Schritte zur Gründung als pdf. 1. Welcher Weg in die Selbständigkeit?

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1 32 Schritte zur Gründung als pdf 1. Welcher Weg in die Selbständigkeit? Die Gründung einer eigenen Firma ist nur einer von vielen Wegen in die Selbständigkeit. Sie können auch einen Betrieb übernehmen oder sich einer Franchise- Kette anschließen, oder Sie werden Partner in einem Unternehmen. Als Übernehmer haben Sie keine Anlaufzeit, dafür eingearbeitetes Personal. 2. Wie viel Umsatz werden Sie brauchen? Rechnen Sie aus, was Sie im Jahr übrigbehalten müssten, um ihr derzeitiges Bruttoeinkommen zu erwirtschaften; mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld, einem Aufschlag für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, mit den Arbeitgeberbeiträgen zu den Versicherungen. Das muss übrigbleiben, wenn Sie vom Umsatz die Kosten sowie Schuldendienst (für Kredite) und Verzinsung (für Ihr Eigenkapital) und eine Risikoprämie abgezogen haben. Wie Sie diesen Überschuss in Geschäftsführerbezüge und Unternehmensgewinn aufteilen, spielt hierbei keine Rolle (das ist nur steuerlich wichtig). Schätzen Sie dann, wie viel Sie dafür umsetzen müssten. Faustregel: als Jahresumsatz müsste bei kleineren Betrieben mit höchstens fünf Beschäftigten das Fünffache, bei größeren und materialintensiven das Zehn- bis Zwanzigfache Ihres Bruttoeinkommens herauskommen. 3. Darf ich einen Betrieb eröffnen? Ehe Sie einen müden Euro investieren, lassen Sie sich von der Handwerkskammer bestätigen, ob (der unter welchen Voraussetzungen) Ihr geplantes Geschäft in die Handwerksrolle eingetragen wird. Der Betrieb muss einen Meister haben entweder Sie selbst oder einen Angestellten (dazu brauchen Sie eine Kapitalgesellschaft, etwa eine GmbH). Ausnahmen gibt es bei Ingenieuren gleicher Fachrichtung und bei handwerklichen Nebenbetrieben sowie in begründeten Einzelfällen. 4. Berater suchen und finanzieren Besuchen Sie zuerst ein Gründungsseminar Ihrer Kammer. Dann lassen Sie sich von einem Betriebsberater der Kammer zum Nulltarif beraten. In Sonderfällen wird auch ein freiberuflicher Berater empfohlen, der 400 bis 800 Euro Tageshonorar verlangt. Das Bundeswirtschaftsministerium gibt bis zu 1300 Euro Zuschuss. Seite 1 von 1

2 5. Konzept zur Existenzsicherung Zu den Gründungsvorbereitungen sollte auch ein Sicherheitskonzept gehören, das die erhöhten Risiken der Selbständigkeit abfedert. Dazu gehören die verschiedenartigsten Maßnahmen, Gütertrennung und Erbregelungen zum Beispiel. Prüfen Sie alle weittragenden Entscheidungen auch unter Sicherheitsgesichtspunkten: Rechtsform und Partnerwahl, Gesellschaftsvertrag, Darlehensicherheiten, Abhängigkeit von Großkunden. Diskutieren Sie diesen Punkt mit Ihrer Frau, um deren Bedenken zu beschwichtigen. 6. Marktforschung: Zielgruppenanalyse Ihre Zielgruppe müssen Sie genau kennen lernen: Es ist die Gesamtheit der möglichen Kunden (bei Privatkunden definiert nach Region, Alter, Geschlecht, sozialer Schicht), ihrer Bedürfnisse und Vorlieben, ihrem Verhalten. Wie groß ist die Zielgruppe, wie ist ihre Kaufkraft, wie ist das Absatzpotential darin? 7. Marktforschung: Konkurrenzanalyse Verschaffen Sie sich für Ihre Möglichen Standorte einen Überblick über die Konkurrenzsituation: Wie viele Konkurrenten gibt es, wie sehen deren Kundenkreise aus? Machen Sie eine Checkliste mit allen Eigenschaften von Firma und Angebot der Konkurrenten (zum Beispiel: hoch- oder niedrigpreisig, handwerklich oder industriell, Servicequalität). Dann sehen Sie auf einen Blick, wie Sie sich von der Konkurrenz unterscheiden könnten in diese Richtung entwickeln Sie Ihr Konzept. 8. Marketing: Wie Sie Ihr EVA finden Die Abkürzung steht für Einmaliges Verkaufs-Argument, die deutsche Fassung des US-Begriffs Unique selling proposition. Sie können die Leute nur dann veranlassen, ausgerechnet bei Ihnen Kunde zu erden, wenn Sie bei Ihnen etwas finden,, das kein Konkurrent bietet. Es muss nicht immer ein neuartiges Produkt sein, denken Sie sich für herkömmliche Produkte oder Dienstleistungen irgendein EVA aus, das Sie unverwechselbar macht ein Drumherum, das der Kunde nur bei Ihnen bekommt. 9. Überzeugend: Ihr Unternehmenskonzept Das Unternehmenskonzept ist gleichsam Ihr Drehbuch, nach dem Sie von nun an arbeiten. Sie brauchen es als systematischen Arbeitsplan für sich, aber auch jeder Geldgeber wird danach fragen und ihr Vorhaben nach Schlüssigkeit und Überzeugungskraft des Konzepts beurteilen. Das Konzept erläutert die Vorteile Ihres Produktes, die Grundsätze der Standortwahl, Ihren Markt und seine voraussichtliche Entwicklung. Seite 2 von 2

3 10. Den optimalen Standort wählen Der Standort ist von entscheidender Bedeutung, wenn die Kunden zu Ihnen kommen müssen: Sie bleiben aus, wenn Ihre Adresse abgelegen ist oder in der falschen Gegend liegt (und wenn die Mieten dort noch so niedrig sind). Achten Sie auch auf die voraussichtliche Entwicklung Ihres Standortes: Was plant die Gemeinde (Straßenbau, was wird aus dem Bauerwartungsland Wohnhäuser oder Gewerbegebiet)? Zu den Kosten des Standortes gehört die Gewerbesteuer, die in den Gemeinden verschieden hoch ist. Informieren Sie sich über behördliche Auflagen an den in Frage kommenden Standorten, besonders im Umweltschutz. Das gilt besonders für den Übernehmer, denn mit ihm ist die Gewerbeaufsicht strenger als mit einem alten Inhaber. 11. Zur Ergänzung: Partner suchen Ein Partner, der Kapital oder Fähigkeiten einbringt (als Kaufmann oder Marketingspezialist) kann nützlich sein. 12. Zur Sicherheit: Rechtsform wählen Die Rechtsform hat Auswirkungen in den unterschiedlichsten Bereichen. Beantworten Sie darum folgende Fragen und entscheiden Sie dann mit Ihrem Berater über die Rechtsform: o Gibt es Partner und wenn ja: Wie sind die Beteiligungs- und Kompetenzverhältnisse? o Wie wollen Sie Ihr Haftungsrisiko begrenzen? o Wie wirken sich die verschiedenen Rechtsformen bei Ihnen steuerlich aus? Diese Rechtsformen stehen Ihnen zur Wahl: o für den Handwerks-Unternehmer ohne Partner das Einzelunternehmen und alle Kapitalgesellschaften (GmbH, GmbH & Co.KG, in Ausnahmefällen auch die AG) o für die handwerkliche Partnerschaft die BGB-Gesellschaft (auch GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts genannt), die KG und die Kapitalgesellschaften. o Die Beteiligung eines Stillen Gesellschafters ist bei jeder Rechtsform möglich. die OHG ist nur für Handelsunternehmen gedacht. 13. Information über Förderprogramme Informieren Sie sich über die öffentlichen Förderprogramme für Existenzgründer. Staatliche Hilfe gibt es in Form von Zuschüssen zur Existenzgründungsberatung und als zinsgünstige Kredite, sie kommen vom Bund, den Ländern und von der EG. 14. Erfolgsgeheimnis: Marketing planen Nehmen Sie das Thema Marketing ernst; wenn Sie sparen müssen, sollte der Marketing-Etat als letzter drankommen. Die Checkliste: Welches Image soll das Unternehmen haben: schnell? zuverlässig? flexibel? klein ( direkter Kontakt zum Meister )? Und das Produkt: preiswert? etwas teuerer als Übliche? modern? Seite 3 von 3

4 traditionell? Wie komme ich an meine Kunden: über Anzeigen? über Briefe nach Interessenkartei? 15. Durchblick: Mit Kalkulation Viele Handwerker arbeiten jahrelang ohne zu merken, dass sie nur Verluste einfahren; sie können nicht kalkulieren. Vermeiden Sie diesen Fehler von Anfang an: Ermitteln Sie Ihren Stundenverrechnungssatz, so dass Sie genau wissen, bei welchen Preisen Sie wie viel gewinnen. 16. Umsatz und Gewinn planen Planen Sie für mindesten drei Jahre (sonst haben Sie bei den Banken keine Chance). Das dritte Jahr ist kritisch, wenn Sie öffentliche Mittel bekommen: dann beginnt spätestens deren Tilgung. 17. Startkapitalbedarf ermitteln Die Checkliste für den Kapitalbedarf: Immobilien (Kauf oder Mietkaution, Umbau, Renovierung) und Einrichtung, Maschinen und Fahrzeuge, Maßnahmen nach behördlichen Auflagen, Honorare für notarielle Urkunden und Gründungsberatung, erste Lagerausstattung, Liquidität für Betriebsausgaben der ersten sechs bis zwölf Monate, Reserve für Unvorhergesehenes (zehn Prozent der Investition). 18. Ausgaben in der Startphase planen Die Checkliste: Mieten/Leasinggebühren oder Kapitaldienst, Reinigung und Wartung, Personal, Honorare für Berater, Energie, Büro und Kommunikation, Werbung, Ihr Geschäftsführergehalt plus Gewinnentnahmen... und nicht vergessen: die Zehn- Prozent-Reserve für Unvorhergesehenes. 19. Detailliert: Der Finanzplan Sie müssen das Startkapital und die Anlaufkosten finanzieren. Die Finanzierung setzt sich zusammen aus Eigenmitteln, Bankkrediten und Fördermitteln. Sie sollten mindestens 20, besser 30 Prozent Eigenkapital einbringen. Das sind die Quellen für Ihr Eigenkapital: Bargeld und verkäufliche oder beleihbare Werte; private Darlehen; Sacheinlagen (Wagen, Geräte, Haus); Eigenleistung (des Gründers oder seiner Angehörigen); Einlagen von Teilhabern. 20. Rechtzeitig: Mitarbeiter suchen Gute Leute sind knapp. Fangen Sie frühzeitig mit der Suche an bedenken Sie Kündigungsfristen aus derzeitigen Arbeitsverhältnissen. 21. Mit Berater: Gesellschaftsvertrag Bei der Formulierung helfen Kammerberater, Steuerberater oder Anwalt. Der GmbH Vertrag ist notariell zu beurkunden. 22. Förderanträge, Kreditverhandlungen Seite 4 von 4

5 ... Bei der Hausbank reichen Sie die Anträge auf öffentliche Förderung ein. Dazu gehören diese Unterlagen (die natürlich auch für die Verahndlungen mit den Banken nützlich sind): Konzept, Investitions- sowie Umsatz- und Gewinnplan, Lebenslauf mit Qualifikationsnachweis, Gesellschaftsvertrag, (wenn Sie einen Betrieb übernehmen wollen: dessen letzte Bilanz). 23. Persönliche Verhältnisse regeln Sie stehen kurz davor, sich bis über die Ohren zu verschulden: mit den Kredit- wie auch den Kauf- und Lieferverträgern. Regeln Sie Ihre persönlichen Verhältnisse so, dass Banken und Lieferanten Sie nicht bis aufs Hemd ausziehen können! Welche Vermögenswerte können Sie auf Angehörige übertragen? Sichern Sie Vermögen und Einkommen Ihres Ehepartners durch Gütertrennung. 24. Start frei: Die Finanzierung Mit der Unterschrift unter die Kreditverträge haben Sie Ihren Rubikon überschritten. Prüfen Sie alles noch einmal genau unter Sicherheitsaspekten, damit Sie auch im schlimmsten Fall nicht bei Null dastehen. 25. Jetzt die Mitarbeiter einstellen Hierfür haben Sie eine Vielzahl gesetzlicher und anderer Vorschriften zu beachten um juristische Fallstricke zu vermeiden oder um Steuer zu sparen: Gibt es einen Tarifvertrag? Welche Auflagen für Arbeitsschutz, Jugendarbeitsschutz müssen Sie erfüllen? Welche Möglichkeiten haben Sie bei Beschäftigung von Teilzeitkräften und Angehörigen? 26. Einprägsamen Firmennamen finden Der Firmenname ist Ihre billigste Werbung, er soll einprägsam sein und sich von anderen deutlich unterscheiden. Denken Sie bei der Namensvergebung nicht nur an sich ( Meisterbetrieb Müller ), sondern sprechen Sie auch gleich den Kunden an ( Ihr Partner für... ). Beachten Sie die Vorschriften für die Firmierung: Die Rechtsform gehört dazu und Ihr voller Name (wenn Sie Einzelunternehmer sind). Die Kapitalgesellschaft kann sich einen reinen Sachnamen geben. 27. Alles klar für Betriebsgenehmigung Klären Sie, welche Ihrer Anlagen zulassungs- oder überwachungspflichtig sind, was der TÜV abnehmen muss. Klären Sie alle baurechtlichen Fragen. 28. Miet-, Kauf- und Lieferverträge Prüfen Sie alles nach Sicherheitsgesichtspunkten. Vergessen Sie nicht Ihre Infrastruktur: Strom, Wasser, Postanschlüsse (müssen noch Rohre oder Leitungen verlegt werden?). Beachten Sie: Ein Postfach auf den Firmennamen einer Kapitalgesellschaft bekommen Sie nur bei Vorlage des Handelregister Auszuges. Seite 5 von 5

6 Steuerstrategie planen Das Finanzamt wird Ihnen nach der Gewerbeanmeldung einen Betriebsfragebogen schicken. Ihre Angaben darin sind Grundlagen für die neuen Steuer-Vorauszahlungen: Einkommensteuer (für Ihre persönlichen Einkünfte, einschließlich Ihres Geschäftsführergehaltes und der Gewinnentnahmen), Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und (bei Kapitalgesellschaften) Körperschaftsteuer. Ihr Steuerberater sagt Ihnen, wie Sie mit Berücksichtung der Vorlaufkosten in den Anfangsjahren einen möglichst hohen Verlust ausweisen, um die Steuern niedrig zu halten. 30. Versicherungen abschließen Starten sie nur, wenn das Versicherungspaket stimmt, privat und betrieblich. Wer noch keine 216 gesetzlichen Beitragsmonate hat, ist handwerkspflichtversichert; sonst kann er zwischen gesetzlicher und privater Versicherung wählen, und bei GmbH ist auch Betriebsversicherung möglich. Bei Ihrer Krankenversicherung vergessen Sie die Tagegelder nicht, denn Sie bekommen keine Lohnfortzahlung mehr. Für den Betrieb prüfen Sie folgende Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Feuer und Betriebsunterbrechung, Einbruch und Diebstahl, Leitungswasserschäden, Sturm, Glasbruch, Betriebsschließung. Vorsicht mit Produkthaftpflicht: die gesetzliche Regelung steht noch aus. 31. Die Formalitäten nicht vergessen Handwerker brauchen sich im Prinzip nicht in das Handelsregister eintragen zu lassen; es sei denn, sie haben eine Kapitalgesellschaft oder eine KG oder setzen mehr als eine Million Mark im Jahr um. Ihre Gewerbeanmeldung wird vom Gewerbeamt weitergemeldet an: Gewerbeaufsicht, Finanzamt, Berufsgenossenschaften, Handwerkskammer, Statistisches Landesamt, Registergericht. Sie müssen alle Mitarbeiter zur Berufgenossenschaft anmelden; ob Sie selbst Pflichtmitglied sind, sagt Ihnen die Handwerkskammer. Dann brauchen Sie die Versicherungshefte mit den Anund Abmeldeformularen der Krankenkasse für alle Mitarbeiter. 32. Grund zum Feiern: Die Gründung Herzlichen Glückwunsch. Feier Sie die Eröffnung mit Ihren neuen Kunden und Geschäftspartnern, denn dies ist ein werbewirksamer Anlass, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Seite 6 von 6

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