Überblick über die Arbeit der Bonner Tafel Stand Februar 2009

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1 Überblick über die Arbeit der Bonner Tafel Stand Februar Grundsätzliches Bonner Tafel wurde 1997 gegründet, zusammen mit Rheinbach und Meckenheim, seit 1998 eigenständige Bonner Tafel Eingetragener Verein, als gemeinnützig anerkannt Motto ist Verteilen statt Vernichten Brücke zwischen Überfluß und Bedürftigkeit - Abholung von überzähligen Lebensmitteln und Verteilung an Bedürftige Knapp die Hälfte unserer Ware geht an bedürftige Bonner Bürger in privaten Haushalten, die von uns Lebensmittel zur Zubereitung erhalten. - keine Grundversorgung aufgrund wechselnder Warenangebote - aber Ergänzung/Bereicherung des Speiseplans (Obst, Gemüse, Mipro) stehen für viele Kinder aus diesen Familien nicht mehr zur Verfügung - kein Zukauf von Lebensmitteln nicht Tafelidee - keine Suppenküche, keine Zubereitung von Speisen kooperieren statt konkurrieren da keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen (VfG, Prälat-Schleich-Haus) Ergänzung - Keine Kleiderstube, kein Möbellager, nur Lebensmittel (manchmal Kosmetik ) 2. Welche Lebensmittel werden abgeholt? Wir sehen unsere Aufgabe darin, vitaminreiche und qualitativ hochwertige Nahrung in großer Vielfalt einzusammeln (kein Sprudelwasser!!). Sie muss in einwandfreiem Zustand sein, so dass kein Gesundheitsrisiko für die Abnehmer besteht. Im einzelnen handelt es sich um - Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern (eine Apfelsine ist im Netz faulig, Bananen sind etwas braun) - Backwaren vom Vortag, die bei verschiedenen Bäckereien im Stadtgebiet abgeholt werden - Ware aus Überproduktion bei Herstellern oder die sich nicht gut verkaufen läßt z.b. Kekse, Schokolade - Milchprodukte mit kurzer Haltbarkeit - Ware die falsch gekennzeichnet wurde - Obst und Gemüse vom Großmarkt in Roisdorf, die die strengen Auflagen der Großhändler nicht erfüllen - Konserven - andere Lebensmittel mit eingerissener Verpackung - und noch vieles mehr... Man glaubt gar nicht, was alles in unserer Gesellschaft weggeworfen wird! Nicht abgeholt werden - Ware mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (außer Kekse, Schokolade, Kaffee oder mit Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers etc.) - Buffets von Hotels oder privaten Festlichkeiten (nicht eingerichtet dafür/strenge Auflagen des Gesundheitsamts/keine Küche zur Aufbereitung) - Selbstgemachtes von privaten Haushalten (keine Herstellerhaftung)

2 Die Lebensmittel werden von unseren Freiwilligen an Ort und Stelle, also beim Händler nach unseren eigens erarbeiteten Tafelrichtlinien aussortiert. Strenge Kontrolle der Lebensmittel Qualität geht vor Quantität. Seit 2005 (Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln) enger Kontakt zu Gesundheitsamt - Beratung Wir haben keine Mülltonne und keine Möglichkeit der kostenlosen Entsorgung von Lebensmitteln. Nach dem Auslesen werden die Lebensmittel in unsere Transportkisten gepackt und in die mittlerweile drei Vereinsfahrzeuge mit Kühlung geladen. Die Ware wird uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist nicht Tafelidee, Ware dazuzukaufen. Lieferanten: - Wir sind in der glücklichen Lage in Bonn, genügend Backwaren zu erhalten - Milchprodukte und Feinkost kommen eher sporadisch - Obst/Gemüse aus Großmarkt Roisdorf und Edeka Zentrallager Meckenheim - Problem: wenige Großunternehmen in Bonn Großmarkt in Bornheim (Täglich), Edeka in Meckenheim (3 Mal ) verschiedene Supermärkte (Aldis, Extra..) - Tafeln tauschen Überschüsse aus/regionalprinzip aber auch schon Konkurrenz durch große Tafeldichte in der Umgebung Mittlerweile sehr viel Logistik: - wie viel nimmt jede Stelle ab? - wie lange ist Haltbarkeitsdatum / Wochenende? - Wie viel Kühlkapazitäten in Einrichtung vorhanden? - Roisdorf: Ware wird gekippt, wenn nicht sofort abgeholt - wie lange kann ungekühlt gelagert werden? - Wie beliebt ist das Obst/Gemüse? - Problem mit Spargel, Rosenkohl, Salat, Sellerie, Zitrus im Januar - Spender: was essen eigentlich eure Leute?? Fingerspitzengefühl!!! Problem Warenmenge: - ist nicht vorhersehbar - große Mengen, aber nicht gleichmäßig verteilt - Wintersaison mit Zitrusfrüchte, Kohl etc. pro Monat ca. 15 t Obst/Gemüse - Im Lauf der Jahre mehr Bedürftige, aber sinkende Warenmenge durch bessere Logistik der Unternehmen, dadurch - Tafelbetrieb lässt sich nicht beliebig erweitern 3. Wie funktioniert der Tafelbetrieb? Für die Abholung der Lebensmittel stehen uns drei Mercedes Sprinter mit Kühlaggregaten zur Verfügung. Wir arbeiten an fünf Tagen in der Woche, an drei Tagen werden zusätzlich abends noch Bäckertouren gefahren. Für jeden Tag ist ein Tourenplan ausgearbeitet. In der Regel beginnen die Touren morgens zwischen 9 und 10 Uhr. Zunächst werden bei verschiedenen Geschäften die Lebensmittel sortiert und dann in die Vereinsfahrzeuge geladen. Je nach Tag und Warenmenge dauert dies bis in die Nachmittagstunden. Danach werden die Lebensmittel zu den verschiedenen Einrichtungen gebracht bzw. zur Geschäftsstelle. Hier steht eine neue Besatzung und sortiert und zählt nochmals die Ware, so dass wir sicher gehen, dass auch jeder Abnehmer entsprechend seiner Haushaltsgröße Ware erhält.

3 - Neben den regelmäßigen Abholungen gibt es noch Sondertouren auf Abruf - Im Jahr 2008 insgesamt 80 Sonderabholungen (Konserven, Kartoffeln, Weihnachts- oder Ostersüßigkeiten nach den Feiertagen) - Abholung von Ware bei der Lebensmittelbank in Aachen (arbeiten mit großen Lebensmittelherstellern zusammen), Abholung auf Zuruf direkt aus LKW in Tafelfahrzeuge (Müsliriegel, Knödel, Lindt-Schokolade, Marmelade etc.) 4. Wer erhält diese Lebensmittel? a) Verteilung an Privathaushalte Etwa die Hälfte der Lebensmittel wird an private Haushalte über unsere Geschäftsstelle verteilt. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag werden Lebensmittel ausgegeben. Zuerst muss ein Antrag auf eine Berechtigungskarte gestellt werden. Wir überprüfen die Bedürftigkeit anhand eines Einkommensnachweises. Etwa 600 Haushalte haben eine Berechtigungskarte, wovon regelmäßig etwa 500 Haushalte zur Verteilung kommen. Wir erreichen etwa 1100 Personen. Obwohl wir versuchen, die Schwelle der Beantragung niedrig zu halten, schämen sich viele - Kontakt zu älteren Mitbürgern schwierig - Über 85 % der Abnehmer sind Aussiedler, etwa 7 % ausländische Mitbürger und nur etwa 5 % deutsche Sozialhilfeempfänger (Scham/Bequemlichkeit??) - Mittlerweile an Grenzen gestoßen, Kapazität erschöpft, Berechtigungskarten nur noch für alte und kranke Menschen - Abweisung von jüngeren Sozialhilfeempfängern mangels Kapazität - Problematik: Verwechslung mit dem Sozialamt, - Einforderung unserer Dienstleistung - Seit 2008: Priorität in der Vergabe von Berechtigungskarten auf nicht erwerbsfähige Personen/Haushalte gelegt: - Ältere Bedürftige, Behinderte, Im Durchschnitt erhält jeder Backwaren, mind. 2 Sorten Obst und Gemüse je nach Saison, ein Milchprodukt und noch ein Extra-Teil (Kekse, Schokolade, Marmelade etc.). Die Sachen werden in die Taschen gepackt, die unsere Abnehmer mitbringen. Der Warenwert ist etwa 10 bis 12 Euro bei einer Ausgabe. b) Einrichtungen Insgesamt 38 Einrichtungen erhalten andere Hälfte der Lebensmittel. Darunter fallen das Frauenhaus, Bonn Lighthouse, Haus Sebastian (Notunterkunft) und der Verein für Gefährdetenhilfe (Großabnehmer). In den letzten drei Jahren haben wir verstärkt Schulen, Kindertagesstätten und Jugendzentren in sogenannten sozialen Brennpunkten beliefert. Unsere neue Statistik zeigt, dass wir nun in 27 Kinder- und Jugendeinrichtungen etwa 2000 Kinder erreichen. Geliefert werden insbesondere Obst und Milchprodukte, die zu einem gesunden Frühstück oder als Nachtisch oder Zwischenmahlzeit gereicht werden. Wir erreichen damit viele Kinder, oft mit Migrationshintergrund, die in der Einrichtung ohne Diskriminierung Obst essen können und deren Eltern nicht zu unserer privaten Verteilung kommen wollen oder können. - Einrichtungen stellen Antrag auf Belieferung; seit Einführung der offenen Ganztagesschulen großer Zuwachs. Auch schon früher Schulen und Kindertagesstätten beliefert, aber allein in diesem Jahr sind viele neue Schulen dazugekommen.

4 Ein neues Schlagwort in Verbindung mit Kinderarmut ist die Kindertafel. In Berlin gibt es mittlerweile zwei Kinderrestaurants, in Dresden und Hannover werden Frühstücksbeutel gepackt. Die Lüneburger Tafel bietet außer gesunder Ernährung auch Hausaufgabenbetreuung, PC-Kurse, Sport und offene Jugendarbeit. Es gibt viele unterschiedliche Beispiele und schöne Ideen. Wir hier in Bonn haben keine Kindertafel, obwohl wir bevorzugt 2000 Kinder und Jugendliche beliefern. Wir konzentrieren uns auf die eigentlichen Aufgaben der Tafeln, nämlich Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten und damit Bedürftige zu versorgen. Unsere MitarbeiterInnen sind keine SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen, ErnährungswissenschaftlerInnen, aber wir wissen ganz genau, worin unsere Stärken liegen und wie wir soziale Einrichtungen für Kinder und Jugendliche unterstützen können, ohne in Konkurrenz zu treten. 5. Wer arbeitet bei der Bonner Tafel? - z.zt. über 70 Ehrenamtliche, die monatlich etwa 1000 Stunden leisten Vorstand auch ehrenamtlich - Meist regelmäßig 1 Mal pro Woche Einsatz, manche auch öfters - Am Freitag (2 Ausgabestellen, 5 Einrichtungen) 18 MitarbeiterInnen - Seit Herbst 2005 zwei Teilzeitkräfte im Einsatz (Betriebsleiter für Logistik und einen Springer/Wartung Fahrzeuge etc.) - 60 % sind Frauen, 40 % Männer (erhöht in den letzten Jahren) - unterschiedliche Berufsbilder jeder kann sich einbringen! (z.b. Homepage wird ehrenamtlich erstellt) - zwischen 25 und 75 Jahre alt, Mehrzahl 60 plus, Problem der Überalterung! - aus aktivem Arbeitsleben ausgeschieden - Anforderungen: körperliche Fitness, Arbeit im Team, Belastbarkeit - Optimal sind "handfeste" Mitarbeiter mit "Hausfrauenblick" - Die Verantwortung für die übernommenen Pflichten bei allen Tafelhelfern sehr groß und geht bei vielen bis an die körperlichen Grenzen. Tafelarbeit ist ein Knochenjob! Die Motivation, einwandfreie Lebensmittel nicht wegzuwerfen, sondern sie einem guten Zwecke zuzuführen, steht bei den meisten im Vordergrund. 6. Wer unterstützt die Tafeln? Auf regionaler Ebene: Lebensmittelhändler, Produzenten - Stellen uns Ware kostenlos zur Verfügung. Zusammenarbeit mit der Tafel ist für beide Seiten von Nutzen, da diese Unternehmen die oft beträchtlichen Kosten der Entsorgung sparen Der Generalanzeiger unterstützt uns mit einer kostenlosen Spendenwerbung. Die Stadtverwaltung Bonn und insbesondere das Sozialamt steht uns als Kooperationspartner zur Seite. Daneben pflegen wir enge Beziehungen zu den karitativen Einrichtungen, denen Lebensmittel kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Auf überregionaler Ebene ist die Bonner Tafel Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Tafeln, dem die mittlerweile über 800 Tafeln in Deutschland angehören. - Austausch mit anderen Tafeln und konkrete Hilfsangebote: - Vereinsfahrzeuge durch ein Sponsoring von DaimlerChrysler - ADAC unterstützt die Tafeln - Continental 1 Satz Reifen für Tafelfahrzeuge pro Jahr

5 - Kontakte zu REWE und Metrogroup auf überregionaler Ebene - gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit 7. Wie finanzieren wir unsere Arbeit? Arbeitsleistung ist umsonst unbezahlbar Kosten für Miete, Teilzeitkräfte, Büromaterial, Telefon, Vereinsfahrzeuge, Abschreibungen etc. belaufen sich auf etwa 5000 Euro pro Monat. Wir sind bestrebt, dass wir den Tafelbetrieb unabhängig von öffentlichen Geldern aufrechterhalten können. Die Betriebskosten müssen somit über Spenden und Bußgelder finanziert werden, die jedoch nicht kalkulierbar sind. 6. Wie geht es weiter? - Seit der Gründung der Bonner Tafel vor über 10 Jahren (mit etwa 12 MitarbeiterInnen) ist der Verein zu einem mittelständischen Betrieb gewachsen. Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem es gilt, die geschaffenen Strukturen zu festigen. - Warenmenge lässt sich nicht beliebig vergrößern (bessere Logistik, mehr Tafeln), daher maximal 120 Haushalte pro Verteilung die Obergrenze Problem in Bonn: keine großen Lebensmittelkonzerne Konkurrenz unter den Tafeln entsteht Regionalprinzip Kapazität erreicht! Können nur noch alte oder kranke Menschen in Verteiler aufnehmen. - Bürokratische Anforderungen wachsen z.b. Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel 2005 Lieferscheine 2006 Hygieneschutzverordnung Schulung aller MitarbeiterInnen - Bessere Nutzung von Überschüssen durch - Einbau einer Kühlzelle im Dezember 2007: - Anschaffung eines dritten Vereinsfahrzeugs im Juli Anschaffung eines vierten Vereinsfahrzeugs im Sommer 2009 (für Sondertouren etc.) Tafelmotto: Helfen ist ganz einfach jeder tut das, was er kann Februar 2009 Edith Trittler Öffentlichkeitsarbeit Vortrag

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