experience im Rahmen des Workshops. Wenn SchülerInnen in die Bibliothek kommen, arbeiten sie häufig an einem Projekt oder Referat. Sie kommen um zu recherchieren. Sie recherchieren und finden Material. Was lernen sie dabei? Sie lernen zu recherchieren, sie lernen Information zu finden. Sie entwickeln Recherchekompetenz. Sie lernen aber nicht, wie sie mit diesen Materialien umgehen sollen. Der nächste Schritt ist daher konsequent: das Gefundene zu kopieren, - und das führt geradewegs zur weit verbreiteten, allseits beklagten Methode des Copy and Paste. SchulbibliothekarInnen fühlen sich häufig für den Prozess des Weiterverarbeitens nicht mehr zuständig 1). In den USA, wo es teaching librarians gibt BibliothekarInnen, die auch in der Bibliothek unterrichten, sollten sie auch Anleitung zum Umgang mit Information geben und die SchülerInnen bei der Weiterverarbeitung des Materials in einen eigenständigen Text unterstützen. Learning Outcomes Matter Students come to the school library with yet another project to do. But do they learn anything? Productive teaching for meaningful learning in the school library Developing deep knowledge and understanding Wie planen wir unseren Unterricht, wenn wir die SchülerInnen zu sinnvollem Lernen anleiten wollen? Wir beschäftigen sie: We make them busy working! Das Lernen in der Schule erscheint den jungen Menschen oberflächlich und überflüssig. Die Schule langweilt sie sie leben in einer anderen Welt. Was können Bibliotheken in den Schulen bewirken? Bibliotheken sind für Schulen und für SchülerInnen wichtige Orte: 1) Schulbibliotheken helfen, gute Ergebnisse (zb. bei Standards) zu erzielen: wissensbasierte Ergebnisse für SchülerInnen Lernerfolg der SchülerInnen 2) Schulbibliotheken fördern Lesen und Literacy und tragen zu kompetentem Schreiben und Lesen bei. 3) Schulbibliotheken helfen, produktive Mitglieder der Gesellschaft hervorzubringen. What Schools and School Libraries Are About STUDENT ACHIEVEMENT: Learning Outcomes Knowledgebased Outcomes STUDENT Learning Literacy Living PRODUCTIVE MEMBERS OF SOCIETY: Living EFFECTIVE READERS AND WRITERS: Literacy 11

12 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Ross Todd führte zusammen mit Caroll C. Kuhlthau und OELMA eine breit angelegte Studie Student Learning Through School Libraries 2) - durch, die auf Datenmaterial von SchülerInnen von Klasse 3 bis 12 basiert. Mit Hilfe von Internet-Fragebögen wurde erhoben, wie SchülerInnen die Hilfe von BibliothekarInnen wahrnehmen: - als SpezialistInnen für Informationskompetenz (Information-Learning Specialists) und - als BegleiterInnen im Lehrplan (Curriculum Partner-Leaders) Sie wurden auch dazu befragt, welche Rolle ihrer Meinung nach die Schulbibliothek als - Lernort und Ort des Wissens (Information Place and Knowledge Space) spielt. Wie sehen SchülerInnen die Aufgaben von Bibliotheken und BibliothekarInnen? - informational: Bibliotheken sollen gutes Material und gute Quellen anbieten ( good stuff ). Sie werden für ihre technische/mediale Ausstattung geschätzt und sie werden sowohl für Freizeitlesen als auch für das Lehrplan begleitende Lesen und Lernen genützt. Alle diese Ressourcen kann eine Schulbibliothek bieten und trotzdem kann in Bezug auf Lernen und Verstehen nichts oder nicht viel passieren. Sie brauchen Hilfe in der Umsetzung ihrer Aufgaben: - transformational Die Transformation von gesammeltem Wissen und Material in deep knowledge ist eine große Herausforderung für KlassenlehrerInnen und SchulbibliothekarInnen. Die befragten SchülerInnen schätzten gerade diese Aufgabe sehr hoch ein sie schätzen die Hilfestellung bei der Umsetzung und Vertiefung. So erwerben sie Lesekompetenz, Informationskompetenz und Medien- bzw. Methodenkompetenz. - formational Mit Hilfe der SchulbibliothekarInnen und der Infrastruktur der Schulbibliotheken kann die Transformation von Information und gesammeltem Material gelingen und führt zu 12

13 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Aufbau von Wissen Gebrauch, Produktion und Verbreitung von Wissen Wertvorstellungen Lesekompetenz Wir müssen lernen, WIE wir Information in deep knowledge transformieren können und müssen es den SchülerInnen beibringen, um sie bei der Vertiefung ihres Wissens zu unterstützen. Normalerweise geben wir ihnen eine Aufgabe, die sie mit Hilfe des Internets und/oder der Schulbibliothek erfüllen sollen. Wir setzen ihnen auch einen zeitlichen Rahmen und helfen ihnen vielleicht sogar, das passende Material zu finden. Aber dann lassen wir sie alleine, wir zeigen ihnen nicht, WIE sie daraus ihre Arbeit, ihr Referat, ihren eigenen Text machen können. Wir lassen sie mit dieser sehr komplexen Aufgabe allein. Ban those Bird Units Viele Recherche-Aufgaben tragen zum Lernen und zum Aufbau von Wissen (deep knowledge) nicht bei. Vergessen wir Aufgabenstellungen wie zb. Wähle einen heimischen Vogel und präsentiere ihn für die Klasse oder Entscheide dich für eine berühmte Persönlichkeit.... Wir wissen nur wenig darüber, ob sich der Wissensstand der SchülerInnen bei solchen Aufgaben verändert, weil wir nicht überprüfen, auf welchem Niveau sie mit ihrer Arbeit beginnen und wo sie nach dem Projekt stehen. Ban those Bird Units Many types of research assignments using library or web-based sources contribute little or nothing to learning Very little evidence of construction of new knowledge Rarely guided and sustained throughout the research project Rarely equip students with the range of information and technical competencies necessary to complete the task Expert-based measures of level of knowledge vs conceptual change measures In einer typischen Recherche-Aufgabe sammeln die SchülerInnen Information, kopieren die Information oder bereiten sie auf und halten dann ihr Referat oder geben ihre Arbeit ab. Diese Form der Verarbeitung nennt Ross Todd eine Dinosaurier-Einheit bzw. ein Desaster. Für solche Arbeiten müssen sie nichts anderes können, als Information von einer Quelle bzw. einer Arbeit in die eigene Arbeit zu transportieren - copy and paste. Sie denken nicht über das Material nach. Sie interpretieren und reflektieren die Fakten nicht. Sie entwickeln keine eigene Position. Für gewöhnlich haben SchülerInnen ein limitiertes Grundwissen in einem Fach. Von diesem einfachen Wissen gehen sie in ihrer Recherchearbeit aus und auf Basis dieses Wissens fällen sie auch ihre Entscheidungen. Das ist auch der Grund dafür, Typical Research Scenario Teacher provides background to topic in classroom Textbook work is done Teacher asks class to do project in library / using internet, and provides question sheet or worksheet for information (fact) collection Students pick a dinosaur to research Librarian introduces students to a few resources and websites, perhaps some lessons on resources / evaluating websites Students copy information from sources on to their paper Students report back to class or turn assignments in for grading warum sie mit ganz allgemeinen und einfachen Quellen (zb. Wikipedia) beginnen. Sie können 13

14 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience gar nicht differenzierter ansetzen, da ihnen differenzierteres Wissen fehlt. Häufig ist auch gar nicht sicher gestellt, dass SchülerInnen die Aufgabenstellung in allen Facetten verstehen. Das bedeutet, wir müssen ihnen zunächst helfen, Wissen über ein Thema aufzubauen. Im Schulalltag bekommen SchülerInnen zumeist ein Thema zugewiesen und die Art der Präsentation wird festgelegt: zb. eine Powerpoint-Präsentation zu machen. Was tun sie daher? Sie beginnen sofort mit dem ppt-programm, produzieren zuallererst die Startseite, wählen ein Layout aus, sammeln und kopieren Bilder, fragen nach, wie viele Folien ihre Präsentation umfassen soll, recherchieren in Wikipedia und der letzte Schritt ist copy and paste. Mit Texten geschieht ähnliches: Es wird gesucht, ausgedruckt, ein paar Wörter und Sätze werden weggelassen oder umgeschrieben, dann wird das Ganze neu zusammengesetzt und diese Version wird abgegeben und sehr oft von LehrerInnen akzeptiert. Mit solchen Arbeitsabläufen erziehen wir sie zu Mittelmäßigkeit. Transformation Es ist daher notwendig, bibliotheksorientierte Rechercheaufgaben zu entwickeln, die über das bloße Sammeln von Fakten hinausgehen. SchülerInnen lernen im Laufe ihrer Ausbildung verschiedene Methoden des Recherchierens kennen, sie können gutes Material finden, weil wir LehrerInnen und BibliothekarInnen sie dazu hinführen. SchülerInnen plagiieren aber, weil ihnen die Zwischenschritte vom Finden zum fertigen Produkt fehlen. Wenn Bibliotheken nur die Recherche unterstützen, nicht aber die weitere Bearbeitung, sind sie Teil des Problems. 3) Auch wenn diese Forderung an österreichische SchulbibliothekarInnen im derzeitigen System nicht übertragbar ist, gilt dieser Ansatz doch für uns als LehrerInnen. Warum wird transportiert statt transformiert? Ein wesentlicher Punkt sind die fehlenden handling skills die Fertigkeit, Texte (Material, Internet-Seiten) kritisch zu analysieren, sie auf die eigene Fragestellung hin zu untersuchen Why do students transport text rather than transform text? It is rewarded, it is undetected und daraus einen eigenen Text zu schaffen. Wenn mehrere SchülerInnen mit demselben Material arbeiten, wird es verschiedene Ergebnisse geben es gibt kein objektives Richtig oder Falsch. Ein Text wird immer subjektiv gelesen und verstanden werden. Erroneous notion that more facts = deep knowledge and deep understanding Poor information handling skills: particularly those involving analysis, manipulation and synthesis Stress and competition Poor time management and planning skills Ein anderer Grund ist darin zu finden, dass low level assignments gestellt werden. D.h. Aufgaben werden auf zu niedrigem Niveau angesetzt, verlangen häufig keinen kritischen Zugang zum Thema, SchülerInnen werden angehalten möglichst sachlich und objektiv zu bleiben, ihr persönliches Interesse und ihr individueller Zugang zum Thema und zur Aufgabe sind nicht Teil der Fragestellung. 14

15 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Das bedeutet auch, dass die Aufgabenstellungen von vornherein nicht komplex sind. Wenn aber keine komplexen Themenstellungen gegeben werden, wird auch die Arbeit, das Ergebnis undifferenziert und von geringer Qualität sein. Manche SchülerInnen beginnen mit den verlangten Aufgaben gar nicht, weil sie kein Interesse daran haben, weil sie nicht gefordert sind, ihren eigenen Standpunkt dazu zu finden, oder weil sie nur zusammenfassen und reproduzieren sollen. Why do students transport text rather than transform text? Lack of confidence to manipulate information Unwillingness to ask for help and when they do ask, told this is an independent project you have to work it out for yourself Low level of assignments no critical thinking required Assessment of product only Eine Studie im Auftrag der British Library (2008) 4) untersucht das Rechercheverhalten der Google Generation : Trotz großer Investitionen in die digitale Ausstattung werden Bibliotheken nach wie vor mit Büchern gleichgesetzt. Bibliotheken werden daher weniger genützt, weil diese Generation das Internet nutzt. Der wichtigste Einstieg in die Recherche sind Suchmaschinen. Vertiefendes Arbeiten mit digitalen Medien und gutem Datenmaterial bedeutet aber, sich über viele Clicks Zugang zu verschaffen, sich mit einem Login anzumelden - und schreckt daher gerade SchülerInnen ab. Sie betreiben lieber power browsing: das Englische bietet dafür viele Varianten an: skim (überfliegen), bounce off (weghüpfen), zoom, scan. Sie zoomen und klicken sich durch die weite Welt der Information. In der Schnelligkeit des Suchens gilt es auch schnelle Entscheidungen zu treffen, wo man weiter browst, was man auswählt, was man kopiert oder downloadet wie Eichhörnchen, die Vorrat beliebig anhäufen. Dieses Verhalten bewirkt einen Cut-and-Paste-Zugang zu Wissen. Schnelle Entscheidungen passieren ohne genaue Auseinandersetzung mit Herkunft, Intention und Inhalt von Webseiten. Absence of clear assessment criteria that emphasize deep knowledge and deep understanding Predominant Virtual Information Seeking Behaviors Horizontal information seeking characterized by skim viewing a small number of pages then bounce out, often never to return; Engage in a power browse kind of reading of scanning rapidly targeted to quick decisions and rapid authority assessment and retrieval, clicking extensively Make little use of advanced search capabilities Squirreling behavior of stockpiling content in the form of downloads Cut and paste approach to knowledge construction Es verwundert daher nicht, wenn SchülerInnen diese Form des Arbeitens langweilig und oberflächlich erscheint. Sie liefern im Laufe ihres Schülerlebens viele verschiedene Aufsätze, Arbeiten, Referate, Powerpoint- Präsentationen zu Themen ab, die sie langweilen und die sie ganz einfach auf Internetseiten finden und herunterladen können. Why do school work, especially when? I have to pick another bird, dinosaur, planet animal, disease and do a 1000 word essay? Das Web 2.0 verändert das Nutzungsverhalten vom Konsumieren hin zum kreativen Produzieren. 90% der Kinder, die Zugang zum Internet haben, haben ihre eigenen Profile und Netzwerke zb. in MySpace, Facebook etc. 5) und sie benutzen diese Seiten um ihre eigenen Inhalte ins Netz zu stellen. Sie erstellen eigene Blogs und reden über Themen wie Ethik, Kultur, Politik, Umwelt etc. Das ist selbst bestimmter Aufbau von I can go on to: schoolsucks.com or phuckschool.com or evilhouseofcheat.com and get the essay I want? I fill out another worksheet, fill in the blanks, do another essay, create another poster Do another Powerpoint presentation on a boring topic? 15

16 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Wissen und sie laden Inhalte zu den Themen nicht einfach herunter, sondern sie diskutieren darüber miteinander, sie schreiben und argumentieren, sie teilen ihr Wissen, sie manipulieren, sie erstellen eigene Wikis, verwenden YouTube etc. Sie sind kreative ProduzentInnen in einer dynamischen Web-Umgebung. Das Web befindet sich in einem Umbruch hin zu mehr Kreativität. Produktivität und Kreativität statt Sammeln von Fakten. In dieser Phase sollten wir die Verantwortung für den Kompetenzerwerb der SchülerInnen übernehmen, indem wir mit komplexen Methoden zur Vertiefung ihrer Kenntnisse (deep knowledge) beitragen. Knowledge Building Ross Todd beschreibt zwei verschiedene Methoden zum Aufbau von Wissen: Die additive Methode Sammelt und transportiert Wissen von einer Datei zur anderen. Schafft Überblickswissen bzw. oberflächliches Wissen. Beispiel: SchülerInnen arbeiten zum Thema Westwood Expansion. Sie sollen dazu ein Diagramm zeichnen und ein Modell bauen. Sie suchen daher nach einer Vorlage und bauen dann ihre Modelle. Dabei lernen sie, wie man ein Modell baut, aber sie lernen nichts über Westwood. Die integrative Methode Integriert Wissen in den Kontext, überprüft es und geht über das Sammeln von Fakten hinaus. Beispiel: Wenn zwei Bücher verschiedene Aussagen zu einer Fragestellung geben, muss man sie vergleichen und hinterfragen. SchülerInnen lernen dabei, dass das Sammeln von Fakten erst der Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist. Das Sammeln von Material ist zunächst notwendig um Hintergrund-Wissen aufzubauen. Dieses Basis- Wissen befähigt die SchülerInnen auch dazu, differenziertere Fragen zu stellen und vertiefend zu arbeiten. Sie begreifen so, dass die Zusammenstellung von Fakten nicht schon das Endergebnis ist, sondern der Anfang einer vertiefenden Auseinandersetzung. Eine Möglichkeit, diese grundlegende Arbeit anzuleiten, ist zb. ein Klassen- Wiki, zu dem alle beitragen können. 16

17 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Wodurch zeichnet sich der integrative Ansatz aus? Alter, Schulstufe und Geschlecht spielen keine große Rolle. Die Art der Fragestellung beeinflusst die Qualität der Ergebnisse: vorgegebene Fragestellung vs. ausverhandelte Fragestellung Sammeln von Fakten vs. Bearbeiten/Transformieren von Fakten Die Arbeiten gewinnen an Qualität, wenn Wahlmöglichkeit und Gestaltungsmöglichkeit eingebaut sind. Eigenverantwortung und Engagement Wenn die SchülerInnen sich mit ihrem Thema oder ihrer Aufgabe identifizieren, es als ihr eigenes Thema erkennen, lassen sie sich intensiver darauf ein. Das trägt zum Aufbau von deep knowledge bei. Form der Intervention Entwicklung von Fertigkeiten, die zum Aufbau von Wissen beitragen, sind wichtiger als Recherchekompetenzen. Prinzipien des Deep Knowledge und Deep Understanding Was trägt zur Vertiefung von Wissen und vertieftem Verstehen bei? Aktives Erforschen von Bedeutung und Bemühen um Verständnis Aufbau von Wissen statt passivem Aufnehmen Direkte Beteiligung und Engagement in der Entde- ckung von neuem Wissen Auseinandersetzung mit anderen Ansichten und sich widersprechenden Vorstellungen Anwendung von neuem Wissen und neuen Fertig- keiten/kompetenzen auf neue Sachverhalte Eigenverantwortung für das Erreichen der Lehrplan- ziele und der Kompetenzen Develop deep Knowledge and Deep Understanding Learners actively searching for meaning and understanding learners constructing knowledge rather than passively receiving it learners directly involved and engaged in the discovery of new knowledge learners encountering alternative perspectives and conflicting ideas learners transferring new knowledge and skills to new circumstances learners taking ownership and responsibility for mastery of curriculum content and skills CONSTRUCTIVIST VIEW OF LEARNING Ein gelungenes Beispiel für Deep Understanding: A bio-poem Aufgabe war, sich mit jeweils einer berühmten Person zu beschäftigen und sie der Klasse zu präsentieren. Ein Schüler suchte die Sängerin Ella Fitzgerald aus und entschied sich einen Song vorzubereiten. D.h. er wählte die Form des Produkts und die Art der Präsentation selber aus. Damit stellte er die Verbindung zu seiner Welt und seinen Interessen her und präsentierte die Ergebnisse seiner Arbeit mit dem Song als Einstieg für seine MitschülerInnen, seine Peergroup. 17

18 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Hall of Fame Research Greatness Where/when born, died, lived Education/Jobs/Career Challenges overcome Qualities that led to greatness Awards/Commendations Political offices held Best remembered for what Connection to NJ Lonely, Nervous, Brave, Determined, Sassy Daughter of parents who filled their house with music Music must have filled her loneliness when her father died Moved to New York for a better life. Who loved the night magic of Harlem, Who loved the celebrities and begging for autographs with her friends Who really loved singing and scatting Who loved her Aunt that took care of her as a child. Who felt loss, when her mother died Who felt anger when she was put in an orphanage Who felt trapped in those walls but they couldn t keep her down because she felt the pull of her song and the night magic of Harlem. Who felt nervous and fear at auditions Who feared not being able to sing because she had no one to care for her Who feared dying from diabetes and possibly going blind, Who feared whom she would pass her singing crown down to Who wanted to see someone take over her singing crown Who would have liked to have spent more time with her late parents Who wanted to work with the best bands Who changed the world of jazz and swing Who was very proud of her awards and achievements She was The First Lady Of Song ; she was Sassy and a Legend of Jazz Born in Virginia, grew up in New York, adopted by the world. Ella was great Fitzgerald Ella Konstruktivistische Lernmethoden Kinder und Jugendliche brauchen Anleitung und Begleitung in ihrer Arbeit. Es genügt nicht sich auf das eigenverantwortliche Lernen zu berufen und Selbstständigkeit im Methodischen von den SchülerInnen zu verlangen. Wesentlich ist auch, dass sie professionelles Feedback und Hilfestellung während des Arbeitens, vor allem an kritischen Punkten bekommen. Das heißt, wir müssen ihnen einen Lernprozess ermöglichen, der aufbauend und in Stufen verläuft. Constructivist Approach to Learning Key Principles: Dewey-Kelly-Brunner-Piaget- Vygotsky Students learn by being actively engaged and reflecting on that experience Students learn by building on what they already know Students develop higher order thinking through guidance at critical points in the learning process Students progress is structured and transformative: developing and transforming prior knowledge, skills, attitudes, values Am Anfang der Betreuung steht zunächst das Zuhören. Was sagen die SchülerInnen, wenn sie in die Schulbibliothek kommen? Ich brauch irgendwas für so ein... Ich weiß nicht, für was das gut sein soll. Hier sollten wir ihnen helfen, einen Zugang zu finden, der ihr Interesse weckt. Am Anfang stehen häufig Unsicherheit und Ablehnung und zudem das Gefühl, vor einem Berg von nicht zu bewältigender Arbeit zu stehen. Beginnt man eine Arbeit aber mit einer negativen Einstellung, wird man eher nach einfacher Information suchen komplexere Quellen vermeiden wenig Motivation haben, sich durchzuarbeiten möglichst schnell Material sammeln wollen den Weg abkürzen wollen möglichst schnell fertig sein wollen Schließlich wird der Schüler/die Schülerin zufrieden und erleichtert sein, dass er/sie mit der Arbeit fertig ist und ein Produkt hergestellt hat. 18

19 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Es ist entscheidend für den weiteren Verlauf und die Vertiefung der Arbeit, dass LehrerInnen/SchulbibliothekarInnen an den kritischen Punkten intervenieren. Hilfe brauchen die Jugendlichen an jenem Punkt, wo sie verwirrt und frustriert sind bzw. wo sie Zweifel hegen. Hier brauchen sie Anweisung und Anleitung. Bekommen sie diese Unterstützung, werden sie beginnen Hintergrundwissen aufzubauen vertiefende Fragen stellen sich mit dem Thema zu identifizieren beginnen mehrere Quellen benützen spezifischere Fragen stellen Tasks Initiation Selection Exploration Formulation Collection Presentation Feelings uncertainly optimism confusion clarity sense of satisfaction or (affective) frustration direction/ disappointment doubt confidence Thoughts (cognitive) Information Search Process vague focused increased interest Actions seeking relevant information seeking pertinent information (physical) exploring documenting Zone of Intervention: the critical point / need for instruction Methoden und Szenarios Mit der Puzzle-Methode bietet man den SchülerInnen ein Gerüst an, mit dem sie ihr Wissen aufbauen und erweitern können. zb. Jazz Jargon Jedes Thema hat auch spezifisches Vokabular, vielleicht eine eigene Sprache. Welche Fachausdrücke braucht man daher zb. How is Jazz similar/different to my favorite music Herstellen von Bezügen zur eigenen Welt, zu eigenen Erfahrungen, Meinungen zb. What next? Questions Erst nachdem sie ihr Hintergrundwissen aufgebaut haben, How is Jazz similar to my favourite music Jazz jargon Why is Jazz an important music form Jazz music / musicians I recognize /video clips /podcasts I like etwickeln sie eine Fragestellung und beginnen mit ihrer eigentlichen Arbeit. How is Jazz different to my favourite music What is Jazz? What are important characteristics of Jazz My feelings about Jazz When did jazz begin Who are the early Jazz greats Main Jazz instruments What next? Questions I want to explore, and why Einstiege Statt der üblichen Einstiege, die oft mit Lesen beginnen oder mit einem Brainstorming ( Was wir schon wissen ), bietet sich folgendes Szenario an: Ich wusste nicht, dass... Ich stimme zu/stimme nicht zu... Ich bin überrascht, dass... Ich möchte wissen, warum... Wie kommt es, dass... Welche Fragen habe ich? So kann eine Aufgabenstellung gefunden werden, die sie interessiert und fordert. I didn t know that! I agree / disagree Developing Background Knowledge, Interest, Motivation Read View Listen Connect Questions I have??? I wonder. 19

20 Learners in the Wired World: Engaging Them in the Information-Knowledge-Experience Individuelle Themen innerhalb eines großen (Klasse)Themas Topics of interest to me Intriguing factors Positives Negatives Rank 1-5 Was interessiert mich? Was sind die faszinierenden Fakten? Was spricht für, was gegen eine Beschäftigung mit diesem Bereich? Hier kommen BibliothekarIn/LehrerIn ins Spiel: Gibt es kein/zu viel/ zu schwieriges Material? Was sind die Hemmnisse? Welche Hilfe braucht man? Rank your topics on a scale of 1 5 (1 = of little interest; 5 = very interesting) Circle your two most interesting topics Explain your choice in your conference with your class teacher / librarian Umgang mit konkurrierenden/widersprüchlichen Informationen SchülerInnen lernen dabei, dass es verschiedene Blickwinkel gibt, aber auch, dass die Quellen unterschiedlich gut/genau/seriös sind. Arbeiten mit digitalen Arbeitsblättern Was die SchülerInnen bei dieser Arbeitsweise lernen Die Qualität des Informationsmaterials spielt eine wichtige Rolle. Es gibt verschiedene Sichtweisen und verschiedene Standpunkte. Internetseiten sind für unterschiedliche Zielgruppen gemacht (SchülerInnen, Tourist -Innen, WissenschafterInnen etc.). Auch Webseiten spiegeln eine Autorenintention wider. Umgang mit sich widersprechenden Quellen Sie lernen vor allem, selber eine Entscheidung zu treffen und zu einem eigenen Er- gebnis zu kommen. Sie lassen sich intensiver auf die Themenstellung ein und beziehen einen Standpunkt auf Basis ihrer Recherchen. Dealing With Conflicting Information to Develop Knowledge Central Questions who Source 1 eg encycl Source 2 eg Poor quality web site Source 3 eg High quality web site Source 4 eg Newspaper Source 5 High quality print source What I can say? Evidence for my statement? what when where why how result 20

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