Rückläufige Tendenz beim freiwilligen Engagement in der Schweiz

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1 Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt für Statistik BFS Medienmitteilung Sperrfrist: , 9:15 20 Wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung Nr Freiwilligenarbeit Rückläufige Tendenz beim freiwilligen Engagement in der Schweiz Neuchâtel, (BFS) Zum Internationalen Tag der Freiwilligen vom 5. Dezember 2008 publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) eine Kurzfassung der aktuellsten verfügbaren Eckdaten für die Schweiz. Ein Vergleich zwischen 1997 und 2007 zeigt einen Rückgang der freiwillig Tätigen in der Schweizer Wohnbevölkerung; strukturell hat sich hingegen kaum etwas verändert. Das freiwillige Engagement für Vereine und Organisationen ging von 27% auf 24% zurück; dasjenige für unbezahlte Hilfeleistungen im privaten Umfeld von 23% auf 21%. Dabei bestehen grosse Unterschiede zwischen den Sprachregionen und den Kantonen. Das BFS publiziert in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) und dem Forum freiwilligenarbeit.ch eine Kurzfassung mit den statistischen Eckdaten für die Schweiz. Neben den Indikatoren aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2007 des BFS und den Resultaten aus dem Freiwilligen-Monitor 2006 der SGG werden neu die Entwicklungen für den Zeitraum zwischen 1997 und 2007 vorgestellt. Die Beteiligung an Freiwilligenarbeit geht tendenziell zurück Das freiwillige Engagement für Vereine und Organisationen ging seit 1997 von 27% auf 24% um rund zweieinhalb Prozentpunkte zurück. Diese Entwicklung ist bei Männern deutlicher (minus 4,2 Prozentpunkte) als bei Frauen (minus 1,1 Prozentpunkte). Unbezahlte Hilfeleistungen im privaten Umfeld wie Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung und Pflegeaufgaben für andere Haushalte sind seit 2000 von 23% auf 21% um rund zwei Prozentpunkte gesunken. Diese Abnahme ist bei den Frauen mit minus 2,9 Prozentpunkten grösser als bei Männern mit 1,5 Prozentpunkten. Espace de l'europe 10 CH-2010 Neuchâtel

2 Männer engagieren sich am häufigsten für Sportvereine, Frauen bei der Kinderbetreuung Grundsätzlich hat sich an der Struktur der Freiwilligenarbeit nichts geändert: Männer engagieren sich häufiger für Vereine und Organisationen als Frauen (28% gegenüber 20%). Weitaus am meisten Freiwilligenarbeit wird für Sportvereine geleistet (11% der Männer gegenüber 5% der Frauen); ansonsten engagieren sich Frauen und Männer unterschiedlich stark je nach Organisationstyp. Frauen übernehmen öfter informelle Hilfeleistungen für andere Haushalte (26% der Frauen gegenüber 15% der Männer). Am häufigsten betreuen die Frauen bekannte oder verwandte Kinder aus anderen Haushalten. Bei den Männern stehen Dienstleistungen für Bekannte oder Nachbarn an erster Stelle. Die im freiwilligen Bereich aktiven Personen wenden durchschnittlich beinahe einen halben Arbeitstag pro Woche für diese unbezahlten Tätigkeiten auf (rund 13 Stunden pro Monat für Freiwilligenarbeit in Vereinen oder Institutionen und 15,5 Stunden für informelle Hilfeleistungen). Es bestehen markante regionale Unterschiede Beim freiwilligen Engagement für Organisationen und Vereine bestehen grosse regionale Unterschiede. Zum einen fällt auf, dass der Anteil freiwillig und ehrenamtlich Tätiger in der deutschsprachigen Schweiz deutlich grösser ist als in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz (29% gegenüber 20% respektive 13%). Zum anderen zeigen sich selbst innerhalb der Sprachregionen wesentliche kantonale Unterschiede beim Anteil an freiwillig Tätigen. Ländliche Kantone weisen höhere Anteile aus als eher städtische. Auch bei der informellen Freiwilligenarbeit lassen sich ähnliche Unterschiede zwischen den Sprachregionen und den Kantonen feststellen: In der deutschsprachigen Schweiz wohnhafte Personen engagieren sich deutlich häufiger informell als in den französisch- oder italienischsprachigen Regionen Wohnhafte (40% gegenüber 33% respektive 26%). Die Motivation der freiwillig Tätigen ist oft Freude an der Tätigkeit Über 80% der Personen, die sich in Vereinen und Organisationen freiwillig betätigen, tun dies, weil ihnen die Tätigkeit Spass macht. 74% betrachten ihr Engagement als gute Möglichkeit, zusammen mit anderen Menschen etwas bewegen zu können. 69% möchten anderen Menschen helfen und 61% beurteilen das Zusammenkommen mit Menschen als wichtige Motivation. Frauen wie Männer zeigen eine sehr hohe Übereinstimmung in dieser Mischung aus gemeinnützigen Motiven und selbstbezogenen Beweggründen. Nur gerade 17% der Bevölkerung sind in keiner Weise freiwillig engagiert Die freiwillige Arbeit in Vereinen und Organisationen, informelle freiwillige Tätigkeiten ausserhalb solcher organisierten Strukturen und das Spenden von Geld oder Naturalien können als drei Arten von freiwilligem Engagement verstanden werden. Grundsätzlich zeigt sich, dass die Beteiligungsquoten umso geringer sind, je aufwändiger und bindender ein freiwilliges Engagement ist. Spenden auf der einen Seite drei Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung ab 15 Jahren Geld oder Naturalien, ist lediglich ein Viertel für Vereine oder Organisationen freiwillig tätig. Den 17% der Bevölkerung, die in keiner Weise freiwillig engagiert sind, stehen 11% umfassend Freiwillige gegenüber, welche sich informell und formell engagieren und zudem noch Geld oder Naturalien spenden. Interessant ist, dass freiwillig Tätige fast immer auch spenden. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Pressestelle 2/7

3 Datenquellen Modul «Unbezahlte Arbeit», Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des BFS: Erhebung alle drei bis vier Jahre seit Darin wird sowohl das institutionalisierte (oder formelle) als auch das informelle freiwillige Engagement berücksichtigt. Die aktuellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2007 und beziehen sich auf die Wohnbevölkerung ab 15 Jahren; die nächste Erhebung erfolgt Detaillierte Informationen zur Erhebung finden Sie hier: quellen/blank/blank/ua_sake/01.html Freiwilligen-Monitor 2006 der SGG: Die Erhebung liefert zusätzliche Informationen zu regionalen Unterschieden, zur Motivation der Freiwilligen, zum Rekrutierungspotential sowie zur Spendentätigkeit der Bevölkerung; die nächste Durchführung ist für 2009 vorgesehen. Detaillierte Informationen zum Monitor finden Sie hier: Die Resultate des Moduls «Unbezahlte Arbeit» des BFS und des Freiwilligen-Monitors der SGG unterscheiden sich neben den oben erwähnten zusätzlichen Themen des Monitors hinsichtlich einiger methodischer Aspekte wie Erhebungsdesign, Stichprobengrösse, Zusatzschichtung für die Kantone, usw. Dies erklärt zum grössten Teil das allgemein höhere Niveau der Beteiligungsquoten im Freiwilligen-Monitor verglichen mit dem Modul «Unbezahlte Arbeit». Auskunft Modul Unbezahlte Arbeit, SAKE: Jacqueline Schön-Bühlmann, BFS, Sektion Demografie und Migration, Tel.: Auskunft Freiwilligen-Monitor, SGG: Dr. Herbert Ammann, Geschäftsleiter SGG, Zürich, Tel.: Dr. Isabelle Stadelmann-Steffen, Universität Konstanz, Tel: Neuerscheinung: Freiwilligenarbeit in der Schweiz, Bestellnummer: , Preis: gratis Pressestelle BFS, Tel.: ; Fax: , Publikationsbestellungen, Tel.: , Fax: Weiterführende Informationen und Publikationen in elektronischer Form finden Sie auf der Homepage des BFS Themen > 20 - Wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung Die Medienmitteilungen des BFS können in elektronischer Form (Format pdf) abonniert werden. Anmeldung unter Diese Medienmitteilung wurde auf der Basis des Verhaltenskodex der europäischen Statistiken geprüft. Er stellt Unabhängigkeit, Integrität und Rechenschaftspflicht der nationalen und gemeinschaftlichen statistischen Stellen sicher. Die privilegierten Zugänge werden kontrolliert und sind unter Embargo. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) hat diese Medienmitteilung 1 Werktag vor der Veröffentlichung erhalten. 3/7

4 Beteiligungsquoten für institutionelle Freiwilligenarbeit im Zeitvergleich G 1 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% Total Frauen Männer Vertrauensintervall Quelle: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE): Unbezahlte Arbeit Beteiligungsquoten für informelle Freiwilligenarbeit im Zeitvergleich G 2 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% Total Frauen Männer Vertrauensintervall Quelle: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE): Unbezahlte Arbeit Beteiligung an institutionalisierter Freiwilligenarbeit nach Typen und Geschlecht in Prozent der Wohnbevölkerung Frauen G 3 Männer 5,0 Sportvereine 11,4 3,9 4,4 4,3 3,0 1,3 1,0 12% 9% 6% 3% 0% Kulturelle Vereine Sozial-karitative Organisationen Kirchliche Institutionen Interessenvereinigungen Öffentliche Dienste Politische Parteien, Ämter 2,7 2,7 2,3 3,1 5,1 5,8 0% 3% 6% 9% 12% Quelle: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE): Unbezahlte Arbeit /7

5 Beteiligung an informeller Freiwilligenarbeit nach Typen und Geschlecht in Prozent der Wohnbevölkerung G 4 Frauen 8,2 7,4 6,8 3,5 1,8 1,5 Verwandte Kinder betreuen Pflege von erwachsenen Verwandten Andere Dienstleistungen für Verwandte Bekannte Kinder betreuen Pflege von erwachsenen Bekannten Andere Dienstleistungen für Bekannte 3,7 0,6 3,0 1,8 0,5 Männer 6,6 0,3 Anderes 0,2 10% 8% 6% 4% 2% 0% 0% 2% 4% 6% 8% 10% Quelle: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE): Unbezahlte Arbeit 2007 Motive der formell Freiwilligen nach Geschlecht G 5 Spass an der Tätigkeit Mit anderen etwas bewegen Anderen Menschen helfen Mit sympathischen Menschen zusammen kommen Eigene Kenntnisse und Erfahrungen erweitern Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten haben Anerkennung Besseres Ansehen für diese Tätigkeit Glaube Eigene Probleme selbst in die Hand nehmen Nutzen für berufliche Laufbahn 27,2 26,6 25,8 24,7 33,5 20,7 18,5 17,6 14,9 12,3 86,9 81,5 76,6 72,4 75,6 61,5 63,9 59,3 66,0 55,3 52,4 52,0 0% 20% 40% 60% 80% 100% Männer Frauen Quelle: SGG, Freiwilligen-Monitor /7

6 Die acht Guppen von Freiwilligen in der Schweizer Wohnbevölkerung G 6 Die Nicht-Freiwilligen 16,5% Die umfassend Freiwilligen 10,6% Die freiwillig Arbeitenden 0,8% Die Formellen plus 12,9% Die Formellen 1,8% Die Spendenden 31,6% Die Informellen plus 20,4% Die Informellen 5,3% Quelle: SGG, Freiwilligen-Monitor 2006 Die acht Gruppen von Freiwilligen Umfassend Freiwillige: formell und informell freiwillig Tätige, die auch spenden Freiwillig Arbeitende: formell und informell freiwillig Tätige, die nicht spenden Formelle plus: formell freiwillig Tätige, die auch spenden Formelle: formell freiwillig Tätige, die nicht spenden Informelle plus: informell freiwillig Tätige, die auch spenden Informelle: informell freiwillig Tätige, die nicht spenden Spendende: nicht freiwillig Tätige, die spenden Nicht-Freiwillige: nicht freiwillig Tätige, die auch nicht spenden 6/7

7 Formelle Freiwilligkeit in den Kantonen > 32,9 % 31,0 32,9 % 29,0 30,9 % 27,0 28,9 % 20,0 26,9 % < 20,0 % VD NE FR JU BS SO BE BL AG LU OW NW SH ZH ZG SZ UR TG GL AR AI SG GR TI GE VS, ThemaKart, Neuchâtel 2008 Quelle: SGG, Freiwilligen-Monitor 2006 Informelle Freiwilligkeit in den Kantonen > 42,9 % 41,0 42,9 % 39,0 40,9 % 37,0 38,9 % 34,0 36,9 % < 34,0 % VD NE FR JU BS SO BE BL AG LU OW NW SH ZH ZG SZ UR TG GL AR AI SG GR TI GE VS, ThemaKart, Neuchâtel 2008 Quelle: SGG, Freiwilligen-Monitor 2006

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